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Full text of "Handworterbuch Der Botanik"

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C K. SCHNEIDERS 

ILLUSTRIERTES 

HANDWORTERBUCH 
DER BOTANIK 

ZWEITE, VOLLIG UMGEARBEITETE AUFLAGE 


UNTER MITWIRKUNG DER HERREN 

Prof. Dr. L. DIELS, Berlin-Dahlem, Prof. Dr. R. FALCK, PIann.-Munden, 
Prof. Dr. H. GLUCK, Heidelberg, Kustos Dr. K. v. KEISSLER, Wien, 
Prof. Dr. E. KUSTER, Bonn, Prof. Dr. 0. PORS CH, Czernowitz, Geh. Berg- 
rat Prof. Dr. H. POTONifi (f), Berlin, Prof. Dr, NILS SVEDELIUS, Uppsala, 
Prof. Dr. G. TISCHLER, Braunschweig, Dr. R. WAGNER,^ 

Dr. R. V, WETTSTEIN, Wien, und Kustos Dr. A. ZAHLBI 

PIERAUSGEGEBEN VON 

Prof. Dr. KARL LINSBAUE 

GRAZ; 

MIT 396 ABBILDUNGEN IM TEXT 




LEIPZIG 

VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 

1917 


Alle RechtCj besonders das der Ubersetzung, vorbehalten. 


Aus dem Vorwort zur ersten Auflage. 


D ie Zahl der botanischen Kunstausdriicke nimmt alljahrlich in immei* 
erheblicherem MaOe zu. 1st es schon heute fiir den Spezialisten nicht 
leicht, die Termini technici seiner Disziplin zu liberblicken, so erscheint es 
fast immoglich, daO ein einzelner die im Gesamtgebiet der Botanik gebrauch- 
lichen Bezeichnungen beherrsche. Um nun alien denen, die an der Botanik 
Interesse nehmen, eine leichte und schnelle Orientierung iiber die allgemein 
angewendeten Kunstausdriicke aller Disziplinen zu ernioglichen , hat der 
Herausgeber versuchtj im vorliegenden Buche diese Termini zu sammeln 
und kurz zu erlautern. Er hat dabei einen anderen Weg eingeschlagen, als 
es sonst bei einem derartigen Unternehmen iiblich ist, indem er von dem 
Gnindsatz ausging, moglichst die Definition des Autors wiederzugeben, oder 
den Begriff in der Fassung zu erlautern, welche ihm in den besten neuen 
Handbiichern der einzelnen Disziplinen von hervorragenden Spezialisten 
gegeben wird. Unter Zugrundelegung der in der Literaturtabelle gesondert 
angefuhrten Hauptwerke, hat der Herausgeber begonnen, dies Biich aus- 
zuarbeiten, und ist natiirlich nicht ausschlieOlich bei die sen Werken stehen 
geblieben, sondern soweit cs notig schien, auf Spezialarbeiten eingegangen. 
Da aber sicherlich selbst groBere Spezialarbeiten mit zahlreichen neuen 
Terminis, die sich bis heute noch nicht weiter eingebiirgert haben, bei der 
Fiille des Stofifes dem Herausgeber entgehen miifiten, so ei'sucht er alle 
Autoren, welche Berucksichtigung der von ihneii geschaffenen Kunstausdriicke 
wiinschen, um entsprechende Mitteilung. Die Quellen, aus denen er geschopft, 
sind in jedem Falle genau zitiert und ernioglichen dem Leser eine Nach- 
priifung dessen, was aufgenommen wurde. 

Da der Herr Verleger wohl mit Recht wiinschte, daO der Umfang des 
Buches ein maOiger bliebe, so war es schon aus diesem Griinde nicht mog- 
lich, alle existierenden Kunstausdriicke aufzunehmen. Es muBten einmal alle 
die, welche als veraltet, als heute nicht mehr gebrauchlich anzusehen sind, 
wegbleiben, es muBte aber auch die Aufnahme der allerneuesten, besonders 
solcher, die nur in der englisch-amerikanischen und fraiizosischen Literatur 
provisorisch aufgetreten sind, stark .eingeschrankt werden. Ferner war es 
nicht leicht, das zu behandelnde Gebiet auch nur einigermaBen scharf ab- 
zugrenzen, Der Herausgeber lieB sich dabei von folgenden Gesichtspunkten 



IV 


Vorwort zur ersten Aiiflage. 


leiten. Alle jene Ausdriicke, die rein deskriptiver Art sind, blieben unbe- 
riicksichtigt, da sie ja in verschiedenen kleinen Worterbiichern behandelt 
werden. Ebenso wurden alle Bezeichnungen aiisgeschaltet; die zur Biochemie 
und Mikrotechnik im engeren Sinne gehoren, wie solchej die fast rein 
physikalischer und geologischer Natur sind oder sonst in Grenzgebiete der 
Botanik fallen. Dem Herausgeber erschien es aber doch vorteilhaft, allge- 
meine Begriffe, wie etwa Quellung, Garung, Katalyse, Turgor nicht ganz 
aufier acht zu lassen, wie eben eine scharfe Abgrenzung unmoglich war und 
das subjektive Ermessen von Fall zu Fall entscheiden muBte. Jedenfalls war 
der Herausgeber berniilit, das, was als allgemein bedeutungsvoll angesehen 
werden kann, zu sammeln und an der Hand der reichen Illustrationen, die 
der Herr Verleger ihm bereitwilligst zur Verfiigung stellte, zu erlautern. 

Wien, k. k. Hofmuseum, Botanische Abteilung, 
den 15. April 1905. 


Camillo Karl Schneider. 



Vorwort zur zweiten Auflage. 


Herr C. K. SCHNEIDER hatte bereits, uiiterstiitzt von Prof. Dr. O. PORSCH, 
die Vorarbeiten fiir die neiie Auflage , insbesondere die Gewinnung der 
Mitarbeiter und die Verteilung des Stoffes durchgefilhrt, als er sich veranlaDt 
sahj die Redaktion zuriickzulegen. Auf Einladung des Verlages entschloB 
ich mich in letzter Minute die Plerausgabe zu ubernehmen. Da der Wechsel 
in der Redaktion zur Zeit des urspriinglich festgesetzten Redaktionsschlusses 
eintrat, konnte an den allgemeinen Dispositionen keine Anderung mehr 
vorgenommen werden; wenn im einzelnen noch manche Veranderungen 
durchgefiihrt warden, so danke ich es dem besonderen Entgegenkommen 
der Herren Fachkollegen, welche sich in den Dienst der Sache stellten. 

Eine prinzipielle Anderung gegenuber der ersten Auflage wurde insofern 
durchgefiihrt, als darauf verzichtet wurde, die einzelnen Termini dutch mehr 
Oder minder umfangreiche Ausziige aus den Quellenwerken zu erlautern; 
eine knappe, aber auch weiteren Kreisen verstandliche Darstellung war unset 
Ziel. Wenn wir uns aus diesem Grunde nicht mit bloBen Definitionen 
begniigten, so lag es dem Plane des Worterbuches doch durchaus feme, sich 
zu einem Handbuche der Botanik zu entwickeln. Auch beziiglich der ety- 
mologischen Erlaiiterungen wurde ein neuer Weg versucht, indem sie aus 
dem Texte eliminiert und die fiir die Ableitung der Termini in Betracht 
kommenden Worter des lateinischen und griechischen Sprachschatzes in der 
Einleitung zusammengestellt warden. Es sollten dadurch die bei konsequenter 
Durchfuhrung unvermeidlichen Wiederholungen der Etymologic und das lange 
Suchen nach der Stelle, an der irgend ein Ausdruck zum erstenmal gebraucht 
wurde, vermieden werden. Auch bei der neuen Anordnung wird es ohne 
besondere philologische Schulung nicht schwer fallen, die Stammwdrter zu 
ermitteln; zusammengesetzte Termini miissen im Bedarfsfalle naUirlich unter 
den einzelnen Komponenten nachgeschlagen werden. 

Wahrend gegenuber der ersten Auflage eine Anzahl veralteter und 
ungebrauchlicher Termini in Wegfall kam, wurde andererseits dank der 
Mitwirkung zahlreicher Spezialisten die Zahl der aufgenommenen Fachaus- 
driicke ganz auBerordentlich vermehrt; sie ist auf etwa 7000 gestiegen. 
Die aus der ersten Auflage ubernommenen Artikel warden mit wenigen 
Ausnahmen vom Grund aus- neu bearbeitet. Diesmal fanden auch die 


VI 


Vorwort zau* zweiten Auflage. 


Grenzgebiete eine starkere Beachtung, doch ist gerade hier infolge der 
wechselseitigen Durchdringung der einzelnen Disziplinen die Auswahl schwierig 
und nicht frei von einer gewissen Willkiir. So warden aiis dem Gebiete 
der chemischen Physiologic nur solche Termini aiifgenommenj welche mehr 
biologisch als chemisch charakterisiert und fur den Botaniker von besonderem 
Interesse sind. Andererseits sollte aber aucli auf Termini verwandter Dis- 
ziplinen hingewiesen werden, denen eine allgemeinere biologische Bedeutung 
zukommt. Das sich zu immer groBerer Beachtung durchringende Gebiet 
der Entwicklungsmechanik hat inzwischen voii berufenster Seite eine muster- 
giiltige Bearbeitung erfahren, die in manchen Fallen auch unserer Darstellung 
zustatten kam. Wenngleich ein Teil der dort verarbeiteten Begriffe auch 
im vorliegenden Worterbuche nicht libergangen werden konnte, so bildet 
Roux’ Terminologie doch eine unentbehrliche Erganzung des vorliegenden 
Worterbiiches in bezug auf dieses Gebiet. 

Nach wie vor war es unser Bestrebeii, die Kunstsprache der »wisseii- 
schaftlichen« Botanik zu verarbeiten; die zahllosen Termini der rein deskrip- 
tiven Morphologic, der angewandten Botanik mit ihren’Sondergebieten, der 
Mikrotechnik und iihnlicher Gebiete fanden daher keine oder nur eine neben- 
sachliche Beriicksichtigimg. 

Auf historisch-kritische Darlegungen muBte mit Riicksiclit auf den ver- 
fiigbaren Raum fast vollig Verzicht geleistet werden. Beziiglich der Literatur- 
Zitate war es die Tendenz des Herausgebers, moglichst den Autor und die 
Quelle der einzelnen Termini und eventuell eine zusammenfassende Arbeit 
aus neuester Zeit namhaft zu machen, welche eine weitere Orientierung 
ermoglicht. Dieser praktische Gesichtspunkt brachte es mit sich, dab manche 
verdienstvolle, ja grundlegende Arbeiten keine Erwahnung fanden und niit- 
iinter gegen Kompilationen zuriicktreten muBten. 

Die Arbeitsteilung wurde ohne Pedanterie in folgender Weise durch- 
gefiihrt : 

Prof. Dr. L. DiELS, Berlin-Dahlem {/).} ') : Allgemeine Pflanzengeographie, 

» » R. Falck, Hann.-Mimden (A.): Pike, 

» » H. Gluck, Heidelberg [G.]: Morphologic (exkl. das Spezialgebiet 

von Dr. R. Wagner), 

Kustos Dr. K. V. Keisst.ER, Wien [K .) : Bryophyten und Pteridophyten, 
Prof. Dr, E. Kuster, Bonn {Kst): Pflanzenpathologie, 

K. Linsibauer, Graz (/>.): Physiologic, 

» 0. PORSCH, Czernowitz {F.): Anatomic, Embryologie und Bliiten- 
biologic, 

» » H. POTONU^ (t), Berlin (Ft,): Palaobotanik, 

» > N. SVEDELIUS, Uppsala (Sz'.) : Algen, 

» » G. Tischler, Braunschweig (T,): Zytologie, Vererbungslehre, 

Dr. R. Wagner, Wien (W.): Morphologie (speziell Verzweigung, Blatt- 
stellungslehre, Infloreszenz) ®), 

Der abgekiirzte Autoreiiname in Klammer entspricht der Signatur, mit ■welcher jeder iicu- 
aiifgenommene oder neubearbeitete Artikel signiert ist. 

”) Tlerr Dr. Wagner stellte seine freiindllcbe Mitwirkung bedauerlicberweise aus dem 


Vorwort zin* zweilen Anflage. 


VTI 


Hofr. Prof. Dr. R. V. Wettstein [v. WUsL): Artbildung, 

Kustos Dr. A. Zahlbruckner, Wien (Z): Flechten. 

Uberdies erfreute sich Herr Prof Dr, P'alck der Unterstiitzung des Herrn 
Dr. Eddelbuttel. — Herr Privatdozent Dr. Br, Kubart, Graz {K6.)^ hatte 
die Gttte, nach dem Hinscheiden Prof PoTONiEs noch einzelne Erganziingen 
des palaobotanischen Teiles vorzunehmen. 

Die wortlich aus der ersten Auflage ubernommeiien, gelegentlich nur 
gekiirzten Artikel, die nicht von spezieller Seite einer Revision unterzogen 
wurden — es handelt sich zumeist iim morphologische Termini — , erscheinen 
im Text ohne Signatur; alle ubrigen wurden zum Zeichen der erfolgten 
Revision grundsatzlich mit dem Signum des jevreiligen Mitarbeiters ver- 
sehen, ohne Rucksicht darauf, ob sie ganzlich oder nur teilweise neubearbeitet 
wurden, was die Regel bildete, oder der Text im ganzen beibehalten wer- 
den konnte. Der letztere Fall betraf insbesondere die bryologischen Artikel, 
welche in der ersten Auflage von Herrn Prof SCHIFFNER behandelt wurden, 
wahrend sie diesmal in das Arbeitsgebiet Dr. v. KeisSLERs fielen. Dieser 
Wechsel in der Person der Bearbeiter fiihrte zu einem unliebsamen Vor- 
kommnis, zu dessen Aufkla!rung Herr Dr. v. Keissler nachstehende Erklarung 
abzugeben wiinscht: 

»Von dem urspriinglichen Herausgeber der zweiten Auflage, Herrn 
C, Schneider, mit der Bearbeitung der Kryptogamen betraut, habe ich 
u. a. auch die bryologischen Artikel, welche in der ersten Auflage von 
Herrn Prof Dr. V. SCHiFFNER bearbeitet worden wareii, einer Durchsicht 
unterzogen. Da zu einer vollig neuen Umarbeitung keine Veranlassung vor- 
lag, um so weniger, als die urspriingliche Fassung aus der Feder einer 
anerkannten Autoritat auf bryologischem Gebiete stammte, wurden die 
Artikel nach Riicksprache mit Plerm C, SCHNEIDER fast durchweg wortlich 
oder mit geringen textlichen Anderungen ubernommen imd mit meinem 
Namen si'gniert. Ich setzte naturlich voraus, daB diesbezliglich zwischen 
den Herren Schneider und Prof Schiffner eine Vereinbarung getrofifen 
wurde. Da eine solche bedauerlicberweise luiterblieben ist, so erblickte 
Herr Prof. Schiffner in diesem Sachverhalt mit Recht eine schwere 
Schadigung seines Urheberrechtes, die mir durchaus feme lag. Ich betone 
ausdriicklich, daB ich fur die textlichen Veranderungen und Umstellungen, 
welche ich an den Artikeln Prof ScHiFFNERs vorgenommen habe, die 
wissenschaftliche Verantwortung trage. Dr. V. Keissler, ni. p. « 

Es- eriibrigt mir als derzeitigem Herausgeber der vorliegenden Auflage 
nur, Herrn Prof SCHIFFNER, welcher auf Grand der vorstehenden Erklarung 
seinen Einspruch gegen das Erscheinen des Werkes in seiner vorliegenden 
Form zurtickzog, meinen Dank fiir sein Entgegenkommen auszusprechen. 
Um so mehr bedaure ich meinerseits, daB Herr Prof SCHIFFNER, welcher 


Flerausgeber unbckannt gcbliebeiien Griinden ein, naclidem die Revision von seiner Seite bereit 
bis etwa zur Halfte des \Yerkes gedieben war. Da eine Anderung in den Dispositionen um diese 
Zeit ausgescblossen war, blieb nicbts librig, als die restlicben von Herrn Dr. Wagner in der 
ersten Auflage bearbeiteten Artikel unverandert mit seiner Signaliir in die Neuauflage zu iiber- 
neliinen. 


VIII 


Vonvorfc zur zweiten Auflage. 


sein faclimannisches Wissen auf bryologischem Gebiete in den Dienst der 
ersten Auflage gestellt hatte, nicht von vornberein mehr zur Mitarbeit an 
der zweiten Auflage eingeladen und von den geanderten Dispositionen in 
Kenntnis gesetzt wurde. Es ist selbstverstandlicb, daB Herr Prof. SCHIFFNER 
weder fiir die an seinen Artikeln vorgenommenen textlichen Veranderungen, 
noch fiir die Vollstandigkeit in der Auswahl der aufgenommenen Artikel die 
V erantwortung ubernimmt. 

Die Neuaiiflage des Handworterbuches stand unter einem unglucklichen 
Stern; der spate Redaktionswechsel und die Schwieriglceiten^ welche die 
kriegerischen Ereignisse mit sich brachten, macbten sich wiederbolt in 
storender Weise geltend. Da der Druck nur auBerst langsam gefordert 
werden konnte und zeitweilig ganz ins Stocken geriet, wurde der Zeitraum 
zwischen RedaktionsschluB und Beendigung des Druckes scblieBlich so 
betrachtlich, daB ich niich zur Angliederung eines umfangreicheren Nach- 
trages genotigt sab, welcher in erster Linie Termini aus Arbeiten der letz- 
teren Zeit aufzimebmen bestimmt war, die im liaupttexte nicbt mehr unter- 
gebracbt werden konnten. Ich verkenne nicbt den mit dieser Anordnung 
verbundenen Nachteil, glaube aber, daB er durch die damit erzielte groBere 
Vollstandigkeit wieder aufgehoben werden diirfte. 

Zum Schlusse erflille ich eine angenehme Pflicht, indcm ich alle jenc, 
welche Zeit und Arbeit in den Dienst des Handworterbuches stellten, meines 
aufrichtigen Dankes versichere. Insbesondere babe ich bier Herrn Prof. 
PORSCHs zu gedenken, dem in erster Linie die Gewinnung der Mitarbeiter 
zu verdanken ist und der nur durch seine javanische Reise an der Uber- 
nahme der Gesamtredaktion verhindert wurde. Besonderen Dank schuldige 
ich ferner meinem hochverehrten Kollegen Prof. Heinr. Schenkl, welcher 
die Giite hatte, das etyraologische Verzeicbnis einer Durchsicht zu unter- 
ziehen. Eiidlich danke ich auch an dieser Stelle meinem Assistenten, Herrn 
Dr. Fk. Weber, welcher mich bei den zeitraubenden Korrektur-Arbeiten tat- 
kraftig unterstiitzte. Gerne und dankbar anerkenne ich schlieBlich das auch 
unter schwierigen Verhaltnissen stets bewiesene Entgegenkommen von seiten 
des bewahrten Verlages und gebe nur der Hoffnung Raum, daB das Hand- 
wdrterbuch dank der Mitwirkung nanihafter Spezialisten auch in der vor- 
liegenden Auflage seinen Zweck erfullen moge. 

Graz, Marz 1917. 


Der Heraiisgeber, 


Literatur-libersicht 


A. Hand- imd Lehrbtichei’, 

welclie im Text in tier Regel nur durcli Angabe des Autors zitiert werden. 

(Wo niclit anders bemerkt, bezlehen sicli die Zitate anf die letzte vor dem Jabre 1914 erschienene 

Auflage.) 

BarYj a. de, Vergl. Anatomic der Vegetatiousorgane der Phanerogainen imd Fame. Leipzig 1877, 
Baur, E., Einfubrung in die cxperimentelle Vererbimgslelire. Berlin 1911; 11 . Aufl. 1914. 
Benecke, W.j B-aii nnd Leben der Bakterien. Leipzig und Berlin 1912. 

Bonner I.ehrbuch sicbe Strasburoer. 

Cz.\rEK, Fr., Biochemle der Pllanzen. I. Bd., 11 . Aiifl., Jena 1913; II. Bel., 1 . Aiill., 1905. 
Drude, O., liandbiich der Pnanzengeographie, Stuttgart 1890. 

, Deiitscbland.s Pilanzengeograpbie. Stuttgart 1896, 

Eichler, BUitendiagramrae. Leipzig 1S75 — 187S. 

Engler, A. und Pkan'J'L, K., Die naturliclien Pllanzenfamilien. I.eipzig 1S97 — . Iin Text zitiert 
mit E. P. 

Engler, A., Syllabus der Pflanzenfamilien. VIT. Aufl., Berlin 1913. 

Euler, PL, Grundlagen und Ergebnissc der Pflanzenchemie. Braunschweig 1908-- 1909. 
Frank, A. B., Lebrbucli der Botanik. Leipzig 1892—1893. 

, Die Krankbeiten der Pflanzen. 11 . Aufl. Breslau 1895. 

Goebel, K,, Organograpbie der Pflanzen, I. Aufl. Jena 189S— 1901; If. Aufl. 1 . Tl. Jena 1913; 
IL Tl. I. I-Ift. 1915. 

Goldschmidt, R., Einfulirimg in die Vererbungswissensebaft. IT. Aufl. Leipzig 1913. (Zitiert 
nacb I. Aufl.) 

PIaberlandt, G., Physiologiscbe i’llanzenanatomie. IV. Aufl. Leipzig 1909. 

PIaecker, V., Allgemeine Vererbungslebre. Braunschweig 19 ii. 

PIOBER, R., Pbysikaliscbe Cbemie cler Zelle und der Gewebe. TIT. Aufl. Leipzig 1911 ; 
IV. Aufl. 1914. 

Johannsen, W., Elemente der exakten Erblicbkeitslehre. II. Aufl. Jena 19 13. 

JosT, L., Vorlesungen iiber Pflanzenpbysiologie. III. Aufl. Jena 1913. 

KIerner, a., Pflanzenleben. IL Aufl. Wien und Leipzig 1896— 1S98. 

ICirci-iner , O., Loew, E. und Schroeter, C., Lebensgesebiebte der Bliitenpflauzen MitteL 
europas. Stuttgart 1904 — . 

Klebahn, PL, Die wirtswecbselnden Rostpilze. Berlin 1904, 

Knuth, P., Plandbuch der Bliltenbiologie. I-,cipzig 1898 — . 

K^uster, E., Patbologiscbe Pflanzenanatomie. Jena 1903; IL Aufl, 1916. 

, Die Gallen der Pflanzen. Leipzig 1911. 

Lemmekmann, E., Algen in: Kryptogamenllora der Mark Brandenburg. Berlin 1910. (Zit.: »L.!«) 
Limpricht, K. G., Die Laubmoose Deutscblands, Osterreiebs und der Schweiz in Rabenhorsts 
Kryptogamenfiora. I. Abt. Leipzig 1890. 

Loew, E., Einfiibrung in die Bliitenbiologie. Berlin 1895. 

Lotsy, J. P., Vortrage liber botanlsche Stammesgescbiclite. Jena 1907 — 19 ii. 

Ludwig, Fr., Lebrbuch der Biologic der Pflanzen. Stuttgart 1893. 

Masters, M. T., Pflanzenteratologie. Ubersetzt von Dammer, U. Leipzig 1886. 

Oltmanns, F., Morphologic und Biologic der Algen. Jena 1904 — 1905. (Zit. > 0 .<) 



X 


Titeratiir-Ubersicht 


Oppenheimek, C., Handbiich der Biochemie. Jena 1909 — . 

J\\x, F.j Allgcmeiiie Morphologie der Pflaiizen. Stuttgart 1890. 

Prantl, K,, Lehrbiich der Botanik. XII. Aufl. Leipzig 1904. (Zit. : )d^RANTL-Pv\x<'.) 

Penzig, O., Plianzeiiteratologie. Jena 1890. 

Pfeffer, W., Pflanzenpliysiologie. 11 . Aiifi. Leipzig 1897 — 1904. 

POTONIE, PL, Lehrbuch der Pflaiizenpalaeontologie. Berlin 1899. 

, Grundlinien der Pflanzenmorphologic im Lichte der Palaeontologie. 11 . Anil. Jena 1912. 

Rabeniiorst, L.j Kryptogamenflora Deutschlandsj Osterreicbs und der Schweiz. 11 . Anfl. (1884—.} 
(Zit: »R. Kr.<.) 

Roux, W., T: • J-- ■'•’“-^“-■^'''■'•—gsmechanik der Tiere mid Pfianzen. Leipzig 1912. 

ScniMPER, A. . . . an'' Grundlage. II. Aufl. Jena 1908. 

Strasburger, E., Lehrbuch der Botanik :■ I ‘i . XII. Aufl. Herausgegeben von 

H. Fitting, PI. Sciienck, L. Jost und G. Karsten. Jena 1913. 

Vkleno%^sky, J., Vergleichende Morphologie der Pflanzen. Prag 1909 — 1911. 

Verworn, M., Allgemeine Physiologic, V. Aufl. Jena 1909. 

Warming, E., Plandbuch der systematisclien Botanik, deutsche Ausg. TI. Aufl, Herausgegeben 
von Moebius. Berlin 1902. 

, Lehrbuch der okologischen Pflanzcngeographic. 11 . Aufl. Ubersetzt von Graebnkr. 

Berlin 1902. Im Text zitiert Warming, S. ... 

Weismann, a., Vortrage iiber Descendenztheorie. TIL Aufl. Jena 1913. 

Weti stein, R. V., Handbuch der .systematisclien Botanik. 11. Aufl. Wien 1911. 

WiESNER, J., Organographie und Sy^tematik. III. Aufl. Beaibeitet von K. Fritsck. Wien 1909. 
- - , Anatoinie und Physiologic der Pfianzen. V. Aufl. Wien 1906. 

, Biologic der Pfianzen. ITT. Aufl. Wien 1913. — Weim im Text Wiesner ohnc Quelle. 


B. Zeitschriften ’). 

A. J. B. = Annale.s du jardin botaiiique de Buitenzorg. Leiden. 

A. of B. = Annals of Botany. Oxford. 

Ann. sc. nat. = Annales dcs sciences naturellcs. Botanique. Paris. 

B. B. C. = Beihefte zinn Botanischen Centralblatt Dresden. 

B. C. = Botanisches Centralblatt. Jena. 

Beitr. z. Biol. = Cohns Beitrage zur Biologic. Breslau. 

Bibl. bot. = Bibliotheca bolaiiica, Stuttgart. 

Biol. C. = Biologisches Centralblatt. Leipzig. 

Bot Gaz. = Botanical Gazette. Chicago. 

B. Z. = Botanische Zeitung. Leipzig. 

C. r. = Comptes reiidus des seances de racademie des sciences. Paris. 

D. Ak. Wien = Denkschrift der kals. Akademie der Wissenschaften. Wien, Math.-nat Kl. 

E. P. siehe Engler u. Prantl unter Plandbiicher. 

Erg. d. Ph. = Asher u. Spiro, Ergebnisse der Physiologic. Wiesbaden 1902 — . 

PL d. B. siehe OprENiiEiMER unter Plandbiicher. 

J. w. B. = Pringsiieims Jahrbiichcr fiir wissenschaftliche Botanik. Berlin. 

L. siehe LeMxMERMANN unter Handbiich or, 

M. Ak. Berlin == Monatshefte der Berliner Akademie der Wisseiischaften. 

Nat Woch. = Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Jena, 

0. siehe Oltmanns unter Plandbiicher. 

0 . B. Z. = Osterreichisch-Botanische Zeitschrift. Wien. 

Prgr, = Progressus rei botanicae. Jena. 

R. Kr. siehe Rabeniiorst unter Handbucher. 

S. Ak. Berlin = Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, Physikal.-mathem. KL Berlin. 
S. Ak. Wien := Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften in Wien, Mathem.- 

naturw. Klasse, 1 . Abt. 

Sv. Vet PL = Kg. Svensk. Vetensk.-Akad. Plandl. Stockholm. 

Z. B. G. = Vferhandlungcn der k. k. Zoologisch-botanischen Gesellsehaft. Wien. 

Z. f. B. = Zeitschrift fur Botanik. Jena. 

Die im Text gebraiichteu Abkiirzungen der bier nicht aufgefiihrten Zeitschriften >md 
ohne weiteres verstUndlich. 



Etymolog-ische Ubersicht. 


A. Lateinische Stammw8i*tei*. 


a, ab: von, weg, 
abortus: Friih-*, Fehlgeburt. ■ 
absorbere, -sorptum: emscbliirfon. 
acarus: Milbe» 

accedere, -cessum: binzukommen. 

accidens: das Zufallige, Unwesentliclie. 

acconimodare: anpassen. 

accnmbere, -cubitum: anliegen. 

acervulus : Haufchen. 

actio: Tatigkeit, Handliuig, 

activus: tatig. 

ad: an, zu. 

adaptarc: anpassen. 

adhaerere, -haesum: anbaften. 

adnatus: angewachsen. 

advenire fadventus, : ankomnien. 

adversarius: Gegner. 

adversus: zugewendet, imgiinstig. 

aequatio : Ausgleichung. 

aequiiibrimn: Gleicbgewicbt. 

aequinoctium: Tag- und Nacbtgleiche. 

aequiis: gleicb. 

aestivus; sommerlicb. 

affinis: aiigrenzend, verwandt. 

agglutinare : ankleben. 

aggregate : b eigesellcn . 

ala: Fliigel. 

albus: weib. 

alter: ein anderer. 

alternate : abwecbseln. 

alveus (Dim. I alveolus) neulat. : Mulde. 

amentum: Katzcben. 

ampulla: kl, Flasche. 

amylum: Starke. 

angere : zusammenschnureii. 

annulus : Ring. 

annuus: jahrlicb, jabrig. 

ante: vor. 

antenna: Segelstange, Fiihler. 
anticipate: vorhernehmen. 
anticus: vome befindlich. 
apertus: offen. 

Dim, = Diminutivum. 


apex: Spitze. 
apis : Biene. 
appendix: Anbang. 
apponere, -positum: binzufdgen. 
apprimere, -pressum: andrticken. 
arbor (Dim. arbuscula): Baum, 
area: Flacbe. 
arillus: Mantel, 
armilla: Armband, 
articulatus : gegliedert. 
assimilate: abnlich machen. 
associate: (sicb) zugesellcn. 
atavus: Vorfabr. 

aurantia fneulat. aus arab.-pers.) : Orange. 

auricula: Ohrlappcben, Obr, 

aurum: Gold. 

autumnus : H e rbs t. 

auxilium: Hilfe. 

avunculus: Obeim. 

axilla: Achselbdble. 

axis: Acbsc. 

bacca: Beere, * 
ba(c)cillum : Stabcben. 
baculum: Stab, Stock, 
ballista: Wurfmascbine. 
basidium: Sockel. 
basis: Gruiidlage, -linie. 
biennis : zweijabrig. 
bis: zweimnl. 

bra^teola: (Metall-)Blattcben. 
biilbus (Dim. bulbulus, : Zwicbel. 

caedere, caesum: spalten. 
caespes: Rasen. 

callum: dicke, verbartetc Ilaut. 
calor: Wiirme. 
calyx s. xcdv^. 

cambium (neulat)*): Bildungssaft, 

*) Bex alten Pbysiologen einer der vier 
»Hauptsafte des lebendenKdrpers« ; von cambio 
= tauscben. 


XII 


Etyinologische Uberdicht. 


capillus: Haar. 
capsula: Kapsel. 

caputj -pitis (Dim. capitulum): Haupt. 
career: Gefaagnis. 

cardo, -dmis: Angel, Haupt-, Wendepimkt. 
Carina: Kiel, 
carnosus: fleischig. 
carota: Mohre. 

caruncula: StiickclieiL Fleisch. 
cauda (Dim. caudicula): Schwanz. 
caudeXj -dicis: Baimistanim. 
caulis: Stengel. 

cella (Dim. celliila): Kammer, Zelle. 
cicatrix: Narbe. 
cilia: Augenlid, Wimper. 
circhiaius: kreisrund eingerollt. 
circum: he rum. 
cirrus: Kanke. 
clipeus: Schild. 
coagulum: Lab, Gerinnsel. 
cochlea: Schnecke. 

cohaerere, -haesum: zusammenhangen. 
colere, cultum: bebauen, bewohnen. 
colla (xoA/l«) : Leim. 
collectlo: das Ansammeln. 
coliectivus : aiigesammelt. 
collis: Hiigel. 
collum: Hals, 
color: Farbe. 
coloratus: gefarbt. 
columiia (Dim. columella): Saule, 
commeiisalis : Tischgenosse. 
commissura: Verbindung, Fnge. 
compensare: ausgleichen. 
complemeiitum : Erganzung. 
comprimere, -pressum: zusammendrticken, 
con- = cum : mit, zusammen. 
concaulescere : verwachsen. 
concha: Muschel. 
concipere, -ceptiim : empfangen. 
condensare: dicht machen. 
conduplicatus: (Idngsjgefaltet. 

entstaiiden. 

• , ■ ' ' • , ■ . , s. conus): Zapfehen. 

conjungere, -jimctum: verbinden, ehelichen. 
connectere, -nexum; verkniipfen. 
consociatus: innig verbunden. 
contabescere : sicli aufzehren, schwinden. 
contexere : verfiechteii, verweben. 
continuus : zusammenhangend. 
contortus : zusammengedreht. 
contrahere, -tractum: ziisammenziehen. 
conus {’Auji'o ^) : Zapfen. 
convertere, -vei’sum: hinwendeii. 
convolutus : zusammengerollt. 
copula: Seil, Band. ^ 

copnlatzo : Verbindung. 
corolla: Kranz (Krone), 
corpus, -poris (Dim. corpusculuin): Korper. 
correlatio: Vcrhaltnis. 
corrugatus : verschrumpft, runzelig. 
cortex, -ticis : Rinde. 
corymbus {xoQv^d^og): Bliitentraube (d. Efeus). 
costa: Rippe. 
cribrum: Sieb. 


crista; Kamm. 
culmus: Stengel, 
cum: mit. 

cupula: kl. Kufe, Becher. 
curvus: kruram. 
cuspis, -pidis: Spitze. 
cutis (Dim. cuticula): Haut. 
cylindrus: Zylinder, Walze. 


de: von, weg. 

decussatus: kreuzwcise geteilt. 
degenerare : entarten. 
degredi, -gressus sum: herabsteigen. 
denudatus : entblubt. 
deprimere, -pressum: niederdriicken. 
descendere, -scensum: herabsteigen. 
destinare: befestigen, bestimmen. 
destruere, -structum: zerstoren. 
determinare: abgrenzen. 

differre, dilatum: ausbreiten, sich unterscheiden. 
diffusus : zerstreut. 

digerere, -gestum: verteilen; iibertr.: verdauen. 
dilatare: ausbreiten, erweitern. 
dis- : auseinander, ver . . . 

! discus {(^lay.og ) : Scheibe. 
disjungere, -junctum: trennen. 
diss{a)epimcntuni: Scheidewand. 
distare: entfernt sein. 

diversus: nacli verschiedenen Richtungen ge- 
wendet. 

divisio: Teilung. 
dominari : herrschen. 
domus: Haus. 
dorsum: Riicken. 
ducere, ductum: fiiliren. 
duplicatus : gefaltet. 
durus: hart, 
dux, ducis: Fiihrer. 


I e, ex; aus, heraus. 

j efdcere, effectum: veranlassen, erzeugen. 

I ejaculare : aussclileudern. 

I electio: Auswahl, 
eliminare: hinaustrageii. 
emergere, eniersum: emportauchen. 
emigrarc : auswandern. 
emitterc, emissmn: aussenden. 
enascor, enatus sum: hervorwachsen. 
equitare: reiten. 
equus: Pferd. 

erigere, erectimi: in die Plohe ricliten. 
errarc: irren. 

evehere, evectum: herausfiihren, emporheben. 
evolvere, evolutum: entwickeln. 

I ex : aus, heraus. 

excedere, -cessum: herausgehen, uberschreiten. 

excernere, -cretum: ausscheiden, 

excipulum: (Auffanggefali) Pliille, 

excitare: antreiben, aufregen. 

expandere, -pansum :v ausbreiten. 

explodere, -plosum: auspochen. 

extingucre, -stinctum: ausldschen. 



Etymologische Ubersiclit. 


Xllt 


extrorsus: nach aulien gewendet. 
exuviae: abgelegte Kleidung, Haut, 

facies: auftere Gestalt, 
facultas : Gelegenheit. 
farina: MehL 

fascis {Dim. fasciculus): Bimdcl. 
faux, faucis: Schlund. 
fermentum : Sauerteig. 
ferre, tuli, latum: tragen, 
fertilis : fruchtbar. 
fibra : Fasei*. 

figurare: gestalten, fornien, 

filia: Tochter. 

filum: Fadcii 

fimbria: Frause. 

finis: Ende, Ziel, ZAveck. 

fixus: befestigt, angeheftet. 

fiagellum: Peitscbe. 

flos, floris: Blute. 

fluctuare: Avogcii. 

folium: Blatt. 

foliosus : beblattert. 

folliculus: kl. Ledcrschlaucb. 

forma: Gestalt. 

fossa: Graben. 

fovea: Grube. 

fragmentum : Bruclistiick. 

frangere, fractum: breclien. 

frondosus: bclaubt. 

frons, frondis: Laub. 

fructus (Dim. friicticulus) : Frucht, 

frutex, -ticis: Staude, Strauch. 

fugere, fugiturus: flielien. 

fulcrum: StiitzCj Gestclle. 

fimctio: Verrichtung. 

fundamentum : Grund, Grundlage. 

funiculus: diinnes Seil. 

fusio : Alts flub. 


gelare: gefriercn, fest werden. 
gemma: Knospe. ' 

genus: Geschleclitj Gattiuig. 
germcn: Kclm. 
gignere, genltum: zeugen. 
glacialis: eisig. 
glandula: Driisc. 

glans, glandis: Kernfritclit, Eichel. 
gleba; Scholle, Klumpchen. 
globus: Kugel. 

glomus (Dim. glomerulus) : Knauel. 
gluinae (gluma: Balg): Spelzcn. 
gradi, gressus: schreiten. 
granum (Dim. granula): Kdrnclien. 
gutta: Tropfen. 

habitus: Gestalt, Erscheinung. 

haurire, haustum: ausschdpfen, austrinken. 

hereditas: Erbschaft, 

hibernacula: Winterquartiere. 

hiluni (hilla): Darm, Nabel. 

humus: Erde. 

hybricla: Bastard. 


ictus: Schlag, Stich, Sclmitt. 

illegitimus: uurechtmabig, unehclich. 

imbibere: einsaugen. 

imbricatus : dachziegelformig. 

iramergere, -mersum: versenken. 

immotus: imbcwcglich. 

immunis: frei von Leistungcii. 

immutabilis : unvcranderlich. 

imperfectus : unvollkommen. 

impressio : Eindruck. 

in: in, hinciii. 

inactivLis: untatig. 

inaequus: ungleich. 

inanis: leer. 

incidere, -cisum: einschneiden. 

inclinare: himieigen. 

incrustare: ubertiinchen, tiberkrusten. 

incubare,-cubatum u. -cubitum: aufetwas liegen. 

incumbere, -cubitum: sich auf (an) etwas legen. 

indigeua: eingeboren, eiuheimisch. 

inductio : Einfilhrung. 

induere, -dutum: bedecken, bekleiden. 

inficere, -fectum: triinken, vergiften. 

infx'a: unterhalb. 

Iiiitium: Eingang, Anfang. 

imiovare : erneuern. 

iiiserere, -sertum : einftigen. 

integer : unversehrt. 

integumentum: Deckc, Hiille. 

inter: dnzwischen. 

intercalare: cinschalten. 

intermedins : dazwischen. 

intennittere, -missum: untcrbrechen. 

interponere, -posituni: dazwischen stellen. 

intra: iniierhalb. 

introrsus: nach innen zu. 

intumescere : auschwellen. 

iutus: innerhalb. 

inversus : umgekehrt. 

involucriim (Dim, iuvolucellum) : Hiille, 

involutus : eingerollt. 

irritare: anreizen. 

itcrare : wiederholen. 


jugum: ]och. 

jungere, junctum: verbinden. 


labium (Dim. labellum): Lippe. 
lacinia: Zipfel. 
lacuna: Lache, Liicke. 
lamina (Dim. lamella) : Platte, 
latere: verborgen sein. 
latus, latcris: Seite. 
legitimus: rechtmabig, ehelich. 
legumen, -minis: Pliilsenfrucht. 

I lens, lends (Dim. lenticulum): Linse, 
liber, -bri: Bast, 
diberare: befreien. 

'lib rare: im Gleichgewicht erhalten. 
ligare : binden. 
lignum: FIolz. 

I limbus: Rand. 

I linea : Leine, Fadeu. 



XIV 


Etyniologisclie Ubersicht. 


loculus: Kastchen, Fach. 

locus: Ort, Stelle. 

loclix, -dicis (Dim. iodicula) : Deckc. 

lomentiim: em Wasclimittel. 

longus: lang. 

lumen, -minis: Licht. 

lusus: Spiel. 

luteus: gelb. 

luxuria: Uppigkeit. 

manubrium : Handgriff. 

margo: Rand. 

marsupium: Beutel. 

massuia : Kliimpclien. 

mater, matris: Mutter. 

matricalis : mtltterlich. 

niaturus: reif. 

maximus: der Grobte. 

medianus: mittel. 

medulla: Mark. 

membrana: Hautchen. 

mentum: Kinn. 

mergere, mersmn: eiiitauchen. 

micellum : ICrumchen. 

migrare: wandern. 

minuere, minutum: kleiner machen. 

minimus: der Kleinste. 

mittere, missum: gehen lassen, senden. 

mobilis: beweglich. 

moles: Last, "Masse. 

movere, motum: bewegen. 

mulgere, mulctum: melken. 

multus: viel. 

mutare : verandern. 

mutuus: wechselseitig. 


nanus: zwerghaft, kiein. 

nascx, natus sum: gezeugt werden, entstehen. 

uecessarius : notwendig. 

nectar: ein Gottertrank (iibertr. Honig). 

nivalis: sclineeig. 

nodus: Knoten. 

norma: Regel. 

novus: neu. 

nox, noctis: Naclit. 

miQleus (Dim. nucleolus) : Kern. 

nucula Dim. von nux. 

nuptiae : Eh.e, Hochzeit. 

nutare: sctiwanken. 

nutrire, nutritum: nahren. 

nux, micis: Nub. 


ob: gegen. 

obligatus; verpfllicbtet. 

obturare : verstopfen. 

ocrea: Beinschiene. 

oculus (Dim. ocellus): Auge. 

operculum: Deckel. 

opponere, -positum: entgegenstellen. 

oppriinere, -pressum: unterdriicken. 

optimus: der Beste. 

orificium: (Mund-jOffnung. 

OH, oris: Mund. 


oscillare: schwanken. 

ostium (Dim. ostioluin): Eingang, ISlundung. 
ovum (Dim. ovulum): Ei. 


pala: Spaten, Schulterblatt. 
palatum: Gaumen. 
palea: Spreu. 

panicum (Dim. paniculum): Fencbel. 

papilla: Brustwarze. 

parentes: Eltern. 

parere, partum: gebareii. ' 

paries: Wand. 

pars, partis: Teil. 

pater, patris : Vater. 

pellicula: Hautchen. 

pendere (pendeo): hangen. 

pendere (pendo), pensum: svagen, 

penuria: Mangel. 

pepo: KlUrbis. 

per: durch. 

pera (Dim. perula): Ranzen, Knospe. 

percipere, -ceptura: empfangen, wahrnehincn. 

perennis: das Jahr hindurch, andauernd. 

perforare : durchbrechen. 

permanere, -mansum: fortdauern. 

pes (neulat. Dim. pedicellus): Fiib. 

petere, -itum: suchen. 

petiolus : Fiibchen, Stiel. 

pigmentum: Farbstoff. 

pileus: Kappe. 

pilus: Haar. 

pinna (Dim. pinnula): Feder. 
pistillum: Stempel. 
placenta: Kuchen. 
planus: *eben. 
plicatus: gefaltet. 
pluma (Dim. plumula): Feder. 
podium: Tritt, Postament, 
pollen, jDollinis: Staubmehl. 
pomum: Obstfruclit. 
post: hinten, iiach. 
posticus: hinten belindlich. 
potens: machtig. 
potentia: Macht. 
prae: voran. 

praecipitare : herabstiirzen. 
praesens : gegen wartig. 
praevalere : iiberwiegeii. 

primus (primanus: zum Ersten gehorig): der 
Erste. 

pro (s. aucb 7t()6 u, vor, statt. 

processus: Fortsatz. 
prodigiosus: ungebeuerlicb. 
profundus: tief. 

progredi, -gressus sum*, fortscbrciten. 
proles: Sprcibling. 
propagare: crweiteni, Ibrtpflanzen, 
prospicere, -spectum: vorausseben. 
proteus (cf. IIq(otsvs'): vielgestaltig. 
provenire : bervorkommen, fortkomnieii, 
provocare : bervorrufen, reizcn. 
proximiis: der niicbste. 
pulpa: Flciscb. 
piis(t)ula: Blase, Beutel. 


Etymologische Ubersicht. 


XV 


putainen: Schale, Hiilse, 

pyxis {7i‘V^k) (Dim. pyxicUum): Biiclise. 


tpiadruplex, -plicis: vierfach. 
quartaniis: zum Viertea geliorig’. 
quartus: der Vierfce. 
quincunx: funf Zwolftel. 
quiutus : der Fiinfte. 


racemus: Traube. 
radius: Speiche, Halbinesser. 
radix, -dicis (Dim. radicula): Wurzel. 
ramus: Ast, Zweig. 
re-: wieder, zuriick. 
receptaculum : Bebalter. 
recessus : Ruckgang. 
recipere, -ceptum: zuriicknebmen, 
reciprocare: wieder zuruckbringen , wechsel-" 
weise bin und ber bewegen. 
rectus : gerade. 

recurrere, cursum: zurilcklaufen. 
redivivus : wiederbelebt. 
reducere, -ductum: zurtickfiibren. 
reflectere, -flexum: zuriickwenden. 
regenerare: wieder gebaren, erneuern. ! 

regredi, -gressus sum: zuriickschreiten. 
regula; Mafistab, Regel. 
relaxare : nacblassen. 
relinquere, -Uctum: zuriicklassen. 
renasci, -natus sum: wieder geboren (belebt) 
werden. 

reparare : erneuern. 

repraesentare : vergegenwartigen, verwirklicben. 
reproducere, -ductum: wieder erzeugen. 
resina: Harz, 
respirare : atmen. 

restituere, -tutum: wieder binstellen, erneuern. 
resupinare: zuriickbeugen. 
retro: zuriick. 

revertere, -versum: zuriickkebren. 
revolvere, -volutum: zuriickrollen. 
rostrum (Dim. rostellum): Scbnabel. 
ni dimen turn: erster Versucb, Anfang. 
nidus, ruderis : Scbutt, 
ruininare: zemagen. 


saccbarum: Zucker. 
saccus (Dim. sacculus) : Sack, 
sagitta: Pfeil. 
sarmentum: Zweig, Reis, 
scapus: Scbaft. 

scutum (Dim. scutellum): Scbild. 

seqare = secernere: abscbneiden. 

Secundus (secundarius) : der Zweite. 

segmentum: Abscbnitt, Streifen, 

selectio; Auswabl, 

sella: Stubl. 

semen: Same. 

semestre (-rium): Halbjahr. 

semi-: balb. 

senilis: greisenbaft. 

sensibilis, sensitivus: empfindlicb. 


sensus : Wabrnebmung. 

sepalum (neulat.; se -petalum): Kelcbblatt. 

septem: sieben. 

s(a]eptum : Einfriedung. 

series: Reibe. 

sesqui: eineinbalbmal inebr. 
s(a)eta: Borste. 
sexus : Gescblecbt. 
silex, silicis: Kiesel. 
siliqua (Dim. silicula): Scbote. 
similis: abnlicb. 
simultaneus : gleicbzeitig. 
singLilaris : einzeln. 
socialis: gesellig. 
sol, solis: Sonne, 
sordidus: scbmutzig. 
soror : Scbwester. 

spadix: abgerissener Palmzweig mit Kolben. 
spargere, sparsum: ausstreuen. 
spatba {anccx)’?]): breites Scbwert. 
species: Art. 

spica (Dim. spicula): Abre. 
spina (Dim. spinula): Dorn, 
spirare: baucben, atmen. 
spontaneus: freiwillig. 
squama (Dim. squamula): Scbuppe. 
stabilis: feststebend. 
stamen: Faden. 
sterilis : unfrucbtbar. 
stimulare: anregen. 
stipes, -pitis: Stamm, 
stipula: Ilalm. 
stirps, -pis: Stamm, 
stroma {(TTQcij^ua): Bolster, Lager, 
stropbium (s. aucb ffXQicpoj): Busenbinde. 
sub: fast; unter. 
suber, -beris: Kork. 
sub(j)icio, “jectum: imterlegen. 
submersus: untergetaucbt. 
subponere, -positus: unterlegen, -setzen. 
substernere, substratum: unterstreuen, -breiten. 
succedere, -cessum: nacbfolgen. 
succumbere, -cubitum: unter etwas fallen, 
legen. 

suc(c;us : Saft. 
super: oben, iiber. 
superficies: Oberflacbe. 
superponere, -positum: daraufsetzen. 
suscipere, -ceptum: aufnebmen. 
suspendere, -pensum: aufbangen. 
sutoi*, sutoris: Scbuster. 


tangere, tactum: beriibren. 
tapetum: Teppicb. 
tegmen : Hiille. 
tegumen: Decke. 
tempus, temporis: Zeit 
tentare: betasten. 

tepalum: Kunstwort in Analogic von petalum. 

terebrare: durcbbobren, durcbbrecben. 

terminare: begrenzen, beendigen. 

terni: je di*ei. 

tertius: der Dritte. 

testa: Tongescbirr, Topf. 


b 


XVI 


Etyraologisclie UbersicEt. 


testis: Zeuge. 
tingere, tinctum: farben. 
tolerare: ertragen. 
torquere, tortum: drelien. 
torus: Wulst. 
toxicum: Gift, 
trabs, trabis: Balken. 
trachea: Luftrohre. 

trajicere, -jectuni: biniibersetzen , himiber* 
schafFen. 
trama: Gewebe. 
trans: jenseits, liber, binaus. 
trausferre, -latum: iibertragen. 
transfundere, -fusum: iibergieUen, iibertragen. 
transgredi, -gressus sum: iibersclireiten. 
transire, -itum: biniibergehen. 
transmutare: vertauschen. 
transvehere, -vectum: iiberfiihren. 
transversus: quer. 
truncus: Stamm, 
tubus (Dim. tubulus): Rdhre. 
turgere (turgescere) : strotzen, schwellen, 
turio: Sprob. 


ubiqiie: iiberall. 
ultra: jenseits. 

umbella (Dim. von umbra): Scbatten. 
umbilicus: Nabel. 
umbra: Scbatten. 
unguis: Nagel. 

uniformis: einformig, ehifacb. 
unus: cin. 

urere, ustum: brennen. 


utriculus : Schlauch. 
uva: Traube. 

vacuus: leer, 

vagina (Dim. vaginula): Scbeide. 
valere: stark sein, wirken. 
vallum (Dim. valleculum): Tal, 
valva (Dim. valvula) : Tiirflugel, Schale. 
valvatus : zusammengelegt. 
vapor: Dunst. 

varius: mannigfaltig, veranderlicb. 
vas: Gefab. 
vegetus: belebt. 

velamen; velum: Hiille, Decke. 
vena: Ader. 
venter: Bauch. 

vernus: zum Fruhling gehorig. 

versatilis : beweglich. 

vertere, versum: wenden, drehen. 

vertex: Scheitel. 

vesica (Dim. vesiciila): Blase. 

V exil lum : F ahne , 
vibrare: zittern. 
vicarius: stellvertretend. 
vicinus: benachbart. 
virens: griinend. 
virus: Schleim, Gift, 
viscum: Mistel, Vogelleim. 
vita: Leben. 
vitta: Binde. 
vivus: lebendig. 
volva: Gebarmutter. 
volvere: walzen, drehen. 
vorare: fressen. 


B. Griechische Stammwortei-. 


f 4 (alpha privativum): Negation. 

sehr tief. 
ayyeiov'., Behilltnis. 
ayyog: Behilltnis. 

MeXcpog: Bruder. 

dicht, derb. 
luftartig. 

arjQl Luft. 

(dialog: Rub. 
alfKC. Blut. 

«£()w: emporziehen, 

cd(f(yr}aig {(clffOai^ofxccc): Empfindung, Wahr- 
nehmung. 

uhial Grund, Ursache. 

(i’/AivGiog: unverbrannt. 

ccy.oXovxHu): folgen, begleiten. 

axQcar^g: kraftlos. 

tijcQog: zu oberst. 

axrlg: Strahl. 

aXBVQoy: Mehl. 

rdXaceao ) : verandern. 

aXX7}Xo)v: einander, wechselseitig. 

liXXog: ein anderer. 

(t7.0Ei6rig\ salzig. 

(dgi Salz. 


Ambrosia (Gdtterspeise). 
aixoi^rj (ufxei^oiy. Wechsel. 
ufxcpti herum, iieben. 

aftcptptog: doppelt (auf dem Lande und im 
Wasser) lebend. 

apa: auf, nach oben. : 

(KyapaiPO): . ’,:h verbreiten. 

auafiLCofftg: . 

etm^oX'i^: Aufwurf. 
avaXoyog : ubereinstimniend. 
livcmXaaan)'. umbilden. 
uvaaxaaig\ Aufstehen, Erstehen. 
huaaxopLoiy) (crro^w): mit einer Miindung ver- 
sehen. 

avcKpcctyo): zum Vorschein bringen. 

ttPBfxog: Wind. 

ay^Qi Mann. 

ayb'i^XT}: Blilte. 

ay&jjQog: blhhend. 

avOricig'. das Bliihen. 

au^og: Bliite. 

apf}-Q0)7iog: Mensch. 

avi(Sog\ ungleich. 

avo^og\ Weg nach oben. 

(iprayoivi^o^uar, kampfen, wetteifern. 



Etymologische Obersiclit. 


XVII 


auxi: gegen, entgegen. 
ctyxld'Baig : Gegeniiberstellimg. 

(luiiziurjatg : Riickbewegung. 

(<pxiK%t(ng: Rlickbeugung. 

((pxiTvnla: Riickwirkung. 
ci'^iOPi Achse. 
ana^: einmal. 
anXoog'. einfacb. 
ano: weg, berab. 

(iTToiSaluco (/9«z-): fortgeben. 

(cnoJ)'^K7]\ Speicber, Magazin. 
unoaxaffig: Abfall, Abstancl. 
li7TX(i)\ anbeften, haften. 
f<qy6g‘. imtatig. 
aqt^to : benetzen, bewassem. 

^q&qop:^ Gelenk, Glied. 
ciQLaxeqog: links. 
aj):ievd'tgi Wacbolderbeere. 
ciQQ7]v\ mannlicb, stark. 
ci^Xcaog: alt, ebemalig. 

Allfang. 

ciqxo^: 

iiGiKog (■ ■■ Scblaiicb, Sack. 

(iCftTjq: Stern. 
u(7tqop: Gestim. 
caay.xog: iingeordnet. 

(hqocpog: nicbt genabrt. 
cfx^Qvyexog: iinfmcbtbar. 
ctv^ciPio : fordern, wacbsen lassen. 
av^T](Sig: Forderung. 

= civ^apio. 
cvxog: selbst. 

t^aOvg: tief. 

^Sc(y,X}]Ql(c = [iayxqou: Stock. 

-SaXavaxiOP : Granatapfelbliite. 
iSaXXm: werfen, scbleiidern. 
liaqvg: scbwer. 
iSdffig: Grundlinie, -lage. 

das Eintaucben, Fiirben. 
iSipOog: Tiefe. 

^ la Log: gewaltsam, erzwungen. 

(Hog (/5fcdw): Leben. 
iSXciGxui^u ) : keimen, sprossen. 
iSXdffxy = §Xdax7]pia = ^Xaaxog: Keim, SproB. 
^Xeg)aQig: Augenwimper. 

1 ^ 0 X 7 / (fldXXo)): das Werfen. 
iSoaxQvxog: krauses tiaar, Locke. 
fioxqvg: Traube. 

^qaxvg: kiirz. 

^qvio: iippig sprossen, 

yafUxrig: Gatte. 
yajxm: beiraten. 
yd{iog: Hocbzeit, Ebe. 
yccGiTjQ: Baucb. 
y Blimp: Nacbbar. 
yivBiSLg: Ursprung, Geburt. 
yBPPum: zeugen, gebaren. 
yry, Erde. 
yiyug : Riese. 

yiypopLai: werden, entsteben. 
yXoxog: klebrige, zabe Fliissigkelt. 
yXc7)(T<Ta: Zunge. 


yXcoyl^' Spitze. 

yp7)aiog: ehelicb erzeiigt, recbtinabig. 
yvmpiri : Erkenntnis. 
yoPBvg: Erzeuger. 
yopri: Zengung, Geburt. 
yopifiog: frucbtbar. 

Zeiigimg, Geburt, Nachkomme. 
yqajxfxri: Strich, Linie. 
yqdcpm: scbreiben, bildlicb darstellcn, 
yv^ivog: nackt. 
yvpaiyBiop: Frauengemach. 
yvpr}^ yvvaiyog: Weib, Gattiii. 


^BP^qov: Baum. 

^B^iog: recbts. 
lUqpia'. Flaut. 

Bilndel. 

(^BCjxog (clfoj): Binde, Fessel. 
i^BVTBQog: der zweite, spatei*e. 
i^id: durcb. 

(hdyqa^i^^a: Zeicbnung, Figiu*. 
d\ciX V m : auf Ibsen. 
diaffTidm: auseinanderzieben. 
diaitToXTj: Debnung. 

(hccx£^p(o: durcbschneiden. 

&i(X(p Qayfi a: S ch eid e wand. 

(fiacpvm: dazwiscben wacbsen, verwacbsen. 
di^^vfxog: doppelt. 
diKxvop: Netz. 

(Uo d og : Durcbweg. 

d'lnXci^: doppelt zusammengelegt, 

(hnXdog: doppelt. 

(^Ig: zweimal. 
d'layog : Wurfscbeibe. 

geteilt (in zwei Teile). 

(hydCm: zerteilen. 

^oXiyog: lang. 

&ox^: Gefab. 
d'Qsncii'op: Sicbel. 

&Q6^uog: Lauf. 
dvdg: Zweibeit. 
d'v pacing: Kraft. 

(Svg-: mib-. 

Hans. 

(^mpcixiop: Gemacb. 


lyX^^'- eingieben. 

%(!7a(pog\ Boden. 
tO'i'og: Volk. 

BMog: Ausseben, Gestalt. 
EjXmg: Helot. 

Big: in. 

eXaoiJog: Zutritt. 
ix, l|: aus, heraus. 
ixdvm: auszieben. 
ixxog: auben. 

Ixipoqd [wiqm): Heraustragen. 

eXcieop: 01 . 

iXcn^q: Treiber, Scbiieller. 
iXsv^eqog: frei. 
eXxm: zieben. 
iXog: Sumpf. 

Bjx^Qvop: Leibesfrucbt, 

b* 



XVIII 


Etymologisclie Ubersiclit. 


l^nqoaB'tos'. der vordere. 
fjucpv’cog: eingepflanzt, elngeboren. 
in. 

luaXiog: am Meere. 
hvauxiog', entgegen, 

%v^r)^og\ in der Heimat. 

%v^ov\ driiinen. 

lviqyBici\ Tatigkeit, Wirkung. 

: Mneinbringen, 

tvTofiog'. eingescbnitten (iibertr. Bezeicbming 
fiir Insekten). 

U S. €>t. 

l\apd'Lo^\ bervorbliibenj -sprieben. 

Ini : auf. 

lm§XriiJ,€i das Daraufgesetzte, Tapete. 

hniyciiog: auf der Erde. 
lniyovog\ nacligeboi-en. 
lniOrif.La das Daraiifgestellte. 

ImvXivm'. iimneigen. 

Inlc^raaig [lcplaxr}i,it)\ das Eariiberstellen. 

inimy.Tog: binter andere gestellt. 

iTToixog: Ansiedler. 

liiyaala [bQya^o^ca]\ Arbeit, Tat 

bQyop\ Werk. 

iQf]fj.og: verlassen. 

iQXog: Zaim, Wall. 

‘J^QfiacpQoifnog: Sohn des Hermes ii. der Apliro- 
ditc, ein Doppelwesen; Zwitter. 

£Q 7 tco : kriecben. 
hQVthQog: rot. 
i(rniqa: Abend. 

IffyccQa: Brennpunkt 
bfryciTog: auberste, entlegenste. 

STGQog: der andere. 

8xJjCiiog\ jahrlicb. 
ev\ gut, wohl. 

8^/}z5«r*. weit, geraumig. 
lcpaQyL6i^(o\ anpassen. 

£ cp 7]ptGQog : verg jinglich. 
tyo ) : halten. 


Cevytx7]g: angespannt (-gejocbt). 
Cvyopi Jock. 

CvjiiV’ Sauerteig. 

Dim. von ^(jjoy. 

^(oPTj: Giirtel. 

ioyop: Lebewesen, Tier. 


yy,i(7Tcc: am wenigsten. 

Lebensalter, Reife. 
7]Xiog\ Sonne, 
halb. 


{J’dXafiog: Gemacli, Ebebett. 
BrMog: Sprob. 

’fHqanela: Krankenpfiege. 
-O'GQf^og: warm. 

'fHqog: warme Jahreszeit. 

Bebaltnis. 

(yriKi]'. Brustwarze. 

^7l%\}g\ weiblich. 

O- Lyy dp u ) : beriibren. 


xqiyog', Haar. 

■i}^vXXlg: Blasebalg. 

idea : die aubere Gestalt, Erschemiuig. 

eigentiimlich. 
top: ScMeim, Gift 
icog\ gleich. 

Iax6g\ Gewebe. 

y.aBotJogi d'er Weg hinab. 
yaipog : neu. 
y,ata)'. anbrennen. 
yaXaB'ii^iop'. Korb, Bliitenkorb. 
ydXv’^\ Kelcb. 
y,aXvnxqa\ HUlle. 
yapinxco: beugen, 
yapinvXog: gekrummt 
zdpdaQog: eine Kaferart. 
yaqyivog: Krebs, Gescbwitr. 
yaqnog', Frucht 
ydqvov: Nub, Kern. 
y.axd'. herab. 
y.axaXvo): aufloseu. 
yMTcaiXacyffo): bestreichen. 
y.axayMvsvu)'. einscbmelzen. 
ycivffxog {yMuo): verbrannt. 
yJi'TQOp: Mittelpunkt 
yjqag: Horn. 
yecpocX^/: Kopf. 

yTjy/tg: das Hervorquellende (Galle). 

ylyivpog: Haarlocke. 

yAPtco: bewegen. 

yXd^og: junger Zweig. 

yXecGiog : verscbliebbar. 

yXeiO) : verscblieben. 

y.Xtf.ia^: Treppe, Leiter. 

yXiPCo: neigen. 

y.XwPi Scbobling. 

yt'icpag: Dunkeibeit. 

y.oXXog: bobl. 

yqipog: gemeinsam. 

y.oy.yog: Beere. 

yqXeop: Scbeide. 

yoXXtc. Leim. 

yoXXrjxog', geleimt 

yovig\ Staub. 

ybnqog\ Mist 

yoQT]-, Jungfrau. 

yoQfj.bg i Stammstiick. 

yoQVfjpog: Kuppe, Spitze. 

yojQvcpy: Haupt, Scbeitel. 

KoCfjog: Ordnung, Welt 
y,oxvX7](!^(bv: Saugnapfcben. 
x()d(yne&op: Saum, Rand, 
zQaxog: Starke, Kraft 
yQBfjdvvvfjt {y,QSfjSy)\ bangen. 
yQvog\^ Frost 
y.Qvnxbg: verborgen. 
yxebm: toten. 
y.vaB-og\ Becber. 
y.v(iPBog\ dunkelblau. 
xvxXog: Kreis. 
yvjua: Welle. 
yvattg’. Blase. 



Etymologisclie Ubersicht. 


XIX 


yAnog'. Hiille, Haut. 
yvcpsX'kov: das Umhiillende. 
yvipeXv' Kasteii,- Kiste. 
acjloj': died. 
yjorog : Zap fen. 


la^JL^ciPio : ergreifen. 

Xsificoy: fenchter Platz, Wiese, Ebcne. 

Mog: glatt. 

lelnco (/liTr-): zurilcklassen. 

Flecbte. 
iBnigi ScEuppe. 

7,Bm6g\ diinii, fein. 
iBvzog’. bell, -vveifi, 

'kr,i.ir ] : das Ausfliebende. 

X^tjjig ['kaix^aj^o})'. das Ergreifen, Einnabme. 
lid'og: Stein. 

See, Teich. 

Xivov\ Lein, Faden. 
linog\ Fett. 

Xo^og: Lappen. 

Xoyog: Wort, Gesetz, Lebrsatz. 

Xocpog: Scbopf. 

Xv(Xig [Xvo)): Anflosung. 

IxaxQoptog^ lange lebend. 

Ixay.Qog', gi'ob. 

^a7uiy,ioy\ Weichtier, Scbnecke. 

^aXay.og'. wcich, scbiaff. 

Ixcti'Lft'. "W abns inn . 

fj^iyag (Superb fAByidTog): groli. 

IXBL(aiA\ kleiner, geiinger. 

HiXag: scbwarz. 

^iXiXTa\ Biene. 

^Bqii^co\ teilen. 

^LBQtg'. Teil, Stiick. 
lABQiaxog: geteilt. 
l^dqog'. Teil. 

^ii(Tog: in der Mitte. 
fiBa^Tog: voll, angefullt. 
fABxa: zwisclien, unter. 

}iExa^o7v'^\ Uniwandlung, Umsatz. 

f.iBr.itoQog\ in der Liift. 

fXBTQOl/l Mali. 

lJL7iyav7}i Mas chine. 

fXLTtQogx klein. 

fAc^cg: Mischixng. 

fAitog: Faden. 

^dxQai Binde, Ivopfbinde. 

{Ayij^rji Gedachtnis. 

^ovcig\ das Einfacbe. 
fAoyog'. einzig, allein. 

^oQcpr}'. Gestalt. 

^oQrpixXXig'. Gestalt ting. 
fAVBXog: Mark. 
fAvia: Fliege. 
juvyrjg: Pilz. 
fAV^a: Scbleim.. 
fAVQiAT]'^: Ameis e. 

^vQop‘. Myrrbe nbaum, -barz. 

vaqyri: tiefer Scblaf, Obnmacbt. 
v( G^crco : (fest) stopfen. 


VByiAog', Leicbe. 

viyqtxiacg: das Abgestorbensein. 
vBog: nett. 

vrjfAa'. Gespinst, Faden. 
NrjQixrjg'. Sobn des Nereiis. 
yoxhog: unebelicb, Bastard. 
pofAog: Gebraucb, Gesetz. 

pvyxog: Nacbt, 

7 ^a 52 :o^: Riicken. 


^ayO-og: gelb. 
^Bpog: frenid. 
^VQog: trocken, 
^vXop: Holz. 


0(y6g: Weg. 
olxcd'iov: Hauscben. 
olxog: Plans. 
byxai: acbt. 
oXiyog: klein, wenig. 
bXog: ganz. 
ofACcXog: gleicb. 
ofA^Qog: Regen. 
bfAocog: gleicbartig. 
gleicb-. 

opxa (von slfAi) das Seiende. 
b^vg: scbarf. 

bnlaO-iog'. anf der Pliuterseite befindlicb. 
b^ycipop: Werkzeug. 
oQt^-bg: aufrecbt. 

OQ/UGO): antreiben, reizen. 
b()7/tg: Vogel. 
oQog: Berg. 
ha (.try. Gerucb. 
baxBOP'. Knoclien. 
ovQa: Scbwanz. 
ovg^ (bxog: Obr. 
bg)xf-ce^^ubg: Aiige. 
b(pcg: Scblange. 
biplyopog: nacbgeboren, 
oiptg: Anblick, Ausseben. 


TiciD'og: Gescbick, Leid. 

Tcacg, naMg: Sobn, 
nciXaiog: alt. 

nciTtnog'. baariger Pflanzensame, 
nciQa: daneben, bei. 
na{)aXog'. am Meere. 

TtaqaXvoi'. loslbsen, entkraften. 
7taqaatxog\ Mitesser, Scbmarotzer. 
Tzccoacpvco : daneben sprieben, 
TtaQd’ipog: Jungfrau. 

TTaf, nap: jeder, ganz. 
naxrjq^ nax^og: Vater. 
navXa : Rube, Rast. 
nayvg: dick. 
niXayog: Meet*. 

nBXioQiogi von besonderer Grobe. 
nipXBi fimf. 
nsQcclPO): vollenden. 
negi : um, beruin. 



XX 


EtymologiscTie 'Obersiclit, 


7TeQt§X'yjfj,cc: Umliulliiiig. 

7i£Qt(^E0}: lierambinden. 

7iEQL(pvo): rmgslieruin waclasen. 
nhaXop: Blatt. 

Tthof^iai: sicb. sclinell bewegen. 

TtixQO^: Stein, Eels. 

Ttrjypv^ii befestlgen, germneii. 

nrjXog'. Scblamni. 

TTLE^oi*. drlicken. 

Tilt'd) j ln6d'7)v\ trinken. 

TtXctyiogi sclirag. 
n'Aayy^Togi uiiihertreibend. 

TiXavao)'. henimirren. 

7tX«|, nXciy.6g\ Platte. 
nXcifffxa: das Geformte. 
nXhaau): bilden, gestalten. 

TrXacfTog: geformt. 

Ti'/.KTvg: platt. 

7iXel(oy, TtXmy: mebr, Mebrzabl. 
nXey.rog: geflocbten, gedrebt. 
nXsoi'^ nXetot'j iieiitr. v. nXitoi/^ nX£io)y, 
TiXsvQci: Seite. 

TzXico: fliefien, scbwimmen, 
nXy&og: Menge, Plaufen, 

TzXfjood): fallen. 

7iXoy.7]\ Geflecbt. 

TtrEvf^cc Haiicb, Atem. 

TTod'- s. TTOVg. 

ttoXec): sicb berumbewegen. 
noXiog: gran, weifilicb. 

TtoXhrjg: Bilrger. 
noXvg: -viel. 

TTogog: Furt, Kauai. 

7roog)VQEog: purpiirfarbig, 
noxa/udg: Flufi. 

Ttoriog [niyo)): trlnkbar. 

Tiovg^ Tio&og: Fub. 

7Tq6: vor. 

TtQoXajijji^ {Xcif.i.3at'd)): Vorwegnebmen. 

TToog: bei, liiiizn. 

TiQoa'a): vorwarts. 
nQOTEQico: voraussein. 

TTQiotog: friibzeitig. 

IlQotsvg: Meergott m. der Gabe der Verwand- 
hmg. 

TToioTog: der erste, vordere, friibere. 
nteQovi Feder, Fliigel. 

TTilXot': Feder. 

Tirtm: speien. 

TTvyyog: derb,. fest, 

TTvXij' Tor, Eingang. 

Ttvctg (uv^l&top): Biicbse. 

TTVQj^ TTVQog: Feuer. 

TivQyu: Obstkern. 
nvooog: feuerfarbig. 


Qa^3<^og: Rute, Stab. 

QCicprj: Nabt, 

()aq)[g: Nabnadel. 

Biickgrat. 

Of ft): fliefien. 

Qyy^ua Rib, Bruch. 

Q^^ig: das Reiben. 


^i^a: Wiirzel. 

Qtnig: FScber. 

^ocTsof : rosig, bliibend. 
Qv^ftiyog'. taktmabig. 
Qvjd'iAog'. Rbytbmus. 
^vaig\ das Fliebeii. 
^vxig\ Rnnzel, Falte. 


aanqog'. faulend. 

caqyog'. Fleiscb. 

(feiqa: Seil. 

(Teia^aSg {ael(o): Erscbiitterung. 

6^71 (O': verfaulen. 

Gtcpcov: hobler Korper, Spritze. 

(Syacpig (Dim. aycicpl^ioi')': kl. Xrog. 

(Syta\ Scbatten. 

(SyXriq6g\ bart. 

(SyoXiog: gekriimmt. 

(Xyonm": scbanen. 
cfxoxog: Finstemis. 

(XxdjXtj'^: Warm. 
anccd-ij s. spatba. 
aTxda): zieben, zerren. 

0TiBlqa\ das Gewiindene, Strick, 

(XTCHQio: ansstreuen, winden. 
anhQfAci: das Aiisgestreute, Same. 

(TTTOQa: das Ausgesate, Same. 

(Txaffig: das Steben, Stillstehen. 

(XTCiTog: gestellt. 

(TvavQog: Pfahl. 

axtyrj ((xxiyco): Dacb, Hans. 

(SXGyog: eng, scbmal. 

(TXEQBog: fest. 
axeQi'oy: Brust. 

(XT7]Xi]: Saule. 

(TTr]fz(oy: Kette (d. Gewebes), iibertr, : Staub- 
faden. 

(XX7']QiyiLUi: Stiltze, Gabel. 
axiyfjci'. Stick, Mai. 

(^xtyog (Dim. (XTLxld'ioyy. Reibe, Linie, Glied. 
(TxoXog'. Fortsatz am Scbiffsscbnabel. 

(XTofia: Mund. 
axQBcpo): wenden. 

(XXQo^tXog: Kreisel, Kegel. 

(TTQOJMCi s. stroma. 

(TxvXig: kl. vSaiile. 

(XXvXog: Saule. 
avy.oy\ Feige. 

(TVfifXEXQia: Gleichmab. 
avfXTtxoopLtt': Zufall, Begegnis. 

(fvy\ mit, zusammen. 

GvyacpT] 1 

Gvyaipig I Verbindmig. 

(TvyifsGtg J 

GvyBQyog: Gebiife. 

GvylCo: zusammensitzen. 

GVQQio ) : zusammenflieben. 

(yvGxrjfia: Zusammenstellung. 

GvGxoX'T] {av-GxiXXo)): Zusammenziebung. 
G(paiQa: Ball. 

Siply^\ ein mytbologiscbes Ungebeuer; Name 
eines ^Scbmetterlings (Scbwarmer). 

. Gcpvyptog {cf(pvC(o): Zuckimg. 

I GylCio: spalten. 


Etymologisclie Ubersicht. 


XXI 


Leib, Kbrper. 
aoio6g\ Haiife. 

Tccy^aa (two'O'oj): das in Ordnung Aufgestellte 
xaxrog {xa^eo)): geordnet. 
xa^ig: Ordnung. 
xan7]g: Teppich, Decke. 

Tfto'o'cu: ill Ordnung aufstellen. 
xtyog: Decke. 

xelvm: spannen, auf etvvas abzielen. 

X8Xevxa(f}\ vollenden. 
xaXos'. ZieL 
xiixpo)'. schneiden. 

XBv s. xaivit), 

TkQag: Wunderzeichen, Mifigeburt. 
tiQfxa: Ziel, Grenze. 
xixQa: vier. 
xsTQanXoog: vierfach. 

XBXQag: Vierzahl. 
xfx^f.ta {xB^upB)): Scknitt, Teil. 
x^u7jalg: Einschnitt. 
x6y,og: Gebaren, Nacbkommenscliaft 
TOf.17^ {Tifzpo }) : Scbneiden, Spaltung, 
ropog {xbIpco): Spannung, das Gespannte, 
Tonog: Stelle, Ort. 
xqavfxa', Wunde. 
x^BTKo : %venden. 
xQBcpiii'. nahren. 

dreifach. 

X()L^(D\ abreiben. 

XQi7tX6og\ dreifach. 

XQty s. 

xQixuyfAa: Behaarung. 

XQvua, XQVUT}', Loch, Offnunff. 
xvnog: Vorbild. 
xv^f}'. Geschick. 


vaXog: wasserhell. 
vy(}6g: feucht, fliissig. 

vi^axog: Wasser. 
vXr}\ Holz, Materie. 
v^7]p: Hautchen. 
vneq: iiber. 

vnoaxaatg [v(piax7/fii): das Daruntergestellte. 
vaxi^rjaig: das Plinterherkommen. 
vaxB^ogi der letztere, Spatere. 
vcpT}: Gewebe. 
v7pog\ Hdhe. 


(pay- (itpayop)". verzehren. 
(paiPd): erscheinen lassen. 
(p caog : ^ schwarzlich, 
(papsq6g\ sichtbar. 

steiniges Land. 
qisXXog: Kork. 

(pBQOi ( 930 ^-): tragen. 
(pBvyio: fliehen. 
cpB'oqa: Verderben. 


(piXi(o: lieben. 

(piXia\ Freundschaft. 

(pXiip^ cpXs^og [(pXiu)): Ader, Gefaft. 

(pXot6g\ Rinde. 

(pX6og\ Bast, Rinde, 
cpofiog: Furcht. 

(poQioj s. (pi()(o. 

(pqay s. (pqcc(ja(jt). 

cpqaaaio: versperren, umzaunen, 

cpVKog: Tang. 

q)vXaaGO)\ bewahren, bewachen. 

(pvXXop'. Blatt 

(pvXT} {(pvXop)’. Stamm, Geschlecht. 

(pvfj,a: Gewachs. 

(pvGa: Blase. 

cpvGioypa)fi{op)la: die Erkenntnis derNatur, der 
BeschafFenheit. 
cpvatg: Natur, 

(pvathi^rjg: mit (Wind) Luft erfiillt 
(pvxbp\ Gewachs, 

(pv(ji\ entstehen, wachsen. 

990)5', cpo)x6g\ Licht. 
cpbiGcpoqog {(pBQ(j})x Licht tragend. 


yatpo): klaifeu. 

XatxT]'. langes Haar. 
yaXa^a: Hagel. 

Xajxai: auf der Erde. 
yaGy.oj s. 

XaG{j,a: OHhung, Spalt, 

XBlXog: Lippe, Saum. 

XSQGog: trocken, leer. 

kreuzweise stellen. 

XifxaiQa: ein Fabeltier, Doppeltier, 
' Xcxojp: Leibrock. 

XKtiP: Schnee. 

XXapivg’ Mantel. 

XXjaQog: griin. 

Xbp^qog: Korn. 

Gebrauch. 

XQOPog: Zeit, 

XQvGog: Gold. 

Xqoi/Lia: Farbe. 

XvXogj ixidi): Saft. 

XBpLct: Hugel, Wall. 

Xbiqeo): klatfen, fortgehen. 

XByqi^oy. sondern, trennen. 

Xf^qog'. Stelle, Ort, 

ijjapiuog: Sand. 

xjjsvaa): triigen, tauschen. 

xJjcXog: abgerieben, haarlos. 

^VXV\ Leben, Seele. 
ipvxQog: kiihl, kalt. 

(pop (Dim. (bidiop): Ei. 

0 G^og: ^das Auspressen. 

(x)T s. ovg. 




A. 


A in Bliitenformeln == Androeceum. 

Aasblumen == Aasfliegenblumen s, Fliegenblumen. 

Abanderungsmerkmale s. Organisation. 

Abanderungsspielraum ( 0 . Ammon, Nat. Woch., 1896, Nr. 12 — 14): 
Jede einfache, dem QuETELETschen Gesetze (siehe dieses) folgende Variations- 
kurve ist bekanntHch durch zwei GrofJen bestimmt: die Grofie des mittleren 
Wertes und die Variationsweite oder den A. Als solchen bezeichnet 
man den Betrag der Abweichung beiderseits von der mittleren GroBe, welcher 
von der ,einen Haifte der Individuen nicht, wohl aber von der anderen liber- 
schritten wird. (Nach DE VRIES, I, S. 105.) ( 71 ) 

Abdriicke s. Fossilien. 

Aberratio s. unter Art. 

abgeleitete Bastarde s. Bastard. 

abgeleitete Formen siehe metamorphosierte Organe. 

abliolzig: Je naher die Gestalt eines Baumstammes dem Zylinder kommt, 
um so vollholziger wird er genannt, wahrend man rasch und stark nach oben 
sich verjiingende Baiime als abholzig bezeichnet. (Nach Busgen, S. 66.) 

Abietineentiipfelung. Von einer A. spricht man in der Holzanatomie 
dann, wenn die radialen Markstrahlzellwande reichlich und auffallend gettipfelt 
sind, wodurch sie dick erscheinen im Gegensatz zur Kupressineentupfelung, 
bei der die horizontalen Markstrahlzellwande dunn oder mitteldick und dabei 
glatt sind oder nur eine wenig ausgesprochene Ttlpfelung zeigen. Vgl. Burger- 
stein, Wiesner-Festschr. 1908, S. 105 u. 112. [P.) 

Abklingen d. Erregung s. Erregung. 

Ablackieren s. Veredelung. 

Ablast = Abort, vgl. Verkiimmerung. 

Ablaufwinkel: Der Winkel, den die Richtung eines Seitenorganes mit 
der des Mutterorganes bildet, z. B. der Neigungswinkel der Seitenachse zur 
Hauptachse. Spitze A. finden wir z. B. bei der Pyramidenpappel, solche von 
fast 90° bei Al7ttis ghttinosa^ solche liber go^^ bei Formen mit hangenden 
Zweigen, ferner bei manchen Lianen, so bei Elaeagnus imihellata Thlg, 
\gejlexa Morr. et Den.). In zahlreichen Fallen andert sich der A., so be- 
tragt er bei vielen Krautern und Stauden unten nahezu 90®, um in akro- 
petaler Richtung abzunehmen. (W.) 

Ablegei” s. kiinstliche Vermehrung. 

Ableitungsgewebe s. Assimilationssystem. 

abnorm, abnormal: Als a. bezeichnen wir solche Formen, die von 
einer auf statistischem Wege ermittelten Norm — d. h. von dem in der 

Schneider, Bot, Worterhuch. 2 . Auflage. 


I 



2 


abnormer Holzbau — Acarodomatien. 


Mehrzahl der Falle (tiber 50 Proz.) Verwirklichten — abweichen. Diese iind 
damit auch der BegrifF dessen, was in einem bestimmten Fall als a. zu gelten 
hatj wird wecbseln, je nachdem wir groBere oder kleinere Formenkreise in 
Betracht ziehen. Abnormitaten, wie Bliitenflillungen, Verbanderungen usw. 
nennt man auch pathologische Erscheinungen und nimmt dabei an, daB die 
a. Organe oder Organismen in ihrer Funktionstiichtigkeit (durch Verlust 
ihrer Sexualorgane oder andere Umstande) hinter den »normalen« mehr oder 
minder zuriickbleiben. Vgl. KtJSTER, 1903, S. i u. Penzig i8go. [Kst) 

abnormer Holzbau s. Zerkliiftung d. Holzkorpers. 

Abort, »Fehlschlagen« eines Organs (= Ablast). VgkVerkummerung. [Kst,] 

Abschniirung s. Zellbildung, 

Absenker = Senker s. kiinstliche Vermehrung. 

Absorptionsgewebe, Absorptionssystem (Haberlandt). Vgl Ge- 
webesysteme. Als A. bezeichnen wir alle Gewebe, Zellen und Zellteile, 
welche die direkte Aufnahme von Wasser oder in diesem gelosten Nahr- 
stoffen zur Hauptfunktion haben. Ihre Charaktereigenschaften sind im Ein- 
klang hiermit periphere Lage, Zartwandigkeit und OberflachenvergroBerung 
ihrer Elemente und haufig die Fahigkeit zur Bildung und Ausscheidung von 
Sauren oder Enzymen. Zum Absorptionssystem gehoren: Als Absorptions- 
gewebe der Bodenwurzeln die Wurzelhaare, die Rhizoiden, das Velamen der 
Luftwurzeln, wasserabsorbierende Haare an Laubblattern, Absorptionsgewebe 
der Haustorien an Keimpflanzen und Parasiten. [P.) 

Absorptionshyphen s. Mykorrhiza. 

Absplifi, Abspi'iinge od. genauer Zweigabspr tinge nennt man die 
organische Ablosung verholzter Seitensprosse, die sich bei manchen Holz- 
gewachsen [Poptdtis-Aritn^ Taxodium usw.) analog dem Laubfall vollzieht. 
Vgl. V. Hohnel, Mitt. d. frstl. Versuchswesens in Oest. 1878 u. 1879 u. 
WiESNER, D. LichtgenuB d. Pfl. Lpz. 1907, S. 152. [L.) 

absteigender Wasserstrom (Wiesner). Stark transpirierende Laub- 
blatter konnen zur Deckung ihres Wasserbedarfes jungen SproBgipfeln, In- 
fioreszenzachsen u. dgl. Wasser entziehen und deren Welken verschulden; 
der Wasserstrom bewegt sich in solchen Fallen von oben nach unten, also 
»absteigend«, im Gegensatz zur normalen Richtung des Transpirationsstromes. 
(Wiesner, S. Ak. Wien LXXXVI, 1882, S. 209. Vgl auch E. Prings- 
HEiM, J. w. B, XLIII, 1906, S, 89.) (L.) 

Abwolbung: Sobald bei den Baumkronen die Bildung von Kurzlrieben 
im Gegensatz zu kraftigen Langtrieben iiberwiegt, die Krone mehr gleichmaBig 
wachst und die Lticken zwischen den langen Haupttrieben sich schlieBen, tritt, 
wie man sagt, die A. der Krone ein. (Nach Busgen.) 

abyssales Plankton s. d. 

Acarocecidien: Diejenigen Gallen oder Cecidien, welche von Milben 
(Acari) hervorgerufen werden. Urn eine Verwechslung mit den Akrocecidien 
auszuschlieBen (s. d.j, empfiehlt es sich wohl, den Terminus A. zu ersetzen 
durch Phytoptocecidien (s. d.). Vgl Thomas, Altere u. neuere Beob. 
ub. Phytoptocecidien. Z, ges. Nat. 1877, XLIX, S. 329 [Kst.) 

Acarodomatien (Lundstroem, PflanzenbioL Stud. II, 1887, S. 3): Von 
Milben (Acarinen) bewohnte Domatien, siehe diese. {Kst.) 


Acarophilie — Adaptation. 3 

Acarophilie (LundSTOOEM): Anpassung v. Pfl, an das Zusammenleben 
mit Milben. 

accumbente Kotyledonen s. Embryo. 

Acervulus nennt Saccardo die Konidien ohne eigentliches Frucht- 
gehause der Melanconiaceen (Fungi imperfecti). {F.) 

Achaena (Necker ex DC., Theor. elem. Bot. 6 d. II, 1819, S. 415) = 

Achaenium (Richard, Analyse d. fruit 1808) s. Polykarpium. 

achlamydeische Bliiten s. d. 

Achromatin s. Zellkern. 

Achromatin-Erhaltungs-Hypothese (V. Haecker) s. auch unter 
Chromosomen. Ein Ausdruck dafiir, daD das » Chromatin «, d. h. die farb- 
bare Substanz, keine eigene Individualitat im chemischen Sinne zu besitzen 
scheint und dab fiir die Erklarung der Chromosomen- Individualitat eine 
festbleibende Basis gefordert werden muB. Als solche sieht Haecker das 
Achromatin bzw. das Linin an. Zu bedenken ist aber, daB die Frage nach 
der Berechtigung einer scharfen Trennung des Chromatins und Achromatins 
strittig ist. (Vgl. unter »Karyotin« bzw. »ZeIlkern«.) (Tl) 

Achse nennt man den Stamm im Gegensatz zu den Blattern. Die 
zwischen den Ansatzstellen der Blatter befindlichen Achsenstiicke heiBen 
Stammglieder oder Stengelglieder, Internodien; die Achsenstiicke, die die 
Blatter tragen, heiBen Knoten, Nodi. (Nach Strasburger.) Vgl. auch 
Scheinachse. 

Achselknospe, -sprofi s. SproB. 

achsenbiirtige Samenanlagen s. Gynoeceum. 

Achsencupula siehe Receptaculum. 

Acliseneffigurationen nennt man Auswiichse verschiedener Art an 
der Blutenachse (meist am Discus). (Vgl. unter Receptaculum.) 

Achsenfadenrankex' siehe Rankenpflanzen. 

Achsenstab, zentraler (der Flagellaten). Manche Flagellaten besitzen 
eine mehr oder weniger deutliche Langslinie, die bei einigen Formen ein starres 
Aussehen erhalt und von Prowazek als zentraler Achsenstab bezeichnet v^ird. 
Derselbe scheint eine bestimmte, bisher nicht naher bekaiinte Beziehung zum 
Zellkern zu haben, da er an denselben gleichsam angeheftet erscheint. Bei den 
Peranemaceen entwickelt sich fOr die Nahrungsaufnahme ein besonderes Stab- 
organ, das meist rdhrenartig gestaltet ist und wie der Kolben einer Pumpe 
vor- und zuriickgeschoben werden kann, wodurch kleinere Organismen usw. in 
die Munddffnung befdrdert werden. {IC) 

Adaptation an Reize s. Tonus. 

Adaptation, komplementare, chromatisclie. Nachdem Engel- 
MANN fiir verschiedenfarbige Algen gezeigt hatte, daB die zur eigenen Farbe 
komplementaren Lichtarten fiir die Assimilation hauptsachlich in Betracht 
kommen, glaubte Gaiduicow (S. Ak. Berlin 1902; Hedwigia Bd. 43) gefunden 
zu haben, daB Oszillarien, in monochromatischem Lichte kultiviert, ihre ur- 
spriingliche Farbe zu der des einwirkenden Lichtes komplementar verandern. 
So sollen sie im roten Licht griinlich, im griinen rotlich, im blauen braungelb 
werden. Stahl (Z. Biol. d. Chlorophylls, 1909) hat diese Erscheinung auch 
zur Erklarung der Laubfarbe in ihrer Beziehung zum Hinimelslicht heran- 


4 


Adaptationsregulation—Adventivembryonen. 


gezogen. Neuestens wurde jedoch der Farbwechsel als Ernahrungsstorung’ 
durch StickstofTmangel erkannt (SCHINDLER, Z. £ B. V, 1913 u. Bor esch, 

J. w. B. LII, 1913, S. 145)- (A)* 

Adaptationsregulation s. Regulation. 

Adelphie: Vereinigung mehrerer Staubfaden; vgL Androeceum. 

Adelphogamie (Loew, in Kirchner, I, S. 33) s. Bestaubung. 

Adelphotaxis s. Zytotropismus. 

Adern s. Blattnervatur. 

Adnation: Abnormale Verwachsung eines Organs oder Organteils mit 
eiiiem anderen auf groBere oder geringere Lange. Hatifig bei Siveerita 
perennis L. (Gentian.) zu beobachten. Nicht zu verwechseln m. Konkau- 
leszenz (s. d.). ( W,] 

adossiert nennen wir ein Vorblatt, welches auf dem Rucken, d. h. der 
. Abstammungsachse zugewendet, steht Vgl. auch unter Vorblatt. [W) 
adventive Bildungen (de 
Candolle) sind solche, die aus 
Dauergewebe (nicht aus dem em- 
bryonalen Gewebe amVegetations- 
punkte) hervorgehen, Organe dieser 
Art (Sprosse, Wurzeln, auch ein- 
zelne Blattchen) entstehen vor- 
nehmlich nach Verwundungen so- 
wie nach parasitarer Infektion 
(organoide Gallon, s. d.). Bei einer 
weiteren Fassung des Begriffes 
(Goebel) werden alle Organe als 
adventiv bezeichnet, die an un- 
gewdhnlichen Stellen entstehen; 
z. B. Knospen an Blattern, an 
Wurzeln usw,, auch wenn sie schon 
friih angelegt wurden. (Vgl. 

Goebel I, S. 67.) [Kst) 

Adventivembiyonen 

(Strasburger, Jen. Zeitschr. XII, 

1878), zusammenfassende Bezeich- 
nung flirsolcheEmbryonen, welche 
sich nicht aus der befruchteten Ei- 
zelle (s. Embryosack), sondern auf 
asexuellem Wege aus anderen Zellen des Embryosackes (Synergiden, Antipoden, 
andere Embryosackkerne) oder aus Zellen des Nuzellus (Nuzellarembryonen, 
s. Fig. i) gelegentlich selbst aus solchen des inneren Integumentes bilden. 
Diese Bildung von »Adventivkeimen« ist meist mit Polyembryonie, 
d. h. der Ausbildung mehrerer Embryonen, verbunden [Funkia^ Coelebogyne 
ilicifolia u. a.). Die Eizelle kann sich in* solchen Fallen gleichfalls zu einem 
Embryo entwickeln, wird aber daran zumeist durch die A. gehindert. Wahrend 
in gewissen Fallen die Bildung von A. an den Bestaubungsreiz (nicht aber an 
die faktisch vollzogene Befruchtung) gebunden ist, entstehen sie in anderen 




Fig. I. Bildung der Adventivembryonen heiVFzmkia 
ovata: I Zellen des Scheitels des Nuzellus mit 
Inbalt angefullt, daninter das befruchtete Ei mit 
zwei Zellkernen imd der Rest der Gehilfin. II aus 
den mit Inbalt angefiillten Zellen des Nuzellus sind 
mehrere Adventivkeime bervorgegangen ; das Ei 
hat sich in drei Zellen geteilt: 0 Eizelle, s Ge- 
hilfin, ae Adventivkeim, i Integumentzellen. (Nach 
Strasburger.) 


Adventivfiedem •— A ehrcL en. 


5 


Fallen [Coelebogyne die bei uns nur in Q Exemplaren kultiviert wird, 

El ato sterna acuminatum^ BalanoJ^hora-Avten) unabhangig von der Bestaubung. 
Vgl. Apogamie. (A.) 

Adventivfiedem s. Aphlebien. 

Adventivpflanzen (Ankommlinge) sind Gewachse, die in ein Gebiet 
durch (absichtliche oder unabsichtliche) Mitwirkung des Menschen gelangt 
sind, die sich dort aber an ihren Standorten ohne seine direkte Hilfe fest- 
gesetzt haben. Man unterscheidet (nach 
Thellung, La flore adventive de Montpellier, 

1912, S. 632 f.) aus Kultur entflohene sub- 
spontane A. (verwilderte A.), z. B. Im-- 
patiens parvifiora^ und eingeschleppte 
A., zufallig eingefiihrte A. (Adventivpflanzen 
im engeren Sinne), bei uns z. B. Xanthium 
spinosum. [D.) 

Adventivsprosse siehe adventive Bil- 
dungen, sowie unter SproB. 

Adventivwurzeln siehe Wurzeln. 

advei*se Anpassung siehe unter An- 
passung. 

Adyiiamandrie s. Bestaubung. 

Adynamogynie (Loew, nach Kirch- 
NER, I, S. 33): Funktionsunfahigkeit der 
weiblichen Geschlechtsorgane der Blute. 

Aecidiolen = Spermogonien, Aeci- 
diosporen, Aecidium s. Spermatien der 
Uredinales. 

Aelinlichkeitssymmetrie s. unter 
Bacillarien. 

Aehrchender Gramineen: Diese(Fig. 2) 



bestehen aus an einer kurzgliedrigen Spindel 
(meist) zweizeilig angeordneten Spelzen, 
deren unterste i — 6 (gewohnlich 2) un- 
fruchtbar (steril) sind und Hiillspelzen 
(glumae steriles oder Glumae schlechtweg) 
heiOen, wahrend die folgenden eine bis 
zahlreichen Deckspelzen (glumae flori- 
ferae oder paleae inferiores) in ihren 
Achseln sehr kurze, mit einem adossierten 
Vorblatt, der Vorspelze (Palea oder 
palea superior) beginnende und mit einer 


Fig. 2. A die ganze Infloreszenz von 
Bromus mollis, aus vielen gestielten 
meErblutigen AhrcEenbestehendj deren 
zwei Hiillspelzen kurzer als die Abrcben 
sind. D‘\‘E eine Bliite, von der Hinter- 
seite geseben, zeigfc die mit der Granne 
versebene Deckspelze und die dar- 
aiif liegende zweikielige Vorspelze; 
zwiscben beiden befindet sicb die 
eigentlicbe Bllite, von welcber die 
drei Staubgefabe bervorragen. E diese 
berausgenommeneBltite von derVorder- 
seite geseben mit den zwei vorderen Lo - 
diculae. A"— Frucbt. (NacbNEES.) 


Bliite schlieCende Zweiglein tragen. , . . , 

Der Vorspelze gegenuber, also oberhalb der Deckspelze, sind bei den 
meisten Gramineen zwei dicht nebeneinander stehende, mit den Vorder- 
randern sich beriihrende, an der Basis etwas verwachsene, zur Bmtezeit 
saftig angeschwollene, zarte Schiippchen (Lodiculae) sichtbar (in j. le 
spielen beim Offnen der Grasbluten eine Rolle, indem die rasche Anschwel- 


/ 



6 


Aehre — Aereiichyni. 


lung der Lodiculae oder wenigstens ihrer Basis das Auseinandertreten der 
Deck- und Vorspelzen bewirkt. (Nach Hackel, in E. P. II, 2, S. 6. S. auch 
ZUDERELL, S. Ak. Wien, Bd. 118, 1910.) 

Aehre (Spica); Ein monopodialer Bliitenstand mit gestreckter theoretisch 
unbegrenzter Hauptachse, an welcher sitzende Bliiten in meist akropetaler 
Folge zur Entwicklung gelangen, ohne aus ihren Vorblattern Achselprodukte 
zu entwickeln (einfache A., vgl. bei Monopodium); Treten an Stelle der 
Einzelbliiten wieder einfache A., so entstehen zusammengesetzte A. (z. B. 
manche Pepermnia, Lolium). Ein besonderer Fall einer A. wird durch den 
Kolben (Spadix) reprasentiert (s. d.). — Zu den A. gehdren auch einzelne 
der friiher als Katzchen (Amentum) bezeichneten Blutenstande und der 
Zapfen (Conus), ausgezeichnet durch verholzende Tragblatter und Achsc. 

Der Ausdfuck A. ist insofern ungiinstig gewahlt, als die A. der Getreide- 
arten komplizierte, teilweise wenigstens erst in ihren hoheren SproBgenera- 
tionen hierhergehdrige Systeme darstellen. Vgl. auch unter botrytische 
Systeme. ( W.) 

Aehrenbefruchtung s. Erschutterungsbefruchtung. 

Aehi-endolde, -kSpfchen, -traube s. Dibotryen. 

Aehi'em'ispe: Von Eichler (Blutendiagr. 1 , 1875, S. 42) vorgeschlagene 
Bezeichnung fiir reich zusammengesetzte Infloreszenzen von Gramineen, ohne 
Riicksicht auf deren wahren Aufbau. [W.] 

Aequationsteilung: Der physiologischeh Wirkung nach, sagt WELS- 
MANN (Ob. d. Zahl d. Richtungskorper usw. 1887; Ob. Vererb. 1892, 
S. 436) muB es zwei Arten von Karyokinese geben, erstens eine Form, durch 
welche samtliche Ahnenplasmen halbiert jedem der beiden Tochterkerne 
zugefiihrt werden, und zweitens eine Teilungsart, durch welche jeder Tochter- 
kern nur die halbe Zahl der Ahnenplasmen des Mutterkerns erhalt; die ei'ste 
kdnnte man Aquationsteilung nennen, die zweite Reduktionsteilung. 
Diese urspriinglich aus theoretischen Griinden • hergeleiteten Benennungen 
werden haufig gebraucht, um morphologisch die Mitosen zu charakterisieren. 
In diesem Sinne wiirde Ae. jede somatische Kernteilung bedeuten. Siehe 
im tibrigen unter Karyokinese. (T.) 

Aequatorialplatte (Flemming) s. Karyokinese. 
aequifinale Regulationen nennt Driesch (Arch. f. Entw.-Mech. XIV, 
1902) Vorgange, bei welchen von gleichen Ausgangspunkten ausgehend 
dasselbe Ziel auf verschiedenem Wege erreicht wird. (Z.j 

aequilibrierte NahrlSsungen s. physiologisch aequilibrierte N. 
Aequiiioktialblumen s. ephemere Blumen. 
aequipolai- s. Polaritat. 

aequipotentiell s. Anlage u. prospektive Potenz. 

Aerenchym (H. Schenck, J. w. B. XX, 1889, S. 526): Im weitesten 
Sinne des Wortes ein bei submersen oder im nassen Untergrund steckenden 
Teilen von Sumpf- und Wasserpflanzen haufig entwickeltes Durchliiftungs- 
geiyebe aus zartwandigen unverkorkten Zellen bestehend, welche in ver- 
schiedener Weise groBe, mit Luft erfiillte und miteinander kommunizierende 
Interzellularraume zwischen sich ausbilden (vgl. Fig. 3). Es stellt entwick- 
lungsgeschichtlich ein primares Gewebe dar oder geht aus einem Folge- 


Aiiridotaxis — Aerobie. 


7 


meristem, ahnlich dem Phellogen, hervor. In derselben Weise wie der Kork 
spreng-t das A. im Verlaufe seiner Bildung die auBerhalb seines Meristems ge- 
legenen Gewebeschichten ab imd umkleidet als sekundare, schwammige, schnee- 
weiBe, oft enormen Durchmessef erreichende Hiille die betreffenden Pflanzen- 
teile [z. B. Jtissicua-Kxitn^ Lythnim salicaria^ Epilobmm hirsufimi usw.). [P) 

Agridotaxis s. Aerotropismus. 

Agridotropismus s. Aerotropismus. 

aerobe Atmung s. Atmung. 

Aerobie: Pasteur (C. r. Paris, LII, i86i) teilte die Mikroorganismen 
nach ihrer Beziehung zum Sauerstoff in zwei Klassen: aerobe Organismen 
(Aerobionten), welche den freien 
Sauerstoff der Luft verwerten und 
anaerobe Organismen (Anaero- 
b ion ten), welche zum Leben ohne 
freien Sauerstoff befahigt sind; diese 
gewinnen ihre zum Leben erforder- 
liche Betriebsenergie aus organischen 
Verbindungen, deren Zerfall sie ver- 
anlassen, also durch exothermische 
Zersetzungsreaktionen. Zwischen den 
extremen Formen der obligat 
aeroben und obligat anaeroben 
Organismen, d. h. solchen, welche 
ausschlieBlich an eiii Leben mit bzw. 
ohne freien Sauerstoff angewiesen 
sind, stehen die fakultativ an- 
aeroben, welche unter beiden Be- 
dingungen existenzfahig sind. (Hier- 
her gehoren viele Faulnisbakt, Milch- 
saureb., Hefen usw.) 

Beijerinck (Verh. Akd. Amster- 
dam 1903) beobachtete bei der 
Untersuchung anaerober Erreger der 
Buttersauregarung, daB sie keines- pig. Quersclmitt durch das Acireuchym einer 
wegs aerophob sind, d. h. den Wurzel von (Nach Sciikncic.) 

Sauerstoff vollstandig fliehen, daB 

vielmehr Sauerstoff forderlich erscheint, wenn er einen gewissen, sehr niedrig 
gelegenen Partiardruck nicht tiberschreitet; diese Organismen sind daherbesser 
mikroaerophil zu nennen im Gegensatz zu den aeroben Mikroorganismen, 
die B. als Aerophile (Sauerstoff liebende) bezeichnet. Ubrigens wirkt auch 
auf diese der Sauerstoff nachteilig, wenn er eine gewisse optimale Konzentration 
tiberschreitet. Das Leben ohne freien Sauerstoff, die Anaerobie (An- 
aerobiose) wird, da es dabei nicht auf die »Luft«, sondern auf den Sauer- 
stoff ankommt, von Weinland (Zeitschr. f. Biol. Bd. 48) als Anoxybiose 
bezeichnet und dem normalen, d. h. an freien Sauerstoff gebundenen Leben, 
der Aerobiose (Aerobie) oder Oxybiose gegeniibergestellt. S. auch unter 
Atmung, Garung u. Faulnis. (L.) 



8 


Aerokarpie — Aero tropismus. 


ASrokai'pie. Bei vielen Pflaazeri treten an demselben Individuum neben 
den oberlrdischen, der weiteren. Verbreitung' der Samen dienenden Friichten 
(Aerokarpie) Friichte auf, welche ihre Samen unter der Erde reifen, nach- 
dem sich der junge Fruchtknoten in die Erde eingebohrt hat (Geokarpie). 
Diese Verschiedenfriichtigkeit (Amphikarpie) kann in ausschlieliliche Geo- 
karpie iibergehen, wo nur Erdfruchte gebildet werden. Amphikarp ist z. B. 
Cardamine chenopodifolia, Geokarpie findet sich bei Arachis hypogaca^ 
Trifolium siibterrcCneuni^ Astragalus hypogaeus usw. Vgl. E. Huth, Tiber 
geokarp., amphik. und heterok, Pflanzen, 1890. (S. auch Karpotropismus.) (A.) 

Aeromorphosen (Herbst, Biol. C. XV, 1895, S. 761.): POLOWZOW 
(Unters. iib. Reizersch. Jena 1909) definiert sie als solche Morphosen (s. d.), 
bei denen Luft bzw. SauerstofF die Rolle des morphogenen Reizes spielt, 
d. h. morphologische Umbildungen oder Neubildungen veranlaDt [L,] 
aerophil, aei'opholb: i. s. Aerobic. 2. aerophil (s. auch Aerobic) 
nennt man vom biologischen Standpunkt allgemein solche Pflanzen, die an der 
Luft gedeihen, z. B. gewisse Algen im Gegensatz zu solchen, die im Wasser 
wachsen (hydrophil). Bevorzugen dieselben stehendes Wasser, wie Teiche, 
Seen usw., so heiflen sie limnophil, leben sie im flieflenden Wasser, so 
nennt man sie potamophil. Bevorzugen sie warmes Wasser (Thermen usw.), 
so heiflen sie thermophil. Ist das Wasser, in dem die betrefFenden Algen 
usw. in der Regel leben, rein, so heiflen dieselben Katharobien, ziehen 
sie verschmutztes Wasser vor, so heifien sie Saprobien. Leben sie haupt- 
sachlich in wenig verschmutztem Wasser, so werden sie als oligosaprob, 
bevorzugen sie salzhaltiges Wasser, als halophil bezeichnet. (A") 
aSrophile Sprosse s. geophile Spr. 

Aerophyten s. Euphyten. 

Aerotaxis (Engelmann, Pfllig. Arch. XXVI, 1881, S. 541) s. Aero- 
tropismus. 

ASrotropismus nannte Molisch (S. Ak. Wien, 1884) die durch Luft- 
oder GasdifFerenzen bedingte Richtungsbewegung gewisser Pflanzenteile 
(Wurzeln, Pollenschlauche) ; je nachdem die Bewegung gegen die Reizquelle, 
die hdhere Konzentration, gerichtet ist oder sich von ihr abwendet, unter- 
scheidet man einen positiven bzw. negativen A. (Ap aero tropismus). Ob 
der SauerstofFgehalt der Luft fiir die Kriimmung maflgebend ist, bedarf der 
fallweisen Entscheidung. (Die durch SauerstofF veranlaBte Kriimmungs- 
bewegung kann man mit Massart ztOxygenotropismus nennen. Siehe 
unter Reiz.) PoLOWZOW (Unters. iib. Reizersch. Jena 1909) schrankt den 
BegrifF A. auf die nicht genauer analysierten Tropismen ein, bei welchen 
der Organismus auf einseitigen Luftzutritt oder -mangel in seiner Umgebung 
reagiert und bezeichnet die Fahigkeit der Pflanzen, auf die ungleiche Ver- 
teilung eines einzelnen und bestimmten Gases (tropistisch) zu reagieren, als 
Aeridotropismus. Die genannten Tropismen sind als spz. AuBerungen 
des Chemo tropismus (s. d.) aufzufassen, womit jedoch nicht gesagt sein soli, 
daB nicht fiir die Perzeption von GasdifFerenzen spez. Sensibilitaten maB- 
gebend sind. 

In analoger Weise ist der Unterschied zwischen Aerotaxis und Aerido- 
taxis zu verstehen, nur handelt es sich hier nicht um Kriimmungsbewe- 



Acrozysteii — Agamogynoezie. 


9 


gungen, sondern um freie Ortsbewegungen der in Betracht kommendeii 
Organismen. (Vgl. unter Taxie.) {L.) 

Aerozysten (Schwimmblasen) sind bei verschiedenen Algen [Fiicus^ Cysto- 
sFa usw.) auftretende, mit Liift erfiillte Hohlraume, die das Schwimmen der 
Algen im Wasser erleichtern. Sie entstehen meist durch einfache Spaltung des 
Markgewebes. (A'.) 

Aesthesie (CZAPEK, J. w. B. XXXII, 1898, S. 285): Unter Ae. versteht 
man allgemein das Wahrnehmungsvermogen eines Organismus fiir ein reiz- 
auslosendes Agens. (Der BegrifF deckt sich annahernd mit Sensibilitat im 
landlaufigen Sinne.) Zur naheren Charakterisierung spricht man im Einzel- 
falle von Phot-, Geo~, Chem-Ae. usw. 

Massart (Biol. C. XXII, 1902, 73) unterscheidet zwischen Autaesthesie 
und Kosmaesthesie, je nachdem ein Empfindungsvermogen fiir innere 
Oder auBere Reize vorliegt Ein Beispiel fiir ersteren Fall liefert die Morph- 
aesthesie (s. d.). (A.) 

Aethalien (Rostafinski, Versuch eines Syst d. Myzetozoen, 1873, S. i) 
der Myxomyceten s. Plasmodium. (AT.) 

Aethei'treiben s. Ruheperiode. 

AetzJBgureir: Korrosionsfiguren auf Gesteinen, hervorgerufen durch die 
losende Wirkung von Wurzelausscheidungen. [L.) 

Aeugeln = Okulieren s. Veredlung. 

Affinitat: O. Hertwig (Allg. Biol. IV. Aufl., 1912, S. 467) unterscheidet 
zwischen einer vegetativen und sexuellen Affinitat und versteht darunter die 
» Verwandtschaft« der Gewebszellen untereinander bzw. die Verwandtschaft 
der Fortpfianzungszellen zueinander. (A.) 

Again androezie (v. Uexkull, Phylogenie d. Bliitenformen u. d. Geschl. 
b. d. Komp., 1901, S. 5): Vorkommen von geschlechtslosen und mannlichen 
Bliiten auf demselben Individuum. (A.) 

Agamet, Agametaiigium s. Agamogonie. 

Agamogonie (M. Hartmann, Die Fortpflanzungsweisen der Organis- 
men usw. Biol, C. XXIV, 1904 und WOLLENWEBER, B. D. B. G. XXVI, 
1908) = ungeschlechtliche Fortpflanzung im allgemeinen im Gegensatz zu 
Geschlechtsfortpflanzung (Gamogonie). Bei der A. entwickeln sich die 
ungeschlechtlichen Fortpflanzungskdrper (die Agameten z. B. Zoosporen, 
Zoogonidien) im Agametangium des ungeschlechtlichen Individuums (des 
Agamonten). Bei der Gamogonie entwickeln sich die Geschlechtspro- 
dukte (die Gameten, z. B. Eier und Spermatozoiden) im Gametangium 
des Geschlechtsindividuums (des Gamonten). Diese beiden Vermehrungs- 
arten warden unter dem Namen Zytogonie od. zytogene Propagation, 
d. h. Fortpflanzung durch Einzelzellen , Propagationszyten, zusammen- 
gefaflt. Bei einem Generations wechsel, bei dem agamogene Fortpflanzungs- 
weise mit gamogener gesetzmafiig abwechselt, unterscheidet man demnach 
eine agamogene Generation (= Sporophyt) und eine gamogene Generation 
(= Gamophyt). Vgl. librigens Generationswechsel der Algen. ( 5 ^.) 

Agamogynoezie (v. UEXKtiLL): Vorkommen geschlechtsloser und weib- 
licher Bliiten auf demselben Individuum. (P.) 


10 


Agamogynomonoezie — Aggregation. 


Agamogynomonoezie (v. Uexkull): Vorkommen zwitteriger, weib- 
licher utid geschlechtsloser Bliiten auf demselbeii Individuiim. {P,) 
Agamohermaphroditismus (v. Uexkull): = Agamomonoezie. 
Agamomoiioezie (Errera et Gevaert, Bull. Soc. Bot. Belg. .. 1878, 
S. 145): Vorkommen von Zwitter- und geschlechtslosen Bliiten auf demselben 
Individuum. {P.) 

Agamont s. Agamogonie. 

agamotrop s. gamotrope Bewegungen. 

Agglutinine; I. Haemagglutinine. Unter Haemagglutination ver- 
steht man das Zusammenballen der vorher gleichmaBig in einer Aufschwemmung 
verteilten roten Blutkorperchen. Diese Anderung im Suspensionszustand kann be- 
dingt werden durcli verschiedene organische Substanzen, durch anorganische Kol- 
loide, ferner durch verschiedene pflanzliche und tierische Stoffe, die den Charakter 
von Antigenen tragen; diese, durch die Spezifizitat ihrer Wirkung ausgezeichnet, 
werden als Haemagglutinine zusammengefafit Zu den Phytagglutininen 
(pfianzL A.) gehoren die stark agglutinierenden Gifte Ricin (aus Ricinussamen) 
und Abrin (aus Ahrus precatoriu^ sowie die atoxischen Agglutinine aus Datura 
und HiilsenfrOchten (Bohne, Erbse usw,). Uberdies sind bakterielle und tierische 
Haemagglutinine bekannt. Die entsprechenden homologen Antikorper (s. d.) 
werden als Antiagglutinin e zusammengefafit. Eine Agglutination der roten Blut- 
kdrperchen kann durch artfremdes (Heteroagglutination), aber unter Um- 
standen auch durch artgleiches Serum (Isoagglutinine), selbst durch Serum des- 
selben Individuums (Autoagglutinine) hervorgerufen werden. 

2. Bakterien-Agglutinine. Wird eine homogene Bakterienaufschwemmung 
mit hochwirksamem Immun serum vermischt, so sinken die miteinander verkleben- 
den Bakterien nach Art eines flockigen Niederschlags zu Boden. Diese mit Be- 
wegungsverlust verbundene Kliimpenbildung wird als Agglutination der Bak- 
terien bezeichnet; sie ist auf die Bakterien-Agglutinine zuruckzufiihren. 
Die Substanz der Bakterien, welche in Beriihrung mit den Agglutinin en die Ag- 
glutination veranlaBt (aggiutinierbare, agglutinable Substanz) lost, dem 
tierischen Korper einverleibt, die Bildung eines Antikorper s, des Agglutinins, aus; 
sie wird daher auch als Agglutinogen bezeichnet. Sie findet sich nicht nur 
im lebenden Bakterienkorper, sondern auch in den keimfreien Bouillonkultur- 
extrakten und BakterienpreBsaften. (Ausftihrlicheres u. Lit. in Oppenheimer, II/ i, 
1910.) Vgl. Antikorper. (Z.) 

Aggregation (Zusammenballung des Plasmas) : Reize, welche eine Steigerung 
der sekretorischen Tatigkeit der Driisen von Drosera und anderen Insektivoren 
bedingen, rufen in den Zellen der Drusen und ihrer Stieie mit lebhafter Be- 
wegung verkniipfte Veranderungen hervor, welche von Darwin entdeckt wurden 
und als A. bezeichnet werden (Darwin, Insektenfressende Pflanzen, Ubers. von 
Carus 1876, S. 33). Die Bewegung setzt sich nach de Vries aus drei Faktoren 
zusammen (B. Z. 1886): i. Beschleunigte und starker differenzierte Zirkulation 
des wandstandigen Plasmas. 2. Teilung der Vakuole in zahlreiche kleinere, 
3. Bedeutende Volumverminderung dieser Vakuolen, wobei ein Teil ihres Inhaltes 
ausgestoBen wird. Die Zusammenballung der Vakuolen laBt sich namentlich 
deutlich verfolgen^ wenn der Zellsaft rot gefarbt ist. Von diesem Prozesse zu 
unterscheiden ist eine bei starken cheraischen Reizen auftretende »Ausfallung« 
(von Darwin gleichfalls als A. bezeichnet) oder Granulation (Goebel, PBanzen- 
biol. Schilderungen, II, 1893, 198); sie beruht hauptsachlich auf Ausscheidung 
des im Zellstoff geldsten Gerbstoffes, der sich zu rot gefarbten, kugeligen Massen 
zusammenballt. (Z.) 



Aggregationsarten — Aitioinorpliosen. 


1 1 


Aggregationsarten : Hierunter versteht man nacb Ludwig, S. 83 ff., so- 
wohl eine innige Vergesellschaftimg mehrerer Individuen derselben Art, wie wir sie 
z. B. bei Myxobakterien beobachten (Aggregationsplasmodien), als auch zwischen 
Individuen ganz verschiedener Abteilungen der Lebewesen (= Symbiose). (AT.) 

Aggregatplasmodien oder falsche Plasmodien (Pseudoplas- 
modien) nennt man die Plasmodien der Acrasieae, da sie hier durch bloDes 
Zusammentreten, ohne Verschmelzung der amoboiden Korper (Myxamoben) 
und ihrer Kerne entstehen. Man kann die einzelnen Myxamoben immer 
unterscheiden und durch Zerdriicken wieder isolieren. Die A. sind den 
echten Plasmodien der Myxomycetes nicht homolog. Wahrend die Plas- 
modien ein vegetatives Stadium darstellen, in dessen Verlauf ein erhebliches 
Wachstum eintritt, vergroBern sich die A. nicht, sondern sie verhalten sich 
rein fruktitativ, indem sie in Pseudosporen zerfallen. Die A. der Acrasieae 
sind deshalb nicht, wie bisher angenommen wurde, als die Vorlaufer der 
Plasmodien der Myxomycetes anzusehen. (Nach SCHROETER, in E. P. 1 . 
I, S. 2 und nach OLIVE: Monograph of the Acrasieae, Proceed, of the Boston 
Society of Natural History 1902.) (i^.) 

aggregierte Plasmodesmen, s. d. 

Aggressine hypothetische Stoffe, welche zwar selbst nicht toxisch wirken, 
jedoch die toxische Wirkung pathogen er Bakterien dadiirch fordern, daB sie diese 
bei ilirem Eindringen in den Organismus gegen Vernichtung schutzen. (S. Kruse, 
Mikrobiologie, 1910, S. 1023.) (Z.) 

Ahnenplasma: Unter Ahnenplasma verstand Weissmann (Uber Vererb. 
1892, S. 693) die Einheiten des Keimplasmas verschiedener Vorfahren, welche 
seiner Ansicht nach in jedem heutigen Keimplasma enthalten sein intiBten. 
>Wenn das Keimplasma der lebenden Wesen vor Einfuhrung der geschlechtlichen 
Fortpfianzung nur die Entwicklungstendenzen des »einen« Individuums enthalten 
konnte, so muBte sich dies durch die geschlechtliche Fortpflanzung dergestalt 
andern, daB nun bei jeder Befruchtung zwei individuell verschiedene Keimplasmen 
sich im Kern des Eies zusammen ordneten, die Zahl dieser individuell verschie- 
denen Keimplasmaarten miiBte aber notwendig mit jeder weiteren Generation 
sich verdoppeln, und zwar so lange .... bis sie die Minimalgrenze ihrer Masse 
erreicht hatten. Von diesem Augenblick an konnte die geschlechtliche Fort- 
pfianzung nur dadurch ermoglicht werden, daB entweder die Kernsubstanz an 
Masse fort und fort um das Doppelte anwuchs, oder — da dies nicht moglich 
war — dadurch, daB vor jeder Befruchtung das Keimplasma jeder Keimzelle 
halbiert wurde, nicht bloB der Masse nach, sondern vor allem der darin ent- 
haltenen Individualitatseinheiten nach, eben jenen Ahnen-Keimplasmen, oder wie 
ich sie kurz nannte (1885), Ahnenplasmen. « Jedes Ahnenplasma soil aus deter- 
minanten Gruppen s. d.) bestehen. — Der Begriff hat jetzt nur noch historisclien 
Wert. Er ist durch die Vorstellungen abgelost, welche im AnschluB an die 
Mendelforschung (s. d.) entstanden sind. (Z.) 

Airosomen: »Schwebekorperchen« bei Bakterien und Cyanophyceen, 
besonders von Molisch (B. Z. 1903, 1906) studierte Korperchen, frtiher nach 
ihm falschlich als »Gasvakuolen« bezeichnet ( 7 '.) 

aitiogeii = aitionom s. unter autonom. 

Aitiomoi'phosen (Pfeffer, II, S, 82): durch auBere (aitiogene) Fak- 
toren induzierte Gestaltungsvorgange, Vgl. unter Auto-, Hetero- u, Mechano- 
morphose. (Z.) 



12 


aitionastiscTie Bewegmi gen — akkumulieren . 


aitionastische Bewegungen (P^effer): Krummungsbewegungen, 
veranlaOt durch einen homogenen (diffusen) AuiJenreiz. (Vgl. Nastie u. 
Tropismus.j [L.] 

aitionom. s. unter autonom. 
aitiotrop, Aitiotropismus s. Autotropismus. 
akarpotrop, Akarpotropismus s. Karpotropismus. 
Akaustobiolitlie s. Biolithe. 

Akineten nennt man die bei vielen Chlorophyceengattungen vor- 
kommenden Dauerzellen, die dadurch gebildet warden, daB die Zellen z. B. 
eines Fadens (vgl. Figur 4 A) eine dickere Membran erbalten, und sich reich- 
lich mit Starke und protoplasmatischen Stoffen fiillen. In diesem Zustand 
konnen sie sich selbst unter sehr ungiinstigen Lebens- 
verhaltnissen lebend erhalten (sowohl Oberwinterung 
als Ubersommerung; Ruheakineten oder Hypno- 
akineten); sie wachsen dann bei Beginn der neuen 
Vegetationsperiode , nachdem sie die auBere Mem- 
branschicht gesprengt haben, auf normale Weise 
aus. ^ A. kommen sowohl bei unbeweglichen faden- 
fdrmigen (z. B. Ulothrtx, vgl. Fig. 4, Zygfuma, 
Zygogonmm) sowie bei freischwimmenden Chloro- 
phyceen (z. B. CJdatnydojnonas^ Gomum^ Eudoi'iuct) 
vor. Im letzteren Falle entstehen sie aus der fvQt~ 
schwimmenden Form dadurch, daB diese ihre Zilien 
verliert, sich abrundet und sich mit einer dicken Mem- 
bran umgibt. AuBer diesen Ruheakineten gibt es 
bei gewissen Gattungen (z. B. bei Gmgrmra), sog. 
Vermehrungsakineten, die dadurch entstehen 
daB die Zellmembranen der Aste verschleimen, so 
daB die einzelnen Zellen frei werden und sodann 

Solche Vermehrungsakin^n l^nnef atl \TrJr 

''^‘■stehen wir nach Drude das Gewohnen 
Oder plotzlich mehr und mehr abweichende 
Jahresperiode, ^ dem die Pflanzen bald leichter, bald schwerer foken Fin 
einzelnes Individuum kann man allerdings (vgl. Feahk I iSos a 

I, .886 S. 437) nicht akfcliiLL. s, 

Autor^^™ltet Selektion konnen wir nach der Meinung einiger 

Autoren die stetige Zunahme einer Abweichung (Variationl I 

nahme soli zu einer Steigerung, dem sogenannten A nd F- 
Merkmale und somit zu den vefedelten Rafsen fahrL^n t ^er 

dings h-beraus unwahrscheinlich .eworden:7art^“dermt£fC^^^^^ 



Fig. 4; Uiothrix Frings- 

Akineten und toten Zellen. 
(Nach WiLLE, 4S0/1.) 



akolutlie Reizwirkung — akropetal. 


13 


schiebung« mittels Selektioii im Experiment moglich ist. Alle exakteren 
Forschungen haben vielmehr gezeigt, daB bei der Selektion allein eine Aus- 
lese »reiner Linien« in Betracht kommt Sind diese isoliert, so hort auch 
die vermeintliche »Akkumulation« auf. — Aus phylogenetischen Griinden 
darf man aber wohl an dem Postulat einer Akkumulationsmoglichkeit fest- 
halten. (Nach DE Vries.) (A) 

akoluthe Reizwii'kung s. Erregung. 

akrandi'isch, Akrandrie bei Bryophyten nennt man eine solche An- 
ordnung, bei welcher die Antheridien den Scheitel eines Sprosses ein- 
nehmen. {IC) 

akroblastische Sphacelariaceen s. Sphacelariaceen. 

Akrocecidien: A. sind nach Thomas diejenigen Gallen oder Cecidienj 
welche das Wachstum eines Sprosses abschlieBen, indem der Vegetations- 
punkt unter dem EinfluB der Parasiten deformiert und zur Einstellung seines 
Wachstums gezwungen wird, oder die in der Nahe des Urmeristems liegenden 
Gewebemassen dieses Schicksal erfahren nnd dabei das Wachstum des Vege- 
tationspunktes zum Stillstand bringen. (Vgl. KBSTER, 1911? S. 79.) Vgl. auch 
Acarocecidien und Pleurocecidien. (i&A) 
akrodi’om siehe Blatt-Nervatur. 
aki'ofugal = basipetal. 

Akrogamie (Pirotta e Longo, Annuario d. R. Ist. bot. d. Roma IX. 
1900, Fasc, 2) s. Chalazogamie. 
akrogen s. akrokarp, Anm. 

akrogene Hyphensprossung siehe Konidien der Pilze. 
Akrogenese nennt Noll (Biol. C. XXIII. 1903, S. 327) die an der 
Spitze der Organe stetig oder periodisch sich abspielenden Gestaltungs- 
prozesse. {L.) 

akrogene Sporen siehe Sporen der Pilze. 

akrogyn (Leitgeb, Unters. iib. die Leberm., Jena 1874, f.) s. akrokarp. 
akrokarp, akrokarpisch : Bei den Laubmoosen [Musci] unterscheidet 
man die beiden Hauptabteilungen der a. oder gipfelfriichtigen und der 
pleurokarpen oder pleurokarpischen oder seitenfriichtigen. Bei den a. 
Moosen schlieBt die Hauptachse oder ein vegetativer HauptsproB mit einer 
Bliite (Archegongruppe) ab, und die Auszweigung erfolgt in unmittelbarer 
Nahe derselben; solche sub florale Sprosse, welche das Langenwachstum 
iibernehmen, nennt man Innovationen (Wiederholungssprosse). Bei den 
pleurokarpischen Arten treten die Geschlechtsorgane an eigenen Geschlechts- 
asten (reduzierten Seitenachsen) auf, weshalb die Hauptachse vegetativ weiter 
wachst. In alteren Biichern hat man diese Bezeichnungen auch bei den 
Lebermoosen angewendet, wahrend man jetzt die gipfelfriichtigen als akrogyn, 
die seitenfriichtigen als anakrogyn bezeichnet"). [K) 

akropetal: Die normale Entstehung neuer Glieder an einer Achse 


4 Diese Verhaltnisse sind systematise]! von grofier Wichtigkeit, well sich danacli gro^ 
Hauptgruppen bei den Lebermoosen abgrenzen lassen. [Jungermaniacme acrogynae, Leitg. -- 
Aa^^naaae Wettst. — J. anacrogynae Leitg. = Anacrogynaceae Wettst.) Das^ Sporogon 
entvvf4:elt sick also in ersterem Falle am Gipfel des Haiiptstammes oder 
Sprosse (akrogen), in letzterem Falle terminal an verkurzten Hebensprossen (kladogen). 




akropetaler Asttod — akroskop. 



Fig. 5. Langsschnitt diirch eine Stengel^' 
spitze von Hippuris vtilgm-is: s der 
Stammscheitel (Vegetationspunkt), hb die 
Blatter, nach. oben zu immer junger wer- 
dend, k deren Acbselknospeii, g GcfaB- 
biindel. (Nach Sachs.) 


erfolgt meist seitlich, derart, daO der ursprungliche Vegetationspunkt (Fig. 5, s) 
und die ursprungliche Langsachse erhalten bleiben. Gewohniich geht dann 
die Atilage der neuen Glieder in pro- 
gressiver Reihenfolge, und zwar, da 
die Vegetationspunkte am haufigsten 
terminal liegen, in akropetaler Folge 
vor sich, d. h. so, dafi das jiingste Glied 
der Spitze des erzeugenden Organs am 
nachsten liegt. Daher erhalt man bei 
progressiver Entstehung die zeitliche 
Reihenfolge unmittelbar aus der raum- 
lichen Anordnung. Andererseits kann 
die normale Entstehung auch durch 
Dichotomic [s. d.) erfolgen. 

akropetaler Asttod (VViesner) 
s. Asttod. 

akroskop (Leitgeb, S. Ak. Wien, 

LVII. 1868) : Mediane Langsschnitte 
eines Moosstammchens (z. B. von Fontinalis 
aniipy retied) liefern einBild wie es in Fig. 6, 

B wiedergegeben ist. Die keilfdrmig in 
den Stamm hineinragende dreiseitig pyra- 
midale (»tetraMrische<') S cheitelzelle (j) hat drei Reihen von Segmenten 
nach riickwarts abgeschieden , von denen die nach vorn, bzw. hinten ge- 
richtete durch den Schnitt entfernt worden ist. Die scheitelsichtigen (akro^* 
skopen) Hauptwande' der im Bilde durch ptwas starkere Linien hervor- 
gehobenen Segmente und ihre grundsichtigen (basiskopen) Hauptwande sind 
nahe der Scheitelzelle stark gegen die Achsenlinie geneigt, doch nehinen sie 
schrittweise, je mehr man sich vom Scheitel entfernt, eine mehr horizontale, d. h. 
zur Achsenlinie quer verlaufende Stellung ein. In jedem Segment findet eine 
gesetzmaBige Teilung durch langs, schief und quer gerichtete Wande (interkalares 
Wachstura) statt. Im Bilde B sind die hier in Betracht kommenden Wande ihrer 
natiirlichen Folge entsprechend mit e, e und f bezeichnet. Die erste, 

fast in die Achsenrichtung fallende (perikline) Wand [a) zerlegt jedes Segment 
in eine Innen- und eine AuBenzelle. Erstere liefert das gesamte iiinere Stamm- 
gewebe. Leitgeb nennt deshalb die Innenzelle denStengelteildesSegmentes. 
Die AuBenzelle wdlbt sich friihzeitig nach aiiBen, um einem Blatte den Ursprung 
zu geben. Sie wird deshalb als Blatteil des Segmentes mid dementsprechend 
die zu ihrer Biidung fiihrende Wand a als Blattwand bezeichnet. Da aus dem 
Blatteile aber auBer der einschichtigen Blattfiache auch noch das gesamte Rinden- 
gewebe des Stammes hervorgeht, ware die Bezeichnung Rindenwand vielleicht 
vorzuziehen, um so mehr, als nach den Beobachtungen C. Mullers^) die zweite 
Wand b der Wand a beinahe parallel in der weiter vorgewolbten Blattpapille 
folgt. Erst die dritte Wand e setzt sich der Wand a senkrecht (antikliii) auf. 
Leitgeb nennt Wand e die Basilarwand, den scheitelwarts von ihr gelegenen 
Abschnitt des Blatteils den akroskopen^) Basilarteil, den grundwmts ^e- 
legenen den basikopen^j Basilarteil. (JT,) 

Die bier gegebene Darstelkmg stammt von C, Muller, in E. P. I. 3 , S. 

2 ) 2>sclieitelsichtigen, vorderen, obei'en«. ’ 

3] ^grundsichtigen, hinteren, iinteren.« 



akrotone Orchideea — Aktionssystem. 


15 


aki'otone Orcliideen s. Orchideenbliite. 

Akrotropie (Juel, Nov. act. Reg. Soc, Sc. Upsal. Ser. IV. Vol. 2, 
Nr. II FuOn. pag, 17) = Akrogamie s. Chalazogamie, (F.) 

aktioiimorph (A. Braun) s. Bliiten und Symmetrieverhaltnisse. 
Aktinomykosen, dutch Aktinomycete nveranlaJDte Gewebewucheruiigen. 
Peklo (Centralbl. f. Bakt. II. Abt., 1910, XXVII, S. 451) rechnet hierher die 
Wurzelanschwelllungen von [Almts u. Myrica). (L.) 

Aktinostele s. Stele. 



Fig^ 6 . Waclistum des Stammscheitels von Fontinalis antipyretica, A Laiigsscb.nitt, die von 
den Scheitelzelleii erzeugten Segmentreilieii zeigend, deren Grenzen diircli die Verstarkung der 
HauptwEnde kervorgehoben wurden. Recbts bei k die Anlage einer Knospe miterbalb des 
zugcbdrigen Blattes, in dessen Achsel das Haar h entwickelt ist. B linke Segmentreihe eines 
anderen Langsschnittes. Die Teilungen iiinerhalb ihrer Segmente sind entsprecbend ibrer 
Reibenfolge mit e, f und g bezeicbnet. a = Blatt- Oder Rindenwand; b = erste 

Wand in der Blattpapille ; ^ = Basilar wand im Sinne Leitgebs. C Scbeitel einer Knospe von 
oben her geseben. Die Segmente zeigen genau y3“Divergenz. B Freipraparierter Sclieitel mit 
den Blattanlagen. A^ C und B 3 oofach, B 540fach vergr. (Nach C. Muller.) 

Aktionssystem. Nach Jennings laBt sich bei den Organismen — seine 
Aiisfiihrimgen beziehen sich zuiiachst auf Paramaeciuvi — eine bestimmte Reihe 
von Aktionen auffinden, deren beliebiger Kombination sich sein Verhalten 
iinter den verschiedensten Bedingungen zusammensetzt. Die Anzahl der ver- 
schiedenen Faktoren in dieser Reihe von Aktionen ist klein, und sie kombinieren 
sich zu einem koordinierten Systeme, so daB wir die ganze Reihe zusaminen-' 
genommen als das Aktionssystem bezeichnen kdnnen«. (Das Verhalten der 
niederen Organismen, 1910, S. 164.) (Z.) 



Aktionszone — Alae. 


i6 


Aktionszone: Sie umfafit die Stelle eines Organs, aiis welcher di 
Relzreaktion (Bewegung) vollzogen wird im Gegensatz zur Perzeptions 
zone, an welcher die Aufnahme des Reizes sich vollzieht Beide Zone 
konnen znsammenfallen oder mehr oder minder scharf voneinander getreni 
sein, in welchem Falle eine ausgesprochene Erregungs-(Reiz“)leitung zu b( 
obachten ist. (A.) 

aktive Anpassung: Die BegrifFe aktive und passive A. werde 
(Kirchner I, S. 7.) sehr verschieden gebraucht. Viele setzen aktive A. gleicl 
bedeutend mit direkter A., passive mit indirekter; Roux bezeichnet a 
aktive A. die Organisationssteigerung dutch Gebrauch, als passive di 
Reduktion dutch Nichtgebrauch (Degeneration und Rudimentation 
Reinke bezeichnet als passive A., als »AngepaEtsein«, einen »Zustand< 
der fiir das Leben des Organismus zweckmaBig und notwendig ist, also all 
zweckmaBigen, erblich fixierten Organisationsverhaltnisse; als aktive A. dc 
gegen die im Leben des Individuums eintretenden zweckmaBigen Reaktione 
auf auBere Faktoren. Vgl. unter Anpassung. 

Aktivatoren s. Fermente. 

Aktivitatshetei'oplasie : Vgl. Aktivitatshomooplasie und Hyperplasi( 
Aktivitatsliomooplasie, ^hyperplasie: Hierunter versteht man ein 
Hyperplasie bzw. Homooplasie (s. d.), die durch gesteigerte Inanspriichnahm 
eines Gewebes veranlaBt wird, z. B. die Vermehrung mechanischer Element 
infolge starkerer mechanischer Beanspruchung; wahrend beim Tier- un 
Menschenkorper A. eine groBe Rolle spielen, sind botanischerseits echt 
A. noch nicht mit Sicherheit zu ermitteln gewesen. — Es ware anderer 
seits nach KUSTER denkbar, daB infolge abnorm schwacher Inanspruch 
nahme einer Gewebeform diese in ihrer Entwicklung zuriickbliebe (Hypoplasie 
s. d.), die anderen aber sich normal ausbildeten. Indessen hat sich ein' 
solche Inaktivitatshypoplasie bisher nicht nachweisen lassen. (Vg; 
Kuster, 1903.J {Kst) 

Aktivitatshypei'trophie s. Inaktivierung. 
akzessorische Bedingungen s, formative Wirkungen. 
akzessoi'ische BlMter s. Hauptvorkeim der Characeen. 
akzessorische Chroxnosomen: Ein von zoologischen Objekten her 
genommener Ausdruck, neuerdings wohl ziemlich identisch mit Geschlechts 
chromosomen. Eingeschlechtige Individuen unterscheiden sich in den beide] 
Geschlechtsformen hier haufig (besonders bei Insekten) darin, daB das ein 
Geschlecht ein Chromosom mehr hat als das andere. Dieses nennt mai 
akz. Chrom. Fiir pflanzliche Objekte scheinen besondere akz. Chrom. z 
fehlen. Erfahrungen von NawASCHIN an hermaphroditen Pflanzen [Trade 
scantia) [B. d. B. G. 1911, S. 437] und Galtonia [Bull. Ac. imp. scienc 
St. Petersb. 1912] lagsen sich noch nicht recht in unser sonstiges- Wisse 
einordnen. ( 7 '.) 

akzessorische Fiedern s. Aphlebien. 
akzessorische Knospen = Beiknospen, s. SproB. 
akzidentelle Reproduktion s. d. 

Alae: Bei den sog. Schmetterlingsbllitlern [Papilionatae) tragen di 
5 Kronenblatter besondere Namen. Das hintere, groBte, nennen wir Vexil 


Alae — Aleiiron. 


17 



Fig. 7' Bliite von Lathyrus vermis ^ der halbe 
KelcF, der eine Fliigel und die FaFneiiFalfte ent- 
feriit : a Fliigel (Ala), b Basallappen des Schiffchens 
(Carina) c\ g Griffel, k Kelch, n Nagel des Schiff- 
chens, os oberer Staiibfaden, st Staubfadenrohre, 
V Fabne (Vexillum); B oberer Teil des Griffels mit 
Biirste hr und Narbe 7ta, (Nach Taueert.) 


lum (Fahne), die zwei kleineren seitlichen Alae (Fliigel); die zwei vor- 
deren sind zu einem hohlen, kahnformigen Gebilde, der Carina (Schiff- 
chen), verwachsen oder auch bloB in ahnlicher Form aneinandergelegt. 
(Vgl. Fig. 7 A . Y ) 

Alae der Hepaticae s. foliose Hepat. 

Alarzelleu heiBen bei vielen pleurokarpischen Laubmoos-Arten auf- 
tretende charakteristische Zellgruppen an den Ecken der Blattbasis, Sie sind 
stets parenchymatisch, weitlumigj 
rundlich-eckig, farblos oder ge- 
farbt, zart- oder dickwandig, ein- 
oder zweischichtig, flach oder 
bauchigj nach innen oder auBen 
gedriickt, und haben oft die 
gr5Bte Ahnlichkeit mit den an~ 
grenzenden Oberflachenzellen 
des Stengels. (Nach LiMPRiCliT, 

S. 20 .) [K] 

Albicatio s. Panaschierung 
u. Chlorose. 

Albigrana : Tropfenahnliche 
farblose EinschliiBe der Chloro- 
plasten, z. B. bei Pellio 7 iia und 
in ergriinten Leukoplasten (A. 

Meyer, Das Chlorophyllkorn usw. 1883; vgl. Handworterb. d. Naturwiss. 
Bd. X, S. 765. 1914). (T.) 

Aleuron (T. Hartig, 1855), Klebermehl oder Proteinkorner 
(liOLLE): Aus einer eiweiBartigen Substanz bestehende Korner, die in den 
Samen zahlreicher Ge- 
wilchse, besonders in 51- 
reichen Samen, erzeugt 
werden. Die auBereZell- 
schicht der Samen unse- 
rer Getreidearten (z. B. 

Triticiim) fiihrt nur Aleu- 
ron (Aleuronschicht). 

Hier sind die Aleuron- 
korner einschluBfrei, sehr 
oft aber bergen sie Ei- 
weiBkristalle (Kris t al- 
io id e), auch rundliche 
Korner, sog. Globoide, 
welche zu'm groBen Teil 
aus anorganischen Sub- 
stanzen bestehen. (Vgl. Fig. 8.) Von Interesse sind besonders die neueren 
Untersuchungen Guilliermonds liber die Auflosung dieser Aleuronkorner 

Alae in der alteren Litcratiir, aucF noch bei Linne, die Blattachsel: Flos alaris eine 
AxilliirbUite. ( W.) 

S cb n eider, Bot. Worterbuch. 2 . Auflage, 2 




B 

Fig. 8, Zellen aus dem Endosperm von Ricinus coiimunis: 
A in 01, worin die Aleuronkdrper unloslicb. sind, B in Jod- 
kaliumlosimg. g Globoide, k Kristalloide. (Nach Frank.) 


Algenfarbstoffe — Allelomorphism. 


i8 

bei der Keimung der Sameix und die eigenartigen dabei auftretenden Struk- 
turen. (Guilliermond, Arch, d’anat. microscop. 1908.) ( 7 "). 

Algenfarbstoffe. In den Algenchromatophoren treten eine Reilie von 
charakteristischen Pigmenten auf, von denen hier nur die wichtigsten Farbstoffe^ 
soweit sie nicht auch bei hoberen Pflanzen vorkommen, angefiihrt seien. (Vgl. 
Chr omatophoren pigmente .) 

Phaeophyll: Nach Mohsch, eine braune Chlorophyllmodifikation der Chro- 
matophoren von Braunalgen. Nach Tswett (B. Z., Bd. 63, 1905; B. D. B. G., 
Bd. 24, 1906) u. WiLLSTATTER (»Unters. iib. Chorophyli«, Berlin 1913) dagegen 
bandelt es sich um Chlorophyll (und zwar nach ersterem um die beiden Kompo- 
nenten: Chlorophyllin a und das fiir Fucaceen charakteristische Chlorophyllin y), 
das von gelben Pigmenten, dem Phykoxanthin alterer Autoren, gedeckt ist; 
dieses besteht aus Karo tin, Fukoxanthophyll (Tswett) und Fukoxanthin 
(SoRBY, Tswett) = Phykoxanthin (Kylin, Z. phys. Chem. Bd. 82, 1912). Das 
Phykophaein friiherer Autoren (Millardet 1869) bildet sich nach Molisch 
erst postmortal. 

Auch das Diatomin (Nageli 1867), der gelbbraune Farbstoff der Bacillarien- 
Chromatophoren ist nach Molisch kein nativer Farbstoff; dieses Pigmentgemisch 
besteht vielmehr aus Phaeophyll, das beim Absterben in Chlorophyll iibergeht, 
und Karotin (vielleicht auch Xanthophyll und Leukocyan)^). 

Der Peridineen farbstoff besteht nach Schutt (B. D. B. G., 1890) aus drei, 
durch Loslichkeit und spektroskopisches Verhalten charakterisierte Pigmente: 
Phykopyrrin, Peridinin und Peridineen-Chlorophyllin. (Das Pigment- 
gemisch wurde auch Pyrrhophyll [Schutt] genannt.) 

Phykoerythin (Kutzing 1843) (Florideenr ot, Rhodospermin), der in 
den Rhodophyceen-Chromatophoren neben Chlorophyll und Karotin auftretende 
Farbstoff. Er besitzt nach Molisch EiweiBnatur und enthalt iiberdies nach 
Kylin (Z, f. phys. Ch. 1910 u. 1912) eine abspaltbare Farbenkomponente. 

Phykocyan (Kutzing 1843), fiir die Cyanophyceen charakteristische 
blaiigrune Pigment, dessen EiweiBnatur gleichfalls von Molisch nachgewiesen 
wurde (B. Z. 1S95). 

Als Haematochrom bezeichnet man den rdtlichgelben Farbstoff gewisser 
Chroolepidaceen u. a. 

Chrysochrom (Klebs Z. f. wiss. Zool. 1892), das Gesamtpigment von 
Chromulina Rosanoffii\ Gaidukow (B. D. B, G., 1900), unterscheidet neben einem 
spez. Chlorophyll und Karotin (Chrysochlorophyll bzw. -xanthophyll) einen 
wasserldslichen gbldbraunen Farbstoff, Phykochrysin. Vgl. Czapeic 1 . c., 1. 
S. 594 und Sammelref. in Z. f. B. 1911, S. 5; ferner Molisch, Mikrochemie 1913 
u. WiLLSTATTER (s. oben). [L], 

Algenwasserbliite s. Wasserbliite. 

Alkaliotropismus (Massart, Biol C. 1902, S. 22): Durch Alkalien 
bewirkter Chemotropismus (s. d.). [L.] 

Alkoliolgarung s. Garung. 

allassotonische Bewegungen: H. de Vries (in Archiv. Neerland., XV, 
1880), schlug vor, die durch Turgorsteigerung erzielten Bewegungen auxo- 
tonische, diedurch Turgorsenkungen bedingten allassotonische zu nennen., (Z.) 
Allelomorphism, spurious Allelom. (Bateson 1909) AbstoBung der 


Ein alterer Name fur den Pigmentkomplex ist Melinophyll. Der Farbstoff gewisser 
blauer Bacillarien wurde von Lancester 1886 Marennin genannt (nacli dem Fundort 
Marenne — s. auch Molisch B. D. B. G. 1903). 



Allelomorphs — Ambrosia. 


19 

Erbeinheiten, die zvvar »zii verschiedenen Merkmalspaaren gehoren und doch 
den Aiischein erweckten, sie bildeten ein Paar« (CORRENS in Roux, Ter- 
minologie 1912 vgl. z. B. Baur 1911, S, i26ff.). (T.) 

Allelomoi'plis von Bateson u. Saunders 1902 gepragter Terminus = 
Paarling (CORRENS 1900), um die ein Mendel-Merkmalspaar bildenden 
Merkmale bzw. ihre Gene zu bezeichnen (s. unter Gen u. Mendeln). ( 71 ) 
Allelositismus (Norman, in Kgl Norsk. Vid. Selsk. Skrifter, VIL 1872, 
S. 241) = Syntrophie [teste Funfstuck, in E. P. 1 . i*, S. 16]. 

Aliei'gie s. Anaphylaxie. 

Allesie nennt Massart die Fahigkeit des Organismus, eine Interferenz 
zu zeigen, vgl. unter Reaktion. (L,) 

Allogamie, Allokarpie s. Bestaubung. 

Allorhythinie nennt man den ungleichen Teilungsrhythmus von Zellen 
Oder einzeliigen Organismen, z, B. Euglena^ oder von Zellinhaltskorpern. (Vgl. 
Ternetz in J. w. B., Bd. 51, S. 510.) [K) 

alloti'op, Alloti'opie (Loew) s. eutrop. 
alloti'oph, Allotropliie s. autotroph. 

allotype oder allotypische Kernteilung s. unter Karyokinese. 
Alpenpflaiizen. Der Ausdruck A. — eigentlich ja die charakteristischen 
Gewachse der europaischen Alpen bezeiclinend — wird gegenwartig auf 
alle Hochgebirgspflanzen iibertragen. Besser sagt man mit DiELS Oreo** 
phyten. (i 9 .) 

Alpine Stiife, alpine Zone, alpine Region, heiOt pflanzengeogra- 
phisch die Vegetationsstufe oberhalb der Baumgrenze in Gebirgen. Die 
Bezeichnung ist der Verwechslung ausgesetzt mit Ausdriicken, die sich spe** 
ziell auf die Alpen Europas beziehen; zur Abhilfe wurden mancherlei Aus- 
wege vorgeschlagen, doch hat keiner allgemeiiien Eingang gefunden; Rikli 
sagt »Oreophyten-Stufe«. 

Die obersten Lagen der alpinen Stufe, oberhalb der klimatischen Schnee- 
grenze werden oft als »nivale Stufe « abgesondert 

Wenn die Waldgrenze nicht natiirlich ist, sondern durch ihre ktinstliche 
Depression eine baumfreie Gipfelstufe entsteht, so spricht man wohl von 
»pseudo-*alpiner Stufe« (Lapie in Rev. Gcogr, ann. Ill, 1909). [D,] 
Altei'atioiisei'scheinimgen s. Korrelation. 

alternative Vererbung = Mendelnde Vererbung s. unter Mendeln und 
Standardabweichung. 

altei'nierend s. Blattstellung. 

Altei'sreize s. Reiz. 

altozeanisches Element. (Engler, Versuch einer Entwicklungs- 
geschichte II, S. 329,) Das a. E. besteht »aus Formen, welche die Fahig- 
keit besaOen, liber groBere Strecken des Ozeans hinweg zu wandern und 
sich auf den Inselgebieten weiter zu entwickeln«. Es findet sich daher nach 
Engler vorherrschend im antarktischen Waldgebiet Siidamerikas, dem sud- 
lichen Neuseeland, in Australien, dem Kapland, auf Tristan d’Acunha, 
St. Helena, Kerguelen, St. Paul, Amsterdam-Inseln. [D) 
Alveolarplasma s. Zytoplasma. 

Ambrosia. Kugelige Zellenformen von Filzen, die in den Larven- 


Ambrosiagallen — Ameisenpflaiizeii. 


wiegen mancher Holzbohrkafer gefunden werden. Vgl. auch Ambrosiagallen. 
[Kst.] 

Ambrosiagallen nennt Neger die von verschiedenen Asphondylia- 
Arten erzeugten Gallen, in deren Innerem sich auBer dem Gallentier stets 
noch das Myzel eines Pilzes findet, welcher vermutlich gleichzeitig mit dem 
Ei von dem Muttertier auf den Wirt gebracht wird, Baccarini nannte 
Gallen dieser Art Mycozoocecidien, in der Meinung, daB nebst Tieren noch 
der Piiz an ihrer Entstehung ursachlich beteiligt ware, (J&A) 

Ameisengarten, -epiphyten, s. Blumengarten und Pilzgarten der 
Ameisen. 

Ameisenpflanzen. Schon alteren Beobachtern war in den Tropen 
die regelmaBige Besiedelung bestimmter Pfianzen durch harmlose oder bissige 
Ameisen aufgefallen. Die spateren Untersuchungen Fritz Mullers und 
ScHiMPERs haben uns mit der Tatsache bekannt ge- 



Fig. 9. Blasenfcirmige 
Anschwellungen am 
Zweige von Cuvkra 
longifom: mit 2 Inter- 
no dien mit Eingangen 
filr Ameisen in Reihen 
liber den Blattstielen, 
(Nach K. Schumann.) 


macht, daB gewisse Pfianzen Ameisen sowohl Unter- 
kunft (in Stengelhohlungen, blasenformigen Auftrieben 
an Blattstielen, hohlen Stacheln usw.)- als Nahrung 
bieten, und zwar letztere in Form der nach ihren Ent- 
deckern benannten MULX.ERschen und BELTschenKorper- 
chen (s. d.). Angesichts der groBen Verwtistungen, 
welche in den Tropen bisweilen von den Blattschn eider- 
ameisen angerichtet werden, war es naheliegend, daB 
F. MBller und Schimper in den obenerwanten Ein- 
richtungen Anpassungen der Pfianzen in dem Sinne 
sahen, daB diePflanzebestimmten Ameisen, den >Schutz- 
ameisen< Nahrung und Unterkunft gewahrt als »Schutz- 
truppe« gegen die Blattschneiderameisen, welche die 
Blattstiicke als D finger fur ihre Pilzgarten (s. d.) ver- 
wenden. Neuere Untersuchungen in der Heimat der A. 
haben jedoch gezeigt, daB in den meisten Fallen von 
einer Beschiitzung oder Verteidigung der Pfianze durch 
die sog. »Schutzameise« gar keine Rede ist und die 
uns als sehr zweckmaBig erscheinenden »Anpassiingen« 
wie die MuLLERschen und BELTschen Korperchen bei 
Cecropia bzw. Acacia^ sowie die blasig aufgeschwollenen 
Dornen von Acacia an der Pfianze hochstwahrscheinlich 
durch wahrend langer Zeitperioden seitens der Ameisen 
ausgefibten Reize erzeugt und ahnlich den Gallen- 
bildungen erblich fixiert warden. Die Ameise erscheint 
mithin als der aktive, die Pfianze ausbeutende Faktor. 
Ffir manche dieser A. ist iibrigens ein Ameisenschutz 
gegen die Blattschneider ganzlich uberfliissig, da in ihrem 
Gebiete die Blattschneider uberhaupt fehlen. Selbst- 
verstandlich sind wk vorlaufig noch nicht berechtigt, 
diese Ergebnisse ffir alle A. zu verallgemeinern. 

Die Auffassung der A. als an Ameisen angepaBte 
Pfianzen hat auch in der Bezeichnung A, oder myrmeko- 




Amentiflorae — Amitose. 


2 I 

phile Pflanzen ihren sprachlichen Ausdruck g’efunden. WARBURG hat 
daher vorgeschlagen , diejenigen Pflanzen, welche zu Ameisen in einer ge- 
regelten Beziehung stehen, als Myrmekophyten, und die Erscheinung des 
gesetzmafligen Zusammenleben beider nicht als Myrmekophilie oder 
Myrmekophytie sondern als Myrmekosym'biose zu bezeichnen, wenn 
die Pflanze anatomische oder morpliologische Eigentiimlichkeiten ausbildet, 
die wir uns nur als in Beziehung zu den Ameisen entstanden denken konnen, 
wie die MULLERschen Korperchen usw. Er teilt ferner die A. in myrmeko- 
trophe Pflanzen ein, welche die Ameisen mit Nahrung versehen, in 
myrmekodome, die ihnen Unterkunft bieten (Rubiaceen Fig. 9) und in 
myrmekoxene, die ihnen beides bieten [Cecropia^ Acacia). Vgl. WARBURG 
in Biol. C, XII, 1892, S. 128; V. IHERING in Englers Jahrb., 39. Bd., 1907; 
Fiebrig, Biol. C., 29. Bd., 1909. [P.) 

Amentifloi-ae (Delpino) s. Bestaubungsvermittler. 

Amentum = Katzchen (s. d.). 

ameristisch nennt Prantl (Flora. Bd. 61, 1878, S. 499), solche Farn- 
prothallien, die eines Meristems entbehren. 

Amikronen s, Kolloide. 

amikroskopisch s. unter >optisch leer^. 

aminoide Diifte s. Blumendiifte. 

Amino organismen s. Stickstoffassimilation. 

Amitose (amitotische Kernteilung): AuBer der mitotischen oder in- 
direkten Kernteilung (s. Karyokinese) kommt auch noch eine direkte oder 
amitotische Teilung, auch Frag- 
mentation genannt, vor. Sie mag die 
urspriingliche Teilungsart der Kerne ge- 
wesen sein, und bei den niedersten Orga- 
nismen lassen sich zwischen ihr und der 
indirekten Kernteilung gewisse Ubergange 
nachweisen. Doch ist zwischen diesen, auch 
Promitosen (s. d.) genannten und den 
echten Amitosen scharf zu scheiden, 

Hier handelt es sich immer um einen 
reduzierten, auch wohl senilen Vorgang, 
der sich meist erst in alteren Zellen oder 
doch in solchen einstellt, deren Inhalt 
alsbald desorganisiert werden soil. Wir 
beobachten direkte Kernteilung z. B. in 
den langen Gliederzellen von Characeen 
und alten Internodialzellen von Trades- 
cayitia virginica (Fig. 10). Sie beruht im 
wesentlichen auf einem Durchschniirungs- 
vorgang, wobei die Teilstiicke durchaus 
nicht in ihrer GroBe iibereinzustimmen 
brauchen. JOHOW, Diss. Bonn, 1 880 und 
B. Z. 1881, Strasburger, B. Z., 1880; WiESNER-Festschrift 1908; Zusammen- 
fassung in Progr. I, 1907. 



Fig. 10. Kerne iilterer Zellen aus dem 
Stengel von Tradescantia virginica in 
amitotisclier Teilung, stark vergrdiiert. 
(Nack STRASnURGER.) 



22 


Ammomakorganismen — Ampkibische Pflanzen. 


Vielfach sind Kemfusionen mit Amitosen verwechselt worden, so von 
Nathanson (J. w. B., Bd. 35) und V. Wasielewski (J. w. B., Bd. 38 u. 39), Letz^ 
terer schuf noch die beiden Namen derDiaspase und Diatmese, die sich 
aber nicht eingebiirgert haben. Zweifelhaft ist es zurzeit noch, ob die als 
Amitosen gedeuteten Bilder in den Tapetenzellen der Antheren, sowie in 
manchen Riesenzellen, die dutch Alchengallen hervorgerufen sind, nicht auch 
Kernverschmelzungen bedeuten (s. z. B.: Bonnet, Arch. f. Zellforschung, Bd. 7, 
1912; Nemec, Problem der Befruchtungsvorgange, Berlin 1910). Eine de- 
finitive Entscheidung ist oft deshalb schwierig, well es sich nur um eine 
Seriierung von gefarbten Praparaten handeln kann und lebende Beobachtunger 
ausgeschlossen sind. — Sicher gibt es neben den echten Amitosen sog, 
»Pseudoamitosen«, d. h. Kernteilungen, die als Amitosen begannen unc 
erst im Verlauf der Teilung infolge der ungiinstigen Einwirkungen der AuBen- 
welt zu amitosenahnlichen Gebilden abgeandert wurden. V. Haecker (Anat 
Anz., Bd. 17, 1900) hat dies bei Atherisierung von Cyclojfs -Eiexn, exaki 
bewiesen. Solche Pseudoamitosen diirften auch nach Bonnet gelegentlich ir 
den oben genannten Tapetenzellen vorkommen. Ziemlich sicher gestell 
ist ihre Realitat, wenn auch ohne entscheidende Experimente, fiir die Endo- 
sperme zahlreicher Pflanzen (z. B. Buscalioni, Jahrbuch 1 st. bot. Roma 
vol. 7, 1898. G. Tischler, Verb. nat. hist. med. Ver., Heidelberg, N. F. 6 
1900, siehe Zusammenfassung bei Strasburger, Progr. I, 1907, S. 85 — 89) 

Die Wahrscheinlichkeit, dafl Kerne der hoheren Pflanzen, die sich schor 
einmal amitotisch geteilt haben, spater wieder zur Mitose zuriickkehren 
ist zurzeit auBerordentlich gering, 

Tischler (B. D. B. G., Bd. 19, 1901, S. 101) hat zwischen A., die di< 
Teilungsfahigkeit des Zellkerns erhalten lassen (Amitosen schlechtweg), un( 
solchen, die alsbald zur Degeneration und zum Tode des Zellkerns fiihre] 
(Fragmentationen schlechhveg), unterschieden. STRASBURGER (Festschrift ] 
WiESNER, 1908) hat sich dieser Unterscheidung angeschlossen. (A) 
Ammoniakorganismen s. Stickstoffassimilation. 

amoboide Gestaltsanderimg s. Metabolie. 

AmpMbische Pflanzen nennt man alle diejenigen Pflanzen, die im 
stande sind, einerseits auf dem Lande, anderseits teilweise oder ganz in 
bzw. unter Wasser zu leben. Hierher zahlen: 

1. Eine Anzahl ganz untergetauchter Gewaclise, Hottonia palustrU 

Myriophyllwn-Kxttxi^ gevvisse Utricularia-hx\.trx [U, minor ^ U, inter 7 nedu 

ochroleuca)j die imstande sind, auf dem Lande reduzierte Formen sog. »Land 
formen« zu bilden. 

2. Eine Anzahl von Schwimmblattgewachs en, wie Nymphaeaceen, Pota 
meen (A natans usw.), Caldesia parnassifolia^ Polygonmjv amphibiwn^ Hydrochari 
morstis 7'anae u. a,, die ebenfalls stark reduzierte Landformen bilden kdnnen. 

3. Viele Arten, die ganz oder fast ganz als Land pflanzen leben, konnei 
umgekehrt zum Wasserleben iibergehen und dann halbsubmerse , schwimmend' 
oder auch ganzsubmerse Formen bilden, und zwar kann entsprechend der jewel 
ligen Anpassungsfahigkeit beira Ubergang zum Wasserleben eine Reduktion alle 
Teile eintreten (untergetauchte Formen von Lysmachia^ Glaitx^ Rumex hydro 
lapatJmm u. a.) oder aber eine starke Vergrdflerung der Blattscheiben (untergetauchti 
Formen von Pilularia^ Ranunculus lingua\ Schwimmblattformen von Ranuncuhi 



amphigEim — Amphimixis. 


23 


sceleraius u. a.). Dieses so verscliiedene Verhalten rtibrt daher, weil die erst- 
genannten niehr der atmospharischen Luft, die letzterea mehr dem Wasser an- 
gepaBt sind. (Vgl. H. Gluck, Biol. 11. morph. Unters. (iber Wasser- und Sumpf- 
gewachse, Jena, 1905 — 1911). (G). 

ampliigam, Amphigamie s. Endogamie. 

AmphigasMeii s. foliose Hepaticae. 

amphigene Kastration s. castration parasitaire. 

Amphigonie (Haeckel) = geschlechtliche Fortpflanzung. 
Amphikarpie (Treviranus) s. Aerokarpie, 

Amphikotylen s. Kotylvarianten. 

amphikribrale Gefafibiindel s. Leitbiindel. 

Amphilepsis (Bateson u, Saunders, 1902) im Gegensatz zu Mono- 
lepsis. Das normale Resultat der Befruchtung. Roux u. CORRENS, Termino- 
logie, S. 12. (T.) 

Amphimixis. Weismann bezeichnet mit A. (Uber Vererburg 1892, 
S. 772) die Vereinigung der Vererbungssubstanzen (s. unter »Idioplasma«) 
zweier Individuen im Moment der Befruchtung. li. WiNKLER (Progr. II, 1908, 
S. 298) hat im AnschluB daran das Wort »Pseudomixis« (^Ersatz der ecliten 
geschlechtlichen Keimzellv'erschmelzimg durch einen pseudosexuellen Kopu- 
lationsprozeB zweier nicht als spezifische Befruchtungszellen differenzierter 
Zellen«) gebildet. »Apomixis« (== DE BarYvS Apogamie) wird definiert als 
»Ersatz der geschlechtlichen Fortpflanzung durch einen anderen ungeschlecht- 
lichen, nicht mit Kern- und Zellverschmelzung verbimdenen Vermehrungs- 
prozeB. 

GuilLIERMOND (Bull scient. de la France et de la Belgique, 1910) teilt 
speziell fiir die Erscheinungen bei den Pilzen die Amphimixis ein in: A. Plas- 
modiogamie, B, Gametenkopulation, C. Gametangienkopulation. 
Bei den beiden letzten Kategorien sondert er noch Hologamie und Merogamie, 
je nachdem die ganzen Individuen oder nur Teile von ihnen verschmelzen. — 
Von der Amphimixis unterschieden ist die Automixie. Hier sind alle 
Falle untergebracht, bei denen die Sexualvorgange sich zwischen Zellen sehr 
naher Verwandtschaft abspielen oder bei denen die ganze SexualitatsauBerung 
in der Fusion der Kerne beruht. — Als Untergruppen unterscheidet GUIL- 
LIERMOND die Paedogamie (Kopulation von Schwestergameten), die Parthe- 
nogamie (irgendeine Form der »Befruchtung« ohne spezifischen mannl. Kern, 
und die Ps endogamie (hier ist auch die Gamete nicht mehr als solche 
differenziert). 

Von »Apomixie« im engeren Sinne spricht er bei all den partheno- 
genetischen oder apogamen Vorgangen, die keine automiktische Fusion mehr 
zeigen, welche an die Stelle der normalen Kernkopulation getreten ist. Die 
Apomixie GuiLLiERMONDs umfaBt danach also die 5'>echte Parthenogenesis « 
(Entwicklung eines unbefruchteten Eies) und die Apogamie, d, h. die Weiter- 
entwicklung einer Zelle, die iiberhaupt nicht mehr als Ei differenziert ist. 

Wieder andere Bezeichnungen haben Fraser und CHAMBERS (Ann. mycol. 
V, 1907) eingefuhrt. Sie nennen die Fusion zweier Nuclei der gleichen Art = 

» H om oiogamie « , die Fusion eines Sexualkernes mit ehiem vegetativen Kern 
= »Hylogamie«, die Fusion zweier vegetativer Nuclei == »Pseudogamie<. 


24 


amphimorplie Zelleu— amylophyll. 


Der letzte Ausdruck ist aber schoii in ganz anderem Sinne vergeben (siehe 
auch unter »Bastard«). (T.) 

amphimorplie Zellen. Die Zellen der einschichtigen oder die Oberhaut- 
zellen der mebrschichtigen Hymenopbyllaceenblatter besitzen teils gewellte, teils ge- 
faltete Radial- nnd AuBenwande. Nettenius unterscheidet unter den Zellen mit 
Wellungen und Faltungen der Radialwande zweierlei Arten^ solche, bei denen 
Wellungen bzw. Faltungen iiber die ganze Ausdehnung der Radialwande hinweg- 
gehen und solche, bei denen sie sich nur in den auBeren Partien finden. 
Letztere bezeichnet er als a. Z., weil ihre Umrisse bei verschiedener Einstellung 
des Mikroskopes verscbiedene Form besitzen. Je nachdem diese a. Z. in den 
unteren Radialwandpartien Wellungen oder Faltungen zeigen, spricht er von 
ampbimorph gewellten bzw. amphimorph divarikaten Zellen. Vgl. 
Ambronn, J. w. B. 14, S. 86. (P.) 

Amphiplasma ist nach Swellengrebel (Centralbl. Bakt. 1. B. 49, 
Arch. Hyg. 70, 1909) ein Plasma, das noch keine Sonderung in Kern und 
Zytoplasma erfahren hat, wie z. B. bei den Cyanophyceen u. Bakterien. ( J.) 

ampBiploisclie Siphonostele s. Stele. 

Amphisarca siehe Polykarpium. 

amphisynkotyl, Amphisynkotylie (de Vries) s. Kotylvarianten. 

Amphithecium: i. d. Flechten, s. Apothecium ders. ; 2. d. Moose, 
(Kienitz-Gerloff) s. Sporogon d. Musci. 

amphitroper Embryo s. Embryo. 

amphitroph, Amphitrophie (Wiesner, S. Ak. Wien, Bd. 101, 1892, 
S. 691) s, Trophie. 

amphivasale Gefafibiindel s. Leitbiindel. 

Amphoterogonie (s. Roux-Correns, Terminologie). Es gibt (Pflanzen)- 
Sippen, bei denen dasselbe Individuum auf zweierlei Weise seine Nach- 
kommenschaft bildet, indem ein Teil der Aste eine konst ante, ein Teil 
aber eine typisch gespaltene Nachkommenschaft gibt; dieser Teil verhalt 
sich genau wie ein mendelnder Bastard. Beispiel: Mirabilis Jalapa 
variegata. C. CORRENS, Die neuen Vererbungsgesetze, 1912, S. 69. (P.) 

Ampulleii s. Blattmetamorphose, Blattschlauche. 

Amylin. (Heinze), ein nicht naber bekannter Reserv’estoff von Beggiatoa 
mirabilis^ der in Form kleiner, sich mit konz. Jodjodkali blauenden Kornchen 
auftritt. (Z.) 

Amyloid (WiNTERSTEiN, Zschr. f. pbys. Chem. 1892), eine Membransubstanz 
gewisser Samen (Tropaeolum^ Impatiens^ Paconid)^ welche sich mit Jod unmittel- 
bar blaii farbt. Die Identitat mit der gieichfalls A. genannten Substanz, die bei 
Behandlung der Zellulose mit Schwefelsaure od. Chlorzinkjod usw. auftritt, ist 
zum mindesten zweifelhaft. (s. Euler.) (Z.) 

Amy lorn nennt J. Troschel (Verb. bot. Ver. Prov. Brandbg. 1880, S. 81) 
jene physiologischen Gewebeeinbeiten, welche dutch die Elemente des Holz- 
parenchyms und der Markstrahlen des Xylems und Phloems der Phanerogamen 
gebildet warden. Die Aufgabe des Amyloms besteht darin, die Kohlehydrate 
(Starke, Inulin, Zucker 11. a.), Gerbstoff usw. zu leiten und zur Zeit der Vegetations- 
ruhe aiifziispeichern. 

Amylomycin nennt Cri^ (C. r. 1879] die Substanz gewisser Pilzmembranen, 
welche sich mit Jod unmittelbar blauen. (Amyloid?) (Z.) 

amylophyll s. Starkeblatter. 


Amyloplast — Anaphyten. 


25 


Amyloplast s. Plastiden. 

Amyluin = Starke. 

Ana — in Zusammensetzung mit Terminis f. tropistische Bewegungen 
= megativ<c (z. B. Anageotropismus ; Massart, Biol. C. 1902). (i.) 

Anabaeiiase (Fischer) s. Anabaenin. 

Anabaenin, ein von A. Fischer (B. Z. 1905) angenommenes Kohle- 
hydrat der Cyanophyceenzelle, aus dem die »Zentralkorner« und »Pseudo-' 
mitosen« (s. diese) bestehen sollen. Ein besonderes Enzym, die Anabaenase, 
kami unter geeigneten Bedingungen Autolyse veranlassen. (T.) 

Aiiabionten, anabiotische Pflanzen (A. Braun, Das Indiv. d. 
Pflze. 1853, 41): Dauerpflanzen, mehrmals bltihend und fruchtend. Ihnen 
stellt Braun die haplobiotischen (Haplobionten) gegenliber, die mit 
dem Schlusse des einmaligen Entwicklungsprozesses, mit Bliite und Frucht, 
auch ihr Leben beschlieBen. Sie konnen einjahrig [Adonis aestivalis)^ zwei- 
jahrig [Oenothera) oder vieljahrig [Ag-ave) sein. De Candolle (Physiol, 
veget. II, 18) nannte die Anabionten polykarpische, die Haplobionten 
monokarpische Gewachse. 

Aixabiose (Preyer Biol C., XL, i8qi): Zustand des Erwachens aus 
dem Scheintod oder dem latenten Leben, in das manche Organismen durch 
vollige Wasserentziehung fallen konnen. (Z.) 

Anabolismus s. katabolischer Stoffwechsei. 

anadrom s. Farnblattaderung. 

anaei'obe Atmung s. Atmung. 

Aiia^roben, Anaerobionten, Aiiaei^obiose s. Aerobic. 

Anastliese, reversible Aufhebung der Sensibilitat. Siehe Narkotika. (Z.) 

Anaklinotropismus s. Tropismus. 

anakx'Ogyn siehe akrokarp. 

analoge Organe (Analogie) s. unter Homologie u. metamorphosierte 
Organe. 

Alianasgallen (Kuckucksgallen) sind diejenigen Gallen, die durch 
hyperplastische Veranderungen zahlreicher nebeneinander liegender Organe (Blatter, 
Bliitenstieie) zustande kommen; dadurch, daB die stark vergrdfierten Organe sich 
aneinander abpiatten, kommt eine Felderung zustande, die an den Fruchtstand 
einer Ananas erinnert. Beispiel: Adelges ahietis an Abies excelsa^ Dasyneura 
sisymhrii an Nasturtium pains tre usw. [Kst.) 

Anaphasen der Kernteilung s. Karyokinese. 

Anaphylaxie (Richet, Wiener Phys. Kongr. 1910): Durch Injektion eines 
Toxins lafit sich der tierische Organismus fiir dasselbe Gift immunisieren. Unter 
Umstanden tritt hingegen eine wesentliche Steigerung der Empfanglicbkeit bei 
einer nachfolgenden Intoxikation auf, eine Erscheinung, die als A. (Allergie 
nach v. Pirquet) bezeichnet wird. Die Einverleibung des Toxins bedingt im 
tierischen (u. wohl auch im pflanzlichen Organismus) die Bildung zweier hypo- 
thetischer Stoffe: des Antitoxins (s. Toxin) und des Toxogenin^, auf welchem 
die Erscheinung der Uberempfindlichkeit beruht. (Z.) 

Anaphyten (Schulz, Die Anaphytose, 1843); Insofern als die SproB- 
glieder der Phanerogamen die Fahigkeit besitzen, voneinander getrennt als 
Einzelwesen waiter zu leben, hat man sie als Individuen aufgefaDt und A. 
genannt (Nach Kerner.) 



26 


Anaplasten — androdynam* 


Auaplasten (A. Meyer) siehe Plastiden. 

anastatische. Pfllanzen [und Boden], Dem osmotischen Verhalten 
dcr Losuugen im Boden nach unterscheidet GoLA (Ann. di Botan. VIII, 
ujio, 66 ff.), je nach der hoheren oder niedrigeren Konzentration, perhaloide 
(liber 2%^), haloide (liber 0,5 °/o), geloide (0,5 — 0,2 °/o) und pergeloide 
(unter 0,2 7 o) Boden und, je nachdem diese Konzentration wahrend der 
Vcgetationszeit wechselt oder konstantbleibt, anastatische und eustatische 
Boden. — Die Pflanzen lieBen sich danach einteilen inperhalikole,halikole, 
gellkole und pergelikole, bzw. anastatische und eustatische, [D.) 

Anastomosen s. Blattnervatur. 

Axiatomie: Auf botanischem Gebiete Gesamtbezeichnung fiir die Lehre vom 
inneren Ban der Pflanzen. Sie wird aber auch der Histologic oder Zyto- 
logie, welche den feineren Ban der die einzelnen Gewebe zusammensetzenden 
Zellen behandelt, gegentibergestellt als diejenige Wissenschaft, die sich auch mit 
der topographischen Lagerung und Anordnung der Gewebe beschaftigt. Der 
Fragestellung und Methodik entsprechend haben sich verschiedene Richtungen 
der A. herausgebildet. Sie kann sich zunachst darauf beschranken, die Merk- 
male der einzelnen Teile des Pflanzenkorpers, soweit es sich um seinen inneren 
Bau handelt, im ausgebildeten Zustande mbglichst genau zu beschreiben: be- 
schreibende, deskriptive A. und verzichtet hierbei auf jede Erklarung der 
beschriebenen Bauverhaltnisse. Dies tut auch noch die onto gen etische oder 
entwicklungsgeschichtliche A., die nicht bloS die ausgebildeten Zustande, 
sondern auch die aufeinanderfolgenden Entwicklungsstadien der betreffenden Teile 
berticksichtigt. Hingegen kann man von einer ^morphologischen Erklarung « 
bereits sprechen, wenn es der Forscher versucht, die einzelnen Formen von 
anderen abzuleiten, den gemeinsamen Ursprung verschiedener Gebilde nachzu- 
weisen, vergleichende A. Die Erklarung anatomischer bzw- histologischer 
Differenzier ungen aus der Vergangenheit des Pfianzenorganismus bildet die Auf- 
gabe der phylogenetischen A. bzw. Histologie^) (Porsch). Im Gegensatz 
zu dieser erklart die physiologische A. den inneren Bau der Pfianzenorgane 
aus ihrer Funktion, also aus ihrer Arbeitslei stung in der Gegenwart auf Grand 
der Ubereinstimmung zwischen Bau und Funktion. Die entwicklungsmecha- 
nische A. sucht die physikalisch-chemischen Krafte aiifzudecken, welche das 
Zustandekommen eines bestimmten Baues kausal bedingen (bezuglich der Ziele und 
Methoden dieser Richtungen vgl. Haberlandt L c., Porsch, Der SpaltdfFnungs- 
apparat im Lichte der Phylogenie 1905, Kuster, Beitrage zur entwicklungs- 
mechanischen Anatonaie der Pflanzen 1913). Wahrend die bisher. genannten 
Disziplinen sich vorwiegend mit den normalen Pdanzengeweben beschaftigen, be- 
handelt die pathologische A. das Stadium abnormer Zellen und Gewebe. (Vgl. 
KusteR; 1903.) (/*,) 

Anatonose s. Turgorregulation. 

anatl'op s. Samenanlage. 

anatropistische Beweguagen (Massart, Biol. C., 1902, S. 70) s, 
Tropismus. 

Androdioecie s. Polygamie, 

aiidi’Odynam sind solche Zwitterbluten, in denen die mannlichen Organe 
o-cfordert bzw. die weiblichen mehr oder minder rlickgebildet sind. (P.) 

-) AIs grtmdlegende Vorarbeit vgl. Bernard, B. B. C., Bd. 17, 1904 11. die unter sphyle- 
tischc SpaltofTnungen zit. Arbeiten« v. Rudloph u. Hryniewiecki. 



Androeceiim. 


Androeceum (Roeper) nennen wir die Gesamtheit der Staubblatter 
(Stammaj einer Blute (vgl. diese) '^‘•auDDiatter 




II, A — C StaubgcMk* mit Aiithere imd Fila- 
ment, und xwnr die Antlicre beziiglich der Insertion 
<ie .*7 Filaments basifix in A (von Datura st/rwiomum) 
Oder dorsifix in /i (von Plantago lanccolata) oder in 
(’ (von Ses/ertii'r -O Querschnitt einer Anthere von 
Ihitura sinitmmhini ; c das Konnelctiv im Innern mit 
dem Fibre vasalstrang; xu beklen Seiten davon die 
iiurorsen Theken, jede aus einem iiuOseren {a] und 
einem inneren Pollensacke (/) bestehend; zwisebeu 
bcidtm entsteht spHtcr der Liingsspalt, durcb den 
sich bcule Pollensacke gemeinsam ofFnen, (Nacb 
Frank.) 



Fig. 12. Staubblattfornien: A das gauze 
Androeceum von Viola odorata^ die 
einzelnen Staubblatter mit introrsen 
sitzenden Antberen und zwei mitSporn- 
anbang; B didymere Autbere von 
Calla palustris\ C versatile An there 
von Lamium alhm\ D Staubblatt von 
Fersea- mit Staminodien 71 und je mit 
zwei Klappen aufspringendeu Tbeken. 

(Nacb Baillon.) 


(Filament). Zwei der Fiicher sind entweder nur in der Jugend oder auch noch 
spater die vorderen, zwei die hinteren; je ein vorderes tind ein hinteres biiden 
eine Anther enhalfte (Theca, Anther enfach). Daher lieii^en A."^), die vier, 
zu zwei Theken angeordnete Pollensacke besitzen, zweifacherig (dithezisch), 
solche mit zwei Pollensacken, die natiirlich nnr eine Theca biiden konnen, ein- 
fiicherig (monothezisch) (z, B. Arisartwi, Clitsm- Axten), Der zwischen den 

A. bier und im folgenden = Antbere. 



28 


Androeceum. 


s 

I 

t- 


i 


beiden Theken liegende Teil heifit das Mittelband (Konnektiv). A. mit ver- 
kiitninertem Konnektiv, wie bei Calla palustris (Fig. 12^), pflegt man didy- 
mere A. zu nennen. Die deutscbe Bezeichnung Staubbeutel wird in ver- 
schiedenem Sinne gebraucht, bald auf die ganze Theca, bald auf die einzelnen 
Facher der Theca, oder auch auf die ganze A. angewendet. Wahrend haufig 
die beiden hinteren Facher nach auEen, die beiden vorderen Facher nach innen 
gekehrt sind, erfolgt bisweilen eine solche Ausdehnung der Riickseite, dafi beide 
Theken mit ihren Fachern ganz nach innen (dem Zentrum der Bliite zu) ge- 
kehrt werden; solche A. heifien intro rs (innenwendig) (z. B. OrcMdaceae), 
Umgekehrt werden andere A., z. B. bei den Iridaceen, manchen Liliaceen, durch 
Starke Ausdehnung der Vorderseite extrors (auBenwendig). Wichtig ist die 



Fig. 13. A polyadelphisclies Androeceum bei Xantliochyimis pictorhis^ B diadelpMsches An- 
droeceiim von Pisum sativtim] C inonadelpliiscbes Androeceum von Melia azedarac 1 i\ D — E 
synantberes Androeceum von Cosmos pij^bmatus^ bei E aufgerollt; F Langsschnitt durch die 
Synandrien von Clusia Plavchoniana (A — E nach Baillon, F nach Planchon et Triana), 


sog, s>Anheftung« der A. an das Filament (vgl. die basifixe A. in Fig. 
und die dors i fixe in B)^ viel wichtiger die Abgliederung der A. von diesem: 
die A. heiBt aufliegend, wenn sie scheinbar mit einer Seite dem Ende des 
Tragers horizontal aufliegt, wie bei einem schildfdrmigen Blatte die Spreite dem 
Blatt »aiifsitzt«; die A. heiBt beweglich (versatfl), wenn sie mit fast nur einem 
Punkte ihrer Mitte der Spitze des Staubfadens aufsitzt [Lamhm alhmi Fig. 126); 
sie heiBt angewachsen, wenn sie scheinbar mit einer Seite der Endflache des 
Staubfadens angewachsen ist. Sitzend wird die A. genannt, wenn die Theken 
von ihrer Basis ausgehen ('z. B. Viola Fig, 12^^); die Staubblatter kdnnen auch 


i 



Andro ec eum — aiielektive Rezep toren . 


29 


nach unten tiber ihre Insertion hinaus verlangert sein und sind dann gespornt 
(z. B. Viola). — Entweder die Filamente oder die A. oder die ganzen Staub- 
blatter kdnnen sich untereinander vereinigen; die Vereinigungen der Filamente 
werden als Adelphien bezeichnet. Je nachdem die StaubfMen mehrere, zwei 
oder ein Biindel bilden, heiBt das Androeceum polyadelphisch (Fig. 13^), 
diadelphisch [B]^ monadelphisch (C), welche Verhaltnisse LinnjS bei Auf- 
steliung der Klassen XVIII^ XVII und XVI seines kiinstlichen Systems venvertete. 
Verwachsen nur die A. eines Andro eceums untereinander, so nennt man dies 
synanther (z. B. Kompositen Fig. 13Z? — jS, XIX. Klasse Linn^s). Sodann 
kdnnen aber auch • samtliche Stamina sich untereinander vereinigen (z. B. 
Phyllanthus- und Clusia^kxt^Xi [F])] das dadurch entstandene Gebilde wird 
Synandrium genannt. — Sehr wesentliche Umgestaltungen werden haufig in 
dem Androeceum dadurch herbeigeftihrt, daB die Blattgebilde, in welchen ur~ 
sprlinglich Sexualzellen angelegt warden, bei den Nachkommen derselben Pdanzen 
steril werden. Solche steril gewordene Stamina heiBen Staminodien (Fig. 12;;. 
in Z>). So wie die ersten Synandrien bilden, bilden die letzten Synandrodien. 
(Nach Engler in E. P. II, i, S. i4ifF. und Pax, S. 232 fF.). 

Androeceum der Bryophyten s. Infloreszenz derselben. 

Andi'Oezie. Unter A. versteht V. Uexkull (Bibl. bot Heft 52, S. 5) 
das ausschlieBliche Vorkommen rein mannlicher Blliten an ‘ein und dem- 
selben Individuum. {P.) 

androgeue Kasti^ation s. castration parasitaire. 

Androgynie. i. Im Sinne Linn^s das gleichzeitige Auftreten rein 
mannlicher und rein weiblicher Bliiten auf demselben Pflanzenstock, also 
gleichbedeutend mit Monoezie oder Einhausigkeit. 2. Das Auftreten rein 
mannlicher Bliiten an sonst weiblichen Blutenstanden. 3. Das Hinterein-' 
anderauftreten von rein mannlichen und rein weiblichen Bliiten in demselben 
Blutenstande. (Nach Kirchner I, S. 34). {F.) 

andi’Ogynische Musci s. unter paroezische Musci. 
androgynodioezisch (Schroeter, ex Kirchner, S. 34) sind Pflanzen, 
die neben zwitterigen Exemplaren auch monoezische Individuen hervof- 
bringen, die mannliche und weibliche Bliiten tragen. (F.) 

Androklinium s. Orchideenbliite. 

Andi'omonoezie s. Polygamie. 

Andromorphosen nennt Schroeter (in Kirchner, .S. 34) die durch 
die Reizwirkungen des Pollenschlauches hervorgerufenen gestaltlichen Ver- 
anderungen. {L.) 

Androphoi*: Stielartige Verlangerung der Bliitenachse zwischen Bliiten- 
hiille und Androeceum (z. B. bei Capparideen, Passiflora). Tritt eine solche 
stielartige Verlangerung nur unterhalb des Gynoeceums, also zwischen diesem 
und dem Androeceum auf, so heiDt sie Gynophor (bei Capparidaceen). 
Sie kann auch (bei Lychnis) zwischen Kelch und Krone auftreten, fur wel- 
chen Fall eine besondere Bezeichnung der stielformigen Internodien zu 
fehlen scheint. 

Androphorenzelle s. Karpogon. 

Androsporangien, Androspoi’cn oder Androzoosporen (vgl. 
A. Pascher, Hedwigia, 46, 1907, S. 267, Note) s. Zwergmannchen. {Sv.) 

anelektive Rezeptoren s. Rezeptoren. 



30 


aiieliotrop — Anisophyllie. 


aneliotrop s. Heliotropismus. 

anemochor • (Ludwig, S. 301) sind solche Verbreitungseinrichtunge] 
bei denen der Transport durch die Luftstromungen ausgefiihrt wird. 
Anemo-Entomophilie s. Heteromesogamie. 

Aneinogamae, Anemophilae, Anemopliilie s. Windbliitler ur 
Bestaubungsvermittler. (VgL auch Diamesogamae,) 

anemophob (Hansgirg): Wird von Einrichtungen zum Schutz gegc 
Schadigungen durch den Wind gebraucht, aber auch von Pflanzen, d 
solche besitzen. (Nach Kirchner, S. 35,) 

Anflugstellen. Gesamtbezeichnung fiir diejenigen Organe an die B 
staubung durch Tiere angepaBter Blumen, auf denen sich die fiir die Polle] 
iibertragLing ausschlaggebenden Bestauber niederlassen. Die A. sind so g 
legen, daB die Bestauber infolge des Gebrauches dieser A, entweder direl 
Oder indirekt Pollen aufnehmen bzw. auf die Narbe iibertragen. (P,) 
Angelborsten d. Opuntien s. Glochiden. 
angiokarpe Fruchtkorper s. Karposoma. 
angiokarpe Liclienen s. Apothecien der Flechten. 
Anishologamie: Guilliermond (Bull. Scientif. de la France et de 
Belgique 1910) versteht bei den Ascomyceten unterA. den Sphaerotheca-Typii 
unter Anisomerogamie den der Flechten, Laboulbenien usw., unter Gi 
metangie den Pyronema-Typus; ferner finden sich hier noch Beispiele f 
Parthenogamie, Pseudogamie und Parthenogenesis. (VgL unter Amphimixi 
sowie Befruchtungstypen der Pilze.) ( 71 ) 
anisogene Bastarde s. unter Bastarde. 

Anisokotylie : Ungleichblattrigkeit der Kotyledonen (Cruciferen, Gesn 
raceen u. a.), welch e einen Spezialfall der Anisophyllie darstellt, wurde a 
Anisokotylie bezeichnet. (Fritsch, Die Keimpflanzen der Gesneracee 
Jena 1904.) (Z.) 

Anisomerogamie s. Anishologamie. 

Anisomorphie. Dem Sachs schen Begriffe der Anisotropic (s. d.) ste 
WiESNER (S. Ak. Wien. Cl, 1892) den Begriff der Anisomorphie gege; 
liber; er versteht darunter »jene Grundeigentumlichkeit der lebenden Pflanze 
substanz, derzufolge die verschiedenen Organe der Pflanze' je nach ihr 
Lage zum Horizonte oder zur Abstammungsachse die Fahigkeit haben, ve 
schiedene typische Formen anzunehmen«. Anisomorphie und -trop 
werden durch dieselben ursachlichen Momente bedingt; wahreiid aber hi 
der EfFekt sich in der Richtung des Organs auBert, kommt er dort in d 
Gestalt zum Ausdruck, Nach der Gestalt lassen sich orthomorph 
hemiorthomorphe u. klinomorphe Organe unterscheiden, welche dun 
ihre Symmetrieverhaltnisse charakterisiert sind; sie erscheinen regelmaBi 
symmetrisch bzw. asymmetrisch. (Vgl. die analogen Termini orthotro 
hemiorthotrop u. klinotrop unter Anisotropie.) Unter den Begriff der ji 
fallen auch die Trophien u. die Erscheinungen der Anisophyllie. (Z.) 

Anisophyllie. Wiesner (B. D. B. G. 1892; Biol. d. Pflz. 1902) definie 
sie als » Ungleichblattrigkeit der Sprosse infolge der Lage, wobei der Begn 
Lage im weiteren Sinne zu nehmen ist, namlich als die raumliche Beziehur 
des anisophyllen Sprosses zum Horizon! , durch welche eine Reihe vc 



Anisophyllie. 


31 


auIJeren Einfliissen auf die betreffenden Organe gegeben sind, und als die 
raumliche Beziehung des anisophylleii Sprosses zu seinem Muttersprosse«. 
Goebel (Organogr. 1901) versteht unter A. die Tatsache, »dal3 an plagio- 
tropen Sprossen an den verschiedenen Seiten Blatter verschiedener GroBe 
(und verschiedenen Gewichtes) auftreten*. In der Mehrzahl der Falle sind 
die Bl. der morphologischen Unterseite geneigter Sprosse die groBeren. Im 
Gegensatz hierzu sind die gleichaltrigen Bliiten orthotroper Sprosse durch 
Isophyllie (Gleichblattrigkeit) ausgezeichnet. 

Es werden eine Anzahl verschiedener Formen der Anisophyllie unter- 
schieden, und zwar: 

Unvollstandige A. an Pfl. mit groBen, dekussiert gegenstandigen, ab- 
wechselnd median und lateral angeordneten Slattern; letztere sind isophyll (gleich- 
blattrig), erstere anisophylL (Wiesner, Anisoph. trop. Gew., S. Ak. ‘Wien. 1894.) 
Der Terminus ist der Monographic W, Figdors (»Die Erscheinungen d. Anis.«, 
Wien. 1909) entnommen. Derselbe Fall wurde auch mit verschiedenen anderen 
Namen belegt: »laterale A.« (Goebel, Organogr.), ^^mediane oder radiale A.< 
(Hallier, a. J. B. 1896), »gemeine A,^ (Kirchner, I. 1904). 

Exorbitante A. bezeichnet Wiesner ( 1 . c. S. 12; nach Figdor [ 1 . c. S. 21]) 
»jene Falle d. unvollst. A., bei welchen nur das letzgebildete, median inserierte 
Blattpaar einer Sprofigeneration ungleich groB ist, sei es, daB es deshalb das 
letzte ist, weil die relative Hauptachse gestaucht wird (eventuell mit einer Bit. 
abschlieBt) und ein SeitensproB die RoUe d. Hauptachse ubernimrat od. weil d. 
Produktion von Laubblattern, zeitweise durch eine Anderimg in den Vegetations- 
verhaltnissen sistiert wird und die Achse (in diesem Falle handelt es sich urn Seiten- 
achsen) ihr Wachstum einstellt.« Der erstere Fall wurde von Wiesner in der Grtippe 
d. ternifoliaten Gardenien beobachtet; die letztere Erscheiniing tritt in unseren 
Breiten an den letzten Bl. der Sprosse gegen Ende der Vegetationsperiode sehr 
haufig auf und wurde daher auch als herbstliche A. (Wiesner) bezeichnet. 

Vollstandige A. Die A. ist an alien Bl. eines Sprosses aiisgebildet, wenn 
bei dekussiert gegenstandiger Blattanordnung die Internodien eine Dreliung von 
45^ erfahren (= diagonale A. Hallier 1 . c.). 

Lateral e A.: Samtliche, durch Annahme der fixen Lichtlage in einer Ebene 
angeordneten Blattpaare eines plagiotropen Sprosses sind anisophyll; die infolge 
Torsion der Internodien lateral angeordneten Bl. sind abwechselnd groBer. 
Charakteristisch ist, daB nicht allein die auf gleicher liohe inserierten Bl. imter- 
einander verschieden groB sind, sondern daB auch auf jeder Flanke von der 
Spitze gegen die Basis hin groBe und kleine BL miteinander abwechseln. 
(Wiesner, Anis. trop. Gew. 1 . c. S. 647). 

Habituelle A. (Wiesner) unterscheidet sich graduell von der vollst. Anis., 
insoferii die GroBendifferenzen ungleich bedeutender sind. Wiesner betrachtet 
sie im wesentlichen als erblich fixiert Figdor beschriinkt den Terminus iin An- 
schluB an Gokbel nur auf solche Falle, bei denen Pflaiizen ausschlieBlich nur 
piagiotrope SproBsysteme mit durchaus anis. BL aiisbilden. 

Sekundilre A. besteht nach Wiesner darin, daB nur ein Teii der Blatter 
durch die Exotrophie des tragenden Sprosses anis. wird, wiihrend ein anderer 
Teil durch die Exotrophie des Muttersprosses den anisophyllen Charakter an- 
nimmt 

Falsche A.: Figdor faBt claninter alle Falle von scheinbarer A. zusammen 
wie die Ungleichblattrigkeit der »gepaarten« Blatter bei Solanaceen u. a. 

(AusfUhrlicher Literaturnachweis bei W, Figdor L c.) Uber Mediananisophyllie 
s. Medianblatter. (Z.) 



32 


Allis ostylie — Ahkerhaare, 


Anisostylie (Loew nach Kirchner I, i, S* 35): Ausbildung kurz- u. 
langgrifFeliger Bliiten bei derselben Pflanzenart bei gleichzeitiger physiolo- 
gischer Wirksamkeit beider Geschlechtsorgane. (P.) 

Anisotropie (Wurzburger Arbeiten II, 1883, S. 226)* Sachs bezeichnet 
mit A. die »verschiedene Reaktionsfahigkeit der Pflanzenteile gleichen 
auBeren Einfliissen gegenuber«. So ist z. B. der aufrecht wachsende Haupt- 
Stamm u, die ab warts wachsende Wurzel unter sich anisotrop (u. zw. in 
diesem Falle antitrop). 

Fr. Czapeic (J. w. B.j XXXII, 1898, S. 292) spricbt von organischer 
A., d. h. A. der Organe desselben Individnums, bez. der A. verschiedener 
Pflanzenformen und Arten auf denselben Reiz, von tempo rarer A., d. h. 
wechselnde A. desselben Organs zu verschiedenen Zeiten, von dynamischer 
A., d. h. A, bei verschiedener Einwirkungsweise der Reizkraft, und von 
traumatischer A., worunter er jene Anderungen in der auDeren Er- 
scheinung der Reaktion auf Richtungsreize zusammenfaBt , die durch ein 
Trauma (Wundreiz) veranlaOt werden. 

Sachs ( 1 . c.) teilt die anisotropen Pflanzenteile ein in orthotrope, welche 
sich » unter ganz normalen Vegetationsbedingungen vertikal stellen« (auf- 
rechte Hauptstamme) und pi agio trope, die unter denselben Bedingungen 
eine andere Lage einnehmen, sich also schrag oder horizontal stellen. 
WiESNER (Biol.) unterscheidet zwei wohl auseinanderzuhaltende Falle der 
plagiotropen Lage: i. Die hemiorthotrope Lage, dadurch charakterisiert, 
»daB die normale Medianebene,- d. i. eine auf d. Blattflache senkrechte, durch 
den Mittelnerv gehende Ebene, auf dem Horizont senkrecht steht. 2. Die 
klinotrope Lage, bei welcher die Medianebene schrag zum Horizonte orien- 
tiert ist. In diesem Falle laOt sich also eine obere und untere, im ersten 
Fall dagegen eine linke und rechte Langshalfte unterscheiden. 

Die radiaren Organe sind zumeist orthotrop, doch gibt es Ausnahmen, 
wie die horizontal en unterirdischen Achsen, die oft 
nichtsdestoweniger radiar gebaut sind; solche Organe 
sind als physiologisch dorsiventral aufzufassen. 

Pfeffer bezeichnet die »physiologisch radiaren« 

Organe als isotrop. (II, S. 83). Vgl. auch Aniso- 
morphie. (L.) 

Ankerhaare: Von G. Karsten (Bibl. bot, Heft 22, 

1891] entdeckte Haare, die in groBer Anzahl am hypo- 
kotylen Stengelgliede der Keimpflanzen eines Mangrove- 
baumes, Avicennta officinalis^ auftreten und die Ver- 
ankerung des zu Bo den gefallenen Keimlings bewirken. 

Sie bestehen (vgl. Fig. 14) aus einer Reihe gestreckter 
Zellen, deren AuBenwande gegen die Haarspitze zu 
immer dicker werden. Die Endzelle ist hakenformig 
umgebogen und mit einer scharfen Spitze versehen. 

Ahnliche Haare hat Fr. Muller (B. D. B. G., XIII, 

1895) an den Samen einer epiphytischen Bromeliacee, Fig. 14. Ankerhaare der 
Catopsis nntans^ und an denen einer Orchidee, Phy^mati- 
dmmj heohsLchtet (Nach Haberlandt, S. 121.] (P.) 



Ankerkletten — Anlo ckungsmittel. 


33 



Ankerkletten (Huth) s. Klettpfianzen. 

Ankerzellen (Klammer-, Krammenzellen) nemit C. Muller (in 
J. w. B. 1888, S. 514) eigentiimliche Zellen, die an den Scheidenblattern der 
Schachtelhalme das EinreiBen langs der 
schwachen Kommissuren, zwischen den 
Scheidenzahnen, erschweren. Vgl. Fig, 15. 

(-^0 

Anklainmerungsantheren s.Heter- 
antherie. 

Anklaramei'ungsblumen s.Bienen- 
blumen. 

Ankoxnmlinge s. Adventivpflanzen. 

Anlage: (S. auch Pfeffer, II, S. 170) 

Bezeichnung ftir einen Faktorenkomplex, 
der als materielle Grundlage spaterer Ent- 
wicklung zu denken ist Wir sprechen 
daher von Anlagen speziell bei der Behand- 
lung noch unentwickelter Gewebe, 

Zellen usw, Im besonderen wird zwischen 
embryonalen, allseitsbefahigten, 
iiidifferenten, neutralen Anlagen einer- 
seits iind spez ifizierten, bestimmt 
determinierten, auch postembryo- 
nalen Anlagen andererseits geschieden. 

Es ist ohne weiteres klar, daB die einer 
bestimmten Kategorie ziigehorigen A. unter 
sich gleichwertig (aequipotentiell) sein 
konnen, daB sieferner dieFahigkeitbesitzen, 



sich innerhalb der Kategorie, also ohne 
Aufgabe des Charakters eines 
Blattorgans usw., je nach den 
dirigierenden Bedingungen in 
verschiedener Weise auszu- 
gestalten. Es liegt iiberhaupt 
im Wesen der Entwicklung, 
daB die A. unter Formen- und 
F unktionswechsel allmahlich 
ihre besondereGestaltung und 
fimktionellen Befahigungen ge- 
winnen. ( T.) 

Anlageplasma = Idio- 
plasma. 

Anlo ckungsmittel der 
Blumen. Zur Sicherung der 
Fremdbestaubung verfiigen die 
hoher organisierten Blumen 
(s. d.) liber eine Reihe von A. 

Schneider, Bot Wdrtcrbuch. 2, Anflage, 


Fig. 15. Querschnitt durclileine Kom- 
missur der Blattscheide von Equisetum 
hiemale^ A imT meristematisclien, B im 
aiisgebildeten Zustande mit deutlicker 
Ankerzelle. (Nach. Haberlandt.) 



Fig. 16. Mjinnlicher Bliitenstand von Ereycinetia stro- 
hilacea (stark verkl.), a manniiche Kolben, h >Be- 
kostigimgskdrper« , Ji als Schaiiapparat fungierende 
Hochblatter. (Nach Knuth.) 


34 


anuuelle Pflanzen — Anpassung. 


Die bisher bekannten A. sind: Farbe, Duft, Polleiij Honig*, Pollen- 
imitation, Futtergewebej Futterhaare, Blutenwachs, Bekostiguiigs- 
korper (Fig. i6, ^). Von diesen fungieren Farbe iind Duft als A. auf die 
Entfernungj die iibrigen treten erst dann in Aktion, wenn die Bestauber, durcli 
die ersteren angelockt, bereits an Ort und Stelle sind. Beziiglich der Details 
sei auf die einzelnen bezuglichen Stichworte verwiesen. Vgl. PORSCH, Die 
A. der Blumen usw., Mitteil. d. naturw. Vereins d. Wiener Univ., 1904. (/') 

annuelle Pflanzen sind solche, die innerhalb einer Vegetationsperiode 
Blatter, Bltiten und Fruchte erzeugen imd dann absterben (z. B. Papavcr 
somniferiim). (Vgl auch unter monokarp.) 

Annulus: i. derEquisetaceen-Sporophylle s. Ring ders.; 2. derHymeno- 
myceten s. Velum; 3. der Mooskapsel s. Sporogon d. Musci; 4. der Sporan- 
gien d. Pteridophyten s. d. 

anodisch s. Blattstellung. 
anodische Galvanotaxis s. d. 

anombi'ophob (Hansgirg, Sitzber. bohm. Ges. der Wiss., 1896) s, 
ombrophob. 

anoi'male Fiedern s. Aphlebien. 

Anoxybiose s. Aerobiose. 

Anpassung: Nach Kirchner (I, S. 6 ff.) lassen sich die Formen der 
A. wie folgt gliedern: 

I. Nacb. der Entstehung: 

1. direkte A., s. »direkte« und »aktive« A. 

2. indirekte oder geziichtete A. (Spencer, Goebel): Das sind Eigen schaften, 
welche entstanden sind: a) als spontane Abanderungen (z. B. in der Bltitenfarbe), 
p) als Folgen anderer Erscheinungen (2. B. Schwimnifahigkeit der Samen als 
Begleiterscheinung der anemocboren Verbreitungsausriistung) und welche sich als 
nutzlich erwiesen- und durch Selektion fixiert wurden (GerbstofF als Schutzmittel 
gegen Tierfrafi), 

II. Nach der Natur des EfFektes: 

1. quantitative A. [= funktionelle A., trophische A. (Roux)] besteht in 
der Fdrderung oder Reduktion eines Organs durch Gebrauch oder Nichtgebrauch 
desselben. 

2. qualitative A. besteht in der Entstehung neuer Organe oder in eineni 
Fuiiktionswechsel schon vorhandener. 

III. Nach der Herkunft der bewirkenden Faktoren: 

1. physiologische A. (Haberlandt, S. 6) [= innere A;, gegenseitige A. 
der Gewebe (Wiesner, S. 6)]: »Die als A. entstandene Einrichtung ist der 
physiologischen Funktion angepaBt, welche sie im Lebensgetriebe, im inneren 
Haushalt der Pflanzen zu vollziehen hat«, z. B. die Ausbildang des Assimilations- 
systems nach dem Prinzip der Stoffableitung und der OberflachenvergroBerung. — 
Hierher gehort das ganze weite Gebiet der Korrelationserscheinungen (s. d.). 

2. oekologische oder biologische A. (Haberlandt, S. 6) [auBere A. 
(Wiesner)]: »hangt init den mannigfachen Bedurfnissen zusammen, welche, sich 
ftir die ganze Pflanze aus gevvissen Beziehungen zur Aufienwelt, zu Klima, Standort, 
Tierwelt und zu anderen Pflanzen, ergeben.« 

IV. Nach der Natur der bewirkenden Faktoren (Sachs, Herbst): 

Die durch auBere Faktoren erzeugten Organisationsverhaltnisse (Aitiomorphosen, 
Xenomorphosen, Heteromorphosen fs.' d.]) wurden nach dem, als morphogener 



Anpassungsmerkmale*— Antlieridien. 


35 


Reiz wirkeiiden Faktor benannt: z. B. Photomorphosen, Chemomorphosen, Hydro- 
morphosen usw. 

V. Nach ihrem Zweck: 

1. konverse A. oder Nutzmittel: Organisationsverhaltnissej die ziir Aus- 
ntitzung eines Faktors dienen, z. B. starke OberflachenentwickluDg der Was.ser- 
blatter. 

2. adverse A. oder Schutzmittel: Stacheln gegen TierfraB. 

3. biversale A.: In beiden Richtungen wirksam, z. B. manche Filzuberziige 
auf Blattern, welche zum Aufsaugen von Wasser und als Schutzmittel gegen zu 
hohe Transpiration dienen. (VgL auch Oekologismus.) 

Aiipassiingsmerkmale s. Organisation. 

Anplatten s, Veredelung. 

Aiii'egungsreize (Pfeffer II, S. 85) s. formative Wirkungen. 

Ausaugen, Anschaften s. Veredelung. 

AnschlulB der Bliite s. BliitenanschluB. 

Ansclilufizelle = liypophyse, s. ,Samen. 

Ansiedler = colonists, s. Anthropophyten und naturalisierte Pflanzen. 
Antagonismus, antagonistisclie Symbiose (Malme, B. C., Bd. 64, 
1895, S. 46) s. Parasymbiose, Symbiose und pathogen. 

antagonistische Merkmale s. dominierende Merkmale. 

Antapikalplatte, antapikaler Sclialenteil s. Peridineen. 

Aiitarktis s. Florenreiche. 

Antennen, Als A. werden flir die Orchideengattung Catasctim charakte- 
ristische borstenformige, seitliche Ausladungen der Saule bezeichnet, welche stets 
in Zvveizahl angelegt werden und hochgradig empfindlich fur Beriihrungsreize 
sind. Sie sind keine solideh Gebilde, sondern stellen bandformige Auswtichse 
der Saule dar, welche durch Zusammendrehen zyliiidrisch spitz zulaufend werden. 
Bei manchen Arten sind beide gleich reizbar und vorgestreckt, bei anderen bloB 
eine hervorragend und reizbar, die andere nicht reizbare zurtickgeschlagen. Die 
Beriihrung erfolgt beim Abfressen des Futtergewebes durch Arten der Bienengattung 
Evglossa und hat das Plerausschleudern des Polliniums zur Folge, welches dem 
Tiere an den Korper geheftet und von diesein in der weiblichen Bliite an die 
Narbe gedriickt wird. Beztiglich des Banes und der Reizperzeption vgl. Gutten- 
liERG, S. Ak. Wien, Bd. CXVII, 1908. [P) 

Antenneii v. Utricularia s. Blattschlauche. 

Antephyllome s. Perikaulom. 

Aiithela = Spirre. 

Aiithere, Anthei’enfach, "lialfte s. Androeceum. 

Antheridien nannte Bischoff (Acta Acad. Leop. Carol. XVII, Pars II, 
1835) die niannlichen Sexualorgane der Musci; jetzt bezeichnet man allge- 
mein als A. die Organe, in denen die Spermatozoiden (Antherozoiden) ge- 
bildet werden. [K.) 

Antheridien der Bryophyten (vgl. Fig. 17): Auf mehrzelligem Stiele 
sitzende, ovale, kugelige oder keulenformige Gebilde, deren dlinne Wandung atis 
einer einzigen Zelischicht besteht und einen inneren'Zellkoraplex, die Sperina- 
tozoid-Mutterzellen, umschlieBt, die je ein Spermatozoid (Anthero:Zoid) 
einschlieBen. Bei der Reife platzt die Wandung der A. am Scheitel auf, wobei 
die Spermatozoiden austreten. Dies sind schraubig gewundene Faden, die.sich 
mittels zweier Zilien am spitzen, vorderen Ende lebhaft im Wasser bewegen, 

3* 


36 


Antheridien. 


welches den Moosrasen durchtrankt. Teile des A. sind der Antheridienkopf 
;Antheridienschlaiich), oder Utriculus antheridii nach Bischoff mi er 
:>tiei Trdger, Pedicellus) des A. Uber die Offnung der A. s. »Offnungs~ 

kappe^. (A') . , ^ 

Antheridien der Characeen: Es sind, vgl. Fig. i8, kugelige Gebilde, 
deren Wandung von 9 Zellen gebildet wird; von diesen sitzt i flaschenidrmige 
der Anheftungsstelle aiif, von den librigen bilden 4 die untere, 4 oben zusammen- 
treffende Zellen die obere Halfte der Aufienwandung; diese 8 Zellen, Schilder 
[Valviriae oder Scuta) genannt, 
haben gefaltete Seitenwande {J), 
roten Inhalt und weichen bei. der 
Reife klappenfdrmig aiiseinander. 

Von der Mitte einer jeden dieser 
Zellen entspringt nach innen eine 
radial etwas verlangerte Zelle, 
d.er Griff (Manubrium) genannt, 






*7* aufplatzendes Antheridium 
von J\Y/un:: ky^^rometrka, a die Sperma- 
toroidmutterzellen, b Antheridienkopf, 
c Stiel ,350 i); B eine Spermatozoid- 
iiiiittcTzelle davon stiirker vergr.; ^freies 
Spermatozoid von Polyfrichiim (Soo/i). 

(Nach Sachs.] 


v-'-v \ ■ \ • 

A: '^■x' -'py . "" 




Fig. iS. JSifella flexilis : A fast reifes Anthericliimi 
amEnde der Hauptstrahlen init den Schildern, neben 
ihm^ zwei Seitenstrahlen des Blattes, i Interferenz- 
streifen (die Pfeile ^ deuten die Stromrichtung des 
Plasmas an). — B ein Manubrium init seinen Kopf- 
chen und den peitsclienfdrmigen Teilen, in denen 
die Spermatozoiden entstehen. — C Ende eines 
solchen jnngen Fadens, D mittlerer Teil eines 
alteren, ein noch alterer, B reifer Antheridien- 
taden mit Spermatozoiden a 550/1.) (Nach 
Sachs.) 


seiche an ihrem Sclieitel eine (oder mehrere) rundliche Zellen da. Knnf.T,.., ii=\ 
tragt; von diesem entspringen un?efahr 6 sekimH^ir.^ tToA ^ ^ ^ ^ 

4 lange, peitschenfcrmige Zellreihen fFadenze^llpn) > * ^P^chen, deren jedes 
zellen triigt. In jeder dfeser G SdeLuen i Gliecler- 
(Nach WiLLK, in E. P. I, a, ^ (S) ^ ° Sperraatozoid (G). 



Antheridien. 


37 


Anthei'idien der Chlorophyceen und Phaeophyceen: A., von cinigen 
Verfassern auch »Spennogon« genannt (so z. B. von Kjellman in E. 1 , 2, 
Phaeophyceae), warden bei den Chlorophyceen und Phaeophyceen die nuinnlichen 
Geschlechtsorgane genannt, wenn iiberhaupt eine morphologische Differcnzieriing 
zwischen den Geschlechtsprodukten in Spermatozoiden und Eier vorhaiKieii ist 
1 st dies aber nicht der Fall, so warden die Geschlechtsorgane Gametangien 
genannt, die dann mit GeiBeln versehene, bewegliche, gleichgrofie oder ungleicli- 
groBe Gameten (s. d.) erzeugen. Die A. enthalten gewdhnlich mehrere Bpcr~ 
matozoiden, konnen solche aber auch bisweilen, wie bei Coleochaeie^ in der Eiu" 
zahl bilden. Die A. sind entweder — und zwar gewdhnlich — einfacherig 
[Vaucheria^ Fucus) oder auch mehrfacherig [Dictyotd), Sie konnen durch ein- 
fache Umwandlung jeder beliebigen Zelle ausgebildet werden [Sj}hacroplca\ oder 
sie werden von Anfang an als besondere Organe angelegt, entweder vercinzcit 
(gewisse Vaiicher/a-Axten) oder in besonderen oberflachlichen Gruppen, Sori 
[Dictyota]^ oder endlich in besonderen unterhalb der Sprofioberllache ausgebil- 
deten Hdhlungen, sog. Konzeptakeln (s, Conceptacnlurn) oder Skapliidicn 
[Fucaceae], 

Antheridien: i. der Florideen s. Karpogon; 2. der Pilze s. Berruchtungs- 
typen ders.; 3. der hdheren Pflanzen s. Pollenschlauch, 

Antheridien der Pteridophyten: Ihre aiiBere Form ist sehr verschieden. 



Fig. 19. Antheridien und Spermatoxoidcn der Filices: E aufeinamlerfolgende 

Antheridiiims von Anmnia hirta\ c-. die Zentral/.elle ; st die Stmlzellc; 
welche bei I imd // noch ungetellC und deutlich erkennlmr ist* bei Til 
dagegen durcb die trichterfurmige Sebcidewand it in die Deckelzelle und die Kingzelle ;x 
zerfallen ist. A B Antheridium von Cemtoplcris thalicinndes. A zwei nach iiicbt geuirncle 
Antberidjen, in der Zentrakelle die kugeligen Spermatozoidenmufctcrzellen; Klngs^elle uhw. wie 
bei/— rbezeiebnet. B ein sebon geuffnetes Antberidium, im Innern eiue Rpeniialf;i'oidc:miiuUt:r*> 
zelle mit sebon entvvickeltem Spermatozoid zurackgebliehen. C AiUli(?rfdiui]i vou (/ymw- 
gramme sttlftirea, die zwei Rmgzellcn rg^ und g^hr deutlich ausgebildet, eine Stielzelk nicht ent- 
wickelt. /— F und A-'B nacb Kny (250/1). — D ausgebildete Spermatozoiden, JB von BMdium 
aquilimtm^ I> und/> 3 yon Gymnogramviestilfurca^ z^^zkornerfiihrende Blase (620/1). (NacbSAi iKHECK). 


38 


Aiitlieridienkopf — Anthociilor. 


Meistens ragen sie iiber das Prothalliura hervor und slnd dann niehr oder weniger 
halbkugelig, manchmal sind sie a,uch fast vollig in das Gewebe des Prothalliiims 

eingesenkt. Im einfachsten Falle, z. B. bei Aneimia (vgl. Fig. ig^ I y), imter- 

scheiden wir am A.: die flache, zyiindrische Stielzelle [st]^ eine^ihr auf^esetzte 
Rmgzelle [rg] und eine Deckelzelle [dz] von der Form eines Kugelabschnittes 
(Ring- und Deckelzelle bilden vor ihrer Trennung die Glockenzelle fgz]), Sie 
umgeben die Zentralzelle (den spermatogenen Innenraumj^ welch letztere 
schlieBlich in die Spermatozoiden-Mutterzellen zerfallt (Fig. ig A). Die 
Entieerung des A. erfolgt stets durch einen unregelmaBigen RiJS der Deckelzelle^). 
(Nach Saderbeck in E. P. I, 4, S. 24.) (A".) ' 

Antheridienkopf, -schlauch s. Antheridien der Bryophyten. 

Anthei'idienstande s. Gametoecien. 

Antheridienstifte: Wahrend des Vorganges der Versenkung des Ge- 
schlechtsorgans in das Gewebe der Frons, wuchert bei einigen Ricdaceae und 
Marcnantiaceae das umgebende 
Gewebe oft dermafien, daB sich 
fiber den Antheridien kegelfdrmige 
Korper von oft betrachtlicher Lange 
erheben, an deren Spitze der Aus- 
ffihrungsgang der Antheridiumhdhle 
mundetj diese Korper werden 
A. (Cuspid es) genannt. (Vgl. 

Fig. 20.) [K.] 

Antheridiophor: i. s. An- 
theridien der Pteridophyten (FuB- 
note); 2. der Bryophyten = An- 
theridienstande, s. Gametoecien. 

Antheridium - Mutter- 
zelle s. Pollenschlauch. 



Autherozoideu = Sperma- 
tozoiden, s. Archegonium, An- 
theridien, Befruchtungstypen der 
Algen (Oogamie) usw. 


« 5 Manze, ^ Q Pflanze mit noch verborgenen 
Fmcbten; C eiu Fronslappen mit Antheridienstfften ; 
« (scbwach vergx-.). (Nach Bischoff.) 


Polytrichaceen. chimper die sclieibenfdrmigen naannlichen Blfiten der 

oben abschliefit und eine schUteende S. der basilare Teil 

Diese mannigfach geformte und bewehrte FmcShm? ^'^"cht bildet. 

Heimerl, in E. P.) ewenrte fruchthfille nennf man A. (Nach 

leister gelber BlfitenfSfstS^^z^^/^ArtSn .fFscHiRCH), ein im Zellsaft ge- 
Arten, lutea, Zitronenschale usw.) 


ridioVwenIvJ LOTs?n“a^ die A, aufsitzen, beiCen 


Anthe- 


AlUlio cyanine — Anthropopliyten. 


39 


Er unterscheidet sich von den Karotinen namentlich durch das Ausbleiben der 
Blaufarbung mit Schwefelsaiire. [Z.j 

Anthocyanine (Czapek, Bioch. L, S. 585) s. Anthokyan. 

Anthokyan: eine in den Pflanzenzellen weitverbreite Klasse von Stoffen^ 
die den Vakuoleii gelost, selten aiich daneben kristallinisch vorkommen 
und die Blau-j Rot-, Violett- usw. Farbung der Organe bewirken. Nach der 
vielfach angenommenen Theorie von Palladin sind es Oxydations- 
produkte yon Chromogenen, die nur bei UberschuB von Sauerstoff- 
aufnahme in der Zelle »als Pigment« in Erscheiniing treten. Danach wurde 
die Anthokyanproduktion mit dem Atmungsvorgange der Pflanzen zu- 
sammenhangen. — Die Chromogene konnen selbst noch so gebunden sein, 
daB sie erst, um sie allgemein nachzuweisen, durch Sauren aus ihren »Pro~ 
chromogenen« abgespalten werden miissen. Demgegenliber suchte neuer- 
dings R. Combes experimentell zu zeigen [s. die Zusammenfassung B. D. B, 
G., Bd. 31, 1913, S, 57off.), daB der Anthok.-Farbstoff durch Rediiktion 
einer gelbbraun gefarbten, aber wegen der schwachen Tinktion wenig auf- 
fallenden Verbindung zustande komme. Eine kurze Zusammenfassung iiber 
Anthokyanproduktion vom entwicklungs-mechanischen Standpunkt aus s. bei 
KtJSTER, Progn 11 , 1908, S. 512. Uber die Beziehungen der Anthokyan- 
bildung zu den »Chondriosomen« vgl. u. a. GuiLLiERMOND, C. r. Ac. Sc., 
Paris 1913 und unter »Cyanoplast«. (7!) 

Vom chemischen Standpunkt lassen sich mindestens zwei chemisch 
und spektroskopisch verschiedene Gruppen von Anthokyanen (== Antho- 
cyaninen) unterscheiden (Weigert): die Gruppe des Weinrot (Rotkraut, 
PreiOelbeeren, Malvenbliiten) und die ^^%^^^XiXo\\^Chenopociia€ecn^PhytoIacca\ 
Im erstenFall treten zwei genetisch zusammenhangende Komponenten auf, von 
denen der eine das Glykosid des anderen darstellt (GRx\FE 1911)"). Die Mutter- 
substanz der Anthokyane sollen gelbe Bltitenfarbstoffe aus der Gruppe der 
Xanthone undFIavone sein. (Wpieldale, Zeitschr. indukt. Abstl. Ill, 1910.) (A.) 

Antholyse: :^>Auflosung der Blute«, namentlich bei Vergrtinungen, wenn 
die Achse gestreckt wird und die Bliitenwirtel voneinander entfernt und die 
einzelnen Wirtelglieder bis zum Grunde getrennt sind (Penzig 1890). (Vgl. 
auch Apostasis.) [Kst] 

Anthophaein (Moebius), ein brauner, im Zellsaft geloster Farbstoif nicht 
naher bekannter Ziisammensetzuug (z. B. in den schwarzen Fiecken der Korolle 
von Faba^ bei CoelogynC'^Kiitn usw.) (Z.) 

Anthropochoren s. Anthropophyten. 

anthi^opophile Pjflaiizen = Anthropophyten. 

Anthropophyten eines floristischen Gebietes sind (nachTHELLUNG inViertel- 
jahrsschr, Naturf. Gesellsch. Zurich L, 1905, 8 — 12) alle Pflanzen der ktihstlichen 
Standorte und auBerdem unter den Bewohnern der natiirlichen Standorte diejenigen, 
welche dort nicht iirwiichsig sind: mit anderen Worten also die Arten, die dem 
Menschen, sei es ihre Einfiihrung in das Gebiet, sei es ihren Standort, verdanken. 

Danach zerfallen sie in zwei Klassen; 

1 . Anthropochoren (Rikli in Ber. Schweiz. Bot. Ges. XIII, 1903, 71 — 82), 
fremde Arten, die der Mensch eingefUhrt hat, und zwar: 


WiIXSTATTERsneiieste Unters. (S. Ak. Berlin, 1 9 14) konnten nicht mehrberilcksiclitigt werden. 



40 


Antiagglutiiiine — Antikliiieii. 


I A. absichtlich: fremde Kulturpflanzen und ihre Abkdmmlinge. 

1. Ergasiophyten j fremde Nutzpflanzen, vom Menschen niit Absicht ge- 
pflegt und erhalten: z. B. Solamm tiiberosiim^ Lilium candidim, 

2. Ergasiolipophyten, fruher absichtlich kultivierte Pflanzen, die sich er- 
halten, aber nicht verbreitet haben. 

3. Ergasiophygophyt en, aus der Kultur entflohene Arten, die sich ohne 
Hilfe des Menschen festgesetzt haben, sei es an kiinstlichen Standorten, sei es 
an nattirlichen, sei es voriibergehend, sei es daiiernd. 

IB. unabsichtlich; fremde Unkrauter u. dgl. 

4. Archaeophy ten: Unkrauter der Acker und ahnlicher Orte, die schon 
vorgeschichtlich eingefiihrt sind, z. B. Centaur ea Cyamts. 

5. Naturalisierte Pflanzen, die in geschichtlicher Zeit eingefuhrt sind, 
in verschiedenen Abstufungen, s. naturalisierte Pflanzen. 

IL Apophyten (Rikli a. a. 0 .), einheimische Arten, die dem Menschen 
ihren Standort verdanken. 

II A. absichtlich, durch Kultur. 

6. Oekiophyten, z, B. Fragaria vesca. 

II B. unabsichtlich, durch Ubergang der betreffenden Arten auf kiinstliche 
Standorte. 

7. Spontane Apophyten, Emigranten, z. B. Erophila nerna. [D,) 

Antiagglutinine s. Agglutinine. 

Antibiose s. Symbiose. 

antidrom s. Knospenlage u. Blattstellung\ 

Antienzyme (-fermente) s. Fermente. 

Antigene s. Antikorper. 

Antih^molysine s. Lysine. 

Antikalseite = Vorderseite. 

Antikatalysatoren s. Katalyse u. Ferment. 

Antikinese s. Reflex. 


Antiklinen (antikline Wandrichtungen oder Zelhvande) (Sachs, 
Ub. Anordn. d. Zellen in jlingsten Pflanzenteilen, 1877): An alien Vegetations- 
punkten (mit oder ohne Scheitelzelle) laflt sich eine gewisse Regelifiafligkeit in 
der Anordnung der Zellen beobachten. Wir finden diese deutlich in Reihen 
und Schichten geordnet und sehen, dafl die in basifugaler Richtung aufsteigen- 
den Zellenztige auf ein 
im Scheitelraum liegendes 

Krummungszentrum hin- L 


weisen, wie ein »Buschel 
konfokaler Parabeln oder 
Hyperbeln« auf ihren ge- 
meinsamen Fokus. Die 
Oberflachenansicht kegel- 
fdrmiger Vegetations- 
punkte sowohl, wie deren 
mediane Langsschnitte 
(Fig. azjlassen aber auBer- 
dem oft ganz deutlich ein 
zweites System von Kur- 
ven erkennen, welche den 
vorigen entgegengesetzt 
gekrummt sind und sie 



Fig. 21, Schema der Zellfacherung in eiiiem Vegetations- 
punkte. Erklarung im Texte. (Nach Sachs.) 


r 

f 




Antiklise — Antikorp er. 


41 


anscheineiid rechtwinkelig schneiden. Auch sie machen bei sorgfaltiger Auf- 
fassung des Bildes den Eindruck einer Schar konfokaler Kurven, deren Achse 
und Brennpunkt mit dem der vorigen zusammenfallt Sachs unterscheidet nun 
folgende vier Arten von Wanden oder Wandrichtungen : i. Perikline Wand- 
richtungen: solche, die in gleichem Sinne wie die Oberflache gekruinmt 
sind. (In Fig. 21 als P, / bezeichnet, je nachdem sie als priinare oder sekun- 
dare Wande auftreten.) In den unteren Teilen eines Vegetationskegels sind die 
Periklinen das, was man . bisher tangentiale Scheidewande nannte. 2. Antikline 
Wandrichtungen: solche, deren Krtimmung derjenigen der Oberflache des Organs, 
sowie den periklinen Richtungen entgegengesetzt ist, ind'em sie diese rechtwinkelig 


S 



Fig. 22. Langsschnitt clurcli den einer Winterknospe von Mdzes pcctinata^ 

dessen Zellfacfierung Antiklinen uiic ' :ennen liilit, wie im Schema in Fig, 21; 

S Scheitel, bb jiingste Blatter, m Mark, r Kinde. (Nach Sachs.) 

schneiden, also ein System orthogonaler Trajektorien fur jene darstellen (Fig. 2 1 A^a), 
3. Radi ale Wandrichtungen: solche, die die Wachstiimsachse {X) in sich auf- 
nehmen und die Oberflache des Organs rechtwinkelig schneiden. 4. Trans vers ale 
Wandrichtungen : Solche, die die Wachstumsachse und die Oberflache des Organs 
gleichzeitig rechtwinklig schneiden. Es leuchtet sofort ein, daB die Antiklinen 
eines Vegetationskegels da, wo derselbe riickwarts in den zylindrischen oder 
prismatischen Teil des Organs tibergeht, sich in ebene Transversalwande ver- 
wandeln kdnnen, ebenso konnen diese in jene libergehen, wenn ein zylindrisches 
Gebilde zu einem kugeligen oder scheibenfdrmigen auswachst. (Vgl. Haber- 
LANDT, 2. Aufl., S. 87.) {R) 

Antiklise s. Reflex. 

Antik6rpei% Die Immunitatsforschung nahm ihren Ausgangspiinkt von. 
der Entdeckung Behrings (Behring u, Kitasato, D. med. Woch. 1890), daB im 
Biutserum von Tieren nach Injektioii von Diphtheric- oder Tetanusgift eine neu- 
artige entgiftende Substanz, ein Antitoxin, entsteht (s. Toxine). Eine ahnliche 
aktive Immunisierung erfolgt auch gegen Abrin, Ricin und andere Gifte. Uber- 
haupt ruft ganz allgemein die Einfiihrung einer korperfremden (auch nicht gif- 
tigen) Substanz tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, die gesetzmaiBige Bildung 
spezifischer Reaktionsprodukte hervor. Man faBt alle derartigen Reaktionen 
als Immunitatsreaktionen zusammen und bezeichnet die neugebildeten, chemisch 
nicht definierbaren StofFe als Antikorper (dazu gehoren: Antitoxine, antibakterielle 
Schutzstoffe, Haemolysine, Agglutinine, Praezipitine ; s, dort), die Stoffe hin- 
gegen, auf deren Injektion der Organismus mit der Bildung von Antikorpern 


42 


Antikonsimilitat — ApMebieii. 


antvvortet, als Antigene (z. B. Toxin, Praezipitogen u. a.). Ausfuhrliches in 
Oppenheimer, H, d. B., II i, 1910. (A.) 

Antikonsimilitat s. Bacillarien, 

Antimeridianpflanzen nennt Jancewski (C. r. Paris 1904) gewisse nord- 
amerikanische Straucher (J^zl^es Spaethianwn)^ deren Blatter ihre Oberseite nach 
Norden wenden, so daB sie von den Strahlen der im Zenit stehenden Mittags- 
sonne nur unter kleinem Winkel getroffen warden, wahrend ihre Unterseite dem 
diffuse!! Siidlicht ausgesetzt ist. (Nach Neger, Biol., S. 160.) (Z.) 

Antipoden (Strasburger, UberBefr. u. Zellteil. 1877) s. Embryosack. 

Antiseptika: Als solche faBt man die zur chemischen Desinfektion 
geeigneten Mittel (Gifte) zusammen. Unter dem relativen Giftvvert der 
Antiseptika versteht man das Verhaltnis der kleinsten fiir ein Tier von einem 
gewissen Korpergewichte noch todlichen Dosis Gift und derjenigen Menge 
Gift, die in einer ebenso schweren Kultur von Bakterien dieselben eben ver- 
nichtet. Der kleine Giftwert gibt die kiirzeste Zeit an, in welcher bei 
einer praktisch verwendbaren niedrigen Konzentration die Vernichtung 
sporenfreier Bakterien bei Zimmertemperatur in Wasser erfolgt; der groBe 
Giftwert entspricht jener Zeit, bei welcher unter denselben Umstanden auch 
die Sporen der Bakterien vernichtet werden. Unter Hemmungswert ver- 
steht man die niedrigste Konzentration des A., welche in einem be- 
stimmten Nahr mittel geniigt, Wachstum und Vermehrung einer Bakterien- 
art beim Temperaturoptimum zu verhindern. (Nach F. FuhRmakn, Vorl. 
lib, techn. MykoL Jena 1913, S. 157.) [L) 

Antistrophe s. Chloroplastenbewegung. 

Antisymmetrie s. Bacillarien, 

antitlietischer Generationswechsel s. Generationswechsel bei Algen. 

Antitoxin s. Toxin. 

antitrop s. Anisotropic. 

antitroper Embryo s. Embryo. 

Antitypie s. Reflex. 

antizipierte Tidebe = proleptische Zweige s. Prolepsis. 

Apaerotaxis, -tropismus s. Aerotropismus. 

aperte Aestivation s. Knospendeckung, 

apet^l, Apetalie: Verlust der Blumenblatter tritt in den verschiedensten 
Verwandtschaftskreisen als sekundare Erscheinung auf. Sehr bekannt ist die 
A. der Leguminose Cej'atonia Siliqtta L., weniger die von Fremo7iiia cali- 
formca Torr. u. Chiranthodendronpentadactyhm Larr. (beides Sterculiac). ( W) 

Apex s. unter Peridineen. 

Apfelfrucht s. Polykarpium. 

Apheliotropismus == neg. Phototropismus, s. d. 

Aphlebien kommen bei einigen heutigen Farnen, z. B. Gleicheniaceen, 
Fig. 23, und Hemiielia capensis vor, besonders haufig aber bei palaozoischen 
Farnen; sie sltztn an der Basis der Wedelstiele oder der Fiedern erster Ordnunc/- 
und Sind in der Form von den iiblichen assimilierenden Fiedern abweichendc 
Fiedern. Sie heiBen auch Adventivfiedern (pinnae adventitiae), deutsch Ziisatz- 
fiedern, ferner anomale und akzessorische Fiedern und wurden unter den 
^Gattungs.-Namen Aphlebia Presl 1838 (ex parte; non Brunner vOxN 



Aphotisclie Stufe — apikale Region. 


43 . 


Wattenwyl 1865), Rhacopkyllum SCHIMPER, PacJiyphylluin Lesquereuk 
beschrieben. Die Aphlebien konnen Schutzfiedern sein, aber sie siticl 
wohl auch der Wasseraufnahme angepal^t und konnen dann als Taii- 


blattchen (Hy drofoliola, -pinnae oder 
-pinnulae) bezeichnet werden. (Vgl. POTONIE, 
B. D. B. G. 1903 u. Nat Woch. 1903.) Es glbt 
zwischen den typischen Aphlebien und den 
anderen spreitig entvvickelten Foliolis alle mog- 
lichen Ubergange; sofern diese Zwischen- 



bildungen mehr zu den »normalen« Foliola 
neigen^ heiBen sie aphleboide Fiedern, 
a, Foliola und dgl. (A.) 

aphotische Stufe der Gewasser. Die 
Tiefenstufen (-zonen, -regionen) der Gewasser 
sind nachSCHiMPER, Pflanzengeographiej S. S 1 8, 
»Stufen abnehmender Beleuchtung, Licht- 
regionen. Es empfiehlt sich, die maBgebende 
Bedeutung des Lichtes auch in der Benennung 
der Regionen zum Ausdruck zu bringen. Drei 
Hauptstufen der Helligkeit konnen unter- 
schieden werden: 1. die photische oder helle 
R., in welcher die Lichtintensitat fur die nor- 
male Entwicklung der Makrophyten geniigt ; 
IL die dysphotische oder dammerige R., in 
welcher die meisten Makrophyten nur kiimmer- 
lich oder gar nicht mehr gedeihen, wahrend 



Fig. 23. Ein We dels tile kchen von 
Gleichenia gig-anka (nat. Gr.). 
a Haiiptspinclei mit Adventivfiedcrn, 
b Spindel 2. Ordnung mit normalen 
Fiedern. (Nach W. J. FIodkI'-.h.) 


gewisse geniigsame, assimilierende Mikrophyten (namentlich Bacillarien) nocb 
fortkommen; III. die aphotische oder dimkle R., in welcher nur noch nicht 
assimilierende Organismen existieren konnen. Entsprechend der ungleichen 
Triibung der Gewasser durch suspendierte Teilchen liegen die Grenzea 
der Regionen in den Einzelfallen sehr ungleich tief.« [D.) 

Aphotoxnetrie s. unter Phototaxis u. Photometric. 

aphotoinetrische Blattei- s. photometrische Blatter. 

Aphyllen s. Xerophyten. 

Aphyllie (Masters, S. 452): 

a) Aphyllie, vollstandige Unterdriickung der Blatter (Cacteen, einige 
sukkulente Euphorbien und ahnliche Pflanzen). • Partielle Unterdriickung 
von Blattern wird haufiger beobachtet. 

b) Meiophyllie, d. h. eine verringerte Blattzahl in einem Quirk Die- 
Erscheinung kann erblich fixiert werden, wie bei der Caesalpinieengattung 
Apuleia, Mart, wo Kelch, Krone und Androeceum trimer sind. 


■ c) Meiotaxie, Unterdriickung eines ganzen Quirls. (PV.) 
Apidenblumen, von Fritsch (Z. B. G., 1906, S. 145) vorgeschlagene 
Bezeichnurig fiir Bienenblumen s. d. 

Apikalachse s. Bacillarien. 


Apikalaposporie s. Aposporie. 
apikale Region s. Symmetrieverhaltnisse. 



44 


apikales W acksturasgelenk — Apokarpium. 


apikales Wachstumsgelenk (Sperlich) s. Gelenke. 

ApikalSffmingen s. Hydathoden. 

Apikalplasnia, apikaler Schalenteil s. unter Peridineen. 

Apikalpolster (Sperlich) s. Gelenke. 

Aplanogameten (de Bary, B. Z. 1877, S. 756): Die ruhenden Gameten 
(s. d), z. B. bei Konjngaten, im Gegensatz zu den schwarmenden, z. B. bei 
den Chlorophyceen, fiir welche De BaRY die Bezeichnung Planogameten 
vorschlagt. (Vgl unter Befruchtungstypen und unter Gameten.) ( 5 z^.) 

AplanosporaHgien, Aplanosporen s. Sporen der Algen. 

aplastisclie Stoflfe s. BaustofFe. 

apobatische Reaktionen s. Phobismus. 

Apogamie. Der Ausdruck A. wurde von de Bary 1878 fur die Er- 
scheinung eingefuhrt, »daB einer Spezies (oder Varietat) die sexuelle Zeugung 
verloren geht und durch einen anderen ReproduktionsprozeB ersetzt wird«. 
Eine scharfere Prazisierung des Ausdrucks ist heute notig, da wir einerseits 
wissen, daB jene Erscheinung des Zeugungsverlustes und des Ersatzes der 
sexuellen Fortpfianzung durch einen anderen ReproduktionsprozeB auf sehr 
verschiedenen Vorgangen beruhen kann, da andererseits sich allmahlich der 
Usus herausgebildet hat, unter Apogamie speziell die Entstehung eines 
Sporophyten aus einem Gametophyten ohne Vermittlung einer befruchteten 
Eizelle zu verstehen (JUEL, COULTER und CHAMBERLAIN, GOEBEL u. a.). 

, H. Winkler hat deshalb 1906 fiir die von DE Bary als A. bezeichnete 
Erscheinung den Ausdruck Apomixis vorgeschlagen und nennt A. die 
apomiktische Entstehung eines Sporophyten aus vegetativeii 
Zellen des Gametophyten. Er unterscheidet dabei eine somatische 
Apogamie (die Zellen, welche den Sporophyten liefern, besitzen in ihren 
Kernen die diploide Chromosomenzahl) und eine generative A. (die Kerne 
der Mutterzellen sind haploid). Alle anderen Falle der DE BARYschen A. 
gehoren demnach in die Kategorie der vegetativen Propagation oder in die 
der Parthenogenese. Somatische A. findet sich ziemlich hauhg bei Farnen, 
hier gehen also aus vegetativen Zellen des Gametophyten, des Prothalliums, 
beblatterte Farnpflanzen hervor. Am besten untersucht . ist in dieser Hin- 
sicht von FARMER und DiGBY Athyrium jilix femina var. clarissima, Bei 
Biiitenpflanzen erscheint somatische A. nachgewiesen, wenn bei der von MUR- 
BECK bei Alchemilla sericata entdeckten A., wo Embryonen aus Synergiden 
hervorgehen, die Kerne dieser Synergiden diploid sind. Generative 
A. ist bisher nur von Farnen [Dryopteris filix mas [— Lastrea pseudomas 
var. Cf'istata apospora nach FARMER und DiGBY, Dryopteris \Nephrodium\ 
mollis nach Yamanouchi) bekannt (Literatur: WiNKLER, H., Uber 
Parthenogenesis u. Apogamie im Pfianzenreich. Progr. 11 . 1908. S. 293 ff. — 
Winkler, H., Apogamie und Parthenogenesis in Handworterbuch d. Natur- 
wissenschaften, IV. Bd. 1913, S, 265!?,) [v. Wtist.) 

Apogenie s. apogam. 

Apogeotropismus s. Geotropismus, 

Apogynie s. apogam. 

apokarp s. Gynoeceum u. parakarp. 

Apokarpium: Was aus dem Gynoeceum nach erfoigter Befruchtung 



Apomixis — Aposporie. 


45 


her\rorgeht — heiOt es bei Pax (a. a. 0., S. 331) — , bezeichnet man als Fnicht. 
Da jenes bald synkarp^ bald apokarpsein kann, wird auch die Frucht bald als ein 
einheitliches Gebilde erscheinen, bald aus mehr oder weniger freien Teilen be- 
stehen, welch letzte man als Friichtchen (Fructiculi) bezeichnet. Die 
Frucht ist somit ein Synkarpium oder ein Apokarpium, eine Sammel- 
frucht, je nachdem das Gynoeceum, aus dem sie entstanden, synkarp oder 
apokarp war. Vgl. unter Streufriichte. 

Apomixis (H. Winkler, iqo8) s. Amphimixis. • 

Apophototaxis = negat. Phototaxis, s. d. 

Apophyse der Mooskapsel s. Sporogon der Musci. 

Apophyse bei Pmtis\ Der am geschlossenen Zapfen auBere, sichtbare 
Endteil der Fruchtschuppe. (Nach Eichler.) 

Apophyten s. Anthropophyten, 

apoplastid nennt man solche Zellen, die keinerlei Plastiden enthalten. 
z. B. die hyaline Lichtform von Eitglena gracilis^ die weder Chloro- noch 
Leukoplasten besitzt. (Vgl. Ternetz, J. w. B. Bd. 51, S. 510.) [IC] 
aporogam, aporogame Chalazogamie s. Chalazoganiie. 
Apospoi'ie. Unter A. versteht man die Entstehung eines Gameto- 
phyten aus einem Sporophyten ohne Vermittlung von Sporen (Fig. 24). Die 
Erscheinung ist insbesondere bei Pteridophyten und Muscineen ■ beobachtet^ 



Fig. 24. A Soralaposporie von AthyHwn filix fenima var. clarissima\ Toil ernes Fiederchens 
mit Leitbiindel [vh] imd einem Sorus. In dem letzteren an Stelle von Sporangien Prothaliien 
teils mit Antheridien (anth,), teils mit Arcbegonien (arch.) (40/1). — B Apikal- 
aposporie von Folystichum angiclare pulclierrirmm. Ein Protballium an der Spitze 
eines Fiedercbens, als Fortsetzung desselben. Bei gl die randst^ndigen Kapfcbenhaare, c Gewebe- 

polster (20/1). (Nacb Bower.) 



Apo stasis — Apothecien. 


46 

Worden, uiid zwar zuerst von C. F. Danery und BOWER (1885) bei Athymnn 
Jilix femina f. clarissima, Je nach Lokalisierung der Eiitstehung der Pro- 
thallien im Bereich des Soriis oder am Blattende lafit sich nach BOWER 
Soralaposporie und Apikalaposporie unterscheiden. A. kann spon- 
tan und konstant (z. B. bei Trichomanes lirattssn nach Goebel) oder 
gelegentlich, vermutlich unter bestimmten auOeren Bedingungen, eintreten 
[z, B. Aspleiimm dimorphiim nach Goebel). Sie laOt sich auch experimentell 
hervorrufen; so haben El. u. Em. Marchal bei Moosen aus Protonemen, 
die aus abgetrennten Sporophytsttickchen erzielt warden, Moospflanzen er- 
-zogen; nach Goebel gelingt es, aus abgetrennten Primarblattern von Farnen, 
wenn sie feucht kultiviert werden, Prothallien zu gewinnen. Auch bei 
Blutenpflanzeii kommt A. vor; so hat Rosenberg gezeigt, daO bei 
Hieraciwndxizvi das Archespor, also die Zelle, aus der normal die den 
'Gametophtyen liefernde Spore entsteht, zugrunde geht und der Embryo- 
sack aus einer anderen Zelle der Samenanlage hervorgeht. Theoretisch sehr 
bemerkenswert ist, daB die Chromosomenzahl in den Kernen der apospor 
entstehenden Gametophyten dieselbe ist wie in den Zellen der Sporophyten, 
so daO man nicht sagen kann, daB die morphologische Verschiedenheit 
zwischen Gametopliyt und Sporophyt direkt mit Haploidie und Diploidie 
zusammeiihangt. (Literatur: Goebel, 1913, S. 4i8ff. Marshal, EL u. 
Em., Bull, de I’acad. roy. d. Belg. 1. 1907, 11 . 1909, III. 1911. Sadebeck in 
E. P., I. 4., S. 88, 1902. Georgevitch, P., J. w. B., XLVIII, 1910.) [v. Wttst.) 

Apostasis: Verlangerung der Bliitenachse und Ubergang der wirteligen 
Blattstellung in spiralige; ferner die Trennung einzelner Bliitenphyllome von 
den benachbarten gleichwertigen Gliedern (nach PENZIG 1890). (Kst.) 

Apostrophe s. Chloroplastenbewegung. 

Apothecien der Flechten. (Das Folgende nach FOnfstucjc, in E. P. I. 
I*, S. 41): Ebenso wie die Pyknokonidien (siehe unter Pykniden) werden 
auch die Askosporen in besonderen Behaltern gebildet, welche mit den 
Fruchtkorpern der Discomyceten und Pyrenomyceten im wesentlichen iiber- 
einstimmen. Mit wenig Ausnahmen entstehen die Fruchtkorper im Innera 
des Thallusgewebes, und zwar bei den heteromeren Flechten in der Regel 
an der Grenze zwischen Mark- und Gonidienschicht, bei manchen Krusten- 
Bechten dagegen in den unmittelbar dem Substrat aufsitzenden Thallusteile, 
bei den Gallertflechten ziemlich nahe der Thallusoberflache, bei einer kleinen 
Zahl von Flechten endlich ganz exogen. Im Verlaufe der Weiterentwicklung 
treten die Fruchtkorper entweder vollkommen in Form schiissel-, kissen-, 
knopf- und strichformiger Erhebungen aus dem Tliallus heraus (gymno- 
Icarpe Lichenen) oder nur mit ihreni Scheitel (angiokarpe Lichenen). 
Die Friichte der gymnokarpen Flechten stimmen in fertigem Zustande mit 
denen der Discomyceten, die der angiokarpen mit den Perithecien der Xylarien 
vollkommen iiberein. 

In bezug* auf die Bezeichnungen fiir die einzelnen Teile des A. herrscht 
unter den verschiedenen Autoi'en keine voile Ubereinstimmung. Jiingst hat 
Darbishire (B. D. B. G. XVI, 1898, 7) eine Terminologie aufgestellt, welche 
von derjenigen der meisten Autoren nur wenig abweicht und trotz ihrer 
Einfachheit alien Anforderungen geniigt. Darbishire bezeichnet die aus 


Apothecieii — Arbeitshyperplasie. 


47 


den seiikrecht verlaufenden Elementen (Paraphysen und Sporenschlauchen) 
bestehende Fmchtschicht (Fig. 25) als Thecium (Hymenium, Laminia 
proligera, sporigera vieler Autoren), die obere, begrenzende Schicht als 
Ep ithecium, die untere als Hypothecium (Subhymenialschicht vieler 
Autoren, Hedlunds') Excipulum und besonders pars excipuli centralis) 
welch letztere beiden Schichten bei sehr vielen Lichenen gefarbt sind. Das 
Hypothecium umschlieflt das Thecium vollstandig und wird in dem Teile, 
welcher die Trennung von der Rinden- und Gonidienschicht, bewirkt, als 
Farathecium (Excipulum, Perithecium bei Wainio; pars margiitalis 


thalUnue^ Tjoprim 


ihectum epithociuTn 


pa/raihcciu 7 n 



1 V 0 .i> ffonlrliii. 
ixTTiphitheciiim " • ^ ^ dulla 


hyp'othQciwm 


I'm. 25. Senkrechter Durchschiiitfc durcli ein Flechten- Ap othecium in scliematischer Dar- 

stellung. (Nach Daruishire.) 

excipuli bei Hedlund) bezeichnet. Erhebt sich das Farathecium deutlich 
iiber das Niveau des Epitheciums, so entsteht ein^ Fruchtrand (margo 
proprius, excipulum proprium mancher Autoren). Die normale, die Frucht 
umo-ebende, haufig Auslaufer der Gonidienschicht enthaltende Rinde (Cortex) 
wird vonDARBiSHIRE Amphithecium(Thallusgehause) genannt. Letzteres 

kann einen erhohten Rand, Thallusrand (margo thallinus, excipulum thallodes 
vieler Autoren) bilden. (Vgl. auch unter Karpogon der Flechten.) (Z.) 
Apothecien der Pilze s. Asci. 

apotrop s. Samenanlage. j -Dn 

apotropistische Bewegungen (Darwin, Bewegungsvermogen d. Pflz. 

1881, S. 4) = negative Tropismen s. d. . _ ; , • ■ v 

Appendices bei den Erysipheen nennt man die an den Ferithecien sicb 
ausbildenden anhangselartigen Hyphen, deren Form fUr die verschiedenen G^tungen 
charakteristisch ist. Daneben treten haufig noch stark verzweigte, kurze Hyphen, 
Pinselhypheii auf, welche Schleim abscheiden. S. auch * Appendix*. (A.) 
Appendiculae des Peristoms s. dieses. 

Appendix nennt man insbesondere den mit rudimentaren Staubblattanlagen 
besetzten Kolbenanhang mancher Araceen (z. B. Thomsoma, Hydroune) (Nach 
Englkr.) Appendices nennt man die im Quincunx stehenden zylmdrischen 
Anhange der (palaozoischen) Stigmarien. Sie stehen morphologisch zw.schen 

Wurzeln und Blattern. [Ft) i. . 

Appositionswachstum s. Zellenmembran u. Wachstum. 
Appressorien == Haftscheiben. • 

Arbeitshyperplasie == Aktivitatshyperplasie. 

'"’'^’vglTlEl.l.UND. in Bill, till K. Srensk. Vet.-Acad. Handl. VIII., Afd. Ill, No. 3. 


48 


arbuscules — Archegonien. 


arbuscules s. Mykorrhiza. 

Arcestida (Desvaux, in Jour. bot. III. 1813) s. Fruchtformen. 

Aixliaeophyten s. Anthropophyten. 

Archaiokaulom u. -phyllom s. Gabeltheorie. 

Archegoniatentypus. Von Tschirch (Verb. bot. Ver. Brandenburg 1881, 
S. 118) vorgeschkgene Bezeichnung fur den Spaltoffnungstypus der Gymnospermen 
imd Pteridophyten dem Angiosper meiitypus gegeniiber, welcher alle Angio- 
spermen umfaBt. Beziiglich der Kritik derselben vgl. unter Spaltoffnungstypen 
(phyletische). (P.) 

Arcliegonien der Bryophyten^). Die weiblichen Gescblechtsorgane 
der Eryophyten stellen den eigentlichen Typus der A. dar. Es sind sitzende 
odeb kurzgestielte, zuweilen auch in das Gewebe eingesenkte flaschen- 
formige Organe (vgl. Fig. 26), deren Wandung nur einen Bauchteil (d) 
und Halsteil [h] (Stilidlum) unterscheiden laBt. Unterhalb des Bauches 
liegt der FuBteil. Der Bauch umschlieBt eine groBe Zentralzelle, deren 
Inhalt kurz vor der Reife in die Eizelle oder Embryonalzelle [e] und 
die am Grunde des Halses gelegene Bauchkanalzelle zerfallt. An diese 
schlieBt sich im Halse selbst eine Reihe von Halskanalzellen [c] an. 
Ferner unterscheidet man noch am Scheitel des Halses die Deckelzellen, 
die bei der Reife auseinanderweichen und sich als unregelmaBige Lippchen 
zuriickbiegen. Das Aufspringen erfolgt durch Desorganisation der Halskanal- 



Fig. 26. ytiny:cymimnia hicitspidata: A Langsscknitt durcE die Spitze des ^ fruktifiziereuden 
Stiimmchcns, / (lessen letztes Blatt, p das Pseudoperianthiiiin (s. Caulocalyx), in der Mitte eiii 
befruchtetes und zwci junge Archegonien {90/1). — B ein unbefrucbtetes Arcbegonium starker 
vergr.j <5 Baucb-, k Halsteil, c Halskanalzellen (bzw. Halskanal), e Eizelle. — C Spitze ernes 
fruktifizierenden Stammchens (si) im Langsscbnitt; ^ letztes Blatt, Basis des Pseudoperiantbium; 
ar imbefrucbtete Arcliegonien, in der Mitte ein befrucbtetes, welches bereits das junge 
Sporogon sg enthalt, Anlage des Stieles des letzteren, / dessen FuB, der ins Gewebe des 
Stammcbens sich vertieft. (Aus Frank.) 


') ^^gl* ibsrnoT-i' in Act.x Ac. Leo^^.-Carol. XVII/2, 1837. 



Archegonien — Archegontlieorie. 


49 


zellen in Schleim, wodurch ein offener Kanal (Halskanal) [c) entsteht, 
welcher den Spermatozoiden den Eintritt zur Eizelle gestattet. (Nach Llm- 
PRICHT, S. 31, und SCHENCK bei StRASBURGER, S. 333.) [K.) 

Arcliegonien der Gymnospermen und Angiospermen s. Embryo- 
sack, Befruchtung und Archegontheorie. 

Arcliegonien der Pteridophyten: Sie haben zwar nicht die aus- 
gepragte flaschenformige Gestalt, welche bei den Bryophyten vorherrscht, 
jedoch laOt sich auch bei ihnen ein Hals- und Bauchteil erkennen. In 
dem von dem Prothallium vollig ein- 
geschlossenen Archegoniumbauche 
liegt — - wie bei den Moosen — die 
Embryonalzelle (Fig. 2^ ez) oder 
Eizelle. Der mehr oder weniger 
zylindrische lialsteil des A. wird aus 
vier auBeren Zellreihen zusammen- 
gesetzt, welche die Halskanalzellen 
[hkz] und die Bauchkanalzelle [bkz] 
einschlieBen. (A.) 

Archegonientrager s. Recepta- 
culum der Bryophyten. 



Archegonioplior , Ai-cliego- 
niumpolster werden bei denHymeno- 
phyllaceen diejenigen Teile der Pro-- 
thalliumfaden genannt, welche die Arche- 
gonien (s. d.) tragen. (A'.) 


Fig. 27. Ein Arcliegoniiim von Osmitnda 
regalis ini inccHanen Langssclinitt; Eizelle 
(Embryonalzelle), hH Bauclikanalzelle , hkz 
Halskanalzellc. (Nacli SAUEnKCK 250/1.) 


Archegoniophoren der Bryophyten == Archegonienstande siehe 


Gametoecien. 


Arcliegontheox'ie : Von Porsch unternommener Versuch einer liomo- 
logisierung des normalen Embryosackinhaltes der Angiospermen mit jenem 
der Gymnospermen. Der Gedankengang der A. ist kurz folgender: Im 
typischen, Skernigen Embryosacke der Angiospermen entsprechen Eiapparat 
und Antipodengruppe je einem Archegon, die beiden Polkerne den 
bezugl. Bauchkanalkernen dieser Archcgonien. Die Synergiden und zwei 
Antipodenzellen sind den Halszellen, die Eizelle und dritte, meist wohl mitt- 
lere und haufig auch viel groBere Antipodenzelle der Eizelle homolog. Die 
A. erklart die cntwicklungsgeschichtliche Gleichheit beider Embryosackhalften, 
die Sechszahl der Zellen und Achtzahl der Kerne, mithin alle charakteristi- 
schen Eigenschaften des typischen Embryosackes. Ihr Kernpunkt ist die 
Plomologisierung der Polkerne mit den Bauchkanalkernen, welche sich samt- 
Hchen neueren Untersuchungen zufolge bei alien daraufhin iintersuchten 
Gymnospermenarchegonien nachweisen lassen. Sie erklart auch die echte 
Chalazogamie als einen phylogenetisch iilteren Zustand, bedingt durch den 
sexuellen Reiz, den das bei den Vorfahren der heutigen Angiospermen 
normalerweise noch fertile antipodiale Archegon auf den Pollenschlauch aus- 
iibte. Ihr zufolge fehlt im normalen Embryosack der Angiospermen das 
Prothallium, als welches man gewohnlich die Antipoden deutete, ohne da- 
mit ihre Dreizahl erklaren zu konneii. Die vollstandige Ruckbildung des 


Schneider, Bot, Worterbuch. 2 . Auflage. 


4 



50 


Archegontheorie. 



Prothalliums erscheint vollkommea verstandlich , da es viel okonomischer 
durch das Endosperm vertreten wurde, desseii Bildung vom Befruchtungs- 
vorgang abhangig gemacht wurde. Das mikropylare Archegon ist das 
normalerweise ausschlieBHch fertile, den Embryo liefernde Archegon, das 
antipodiale Archegon liefert dagegen in der Regel bloB den Bauchkanalkern 
(Polkern), der fiir die Endospermbildung bei der doppelten Befruchturig 
Vervvendung findet. Sekundar kann es auch andere vegetative Funktionen iiber- 

nehmcn . Ausnah ms~ 



weise liefert es aber 
selbst heute noch einen 
antipodialen Embryo 
[Ulmus americana)j ja 
seine Eizelle kann so- 
gar einSpermatozoid in 
sich aufnehmen [Asta^ 
novae hollandiac), Vom 
Standpimkt der A. aus 
ersch einen die 1 6 kerni- 
gen Embryosacke der 
Pcnaeaceen und einiger 
Euphorbia - Arten als 



altcre Embryosack- 
typen mit 4 Archego- 
nien, die bei Cypri- 
pediiim , Onagraceen, 
Podostemaceen auf- 
tretenden 5- oder 4- 
kex'nigen Embryosacke 
als Embryosacke mit 


Fig. 28. Schematisclie Darstelluiig der phylogeiietisclien Entwick- 
lung des Embryosackes der Angiospermen aus jenem der Gymiio- 
spermen yom Staudpunkte der Archegontheorie. I, Sequoia, 2, Cii- 
pressineentypus. ^.Ephedra. 6 ^, Zwischenstadium, repriisentiert durcli 
alle jene anomalen Embryosiicke der Angiospermen, welche mchr 
als zwei Archegouien besitzeii, Euphorbia proccra, Eenac- 
(teem u. a. Balamphora. 6. CasuarinUi Carpinus, 7. Almat. 
8. Normaltypiis der Angiospermen. 9. Cypripedihwi ^ Podoste- 
maceen, Onagraceen. bk Bauchkanalkern, d Deckschicht, ck Ki- 
kern, ez Eizelle, hz Halszellen, i friihzeitig degenencrender Initial- 
kern des antipodialen Archegons, p Prothalliinn, ps Pollen- 
schlauch, »Deckschichtzellen« fungierende sterile Archegon- 
anlagen. (Nach PoitscH.) 


einem einzigen Arche- 
gon mit oder ohnelnitial- 
kern fiir das zweite 
Archegon. DieReduk- 
tion auf ein cinziges 
Archegon erscheint hier 
vollkommen begreif- 
lich, da die Riickbildu ng 
des Endosperms den 
zweiten Polkern (Bauch- 
kanalkern), mithin auch 


die Aiisbildung des denselben iiefernden antipodialen Archegon uberfiUssig 


machte. (Vgl. PORSCH, Versuch einer phylogenetischenErklarungdes Embryo- 


sackes und der doppelten Befruchtung der Angiospermen 1907 ; W, Magnus in 


Flora 1913, S. 275 — 336; daselbst ausfuhrliche Literatur.) Die beistehende 
Fig. 28 gibt einen Uberblick iiber die wichtigsten phylogenetischen Ent- 


wicklungsstadien des Embryosackes der Angiospermen aus jenem der 
Gymnospermen, welche heute samtlich durch rezente Typen vertreten sind. [P.) 



Archespor — aririterostyle HliUc. 1 ^ 

Archespor. Von Goebel (B. Z. i88o, S. 545J eingcfulu-tc 
bezeichnung fiir diejenige Zelle, Zellreihe oderZellschicht, aius dcr die . pou-ii-, 
bzw. Pollen- oder Embryosackmutterzellen hervorgehen. (Vgl. bpt)riUi;.>,nini, 
Pollensack und Embryosack.) (P.) 

Archespor der Musci: siehe Sporen der Bryophyten und Spoiotpui 
der Musci. 

Arcliikarp der Fungi siehe unter Asci u. Askogon. 

Archiplast bzw. Archiplasma, ein noch nicht in Zytoplasma und Zcll- 
kern diiferenzierter Protoplast (z. B. Bakterienprotoplast). IJcr Name wird 
kaum mehr aufrecht erhalten (s. a. Handworterb. d. Naturw. X, S. 75011 da 
ja Zellkernsubstanz, weiin auch in »diffuser Vertcilung^ auch liicr .scdain 
vorkommt. { 7 \) 

Architypen nennt man seit Sachs (Flora 1896; S. r86) die groikm C/iiipp<m 
(Abteilungen Engler; Stamme Wettstein) des Pflanzenreichs, flit di(^^ man 
einen phylogenetisch verschieclenen Ursprimg annimmt. Alle eincm ArchUyjiUH 
(z. B. den Arcliegoniaten ;= Embryophyta asiphonogamd) angehorenden I'ormej]^ 
sagt Sachs, sind untereinander mehr oder weniger in den verschiedenen Ab- 
stufungen und Richtungen verwandt, und keine diescr Formen ist mit irgencF 
einer Gattung oder Familie ernes anderen Architypiis verwandt. 

arcliitypische Homologie s. d. 

Arclioldeistogamie (Knuth) s. Kleistogamie. 

Archoplasma (Boveri, in Sitzb. Ges. f. Morph, u. Phys. Mlinclien 111, 
Heft 2, 1887) == Kinoplasma s. Zytoplasma { 7 \] 

Area: i. der Baciilarien s. d.; 2. der Isoctacecnblattcr s. d. 

Areal^ VVohngebiet, Wohnbezirk, ist duvS von einer Bi|)pc bc- 
wohnte Gebiet der Erde. Je nach seiner GroBe bezeichnet man die Sij>pen 
als eurytop, weit verbreitet (z. B. Ptcridium)^ oder stenotop, eng ver- 
breitet (z. B. Wekvitschia). Auch unterscheidet man kontinuicrliclie inul 
•disjunkte (diskontinuierliche Areale), je 
nachdem sie einigermaBen geschlossca 
sind oder in erheblich getrennte Stiicke 
zerfallen. Vgl DE CANDOLLE, Geograph, 
botan. 1855, S. 474 ff. [D,] 

Argotaxis (Pfeffer II, S. 756) s. 

Chloroplastenbewegung. 

Arilliis Oder Samenmantel nennt 
man nach der Befruchtung am Samen 
sich entwickelnde, lappige oder sackartige, 
fleischige Auswiichse, die von verschiede- 
neii Stellen des Integuments aus, vom 
Nabel, von der Mikropyle, von der Raphe 
her entstehen konnen. Diese Arillarbil- 
dungen besitzen nicht selten auffallende 
Farbung; sie finden sich haufig an auf- 
springenden Fruchten, z. B. beim Pfaffenhiitchen [Evonymus airapams). 
(Vgl. Fig. 29.) (Nach Engler, in E. P. II, i, S. 175.) 
aristerostyle Bliite (Ludwig) s. Enantiostylie. 



Fig. 29. Arillarbiklmigttu au Saiiuui: A 
von Copaifem spec,, // von ATyrlAint 
fragans; per ««» Terikap; ar Arillus; 
h KabeL (Nach KNfU.KR.) 



5 ^ 


arkto-tertiares Element — Art, Artbegriff. 


arkto-tertiares Element nennt Engler (Versuch e. Entwickelungs- 
geschicEte II, S. 327) die Elemente der Flora, die im Miocan des arktischen 
Gebietes auftreten und im ganzen zirkumpolaren Gebiete einen libereinstim- 
menden Charakter zeigen; es befinden sich darimter viele Koniferen und »die 
zahlreichen Gattungen von Baumen und Strauchern, welche jetzt in Nord- 
amerika oder in dem extratropischen Ostasien und in Europa herrschen<c. 
Das a. E. herrscht heute in den subarktiscben und temperierten Gegenden 
der nordlichen Halbkugel. {D.) 

Armilla s. Velum. 

Ai*mpalisadenzelleu, Als A. bezeichnet man in den Laubblattern 
gewisser Nadelholzer [Pmtis] und zahlreicher Dikotylen aiiftretende Assimila- 
tionszellen, bei denen durch in das Zellinnere vorspringende Membranfalten 
eine Vergrofierung der assimilierenden Oberflache erzielt wird. [P,] 
Arretiervorrichtung der Reusenhaare s. d. 
arrhenokaryotiscli (Boveri 1905) s. unter Merogonie.^ 

Ai*t, Artbegriff. »Zum Zwecke der Schaffung einer Ubersicht uber 
die Fiille der Pflanzenformen und zur Ermogiichung einer gegenseitigen Ver- 
standigung liber dieselben geht die Botanik von der Beobachtung der ein- 
zelnen Pflanzenindividuen aus und schafft durch Zusammenfassiing der Indi- 
viduen von einer gewissen Gleichformigkeit systematische Einheiten 
(»Sippen« nach Naegeli); in gleicher Weise werden diese Einheiten auf 
Grand groBerer oder geringerer Ubereinstimmung zu Einheiten hoheren 
Ranges zusammengefaOt, denen die ersten subsumiert werden, Es liegt in 
der Natur der Sache, daB die Zahl der moglichen Abstufungen dieser Ein- 
heiten eine unbegrenzte ist, man hat sich aber im Interesse der Einheitlich- 
keit der Arbeiten auf eine gewisse Zahl von solchen system atischen Ein- 
heiten geeinigb'). Diese Einheiten sind (von der umfassendsten bis zur 
engsten angeordnet): Divisio (Abteilung), Classis (Klasse), Ordo (Ordnung), 
Familia (Familie), Tribus, Genus (Gattung), Sectio (Sektion), Spezies (Art) 
und einige Untersippen der letzteren (s. u.). Eine Bereicherung der Zahl 
der Einheiten ergibt sich durch Einschaltung von Subdivisio zwischen Divisio 
und Classis und analoge Bildung der Einheiten Subclassis, Subordo usw.«®) 
Bei dem Versuche, Umfang und Inhalt dieser Einheiten zu bestimmen, spielte 
stets die Diskiission iiber den Begriff der Art eine groBe Rolle, da mit diesem 
Begriffe die Botanik am haufigsten arbeitet, und da es zu hoffen war, daB am 
ehesten bei diesem relativ engen systematischen Begriffe die Moglichkeit einer 
gewissen Prazision zu erwarten ist. 

»Trotzdem ist es bis heute nicht zu einer allgemein angenommenen Definition 
der Art gekommen. Das ist ganz begreifiich. Ganz abgesehen von der prin- 
zipiellen Schwierigkeit, die Grenzen fttr eine Abstraktion durch Worte zu fixieren, 
spiel en da ebenso Abstufungen im Beobachtungs- und Unterscheidungsvermdgen, 
Verschiedenheiten im Umfange und in der Beschaffenheit des Beobachtungs- 
materials eine Rolle, wie ganz berechtigte Bediirfnisse. Die Unterscheidung der 
Arten muB ganz anders ausfallen, wenn es sich bloB um eine beilaufige, zusammen- 
fassende Bezeichniing einer Summe von Einzelerscheinungen (Vegetationsschilde- 

Vgl. J. Bkiquet, Regies intcrnat d. I. nomenclature hot. 1912; daselbst alles die Be- 
zeiclinungsweise der Sippen betreffende. 

2) Wettstein, R.V., in Handworterbiicli d. Naturw., Artikel » System der rflanzeiL«. Jena 1912. 


Art, Artbegriff. 


53 


rung, erste kursorische Bearbeitung einer Laiidesflora, Bezeichniing ciner Tilanzu 
im praktischen Leben u. dgl) handeit Oder iim die Feststellung der letzten isyslc- 
matischen Einheiten als Material fiir eine wissenschaftliche Unters tic Inin g. Da- 
mit hangt es auch ztisammen, daB der Speziesbegriff bei verschiedcnen Botanikeni, 
ja bei den Angehorigen verschiedener Schulen oder Lander, von ganz verscliic- 
dener Weite ist. Ein Botaniker, welcher die reichen Einlaiife einc« groBen 
Institutes nur zum Zwecke baldiger Einreihung bearbeitet oder die erste Uber- 
sicht uber die Flora eines wenig erforschten Landes gibt, wird selbstvcrstandlich 
mit einera anderen Speziesbegriff arbeiten, als der Botaniker, welcher ftir die 
monographische Bearbeitung einer Gattung ziinachst anf induktivein Wege die 
systematischen Einheiten festzustellen trachtet oder Detailuntersuchungcn auf deni 
Gebiete einer wohldurchforschten Flora vornimmt. 

Fiir den wissenschaftlich arbeitenden Systematiker ist diese verschiedene Weite 
des Speziesbegriffes auch kein allzu groBes Flindernis, weil er diese meist richtig 
einzuschatzen weiB; hemmend wirkt fiir ihn nur die Verwendung verschicdcn- 
artiger Speziesbegriffe dutch Autoren, welche sich der verschiedenen Weite der 
von ihnen verwendeten Begriffe nicht bewufit sind oder solche verschiedenwertige 
BegrifFe ohne wissenschaftlichen Zvveck nur aus Grtinden der Bequenalichkeit oder 
Tradition anwenden. In Btichern, welche fiir den Unterricht oder fiir weitere Kreise 
bestimmt sind, sollte aber auf tunlichst einheitliche Fassung des Speziesbegriffes 
geachtet werden«*). 

Fiir Forscher, welche die » Konstanz der Attend annahmen, war es natur- 
gemaB noch relativ leichter, eine bestimmte Definition der ^Art^ zu geben; 
schwieriger muBte sich die Aufgabe gestalten, seitdem man weiB, daB die Art 
variabel ist; ihre Veranderlichkeit ist etwas fiir sie geradezii Charakteristisches, 
die Aufnahme dieser Veranderlichkeit in die Definition inuB cleren Ihazision an 
und fiir sich abschwachen. 

Es seien bier einige Definitionen des Artbegriffes angeftihrt, welche den An- 
schauLingen des phylogenetisch denkenden Biologen in mehr oder minder prli- 
gnanter Weise Rechnung tragen: 

Lamarcic"'): »L^esp6ce est une collection dhndividus semblables, que la gdnd- 
ration perpetiie dans le nieme dtat taut que les circonstances de leur situation 
ne changent pas assez pour faire varier leiirs habitudes, leur caraetdre el Iciir 
forme. « 

A, Kerner^): »Die Art ist der Inbegriff aller fiber ein bestimniLes Areal 
verbreiteter, gleichformiger oder sich durch langere Zeit in clcr Mehrzahl ihrer 
Nachkom^"*^en erhaltender Individuen.« 

G. \ ,r Spezies gehoren alle Individuen, die, vegetativ oder 

durch Selbstbefriichtiing vermebrt, unter gleichen iiiiBeren Bedingungen vielc 
Generationen hindurch fibereinstimmende Merkmale zeigen.<< 

Die Ausdrilcke »gleichformig«, »langere Zeit«, >ubereinstinimcnd« ti. a. 
konnen allerdings wieder verschiedene Interpretation erfahren, aber dies liegt 
in der Natur der Sache. 

Da einerseits bei Bildung von Artbegriffen — abgesehen von den schon 
erwahnten Begleitumstanden — personlichc Urteile eine Rolle spielen, ancler- 
seits das Bild der Art innerhalb gewisser Grenzen sich infolge innerer und 


1) Wettstein, R. V., in Handworterbucli d.Naturw., Artikel >System der l^Banzen«, Jena 1912, 

2) Discours de I’an. XI. S. 45. 

3 ) Abhangigkeit der Pfianzengest. v. Klima 11. Bod. 1869, S. 46. 

4) J. w. B. Bd, 4s, 1906, S. 290. 


54 


Aitanfange — Artbastard. 


auOerer Vorgange andern kann, ist es begreiflich, daO Arten verschiedener 
systematischer Wertigkeit und systematische Einheiten, welche den Arten 
subsumiert werden, sich unterscheiden lassen. 

Unterscheidungen der ersteren Art haben zur Schaffung der Termini; 
Art (Spezies) und Unterart (Subspezies), Sammelart (Kollektiv- 
spezies) und Art (Spezies), Art (Spezies) und Elementarart ge- 
fiihrt. 

Die Zahl der Sippen, welche dem Artbegriff subsumiert werden, ist be- 
reits eine sehr grol3e. Sie werden derzeit vielfach noch in sehr verschiedenem 
Sinne verwendet, und es ware eine auch nur annahernde Gleichartigkeit der 
Verwendung sehr erstrebenswert. 

Plate (KulUir der Gegenwart, IV. Abt., 4. Bd., 1912) hat den Versuch einer 
tJbersicht und Prazision dieser BegrifFe gemacht, der im folgenden wiedergegeben 
werden soil. 

Variation (variatio); jede Abweichung vom Typus. 

Varietat (varietas): jede in der freien Natur haufiger auftretende und nicht 
patbologische Variation. 

Aberratio: eine seltene, stark abweichende Variation, haufig 'mit pathologi- 
schein Anstrich. 

Somation: jede nichterbliche Veranderung. 

Modifikation : jede nichterbliche, auf Standort oder Ernahrung zurUckfUhrbare 
Variation. 

Forma: Die regelmafiig innerhalb einer Art bei Metamorphose, bei Genera- 
tionswechsel und Polymorphismiis auftretenden charakteristischen Forrnen ohne 
Rticksicht auf Erblichkeit. 

Blastovariation: jede erbliche Variation. 

Mutation; i. jede erbliche Variation; 2. plotzliche Habitusandenmgen wie 
bei Oenothera, 

Fluktiiation (individuelle Variation): kontinuierliche Variationen, deren Mittel- 
wert am haufigsten ist, wahrend sie gegen die Extreme zu immer seltener werden, 
gleichgultig, ob erblich oder nichterblich. 

Schwach- (Halb-)Rasse : erblich nur fiir wenige Prozent der Nachkommen. 

Mittelrasse: erblich bei etwa 50 Prozent. 

Rasse: i. jede Pluralvariation; 2. Kulturprodukt von groBerer oder geringerer 
Erblichkeit. 

Biotyp: jede bestimmte Kombination der Erbfaktoren einer Art. 

Linie; alle durch Selbstbefruchtung, Parthenogenese oder ungeschlechtliche 
Vermehrung von einem homozygoten Individuum abstammenden Exemplar e. 

Formenkette: kontinuierliche Reihe von Variationen einer Art, welche raiim- 
lich oder zeitlich getrennt sind. 

In der deskriptiven Botanik wurden insbesondere die Termini Varietat, 
Forma, Mutation, Rasse — vielfach aber in anderem Sinne, vgl. diese Worte 
— gebraucht. {v. Wttst.) 

Artanfange (ebauches d’esp^ces) nennt de Vries, I, S. 299, diejenigen 
unter den durch Mutation einer einzigen Mutterart entstehenden neuen Forrnen, 
aus denen es nicht gelang, die Arten selbst zu gewinnen; mit anderen Worten 
solche Mutationen, die fiir den Kampf urns Dasein noch nicht hinreichend ge- 
eignet sind und deshalb frtiher oder spater zugrunde gehen (falls es nicht gelingt, 
sie durch kiinstliche Pflege genugend zu kraftigen). 

Artbastard, Kreuzung zwischen zwei Spezies. S. Bastard. 



Artbildung, 


57 


hinzuweisen, dal3 die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte dafiir sprechcn, dalii 
die Frage iiberhaupt nicht im Siniie einer Lehre beantwortet werdea kaiin, 
sondern daB Artbildung auf recht verschiedeaem Wege vor sich 
geht. 

Bei dem Versuche, einer Erklarung der Vorgange niilier zu trcten, nniB 
wohl zwischen den Organisationsmerkmalen und den Anpassungsnicrkinalcii 
unterschieden werden, da erstere von den Lebensbedingungen unabliiingig, 
letztere in innigsten Beziehungen zu diesen sind. 

Die Organisationsmerkmale konnen durch Kreuzung und Mutation, dann 
aber auch durch Stabilisierung von Anpassungsmerkmalen und von durch 
sonstige direkte Bewirkungen veranlaOten Andcrungen vcrandcrt werden. 
Bei der Erwerbung von Anpassungsmerkmalen spiclen Kreuzung und Muta- 
tion gewiB gelegentlich auch e'ine Rolle; hier sind aber zumeist die Lel)eiKS- 


bedingungen direkt das Anregende; die Pflanze hat in hbhcrem oder gci ingereni 
Grade die Fahigkeit, auf jene durch direkte Anpassung zu roagieren. 

Diese Fahigkeit der direkten Anpassung hat durchaus nichts Mystisches 
an sich, wie man haufig behauptet; sie ist vergleichbar irgendeiner andcreii 
Fahigkeit, auf einen gegebenen Reiz zu reagieren. Auch das Zustande- 
kommen dieser Fahigkeit ist verstandlich. Wirwissen, daB auBereEinwirkungcn 
in weitgehendem MaDe Veranderungen des Organismus (Biaiometamor- 
phosen, s. d.) bewirken. Die Folgen derselben meincn wir, wenn wir v<jn 
»direkten Bewirkungen® sprechen. Die direkten Bewirkungen konnen fiir den 
Organismus niitzlich, schiidlich oder indifferent .scin. Es ist ganz begreiflich, 
wenn im Laufe der Entwicklung infolge fortgesetzter Selcktion die Fiiliig- 
keit sich ausbildete, besonders auf jene Einwirkungen zu reagieren, welche 
im biologischen Sinne nutzliehe Abanderungen zur P'olgc haben. 

Die Mannigfaltigkeit der Vorgange, welche bei der Entstehung neucr 
Formen eine Rolle spielen, wird dadurch erhoht, daO alle die fruher ge- 
nannten Faktoren in Wechselbeziehungen zueinandcr treten konnen; so 
konnen direkte Bewirkungen und Kreuzungen Mutationen ausldscn; jede 
Mutation schafft neue Moglichkeiten der direkten Bewirkung; Kreuzunftm 
konnen zur Sterilitat fiihren und erhohezi dadurch, wenn die h'ahJp'ka ‘It 
vegetativerVermehrungvorhanden ist, die Erhaltung auftretendcr Mutatiimen; 
endlich ist die so haufige korrelative Verbindung einer Abiimleruiig luit 
anderen Abanderungen in Betracht zu ziehen. 

Wenn man das Verhaltnis neuer Formen zu denjenigen ins Augc faht 
von denen sie abstammen, so kann man vcrschiedene Arten der h\)rnmeu’ 
bildung uiiterscheiden. Es kann sich urn die Erwerbung eincs fiir den 
pnzenFormenkreis neuen Merkmales handeln, es kann aber auch der Ver- 
Kist emer Eigentiimlichkeit, das Wiederauftreten einer latent gewordenen 
Eigenschaft, eintreten. H. DE Vries stellt folgende Obensicht auf: 


Entstehung neuer Arten: 

A) Uiiter Bildung neuer Eigenschaften : progressive A. 

B] Ohne, Bildung neuer Eigenschaften: 

a) Durch das Latentwerden vorhandener EigenSchaften : 
Atavismus zum Tei-L 


retrogressive A., 


58 


Arthrosp oreii — Asci. 


b) Durch Aktivierung latenter Eigenschaften: degressive A. 

a) Aus taxiaomen (ev. latenten) Anomalien. 

/ 5 ) Als eigentlicher Atavismus. 

c) Aus Bastarden. 

S. auch unter direkte Anpassung. {tj, Wtht,) 

Arthrosporen der Algen: Bei verschiedenen Algen [Pleurococciis^ 
Trentepohlia usw.) kommt es vor, daB die Kolonien in die einzelnen Zellen 
(A.) zerfallen und jede solche Zelle durch spater fortgesetzte Teilungen 
der Ausgangspunkt einer neuen Kolonie wird (Chodat, Alg. vert. Suisse, 
1902, S. 59). (JT.) 

Al'tlirosporen der Bakterien s. Endosporen derselben. 

Ai'thi'osporen der Pilze (Leveille, Ann. sc. nat 2. ser. VIII, 1837) 
sind die Glieder der Oidiumketten, s. unter Konidien. (AT.) 
Arthrosterigmen s. Pykniden. 

Artikulationen (A. Braun, in Monatsschr. d. Berlin. Akad. 1895, S. 185) 
heiSen bei Selaginellaceen vorkommende Anschwellungen von Stengelteilen. Sie 
finden sich einerseits dicht unterhalb der Gabelungen des Hauptstengels undgleich- 
wertiger Innovationssprosse , andererseits an der Basis der Fiederzweige erster 
Ordnung des Hauptstengels und der Innovationssprosse. (Nach Hieronymus, in 
E. P. I. 4, S. 640.) 

Ai’tkreiizung s. Bestaubung. 

Artzelle. Nach Hertwig (Biol. IV. Aufl,, S. 454) miissen so viele unter- 
einander (spezifisch) stofFlich unterschiedene Zellen, Spezies von Zellen oder 
Artzellen angenommen werden als die Systematik Spezies in der Organismen- 
welt unterscheidet. Es ist selbst fiir jegliches Individuum eine spezifische 
Plasmaart, ein Individualplasma (FiCK, Arch. Anat. u. Phys. 1907) voraus- 
zusetzen. Diese Anschauung findet auch in den neuesten Ergebnissen der 
serologischen Forschung ihre Stiitze. (L.) 

Aschenbestandteile (-substanzen) s. Nahrstoffe und Frischgewicht. 

Asci (Schlauche) nennt man ihrer Gestalt halber die Sporenbehalter der 
Ascomyceten. 

Wie die Basidie vom Konidientrager, so leitet Brefeld den Ascus vom 
Sporangium ab und definiert ihn als ein Sporangium, welches in der Zahl, GroBe 
und Anordnung seiner Sporen regelmaBig und bestimmt geworden ist. Von 
ZoPF ist demgegenilber darauf hingewiesen worden, daB in vielen Asken weder 
die Sporenzahl noch die Sporengrofie eine bestimmte ist. Nun haben neuere 
Forschungen (vgl. Falck, Zeitschr. f. Forst- u. Jagdwesen, 19 ii) ergeben, daJB wir die 
A. mit Bezug auf ihre Funktion in aktive, die ihre Sporen aktiv verbreiten, 
und inaktive unterscheiden miissen und daB die BREFELDSchen Charaktere nur 
fiir die aktiven A. zutrefFen. Inaktive A. besitzen die Gasteromyceten, Perisporiaceen, 
sowie einige Arten innerhalb der aktiven Reihen, welche die phylogenetische 
Ableitung der inaktiven von den aktiven Forrnen nahelegen. Die Funktion des 
A. besteht darin, die in ihm gebildeten Sporen eine bestimmte Strecke weit 
von dem Hymenium fort in die Luft zu werfen und sie bei dieser Ejakulation 
zu vereinzeln, so daB vereinzelte Sporen — wie bei den Basidien — in einen 
geniigend hohen Luftraum gelangen, wo ihre weitere Verbreitung durch Luft- 
strdmungen gesichert ist. Wahrend bei den Ascomyceten mit offenem Hymenium 
meist viele A. gleichzeitig ihre Sporen entleeren (stauben) und diese Entleerung 
meist von auBeren Reizeinfiussen abhangt, erfolgt die Askenentleerung bei den 



Asci. 


59 


in eingeschlossenen Fruchtkorpern gebildeten Sporen in^ ganz bestimmter, zeit- 
licher Aufeinanderfolge. Das bedingt eine auSerordenliich genaue • Organisation 
des ganzen Fruchtkorpers in bezug auf GrdBe, Anordnung und Entwicklungsfolge 
der einzelnen Organe, der A. und der Sporen, wie dies schon von Brefeld hervor- 
gehoben wurde. Dem Mechanismus der Ejakulation liegen zwei Krafte ziigrunde, 
die osmotische Kraft im Innern des A., welche zur Zeit^ der Reife ihr Maximum 
erreicht, sowie die Kontraktionskraft der gedehnten elastischen Schlauchmembran. 

Die A. entstehen bei den einfachsten Formen (z. B. Saccharomycetaceae) direkt 
aus dem Myzel, bei hbher organisierten schiebt sich zwischen Myzel und A, ein 
eigentuxnlich geformtes ein- oder mehrzelliges Gebilde ein, das einei‘seits vom 
Myzel entspringt, andererseits direkt oder an Verzweigungen (askogene Hyphen) 
die A. ausbildet; es wird als Askogon (Karpogon, Archikarp (vgl. Fig. 30) 
bezeichnet Askogon, askogene Hyphen 
und A. kann man (nach de Bary) als 
Askusapparat bezeichnen im Gegensatz 
zu den Elementen des (nur bei hoher 
organisierten Formen) vorhandenen Hiill- 
apparates. Diese Htille entsteht in der 
Weise, daB dicht unter dem Askogon oder 
an benachbarten Myzelteilen Hyphen ent- 
springen, die den ganzen Askusapparat 
umspinnen und sich dicht zu einer Art 
von Gehause, dem Perithecium, zu- 
sammenschlieBen. Auf diese Weise wird 
die Stufe einer »Askusfrucht« erreicht. 

Hierbei kann man drei Hauptformen 
unterscheiden : 

1. Apothecien (Diskokarpien): 

Kleine oder groBere, zuweilen auffallend 
gefarbte Fruchtkdrper, bei denen das 
Hymenium zur Zeit der Bildung und Rei- 
fling der Sporen frei an der Oberflache 
des Kdrpers liegt. Das Hymenium (Dis- 
kus, Fruchtscheibe) besteht aus den 
Ascis und aushaarformigen Hyphenzweigen, 
den Paraphysen. Diese entspringen mit 
ihrem unteren Ende von einem dichten, 
unter dem Hymenium verlauf enden Hyphen- 
geflecht, der Subhymenialschicht (Hypothecium), welche sich dann noch 
weiter abwarts fortsetzt in den mehr oder minder massig entwickelten Triiger 
(Receptaculum, Stiel) der Frucht oder wenigstens eine ihr eigene, wenn auch 
wenig machtige AuBenhiille (Excipulum). Bisweilen verflechten sich die 
Paraphysen zu einer diinnen Schicht iiber dem Plymenium, dem Epithccium. 
In dem Hypothecium verlaufen, zwischen die Hlillelemente eingeflochten , die 
askogenen Hyphen. (Apothecien finden wir bei den Discomyceten und den 
gymnokarpen Flechten.) 

2. Perithecien (Pyrenokarpien): Im allgemeinen rundliche oder flaschen- 
fdrmige (vgl. Fig. 31), meist unter i mm groBe Fruchtkorper, die auBen durch 
die Wand begrenzt warden, welche ein askusfiihrendes Hymenium umschlieBt 
und im erwachsenen Zustande mit einer der Sporenentleerung dienenden, engen 
OfFnung, Mtindung, Ostiolum, Porus, versehen ist, einem die Wand durch- 
setzenden Kanal. Die Miindungsstelle ist zuweilen in einen Hals (Tubulus) 



Fig. 30. Ascobohis fnrfttraccus. Junge 
Fruclit jm mcclianen Langs^chnitt'. (Nacli 
Janczewski von Sachs schematisch dar- 
gestellt.) m Myzelium; c Archikarp, samt 
den in der Subhymenialschicht ausgebrci- 
teten askogenen Hyphen j und den Ascis a 
(dimkcl gehalten); / Anthcridienzweig; //— ;■ 
Hiillgcwebe, von dem die Paraphysen h 
entspringen. 


6o 


Ascidien. 


ausgezogen. Auf der der Mlindung abgekehrten Seite sitzen im Innem des 
Peritliedums die Asci auf den askogenen Hyphen. Zwischen den A. stehen 
auch hier meist Paraphysen, auBerdem wird der askusfreie Teil des Peritheciums 
noch von Hyphenfaden ausgekleidet , die man Periphysen nennt. Der Hiill- 
apparat (Wand und Hals) besteht aus dichtem Hyphengeflecht oder Pseudo- 
par enchym. 

3. Kleistokarpien: Diese Friichte unterscheiden sich von den Perithecien 
auBerlich nur dadurch, daB sie auch zur Sporenreife ohne Mundung bleiben und 
die Sporen durch von auBen kommende, die Wand sprengende Einwirkungen 
Oder durch Verwitterung frei werden. Die A. der K. haben aber ihre Funktion 
der Sporenejakulation eingebuBt und verlieren damit auch die regelmaBige An- 
ordnung und Bildungsfolge , sowie die Bestimmtheit der Sporenzahl, -lage und 
-groBe. Man bezeichnet die Kleistokarpien meist als kleistokarpe und die 



■ ^ -..V. 

' A - • • 




- ■ - , ■ 'V;;- ,v ■ 

'' ■ V ■ - 

B 

Fig. 31. Sordaria fimiseda: A FrucFtkorper {Perithe- 
ciuni) wenig vergr. und ein soldier 6o/i; B Peritheciuni 
im Laiigssdiiiitt (90/1), imteii im Iimern die Asd und 
Parapkysen, im Tubulus die Periphysen und am Ende 
das Ostiolum zeigend; C Ascus; D Spore. 
(Nach WORONIN.) 



unter 2. beschriebene Form als pyrenokarpe Perithecien. ‘Die ersten finden 
wir vor allem bei den Perisporiaceen, die zweiten bei fast alien Pyrenomyceten 
(nach ZoPF, S. 409 und de Bary, S. 200). Vgl. im ubrigen unter Apothecien 
der Flechten, Askogon und Karpogon. (F) 

Ascidien: Nach Masters, S. 47, versteht man hierunter rohrige, krug- 
formige oder trichterige Spreiten, die bei Tilia europaea usw. durch Um- 
bildung eines einzelnen Blattes oder durch Vereinigung zweier oder dreier, 
sonst freier Blatter gebildet werden. Ascidien kdnnen ferner wie kleine 
Trichter nebeneinander auf sonst normal entwickelten Blattspreiten stehen: 
beim »Plumogenkohl« (»Zierkohl«, Gartenform von Brassica oleracea) finden 
w'ir sie in groBer Zahl auf den starkeren Nerven der Blatter. S. auch 
»Blattschlauche« . [Kst,) 



askogene Hyphen-r- Assimilation. 


6i 


askogene Hyphen s. Asci und Karpogon der Flechten. 

Askogon: Vgl. auch imter Karpogon! — ZUKAL sagt (S. Ak. Wien, 
Bd. 98, 1889, S, 529), nicht alle Autoren verstehen unter diesem Ausdruck 
dasselbe. DE Bary z. B,, der genannten Terminus zuerst in die Wissenschaft 
eingefiihrt hat, versteht unter A. eine aus dem Archikarp hervorgehende, 
Asci-bildende Hyphe; Stahl dagegen nennt den untersten Teil des Kar- 
pogons (siehe die dort gegebene Abbildung) A., den oberen Trichogyne. 
Oltmanns gebraucht den Ausdruck A. als vollkommen gleichwertig mit 
Karpogon und Archikarp. Funfstuck endlich versteht unter A. eine dicke, 
unmittelbar unter dem Hymenium im Hypothecium gelegene Hyphe, aus 
der unmittelbar die Asci hervorgehen, und denkt sich dieselbe (in den von 
ihm untersuchten Fallen) auBerhalb jeden Zusammenhanges mit irgendeinem 
Initialorgan. Doch auch er betont den morphologischen Charakter dieses 
Organs (besser Hyphenkomplexes), indem er wiederholt auf den Gegensatz 
zwischen dem asken- und paraphysenbildenden Gewebe aufmerksam macht. 

Zukal selbst ist, obwohl er sonst unter A. dasselbe versteht wie Funf- 
STt)CK, durch die Wurdigung verschiedener Tatsachen dahin gelangt, in den 
askogenen Hyphen in erster Linie einen physiologischen Apparat zu sehen, 
der hauptsachlich zur Bereitung und Aufstapelung von Protoplasma und 
Nahrmaterial fur die Asci und Sporen dient. 

In der neueren Zeit wird als A. fast allgemein dasjenige ein- oder mehr- 
zellige Organ bezeichnet, aus dem die Asci oder die askogenen Hyphen 
hervorgehen. In vollkommenster Ausbildung ist das A. mittels Stielzellen 
mit dem Myzel verbunden und mit einem Trichogyn versehen (vgl. ClaUSSEN, 
Z. f. B., IV und unter Befruchtungstypen der Pilze). {F.) 

Askogon der Flechten s. Karpogon der Flechten. 

Askokarp = Fruchtkorper der Ascomyceten, s. Asci. 

Askoma nennt Saccardo die Askusfrucht der Discomycetes und Tiiberoi- 
deae, ( K, ) 

Askospor*en s. unter Sporen der Fungi und Asci. 

Asoinatophyten s. Somatophyten. 

Asphyxia nannte Dutrochet (Mem. pour serv., I, S. 562) den bei 
Mimosen im Vakuum auftretenden Starrezustand. Sachs (Pflanzenphys. a.Aufl., 
S. 615) stellte ihn in die Kategorie der voriibergehenden, durch chemische 
Einfliisse bedingten Starrezustiinde. (L.) 

Assimilat s. Kohlensaureassimilation. 

Assimilation, Die A. im weitesten Sinne umfaBt »alle Prozesse, welche 
mit dem Aufbau lebender Substanzen verkniipft sind« (A-Phase), wahrend 
»alle jene, welche an derenZerfallbeteiligtsind, als D issimilation (D-Phase)^ 
bezeichnet werden. (Hering, Zur Theorie d. Vorg. in d. lebenden Subst., Lotos, 
Prag 1888.) Von manchen Seiten wird der Begriff A. fiir die Erscheinungen des 
organisatorischen Stoffwechsels, d. h. fiir die Prozesse der Bildimg von 
Korpersubstanz reserviert, so daB die Vorgange, welche zur Bildung plasti- 
scher Substanzen ftihren, streng genommen nicht unter den Begriff der A. 
fallen. So definiert z. B. neuestens Jakoby (Oppenheimers liandb. d. Bioch. 
11. I, 144) A. als den Vorgang, »bei dem die der Zelle zugefuhrte Substanz 
organisch in den Zellbau aufgenommen wird«. Pfeffer und mit ihm die 


62 


AssimilatiorLsenergie— Assimilationssysteni. 


meisten Pflatizenphysiologen schlieBen sich der ersteren Definition, an und 
unterscheiden dementsprechend eine A. der Aschensubstanzen, StickstofF-A., 
Kohlenstoff- oder besser Kohlendioxyd-A. (WiESNER) usw. Sachs beschraiikte 
den Begriff — abweichend von den Tierphysiologen — auf die Produktion 
organischer Substanzen im Chlorophyllkorn, also ausschlieBlich auf die CO2-A. 
(photosynthetische A. nach Pfeffer). Nach Verworn (Allg. Physiol, 1893, 
S. 472) flihrt die A. zum Aufbau der Biogene (s. d.), die Dissimilation zu deren 

A 

Zerfall. Das wechselnde gegenseitige Verhaltnis der Biotonus, ist be- 

stimmend fiir den jeweiligen Zustand jedes Organismus. Bei iherrscht 

A A 

Stoffwechselgleichgewicht; i flihrt zum Wachstum, ^ hingegen 

allmahlich zur Atrophie und schlieBlich zum Tode. 

Die bei der Uberfuhrung eines Nahrstoffes in Korpersubstanz (assimi- 
latorischer Stoffwechsel) zunachst entstehenden Produkte (Starke, Zucker 
usw.) werden als Assimilate oder Assimilationsprodukte bezeichiiet, 
wahrend man die Zwischen- und Endprodukte das Stofifabbaues oder des 
dissimilatorischen Stoffwechsels, Dissimilate oder Dissimilations- 
produkte zu nennen pflegt S. auch Kohlensaureassimilation. (L,) 

Assimilationseiiergie, -produkte s. Kohlensaureassimilation. 

Assimilatioiisgewebe, -oi^gane, -system. Im physiologisch- 
anatomischen Sinne Gesamtbezeichnung flir alle jene Zellkomplexe, dcrcn 
ausschlieBliche oder Hauptfunktion die Kohlensaureassimilation ist. Ihre 
Trager sind die A.~organe, als welche vorzugsweise die grlinen Laubblatter 
dienen. Doch konnen bei Mangel von Blattern auch Sprosse als A.-organe 
dienen Als A.~gewebe fungieren das A,-parenchym (Chloro- 

phyllparenchym), die Palisadenzellen und in zweiter Linie Schwamm- 
parenchym (vgl. Mesophyll). 

Bezuglich der Differenzierimg innerhalb des A. lassen sich nach Haberlandt 
folgende Hauptfalle unterscheiden. i. Das A. besorgt zugleich die Ableitung 
der Assimilate, fungiert also gleichzeitig als Ableitungsgewebe. - In diesem 
Falle sind die A.~zellen meist langgestreckt und laufen parallel der Blattoberflache 
(Elodea). 2. Es ist ein Assimilations- und ein Ableitungsgewebe vorhanden. 
Die Assimilate wandern direkt aus dem ersteren in das letztere. Hierher gehbrt 
die als »Kranztypus« bezeichnete Gewebeanordnung. Jedes Gefafibiindel ist 
von einem Kranze radialgestreckter Palisadenzellen umgeben, welche die Assimilate 
der als Ableitungsgewebe fungierenden Parenchymscheide zufLihren (Gramineen, 
Cyperus-hxXtTi), 3. Die Assimilate wandern aus dem Assimilationsgewebe zu- 
nachst in ein sog. »Zuleitungsgewebe «, und dieses leitet sie erst dem Ab- 
leitungsgewebe zu. Bei dem als » Glumaceentypus « bezeichneten Bauplan 
ist das ZuleitUDgsgewebe in Form quer gestreckter, den Leitparenchymscheiclen 
zustrdmender, cblorophy llftihren der Zell enentwickelt. Bei demhaufigen »Dikotylen- 
typiis« entwickelt dasZuleitungsgewebe trichterfdrmig verbreitete, sog. Aufiiahme- 
Oder Sammelzellen, deren verbreiterter, oberer Querwand ein Biischel Palisaden- 
zellen aufsitzt. Auch hier leitet das Zuleitungsgewebe die Assimilate dem als 
Ableitungsgewebe fungierenden Parenchymscheiden der Gefafibiindel zu, Haber- 
LANDT, S. 257, IlYWOSCtl, Z. f. B. IV, I9I2, S. 257. (P.) 


Assimilationswachstum — Assoziation. - 


63 


AssimilatioBSwachstum s. meristisches Wachstum. 

Assimilationswurzeln. Bei epiphytischen Orchideen ( Taeniophyllum^ 
Campyloccniritm u. a.) auftretende, die fehlenden Laubblatter physiologisch 
vertretende und demgemaO anatomisch abweichend gebaute, reichlich chloro- 
phyllfiihrende Wurzeln, deren Hauptfunktion die Kohlensaureassimilation ist. 
(Vgl. PORSCH, in D. Ak. Wien, 79. Bd., 1906.) (P.) 

Assimilatoren nennt Reinke die Flachsprosse der Caulerpaceen und 
anderer Algen (Oltmanns, II, S. 31 1). Der Ausdruck wird tibrigens nodi in 
anderem Sitine gebraudit. {K^ 

assimilatorische Reize nennt Verworn (Allg. Physiol,, 1895, S. 477) 
alle Faktoren, die den Assimilationsvorgang fordern oder lahmen, dissi- 
milatorische R. dagegen jene Reize, die den Dissimilationsvorgang ent- 
weder begiinstigen oder hemmen. (Z.) 

Assimilierungsprodukte s. Lebendige Substanz, 

Assoziation (= Bestandestypus) »ist eine Pflanzengesellschaft von be- 
stimmter floristischer Zusammensetzung, einheitlichen Standorts- 
bedingungen und einheitlicher Physiognomies, Diese Definition hat die 
pflanzengeographische Sektion des Internationalen Kongresses zu Briissel 1910 
gegeben (»Actes« S. 126). 

»Die A. ist sozusagen«, driickt sich WARMING (Oecology S. 145) aiis, 
»eine floristische Art einer Formation, die ein okologisdies Genus ist.« 

Nach der Meinung des Kongresses von 1910 ist also die A. »die griind- 
legende Einheit« der Vegetation. 

Dieselbe Einheit wurde von vielen Friiheren nadi dem Vorgang von Grtse- 
BACH als »Formation« bezeichnet (s. Formation). Andererseits hatte der Begriff A, 
friiher andere Bedeutangen. Demi der Versuch von C. E. Moss, seine Begrtin- 
dung auf A. v. Humboldt zuriickziifuhren, beruht auf Irrtum, Humboldt hat 
gar keinen festen Begriff im Sinn, sondern spricht nur ganz allgemein von Ver- 
ges ellschaftimg der Pflanzen. In der spateren Literatur sind dann die verschie- 
densten Dinge iiiit A. bezeichnet worden. Vgl. dartiber C. E. Moss in The New 
Phytologist IX, 1910, 22, Drude z. B. hat in seinen Schriften bis 1911 mit 
A, (»Genossenschaften«) stets floristische Verges ellschaftungeii bezeichnet, ohne 
jede Rticksiclit auf dkologische Momente: bei ihm war also A. der Formation 
nicht subordiniert, sondern gewissermaBen opponiert. Zur Beurteilung der ganzen 
Frage vgl. jene *Actes III. Internat. Botan. Bruxelles i9io«, wo auch die Kritik 
zu Worte kommt. 

Flahault (Congres 1910, Actes S. 126) weist darauf hin, daB die A. 
durch die Gesamtheit ihrer Elemente definiert warden muB; man konne sie 
zwar nach einer bestimmten Spezies benennen, diirfe aber die Gleich- 
berechtigung der librigen nicht aus dem Auge lassen. Diese Benennung 
einer A. geschieht heute gewohnlich nach dem Vorgang von ScHOUW 
(Grundz. allg. Pflanzengeogr. 1823, 165) durch Anfugung der Endung »-etum« 
an den Gattungsnamen der Leitart, z. B. TPhragmitetum«. Kommt es auf 
die Spezies an, ftigt man sie im Genitiv hinzu, z. B. »Salicetum herbaceae«. 

Hult (Medd. Soc. Fauna et FI. Fennica VIII, 1881) u. a. setzen oft noch 
ein Adjektiv zur naheren Kennzeichnung dazu, z. B. »Betuletum equisetosum«. 
Welter spezialisierende Benennungen vgl. Clements, Research Methods und 
C. E. Moss in The New Phytologist IX, 1910, S. 42 fF. 


64 


AssoziatioE— AstrospHare. 


Das Verhaltiiis der herrschenden Arten imd die relative Bedeu- 
tung der Nebenbestandteile wechselt ubrigens meist innerhalb derselben 
Assoziation; danach zerfallt sie in einzelne Facies (Drude) = Neben- 
typen (Stebler und SCHROETER) = Subformationen (Weber). {D,) 
Assoziation im Sinne von Konsortium s, Symbiose. 

Assoziation n. Dissoziation von Faktoren: Hypothese v/TscHER- 
MAK (Z. ind. A. u. V. 1912), dai^ auch bei Vorhandensein zweier Gene (s. d,), 
die beide zusammen ein bestimmtes »AuI3enmerkmal« bedingen, dessen Bil-* 
dung ausbleibt, well aus irgendwelchen Griinden eine Reaktion der Gene gegen 
die Regel eintritt oder verhindert wird. Geschrieben werden die Faktoren dann 
als AB fiir Assoziation oder A|B fiir Dissoziation. — Die Nichtberiick- 
sichtigung dieser Hypothese konnte irrtiimlich »Mutationen« fiir das Auftreteii 
des neuen Phanotypus verantwortlich erscheinen lassen. Vgl. Fruwirtu, 
Handbuch d. landw. Pflanzenzuchtung Bd. I. 1914, S. 88. {T,) 

astel, Astelie s. Stele. 

Astei'stadium s. Karyokinese. 

Astigmaticae (Knuth) s. Bestaubungsvermittler. 

Astranke = Stammranke s. Ranke. 

Astrosklereiden. Von Tschirch (J. w. B. XVI, S. 308) vorgeschla- 
gener Ausdruck fiir die von JOnsson als Ophiurenzellen bezeichneten stern- 
formig verzweigten Sklerenchymzellen [s. d.). [P.) 

Astrosphare. Bei der Karyokinese der tierischen Zellen sind besondere 
Strahlungen beobachtet, und zeitweise glaubte man auch, daB sie allgemeiner 
in der Pflanzenzelle vorkommen. Strasburger sagte davon (Anat. Anzeig. 
VIII, 1893, S. 179): »Statt der Bezeichnung Attraktionssphare, welche 
einen physiologischen BegrifF in sich schlieBt, mochte ich Astrosphare in 
Vorschlag bringen. Darunter ware somit die abgegrenzte Sphare innerhalb 
jener Strahlenfigur zu verstehen, die von FOL den Namen »Aster« erhielt 
Die Bezeichnung »Zentrosom« fur das zenlrale Korperchen in dieser Sphare 
ware, weil bereits morphologisch gefaBt, beizubehalten. Beide zusammen 
waren in dem BegrifF Zentrosphare zu vereinigen, doch laBt sich viel- 
leicht auch ohne diesen auskommen. Sollte dies der Fall sein, so gebe ich 
gern die Bezeichnung Zentrosphare auf und schlage vor, Astrosphare an 
deren Stelle zu gebrauchen. Diejenige physiologische Bezeichnung, welchc 
unseren jetzigen Vorstellungen liber die Funktion des ganzen Gebildes am 
ersten entspricht, diirfte die von FOL gebrauchte kinetisches Zentrum sein.« 
Die ganze Bezeichnung hat in der Neuzeit ihre Bedeutung fiir die Pflanzen- 
zellen ziemlich verloren, weil Strahlungen, die den tierischen A. homolog 
sein diirften, bei den hoheren Pflanzen sicher nicht vorkommen, trotzdem man 
es vorlibergehend glaubte. Die Deutungen der entsprechenden Strukturcn bei 
den Algen, Pilzen und einigen Bryophyten [Pellia) sind nicht sehr iiberzeugend. 
Vielleicht handelt es sich selbst nur um relativ »zufallige« Strukturcn, die 
durch mechanische Momente bedingt sind. 

Nun sind freilich oft noch besondere Strahlungen ganz unabhangig von 
den Mitosen ja selbst den Kernen beschriebeii worden, aber es handelt sich 
dann wohl immer um physikalisch bedingte, vorlibergehende Erscheinungen. 
(Vgl. auch unter Zentrosom.) [T) 


Asttod — Atemoffnnng. 


65 


gafOto ;vi7 (W.L™” a 

einer und derselben Pflanze. ^cimun^szeit der bamen 

Asymmetrie des Blattes s. Blattform. 

_ asymmetrisch ist ein Organ, das durch keine einziap • 

spiegelbildlich gleiche P-Ialften geteilt werden kann z B 

Bldten der Gattung 

Stercul. , vor allem von Pa obliquum Blanco, zahlreicher^P««gA^gr-Arten 

(Rubiac.). Vgl. auch unter Blattfornien u. Bliite. (W.) Arten 

Asyngamie (Kerner, in Ber. naturh. med. Ver. Innsbruck 1874 S A- 
Das ungleichzeitige Aufblulien verschiedener Individuen derselben PfllnzLrt' 
ataktodesmisch: Von Brebner vorgeschlagene Bezeichnuno- fiir dip 
Bundelanor^ung im Stamme der Monokotylen. Derselbe Autor bezlkhne? 

fS ‘'^“^^;“"*‘"‘'’^^^«o^dnungvonBundeIkreis und Mark 

Is zyklodesmisch, die der normalen Fame als diktodesmisch. ffie- 
zugich der weiteren von demselben Autor vorgeschlagenen Termini vrf 
Brebner, Ann. of bot. 1902, XVI, S. smff.) /p) 

Ataktostele s. Stele. 

Hofmeister (Allgem. Morphol. S. 559), indem er 
sagt .Das Vorkommen von Riickschlagen : Nachkommen eint Varietat be- 
kannter Abstammung, welche der Stammform ahnlich sind.* Nach DE Vres 

unterscheiden Wischen physiolo- 
f- h- u"k A. Ersterer ist der Riickschlag auf 

AuQ^er?p”^^^ bekannten, letzterer derjenige auf die systematischen Vorekern. 

dem Gebiet derVariabi- 

atav smus trennen. Im ersten Falle ist er nur eine voriibergehende 

StPrH^^r Erscheinung (z. B. das Auftreten drelzahliger 

Blatter bei Trifalmm pratcnse qtwiqucfolitwi); im zweiten fiihrt er zur Ent- 
stehung einer Rasse, welche aufierlich den betreffenden Vorfahren ahnlich 

LtbUd^un^''und''E^^ gestreifter Blumen zu einfarbigen). (Siehe auch unter 
Artbildung und Knospenvanation sowie Pangene.) Man hat ferner von Ata- 
vismen gesprochen, wenn bei Bastardkombinationen zwei Gene zusammen- 
treffen, die einzeln sich nicht manifestieren konnten, nun aber ein .Merkmal 
ergeben das von den Ahnen her bekannt ist« (= Bastardatavismus). 

(S auch unter Kryptomene.) Man sieht daraus, dafl unter A. sehr ver- 

griffen*f'^^”(P^*"^'^^ e.xakten Erblichkeitsforschung »in Auflosung be- 
Atemholile s. Spaltoffnung. - 

A- bezeichnet man die 

Mundung des Durchluftungssystems im Thallusgewebe der Marchantiaceen. (Yd 
Pig. 32 u. 33.) ''s 

Sclineider, Bot. Wdrterbuch. 2. Auflage. 


66 


Atemwurzeln — Atiiiung. 


Man unterscheidet einfache A. und tonnenfdrmige oder kanalformige A. 
Jene sind von zahlreichen, in konzentrischen Kreisen angeordneten Zellen be- 
grenzt, welche einen flacben Hohlkegel bilden [FegateUd]\ bei diesen ist die 
OfFnung tonnenfdrmig tind 
wird von iibereinander- 
stehendeii Zellringen be- 
grenzt, deren unterster 
(SchlieBring oder 
» anneau obturateur « [M i r - 
bei]) in manchen Fallen 
bei wechselndem Turgor 
die Offnungsweite zu regu- 
lieren vermag [Fimhriaria^ 

FIagiochas??ia], Die bei 
Fegatella conica unmittel- 
bar in die Atemdffnung 
hineinragenden, schnabel- 32 - Atemoffnimg von FcgaUlia arnica^ Quersclmittansicht. 

formigvorgezogeneiiZellen 
werden von Kammerling (Flora 1897, Erg.Bd. 

S. 46) als Schnabel- oder Verdunstiings- 
zellen bezeichnet. (Z.) 

Atemwurzeln (Pneumatophoren). Bei 
tropischea Sumpf- und Mangrovepflanzen 
auftretende, senkrecht aus dem Schlamm 
emporwachsendeoderkaieformigeWurzeln, 
deren Hauptaufgabe die Versorgung der 
im sauerstoffarmenSchlammevegetierenden 
Teile der Pflanze mit den flir die Atmung 
notigen Sauers tofFmengen ist. Sie sind 
negativ geotropisch und besitzen ein reich 
entwickeltes Durchliiftungsgewebe (siehe 
Aerenchym) mit verschieden gebauten Aus- 

fiilirungSgangen (s. Pneumathoden). (jP.) 33 - Atemoffnung von Marchantia 

. , •• X- T. *14, . , polymorplia\ oben Quersclmittansicht, 

Atemzaptcnen. Als A. bezeichnet unten innere Flachenansidit, so dab der 
Haberlanbt (S. 400) von Kuhn naher unter- SchlieBring zu oberst liegt, 

suchte, von Goebel im Leben beobachtete 

borsten- oder pfriemenformige Organe, welche an den sonst von einer 2 — 3 mm 
hohen Schleimschicht uberzogenen jungen Blattern eines javanesischen Schleim- 
farnes [Ne;phrodhmi stipellatim Hk.) uber den Schleim emporragen. Sie bestehen 
aus einem schwammigen, interzellularreichen Gewebe und zahlreichen Spalt- 
dffnungen. Dieser Bau sowie die Tatsache, daB das gesamte librige Blatt von 
Schleim tiberzogen ist, sprechen dafiir, daB diese A. als Atemorgane fungieren. 
Vgl. Kuhn, Flora 1889, S. 485. (Z.) 

Atmung. Unter A. oder Respiration pflegt man gemeinhin die Form 
des Betriebsstofifwechsels zu verstehen, bei welcher Sauerstoff aus der Atmo- 
sphare aufgenomnien (eingeatmet) und Kohlendioxyd und Wasser aus^^e- 
schieden (aiisgeatmet) wird. Dieser ProzeB der »physiologischen Verbren- 
nung«, welcher an die An wesenheit von freiem Sauerstoff gebunden ist, geht 
im pflanzlichen und tierischen Organismus in prinzipiell gleicher Weise vor sich. 





Atmuug. 


67 


Im weitesten Sinne kann man mit Pfeffer (II, 52 iff.) alle Formeii des 
Betriebsstoffwechsels, d. h. alle Prozesse, die auf Gewinn von Betriebs- 
energie abzielen, als Atmungsprozesse bezeichnen. Barnes (Bot. Soc. of 
Americ. Publ. 26, zit nach Czapek) fuhrte fur Atmung in diesem erweiterten 
Sinne den Terminus Energesis ein. Es empfiehlt sich, bei der Mannig- 
faltigkeit der in Betracht kommenden Vorgange verschiedene Formen der 
Atmung auseinanderzuhalten. 

1. aerobe Atmung (= Luft- oder Sauers toffatmung) oder Atmung im 
engeren Sinne, charakterisiert durch die Aiifnahme von molekularem 0 und Aus- 
scheidung der Endprodukte der physiologischen Verbrennung: Kohlendioxyd und 
Wasser. (Neiie Lit bei Czapek in Erg. d. Ph. IX, 1910, S. 587.) 

2. unterbrochene A.nenntEuLER (L Aufl., S. 159) die fiir Sukkulente charakte- 
ristische A., bei welcher Kohlenhydrate z. T, nur bis zu organischen Sauren 
oxydiert warden, die sich im Organismus anhaufen, aber im Bedarfsfalie bis zu 
CO2 und H2O welter oxydiert werden konnen. 

3. intramolekulare A. (Ppluger); trotz Sauerstoffentzug fabrt der Organis- 
mus fort CO2 zu prodnzieren, das nicht einer physiologischen Verbrennung, son- 
dern einer Spaltung organischer Substanzen ihren Ursprung verdankt. (Spaltungs- 
atmung); neben anderen Stoffen entsteht tiberdies regelmajBig AlkohoL (Neuere 
Lit bei E. J. Lesser in Erg. d. Ph. VIII, 1909, S. 742.) 

4. anaerobe A. laBt sich von der intram olekularen A. nicht absondern. 
Viele Mikroorganismen sind einem Leben ohne O angepaBt (Siehe unter aerob.) 
Lit. bei Lesser a. a. O. 

5. Garungsatmung s. unter Garung. 

Die beim AtmungsprozeB der Oxydation bzw. Spaltung imterliegenden 
Stoffe werden als Atmungs- bzw. Garungstnaterial, die neu gebildeten 
Substanzen als Atmungs-(GarungsprodukteJ bezeichnet Der Atmungs- 
prozeB wird nach der herrschenden Auffassung auf die Tatigkeit von En- 
zymen (Atmungsenzyme oder -fermente) zuruckgefiihrt Ausgehend von 
der Beobachtung, dafi ganz allgemein durch Oxydase wirkung Pigmente 
(Farbstoffe) entstehen, die wieder zu farblosem Chromogen reduziert werden 
konnen, hat Palladin die Vorstellung gewoniien, daB bei der A. der Sauer- 
stoff auf das farblose Chromogen libertragen und von diesem wieder auf 
andere Zellsubstanzen abgegeben wird. Diese im Dienste der A. stehenden 
Pigmente (Atmungspigmente), zu denen P. auch die Anthokyane und 
Karotene rechnet, werden von P. als Atmungspigmente (bzw. -chromogene) 
bezeichnet (= Phytohamatine nach CZAPEIC in Erg. d. Ph. IX, 1910, S. 613). 
Der Zellsaft der Pflanzen kann nach dieser Anschauimg mit dem Blute 
(speziell dem farblosem Blute der Wirbellosen) vei'glichen werden, da er die 
O-iibertragenden Chromogene enthalt (Pflanzenblut). (S. hieriiber Palla- 
din, B. D. B. G. 1908 u. 1909 u. Bioch. Z. Bd. 18, 1909.) — Vgl. unter 
Anthokyan. 

Pflanzenorgane konnen auch postmortal CO2 produzieren, ein Vorgang, den 
Grafe (S. Ak. Wien CXIV, 1905) nach Wiesner als tote Oxydation bezeichnet 
Batelli und Stern (Bioch. Z. XXI, 1909) haben auch im tierischen Organismus 
eine postmortale 0 ~Aufnahme und C02“Produktion beobachtet und sie als ak- 
zessorische A. der normalen Hauptatmung gegeniibergestellt (Zit, nach 
Czapek a. a. 0 .) 

Oxydationen, die nicht im Dienste des Betriebsstoffwechsels stehen, bezeichnet 

5* 




68 


Atmungschromogene — Augenfleck. 


CzAPEK im AnscUuB an Detmer (vgl. Phys. d. Keimungsproz. 1880, S. 223) als 
Vinkulationsatmung. Detmer selbst charakterisiert den von ihm V. genannten 
Prozefi als unvollstandige Oxydation von Kohlehydraten , wobei die oxydierte 
“Substanz im Organismus verbleibt, so daS die Pflanzenteile eine Gewichtsznnnhme 
erfahren. — S. auch unter Aerobic u. Garung. (Z.) 

Atmungschromogene, -enzyme, -fermente, -pigmente siehe 
Atmung. 

Atmiingsfiguren. Werden bewegliche Bakterien unter ein Deckglas ge- 
bracht, so sammeln sie sich ihrem Sauerstoffbediirfnis entsprechend in ver- 
schiedenen Zonen des Praparates an. Die charakteristischen VerteilungsfigUren 
warden von Bejerinck A. genannt. (Centralbl. f. Bakt. XIV, 1893.) (Z.) 

AtmungskoSffizient (Respirationskoeffizient) nennt man das Verhalt- 
nis des beim AtmungsprozeB ausgeschiedenen Kohlendioxyds zum aufgc- 

nommenen SauerstofF • Er schwankt in der Regel um den theoretisch 

bei Veratmung von Kohlehydraten zu erwartenden Wert 1 ; der Quotient 
kann jedoch z. B. bei der Keimung fetthaltiger Samen auch <; i werden 
Oder selbst bis auf Null sinken wie bei der Bildung organischer Sauren als 
Atmungsprodukte. Andererseits wird er > i bei Bildung von fettem 01 aus 
Kohlehydraten in reifenden Samen. Der Wert hangt somit sowohl vom 
Atmungsmaterial als auch von den Atmungsprodukten ab. (Vgl. unter At- 
mung.) (Z.) 

atrope Samenanlage s. d. 

Atrophie s. Nekrobiose. 

atrophische Stoflfe s. Baustoffe. 

Atrophyten s. Ernahrungstypen, Anm. 

Atrygie (Ludwig. S. 462) = Adynamandrie. 

Attraktionssphare s. Astrophare. 

atypische Kernteilungen s. Karyokinese. 

Auenwald s. Wald. 


Aufe^tehungspflanzen nennt man verschiedene Pflanzen, welche nach 
erfolgtem Emtrocknen bei Benetzung infolge Quellung und hygroskopischer Be- 
wegungen zu neuem Leben zu erwachen scheinen [Anastatua] oder tatsachlich 
mvachen wie es bei Selaginella kpidophylla der Fall ist, welche ihre Lehens- 
fahigkeit im trockenen Zustand durch Jahre erhalt. (Z.) 

systt^s^Td”^^^^^^^^' Saugschuppen s. d.; 2. des Assimilation.s- 


Aufzellen des Epiblems siehe Wurzelhaut. 

Auge = Edelauge, s. Veredelung. 

Stigma nennt man die bei verschiedenen niederen 
ganismen beobachteten, rotlich oder braunlich gefarbten Korper die gc^ren 
as Zytoplasma stete scharf abgegrenal sind und ein besondcra Organ der 

^ ^Gstalt 1st im allgememen eine schcibenformif/f* 

e« “V“:“bTd“e t 

vbliige Klarheit. docb is. sich gegen.ad? dtbt S dLCtS't 




Aurantium — Ausnalimstyp en. 


69 

wenigstens als Hilfsapparate ia den Dieast der Lichtwahraehmuiig’ cinlie- 
zogen werden. Vgl. pRANCfi, Lichtsinnesorgane der Algen, 1908^ S. 41 ff. 

Neuestens deutet Rothert die Stigmata als Spezialfall der Chromoplastea. 
(B. D. B. G. 1914, S. 91.) (Z.) 

Aurantium (lat Orange) (De Candolle, zwisclien 1813 und 1819} = 
Hesperidium, s. Polykarpium. 

Aurigo (Sorauer) s. Gelbsprenkelung. 

ausdaueimde Stauden = perenne Stauden, s. d. 

Ausklingen (oder Abklingen) pflegt man in der Reizphysiologie das all- 
mahliche Erloschen einer Reizwirkung oder Erregung nach Aufhdren dcs 
Reizes bei Konstanz der Bedingungeii zu bezeichnen. (Z.) 

Auslaufer (Stolonen) nennt man verlangerte Seitenzweigc (Vcrmeh- 
rungssprosse), welche in einiger Entfernung von der Miitterpflanze sich bc- 
wurzeln und durch Absterben des dazwischenliegenden Stiickes neue ladivl- 
duen bilden. Sie sind teils ober-, teils unterirdisch , trag'en bald rcduziertc 
Blatter (Sola?2icm ittberosim^ Convallaria majalis)^ bald Laubblatter {Hicra-^ 
cium pilosella^ F^'agaria vesca). Bei einer Reihe von Pflanzen zeigen die 
A. viele Beziehungen zu den Bliitenstanden; dann koanea die A. diii'ch 
sekundare Umbildung aiis den Blutenstanden hervorgehea, dadurch daB 
letztere eine Horizontallage einnehmen und an deii Stengelkaoten wurzela 
[Jimcus stipimtSj Elisma natans^ Chlorophytiim comosim). [G.) 

Auslaufer bei Hepaticae s. vegetative Vermehrung der H. 

Auslese s. Elimination. 

Auslosung: Wahrend Ostwald (Ber. Sachs. Ges. d. Wiss. 1894, S. 338) 
nur bei»Neuschaffung« einer Reaktion von A.redet und die »Beschleunigung€n<^ 
in chemischen Reaktionen als katalytische Erscheinimgea bezeichnet, wendet 
Pfeffer, (I, 9 ff.) den Ausdruck A. ia generellem Sinne an. Er bczcichnct 
als Auslosungsvorgange alle Vorgange, die im Orgaaismus benutzt wcrdcn, 
um Aktionen einzuleiten, zu beschleunigen oder in neue Bahnen zu lenkcn 
und so die dem Organismus unerlaBliche Regulation zu erreichen. 

Charakteristisch ftir den Auslosungsvorgang ist die Disproportionalitat 
zwischen der Qualitat und Intensitat des bewirkenden Faktors und des er- 
zielten EfFektes; dieser ist mit anderen Worten bedingt durch die > boson- 
dere Verkettung der AngrifFspunkte unter sich und mit dem Ganzea*: 
(Pfeffer) und durch den jeweils disponiblen Energievorrat. Ks wird somit 
durch den auslosenden Faktor nicht unmittelbar Energie fiir die Aktion ge- 
lieferf, vielmehr nur die im System gegebene Energie zur Leistung einer 
Arbeit freigemacht. 

Alle Vorgange des physiologischen Geschehens, welchc den Charakter von 
Auslosungen tragen, konnen mit PFEFFER ohne Riicksicht auf den jeweils 
ausgelosten Effekt als Reizvorgange bezcichnet werden. VgL unter liciz- 
vorgange u. Katalyse. (Z.) 

AuslSsungsx'eize s. formative Reize. 

Ausnahmstypen: Von A. spricht GAEznmR bei Bastarden in solchen 


9 ^Die Art mid Weise des Auftretensj der Variation us w. des Aug^enfleckeKS beKeiclinet man 
als Stigmatisierung, (iT.) 


70 


Aussaungseinriclituiigen — Ausstreuvorriclitungeii. 



Fallen, wenn der eine Typus in der Mehrzahl der Individuen, der andere ni 
sehr selten vertreten ist {T.) 

Aussaungseinrichtungen s. Ausstreuvorrichtungen. 

Aiisschtitten des Laubes nennt Treub die eigentiimHche Knosper 
entwicklung gewisser Baume des javanischen Regenwaldes [Brownea^ An 
herstia u. a.), die im Gegensatz zu unseren Baumen etappenweise vor sic 
geht Ein ganzer LaubsproB entwickelt sich fast vollstandig innerhalb d( 
machtig heranwachsenden Knospen ; nach dem Abfallen derTegmente hange 
die bleichen Blatter dicht gedrangt anscheiiiend schlaflf herab, wie aus dc 
Knospe »ausgeschuttet« und richten sich erst allmahlich auf, nachdem ix 
Schutze der altereii Blatter die Chlorophyllbildung vor sich gegangen is 
(Vgl. CzAPEK, S. Ak. Wien, 1909.) {B) 

Aufienhaut siehe Mittellamelle. 

Aufienholz (Warburg) = periaxiales Holz. 

Aufienhiille = Excipuium, s. Asci. 

Aufienkelch: Als A. bezeichnet man Blattbildungen, welche auBerhalt 
des Kelches dicht unter diesem gleichsam einen auBersten Kreis der Bliiten 
hiille vorstellen; es sind dies entweder die paarweise verwachsenen Neben- 
blatter der Kelchblatter (z. B. die kleinen Blattchen zwischen den Kelch- 
hMtGrnhdPotejitz/la] oderHochb latter, welche nahe an denKelch hinaufgeriicki 
sind (z. B, Malvaceeii). (Nach Prantl-Pax.) S. auch Involucrum. 

Aufienmerkmal s. Merkmal 


Aiifieiiplasma s. extramembranoses Plasma. 

Aufienrinde: Von Moeller werden in seiner Anatomic der Baum- 
rinden [1882) die Begriffe AuBenrinde, Mittelrinde und Imienrinde in rein 
deskriptivem Sinne angewendet, indem er als AuBenrinde alle jene phello- 
genen Zellschichten bezeichnet, welche verkorken. Die Mittelrinde un> 
faBt die primare Rinde mit EinschluB der primaren Phloeme und der nicht 
verkorkten, phellogenen Gewebe (Phelloderm). Der Umfang des Begriffes 
Innenrinde deckt sich mit jenem der sekundaren Rinde, 

Die Pharmakognosie unterscheidet zwischen AuBen-, Mittel- und 
Innenrinde. Letztere ist die sekundare Rinde, unter Mittelrinde wird das 
kmdenparenchym oder die primare Rinde verstanden. A. ist die Epidermis 
Oder der kork, der die Bedeckung der Droge bildet. Durch Borkebildimrr 
1st an vielen Rinden die Mittelrinde abgeworfen. (Nach Prantl-Pax^ 
0. auch GeiaObiindelverlauf.) (A) 

aufienM^endige Samenanlage s. d. 

Austauschhyphen s. Mykorrhiza. 
mxstrales Florenreich, Australis s. Florenreiche. 
Ausstreuvorrichtungen: Unter A. versteht Vogler (Flora, Bd 80 
33 , 1901) alle diejenigen Einrichtungen zur Verbreitung der Fruchte und 

dean's dtr." idA«,schta?c™^: 

nnl. V K Spannungsanderungen, wie bei Papilionaceen, J/zola usw.f; 
unter Verbre.tungsmittel dagegen diejenigen, die den »passiven ™ns- 

der PfSnze^lieaende^ Passer oder andere auflerhalb^ 

Haar ermoglichen oder erleichtern (z. B. also^ 

Haar- und Flugelbildungen fiir den Wind, Hakeleinrichtung fiir Tiertrans-i 



Aiitaesthesie — autoezische UrecUiieen. 


71 


port usw.). Beiderlei Einrichtungen sind haufig kombiniert Vgl. Verbrei- 
tungsagenzien. 

Aiitaesthesie s. Aesthesie. 

Autatrygie (Ludwig) = Adynamandrie. 

auto- (= selbst) in Zusammensetzung mit anderen, ein physiologisches 
Geschehen determinierenden Bezeichnungen bedeutet (Roux, Der Kampf der 
Teile im Organismus, 1881, S. 226; Ges. Abh. liber Entwicklungsmech. 
405; II, 78), daO die die spezifische Art des Geschehens »bestimmenden<K 
Faktoren in dem betrefFenden Gebilde selber gelegen sind, wahrend die 
:>ausl6senden« oder sonstigen »realisierenden« sowie die das typiscbe Ge- 
schehen »alterierenden« Faktoren von auflen zugefiihrt werden konnen, z. B. 
Autoenergien (== Selbstleistungen), Autodifferentiatio (= Selbstdifferenzierung), 
Autotropismus (s, Tropismus), Autonastie (s. Nastie) usw. (L.) 

Autoagglutination s. Agglutinine. 

Auto-Allogamie (Errera et Gevaert 1878] -s. Heteromesogamie. 

Autobasidien (Brefeld) s. Basidien. 

Autoblast: Wahrend WiESNER (Elementarstruktur 1892, S. 78) die 
niedersten pflanzlichen Organismen (Schizophyten) als Kolonien von Plasomen 
betrachtet, stellt Altmann (Elementarorganismen S. 132) dieselben (die 
»Mikroorganismen«) als Bioblasten (s. d.) selbst hin und bezeichnet sie als 
Autoblasten, im Gegensatz zu den kolonienweise in den Zellen ver- 
bunden auftretenden Zytoblasten, Wiesner fiigt in Anmerkung noch 
hinzu, daO der Ausdruck Zytoblast von SCHLEIDEN fur den Zcllkern ange- 
wendet wurde, in diesem Sinne aber vollig aiiBer Gebrauch gekommen sei. ( 7 '.) 

autochor (Kirchner, S. 36) sind solche Verbreitungseinheiten, deren 
Transport durch Eigenbewegungen erfolgt. 

Autochorismus s. Laubfall 

AutodilFei'ential = Selbstdifferenzierung s. Entwicklungsmechanik. 

autoezische Musci s. paroezisch. , 

autoezische Parasiten s. Parasitismus. 

autoezische Uredineen sind solche, deren Generationswechsel sich 
auf »einer« Pflanzenart vollzieht z. B. Uromyccs beiae^ Puccinia asparagi\ 
bei den heteroezischen Arten findct dagegen ein Wirtswechsel der Para- 
siten statt, so entwickelt z. B. Puccinia grainiuis (Getreiderost) Urcclo- und 
Teleutosporen auf dem Getreide, die Pyknlden und Aecidien dagegen auf 
Berberis vidgaris (nach DiETEL in E. P. 1 . S. 33}. 

Bei den etwa 150 heterozischen Arten von Uredineen zeigen sich nach 
Fischer (Mitteil. Naturf. Ges. Bern, 1904, S. 5) folgende Eigen ttimlichkeiten: 

1. Der Wirtswechsel ist streng obligat; es gelang noch nicht, eine Art dazu 
zLi bringen, ihren ganzen Entwicklungsgang auf nur einer ihrer zwei Niihrpflanzen 
zu vollziehen. 

2. Die beiden Wirte stehen im botanischen System stets weit voneinander. 

3. Jede Generation ist in der Wahl ihrer Nahrpflanzen auf eine oder wenige 
nahe verwandte Arten beschrankt [Cronartimn asclepiadtmi bildet eine Ausnahme.) 

4. Die heteroezischen Uredineen bilden nach ihren morphologiscben Charak- 
teren nicht eine Gruppe ftir sich, sondern sie haben ihre Verwandten sehr oft 
unter den nicht wirtswechselnden Arten. Daher mtiB man sich phylogenetisch 



72 


Auto gamie — autono m. 


die Heteroezie in verschiedenen Artengruppen und Gattungen unabhangig ent- 
standen denken. 

Heteroezie parasitischer Pilze ist bis auf eine Ausnahme, Sclei^otinia heteroica 
(Askomyzet), auf die Uredineen beschrankt. [F.) 

Autogamie s. Bestaubung. 

Axitogamie der Flagellaten (nach Lemmermann, S. 282): Den Uber- 
gang zur geschlechtlichen Fortpflanzung bildet die von Prowazek beobach- 
tete Autogamie. Die Zelle verliert z. B. bei Bodo die GeiBeln, rundet 
sich ab und umgibt sich mit einer gailertartigen Membran. Der Kern 
(Trophonukleus) vergroBert sich und scheidet an seiner Peripherie Sub- 
stanzen in Tropfenform aus, die miteinander verschmelzen und den soge- 
nannten Geschlechtskern bilden, wahrend der urspriingliche Kern langsam 
degeneriert. Der erstere teilt sich amitotisch in 2, jeder teilt sich nochmals, 
und von den entstandenen 4 Kernen teilen sich wieder 2 , so daB nunmehr 
6 Kerne vorhanden sind. Zwei von ihnen vergroBern sich und verschmelzen 
zu einem Frischkern (Synkaryon). {IQ 

autogen s. autonom. 

Aiitogenese (Plate) s. Orthogenesis. 

autogenetisch (Koernicre, Verh. Bonn. Bd. 47. Corr.-Bl. 84. 1890], 
S. Endogamie. 

Autokarpie s. Bestaubung. 

Autokatalyse s. Katalyse, 

Autokolonien (vgl G. S. West, A treatise on the Brit. Freshwater 
Alg. 1904, S. 25, 212) s. Autosporen. ( 5 z^.) 

Autolyse gleichbedeutend mit dem alteren Terminus Autodigestion 
(Salkowsky, Z. f. klin. Med. Bd. XVII, Suppl. 1891) bezeichnet allgemein 
samtliche fermentativen Organveranderungen, wird aber von manchen Autoren 
spez. auf die EiweiBspaltung durch Organenzyme beschrankt (Jakoby, Z. f. 
phys. Chem. Bd. 30, 1900, S. 14911.) (Z.) 

Autolysine, wenig bekannte Stoffe^ welche in alten Bakterienkulturen 
auftreten und Losungserscheinungen an Bakterienzellen bedingen. Vielleicht 
handelt es sich um Nukleoproteide losende Enzyme, um Nukleasen. 
(R. Emmerich und 0 . Loew, Ztschr. Hyg. 36, 1901, S. 9. Lit b. Czapek, 
Biochemie I, 86.) (L.) 

Automixis s. Amphimixis. 

Automorphose (Pfeffer, I, S. 21) = Eigengestaltung, d. h. die 
G.estaltung, welche aiis inneren Ursachen (historischen oder ererbten 
Potenzen, spezifischem Bildungstrieb) angestrebt wird. Die formativen 
(morphogenen) Vorgange werden jedoch auch stets von den auBeren Be- 
dingungskonstellationenbeeinfluBt(Aitiomorphosen), so daB jede besondere 
Form das Ergebnis aus dem Zusamrhenwirken von Auto- und Aitiomorphosen 
darstellt Jede individuelle Standortsform ist nach Pfeffer der Ausdruck 
eines aitiomorphotischen Erfolges. Vgl. unter Morphose. (Z.) 

Autonastie s. unter Nastie. 

autonom == autogen (Pfeffer) == spontan (Wiesner) bezeichnet 
man solche Vorgange des StofFwechsels, der Gestaltung oder Bewegung, 
welche durch die Eigentatigkeit des Organismus vollzogen werden. Ihnen 


aiitonome Si^rosse — aatotropie Pflanzen. 


73 


stehen die aitionomen = aitiogene n (Pfeffer) (== pro voziert = iiidu- 
ziert=rezeptiv==paratonisch [Sachs, Wiesner]) Vorgange gegeniiber, 
welche durch auBerhalb des Organismus gelegene Faktoren (auBere Reize) 
bestimmt werden. (i.) 

autonome Spl'osse sind nach Kirchner, S. i8 tind 35, im speziellen 
solche Sprosse, die selbstandig sich in eine fiir ihre Ernahrung gunstige Steliung 
bringen und darin erhalten, also einer Stutze nicht bediirfen, im Gegensatz 
zu den epiklinen oder sttitzbediirftigen, wie sie Klimm- und Windepflanzen be- 
sitzen. 

aiitonyktinastisch (-ti’opiscli) sind nach A. Fischer (Flora 1890, 
711) solche Pflanzen, bei denen die Schlafstellung der Blatter zur Pflanze 
fest orientiert ist, gleichviel ob die Pflanze aufrecht oder umgekehrt steht, 
Oder ob sie durch eine Rotation der einseitigen Wirkung der Schwerki'aft 
entzogen wird (z. B. Dcsmoditm gyrans^ Trifolitm pratensc). Als geonykti- 
nastisch sind dagegen Pflanzen zu bezeichnen, bei denen es einer ein- 
seitigen Wirkung der Schwerkraft bedarf, iini auf den Wechsel von Hell 
und Dunkel durch Schlafstellungen zu ant wort en (z. B. Phaseohts imdtiflorus^ 
Licpkiits alHis). VgL Nyktinastie. [L,] 

autoorthoti'op s. Autotropismus. 

Autophyten (Warming, 1896, S, 396) s. autotrophe Pflanzen. 

Autoplasie = Selbstdifferenzierung (Pfeffer, II, S. 161) vgl. Auto- 
morphose. 

Autoplasten (A. Meyer, Das Chlorophyllkorn, 1883) = Chloroplasten, 
s. Plastiden. 

autoplastisclie Transplantation s. Transplantation. 

Autoregnlation s. Regulation. 

autoskoliotrop s. Autotropismus. 

Autospoi'en: Hierunter versteht Chodat, Algues vertes de la Suisse 
1902, bei niederen, griinen Algen solche — - oft in Vierzahl entwickelte — 
Tochterzellen, die schon in der Mutterzelle ihre definitive Gestalt haben, 
so daB sie tm Moment des Entlassenwerdens die endgiiltige Form 
und andere Eigentiimlichkeiten der Mutterzelle aufvveisen (z. B. viele 
Familien der Proto coccaceae, die daher auch nianchmal Autosporaccae ge~ 
nannt werden). Sind die Autosporen im Moment des Ausschliipfens zu 
Kolonien, Coenobien oder sog. Autokolonieii vereinigt, werden sie 
Coenobiosporen genannt. (Vgl. das Ref. von Senn, in B. Z. 1902, II, 
S. 241.) (&/.) 

Autotomie = Selbstverstlimmelung, ein aus der Tierphysiologic iiber- 
nommener Terminus, der gelegentlich auch auf Fiille angewendet wird, in 
denen ein Pflanzenorgan sich spontan ablest. (S. auch unter Peridineen.) (Z.) 

autotrophe Pflanzen: Nach der Ernahrungsweise zerfallen die Pflan- 
zen (nach Kirchner, I, S. 9) in: 

1. autotrophe P. (Autophyten): chlorophyllhaltig, selbstandig lebend, 
normalerweise den ganzen Bedarf an organischer Nahrung durch Photo- 
synthese deckend. 

2. allotrophe P. (diatrophe, dichotrophe, heterotrophe P.): 
chlorophyllfrei, organische Nahrung von auBen aufnehmend, a) Holosapro- 


74 


Aiitotrophie — Auxanogramm. 


phyten, obligate FMnisbewohner, b) Holoparasiten (obligate und fakultative 
Schmarotzer oder Parasiten), s. Parasitismiis und Saprophytismus. 

3. mixotrophe P. : Nahrung gemischt, organische teils durch Photo- 
synthese erzeugt, teils anderweitig aufgenommen: a) Hemisaprophyten (Halb- 
faulnisbewohner), b) Hemiparasiten (griine Halbschmarotzer), c) symbiotropheP. 
(Nutrizismus), Ernahrung mit Hilfe von Mykorrhizen, Knollchenbakterien usw., 
d) insektivore (karnivore) P. (Vgl. unter mykotroph und Saprophytismus.) 
S. ferner Ernahrungstypen. [L.) 

Aiitotrophie der Flechten s. Syntrophie. 

Autotropismiis (Pfeffer, Die ReiziDarkeit der Pflanzen, 1893, 19, Anm.): 
Die Pflanzenorgane sind befahigt, bei Ausschaltung auBerer Richtkrafte eine 
ganz bestimmte Gleichgewichtslage anzunehmen, die dem betrefienden Organ 
spezifisch eigentiimlich ist, und in die es stets nach vorlibergehender Ab- 
lenkimg durch auBere Reize wieder zuriickzukehren strebt. Die durch diese 
»Eigenrichtung« veranlaBteri Bewegungen bezeichnet Pfeffer ganz allge- 
mein als A. Die angestrebte Gleichgewichtslage kann g*erad- oder krumm^ 
linig sein; dariiber ist durch den Terminus nichts prajudiziert. Der A. stellt 
sich in eine Reihe mit den iibrigen durch auBere Reize bedingten Tropismen 
(Aitiotr opismen) und driickt die Analogie mit den letzteren Reizvor- 
gangen aus. Wollte man nach CzAPEK noch bezeichnen, welche Organe 
vermoge ihrer Eigenrichtung geradliniges und welche krummliniges Wachs- 
tum besitzen, so konnte man von autoorthotropen und autoskolio- 
tropen Organen sprechen (CzAPEK, J. w. B. Bd. 27, 1895, S, 312). Der 
BegrifFA. in seiner heutigen Anwendung umfaBt jedenfalls verschiedenartige 
Erscheinungen und bedarf einer weiteren Klarung. 

Der BegrifF A. ist umfassender als der von Vochting (D. Beweg. d. Bliiten 
u. PTtichte, 1882, S. 31) eingefiihrte Terminus Rektipetalitat, worunter die 
Fahigkeit der aus ihrer Ruhelage gebrachten Organe verstanden wird, aus inneren 
Grunden in die urspriingliche gerade Wachstumsrichtung zuruckzukehren ; unter 
kurvipetalen Organen versteht Vochting solcbe, welche sich atis autonomen 
Ursachen krlimmen. (Z.) 

aiitoxene Parasiten s. Parasitismus. 

Autoxydation. Nach Traube (Ges, Abh. Berlin 1899) sind im leben- 
den Organismus StofFe vorhanden^ welche den Sauerstoff leicht (autoxy- 
dable StofFe) und solche wie z. B. die NahrungsstofFCj welche ihn schwer 
auFnehmen (dysoxydable StofFe). Die autoxydablen StofFe (Autoxyda- 
t ore 11) bilden leicht durch SauerstofFaufnahme Peroxyde, welche ihrerseits 
wieder imstande sind ein Atom SauerstofF an dysoxydable StofFe abzugeben, 
wodurch sie selbst in die Oxydstufe iibergehen. Die OxydationsFermente 
(Oxydasen) sind nach dieser AufFassung autoxy dable Korper, welche auf 
dem Wege liber die PeroxydForm Sauerstoff auf dysoxydable StofFe zu liber- 
tragen vermogen. (Nach J. LoEB, Dyn. d. Lebensersch. 1906, S. 34.) (Z.) 

Autiimnoxanthin s. Chloroplastenpigmente. 

Alixanogramill. Ein Kornchen Salz auf eine Agar- oder Gelatineplatte 
ubertragen diFfundiert allmahlich mit fortschreitender Losung ins Substrat. Bak- 
terien oder andere Organismen, mit denen die Platte geimpft wird, entwickeln 
sich in dieser DifFusionszone besonders lippig, wenn der StofF einen NahrstofF 


Auxese — Auxosporeii. 


75 - 


darstellt, sie bilden ein positives A. AtiBert der Stoff hingegen eine Gift* 
wirkung, so erscheint nach wenigen Tagen die Dii&usionszone leer, wahrend sicli 
die Organismen in der nichtvergifteten Zone ansammeln, es entsteht ein nega- 
tives A. (Beijerinck, M. W., >L’auxanographie etc.« Extr. des Arch. Nderland., 
t. 23, S. 367.) (Z). 

Auxese. Als A. bezeichnet Weisse (B. D. B. G. 1895, S. 385) die 
durch die Lage zum MuttersproB bedingte Forderung der Seitenorgaiie eines. 
Zweiges, speziell als Ektauxese die Forderung der an der »AuBenseite« 
eines Zweiges stehenden Organe. Entsprechend wiirde die Forderung der 
auf der »Innenseite« stehenden Organe als End auxese und der EinfluB- 
der Lage zum MuttersproB uberhaupt als He ter auxese zu bezeichnen 
sein. Vgl Trophie, sowie unter Reaktion. (Z.) 

Auxiliarzellen der Rhodophyceen s. Karpogon. 

Auxoblast (Kirchner, S. 35) ein SproB, der der Vermehrung dient. 

auxochi'om s. Chromogen. 

Auxosis s. Reaktion. 

Auxosporeii (Pfitzer, in Hansteins Bob Abh. I, 187 ij: Als A. be- 
zeichnet Peitzer den eigenartigen periodischen VerjilngungsprozeB bei den 
Bacillarien (s. d.). Hier haben bei der Zellteilung die beiden zur Mutter- 



34 ’ Auxosporenbildiing nach dein geschleclitliclien Typus: A — Z zwei Miitterzelleii 
erzeugen zwei Auxosporen, die nebeneinander lagern luid ohne sichtbare Befriichtmig atis- 
wachsen. B Cocconcina cistiUci. A zwei Mutterzellen in Gallerthiille j B die fertigen Erst- 
lingszellen der neuen Generation neben den leeren Schalen der alten Generation. — Cj B 
Navicitla firnia', C die Schalen sind abgeworfen imd die Flasmakorper ausgetretenj I) Auxo- 
sporen im Perizonium vor Ausscheidung neuer Schalen (650/1). — E Van Hcurckia (FrusfiiHa) 
rhomboides: die beiden zusammengehorigen Auxosporen im Perizonium nach Ausscheidung der 
primaren Schalen. Danebea die alten abgeworfenen Schalen. —■ E Gomphomma oHvaceiCfn : 

Auxosporenbildung auf Gallertstiel. (A, B, F nach' W. Smith; C — E nach Pfitzer.) 





^ auxotonisclie Bewegungen— Axillarbliite. 

zelle gehorigen Schalea ungleichen Querschnitt; die zum inneren Gurtelbanc 
gehorige ist kleiner als die andere. Bei jeder Teilung wird erne gleich polK 
und eine kleinere Zelle erzeugt, die beiden neuen Schalen waren aber imiei* 
balb der alten Giirtelbander gebildet, sie sind also noch kleiner, und be 
fortgesetzter Teilung werden immer kleinere erzeugt, bis ein^ Mmdestma . 
^rreicht ist. Dann tritt statt der Zellteilung die A. ein. Hier sind zwe 
Grundtypen zu unterscheiden, i. ungeschlechtliche A. ohne Befruchtung 
(z. B. Mclosira, Chaetoceras und Diatomeae centricae]. Der Panzer offnet sicb 
ina mittleren Querschnitt meist durch Auseinanderweichen der Giirtelbander 
■das Plasma tritt ganz oder teilweise als Blase aus der alten Schale aus unc 
umgibt sich mit einer feinen, kieselhaltigen, zusammenhangenden Haul 
(Sporenhaut, Kieselscheide oder Perizonium). Die von ihr urn- 
schlossene Zelle ist die Auxospore, die sofort wieder in Teilung ubergeht 
2. geschlechtliche A. (vgl. Fig. 34). Hier treten zwei Individuen zum Ver- 
jlingungsprozeB zusammen, der sich vielfach im Innern einer Gallerthiille 
vollzieht. Die zwei Individuen legen sich nebeneinander. Der Zellkern jedes 
Individuums teilt sich unter Reduktionsteilung in je vier Tochterkerne, 
von denen zwei stark reduziert werden. Der Kernteilung folgt bald eine 
Zweiteilung der ganzen Plasmamasse, wobei jedes Individuum in zwei zwei- 
keiiiige Gameten mit je einem GroBkern und einem Kleinkern zerlegt wird. 
Nun kopulieren die zwei Gameten der beiden Mutterzellen paarweise niit- 
einander zu Auxosporen, wobei die beiden GroBkerne verschmelzen, die 
beiden Kleinkerne dagegen zugrunde gehen. Die durch Reduktionsteilung 
■entstandenen Gametenkerne sind haploid. Der Verschmelzungskern des 
neuen Individuums wird also wieder diploid. Bei anderen Bacillarien kann 
<ier Vorgang etwas verschiedenartig sein. ( 5 z^.) 

aTixotonische Bewegungen s. allasotonische Bewegungen. 

ave s. Kaprifikation. 

avunkulare Kreuzungen s. Bastard u. ungepaarte Eigenschaften. 

Axe s. SproB. 

axenbiirtige Samenknospen s. Gynoeceum. 

axiales Holz. Fur die innersten Jahresringe des sekundaren Holzes, 
welche durch sehr englumige GefaBe ausgezeichnet sind, schlagt Stkas- 
BURGER (Leitungsbahnen S. 197) die Bezeichnung a. H. vor im Gegensatz zum 
periaxialen Holz, worunter er das lockerer gebaute, spatere Sekundar- 
holz versteht. Warburg (B. Z. 1883, S. 621) nennt ersteres Zentralholz, 
letzteres AuBenholz, RoBiNSON (B. Z. 1889, S. 650) Ringholz und Zacken- 
holz. (P.) 

axil == in der Organachse gelegen. 

axiler Strang s. GefaBbiindelverlauf. 

axillare Sprosse s. SproB. 

Axillarbliite. Im Gegensatz zur Terminalblute (Endbliite) eine Bliite, 
die in der Achsel eines Blattes zur Anlage gelangt. Letzteres, ihr Tragblatt, 
braucht nicht zu weiterer Entwicklung zu gelangen, kann vielmehr in be- 
liebig jungem Stadium stehen bleiben und ist dann an der Basis des ent- 
wickelten Bliitenstieles nicht mehr nachzuweisen (viele Kruziferen). Die durch 
Konkauleszenz (s. d.) wie durch Rekauleszenz (s. d.) verschobenen Bliiten sind 



axiodroni — Bacillarien. 


77 


trotz ihrer »extraaxillaren« Stellung als A. zu betrachten. Die extremste 
Form der A. ist die typisch vorblattlose A,, bei welcher die Vorblatter in 
den Kelch eingetreten sind, wie bei manchen Botivardia-Ari^n (Rubiac.j^ 
meist bei Geniiana asclepiadea L., G. austriaca A. u. J. Kern. u. a. Die 
Bestimmung derartiger Falle stoBt praktisch indessen oft aiif groI 3 e Schwierig- 
keiten. Nach der iiblichen Terminologie, die man wohl am besten beibe- 
halt, bezeichnet man Bliiten als A., bei welchen aufierhalb des Perianths 
hochstens zwei Blatter, namlich die Vorblatter, vorhanden bzw. zu erganzen 
sind. In alien anderen Fallen wird man von Endbliiten eines 3- oder 4- 
blatterigen bzw. armblatterigen Zweiges reden. ( W) 
axiodi'om s. Blattnervatur. 

Azygosporen s. Befruchtungstypen der Pilze. 
azyklisch s. Bliite. 


B. 


Bacca (Linne, Phil, bot 1751, S. 53) s. Monokarpium, Polykarpium und 
Fruchtformen. 

Bacillarien (Baciliariaceae). Der Bau der Zellen der als Bacillariaceen 
Oder Diatomeen bezeichneten Kieselalgen ist ein ebenso interessanter, wie kompli- 
zierter, so daB zu seiner Schilderung eine Menge Fachausdrucke geschaffen wurden, 
die wir unter diesem Stick wort zusammenfassen wollen. 

Wir folgen dabei den Angaben von Schutt (E. P. I. i b, 

37 . o , 

Die Membran der Zelle 1 st em aus mehreren Stiicken 
zusammengesetzter Panzer, der aus einer organischen 
Gnmdsubstanz besteht und meist durch Einlagerungen 
von Kieselsaure starr und unvervveslich geworden ist®). 

Der Panzer (Frustel, Theca) bildet ein festes Ge- 
hause, das aus zwei Stiicken besteht, die nach Art der 
Pillenscbachteln mit den Randern iibereinander geschoben 
sind und in dieser Richtung dauernd verschiebbar bleiben 
(Fig. 35«). Jede der beiden Schalen, deren kleinere 
man als Hypotheca oder Bodenschale und deren 
grdfiere man als Epitheca (Deck els chale) bezeichnet, 
besteht aus zwei oder mehr Panzerplatten. Die eine, 
das Giirtelb and (Pleura), ist ringfdrmig gebogen und 
die beiden iibereinander geschobenen Gtirtelbander (das 
groBere, zur 'Epitheca gehorige nennt O. Muller Epi- 
pleura, das kleinere der Hypotheca Hypopleura) 
bilden eine offene Rohre, die durch zwei VerschluB- 
platten, die S chale n (Valv a e) geschlossen wird. (Die 
groBere zur Epitheca gehorige Schale nennt O. Muller 
Epivalva, die kleinere zur Hypotheca gehorige Hypovalva.) ^ Jede Schale 
ist fest mit dem ihr zugehorigen Giirtelbande verbunden. Meist ist die Schale 

1) Es sei aber ausdriicklicH noch aiif die bier nicbt aaber bertlcksichtigte Arbeit O. Mullers, 

in B. D, B. G. 1895, S. 222, bingewiesen. tt j t.* i 

2) S. hierliber 0 . Richter, D. Ak. Wien, Bd. 84, 1909 u. Intern. Rev. d. ges. Hydrobiol. u. 

Hydrogr., Bd. 11 , 1911. (Zl) 



Fig. 35. NavicuJa (vergr. 
und scbematisiert) : a von 
der Giirtelseite; die beiden 
lib ereinandergreifenden 
Scbalen (Valvae) sind sicbt- 
bar; s von der Scbalen- 
seite. (Nacb Prantl.) 



78 


Bacillarien. 


am Rande zu einem kurzen, gurtelbandahnlichen Ringe umgebogen, Dieser 
Ringtail ist der Schalenmantel, die VerschluMache der Schalendeckel. 
■Zwischen Schale und Gurtelband sind haufig noch akzessorische Flatten ein- 
geschoben, die mit beiden fest verbunden sind. Diese Flatten, die Zwischen- 
bander (Copulae, vgl. Fig. 36) (bier wieder nach MOller analog den obigen 
.zu unterscheiden Epi- oder Hypocopula), sind entweder nach Art der Giirtel- 
baiider als geschlossene Ringe ausgebildet und erscheinen dann wie sekunddre 




Fig. 36- Zwischenb finder (Copulae) itnd Quersepten Ton Diatomeen; A Rhabdonema 

einzel’Je'i Flatten aufgelost: Sehalen, Zwischenbfinder mit 
Quemeptea, Gurtelbander. — B Graimuafofhora serpentina-, gefenstertes, welliges Sen turn in 
7 / balbe Zelle im^schnitt and GaS^- '^ScLe 

Zwiscbenband mit durcbbrochenem Septum, Gflrtelband (Falzeinrichtung). — JD keilartiEres’ 
rmgfomug offenes Zwischenb^d mit Eckseptum von Tetracyclus lamsiHs. - E J/SSS 
styltfcnms mit scbuppenartigen Zwisebenbfindern. ~ Climacosphenia monUigerZ ^ f 

C5 I Fangsscluiitt durcb erne Ecke der Membran, die Verfalzung zeigend: G mebrfenstriees 

Septum des der Scbale augewandten Zwischenbaades ; ^ dasselbe, sebifales Endr 

Smith; C— .S' nach O. Mollee.) 


Gih'telbander, oder sie smd offen und bilden dann auch Ringe, oder sie keilen 
Mch seithch aus und bilden dann keinen geschlossenen Ring, sondern einen offenen 
ei Oder Schuppe, die erst mit Nachbarschuppen vereint, den Ring schlieUt 
(Panzer der ersten Gruppe bilden Ringpanzer, die der letzten Schuppen- 
panzer) (vg l. Fig. 36^). Haufig haben auch die Zwischenbander einen senkrecht 

Bezeiclimmg von O. Muller, in B. B. B. G. 1886, S. 306. 


Bacill alien. 


79 


zm Gurtelbandachse umbiegenden Teil^ das Septum. Das Septum bildet eine 
Zwischenwand im Zellraum und teilt diesen in mehrere Kammern. Diese 
Zwischenwande sind durch ein oder mehrere Ldcher (Fensterj durchbrociien 
(Fig. 366^), durch die das Plasma der verschiedenen Kammern miteinander in 


Verbmdung steht < — Die Septen 
der Zwischenbander sind Quer- 
septen, sie schneiden die Zentral- 
oder Gurtelbandachse meist senk- 
recht. Die Quersepten setzen sich 
entweder an der ganzen Peripherie 
des Zwischenbandes an oder nur 
einseitig (Eck septen). Hauhg hat 
auch die Scliale Septen, d, h. ins 
Innere vorspringende Membranver- 
dickungen inBalken- oder Wan dform. 
Diese Septen laufen meist parallel 
der Zentral- und Transversalachse 
und sind von ersteren als Trans- 
versalseptenzu unterscheiden . — 
Die Verbindung von Schale mit 
GUrtelband und von Zwischenbarid 
mit Schale und GUrtelband und von 
Zwischenband mit Zwischenband 
wird durch eigentumlich geformte, 
ubereinander greifende F al z f 1 a c h e n 
vennittelt (Fig. 36 C). 

Die Panzerplatten, namentlich die 
Schalen, zeigen mannigfache, bei 
schwiicheren VergroBerungen als 
Punkte, Streifen, Netze usw. er- 
scheinende Skulpturen, die auf einen 
sehr komplizierten Ban der Wand 
zurUckzufuhren sind. AuSerdem tragt 
die Membran mancher Formen auf 
der AuBenseite noch auffalligere 
Verdickungen in Form von Flugel- 
leisten, Kielen, Dornen usw. Be- 
sonders wichtig sind drei knoten- 
fdrmige Verdickungen, die in der 
Mitte (Zentralknoten) und in der 
Nalie der beiden Enden (End- 
knot en) der Schalen mancher Grup- 
pen vorkommen. Der Zentralknoten 
ist in der Schalenansicht annahernd 
rund (Fig, 35 in manchen Fallen 
verbreitert er sich in transversaler 
Richtung zu ememBalken(Stauros). 
Zwischen den Knoten erstreckt sich 
die Raphe (haufig auch Naht ge- 

I) G. Karrten 

•diesen zusammen als Zwischensclialen. 



Schalenansichten. Zweite Vertikalreilie : Trans- 
versale Lan gss chnitte entsprecliendderschiiia- 
len Giirtelansicht. Dritte Vertikalrelhe: sagittate 
Langsschnitte mit Ancleiitung der breiten Giirtel- 
ansiclit. AV. radialer Liingsscbnitt durch 
eine zentrische, kurz zylindrische Form. Acbse 
des Zylinders (Langsacbse, Zentralachse, GiirteF 
achse, P e r v al v a r r e 1- o' : . ? •' S i ttr. la ek. ? r* { -r-. p J - 
kalachse); '!‘r [—•'[' r. pi- 

le a 1 a c h s e ) ; A^r, I — Namcnia viridis : Umriii von 
j = Valvareben e, Transapikalebene, ^ 
Apikalebene; 4 — 6 Amo7'pha ovalis: wie i — 

— g Co77tphomma ehgans: wie / — to — X2 RJw'- 
palodia ’vermictihita : 10 — x, // Para transapik al- 
so hnitt durch die Region a, X2=3; x^ — 16 Ach- 
nafitJus iftjlata: Epivalva, X4 Plypovalva, 

x^=^2, x6==:g; xp—20Amphipro-ra alata: x^—x8 
wie X — 2} xg = xx, 20 = 2X — 2j Isihmia e^ums : 
2i=^X4f 22 Transapikalschnitt, 23 Apikal- 
schnitt; 24 — 2^ Enpodisens Argus: 24=^143 
Meridianschnitt. (Nach O. Muller.) 

welche Quersepten gebildet haben, mit 


bezeichnet die Zwischenbander, 



8o 


BacHIarien. 


nannt). Jeder der beiden Endknoten wird von einer Spalte durchbrochenj der hall - 
mondformigen Polspalte (Trichterkdrper). Die Raphe wird von den bciticn 
seitlich strukturierten Seitenfeldern meist durch einen gewdhnlichschmaleii, bisweilon 
breiten, glatten Streifen (sagittale Bander) getrennt. Bei den Achnantheae 
hndet sich nur aiif der einen Schale eine echte Raphe, anf der anderen Seite 
sie rudimentar, d. h. es ist keine eigentliche, spaltartige Diirchbrechung dtrr 
Membran vorhanden, aber das Bild der Raphe wird durch die Schalcni^trnktiir 
Yorgetauscht : Pseudoraphe. 


Ist der Zentralknoten 2 um Balken (Stauros) verbreitert, so fehlt gewohnlirh 
auch die Schalenstruktur auf einem transversalen Bande, indem die sagittale n 
Bander sich transversal verbreitern (= Transversalbander). Bisweilen mul 
diese Transversalbander allein vorhanden ohne Verbreiterung des Knotens 
(Pseudostauros). Auch auf den Schalen der Centricae, denen Raphe odtT 
Pseudoraphe fehlt, findet sich bisweilen ein strukturloses, oder schwaclKU* stnik- 
turiertes Feld (Area). — 

^ ^Bezuglich der Orientierung (vgl. Fig. 37) sind folgende Bezeichniingen wich- 
tig. Die Zelle^ wird so gestelit, daB die Hypotheca unten, die Epitheca oben 
liegt. Bei elliptischem Grundtypus des Querschnittes mag die groBe Achsc fier 
Ellipse von vorn nach hinten gesteJIt warden. Die Zylinderach.se ist die 
naturhch gegebene Hauptachse, oder auch Langsachse (Longitudinalachsc’. 
AuBerdem 1 st sie die Gurtelbandachse und wird auch Zentralachse gc- 
nannt, weil sie die morphologischen Mittelpunkte der Schalen verbindet. Die 
raphefUhrenden Formen mit der Raphe zusammen und ist 
f 1 *^'® fiedenge Struktur der Schalen. Sie ist die Sagittal- 
achse (.Ipikalachse nach O. Muller); bei der oben gegebenen Orienticnin-- 

iind linke Halfte. Sie ist darum auch erne Mediane. Die kleine Achse der 
Ellipse des Querschnittes oder der von ihr abgeleiteten Figur lauft bei der obic-en 
Orientierung von links nach rechts;,sie ist die TransversalTchse 

ausgezeichnet, der nanilich der durrh dp ^ *i einer besonder.s 

geh?; er ist der inft e7e 0^^ der Zellc 

linie der Gtoelbander. verlauft durch die Trennung,- 

Die””d?irS™ >, is. 

well der Schachtelbau derZelle bedin^t daB spiegelsymmetrisidi, 

Spezialfall der Symretrie kann alSl 

zeichnet warden. 0. MCller nentu- tV t- • Simili ssymmetri c be- 

gedreht dTd^e g^clvmi'X^ ""de Schalen 

••..•.ben (z. B. AsUroIamifa^lf ^^dien nicht mehr die gleidii. 
von Symmetrie, die TorsionssytiineSe TT difz Fall 

Querschmtt nicht direkt symmetrisch 7 d' ^ n zuni mittlcren 

auf die Spiegelebene sich nicht deck7 aber'duf^^^^*'”"®" Schalen 

urn einen bestiinniten Winkel, den Torsionswfnvt gedachte Drebimg 
eTu F d^r^; Torsionssynimetrie St ste^ mi S t ir 

«CIM d„ To„io„s,™™«e i„ di. b„o.dtrS'‘rD’?g“ti': 



Bakterienagglutinine — Bakterienpigmente. 8 I 

symmetrie (Diagonalkoiisimilitat) , die entsteht, wenn der Torsionswinkel 
i8o° betragt. 

Als Lange oder Hohe bezeichnet man bei oben gegebener Orientieriing den 
Diirchmesser der Zelle in der Richtnng der Zentralachse, als Breite den in der 
Transversal-j als Tiefe den in der Sagittalachse. 

liber die zahlreichen Atisdriicke ftir die Bezeichnung der Achsen, Ebenen und 
Symmetrieverhaltnisse vgl. 0. Mullers oben zitierte Arbeit. (Uber Symmetrie- 
verhaltnisse s. auch tinter Synstigmen.) (J^.) 

Bakterienagglutinine s. Agglutinine. 

Bakteidengeifiel : Die B. scheinen schwer farbbare, protoplasmatische 
Gebilde zii sein, die mit dem Zellplasma in Verbindung stehen diirften. Sie 
bewirken bald eine Vorwartsbewegung unter Rotation nm die Achse, bald 
eine wackeinde Schwimmbewegung ohne Rotation, Es gibt Bakterien mit 
einer GeiBel an eineni Pol (monotrich), mit einem GeiBelblischel an einem 
Pol (lophotrich), mit zahlreichen Geifieln rings um den Korper (peritrichj, 
Geifielzopfe sind Gebilde, die dadurch entstehen, da /3 sich oft eine groi 3 e 
Anzahl von GeiJ[ 3 eln iimeinander schlingen und mit der Zeit zu langen 
dicken Strangen verkleben. An dieser Bildung nehmen auch die schon ab~ 
gerissenen Geii 3 eln teil. (Vgl. Migula, System d. Bakt Bd. I S. 127). (JT.) 

Bakterienknoten nennt Zimmermann (J. w. B. Bd, 37, 1902} knotchen-* 
formige Anschwellungen der Blatter gewisser Rubiaceen [Paveita^ Psychotria)^ 
die durch Bakterienanhaufungen im Gewebe bedingt warden. Auch die Ver- 
dickungen des Blattrandes von Arclisia crejiata stellen nach MiEHE (Abh. 
k. sachs. Akad. Wiss, Bd. 32, 1911; J. w. B. Bd. 53, 1913) solclie B. dan 
Faber (J. w, B. Bd. 51, 1912) stellte die Fahigkeit der PavettaA^zkt^xiQiX 
[Plycobactermm Ritbiaceamm MiEHE) fest, atmospharischen Stickstoff zu 
assimilieren. Die B. sind somit hochstwahrscheinlich wie die Wurzelknollchen 
der Leguminosen als Produkte einer Symbiose aufzufassen. (Z.) 

Bakterienlampe s. Chemolumineszenz. 

Bakterienpigmente.. Beijerinck (B. Z. 1891, Bd. 49, S. 725) unter- 
scheidet in Hinsicht auf die Farbstoffproduktion der cbroniogenen Bakterien 
drei Gruppen: i. chromophore B., bei denen das Pigment einen integrierenden 
Bestandteil des Zelleibes bildet (Parpurbakterien); 2. cbromopare B. : der lebende 
Bakterienkdrper ist zunachst farblos, der Farbstoff wird als solcher oder als farb- 
loses Cbromogen ausgeschieden und stellt ein nutzloses Exkretionsprodukt dar. 
3. paraclaromophore B. ; auch hier ist der Farbstoff ein Ausscheidungsprodiikt, 
haftet aber dem Bakterienkdrper wie bei den echten cbromophoren Bakterien an. 
Von den zahlreichen BakterienfarbstofFen seien hier nur die wichtigsten genannt: 
Die Parpurbakterien produzieren Bakteriopurpurin, ein rotes, zu den Lipo- 
chroraen gehdriges Pigment neben einem grunen Farbstoff, dem Bakteriochlorin, 
(Vgl. Moltsch, Die Parpurbakterien,. Jena 1907, S. 74. — A. Meyer, Die Zelle 
der Bakterien, Jena 1912). Von ersterem durchaus verschieden ist das rote 
Pigment Prodigiosin des B. firodigiosus (CggHgeNOs nach Griffiths). Ver- 
schiedene FMnisbakterien liefern ein wasserldsliches, tiefblau Buoreszierendes, 
gelbes Pigment, das Bakteriofluoreszein (Lehmann); daneben werden ge- 
legentlich noch andere Farbstoffe gebildet, wie das blaue Synzyanin, von 
B. syncyaneuni^ dem Erreger der Blaufarbung der Milch, Pyozyanin von Pseu-- 
domonas ^yocyanea^ deni biauen Eitererreger, der tiberdies ein gelbes Pigment 
Pyoxantiiin (ein Oxydationsprodukt des ersteren?) produziert. B. fiolychromicmn 

Sc h n e i d e r J Bot. Worterbuch. 2, Auflage. 6 


82 


B aktei'] enpraezipi tine — B asalp o Is ter. 


(ZiCKEs) ist chaxakterisiert durch ein wasserunlosliches Lipoxanthin neben 
rotviolettem, wasserlbslicheii Erythrojantliin. (X.) 

Bakterienpi'aezipitine s. Praezipitine. 

Bakterientoxine s. Toxine u. Zytotoxine. 

Bakteriocecidien, die durch Bakterien (z. B. Rhisobimn radicicola an 
den Wurzeln der Leguminosen) erzeugten Gallen (s. d. u. auch Phytocecidien). 
[Kst.) 

Bakteriochlorin, -fluoreszein s. Bakterienpigmente. 

Bakteriolysine s. Uysine. 

Bakteriopurpurin s. Bakterienpigmente. 

Bakteriosen, die an Tieren und Pflanzen von Bakterien verursachten 
Krankheiten. (R.) 

Bakteroiden s. Wurzelknollchen der Leguminosen. 

Bakuli Oder Stabchen nennt man die stabchenformigen Zellen der 
Schizomyceten (Bakterien). (IQ 

Balanophoi’in, das im Stengelparenchym von Balanophora auftretende 
Wachs. (Simon, S. Ak. Wien, Bd. 119, igio, Abt. II.) (Z.) 

Balausta (Off., ex A. DC Th&r. elem. ed. II. 1819, S. 420) s. Poly- 
karpium. 

Balg heil 3 t man die unterhalb der ersten Bliite eines Grasahrchens vor- 
kommenden Hiillspelzen, die in ihrer Achsel keine Blliten tragen. 

Balgfruclit s. Streufrlichte, 

Ballisten (Kerner exKiRCHNEK, S. 35): Pflanzen bez. Friichte, welchc; 
ohne einen selbsttatigen Ausschleuderungsmechanismus zii besitzen, infolge 
eines auBeren Anstofles die Samen auf einige Entfernung hinauswerfen (z. B. 
Silenen, Rhinantaceen, Teticriim jiavum), (W.) 

Bai^otaxis; durch Druckdifferenzen an zwei verschiedenen Stellen des Ivor- 
pers eines Organismus konnen bestimmt gerichtete, lokomotorische Bewegungen 
ausgelost werden, die Verworn (Allg. Phys., V. Atifl. 1909^ S» 518) als B. 
bezel cbnet. Je nachdem sicli der Organismus nach der Seite des hoheren 
Oder niederen Dnickes wendet, kann man positive oder negative B. unter- 
scheiden. Die Thigmotaxis (s. d.) ist nur ein spezieller Fall der B. ; sie kommt 
durch eine dz starke Bertihrung der lebendigen Substanz mit festeren Kdrpern 
zustande. Auch Rheo- nnd Geotaxis werden von Verworn hierher ge- 
rechnet. (Z.) 

Baiymorphose: Als B. bezeichnet Sachs (Flora Bd, 78, 1894, S. 231) 
die durch Wirkung der Schwere bedingten, morphologischen Um- oder Neu- 
bildungen von Geweben oder Organen, also ein durch die Schwcrkraft als 
auslosenden Reiz veranlaOtes Organisationsverhaltnis. (Z.) 

Basalappai^at s. Basalzellen. 

Basalblatter von Platycermn s. Heterophyllie. 

Basalblase, Uberwinterungsorgan von Acetabiilaria (Oltmanjn'S I, 
S. 284}. [K] 

Basalkragen: Bei der Gattung Mortierella (Mucoraceae) zerfiillt beiiii 
Oflhen des Sporangiiims die Basis der Sporangienwand nicht mit, sondern bildet 
am Grimde des gedffneten Sporaiigiums eine Ait Kragen^ den Basalkragen. 
(Nach Fischer in Rabh., Kryptfl. v. Deutschl. I/4, S. 163.) (ZT.) 

Basalpolstei* (Sperlich) s. Gelenke. 



Basalscheibe — Basidie. 33 

Basalsclieibe, -•schichte des Flechtenthallus (Lindau, Lichenol. Unters. 
I, 1895) s. Thallus der Flechten. 

Basalzelle der Characeen s. Hauptvorkeim derselben. 

Basalzellen oder Basalapparat: Besondere, namentlich bei Monokotylen 
entvvickelte Zellen des Endosperms, die in der Antipodalgegend liegen 
und ernahrungsphysiologische Funktion zu haben scheinen. In Bau und 
Struktur weichen sie nicht selten von den iibrigen mit dichtem Plasma er- 
fiillten Endospermzellen ab. [T.) 

Basichromatin s. Zellkern. 

Basidie (Li^VEILL:^, Ann. sc. nat. ser. 2, VIII, 1857): Man versteht unter* 
einer B. (vgl. Fig. 38) eine fruktifikative Hyphe, welche exogene Sporen 
(Basidiosporen) in typisch begrenzter Zahl (meist zu 4] an der Spitze auf 
pfriemlichen Ausbuchtungen der Zelle (den Sterigmen) abschniirt, und 


welche eine fiir groBere Pilzreihen 
(Basidiomyceten) gleichbieibende, 
typische Form hat. Man unterschei- 
det geteilte und ungeteilte B. 
Die ersten nenntBREFELD Proto- 
basidien, die zweiten Auto- 
b a s i d i e n. Bei den Protobasidien 
wird ferner die quergeteilte B., 
bei welcher die Basidialzelle durch 
Querscheidewande in meist vier 
iibereinander stehende Facher ge- 
teilt ist, deren jedes an einem 
Sterigma eine Spore erzeugt 
(Fig. 39 1—4) (bei Uredinaceae 
MVid.Aitrictilarineae\ unddielangs- 
geteilte B. (Fig, 395) unterschie- 
den, bei denen die urspriinglich 
einfache Basidialzelle durch Langs- 
scheidewande in, auch hier meist 
vier nebeneinander stehende Fa- 
cher zerfdlt (bei den Tremellaceae). 
Eine Mittelform ist die Gabel- 
basidie [Dacryomycetes\ bei der 
die B. in ihrer oberen Halfte in 
zwei Teile gespalten erscheint, 
die auch als dicke Sterigmen gel- 
ten kdnnen (Fig, 39 (S?), (Nach 
SCHROETER, in E, P , 1 , I, S.54.) — 
Vgl. auch unter Konidien. 

Der morphologische Wert der 
B. ist zuerst von Brefeld auf ver- 
gleichend morphologischer Grund- 
lage richtig bestimmt worden. Diese 
Bewertung von Basidie und Ascus 



Fig. 38. PsalHota campestris. A tangentialer Laugs- 
sclinitt des Hutes, die Lamellen I zeigend. B ein 
soldier Sclmitt diirdi eine Lamelle starker vergr.; 
Jiy = Hymenium; t Trama; C Stiick desselbeii 
Schnittes starker (550/1) vergr.; q jimge Basidien 
und Paraphysen; s' erste Bildung der Sporen auf 
der Basidie; und j"' waiter entwickelte Sporen; 
bei sind die Sporen abgefallen. (Nadi Sachs.) 

6 * 



Basidien— basifugal 

hat Brefeld seinem Pilzsystem zugrunde gelegt. Er kennzeichnet die B. als 
einen zur vollkommenen RegelmaSigkeit vorgeschrittenen Komdientrager. Uie 
B. bildet die Sporen an bestimmtem Ort, in bestimmter Zahl, Form nnd Grol.e, 
Sie ist selbst in ihrer Form und GrdCe bestimmt. ■ 

Der physiologische und biologische Wert der B. wurde durch Falck diarak- 
terisiert (s. Beitr. z. Biol. 1904). Die B. erteilt den an ihr veremzelt gebildeten 
Sporen eine bestimmte raumliche Lage, oberhalb eines freien Luftraumes 
(Energie der Lage), und bringt sie durch aktives Abwerfen in erne gleichsinnig 



Fig. 39. Basidien und ilire Ableitung aus Konidientragern (aus V. Tavei.). i ProtobasUliL-n- 
abnlicber Konidientrager von Ustilago segetum (Bull.j. 2—5 Protobasidien, 2 von Emiophyllum 
Enphorhiae silvaiicae (DC.), 3 von Auricularia samhucina Mart., 4 von Filacre Fetenii Herk'. 
Curt., 5 von Tremella lutescens Pers., 6 Autobasidien-ahnlicber Konidientrager von 'Filklui 'Fritici 
(Bjeik,). 7 — 9 Autobasidien von: 7 Toinmtella gvanulata Bref. 8 Daoyomyces ovisponts Bref., 
9 Tylostovia mammostm (Micb.) (i, 3—8 nacli Beefeld, i, g 4 So/i; 3, 6 , 8 4 745/1; 

7 350/jj 2 nacb Tulasne, 9 nach Schroter, beide stark vergrO 

gerichtete Bewegung (kinetische Energie). Sie versieht die an ihr gebildeten Sporen 
somit mit bestimmten Energieformen, die jeder Spore das Hineingelangen in einen 
freien Luftraum und damit die weitere Verbreitung ermdglichen. Diese Funktion 
imd Aufgabe der B. steht im Zusammenhang mit ihrer gesetzmaBigen Ausbildiing 
in Form, GrdJBe und raumlicher Lage. [F,] 

Basidien der Flechten s. Pykniden. 

Basidiosporen s. Basidien. 
basifixe Anthere s. Androeceum. 
basifugal = akropetal. 



•basigam — Bast. 


85 


basigam, Basigamie s. Chalazogamie. 

Basilarknoten der CJiaraceae s. Hauptvorkeim derselben. 
Basilamiembi-aii s. Peristom der Musci. 

basipetal ist die Aufeinanderfolge der Verzweigungen der Kaiilome, 
sobald sie, vvie etwa die Aste der Alge Ectocarpits^ einen basalen Vegetations- 
pLinkt haben. Sie erzeugen ihre Auszweigiingen in b. Folge, es sind also 
(im Gegensatz zu akropetal, s. d.) die untersten die jiingsteii. (Nach FRANK.) 
(Vgl. auch Blattanlage.) 

basiplast (Prantl, in B. D. B. G. 1883, S. 281) s. Blattanlage. 

basiskop s. akroskop. 

basitone Orcliideen s. Orchideenblute. 

Basitropie, von Juel (Nov. act. Reg. Soc. Sc. Upsal. Ser. IV, Vol. 2, 
Nr. II, FuBn. S. 17) vorgeschlagene Bezeichnimg fiir Basigamie s. Chalazo- 
gamie. [P) - ■ • 

Bast: Der BegrijSf >Bast« wurde sowohl in rein topographisch- als 
in rein physiologisch-anatomischem Sinne angewendet. In ersterem Sinne 
verstanden namentlich altere Autoren die auBerhalb des Verdickungsringes 
des Dikotylenstammes befindliche Zuwachszone mit EinschluB der Mark- 
strahlen. In dieser kommt der Bast als mechanisches Gewebe zwar haufig, 
aber nicht immer vor. DemgemaB unterschied man zwischen Hartbast 
und Weichbast. Unter 

Hartbast vei'stand man j ^ 

hierbei die Gesamthei taller 
dickwandigen , mechani- 
schcn Zellelemente, unter 
Weichbast dieParenchym- 
zellen, Siebrohren,Kambi- 
formzellen usw. Auch das 
Leptom (Phloem) der pri- 
maren GefaBbiindelwurde 
vielfachkurzwegals »Bast« 
bezeichnet. Im modernen, 
physiologisch-anatomi- 
schen Sinne versteht man 
unter Bast die Gesamtheit 



der ausschlieBlich mecha- 
nisch wirlcenden Bast- 
zellen. Diese sind lang- 
gestreckte, dickwandige, 
meist mit spaltenformigen 
Tiipfeln versehene, spin- 
delformige Zellen, deren 
Enden pfriemenformig zu~ 


Fig. 40. Bast zellen im Quer- und Langssclinifct: .^4 aus 
einem Zweige des Fniclitstandes von Phoenix dactylifera ym 
Quersebnitt, A\ desgleichen im Langssclimtt; in der Mitte 
d"as zugespitzte Ende einer Bastzelle, bei f eine dtinne Quer- 
wand; die Zellumina sind schraffiert. — B Bastzellen aus 
der Rinde eines Zweiges von Buxus sempervirens im Quer- 
schnitt. — C Bastzelle von Urefia sinuata mit ungleichmafiig 
verdickten Waiidimgen, bei ist das Lumen ganz gescbwun- 
den. (Nacli Wiesner.) — D stumpfe Bastzellen aus dem 
Blutenschafte von Allhmi nmlfihulbostmt, (Nach Haberlandt.) 


gespitzt sind, und die im . c- 

ausgebildeten Zustande zumeist keinen lebenden Inhalt aufvveisen. Sie ge- 
horen also zu den prosenchymatischen Zellformen (Fig- 40). 

Selten sind stumpfe Formen, wie in Fig. 40 D. Ihre Lange betragt meist 



86 


Bastard. 


I bis 2 mnij doch kommen auch bedeutend langefe vor [Boehm erta 
bis 220 mm, Limm usitatissimum ca. 20 — 40 mm). Ihre Wandungen be- 
steheti aus reiner Zellulose oder sind db verholzt. Die Wandverdickung 
erfolgt meist gleichmafiig, das Lumen erscheint dann spaltenformig ver- 
engt, seltener imregelmaBig, wobei das Lumen stellenweise ganz schwindet 
[Vig.^oCZ]. (P.) 

Bastard: Als Bastard (Hybride, Blendling) bezeichnet man das 
Produkt, welches aus der Kreuzung zweier verschiedener Pflanzentypen (reine 
Linie, Rasse, Varietat, Spezies, Gattung) hervorgeht. Fruher wurde ^uch 
zwischen B. als Hybriden von Arten und Blendlingen (s. d.) als Varietats- 
mischlingen unterschieden. Neuerdings kann man unter B. selbst ein Indi- 
viduum verstehen, dessen Eltern sich nur in einem einzigen »Gen« (s. d.) 
unterscheiden. In der experimentellen Erblichkeitsforschung spricht man 
dann von Monohybriden. Im Gegensatz dazu spricht ‘ man von Di- bzw, 
Polyhybriden, wenn es sich urn zwei bzw. mehr Merkmalspaare handelt. 

Intermediare B. halten ungefahr die Mitte zwischen den beiden Eltern, 
goneokline ahneln dagegen besonders dem einen Elter. Hier kann man 
naturgemaB in patro- und matrokline scheiden. Bei intermedich*en B. 
pflegt man zwischen Mosaik- und Misch- oder Deckbastarden zu sondern 
(s. z. B. Haecker; S. 216). Bei ersteren kommen die Merkmale der Eltern 
in mosaikartiger Verteilung zum Vorschein, wahrend sie bei letzteren zu 
einem Mischtypus zusammentreten. 

Zwillingsbastarde (de VRIES, Bot. Gaz. 1907; B. D. B. G. 1908) sind 
solche, die aus ein und derselben Elternkombination zwei ganz verschiedene 
Typen ohne Ubergange in ergeben, so bei Oenothera Lamarckiana oder 
einer ihrer Mutanten als Vater. — Wenn von den zu erwartenden B.~Typen 
aus irgendeinem Grunde einer nicht erscheint, spricht DE VrieS von ^unter-- 
druckten« B.-Typen (s. Gruppenw. Artbildg. S. 266). 

Reziproke B. werden dann besonders unterschieden, wenn sie ungleicli 
sind, also aye^b anders ist als (s. z. B. unter Heterogamie). Doppelt-- 
reziproke B. (von der Formel bay<iab) zeigen nach deVries 

bei einigen Oenothera-Kxi^n die Eigentiimlichkeit, daB die Merkmale der 
»zentralen« GroBeltern vollig ausgeschaltet erscheinen. Mit anderen Wortcn 
(Biol. C. Nr. 31, 1911) »die Merkmale des GroBvaters konnen nicht durch 
die Mutter und diejenigen der GroBmutter nicht durch den Vater auf die 
GroBkinder libertragen werden« (s. auch unter Pleterogamie). Sesqui- 
reziproke B. sind solche reziproke, die mit einem Elter riickgekreuzt 
werden (Formel abxa oder baXb\ iterative endlich eine Modifikation 
der letzteren von der Formel abxb oder baXa, s. die Zusammenfassung 
in deVries’ Gruppenweise Artbildung 1913. 

In den samtlichen letztgenannten Kategorien, die nur fur die Oenothererx 
aufgestellt wurden, handelt es sich, wie Goldschmidt (Arch. f. Zellforsch. IX, 

1912) irrtiimlich zu zeigen glaubte, eigentlich gar nicht urn richtige B., in- 
sofern der Q Kern in dem befruchteten Ei degenerieren und allein’ der 
Cf Kern im Q Plasma bleiben sollte. Wir hatten es hier dann mit einer 
eigentumlichen Art der »Merogonie« zu tun gehabt. Renner (B. D. B. G, 

1913) hat aber jiingst nachgewiesen, daB GolDSCEIMIDTs Ansichten sich 



Bastard. 


87 


nicht halten lassen. — Bei einseitigen B. (de Vries) oder » Faux-hybrid es« 
(Millardet^) erscheint dem Auge der EinfluB des einen Elters ganz aus- 
geschaltet Solche sind bei Rtibus- und Fragaria-K.v^m]xngen^ auch bei 
Orchideen mehrfach beschrieben. EinVersuch, sie als eine Art von »pseudo- 
gamen^ Produkten zu erklaren (Focke, Die Pflanzenmischlinge 1881,3.525 
bis 526) wurde von Strasburger (liistol. Beitr. Heft 7, 1909) iiberzeugend 
zuriickgewiesen. Dieser fand namlich fiir einen von Millardets »Faux- 
hybrides<c [Fragarta elatior'Xvirginia?ia) eine normale Kopulation der beiden 
Sexualkerne auf, — Erbgleiche (isogene) B. nennt deVries (B, D. B. G. 
1900) alle mendelnden, d. h. »beiderseitig spaltenden« Hybriden. Der 
Gegensatz dazu ist anisogene oder erbungleiche B. tJber die nur ein- 
seitig spaltenden B. vgl. deVries’ Gruppenw. Artbildg. 1913, S. loofE 

Wir wissen jetzt, dafl fast a He B. Spaltungen zeigen. Wo das nicht 
der Fall ist und wo es sich nicht um nur einzelne »Merkmale« handelt, 
die gesondert erklart werden mtissen, konnte man von konstanten B. 
sprechen. Solche sind moglich z. B. bei den apogamen Plieracien, sowie bei 
Oenatheren (nach DE Vries), (vgl. hier unter Mutation); die RosENschen 
Daten beziiglich der konstanten Hybriden bei Erophila (Draba) diirften noch 
nicht exakt erwiesen sein. Die alteren Angaben liber konstante B. sind 
sicher falsch. 

Avunkulare B. (DE Vries, Mutationstheorie II, 1903) sind Hybriden 
zwischen 2 Gliedern einer »Mutationsreihe«. Als Gegensatz dazu kann man 
von kollateralen B. sprechen, wenn Bastardierungen zwischen zwei Mu- 
tanten vorgenommen werden, die verschiedenen Mutationsreihen eines ge- 
meinsamen Ahnen angehoren. (Plierfiir s. vor allem »ungepaarte Eigen- 
schaften«.) Wo Pleterogamie (s. d.) vorhanden ist, kann nach DE Vries 
infolge einer Mutation auch der Typus einer Sexualzelle in den dem entgegen- 
gesetzten Geschlecht eigenen Sexualtypus libergehen. Wird bei Kreuzungen 
ein solcher Fall angetrofFen, »so wird ein Hybride erscheinen, wie man ihn 
von der reziproken Kreuzung erwarten wiirdec. Derartige B. nennt DE Vries 
ihetakline B. (Gruppenw. Artbildg. 1913, S. 39). 

Durch wiederholte Kreuzungen, in denen man B, mit dem Pollen einer 
verwandten Art oder eines neuen Mischlings befruchtet, erhalt man ab- 
geleitete (oder mehr-fache) B., bzw. (nach Sachs) kombinierte B. Unter 
ihnen unterscheidet man, nach DE Vries, II, S. 79, die zweielterlichen 
oder binaren, die dreielterlichen oder ternaren usw., je nach der An- 
zahl der urspriinglichen reinen Arten oder Typen, welche schlieBlich zur 
Entstehung des B. beigetragen haben. So sind binare abgeleitete B. solche, 
welche durch die Kreuzung mit einer der urspriinglichen Stammarten ent- 
standen sind. Stellt man den nnmittelbaren Mischling vor durch so 

sind die abgeleiteten binaren B. aXb'X.b^ aXbXct^ und bei weileren 
Kreuzungen axbxbxb usw. und aXbXaXct usw. 

Eine weitergehende Nomenklatur flir kombinierte B. hat v. Tschermak 


Es darf aber nicht vergessen werden, dafi es slch nach Millardet (1891) bei den »Faux- 
hybrides« wohl um gar keine rechte Befruchtung handeln soil, sondern nur tun eine Ent- 
jjgj. dann parthenogenetisch wachsenden Eizelle. Darauf hat besonders 
■! . ■ ' G. 1901) aufmerksam gemacht. 


88 


Bastardanalyse — Bastardokarpie. 


vorgeschlagea (vgl. Fruwirth, Allgem. Ziichtungslehre d. landwirtschaftl. 
Kulturpfl; I, 1914, ,S. 57): 

Vollmischling 1 . Ordnung («X< 5 ) entspricht der gew. Bastardierung, 

» II. » zweisortig (« X X (1^ X 

» II. » dreisortig {axd]x{dxc) entspricht 

'> II. » viersortig {aXi>}X {cXd) der kom- 

Teilmischlinge I. » («)x(( 5 x^) ■ binierten 

{a) x{ 5 x[cx dj) Bastardie- 

» 11. » {aX^)X{aX[dX c]) rung. 

» n. » (^^X[< 5 X^])X<^X [^’X/]) ) 

Wird vor einer neuerlichen Vereinigung der letzten Art die Nachkommen- 
schaft des B. bis zur Erzielung konstanter Formen weitergebaut und dann 
erst immer die weitere Bastardierung vorgenommen, so werden auch kom- 
binierte B. erzielt. Der Vorgang wird hier, zur Unterscheidung von gewohn- 
licher kombinierter Bastardierung, wiederholte Bastardierung gcnannt 
(Fruwirth, 1. c. S. 57). 

Streng genommen darf man von binaren, ternaren usw. B. abcr nur 
dann sprechen, wenn in dem Idioplasma der betreffenden Individuen auch 
die samtlichen Arten, Varietaten, Rassen usw. noch vertreteir .sind. Es 
ware ja auch denkbar, daI 3 die Merkmale von einigen bei den »MendcI- 

spaltungen* oder durch mangelnde Kernkopulation vollig entfernt wurden. 

Die Bezeichnungen stammen durchaus noch aus »vormendeIistischer« Zeit. i'r.) 

Bastardanalyse = Zerlegung des »Idioplasmas« der einzelnen Indi- 
viduen mit Hilfe von Mendelkreuzungen in die einzelnen »Gene«. Natiirlich 
kdnnen solche nur erkannt werden, wenn man . »zufallig<c ein Individuum 
findet, das sich in einem Gen von einem anderen unterscheidet und sich 
mit diesem erfolgreich kreuzen laflt. So ist jedes Gen eigentlich nur eine 
relative Emheit, da es nie ausgeschlossen ist, daI3 es sich bci Auffindung 
einer neuen Basse noch weiter zerlegen laBt. Immerhin ist man bci ein- 
zelnen Gattungen (vor allem ist da die von Baur studierte Gattung Antirrhinmn 
mustergultig bearbeitet) selbst bis zu sehr weitgehender Analyse vorgedruiv.cn 

fvirT :^ 5 °™eij^‘.«ndeutig bei den Einzelindividuen niederlegen kann 
(Vgl. das Weitere z. B. in Baur.) [T.) . 

Bastardatavismus s. Atavismus u. Kryptomerie 
Bastardbestaubung s. Bestaubung. 

™an frtiher (GArther, Menuei u a ) 

SLt' S T h“."" GenerMionea bezdchneCuo * 

fMulaUoStteS' GeMration blldeten. sprechen wir seit in; Vkjik 

Ltrlmr H n ^ Individuen, welchc aus den un- 

mittelbar durch Kreuzung erhaltenen Samen emporwachsen, von dtTcrZ, 

Basrardgeneratjon, Ic„„ F.-Generation. Ihre Nachkommen’ bMen also d ” 

B3- usw. Generationen. {T,] 

Bastardierung s. Bestaubung und Bastard ■ 

Bastardinutation (vgl. Fruwirth 1 c c: f • 

Kryptomerie. (T.) ^ Atavismus u. 

Bastardokarpie s, Bestaubuno*, 


bastfaserahnliches System — Baiiprinzipien. 


89 


bastfaserahnliches System s. Holzelemente. 

Bastfasern: Gesamtbezeichnung fiir besonders englumige, dickwandige, 
beiderseits^ lang faserformig spitzziilaufende Bastzellen. [P.) 

basttormige Epidermiszellen s. Grasepidermis. 

Bastparenchym : Bei ateren Autoren (Nageli u. a.) haufig im Sinne 
von Phloemparenchym angewendet (s. Phloem). (P.) 

Bastring: Die in Stengelorganen verbreiteten, in Form eines Zylinder- 
mantels entwickelten, am Querschnitt daher ringfdrmig erscheinenden,- ge- 
schlossenen Gewebepartien,- welche ausschlieBlich aus mechanischen Zellen 
bestehen. Bei den Monokotylen sind die GefaBbiindel dem B. innen oder 
auBen angelehnt Bei den Dikotylen kann der B. auBerhalb des Kambium- 
ringes liegen und wird dann Bastring im engereii Sinne genannt oder er 
liegt innerhalb des Kambiumringes und heiBt dann Li b r if or m ring. (P.) 

Bastzellen s. Bast, 
bathybisches Plankton s. d. 

^ Bauchkanalzelle des Archegoniums s. Archegonien und Embryosack. 

Bauchnaht s. Gynoeceum. 

Bauchrinne bei Marchantiaceae s. Receptaculum der Bryophyten. 

Baiiclisammler nennt H. Muller (Befruchtung der Blumen durch Insektea, 
^1873) die langrtisseligeii Bienen, bei denen die Unterseite des weiblichen Hinter- 
leibes eine dichte Biirste starrer, etwas nach hinten gerichteter Borstenhaare tragt; 
in dieser »Bauchburste« sammelt sich beim Besuch geeigneter Bliiten (z. B. Pa~ 
pilionaceen, Kompositen) der Pollen an. — Bei der zweiteii von Muller unter- 
schiedenen Gruppe, den Schienen- (oder Schenkel-jSammlern, befindet sich 
der Pollensammelapparat an den Hinterschienen und Fersen (»Fersenburste«). 

Baum s. Plolzpflanzen. 

Baumgrenze heiBt »der Giirtel, in dem das Baumleben allmahlich aus- 
klingt, vom geschlossenen Wald bis zum letzten KriippeL (C. SchrOter, 
Pflanzenleben der Alpen, igo8, S. 20), in dem alle Pflanzenarten aufhoren, 
die normal als Baume wachsen. Als Etappen dieses Vorgangs treten hervor: 

1. Waldgrenze, »die obere Grenze des geschlossenen Waldes, an der 
er sich in einzelne Horste aufzulosen beginnt«. Drude nannte diese (Peter- 
MANNS Mitteil. 1894, S. 178) »Hauptwaldgrenze«. 

2. Plorstgrenze (Waldfleckengrenze) , die oberste Grenze der ver- 
einzelten Baumgruppen. 

3. Baumgrenze im engeren Sinne, die Grenze der obersten hoch- 
stanimigen Individuen. Diese Linie bestimmt die obere Grenze der Wald- 
stufe (montanen Stufe). 

4. Kriippelgrenze, die obere Grenze der verkriippelten Individuen der 
tiefer unten hochstammigen Arten. Vgl. C. SCHROTER, Pflanzenleben der 
Alpen, 1908, S. 19 — 38. [D) 

Baumscheibe s. Wurzelanlauf. 

Bauprinzipien (im wesentlichen nach Haberlandt} : Unter B. verstelit 
Saberlandt jenen allgemeinen Grundplan, der seiner teleologischen Auffassung 
zufolge den gesamten histologischen Aufbau und die topographische Lagerung 
eines physiologischen Gewebesystems beherrscht und durch die angestrebte Har- 
monie zwischen Bau und Funktion vorgezeichnet wird. Unter diesen B. ware 
an erster Stelle das Prinzip der Arbeitsteilung zu erwalinen. Seine Durch- 


90 


B austofFe — B efruclitung. 


fiihrung ist das wichtigste Mittel, das dem Organismus zu Gebote steht, um die 
notwendige Vollkommenheit iind Sicherheit seiner physiologischen Funktionen zu 
erzielen. Indem jede wichtige physiologische Leistung einem eigens dazu be- 
stinamten Organ ocler Gewebe iibertragen wird, kann sich die weitestgehende Uber- 
einstimmung zwischen dem morphologischen Aufbau dieser einzelnen Apparate 
und den ihnen zugeteilten, physiologischen Leistungen herausbilden. 

Von gleichfalis sehr allgemeiner Bedeutung ist das Prinzip der Festigung. 
Es ist einleuchtend, da6 eine gewisse Festigkeit nicht niir fiir den Gesamtbau 
der Pfianze unerlaBlich ist, sondern eine Voraussetzung fiir die ungestorte, zweck- 
dienliche Funktion ihrer einzelnen Gewebe bildet. Jede vollkommenere Pfianze 
weist daher neben ihrem mechanichen Gewebesystem, das ihr Skelett vorstellt, 
noch zahlreiche andere Festigkeitseinrichtungen auf, die oftmals nur von ganz 
lokaler Bedeutung sind. 

Fiir den Haushalt der Pfianze von groBer Wichtigkeit ist das Prinzip der 
Materialersparung. Der Kampf urns Dasein zwingt die Pfianze, mit dem ge- 
ringsten Materialaufwande womdglich den grdfiten EfFekt zu erzielen, und so ist 
durch dieses okonomische Prinzip, wie man es nennen kann, fiir den histo- 
logischen Bau und die Anordnung der Gewebe eine bestiramte Richtung gegeben. 

Eine sehr haufige Anwendung findet endlich auch das Prinzip der Ober- 
flachenvergrdfierung. Es kann sich dabei um sehr verschiedene Zwecke 
handeln. Eine FlachenvergroBerung der Scheidewand, welche zwei Nachbarzellen 
voneinander trennt, wird zweifellos den mechanischen Zusammenhalt dieser bei- 
den Zellen erhohen. In den ernahrungsphysiologischen Geweben erleichtert hin- 
wieder die FlachenvergroBerung der Scheidewande den diosmotischen Stoffver- 
kehr. Im Assimilationsgewebe bietet sie Platz fiir mdglichst viele Chlqroplasten 
ohne Gefahr gegenseitiger Beschattung. 

Das Prinzip der Stoffableitung auf ktirzestem Wege sichert eine rasche 
Ableitung der Assimilate an die Statten des Verbrauches. (Zur Kritik vgl 
Rywosch in Z. f. B. IV, 1912, S. 257). 

Selbstverstandlich darf keines der B., die man insgesamt auf das allgemeine 
Prinzip des groBten Nutzeffektes zuriickfiihren kann, die Bedeutung eines 
sNaturgesetzes« beanspruchen. (Vgl. die einzelnen Gewebesysteme.) {F.) 
BaustoJBFe, BaustojBfwechsel s. Stoffwechsel. 

Becherapparat: Bei gewissen Cyperaceen sind die Atemhohlen der in 
Langsreihen angeordneten Spaltdfihungen zu Langskanalen verschmolzen und die 
den Atemraum auskleidenden Zellen sind als mechanische Zellen ausgebildet und 
bilden in ihrer Gesamtheit den B. Gelegentlich treten zwischen ihnen Inter- 
zellularraiime auf, durch welche diese peripheren Atemkanale mit dem zentralen 
Durchliiftungssystem kommunizieren. Vgl. Westermaier, Monatsber. d. Berliner 
Akad. 1881. (i^.) '' 

Bedeguar (Schlafapfel): Die von Rhodites rosae^ einer Cynipide, auf 
den Blattern der Rose erzeugten, zottigen, nicht selten fast apfelgroBen 
Gallen. [Kst.) 

Beere, Beerenzapfen s, Monokarpium, Polykarpium und Fruchtformen. 

B efruclitung. Unter Befruchtung versteht man die Vereinigung zweier 
Geschlechtszellen und ihrer Kerne (Sexual- Fortpflanzungszellen, Gameten). 
Inbegriffen sind dabei die Falle, in denen ganze, einzellige Individuen sich 
vereinigen (Konjugati on) und jene, in welchen die Geschlechtszellen 
keine Differenzierung in morphologisch verschiedene, mannliche und weib- 
liche zeigen (Kop illation). Zwischen der Kopulation ganz oder nahezu 



Befruchtung, 


91 


ganz gleicher Gameten uiid der Befruchtung weiblicher Sexualzellen 
durch morphologisch stark abweichende mannliche gibt es alle Uber- 
gange; den letzterwahnten Befruchtungsvorgang nennt man zum Unterschied 
von der Kopulation Eibefruchtung. In Fallen von Eibefruchtung iinter- 
scheidet man die weibliclien Sexualzellen als Eier oder Eizellen von den 
mannlichen, die Spermazellen, Spermatozoiden oder Spermatien genannt 
werden; dementsprechend gebraucht man auch die Ausdriicke Eikern und 
Spermakern. 

Die Befruchtung besteht in der Verschmelzung der beiden Sexualkerne 
und in der Vereinigung der beiden Zytoplasmen; bei Bliitenpflanzen ist 
dabei das Zytoplasma der Spermazellen oft auf ein Minimum reduziert^ so 
dah man den Eindruck erhalt, als handle es sich bloD um eine Vereinigung 
des Eikerns mit dem Spermakern, Andere Inhaltskorper der Zelle ver- 
schmelzen bei der Eibefruchtung nicht; so scheinen die Chromatophoren dei 
mannlichen Zellen bei der Befruchtung zugrunde zu gehen. 

Bei der Befruchtung mehrkerniger Eizellen findet entweder die Ver- 
schmelzung je eines Eikernes mit einem Spermakern statt [Albugo Bhii^ 
A. Portulacae^ Pyronema u. a.) oder es wird nur ein Eikern befruchtet 
[Albugo Tragopogonis^ Vauoherid], Beide Falle sind dutch Ubergange mit- 
einander verbunden. 

Einen Spezialfall bildet die »doppelte Befruchtung^ der Angiospermen 


(s. d,). ^ . u • ^ 

Bei der Vereinigung der Sexualzellen und ihrer Kerne, sowie bei den 

Wachstums- und Bewegungsvorgangen, welche die Annaherung der Sperraa- 
zellen an die Eizellen ermoglichen, spielen zweifellos chemische Reize eine 

Hauptrolle. u 

Wohl zu unterscheiden ist bei den Bliitenpflanzen zwischen Bestaubung 
bzw. Belegung der Narbe durch das Pollenkorn und der Befruchtung. Bei 
vielen Angiospermen erfolgt letztere wenige Stunden nach der Bestaubung, 
bei Orchideen liegen zwischen den beiden Vorgangen 10 Tage bis mehrere 
Monate, bei der Birke ein Monat, bei der Erie drei Monate, bei Quercus 
gegen ein Jahr. Sehr groh ist auch dieses Zeitintervall bei den meisten 
Gymnospermen. Bei diesen sowie bei den erwahnten Monochlamydeen durfte 
der spate Eintritt der eigentlichen Befruchtung mit der langwahrenden Ent- 
wicklung des weiblichen Gametophyten zusammenhangen und diese wieder 
als ein Rest der selbstandigen Entwicklung der beiden Generationen auf- 

zufassen sein. „ , , r-, 

Die Sexualkerne sind haploide Kerne, d. h. die Zahl ihrer Chromosomen 

betragt die Halfte der Chromosomen der somatischen Zellen. Der 
der Sexualkerne geht daher eine Reduktionsteilung voraus. Durch die^ 
Verschmelzung der Sexualkerne entstehen wieder diploide Kerne. Wie sich 
die Chromosomen der beiden Kerne nach der Vereinigung verhalten, 1st 
noch nicht in alien Einzelheiten aufgeklart; vieles spricht dafur, daD das 
vaterliche und das mlitterliche Chromatin bei der Weiterentwicklung der 
befruchteten Eizelle zum Embryo sich getrennt erhalten, was zur Annahme 
der Autonomic der vaterlichen und mtitterlichen Kernsubstanzen 

Es gibt auch Vorgange, welche im physiologischen Effekt mit er 


92 


Befruchtnng. 


Befruchtung ubereinstimmen und sich von dieser dadurch . , j ’ 

die sich vereinigenden Zellen bzw. Kerne mcht die Beschaftei hut % o 
Sexualzellen haben, sondern mit vegetativen Zellen 

mixis nach H. WiNKLER.) So haben FARMER, qnoronhvt 

gewiesen, dafl bei Dryopteris fUix mas var. polydadyla der 
aus einer Prothalliumzelle hervorgehen kann, deren Kern mit deni Kern 
einer vegetativen Nachbarzelle kopulierte, und nach den Lntersuchun^en 



Fig. 41. Pandorma Mortim, I eiiie schwarmende Kolonie aus i6 Zcllcii bestchciid; 11 inna 
ahnliche Ivolouie in i6 Tochterzellen geteilt; III eine geschleclitHclie Kolonie, deren einfacbe 
Zellen aus der verscFleimteii Httlle lieraustreten; IF, V kopulierende Gameten; VI, Vll eine 
jiingere und eine altere Zygospore; F7// Bildung einer groBen Schwiirmsporc aus der Zygo- 
spore; IX freie Schwarmspore (Zoospore); X junge Kolonie, die aus der Schwarmspore ent- 
standen ist. (Nack Fringsheim 480/1,) 


H. Winklers muB es als nicht ausgeschlossen bezeichnet werden, daB bei 
der Bildung von Pfropfhybriden Kopulation vegetativer Zellen stattfindet 
Rein vegetative Kernverschmelzungen, die mit Befruchtung nichts zu.tun 
haben, beobachtete N^MEC in narkotisierten Wurzeln von Vida. 

Was die biologische Bedeutung der Befruchtung anbelangt, so sincl die 
Beziehungen zwischen den Vererbungsphanomenen und der Befruchtung so 



Befruchtungsantheren — Befruclitungstypen der Algen. 


93 


klar, daB kaum daran zu zweifein ist, daB ihre biologische Bedeutimg in der 
Vermischung zweier verschiedener Vererbungstendenzen liegt. Nur darin 
gehen die Meinungen auseinander, welche Bedeutung fiir die Organismenwelt 
diese Vermischung hat. Sie kann insbesondere in der Moglichkeit der 
Ausschaltung ungiinstiger Variationen oder in der Moglichkeit der fortge- 
setzten Schaffung neuer Anlagenkombinationen erblickt werden. Nicht zu 
iibersehen ist, daB bei den phylogenetisch tiefer stehenden Pflanzen (Mehr- 
zahl der Thallophyten) die sexuelle Fortpflanzung in der Regel zur Ausbildung 
resistenzfahiger Propagationsorgane flihrt und sich dadurch von der vege- 
tativen Fortpflanzung auch okologisch unterscheidet. Damit steht es auch 
in Einklang, daB speziell bei den Thallophyten sich der Ziisammenhang 
zwischen auBeren Einfliissen und sexueller Fortpflanzung vielfach experi- 
mentell leicht erweisen laBt. Spezielles liber Befruchtung s. unter Be- 
fruchtungstypen der Algen, der Pilze, ferner unter »doppelte Befruchtung«, 
Generationswechsel usw. fv, Wttst.) 

Befruchtungsantheren s. Heterantherie. 

Befruchtungstypen der Algen. Beim Befruchtungsvorgang der Algen 
lassen sich im wesentlichen zwei Haupttypen iinterscheiden; 

1. Kopulation (Konjugation) bei Algen; die sich vereinigenden Zellen 
(Game ten) weichen in Form und GroBe gewohnlich — auBer bei Cutlerla und 
einigen ^cto carpus-- Axitn (subg. Giffordi(i) .u. a., wo ein Unterschied zwischen den 
beweglichen grbSeren Q-G, (oder Makrogameten) und kleinereii cf~G. (oder 
Mikrogameten) sehr auffallend ist, in welcbem Falle die Gameten auch als 
Heterogameten und der Vorgang selber als eine Art Heterogamie bezeichnet 
werden kbnnen — nicht wesentlich voneinander ab (Isogameten, Isogamie) 
und sind unbeweglich oder beweglich (in diesem Falle manchmal den ungeschlecht- 
lichen Schwarmsporen ahnlich). Die Ges chi edits organ e heiBen hier Gametangien. 
Sind die Gameten zweierlei Art (Makro- und Mikrogameten), so sinci auch 
die Gametangien von verschiedener GrdBe und konnen als Makroganietangien 
bzw. Mikrogametangien bezeichnet werden. Die beweglichen Gameten 
(Plano gameten, Zoogameten) kopulieren auBerhalb der Mutterpflanze (vgl. 
Fig. 41). Die unbeweglichen Gameten (Aplanogameten, Zygogameten) 
treten aus benachbarten Zellen aus und. vereinigen sich sofort (z. B. D esmidiaceaCy 
vgl. Fig. 42). Oder die Wande der sich gegentibeiiiegenden Zellen, in denen 
die Geschlechtszellen entstehen, treiben Kopulationsfortsatze gegeneinander, bis 
diese sich beriihren und durch Auflosung der Berhhrungsstelle der Wand der 
Kopulationschiaiich gebildet wird. Die Vereinigung erfolgt dann in diesem 
Kanal oder in einer der beiden Zellen (z. B. Zygnemaceae^ vgl. Fig. 43). Das 
Produkt der Kopulation ist die Zygote oder Zygospore. 

2. Oogame Befruchtung (Oogamie, He teroganii e) bei Algen; Die sich 
vereinigenden Zellen weichen in Form, GroBe oder Beweglichkeit wesentlich 
voneinander ab. Wir unterscheiden die weiblichen, immer unbeweglichen als 
Eizellen (Eier, Oosphare) im Gegensatz zu den mannlichen, die Sperma- 
tozoiden (Antherozoiden) genannt werden, wenn sie beweglich und mit 
Zilien versehen sind (nur i bei Dictyoia^ 2 bei den iibrigeu Phaeophyceen und 
den meisten Chlorophyceen — auBer bei den Oedogoniaceen, wo ein ganzer 
Zilienkranz vorhanden ist [Fig. 44, s]); sind sie aber unbeweglich ohne Zilien, 

wie bei den Rhodophyceen, so werden sie Spermatieii genannt. Die Eizellen 
entstehen einzeln, seltener zu niehreren (z. B. bei Fucaceen und Sphaeroplect) 
in einer Mutterzelle, die das weibliche Organ vorstellt (Oogon, Karpogon). 





Befruchtungstypen der Pilze. 


95 


Die Befruchtung erfolgt in der Regel mnerhalb des weiblichen Organs, atiBer bei 


den Fiicaceen und Dictyotaceen, wo 
gelassen werden, uin dort von den Spe 
werden. Die Organe, in denen die 
Antheridien (Spermogone) , die- 
jenigen, die die Spermatien bilden, 
heifien Spermatangien. 

Das befruchtete Ei entwickelt sich 
friiher oder spater entweder direkt zu 
einer ' netien Pfianze [Volvox^ Vau-* 
cheria^ die Fucaceen) oder es teilt 
sich direkt in mehrere Schwarmer 
(z. B. Oedogonmm] oder es teilt sich 
zu einem mehrzeliigen, zellularen 
Kdrper, der seinerseits mehrere 
Schwarmer bildet {Cokochaete)^ oder 
es wird von dem befruchteten Ei eine 
andere, ungeschlechtliche, tetrasporen- 
bilden de Pflanze ausgebildet (z. B. 
IDictyota^ vgl. auch Generations- 
wechsel) oder endlich werden es wie 
bei den meisten Florideen von dem 
befruchteten Ei direkt oder indirekt 
sogenannte Karpogonidien oder 
ICarposporen abgeschnurt, die ihrer- 
seits erst geschlechtslose Tetrasporen- 
individiien oder auch (bei den Nema- 
lionales) direkt neue Geschlechtspflan- 
zen erzeugen (vgl. Karpogon und 
Generationswechsel). (Sv,) 

Befruchtungstypen der 

. Pilze. Soweit die Sexualitat in der 
Bildung von besonderen Geschlechts- 
organen zum Ausdruck kommt, 
ist durch die vergleichend-morpho- 
logischen und kulturellen Unter- 
suchiingen Brefelds der Nachweis 
erbracht worden, daB sie zwar bei 
den. niedersten, algenahnlichenPilzen 
noch vorhanden, bei den hoheren 
Formen, insbesondere den Ascomy- 
ceten und Basidiomyceten dagegen 
erloschen ist. In dieserEntwicklungs- 
richtungliegt einbesonderer Charak- 
ter der Fadenpilze im Gegensatz zu 
den iibrigen Organismenreichen. 


die unb^weglichen Eier ins Wasser aus- 
rmatozoiden aufgesucht und befruchtet zu 
Spermatozoiden gebildet werden, beiJBen 



Fig. 44. A — C Oedogo 7 iium ciliatiim : A mittlerer 
Teil eines geschlechtlichen Fadens niit Antlieri- 
dmm (m) am oberen Ende, sowie zwei befruch- 
teten Oogonien (og) nebst den Zwergiiiannchen 
{?nmjj B Oogonium ini Augenblick der Be- 
frucbtung , 0 die Eizelle , m Zwergmaiinchen, 
s Spermatozoid im Begriffe einziidringen ; C reife 
Oospore. — D Oe, LandsborougJii var. g&mclli’' 
parum\ Sttick des (J Fadens. — B — G Bulho- 
cjiaete elachista?id}'a\ E Ast eines iiberwinterten 
Pflanzcbens, oben mit einem die Schwarmspore 
noch entbaltenden und einem sie eben ent- 
lassenden, unten mit einem entleerten Oogo- 
nium; F die vier aus einer Oospore entstehen- 
den Scbwarmsporen; G ebensolcbe zur Rube 
gekommene. (Nacb Pringshelm, A, Ej G 250/1, 

A ^ 350/1-) 


Eine weitere Klarung der sexuellen Verhaltnisse bei den Pilzen ist nun 
in den letzten Jahrzehnten durch eingehende Untersuchungen der Zellkern- 
verhaltnisse ei*bracht worden. Auch diese fiihrten schlieBlich zu der 


96 


Befruchtungstypen der Pilze. 


Erkenntnis, dafi die bei den Phycomyceten und niedrig erstehenden Ascomy- 
ceten und Basidiomyceten noch vorhandenen sexuellen DifFerenzierungen bei 
den hochsten Forraen reduziert sind. Ob wir die hier beobachteten Kern- 
verschmelzungen (und Reduktionsteilungen) freilich iiberhaupt als den Aus- 
druck einer reinen Sexualitat betrachten diirfen, ist eine ofFene Frage, die 
hier nicht diskutiert werden kann. Mit diesem Vorbehalt mag der Ausdruck 
Befruchtung und Sexualitat hier gebraucht werden. 

Lange bekannt ist die sexuelle Fortpflanzung^) bei den Phycomyceten. Die bei 
diesen Pilzen typische Form der geschlechtlichen Sporenbildung ist die der Ei- 
befruchtimg und eine bestimmte Art der Hyphenkopulation, der Ausbildung von 
Oosporen und Zygosporen. 

Bei der Oosporenbildung (Fig. 45) tritt der Inhalt einer Geschlechtszelle 
(der mannlichen Zelle, Antheridium) ganz oder teilweise in eine andere Zelle 
(die weibliche Zelle, Oogonium) iiber, der beiderseitige Zellinhalt vereinigt sich 
und bildet die Eizelle (Oospore). 

Nur bei einer kleinen Familie, den Monoblepharideen, entlassen die 
Antheridien zilientragende Spermatozoiden, bei den tibrigen Oomyceten wird der 



Fig. 45. Oosporenbildung von Pcronospora ahirnmnnii (350/1): a jugendlicbei* Zustand, 
h Bildung der Oospore und des Befrucbtungsscblaucbes, c nacb. der Befruchtung. n Antheridium, 

0 Oogonium, (Nach DE Bary.) 

Antheridiuminhalt direkt diirch einen Befruchtungsschlauch in die Eizelle ein- 
gefiihrt. Die Zahl der Eizellen in einem Oogonium ist bei den einzelnen Familien 
verschieden. Die Saprolegniaceen weisen meist mehrere bis viele auf, jede im 
reifen Zustand mit einem Kern. Die Peronosporeen bilden im Oogon nur eine 
zentrale Eizelle (Oosphare) aus. In dieser Eizelle findet sich bei einigen Arten 
ein Kern, bei anderen viele. Dementsprechend treten auch vom Antheridium 
entweder ein oder viele Kerne in das Oogon iiber. Die mannlichen und weib- 
lichen Kerne vereinigen sich nach einiger Zeit paarweise. Die reifen, dickwan- 
digen Oosporen konnen mithin ein- oder vielkernig sein, sie keimen entweder 
direkt zu einem Myzelium aus oder erzeugen zunachst Schwarmsporen. Nicht 
bei alien Formen haben sich Oosporen feststellen lassen, so beim KartofFelpilz, 
Phytophtora infestans. Auch bei den Chytridineen, unter denen die einfachsten 
Pilzformeii zusammengefaBt werden, treten bei einzelnen Arten [Olpidiopsis^ 
Pseudolpidiopsis^ Ancylisteen) bereits ahnliche Oogonien und Antheridien wie bei 
den Peronosporeen auf. 

Die Zygosporenbildung (vgl. Fig. 46) kommt bei den Entomophtorineen, 
Mucorineen und bei den Basidiobolaceen vor. Hier verschmilzt der Inhalt zweier 


tiber die Myxomyceten vgl. Plasmodium. 


Befruchtungstypen der Pilze. 


97 




Fig. 46. Zygosporenbildung bei RhizoJ)us nigricans: Ent- 
wicklungsfolge nach den Bucbstaben; e fast reife Zygospore 
{90/1). (Nacb DE Bary.) 

Manchmal 


von dem ilbrigen Myzel abgegrenzter Zellen, welche nicht wesentlich voneinander 
verschieden sind, hSchstens in der Grofie etwas voneinander abweichen, nachdem 
sich die Scheidewand 
zwischen ihnen aufgelost 
batj vollstandig, zieht 
sich zusammen, uingibt 
sich mit einer feste- 
ren Membran mid wird 
so zur Zygospore. (Den 
mit dem Myzel verbun- 
denenTeil bezeichnetDE 
Bary als Trager^), Sus- 
p ensor, die verwachsen- 
den Endabschnitte als 
Gameten.) Man kann 
also hier nicht von 
Oogon und Antheridien 
sprechen, sondern von 
zwei ganz gleichartigen 
Kopulationszellen, deren 
Inhalt zti einer dritten, der 
Zygospore j verschmilzt. 
bilden sich an denselben Tragern auch 
ohne Kopulation die sogenannten 
Azygos p ore n. Die Gameten sind 
vielkernig. Das Verhalten der Kerne 
ist bisher nur bei Sporodinia bekannt 
gevvorden®). Einer der Kerne wird zu 
einem groBeren Sexualkern. Wahrend 
die tibrigen kleinen Kerne wahrschein- 
lich bei der Bildung der Zygosporen- 
membran beteiligt sind, vereinigen 
sich die beiden Sexualkerne zum 
Zygotenkern. Bei den meisten Mu- 
corineen sollen Zygosporen mir ge- 
bildet werden, wenn zwei verschiedene 
Myzelien aiifeinander treffen. Man 
hat diese Myzelien, welche keine 
morphologischen Unterschiede zeigen, 
als (-f-j und (—) Myzelien bezeichnet 
und die Pilze [Rhizopus^ Mucor^ Fig. 47. Ascusbildimg bei Erettiasetis fertiUs 
Phycoinyces) heter othallisch (dio- Stoppel. A die Kopulationsbyphen sind an- 
zlsch) genannt iin Gegensatz zu den die Ke™e liegen noch im Myzel; S die 

homothallischen (monozischen) mit zwei Nnkleolen; D Sporenbildnng. 

Arten [Sp 07 'odinia)\ (Nacb R. Stopper, Flora 1907.) 



Nacb dem Verbalten des Tragers unterscbeidet man drei Typen der Kopulation: die 
gerade (ortbo trope), bei der die Trager si'’^'- -^rade gegeniibersteben, die spira- 

lige (spirotrope), bei der die Trager sich umscbliiigen, und die z an gen- 

fdrmige (kampy lo tr op e), bei der die Trager sicb einmal kreuzen. (Vgl. Zopf in Schencks 
Handb. IV, S. 341 und Fischer in Rabenb. Kryptfl. I/4, S. 168.) 

Sendner, Observations sur les zygospores des Mucorin^es (Bull. Soc. bot. Geneve EC, 
1910, S. 56 — 59). 3 ) Blakeslee, Proceed. Amer. Acad. XL, 1904. 

Schneider, Bot. Worterbucb. 2. Auflage. 


7 


98 


Befruchtungstypen der Pilze. 

Centralblatt f. Bacteriol. XXVII, 1910, 


Oder die mit x-Chromosomen 



Fig. 4S. Sporeiibildung bei Z^'go- 
sticc/ianv/iyccsi i und 2 IConjiiga- 
tion, 3 Bildung der Sporen, 4 Ascus. 
(Nach Guillermond.) 


Verschiedene Forscher (vgl. Kruger, 

S. 186 ff.) wollen mit groBer Siclierheit festgestellt baben, aai» a.e cr..e ...u.uk 
im Oogon und in der Zygote eine Reduktionsteilung ist. Sie faprechen f.ogai a ( 
von einem Generationswechsel bei den Phycomycetes: die haploide 

erstrccke sich von der keimenden Spoic. bis 7A\i 
Befruchtungj die diploide Generation odor die 
mit 2 :x:-Chromosomen werde reprasentiert durch 
die Zygote. 

Bei den Ascoinycetes tritt die einfacbsle I'nnn 
der Befruchtimgserscheiniingen bei den nicdersten 
Vertretern dieser Pilzgriippe (den Hemiasci) aiif. 
Ere7nascu$ bildet an zwei aufeinander folgendeii 
Zellen nahezu gleiche Gameten, die nach Ver- 
einigung direkt zum Asciis anschwellen (s.Fig. 47,1. 
Endomyces bildet iingleiche Gameten aiis. In 
das keulenfbrmige Oogonium soil der Kern des 
fadigen Anthericliums iibertreten und sich mit 
dem Oogonkeni vereinigen. Das (logon wircl 
dann direkt abnlich wie bei Ercmascus zum Ascu.s. 
Befruchtungsvorgange einfachster Art sollen selbst die Saccharomycetes (Hefepilze) 
zeigen. Die Sporenbildung wird bei ihnen eingeleitet durdi die Konjugation 
zweier gleicher Gameten (s. Fig. 48). Schwieriger gestalten sich die Verhaltnis.se 
bei den hoherstehenden Ascoinycetes. Bei Sphaerotheca (Mehltaupilz), teilt sich 
das Oogonium nach Empfang des Antheridienkernes in inehrere Zellen, von 
denen eine zum Ascus wird. Hullfaden umsclilieBen den Ascus und fiihren zu 

der Friichtkdrperbildiing, 
dem Perithecium (siehe 

Fig. 49)' 

Am meisten studiert 
und am kompliziertesten 
sind die Befruchtung.svor-* 
gange bei Pyronemii con-' 
Jhmis und verwandten Gal- 
tungen : Ascodesnm^ 

11 ascus ^ Aspergillus. Das 
Askogon (Oogon) ist mit 
ein em T r i c h 0 g y n ver- 
sehen und enthiiit wic 
das Anther idium vide 
Kerne. Beide Organe 
werden daher nicht als 
Gameten , sondern als 
Gametangien (Cdnoganie- 
. ^ ten) bezeichnet. Die Kerne 

des Antheridiums sollen erst in die Trichogynzelle eintreten und dann von 
hier aus in das Askogon gelangen (s. Fig. 50). Je ein mannlicher und weib- 
licher Kern bilden dann, ohne zu versclimelzen, ein Kernpaar. Yon diesen 
Kernpaaren wandern mehrere in die aus dem Askogon liervorwachsenden, sich 
verzweigenden askogenen Hyphen ein. Die Zahl der Paare vermehrt sich durch 
wiederholte,^ gleichzeitige (konjugierte) Teilung der Einzelkerhe. An den 
Enden der dichotomiscli verzweigten, askogenen Hyphen, die hier nur ein Klern- 



Fig. 49. Befruebtung und Pei'itbeciunieutwicklung von Sphaero- 
theca Castagnd. I Oogonium og mit angesebmiegtem Antheri- 
diumzweig az. 2 Ubertritt des Antberidiumkenies zum Oogo- 
niumkern. 3 befruchtetes Oogonium mit zwei Lagen Blullfaden 
aus der Stieizelle st. 4 mebrzelliges Askogon, durcb Teilung 
des Oogoniums bervorgegangen ; die vorletzte zweikernige Zelle, 
as^ liefert den Ascus. (Aus Stkaseurger nacb Harper.) 



Befruchtungstypen der Pilze. 


99 


paar enthalteii^ entstehen die Asci. Durcli konjugierte Teilung gehen aus Hem 
Kernpaar vier Kerne hervor, die Hyphe bildet einen Haken, iind durch Auf- 
treten zweier Wande werden im Bogen des Hakens zwei Kerne abgekammert: 
es soli ein milnnlicher und ein weiblicher sein, die sich zu dem primaren Ascuskern 
vereinigen (s. Fig. 51). 

Durch drei Teilungen 
gehen aus diesem Kern 
die acht Ascuskerne her- 
vor. Die erste dieser 
Teilungen ist eine hetero- 
typische, durch die die 
mit der Kernverschmel- 
ziing aufgetretene dop- 
pelte Chroinosomenzahl 
auf die einfache zuriick- 
gefiihrtwird. Man isthier- 
nach so weit gegangen, 
im Entwicklungsgange 
von JF^ronema einen 
Generationswechsel zu 
sehen, homolog dem- 
jenigen bei den Moosen, 

Farnen usw. Von der 
Spore bis zum Askogon 
erstrecke sich der Game- 
tophyt, und von dem 
Askogon bis zur Spore 
reiche der Sporophyt. 

Hierbei werden die 
konjugierten Kerne ver- 
einigten Kernen gleich- 



Besonders ihr 
Verhalten bei der Teilung wird daftir in Anspruch 
genommen, sie als eine Einheit (Synkary on) auf- 
zufassen. 

Eine besondere Stellung nehmen unter den Asko- 
myceten die myzellosen, auf Insekten (Stubenfiiegen) 
schmarotzenden Laboulbeniaceen ein. Sie stellen 
einen besonderen Typus dar, der insofern an die Be- 
fruchtungsverhaltnisse bei den Rotalgen erinnert, als 
hier spermatienartige Konidien frei werden und ein 
dem Trichogyn ahnliches Organ auftritt. Man hat 
sich aber vergeblich bemiiht, die Vereinigung des 
Spermatienkernes und des Kerns des Karpogons zu 
beobachten. Die Spermatien konnen zudem auch 
fehlen, und dennoch wird im Karpogon ein Doppel- 
kern (Synkaryon) angetrofifen; der zweite Kern soli 
dann aus der Tragzelle des Trichogyns stammen. 
Durch wiederholte Teilungen entsteht aus dem 
Karpogon ein Biindel von Asci, in diesem tritt erst 
die Kernvereinigimg ein. Diese Erscheintingen bei 


•i Anlage eines Apotheciums, drei Oogonien og rait Trichogyn 
drei Anthericlien a. B Wanderungen zwischen Anthei'idium und 
Trichogyn mid die Bnsalwand des Trichogyns aufgeldst, mann- 
liche und weibliche Kerne in der Mitte des Oogons. C Langs- 
schnitt diuch junges Apothccium, asc Asci, askogene liyphen. 

C vergr. etwa 1 50, B etwa 300. (Aiis [Str AS BURGER nach 
PlARPER.) 



Fig, 51. Ascusentwicldung. A-C 
Pyronc??ia conjiimis. (Nach Har- 
per.) JD jnnger Ascus mit acht 
Sporen von Bottdkra. (Nach 
Claussen.) a Bogen des Ha- 
kens; Acusanlage; s Stielzelle, 
h Schnabelzelle. (Aus Stras- 
BURGER.) 



lOO 


Begleiter— Beisprosse. 



5m. 


den Laboulbeniaceen werden als eine Reduktion der Sexualitat be- 

den hSheren Ascomyceten haben sich ebenfalls Erscbeinungen feststellen 
lassen, die als ein Ruckgang der Sexualitat gedeutet werden. So fand sicn 

bei Lachnea stercorea noch AsKOgon una 
Atithcridiunij doch traten die mdiinlichcn Kerne, 
nicht ins Askogon uber, sondern es vereinigten 
sich je zwei weibliche Kerne im Askogon. 
Die gleicbe eigenartige Kernverschmebimg 
wurde bei Himaria granulata entdeckt. Bei 
diesem Pilz war ein Antlieridium hberhaupt 
nicht mehr ausgebildet. 

Als reduzierteSexualvorgange werden 
auch die eigenartigen Kernphanomene bei den 
Rost- und Brandpilzen, sowie den Basidio- 
mycetes erklart. Bei den Rostpilzen wurde 
im Aecidium die Einwandening eines Kernes 
in die Zelle, aiis der die Aecidiosporenmiitter- 
zelle hervorgeht, beobachtet. Eine Kernver- 
einigung bleibt aus (s. Fig. 52 (S). Die Kern- 
paare vermehren sich durch konjiigierte Tei- 
lung. Erst in der reifen Telentospore ver- 
schmilzt das Synkaryon zu einem Kern. Bei 
den Brandpilzen und Basidiomyceten ist ein 
Synkaryon ebenfalls wohlbekannt, die Ver- 
schmelzung der beiden Kerne tritt in der 
Basidie ein. (S. Fig. ^2 A und A\) Die er.ste 
der dann auftretenden Teilungen, die zur 
Bildung der vier Sporenkerne der Basidien 
fiihrenj wurde bei den Basidiomyceten als Reduktionsteilung erkannt. Nur ist 
noch unbekannt, wie und wo das Synkaryon seinen Ursprung nimmt. (Vgl. Guii-lkr- 
MOND, Rev. gen. bot. XX^ XXIII, Clausen, Z. f. B, IV, S. iff., Mairk, Theses 
d. Sciences 1902 — 1903.) [F.) 

Begleiter (Lorentz) s. Charakterzellen. 

Begleitparenchym. Unter Begleitparenchym versteht Frank (Lehrb. 
I, S. 192) die in den Nervenendigungen der Laubblatter die Endtracheiden 
begleitenden, plasmareichen, groBkernigen, chlorophyllosen Zellen. Vgl. 
GefaBbiindelendigungen und Obergangszellen. (P.) 
begrenzte Varxabilitat s. Variabilitat. 

behStte Tiipfel s. diese. 

Beiknospen s. SproB. 

Beisprosse (vgl. auch unter SproB): Sprosse, welche unter oder neben 
dem in der Mediane entwickelten ersten Achselprodukt eines Blattes zur 
Entwicklung gelangen, Weitaus am haufigsten sind die serialen B., ^velche 
sich in der Mediane entwickeln, erheblich seltener die kollateralen, die 
transversal zur Entwicklung gelangen (z. B. bei vielen Cucurbitaceen), Unter 
den serialen B. unterscheidet R. WAGNER (Z. B. G., 1900, S. 304) akropetale 
und basipetale; erste weit verbreitet, letzte weit seltener. Die B. kommen 
sowohl in der vegetativen wie in der floralen Region vor, in letzter sind 
sie fiir manche Infloreszenzen sehr charakteristisch. ( W). 


Big- 52- ^ B junge Basidien von 
Armillaria melka. A Basidie niit den 
beiden primaren Kernen. B nacb Ver- 
schmelzimg der beiden Kerne und vor 
der Teilung in die vier Sporenkerne. 
C Ae c idiensp 0 reiike tte yonPhragmidium 
speciostmi^ f fertile Zellen, durch deren 
Kopnlation die Aecidiosporenmutter- 
zelle sm und jede der Aecidiosporen a 
mit zwei Kernen (Synkaryon) versehen 
wdrd. ^ Zwischenzellen. (Nach RUH- 
LAND und Christman , aus Stras- 

BURGER.) 



Bekcistigiingsantlieren— Bestaubung. 


lOI 


Bekostigungsanthei'en s. Heterantherie. 

Bekostigungskorper: Bei der Pandanaceengattung Freycinetia linden sich 
zwischen den Bliitenstandskolben vielzellige, nahrstoffreiche, keulenfdrmige oder 
zylindrische Achsenorgane , sog, B., welche nach Knuth den die Bestaubung 
vermittelnden Fledermausen als Nabrung dienen (s. Fig. i6b). Indem die Fleder- 
mause die B. verzehren, beladen sie sich mit Pollen bzw. vermitteln sie an den 
weiblichen Kolben die Bestaubung. Vgl. Knuth, III, i, S. 45, und bezuglich 
der phylogenetischen Deutung der B. : Porsch, Mitteil. d, naturw. Ver. d. Wiener 
Universitat, 1904. [P.) 

Belt'sche KSrperchen nennt A. F. W. Schimper (Die Wechselbez. 
zw. Pflanzen u. Ameisen, 1888, S. 50) die sog. MULLERschen Korperchen 
(s. d.) bei Cecropia. analoge Gebilde, wie sie bei der von Ameisen be- 
wohnten Acacia sphaerocephala beobachtet warden. Sie sitzen an der Spitze 
der Blattchen, besitzen ungefahr die gleiche GroBe wie die MxiLLERschen 
Korperchen, birnformige Gestalt, hell- bis orangegelbe Farbe und fallen 
wie jene im reifen Zustande bei der leisesten Beriihrung ab. [P,] 

Benthos (E. FIaeckeb in Jen. Zeitschr. f. Naturw., XXV, 1891, 23211.) 
nennt man im Gegensatz zum Plankton (s. dieses) die wurzelnde oder den 
Grund der Gewasser bedeckende Wasservegetation. Man unterscheidet, wie 
beim Plankton, zwischen Halobenthos, pelagischem B., d. h. dem des 
Meeres, und Limnobenthos, limnetischem B,, dem des SiiBwassers. Das 
Halobenthos ist vornehmlich auf Fels oder an Steinen angesiedelt, seltener 
auf Sand oder Schlamm, so daB der Schlamm- oder Sandboden, zumal 
in groBeren Tiefen, sehr vegetationsarm ist. Das Limnobenthos mit 
seinen Sumpfpflanzen , wurzelnden Wassergewachsen mit Schwimmblattern 
[Nymphaea ^ Nitphar usw.) und untergetaucht lebenden Phanerogamen ist 
bekannt. In groBeren, lichtarmen Tiefen verschwinden nach und nach hohere 
Pflanzen (Charen, Nitellen, welche im Bodensee noch in einer Tiefe von 
30 m stellenweise vorkommen), und es treten Algen (Bacillarien, Oscillariaceen 
usw.) auf. In der groBten Tiefe (Bodensee 240 m) ist der Seegrund vege- 
tationslos bis auf vereinzelte Bacillarien.- (Nach WiESNER, S. 240, vgl. auch 
Wamring, Oecology, S. 167.) {D,} 

benzoloide Diifte (Kerner) s. Blumendlifte, 

Bereicherungssprosse (A. Braun) s. SproBfolge. 

Bereicherungswurzeln s. Heterorhizie. 

Berindungshypothese. Nach FIofmeister wird die Achse der hoheren 
Pflanzen durch das Auswachsen der Basis der Blatter berindet. [Pt) 

Bernstein s. Fossilien. 

Bei^uhrungsbriicken s. Myzel. 

Beriihrungsreize = Konta;ktreize, vgl. Haptotropismus. 

Beschattungskoeffizient (Cieslar, Die Rolle des Lichtes im Walde, 
Wien, 1904) == Verhaltnis der durch das Kronendach der Baume zurlickgehaltenen 
Lichtmenge 2, ausgedriickt in Prozenten des Freiiandlichtes, zur Zahl der Stamme 
pro ha (sr). Der bequemeren Vergleichbarkeit halber gibt Cieslar dem Koeffizienten 

2 

die Form — 100. IZ.) 
z 

Beschleunigungsreize s. formative Wirkungen u. unter Reize. 

Bestaubung. Unter B. oder Pollenubertragung versteht man bei 



102 


BestSubung. 



den Bliitenpflanzen den die Voraussetzung fiir die Befruchtung bildeii' 
Transport des Pollens aus den Antheren auf die empfangnisfahigen Ste: 
der weiblichen Bliitenorgane. Als aktive Bestaubungsvermittler fungi e 
Wasser, Wind und Tiere. Dementsprechend bezeichnet man die bezligl 



53 ' Kleistogame Herbstbliite 
von Lamhim amplcxicmiU: a ge- 
scblossen, h im LiingssctLnitt. 
(Nach. Hildebrand.) 


angepajQten Pflanzen als Wasser-, Wii' 
und Tierbliitige (s. Bestaubungsvermittl 
Der Bestaubungsvorgang kann passiv ^ 
aktiv auf verschiedene Weise erfolgen. IV''. 
unterscheidet: 

I. Autogainie (S elbstb es taub u ii 
homokline B.): Der Pollen gelangt auf « 
Narbe derselben Bliite. A. kann daher nax" 
Zvvitterbliiten stattfinden. Erfolgt die A. in 
schlossener Bliite, dann spricht man v 
Kleistogamie. (Fig. 53.) 1 st sie von Erfo 
so entsteht Autokarpie (Selbstfertili t a 
ist sie ohne Erfolg, . Selbststerilitat. Die 
kann erfolgen: 

a) durch die gegenseitige Stellung d 



Fig. 54. Geitonoganiie mit baftendein Pollen: i Kreuzung der Griffelaste benaclibart< 
Biiiten in dem Kbpfcben von E^tpatorium cmmahinum. 2 Langssclinit!: durch den obex'e 
Teil einer jungeii Bliite dieser Art. 3 Doldchen von CJiaerophyllum aromatimm: die ech.l:e 
Zwitterbliiten gedffnet, die Pollenbliiten noch geschlossen. 4 dasselbe DGlc 

clien: die echten Zwitterbli ' ■ Staubbliitter, die scheinzwittrigen geoffnet, der <3 

Antheren Pollen auf die Narben jener streiiend. {Nach Knuth.) 




BestSlubung. 


103 

Narbe imd Antheren ohne fremde Einwirkung: direkte A., spontane Selbst- 
bestaubung. 1st sie von Erfolg: direkte Autokarpie. 

b) durch andere Einfltisse: in direkte A. 1st sie von Erfolg: in direkte 
Autokarpie. 

Der Kleistogamie steht die Bestaubung in offener Bltite gegeniiber: 
Chasmogamie. Sie erfolgt als 

11. Allogamie (Fremdbestaubung, heterokline B.). Der Pollen gelangt 
auf die Narbe einer anderen Bliite desselben Stockes oder eines anderen Stockes 
derselben Art. 1st sie von Erfolg: Aliokarpie; ist sie ohne Erfolg: Adyna- 
mandrie. 

Die Allogamie kann stattfinden: 

a) zwischen verschiedenen BlUten desselben Stockes: Geitonogamie; Nach- 
barbestaubung (Fig. 54 ). Ist sie von Erfolg: Geitonokarpie. 

b) zwischen Bliiten verschiedener Stocke derselben Art naher direkter Abkunft: 
Adelphogamiej Geschwisterkreuzung. 




Fig. 55. Protandrische Bliiten von Geranhmi pmtense: a die Antkeren offnen sick, aber 
die Narben (siebe h) nock gescklossen. c spaterer Ziistand, wo die Antkeren sckon den l?ollen 
abgegeben und die Filamente sick zuriickgebogen kaben, die Narben aber erst reif geworden 

sind. {Nach HILDEBRAND.) 

c) zwischen BlUten verschiedener Stocke derselben Art entfernterer Abkunft: 
Gnesiogamie, echte Kreuzung. b und c werden als Xenogaxnie zusammen- 
gefaBt; ist diese von Erfolg: Xenokarpie. 

d) zwischen BlUten von Pfianzenstocken ungleicher Varietaten : Nothogamie, 
Blendlingsbestaubung. 

HI. Bastardierung, Hybridogamie, Hybridisierung, Bastardbe- 
staubung, Artkreuzung. Der Pollen gelangt auf. die Narbe der BlUte einer 
anderen Art. Ist sie von Erfolg: Bastardokarpie. Die Bestaubungsarten b 
und c werden auch als einartige Kreuzung, d als zweiartige Kreuzung 
bezeichnet. 

Die Art der Verteilung und Entwicklung der Geschlechtsorgane bedingt ver- 
schiedene Bestaubungstypen. Man unterscheidet: 

I. Diklinie, Getrenntgeschlechtigkeit: Alle BlUten eingeschlechtig, da- 
her nur Allogamie moglich. 

a) Monoezie, Einhausigkeit: mannliche und weibliche BlUten auf dem- 
selben Stocke. Geitonogamie moglich. 

b) Dioezie, Zweihausigkeit: mannliche und weibliche BlUten auf ver- 
schiedenen Stocken. Nur Xenogamie moglich. 


104 


BestSubungstropfen. 


IL Monoklinie, Zweigeschlechtigkeit: Alle Bltiten zvvitterig. 
a) Dichogamie: Narben und Antheren derselben Bliite sind Bicht gleidi- 
zeitig entwickelt. 1 st die D. so stark ausgepragt, daB die Narben schoii ver- 
trocknet sind, wenn die Antheren aufspringen oder umgekehrt, so ist nur Ailn- 
ganiie moglich. Ist sie weniger ausgepragt, ist auch Autogamie moglich. Die 
D. tritt in zwei Formen auf: Proterandrie, Protandrie: Die Antheren springen 
auf, ehe die Narben entwickelt sind [Geranium pratenseY\g. 55) Proterogynie, 

Protogynie: Die Narben sind emp- 
fangnisfahig, bevor die Antheren aiiD 
springen und zurZeit der AntJierenreifc 
vertrocknet [Luzula pilosa Fig. 56). 

b) Homogamie: Narben und 
Antheren derselben Blute sind gieich- 
zeitig geschlechtsreif, wobei wieder 
Kleistogamie oder Chasmoganiic 
(s. oben) vorliegen kann. Im crsleren 
Falle ist nur Autogamie nidglich, im 
letzteren Falle Autogamie und Allo- 
gamie. 

III. Polygamie: Dieselbe Pllan- 
zenart besitzt monokline und dikline 
Bliiten in verschiedeiier Verteilung 
(s. Polygamie). Je nach der Ver- 
teilung der Geschlechter Autogamie 
und Allogam ie moglich. 
Bestaubungsti'opfen: Der bei den Gymnospermen aiis der Mikro- 
pyle der Samenanlage ausgeschiedene Flussigkeitstropfen, der in der Regcl 
zum Auffangen der durch den Wind verbreiteten Pollenkorner dient. (Pig. 5 7.) 
Bei einigen Gnetales Ephedra cmnpylopoda, Gneinm-Exit\\\ wciclie 

bereits insektenbliitig sind, wird in den B. in groBer Menge Zucker ab- 
geschieden, und er fungiert hier bereits als Nektartropfen. VLd. PoKS('H 
B. D, B. G., 28. Bd., S. 404. [P) ’ 



Fig. 56. Protogynische Bliiten von Lu- 
zula pilosa (vergr.). a kurze Zeit vor dem Auf- 
hlUhen sind die Narben sebon in vollkommener 
Entwicklung; b im aufgebliibten Zustande sind 
diese desorganisiert, die Antheren olFnen sich 
aber erst jetzt. (Nach Hildebrand.) 




B estaubuugsvermittler — ^Be wegungen . 


105 


Bestaubungsvermittler (vgl. Bestaubimg nnd Blumenklassen). Auf 
Grund der Bestaubungsvermittler ergibt sich (nach Knuth^) folgende Ubersicht: 

I. Hydrogamae "") (Hydrophilae): Wasserbliitler (i d.): 

a) Blyphydrogamicae: unter dem Wasser Befruchtencle, 

b) Ephydrogamicae: auf dem Wasser Befruchtende. 

II. WindblQtler (s. d.): 

a) Narbenlose, 

b) Stigmaticae: Narbenblutige, 

1. Katzchenbltitige, 

2. Penduliflorae: Hangebltitige, 

3. Longistamineae; Langstaubfadige, 

4. Explodi florae: Losschnellende, 

5. Immotiflorae: Unbevvegliche. 

IIL Zoidiogamae (Zoid iophilae): Tierbliitler (s. d.): 

a) Chiropterophilae: Fledermausbliitige (s. Fledermausblumen), 

b) Ornithophilae: Vogelbltitige (s. Vogelblumenj^ 

c) Malacophilae: SchneckenblUtler (s. d.), 

d) Entomophilae: Insektenbliitler (s. d.]. 

Hier folgen die MuLLERschen »Blumenklassen« ^ s. diese. (Ausfiihrlicheres 
unter den Hauptschlagworten.) 

Bestandestypen s. Assoziation, 

Bestockung. Unter Bestockung versteht man die Bildung von Seiten- 
sprossen an den oberirdischen Knoten (Bestockiingsknoten), die jedoch dem 
Boden ziemlich benachbart sind. Durch die B. wird eine ergiebige Aus- 
breitung der Pflanze erzielt, eine reichliche Bestockung kommt z. B. vielen 
Gramineen zu. {G.) 

Betriebsstoffe, Betriebsstoifwechsel s. Stoffwechsel und Atmung. 

Beutelchen s. Orchideenbliiten. 

Beutelgallen, die durch lokale Vorstiilpung der Spreite zustande ge- 
kommenen Blattgallen. Gallen dieser Art warden namentlich durch Milben 
und Aphiden erzeugt und zeigen untereinander sehr verschiedene Formen. 
Vgl. auch Ceratoneon, Cephaloneon (Naheres bei KDSTER 19 ii). {IGst.} 

Bewegungen. Die Bewegungsvorgange, die an Pfianzen oder Pflanzen- 
teilen beobachtet werden, sind znm Teii von der spezifischen Lebensbetatigung 
unabhangig; sie tragen den Charakter rein physikalischer Vbrgange, die somit am 
lebenden wie am toten Organismus auftreten kbnnen. Hierher gehdren zunachst 
die rein passiven Bewegungen wie die B. durch Wind- und Wasserstrdmungen, die 
nichtsdestoweniger eine wichtige biologische Rolle spielen, sowie Kriimmungen, 
welche durch das Eigengewicht der Organ e bedingt werden (Lastkrummungen 
[Wiesner] s. dort). Ein Teil der physikalischen Bewegungen wird aber nach 
Intensitat und Richtung sehr wesentlich durch die innere Struktur des bewegten 
Organs mitbedingt; man kdnnte diese Kategorie als aktive physikaliscbe Be- 
wegungen den rein passiven gegentiberstellen. Dazu zahlen hauptsachlich: 
I. Imbitions-, Quellungs- oder hygroskopische Bewegungen. Sie be- 
ruhen auf einem verschiedenen Quellungsgrad^) oder einer verschiedenen Orien- 
tiernng der quellungsfahigen Elemente auf den antagonistischen Seiten eines 


Zum Teil im Anschliifi an Delpino (Atti del soc. ital. Sc. Nat. Milano XI, 1870). 

Wir stellen diese von Kirchner in neuester Zeit eingefiihrte Bezeichnung voran, die 
sich bei Knuth noch nicht findet. 

3 ) Frank, I, S. 424, bezeichnete derartige Bewegungen als mechanische oder tote B, 


io6 


Bewegungsgewebe — Bienenbliimen. 


Organs (s. aucli unter Quellung), wodurch sowohl bei Aufnahme wie bei Abgabe 
von Wasser Bewegungen veranlaBt warden. 2. Kohasionsbewegungen (Stkik- 
brinck) (s. d.), bedingt durch den »Kohasionszug des Fullwassers«. 3. Schleuder- 
bewegtingen; hierher zahlt man jene Bewegungen, welche aiif einem jdotzlichen 
Ausgleich osmotischer SpannungsdilFerenzen bernhen, mit welchem eine Abldsung 
und Abschlenderung von Organen (Sporen, Samen iisw.) verkntipft ist. (Voin 
biologischen Gesichtspimkte konnten auch manche Quelliings- [vgl. Scbleuder- 
friicbte] und Kohasionsbewegungen hierher gerechnet werden.) Die Mechanik 
der B. ist im einzelnen sehr verschieden. 

Eine andere Kategorie von B.^Erscheinungen ist im wesentlichen bedingt und 
erinoglicht durch die spezifische Lebenstatigkeit der Organismen; es sind die 
eigentlichen aktiven oder vitalen, Rezeptions- oder Reizbe wegungen, 
(S. dort) 

Nach der auBeren Form der Bewegung eines einseitig hxierten Organs iinter- 
scheidet man zwischen Kriimmung, wobei sich die Bewegung eines unsprung- 
iich geraden Organs in einer Ebene vollzieht, Torsion oder Drehung, wenn 
sich ein Organ unter Beibehaltung seiner Richtung um die eigene Achse dreht 
und Winden, in welchem Falle das 
ganze Organ in Form einer Schraube 
um eine ideelle Achse sich bewegt 
(vgl. Fig. 58). 

S. auch unter Reizbewegungen. (Z.) 

Bewegungsgewebe,^ system : 

Im weitesten Sinne des Wortes alle 
diejenigen Gewebe und anderen ana-* 
tomischen Einrichtungen, derenHaupt- 
funktioii die Vermittlung von passiven 
und aktiven Bewegungen ist. Vgl. 

Bewegung. (Z.) 

Bewegimgswachstum s, meri- 
stisches Wachstum. 

Biachaenium s. Schizokarpium. 

Biaiometamorpliose (Lotsy, 5S* 
in Rec. des Trav. bot. Neerl. I, 1904): 

Bekanntlich versteht man heute unter 
direkter Anpssung zwei wesentlich verschiedene Vorgange, einerseits die 
nutzhchen »Veranderungen«, welche Organismen in Reakti on auf Reize er- 
fehren und andererseits Veranderungen schlechtweg, welche durch ungewohnte 

“a ersterwahnten Veranderungen mochte 

P,- A Anpassung* reservieren; fiir die letzteren schlagt 

er den Ausdruck Biaiometamorphose vor. Als Biaiomorphose bt 
zeichuet er diejenige Form, welche der Organismus unter dem EinfluB der 
t,ewohntenRei2e annimmt, also die »normale« Entwicklung. Iv. WUst) 
Biaiomoi'phos© s. Biaiometamorphose. 

Bibacca s. Fruchtformeii. 

BiegungsfestigkeiJ Sicherung der, s. mechanische Bauprinzipien 

Blumen ,‘^“^™*bezeichnung fur alle jene Pflanzen, deren 

Blumen vorwiegend oder ausschlieBlich an die Bestaubung durch Bienen 

pi aej angepa t sind. Der verschiedenen Anpassungshdhe der korperlichen 




^ ^ Schematische Darstellimg- fiir Kriini- 
mung, Drehung und Windung (vgl. Text), 
(Nach JosT.) 



Bienenblumen. 


107 


Ausrustung-en derBienen, welche ung-efahr dieHalfte aller Blumeninsekten aus- 
machen, entspricht auch die groOe Mannigfaltigkeit der B. Die Anlockimg auf 
die Entfernuiig erfolgt durch die Farbe, seltener durch den Gemch. . 

Unter den Farben herrschen die blaiien, violetten und purpurnen Tone voi*, 
aber auch Gelb und WeiO. Der Honig ist immer mehr oder weniger tief 
geborgen, die Geschlechtsorgane sind in den haufig zygomorphen Bluten 
meist eingeschlossen. Bliitenmechanik vielfach sehr kompliziert und in der Aus- 
beute des Honigs oder der ihn stellvertretenden Ersatzeinrichtungen (Futter- 
gewebe) intelligenten Blumenbesuchern angepafit. 

Kirchner gibt (Blumen u. Insekten, 1911, S. 228) folgende Einteilung: 

1. Eingrdhrige B/j: Bltiten strahlig. Krone rohrig oder glocldg, Ziigang zum 
Honig so weit, da6 die Besucher den Ktissel oder lidchstens den Kopf einfiihren 
konnen. Miiscarl^ Anchusa^ Primula, 

2. Weitrohrige: Krone meist strahlig, trichterig oder glocldg, Bluteneingang 
so weit, daB die Bienen mit ihrem ganzen Kdrper oder dem groBten Teil des- 
selben in die Bliite eindringen konnen. ColcJiicum,^ Narcissus,^ /w, Campanula, 
Hierher gehoren anch die von Keener als Revolverbliiten bezeichneten Blumen 
verscbiedener Genii ana- hx'ttn (s. Revolverbliiten). 

3. Lippenblumen: Besonders haufiger B.-Typus. Krone verwachsenblattrig, 
zygomorph, mit Ober~ tind Unterlippe, erstere als Regendach fiir die unter ihr 
befindlichen StaubgefaBe, letztere als Anflugsplatte und Sitzflache dienend. Be~ 
staubung durch die Riickenseite der Tiere, Staubbeutel sich daher nach unten 
offnend. Selbstbestaubnng vielfach durch Protan drie oder Protogynie verhindert. 
Honig mehr oder weniger tief in der Kronenrdhre oder in einem Sporn ge- 
borgen. Antheren mitunter durch ein Drehimgsgelenk beweglich (Sa/Tua). La- 
biataC; Scrophiilariaceen, viele Solanaceen, Acanthaceen und Verwandte, Orchh^ 
Viola. 

4. S chmetterlingsblumen: Der herrschende Bauplan ist die Schmetterlings- 
blume (s. Fig. 7). Je nach der Art und Weise, wie der Pollen den besuchenden 
Bienen aufgeladen wird, lassen sich vier Haupttypen unterscheiden. 

a) Die Klappvorrichtung: Das Wesentliche derselben besteht darin, daB 
bei Abwartsbewegung des Schiffchens aiis der Spitze desselben die Enden der 
Staubblatter mit den Staubbeuteln und das Griffelende mit der Narbe hervortreten, 
bei Aufhoren des Druckes auf Pdiigel und Schififchen dagegen wieder eingeschlossen 
werden . T'rifoliiim-hxttxx. 

b) Die B ursteneinrichtung: Eine unterhalb der Narbe am Griffel ange- 
brachte Biirste iibernimmt die Atifgabe, den schon in der Bltitenknospe aus den 
Staubbeuteln hervortreten den Pollen festzuhalten und den Besuchern darzubieten. 
Die »Griffelburste« besteht aus schrag aufwarts gerichteten Borstenhaaren, die 
entweder das gauze Griffelende rings umgeben oder dessen AnBen- oder Innen- 
seite bloB eine kurze Strecke lang bedecken. Zaihyrt^S’-hxttn (s. Fig. 7). 

c) Nudelpumpe, Nudelspritzeneinri chtung: Sie beruht darauf, daB der 
Pollen beim Plerabdriicken des Schiffchens in jUngeren Bluten aus dessen Spitze 
so lange in wurstfdrmigen Massen heraustritt, bis der Pollenvorrat erschopft ist 
An alteren Bluten komint an derselben Stelie die Narbe zum Vorschein, wo- 
durcli die Bedingungen fur die Fremdbestaubung gegeben sind. Die Schiffchen- 
spitze dieut als Pollenbehalter, wozu sie dadurch besonders geeignet ist, daB 
nicht nur die unteren, sondern auch die oberen Rander der beiden Schiffchen- 
bllitter miteinander verwachsen sind, mit Ausnahme einer schmalen Spalte, durch 


Bei Kirchner als Immenblumen bezeiclinet. 



io8 


Bienenfallen — ^Bienen-Krauter. 


die Pollen bzw. Narbe austreten. Anch hier erfolgt die Pollenentleerung schon 
im Knospenzustande. Der die Schiffchenspitze ausfiillende Pollen wird ent- 
weder durch die keulig angeschwollenen Staubfadenenden oder dutch die An- 
theren zusammengehalten [Lotiis-^ Z^^/2;^2/5-Arten). 

d) Die Explosionseinrichtung: Findet sich sowohl bei honighaltigeii 
als bei honiglosen B. Das Wesen derselben besteht darin, daB entweder die 
Staubfadenrbhre oder der an der Spitze hakig gekrtimmte GrifFel sich in einein 
elastischen Spannungszustande befindet, in dem er durch das Schiffchen zurtick- 
gehalten wird. Wird jedoch dasselbe durch den Bestauber herabgedrtickt imd 
dadurch die Hemmung ausgeldst, so schnellt die Staubfadensaule bzw. der 
Griffel zuriick, und der Bliitenstaub wird explosionsartig in einer Wolke aus- 
gestaiibt, Medicago falcata^ Sarothamnus scoparius. 

In modifizierter Form tritt die Schmetterlingsblume bei Schizanthus und 
Corydalis auf. 

5. Die Umwaiiderungsblumen, B. (Imraenblumen) niit Umwanderungs- 
einrichtung: GroBe strahlige, wagerecht ausgebreitete Bluten mit im Umkreis 
des Blutengeruches mehr oder weniger tief geborgenem Honig, welcher den In- 
sekten so dargeboten wird, daB sie zur Ausbeutung desselben die Bltite im Kreise 
umwandern miissen, wobei sie mit dem Riicken die ilber ihnen befindlichen 
Antheren oder Narben beruhren mtisseii. Dichogamie oder Platzwechsel der 
mannlichen und weiblichen Organe sichern die Fremdbestaubung. PPigclla 
damascena^ Passifiora-kxltxx. 

6. Anklammerungsblumen, B. (Immenblumen) mit Anklammerungs- 
einrichtung: Strahlige, hangende Bliiten, an die sich die Besucher anhangen, 
wobei sie sich entweder an den Geschlechtsorganen selbst oder der Krone fest- 
halten und hierbei Antheren oder Narben beruhren. Der Pollen ist in der Kegel 
trocken, mehlartig und wird aus den vielfach in Form eines »Streukegels« zu~ 
samnienneigenden Antheren auf bestimmte Korperstellen der Besucher gestreut. 
Galanthus^ Calluna^ Symphytum^ ^ ^mlegia- Axten, 

7. Immenfallen, Bienenfallen: Ziim Teil ahnlich manchen Klemmfallen- 
blumen w\q Ceropegza^ zumTeil wie namentlich bei tropischen Orchideen in mannig- 
fachster Weise im Einzelfalie verschieden. Im einfachsten Falle, wie bei Cypri-- 
pedilum^ fungiert die pantoffelformige Honiglippe als Kessel, auf dessen Grunde 
nahrungspendende Haare den fehlenden Honig ersetzen, und aus dem die Bienen 
bloB durch zwei seitliche Ldcher ihren Ausweg finden kdnnen, oberhalb derer 
Antheren und Narben stehen. Bei Stanhopea bietet das Hypochil als Nahrung 
Futterwarzen (Futtergewebe) , und die Tiere miissen einen ihnen durch die ge~ 
fiugelte Saule und zwei seitliche, dem Mesochil angehdrige Horner vorgezeich- 
neten Fallraum durchfallen, an dessen Ende die Saulenspitze mit Rostellum und 
Narbenhohle liegt. Hierbei werden ihnen die Poilinien aufgeladen, die in der 
nachsten Bltite beiin Herabfallen des Insektes in die Narbenhohle gedriickt werden. 
Bei^ Coryanthes wird der Kessel durch das als Wasserbecken fungierende Epichil 
gebildet, aus dem ftir die Hum mein {^JduglosscL-^hxttxi) nur eine AusflugsdfFnung 
fuhrt, oberhalb welcher Narbe und Pollinium liegen. [P,] 

Bienenfallen s. Bienenblumen. 

Bienen-Hummelblumen: Bezeichnung ftir Bienenblumen, welche in 
zwei verschiedenen Bliitenformen auftreten, deren eine nur von Hummeln 
regelrecht ausgebeutet wird, wahrend die andere auch Bienen mit weniger 
als 7 mm langem Russel zuganglich ist, z. B, Sahireja alpina. (P.) 
Bienen-Kr^utei' s. monokarpische Pflanzen. 



bifazialer Blattbau— bioclironisclie Gleichimg. 


109 

bifazialer Blattbavi s. Mesophyll. 

Bifolliculus s. Streufriichte. 
bigenerer Bastard = Gattungsbastard. 
bikapitulare Monochasien s. Botryocymen. 
bikollaterale Gefafibiiiidel s. Leitbiindel. 
bilateral, Bilateralitat s. Symmetrieverhaltnisse. 
bilateraler Blattbau s. Mesophyll. 

Bilaterien s. Synstigmen. 

Bildimgsabweichungen s. unter abnorm, Atavismus, Gallen, MiI3- 
bildung, Mutation, Panaschierung. {Ks^.) 

Bildungsgewebe (vgl. Gewebesystem): Im physiologisch-anatomischen 
Siniie nicht nur die embryonalen Stadien der entwickelten Gewebe oder 
Dauergewebe (s. Gewebesystem, die Systeme 2—8 nach Haberlandt), 
sondern auch ein Gewebesystem von bestimmter physiologischer Funktion, 
welches das Zellmaterial fur den Aufbau der Dauergewebe liefert. Man 
kami sie auch als Teilungsge webe oder Meristeme bezeichnen. Es gibt 
verschiedene Arten von Meristemen, Das urspriingliche B. der Vegetations- 
punkte wird als Urmeristem bezeichnet. Es difFerenziert sich friiher oder 
spater in die drei primaren Meristeme der Vegetationsspitze, in das 
Protoderm, das Prokambium und das Grundmeristem. Den primaren 
Meristemen stehen die sekundaren oder Folgemeristeme gegeniiber. 
In typischer Weise entstehen diese aus lebenden, plasmafiihrenden Daner- 
gcweben, welche in bestimmten Schichten oder Lagen nach wiederholten 
Zcllteilungen von neuem zu Bildungsgeweben werden (z. B. Phellogen). 
(S. ferner unter Urmeristem und primare Meristeme.) (F.) 

Bilomentum s. Schizokarpium. 
binarer Bastard s. diesen. 

Binnendi'uck s. Turgor. 

Binnenkoi’per — Karyosom. 

Binsenblattei' (Hansgirg, cxKirchner, S. 36): Ungeteilte, sitzende, ganz- 
randige, faden- oder pfriemenformige, von groBen Interzellularraiimen durch- 
zogene Blatter der Wasser- und Smnpfpflanzen. 

Bioblasten (Altmann) s. Granulatheorie. 

Biochemie s. unter Kraftwechsel. 

Biochoren (KOppen in Geogr. Zeitschr. VI, 1901, S. A. S. 41) sind die 
naturlichen Lebensgebiete der Erde, d, h. die von Pflanzen- und Tiergeo- 
graphie gemeinsam crmittelten und charakterisierten biologischen Reiche. 

In einem ganz anderen Sinne gebraucht Raunkiaer (Bot. Tidsskr. XXIX, 
igoS, S. 56) das Wort: er bezeichnet mit Biochore eine Grenziinie, an der die 
Lcbensbedingungen gleich sind, und wo daher im groBen und ganzen eine 
gleiche relative Beteiligung der Wuchsformen an der Gesamtvegetation be- 
obachtet wird. B. entspricht bei ihm also etwa Isotherme u. a. (Z?.) 

biochx'onische Gleichung: Von deVries (Die Mutat, u. d. Mutations- 
pcrioden, Vortrag 1901, S, 63) eingefiihrter Terminus dafiir, >daB dasProdukt 
aus der Anzahl der elementaren Eigenschaften eines Organismus und dem 
mittleren Zeitintervall zwischen zwei aufeinanderfolgenden Mutationen bei 
seitien Vorfahren der biologischen Zeit gleich isU. Nennen wir die erste 



no 


Biodynamik — Biolithe. 


GroBe M (die Mutationen), die Lange der Zeitintervalle L und die biologische 
Zeit BZ^ so haben wir also 

MxL = BZ. 

(Vgl. auch unter Mutationstheorie.) { 1 \) 

Biodynamik = Kraftwechsel. 

Biogeiie: Von Verworn (Allg. Physiol. 1895, S. 468) angenommciic 
Elementar-Einheiten des »lebencien Plasmas 

Die Ausdriicke Plasmamolekiil, Plassommolekiil, Plastidul usw., 
die Elsberg^) und Haeckel angewendet haben, und die sich begrifflich 
so ziemlich mit dem Ausdruck Biogenmolekiil decken, sInd nach Ver- 
WORN insofern weniger zweckmaBig, als sie leicht den Anschein erwcckcn, 
daB das Protoplasma ein chemisch einheitlicher Korper ware, der aus lauter 
gleichartigen Molekiilen bestande, eine Anschauung, die ausdriicklich zuriick- 
gewiesen werden muB. — Durch die Mendelforschung haben diese Speku- 
lationen eine solidere Basis bekommen (s. unter Gene.). ( 71 ) 

Biogenesis: Die Theorie der Biogenesis lehrt ( 0 . PIertwig, 
Zelle und Gewebe, Jena 1898), daB vom ersten Beginn der Entwicklung 
an die durch Teilung des Eies sich bildenden Zellen bestandig in engstcr 
Beziehung zueinander stehen und daB dadurch die Gestaltung des Entwicklungs- 
prozesses sehr wesentlich mit bestimmt wird. Die Zellen determinieren sich 
zu ihrer spateren Eig'enart nicht selbst, sondern werden nach Gesetzen, die 
sich aus dem Zusammenwirken aller Zellen auf den jeweiligeii Entwicklungs- 
stufen des Gesamtorganismus ergeben, determiniert. ( 71 ) 

biogenetisches Grundgesetz: Das von Haeckel aufgestellte, bercits 
von Bar, Entwicklungsgeschichte der Tiere (1828), formulierte Gesetz lautet: 
Die Ontogenese (Keimesgeschichte) ist eine kurze Wiederholung der 
Phylogenie (St amm esgeschichte). Der Organismus durchlauft also 
wahrend seiner Ontogenese niedrigere phylogenetische Entwicklungsstufen. 
K. C. Schneider gibt (Lehrb. d. vergleich. PlistoL der Ticre, 1902, S. 182), 
dem b. G. folgende Fassung: Die Ontogenese jedes Tieres zeigt ein P^ort- 
schreiteii vom Einfachen zum Komplizierten , wobei nicht selten niedere 
phylogenetische Entwicklungsstadien rekapituliert , gelegentlich aber auch 
auf hohere phylogenetische Stadien vorgegriffen, niemals aber die phylo- 
genetische Veranlagung des betreffenden Phylums durchbrochen wird. — 
Es erscheint jedoch ganz unzulassig, hier von einem »Gesetz« zu sprechen. 
Bestenfalls handelt es sich urn eine »biogenetische RegeL, die fur viele 
Einzeifalle zutrifft, fur eine ganze Reihe aber auch durchaus nicht genau 
stimmt. ( 71 ) 

Biolithe (Ciir. G. Ehrenberg): Zusammenfassende Bezeichnung fiir 
Korallen-, Algen-Kalke, Diatomeenpelite usw. PoTONlli (Entstehung der 
Steinkohle 5. A.) faBte die brennbaren Biolithe, wie den Torf, die Braun- 
und Steinkohle, den Bernstein usw., als Kausto biolithe zusammen und 
stellte sie den nicht brennbaren Biolithen, den Akaustobiolithen, ge- 
geniiber. Weiteres unter Eaustobiolith. (Ft.) 

-'■) Troc. Am. Assoc. liartford, 1S74. 

“) Die Berigenesis der Plastidule usw., 1S76. 


Biologic — Bionten. 


II I 


Biologic wire! selir verschieden definiert; heute pflegt man den Begriff ent- 
^veder in einem mdglicbst weiten Sinne zu fassen ais Sammelbegriff fur die Lehre 
von den Lebewesen iiberhaupt, die samtliche Sonderdisziplinen lunfaBt, wie 
Anatomie, Physiologic, Morphologic usw., oder man gebraucht die Bezeichnung 
B. im urspriinglich von Delpino (Nliovo Cimento 25, 1867) angewandten Sinne, 
d. h. etwa gleichbedeutend mit Okologie, worunter man mit E. Haeckel 
(Generelle. Morph ologie, I, 1886, S. 8) die Beziehnng der Organismen zu ihrer 
(lebenden und leblosen) Umwelt versteht. Sie handelt also im wesentlichen von 
den besonderen Lebenserscheinungen und Lebensgewohnheiten, den Anpassungs- 
erscheinungen, den Beziehungen zwischen Bau und Funktion; ihre Richtung ist 
eine teleologische oder besser finale. Dadurch hauptsachlich unterscheidet sie 
sich von der Physiologic, welche eine kausale Erforschung der Lebensvorgange 
anstrebt. Diese stellt sich die Aufgabe, die LebensaiiBerungen zu analysieren, Gesetz- 
inaBigkeiten aufzudecken und womdglich auf ihre Bedingungen zurlickzufuhren. Da 
aber auch der Begriff Physiologie in einem weiteren Sinne gebraucht werden 
kann, so ist eine scharfe Grenze zwischen beiden Disziplinen nicht zu ziehen. 
Auch die spezifisch experiinentelle Methode der Physiologie kann und muE unter 
Umstanden zur Erforschung bkologischer Fragen herangezogen werden. Neger 
bezeichnet diese »Okologie auf experimenteller Griindlage« (Stuttgart 1913) 
im AnschluB an Haecicel als Bionomie. Vgl. Biontologie. (Z.) 
biologische Anpassung s. Anpassung. 

biologische Arten (Rostrup, in Bot. Tidskr, XIX, 1894, S. 40): Bei 
den Uredineen kommen viele Arten nur auf einer einzigen Nahrspezies vor, 
andere vermogen sich auf mehreren Arten einer und derselben Gattung zu 
eiitwickeln, wahrend manche (z. B. Piiccinia menthac] auf zahlreichen Nahr- 
pfianzen aus verschiedenen Gattungen einer Familie angetroffen werden. In 
diesen Fallen gelingt es aber haufig nicht, den Parasiten von der einen Nahr- 
spezies auf eine andere zu libertragen. Rostrup betrachtet solche morpho- 
log'isch gleiche, aber biologisch verschiedene Formen als verschiedene Spezies 
und nennt sie biologische Arten, wahrend SCHROTER dafiir die Bezeich- 
nung Spezies s or ores vorgeschlagen hat. Als Gewohnheitsrassen 
bezeichnet Magnus solche Formen, die sich eine Reihe von Generationen 
hindurch immer auf derselben Nahrspezies fortgepflanzt und nun derart an 
diese durch Gewohnung angepaBt haben, daB sie auf eine andere Nahr- 
pflanze weit schwieriger iiberzugehen vermogen, als auf ihre bisherige 
(z. B. Piiccinia australis). Die Gewohnheitsrassen sind der Weg, auf dem 
die biologischen Arten gebildet werden. (Nach DlETEL in E. P. 1 . i**, 
S. 33.) {v. Wttst] 

biologische Haiiptformen s. Wuchsformen. 

biologische Zeit s. biochronische Gleichung. 

biologisches Spektrum nennt Raunkiaer (Botan. Tidsskr. XXIX, 
igo8, S. 47) die prozentuale Zusammensetzung einer Flora aus den einzelnen 
Wuchsformen, wie sie in einer Zahlenreihe sich darstellt [D.) 

biolytische Prozesse s. Lebendige Substanz. 

Bionomie (I-Iaeckel, Generelle Morphol. I, 8. 1866) s. Biologie. 

Bionten, Partialbionten, Probionten, von Roux gepragte Bezeich- 
nungen, die ziim Teil etwas obsolet geworden sind, urn gewisse Systeme 
von Einheiten der »lebendigen Masse » in onto- oder phylogenetischer Hin- 


I 12 


Biontologie — Blasenkerne. 


sicht unter einen Begriff zusammenzufassen. Vgl. die entsprechenden Artikel 
in Roux Terminologie 1913. {T.) 

Biontologie. Die gesamte Lehre von den Lebewesen. Der Terminus 
wurde von der Ges. naturforsch. Freunde zu Berlin eingefiihrt in dem Titel des 
von ihr herausgegebenen »Archiv fiir Biontologie« , weil der Terminus Biologic 
(s. dort) leider in doppeltena Sinne gebraucht wird. (/V). 

Biophoren: Von Weismann eingefuhrter Terminus (Das Keimplasma, 
1892, S. 52 [s. auch unter Biogene und Gene]) fiir die einfachsten »Trager 
des Lebens«. Sie sind als Molekiilgruppen gedacht, an denen bereits die 
Grundkrafte des Lebens zutage treten: Assimilation und Stoffwechsel, Wachs- 
tum und Vermehrung durch Teilung. {T.) 

Biophysik = Kraftwechsel. 
biosynthetische Prozesse s. Lebendige Substanz. 
biotische Sukzession s. Sukzession. 

Biotonus s. Assimilation. 

Biotypus s. Genotypus. 

biplanetisch = diplanetisch, s. Sporen der Fungi, 
bipleures Kambium s. Kambium. 
bipolare Spindel s. Kernspindel. 

Bipolaritat = Vertizibasalitat = Polaritat; s. dort. 
bisexuell = zweigeschlechtig. 
bisexuelle Kreuzungen s. unisexuelle Kreuzungen, 
bisymmetrisch s. Symmetrieverhaltnisse. 

Bituminierung s. Kaustobiolith. 
bivalent s. unter Kaiyokinese u. Valenz. 
biversale Anpassung s. diese. 

biziliate Pteridopliyten nennt Goebel diejenigen, deren Spermato- 
zoiden zwei (bis drei) Zilien besitzen [Lycopodium^ Selaginellaceen), im Gegen- 
satz zu den polyziliaten Pteridophyten, deren Spermatozoiden mehr als 
drei Zilien tragen (Fame, Equiseten, Isoetaceen; ferner gehdren hierher 
Cycadeen und Ginkgo). (Vgl. auch V. Wettstein II, s. 50.) (/q 
blaschenformiger Kern s. Euglenakern. 

Blattchen — Foliola s. dort. 

Blasen s. Blattschlauche. 

Blasenflieger (Dingler, Beweg. pflanzl. Flugorgane 1889) s. Flug- 
organe, 

Blasenkelche, blasenformig aufgetriebene, permanente, d. h. sich erst 
mit der reifen Frucht ablosende Kelche (z. B. Physalis), S. Pascher, 
Flora, 1910. (A) 

Blasenkerne (Molisch, B. Z. 1899), Zellkerne, deren Membran sich unter 
Bildung einer groBen Vakuole von der eigentlichen Kernsubstanz in Form einer 
Blase abhebt (z. B. im Schleimsaft von Musa u. Aroideen). ~ Fadenkerne nennt 
Molisch Kerne aiis^ dem Schleimsaft gewisser Amaryllideen [Lycoris^ Galanthus), 
welche mitunter bei einer Dicke von wenigen Zehntel eine Lange von 1,5 mm 
erreichen und im austretenden Saft einen lockeren Fadenknauel bilden. Riesen- 
kerne von den betrachtlichen Dimensionen bis zu 40 /.t * 82 beobachtete der 
genannte Autor in den Aloeharzbehaltern (Aloihzellen von Aloearten, z. B. A. sapo- 
naria Haw.). (Z.) ^ 


lUtiscnzellcii — lilattanlagc, 


II3 


Blasexizcllen s. Futterliaarc bzw. Grasepidermis. 

lilastomaiiie (Kkidomanie) : abnorm gesteigerte Neigung zu Laub- 
sprofibildung (axillar oder adventiv). Nach Penzig 1890, [Kst.) 
Blastovariatioii s, unter Art. 

Blatt s. Blattform, -folge u. SprojQ. 

Blattachsel s, SproB. 

Blattaderung s. Blattnervatur, 

Blattanlage: Die zunachst ungegliederten B. der Phanerogamen, die sich 
ausdcmVcgetationskegeldcsSprosses erheben(vgl.Fig 59), bezeichnet Eichler 
als PrimordialbUitter. Dies pflegt eitie Sonderung in den Blattgrund 
(oder das Unterblatt) und in das Oberblatt zu erfahren. Als Blattgrund 
gilt der Teil der Anlage, welchcr dem Vegetationskegel unmittelbar aufsitzt 
Er nimmt an der weiteren Differenzierung des Blattes entweder keinen An- 
teil mebr, oder er cntwickelt sich zu einer Blattscheide oder zu den Neben- 
blattcrn. Aus dem Oberblatt geht die Blattspreite hervor. Wo ein Blatt- 
stiel entsteht, wird er nachtraglich durch interkalares Wachstum zwischen 
Oberblatt und Unterblatt eingeschaltet 
Itr geht demnach nicht unmittelbar in 
die Achse uber, sondern in den Blatt- 
grund, welcher am ausgebildeten Blatte 
fast stets eine Verbreiterung am Grunde 
des Blattstiels darstcllt 1 st diese be- 
sonders fleischig und mit der Achse 
gelenkartig verbunden, so hat man 
sic als Blattkissen oder Blattpolster 
bezeichnet. — PRANTL (B. D. B. G. 

1883, S. 280) klassifiziert die Blatter 
ihrem Wachstum zufolge in drei Grup- 
pen. Den ersten Typus bezeichnet er 
als b a sip last Solche Blatter werden 
als gleichmaBige Meristemmasse angelegt, sie gehen an der Spitze bald 
in Dauergewebe liber, und diese Umwandlung schreitet basipetal vor, 
so dab die embryonale Zone an der Basis des Oberblattes liegt (meiste Moos- 
blatter, meiste Monokotylen, Caryophyllaceen, Linum^ Plantago usw.) Solche 
Blatter sind einfach, nicht selten einnervig. Den zweiten Typus nennt Prantl 
pleuroplast. Er ist dadurch charakterisiert, daB die mittleren Teile zuerst 
in den Dauerzustand iibergehen und das embryonale Gewebe randstandig 
wird (z. B. Aristolochia^ Cercis^ Rhamntis^ Syrmga^ Drosera^ Populus). Wo 
scitlichc Auszweigungen vorkommen, entstehen diese nicht, wie beim basi- 
plastcn Typus basipetal (akrofugal), sondern akropetal (basifiigal), so bei 
QuercuSj Liriodeiidron^ Ruta u. a. Aber die seitlichen Auszweigungen ent- 
stchen bei randstandiger Lage des embryonalen Gewebes keineswegs stets 
nur akropetal, sondern wie bei vielen Kompositen in der Art, daB sie von 
cinem zwischen Spitze und Basis gelegenen Punkte nach beiden Seiten hin 
sich ausgliedern. Die Entwicklung der Auszweigungen erfolgt hier diver- 
gent Im Gegensatz zum basiplasten und pleuroplasten Typ stehen die 
' Blatter, deren Oberblatt schon friihzeitig eine Teilung erfahrt, in einem 

Sell nei der, Bot. WBrterbuch. a, Auflage. 8 



59* Xilattentwicklung bei Uhmis cam-' 
pesiris: Links der ^ xnit 

zwei Blattanlagen. ! ■ ') nocli 

ungeglicdcrt, die nSclist iiltere gegliedert 
in Oberblatt (o) imd Blattgrund (g). 
Rcchts das altere Blafct von links sebrag 
von aiiBen geseben, {Nacb Strahburger.) 


Blattanordnung — Blattformen. 


II4 


Stadium, wo dessen Gewebe noch durchaus embryonale Beschaffenheit 
zeigt; es handelt sich hier also um eine friihzeitige Teilung von Meristem- 
gewebe in verschiedene Auszweigungen. Diesen Typ nennt Prantl den 
eokladen (z. B. Juglans, Sorbus Aucuparia, Ranuncuhcs , viele Araceen). 
(Nach Srasburger und Pax.) 

Blattanordnung s. Blattstellung. 

Blattasymmetrie s. Asymmetric. 

Blattbasis s. Blattform. 

blattbiirtig: Vgl. Samenknospe. Es gibt auch blattbiirtige Bliiten (epi- 
phylle Infioreszenzen), z. B. bei Helwingia japonica, Dulongia acuminata 
Begonia sinuata, wobei es sich, nach GOEBEL, meist um eine »Verschiebung« 
der in der Blattachsel angelegten Knospe und um eine »Verwachsung« 
mit dem Blatte handeln diirfte. 


blattbiirtige Gallen: alle auf Blattern entstandene Gallenbildungen 
jedweder Art. Vgl. KOSTER, 1911. [Kst.) 

blattbiirtige Sprosse sind Sprosse, welche dadurch entstanden sind, 
daB schon im Zustande des Dauergewebes befindliche Epidermiszellen von 
Blattern durch Beginn von Zellteilungen in Embryonalgewebe iibergehen, 
welches sich zu einem Vegetationspunkt konstituiert, aus dem spater Blatter 
und Wurzeln entstehen. [Bryopkyllum, Utricularia.) 

Blattdorn s. Dorn. 

blatteigenes GefaUbiindel s. GefaObiindelverlauf. 

Blattfadenranker s. Rankenpflanzen. 

Blattfilache = Blattspreite, s. Blattform. 

Blattfliigelzellen = Alarzellen s. d. 


Blattfolge: Unter B. oder Blattmetamorphose (s. aber auch diese') 
verstehen wir die Erscheinung, daB in den Formen der Blatter der Angio- 
spermen, welche an einer und derselben Achse oder an mehreren miteinander 
verbundenen Achsen aufeinander folgen, wenn wir von unten nach oben 
fortschreiten, ein Wechsel sich zeigt, dergestalt, daB in einer unteren Region 
(formation) lauter einfache Blattformen vorhanden sind, dafl in einer dann 
folgenden Region die Blattbildung zu ihren vollkommensten Gestalten sich 
u hpheren wiederum auf einfachere Formen zuriick- 

^ht. Man bezeichnet dkse drei Arten von Blattformen als Niederblatter 
(Kataphylla), Laubblatter (Nomophylla) und Hochblatter (Hypso- 
phylla) und unterscheidet an den Sprossen dementsprechend die Nieder- 
'"“'^.f^o'^liblatt-Region (bez. -Formation). Nach 
Frank.) (S. diese im Emzelnen und Mittelblattstamm ) 

K?" Blattformen ist eine so groBe, 

daB hier nur die wichtigsten Typen Erwahnung finden kSnnen. ® ’ 

ra-M allgemeinen unterscheidet man da zwei groBe Kategorien: r. Einfache 
Blatter, 2. Zusammengesetzte Blatter. amiacne 

1. Einfache Blatter. 

wirkennen, sind die linealen Blatter, die mit 
hl?j, ziemlich gkidi bteit 

Sd ? H ro™ geh. me p.,?Ud.e,rige 

Blattstruktur Hand m Hand, bei der ein medianer Hauptnerv vorhanden ist 



Blattformen. 


“5 


Oder atich fehlt. Die Blattflache heiSt auch Spreite Oder Lamina. Einer hoheren 
Entwicklungsstufe entspricht das in Stiel (= petiolus) und Spreite, Fig. 6o, 
differenzierte Blatt, wie es der Majoritat der Dikotylen zukommt. Der Stiel kann 
oft noch an der Basis in eine Scheide auslaufen oder auch noch flugelartige 
Verbreiterungen aufweisen, die man Nebenblatter (Stipulae) nennt. Doch 
kann der Stil auch fehlen, und dann nennt man das Blatt sitzend. 

Die Form der Spreite variiert ins unendliche; so unterscheidet manlanzett- 
liche B., die schmal und nach beiden Enden hin zugespitzt sind (z. B. gewisse 
Salix-Axten)] ferner eiformige B., d. h. solche, deren Langsachse ca. 2—5 mal 
langer als die Querachse ist; seltener ist die Blattflache rund oder nieren- 
fdrmig; letzteres gilt ftir rundliche und an der Basis mit einem stumpfen Ausschnitt 
versehene Forraen {Asarum z, B.); gelappt [lobattci] nennt man das Blatt dann, 
wenn der Band tiefere Ausbuchtungen aufweist (z. B. Acer^ Platanus), Das fuB- 
formige B. ist eine besondere Modifikation des gelappten B.; das Blatt ist auf 
beiden Halften in mehrere verschieden groBe Abschnitte 
geteilt, die mit einer sichelfdrmigen Verzweigung des 
Hauptnerven genau korrespondieren (z. B. bei Hellehorus^ 
bei Araceen wie Arisaema, Qssus acetosa), Schildformige 
B. sind solche, die eine kreisrunde Spreite haben, welche 
den Stiel in der Mitte oder fast in der Mitte tragt (z. B. 

Umbilicus^ Tropaeolum-Axt^n^ Victoria^ Euryale^ Nelufnbhm^ 

Utricularia nelimbifolia vxA peltata^ Hydrocotyle-Axt^n^ unter 
den Pteridophyten und bei einigen Trichomanes’-AxtQW wie 
T, Hildebrandtii ^ Motleyi^ peltatuvi). Der Durchmesser 
schwankt etwa zwischen 0,5 cm [Utrictdaria peltatd) und 
250 cm [Victoria regia). Die schildformigen B. lassen sich 
jedoch von dem gewdhnlichen Typus dadurch ableiten, dafi 
man eine Verwachsung der zwei basalen Lappen eines 
nierenfdrmigen Blattes annimmt und eine Verschiebung des 
Stieles ins Zentrum. In der Tat sehen wir, daB bei der 
Samenkeimung oft Primarblatter mit einem der Spreite 
randstandig angewachsenen Stiel auftreten (z. B. Hydrocotyk 
vidgaris). 

Asymmetrische B. sind solche, die zwei ungleich groBe 
Blatthalften zeigen, wie das besonders fflr Uhnus^ Piper^ Tilia^ Ficus- AxX^xn gilt. 
Diese Form ist uns noch erklarlich; infolge der zweireihigen Blattstellung einerseits 
und infolge der plagiotropen Entwicklung der Aste andererseits wird die in der 
SproBachse benachbarte Blatthalfte in ihrer Entwicklung gehemmt. 

Stengelumfassende B. sind in typischer Ausbildung sitzende B., die mit 
ihren beiden unteren Blattrandern noch um die Achse, der sie ansitzen, herum- 
greifen (z. B. Potamogefon perfoliaius)^), 

2. Zusammengesetzte Blatter. 

Die zusammengesetzten Blatter lassen sich im allgemeinen auf zwei Kategorien 
verteilen. a) fingerformig geteilte und b) fiederartig geteilte Blatter. 

Die fingerformig geteilten Blatter bestehen aus einem Blattstiel, der an der 
Spitze 3 bis mehrere ziemlich gleichgroBe Segmente tragt [Trifolium^ Menyanthes, 


Beziiglich der Blattasymmetrie lassen sich nach Nordhausen (J. w B., B. 37, 1902) zwei 
Falle unterscheiden: i. die hah ituell e A., bei welcher samtliche Sprosse mit asym. Bl. besetzt sind 
(Ulme, Linde); 2. die later ale A., wobei die A. der Blatter nur an den plagiotropen Seiten- 
zweigen, nicht aber an orthotropen Sprossen zu beobachten ist. S. insbes. Goebel, 1 . c. [L.) 

8 * 



Fig, 60. Blatt von 
Rantmctilus Ficaria: 
I Spreite, ^ Blattstiel, 
z/ Blattscheide. (Nach 
PRANTL.) 



BlattfiiBe — Blattmosaik. 


ii6 

Aesculus usw.), wobei jedes Segment einen entsprechenden Hauptnerv aufweist; 
je nachdem 3, 4, 5 Segmente da sind; spricht man von einem 3-, 4-, s-zabligen 
Blatt. Das fingerformig geteilte B. kann man dadurch von einem einfachen Blatt 
ableiten, daB man eine fingerformige Teilung des Hauptnerven annimmt. 

Die gefiederten B. bestehen aus einer zentralen Achse (= Blattspindel), 
welche ein randstandiges Segment und auBerdem mehrere meist deutlich paar- 
weise angeordnete Seitensegmente tragen (z. B. Juglans regia^ viele Papilionaceen); 
und zwar spricht man in diesem Fall von einem unpaarig gefiederten B. 
1 st das terminate Endsegment unterdriickt oder auf ein minimales Spitzchen 
reduziertj so spricht man von einem paarig gefiederten B. (z. B. Ceratonid). 
Unterbrochen gefiedert nennt man ein Blatt dann, wenn die Blattspindel, 
abgesehen von den normalen Fiedersegmenten noch kleine rudimentar gewordene 
Segmente tragt (z. B. Sph'aea Ulmaria^ Solanum tuberosum). 

Doppelt gefiedert usw. nennt man ein Blatt dann, wenn an Stelle der Seg- 
mente Aste der Blattspindel sich befinden, die dann wi'ederum Seitensegmente 
tragen; wiederholt sich die Teilung in dieser Weise 3, 4, 5-mal, so spricht man 
von 3, 4, 5-fach gefiederten B. Mehrfach gefiederte B. finden sich besonders 
bei Umbelliferen und Filicineen. 

AuBerdem vgl. unter Blattfolge, Blattmetamorphose und Blattnervatur, [G.) 

BlattfiiJSe: i. s. Blattpolster; 2. der Isoetaceenblatter, s. d, 

Blattgelenk s. Gelenke. 

Blattgriin = Chlorophyll s. Chloroplastenpigmente. 

Blattgrund == Unterblatt s. Blattanlage. 

Blatthautchen* s. Ligula und Stipulae, 

Blattkissen s. Blattpolster. 

Blattkletterer, "kliinmex’ s. Rankenpflanzen. 

Blattknospe s. Knospe. 

Blattliicke s. GefaBbiindelverlauf. 

Blattmetamorphose. Alle diejenigen Blattgebilde, die griin und 
chlorophyllhaltig sind und nur die Funktion der Kohlensaure-Assimilation und 
Transpiration versehen, bezeichnen wir als Laubblatter oder Blatter schlecht- 
weg. Wird aber diese Funktion des Blattes und damit gleichzeitig auch 
seine Form verandert, so sprechen wir von einer Blattmetamorphose. 

Metamorphosierte Blatter sind: 

Niederblatter und Knospenblatter (Knospenschuppen), die klein 
schuppenartig sind und die Funktion des Knospenschutzes haben. Hochblatter 
dienen als Schutzorgane von Bliiten und Bliitenstanden. Ranken (Blattranken) 
dienen. zum Anhalten; Blatts chlauche dienen der insektivoren Ernahrung; die 
Sporophylle der Pteridophyten dienen zur Erzeugung der Sporangien. Ebenso sind 
alle Blattgebilde einer Bliite metamorphosierte Blatter: Kelch, Krone, StaubgefaBe, 
Fruchtblatter. Die StaubgefaBe der Staubblatter (== Stamina) dienen zur Er- 
zeiigung der mannlichen Fortpflanzungszellen. Die Fruchtblatter (= Karpelle) 
dienen zur Erzeugung der weiblichen Fortpflanzungszellen. ' 

Die Umbildung von Laubblattern in echte Sprosse ist auBerst selten und 
.bis jetzt nur ftir Utricularia bekannt (s. unter SproB und den Haiiptschlag- 
worten). (6^.) 

Blattmosaik (Kerner, Pflanzenleben, L, 1887, S. 392): Die Anordnung 
der Blatter eines SproBsystems im Sinne einer moglichst geringeii gegen- 
seitigen Beschattung; z. B. Parthenocissus trimspidata PI. (Ampel). ( W.) 


Blattnarbe — Blattnervatiir. 


I.17 

Blattnai'be: Derjenige Teil der Stengeloberflache, von welchem das 
Blatt entspringt, heiBt die Insertion und ist an den Stammgebilden, die 
ihre Blatter regelmaBig abwerfen, wie die aller Holzgewachse, als Blatt- 
narbe auffallig bemerkbar. Auf dieser bemerken wir ineist mehr oder minder 
deutlich die Blattspuren, d. h. die Durchgangsstellen der Blattspurstrange 
vom Stamm in das Blatt. 

Blattnervatui’: In der Spreite der meisten Blatter sieht man schon 
auBeriich strangfdrmige , hellere Streifen verlaufen: die GefaBbiindel, in dieseni 
Falle gewdhnlich Nerven (Adern, Strange) genannt, Sie pflegen auf der 
Unterseite vorzuspringen, widersteben der Verwesung langere Zeit und bleiben 
als Skelett des Blattes erhalten. Nach ihrem Vorkornmen und ihrer An- 
qrdnung kann man zunachst drei Typen unterscheiden: a) Nervenlose Blatter: 
Wir finden solche bei fast alien Leberraoosen und vielen Laubmoosen und 
dUrfen damit die fleischigen Blatter von Phanerogamen Crassulaceen usw.) 

nicht verwechseln, bei denen die Nerven vorhanden, nur aufierlich nicbt sicht- 
bar sind. b) Einnervige Blatter: Sie werden nur von einem einzigen, un- 
verzweigten Langsnerv durchzogen (s. Laubmoose, Lycopodien, meiste Coniferen, 
Elodea u. a.). — c) Mebrnervige Blatter: Hier treten entweder schon an der 
Basis, viele Nerven in die Spreite ein, oder diese kommen durch Verzweigung 
ein'es oder mehrerer eintretender Nerven zustande. Die Verzweigung ist dabei^ exit- 
weder eine dichotome {AdmnHm Fig. 61 A und Eindoxo FriuCj Ginkgo\ wobei ein 
Mittelnerv nicht existiert, oder eine monopodialCj letzteres am deutlichsten da, 
wo nach. racemdsem Typus vom Mittelnerven beiderseits zahlreiche Seitennerven 
abgehen: fiederformige B. (Fig. 616’) (nervi pinnati); dem cymdsen Typus ge- 
hdrt die fuBformige B. an (n. pedati), bei welcher das unterste Paar Seitennerven 
sich nach Art einer Sichel weiter verzweigt (Fig. 62); sind dabei die FuBstUcke der 
Nerven auf ein Minimum reduziert, so entsteht die handfdrmige B. (n. palmati), 
bei welcher die Nerven von der Basis des Mittelnerven ausstrahlen. — Bekanntlich 
nennt man den am Blattgrunde etitspringenden, starksten Nerv den Hauptnerv 
(oder die Rippe), sind ihrer mebrere vorhanden, so unterscbeidet man zwischen 
Seitennerven und Mediannerv. Die librigen Nerven sind bald Sekundar- 
n erven, bald Tertiarnerven, je nachdem sie Aste des Hauptnerven oder der 
Seitennerven vorstellen oder erst Zweige der Sekundarnerven sind. Die weiteren 
Verzweigungen bilden die Netznerven oder Nervillen. Vermitteln die Tertiar- 
nerven die Verbindung zwischen zwei aufeinanderfolgenden Sekundarnerven, so 
werden sie als Anastomosen bezeichnet, die von ihnen begrenzten Blattflacben 
als Felder. (Vgl. Schenk, Handb. d. Bot. IV, 1890, S. ii.) Nach ihrem Ver- 
lauf sind die Sekundarnerven: randlaufig (craspedodrom, cbeilodrom), 
wenn sie bis an den Rand auslaufen [Carpinus^ Fagzcs)] spitzlaufig (akrodroin), 
wenn sie bogenformig zur Blattspitze verlaufen und hier konvergieren [Cornus)\ 
bogenlaufig (kamptodrom), wenn sie bogenformig verlaufen, ohne im Blatt- 
rande zu endigen [Rham7ius)\ schlinglaufig (brachidodrom), wenn sie an- 
fangs mehr oder weniger gerade oder bogig dem Rande zu laufen, aber bevor 
sie diesen erreichen, mit ihren Enden untereinander Schlingen bilden {Eenploca, 
Myrtus.^ Rhaninus alatermis). 

Die Tertiarnerven sind entweder querlaufig (plagiodrom), wenn sie senk- 
recht zur Richtung der Sekundarnerven verlaufen, oder langslaufig (axiodroin), 
wenn sie diesen parallel gehen. 

Bogennervig nennen wir fiedernervige Blatter mit akrodromem, kamp- 
todromem oder brachidodromem Verlauf der Sekundarnerven und randnervig 
solche mit craspedodromen Seitennerven. 


ii8 


Blattparencliyni — Blattpolster. 


Bei handfOrmiger B. unterscheiden wir a) parallelnervige (parallelodrome) 
Blatter, wenn die Hauptnerven parallelen Verlauf zeigen (meiste Monokotylen 
[Fig. 62.5]); hier finden sich alle Ubergange bis zu den Beispielen, wo die Haupt- 
nerven so wie bei Convallctria bogenformig vom Grunde nach der Spitze verlaufen, 
so daB diese extremen Falle auch noch. unter den Begriff der parallelnervigen 
Blatter fallen konnen; man hat fQr sie jedoch die Bezeichnung krummnervig 
eingefiihrt. b) Strahlnervige Blatter, deren Hauptnerven strahlig divergieren 



Fig. 61. A mehmerviges Blatt von Adiantum capiUtis veneris mit dicliotomischer Verzweigung 
der Nerven, — B mehmerviges Blatt von Polygonatmn latifolinm mit paralleler Nervatur. — 
C meFmerviges Blatt von Salix grandifolia mit netzaderiger Nervatur. (Nach Ettingshausen.) 


(Celtideen, Moraceen, Araliaceen usw. z. T.); die Seitennerven verlaufen dabex 
entweder craspedodrom {Acer) oder akrodrom [Smilax] oder kamptodrom [Cercis). 
(Nach Pax, S. 96.)*). 

Blattpai’enchym == Mesophyll s. d. 

Blattpolster, Viele Stengelorg'ane~sind mit Blattpolstern oder -fiiBen 
bekleidet, d. h. im ersten Falle: die Blatter stehen an ihren Anheftungsstellen 
am Stengel auf wohlumschriebenen, durch Furchen oder sonstwie abgegrenzten 


Aulier den ohen angefiihrten Typen werden gelegentlich auch noch andere FSlle unter- 
schieden. So spricht man von netznervig (dikty 0 drom), wenn sich die Seitennerven bald 
nach ihrem Ursprung aus den Hauptnerven, jedenfalls aber noch vor Erreichung des Blattrandes 
in ein Maschenwerk auflosen, von facherlaufig (diadrom), wenn mehrere Hauptstrahlen getrennt 
in die Blattspreite eintreten und sich hier wiederholt gabelformig teilen, wobei die letzten Ver- 
zweigungen gegen den vorderen Blattrand gerichtet sind [Ginkgo). Vgl. Keener, I, S. 590. 



Blattprotonema — Blattsohlauche. 


I19 

Feldern, die wie Polster hervorgewolbt sein konnen, oder im zweiten Falle: 
von dem Blatte oder Wedel bleibt nach dem Absterben ein basales Stiick 
des Blattstieles am Stamme stehen und bekleidet diesen dauernd nach Ver- 
lust des uber dem BlattfuB ver- 
loren gegangenen Blatteiles. 

Geht auf einem B. oder sonst 
ein Blatt verloren, so hinter- 
laOt dieses eine Blatt->Narbe«. 

S, auch Blattanlage und Ge- 
lenke. 

Blattprotonema s. Proto- 
nema. 

Blattranke s. Ranke. 

Blattrankentrager, 

Blattranker (H. Schenck) 
s. Rankenpflanzen. 

Blattrippe s.Blattnervatur. 

Blattscheide s. Blattform. 

Blattschlauche. Unter 
B. versteht man schlauch- oder 
blasenartig metamorphosierte 
Blatter, welche spezielle An- 
passungen an insektivore Er~ 
nahrungsweise darstellen. Hier- 
her gehoren: 

a) Die Blasen (Schlaiiche, 

Utrikeln oder Ampullen) von 
Utricularia sind aufzufassen z. T. als metamorphosierte Blatter, z. T. als meta- 
morphosierte Blattsegmente. Diese Schlauche sind meist sehr klein, selten nur 
hehmen sie Dimension en von 2 — 5 ram an [U. intermedia^ U, ochroleuca^ U. diclio- 
toma\ Sie sind immer mehr oder weniger gestielt und stellen abgerundete, kugel- 
bis eiformige, von den Seiten etwas zusammengedrtickte blasenartige Hohlraume, 
mit einer seitlichen, der Basis nahe liegenden Mundbffnung dar. Die Oberlippe 
(vgl. Fig. 63 dieser breitet sich nach dem Innern des Schlauches in Form einer 
lamellenartigen, elastischen Klappe [c) aus. Die Unterlippe [a) bildet einen 
dicken, breiten Wulst. Rings um die Mundbffnung, auBerhalb des Schlauches, 



Fig. 62. FuBforniiges Blatt von Amorphopliallus 
bulbifer: A mit einmaliger, B mit dreimaliger Ver- 
zweigung nacb. cymosem Typus. (Nach Sachs.) 



Fig. 63. Utricularia: A Schlanch von U. lateriflora, B desgleichen im Langsschnitt; a Unter- 
lippe, b Oberlippe, c Klappe, t — t vierarmige Papillen, C eine solche Papille vergrohert. 

D Schlauch von U, neglecta, {A--C nach Kamienski, U nach KerN£R.) 



120 


Blattschuppen — Blattstellimg. 


befinden sich verscbieden gestaltete Haarbildungen und Anhangsel, welche von 
Darwin Antennen genannt warden. Die ganze Innenflache des Schlauches ist 
mit kurzen, vierarmigen Papillen versehen. Uber die Beziehungen, welche die 
Schlauche zu den Slattern und Sprossen aufweisen, 
vgl. unter SproB. 

b) die Blattschlauche (Ascidien, Kannen) 
von Sarracenien, Nepenthes^ Ceplialotiis usw. Man 
vgl. hierzu die Figuren 64 und 65. [G.) 

Blattschuppen s. foliose Hepaticae. 

Blattskelett s, Blattnervatur. 

Blattspindel s. Blattform. 

Blattspitzen(«spreiten)-klettei’ei* siehe 

Rankenpflanzen. 

Blattspreite = Lamina, s. Blattform. 

Blattspux'en s. Blattnarbe und GefaO- 
biindelverlauf. 


Blattspurstrange 
Blattstecklinge s. 

vegetative Vermehrung. 

Blattstellung ") : 
auf einer Querzone des 
erzeugenden Organes ent- 
springt entweder immer 
nur »ein« seitliches Glied 
(Blatt) — zerstreute 
Stellung, Spiralstel- 
lung, wechselstandige 
Stellung — Oder es 
stehen deren mehrere auf 
einer Querzone undbilden 
einen Quirl oder Wirbel, 
wie z. B. die Blatter in 
Fig. 66. Handelt essichim 
letzten Falle um normal 
entstandene Glieder, so 
wurden diese haufig auch 
zu gleicher Zeit angelegt 
(simultane Quirle). 
Es gibt indes auch suk- 
zedane Quirle, deren 
eiiizelne Glieder selbst 
eine gewisse Reihenfolge 


s. Gefafibiindelverlauf. 


H J 


K 

Fig. 65. VerscMedene Sta- 
dien der Blattentwicklung 
von Cephalotus follicularis: 
d der Deckel, r der Rand. 
(Nach Eichler.) 



Fig. 64. Blattschlaiicli von Ne- 
penthes. Die oben sichtbare 
Spitze des Blattes ist in eine 
Ranke a verlangert, deren End- 
teil in einen bier der Lange 
nacb balbierten Schlaucb um- 
gewandelt ist; e der anf dem 
Rande d d des Scblaucbes lie- 
gende Deckel; c oberer, h unte- 
rer, mit den wasserausscbeiden- 
den Sezeraierungsdriisen' ans- 
gestatteter Teil des Scblaucbes. 

(Nacb Sachs.) 


in ihrer Entstehung einhalten. (» Blatter « der Characeen.) Hiermit nicht zu 
verwechseln sind die Scheinquirle, welche dadurch zustande kommen, daB 





I) Unter diesem Sticbwort sollen nur die gebraucblicbsten Termini, die sicb speziell auf 
Blattstellung oder auf die Anordnimg seitlicber Glieder an einer gemeinsamen Acbse iiberbaupt 
bezieben, nacb den Angaben der verbreitetsten Lebrbucber (Frank, II. S. 27!!,; Prantl-Pax, 
S. 4fF.; Strasburger, S. 70 ff.; Wiesner, Organogr. u. Syst, 1891, S. 64E) kurz erlautert 
werden. Im iibrigen vgl. man zur Orientierung iiber die neueren Anscbauungen in bezug auf 
Blattstellungslebre vor allem die Arbeiten von Hans Winkler, in J. w. B. Bd. 36, 1901, S. i 
Bd. 38, 1903, S. 501, woselbst die weitere Literatur zitiert ist. 



Blattstellung. 


121 


GHeder, weiche deutlich vereinzelt entstanden sind, durch nachtragliche Ver- 
anderungen einander sq genahert werden^ daB sie auf einer einzigen Querzone 
zu stehen scheinen, wie z. B. die Quirlaste der Nadelholzer. 

Die Stelle der Oberflache der Hauptachse, weiche von der Basis des seit- 
lichen Gliedes bedeckt ist, heiJBt der Insertionspunkt desselben. Denkt man 
sich eine Ebene, weiche durch die Achse des Seitengliedes gelegt ist und dieses 
symmetrisch teilt, zugleich aber die Achse des Hauptgliedes enthalt, so hat man 
die Median e des Seitengliedes. Deren Feststellung ist ftir die Orientierung iiber 
die gegenseitigen Stellungen der seitlichen Glieder von Wichtigkeit. Wenn nto- 
lich mehrere an verschiedenen Stellen der Hauptachse stehen, so liegen ihre 
Insertionspunkte entweder gerade iibereinander, ihre Medianen fallen zusammen 
(solche Seitenglieder bilden eine gerade Reihe oder Ortho stiche), oder ihre 
Insertionen liegen nicht gerade ubereinander, ihre Medianen schneiden sich 
imter irgendeinem Winkel. Dieser heiBt die Divergenz und wird in Bruch- 




Fig. 66. A Stengel von Stachys palusiris mit zweigliedrigen Quirlen (dekussierte Stellimg); 

B von LysimacMa vulgaris mit dreigliedrigen Quirlen. (Nach Frank.) 

teilen des Umfanges der Hauptachse angegeben; er betragt also z. B. 7 ^, Ya? 
^5 tisw. In Fig. 67 sind die Divergenzen auf die Horizontalprojektion des 
senkrecht gedachten Achsengliedes aufgetragen. Die Querschnitte der Haupt- 
achse, weiche Seitenglieder tragen, sind als konzentrische Kreise verzeichnet und 
zwar so, daB der auBerste Kreis dem untersten, der innerste dem obersten Quer- 
schnitt entspricht. Die Medianen der Glieder erscheinen als radiale Linien, die 
zugleich die Orthostichen angeben. 

Der in Fig. 66^ dargestellte Fall zweizahliger, alternierender Quirle wird als 
dekussierte Stellung bezeichnet. Die beiden Glieder eines zweizahligen Quirls 
nennt man auch opponiert. Mehrgliedrige Quirle, bei denen die Glieder eines 
Quirls gerade iiber die Mitte der Zwischenraume der Glieder des vorausgehenden 
Quirls fallen, nennt man alternierend. Ist dies nicht der Fall, sondern stehen 
die Glieder zweier aufeinanderfolgender Quirle in der gleichen Mediane, so 
heiBen sie superponiert *). 

i) Superponierte Quirle der vegetativen Region finden sich. bei den fossilen Gattungen 
Sphmophyllum und Trizygia. (JV.) 



122 


Blattstellung. 


Verbinden wir, wie es ‘in Fig. 68 veranschaulicht ist, bei der Spiralstellunf^ 
die beiden aufeinanderfolgenden Glieder immer auf dem kiirzesten Wege de^^ 
Achsenumfanges miteinander, so erhalten wir eine die Hauptachse in mehr odeT 
minder regelmaBigen Steigungen umlaufende Schraubenlinie. Diese trifft sarat-^ 
liche Seitenglieder in der Reihenfolge ihrer Entstehung und heilSt deshalb dit^ 
genetische oder Grundspirale. Die Zahl der Seitenglieder, welche sie ii"^ 
sich aufnimmt, bis sie wieder zu derselben Orthostiche kommt, wird ein ZykliiB 
genannt. An jedem Seitengliede heifit der Rand der 
Insertion, welcher am aufsteigenden Teile der Grundspirale? 
liegt, der anodische, der ihrem absteigenden Teile zu-^ 
gekehrte der kathodische. Sind die Achsen verzweigt, sO 
verlauft die Grundspirale an der Nebenachse ' in gleicher 
Oder entgegengesetzter Richtung wie an der Hauptachse; 
im ersten Falle heifit der Seitenzweig homodrom, im 
letzten Falle -antidrom. 

Sehr haufig finden sich bei den Pflanzen Spiralstellungeii 
mit der Divergenz V2J noch haafiger mit der von oder 
einem Bruch, welcher zwischen diesen beiden “Werten liegt, 
etwa 7 ^ Oder Yg. Man pfiegt hiernach die Spiralstellungen 
mit diesen Bruchzahlen zu bezeichnen. Da samtliche 
Seitenglieder bei der y^-Stellung in 2, bei der Yg in 3, 
bei der 7 ^ in 5 Orthostichen stehen, so nennt man daher 
auch die erste die zweizeilige, die anderen die drei— 
zeilige, fiinfzeilige usw. Bei einem Divergenzbruche 
gibt also zugleich der Nenner an, wieviel Orthostichen 
vorhanden sind, auBerdem aber auch, wieviel Insertionen 

zu einem Zyklus 
gehdren; der Zah— 
ler dagegenbesagt, 
wieviel Umlaufe zu 
einem Zyklus ge- 
horen. — Bei alien 
Spiralstellungen, 
mit Ausnahme der 
Yg-Stellung, lassen 
sich auch noch an~ 
dere regelmaBige 
Schraubenlinien 
konstruieren, wel*- 
che steiler als die 
Grundspirale auf- 
steigen, wenn man 
hohere Insertionen 
miteinander ver- 
bindet. Sobald 

sehr dichte Stellungen mit hohen Divergenzbriichen und sehr niedergedriickter 
Grundspirale vorhanden sind, treten die steileren Spiralen, von denen die einen 
nach rechts, die anderen nach links sich wenden, sogar viel deutlicher hervor 
als die Grundspirale. Man vgl. Fig. 69, welche die Zylinderoberflache einer 
Hauptachse in eine Ebene gelegt darstellt; das gleiche kann man auch an Zapfen 
von jPmus- Alien usw. oder an den Bliitenkopfen der Helianthus tuberosus be- 
obachten. Diese steileren Spiralen nennt man Nebenzeilen, Schragzeilen oder 



Fig. 68. Schema einer 
Achse, deren Seiten- 
glieder in konstanter 
Divergenz 3/$ angeord- 
net sind; die der vor- 
deren Seite sind durch 
die Insertionsflachen, 
die der Riickseite dutch 
Kreise angedeutet; sie 
sind durch die geneti- 
sche Spirale verbunden. 
/, //, III usw. sind 
die acht Orthostichen, 
(Nach Prantl.) 



Fig. 67. Diagramm eines Sprosses mit kon- 
stanter Divergenz 3/8. /, //, JJl usw. die 
Orthostichen. (Nach Sachs.) 


Blattstellung. 


123 


Parastichen. Auch diese zeigen gewisse GesetzmaBigkeiten. In Fig. 69 haben die 
Seitenglieder die ^Yg^-Steliung; es steht also iiber irgendeiner beliebigen mit O be- 
zeichneten Ausgangs-Insertion erst die Insertion 34 gerade senkrecht. Die in der 
Figur eingezeichneteGrundspiraletritt weit wenigerdeutlichhervor als die Parastichen. 
Wahrend die Grundspirale nach links aufsteigt, nnterscheidet man als am weiiigsten 
steile Parastichen die nach rechts aufsteigenden, welche die Insertionen o, 2, 4, 
6 usw., sowie i, 3, 5, 7 usw. verbinden, undderen eszwei gibt, dasiejajede zweite 
Insertion treffen. Die nachst steileren Parastichen wenden sich wieder nach 
links und bertihren die Insertionen o, 3, 6, 9, 12 usw,, 2, 5, 8, ii, 14 usw. 
und I, 4, 7, 10, 13, 16 usw.; es sind ihrer drei, weil sie jede dritte Insertion 
beruhren, und werden darum dieDreier- 
zeilen genannt. Dann folgen wie derum 
nach rechts gehend abermals steilere Schrag- 
zeilen, durch o, 5, 10, 15, 20 usw., durch 
3, 8, 13, 18, 23 usw., durch i, 6, ii, 16, 

21 usw., durch 4, 9, 14, 19, 24 usw. und 
durch 2, 7, 12, 17, 22 usw. bezeichnet, die 
Fiinferzeilen. Dann nach links in noch 
steilerer Richtung ansteigend finden sich 
Parastichen, welche die Insertionen o, 8, 

16, 24, 32 usw. verbinden, solche gibt 
es 8, sie stellen die Achterzeilen dar. 

Die steilste Parastiche wiirde dann wieder 
rechts sich wendend durch o, 13, 26, 39 
aufsteigen; wir kdnnen 13 solcher Para- 
stichen sehen. Im vorliegenden Falle ist 
die nun folgende durch Insertion o und 
34 bezeichnete Zeile zur Orthostiche ge- 
worden, weil 34 (iber o steht, und solcher 
gibt es also 34. — Wiewohl die Stellungen 
ausderReihe i, 2, 3, 5, 8 usw. imPfianzen- 
reiche die weitaus haufigsten sind, so kommen 
doch auch solche vor, die einer anderen Schematisclie Darstellung der 

Reihe angehoren, z. B. der Reihe I, 3, 4, 13/34 stellung der in eine Ebene ge- 

7, II, 18 usw. in den Divergenzen legten Zylinderflache eines Pflanzenteils. 

Tj 2/ 3/ sy ^ Die einzelnen Insertionen durch Kreise 

U'i ij) /ii7 /18 * bezeichnet und numeriert. Durch Linien 

Namentlich in der Anordnung der Phyl- sind auber der Grundspirale noch zweieiiei 
lome finden wirBeispiele ffir alle diese Stel- Parastichen, die 301* und 5er Zeilen an- 
lungen. Und es hat sich aus dem Studium ^ ^ chwendener.) 

der Blattstellungsgesetze ein besonderer 

Zweig der Morphologie, die Blattstellungslehre (Phyllotaxis), entwickelt. 
War man friiher bestrebt, die Anordnung der Blatter an ausgebildeten Sprossen 
kennen zu lemen (Schimper, Beschreib. v. Symphytum Zeyheri^ . 1 ^ 35 ; A. Braun, 
in Nova Act. Leop.-Carol. , Bd, 15, 1831, I. S. 199; Bravais, in Ann. Sc, 
nat. sdr. 2. VII, 1837, S. 197}, so versuchte man spater die B, aus der Ent- 
stehung der Blattanlagen abzuleiten. (Hanstein, in J. w. B. L 1858, S. 283; 
dgl. Beitr. zur allgem. Morph, d. Pfiz., 1882; Hofmeister, Allg. Morph., 1868.) (IV.) 

Die von ScHWENDENER (Mech. Theor. der Blattstellg., 1878) begriindete und 
von seiner Schule weiter ausgearbeitete »mechanische Theories nimmt an, dafi 
der Ort neuer Organanlagen durch die im Vegetationspunkt herrschende Druck- 
verteilung bedingt wird sowie daB eine nachtragliche Verschiebung der Organ- 



124 


Blattstiel — ^Blepharoplasten . 


stellung durch gegenseitigen Druck zustande kommen kann. Diese Theorie konnte 
jedoch der Kritik (Jost, Winkler ii. a.) nicht standhalten. Vgl. insbes. Winkler, 
J, w. B. Bd, 36, 1901 11. Bd. 38, 1913. (Z.) 

Blattstiel = Petiolus s. Blattform. 

Blattstielgrubchen s. Staubgriibchen. 

Blattstielranker s. Rankenpfianzen. , 

Blattsukkulenten s. Xerophyten. 

Blatteil des Segmentes s. akroskop. 

Blattwand der Musci s. akroskop. 

Bleichsucht s. Chlorose und Etiolement., 

Blendarten sind nach Focke samenbestandige Rassen, die aus Bastar- 
den (vgl. Mischling!) hervorgegangen sind. 

Blendling (K. Koch) s. Bastard. 

Blendliiigsbestaiibimg s. Bestaubung. 

Blepharoplasten: In einer Reihe vorlaufiger Mitteilungen schilderte 
Webber"') zentrosomenahnliche, aber hochstens pbylogenetisch von Zentro- 
somen ableitbare Gebilde, welche in dem Zytoplasma der mannlichen ge- 
nerativen Zellen von Zamia nnd Ginkgo gebildet werden. Nach der Teilung 
der generativen Zellen wird jeder dieser Korper in ein schmales Band um- 
gewandelt, das in Form einer schneckenformigen Spirale der Innenseite der 
Hautschicht des Spermatozoids folgt und als Ansatzstelle fiir zahlreiche aus 
ihm hervorgewachsene Zilien dient. . WEBBER hat diesen Korper B. 
genannt. — Shaw (B. D. B. G., XVT, 1898) beobachtete in den Urmutter- 
zellen der Spermatiden von Marsilia und Onoclea blepharoplastenahnliche 
Korper, die er Blepharoplastoiden nennt. Ein ahnlicher Korper ist von 
Belajeef°) unter dem weniger bezeichnenden Namen Nebenkern in 
den Spermatiden und in den Spermatozoiden der Filices und Equiseten 
beschrieben worden. Schliefilich sind derartige B. auch fiir die Moose 
sichergestellt (vgl. die Zusammenfassung bei Allen, Archiv f. Zellh, Bd. 8, 
1912). In den sicher untersuchten Fallen entstanden sie hier erst in den 
Mutterzellen der Spermatiden und haben keine bestimmte Beziehung zu 
den »kinoplasmatischen« Strukturen, die in den friihereh Zellgenerationen 
auftreten und von Allen ' »Kine to somen« genannt werden. Die Ansicht 
Ikenos und anderer (s. B. B. C. XV, 1903), daB es sich bei den B. der 
Bryophyten um echte Zentrosomen handle, die noch dazu ihren Ursprung 
aus dem Kern nehmen sollen, ist sicher irrig (s. auch Strasburger in 
Progr. I, S. 48 ff., 1907). Durch STRASBURGER hat sich auch die Ver- 
deutschung »Zilienbildner« fiir B. eingebiirgert. 

Ganz neuerdings wurden von Walker fiir Polytrichum und von Wood- 
BURN fur Blasia (Annals of Bot. 1913) Angaben gemacht, die sich einander 
total widersprechen. Die von WALKER angenommene. AusstoBung eines 
»Nebenkorpers« aus dem Kern und die ganzliche Unbeteiligung eines von 
diesem distinkten » Blepharoplasten « an der Bildung des sich dunkelfarbenden 
»Bandes« sind aber zunachst noch sehr unwahrscheinlich (s. auch unter 
»Chondriom«). (71)' 

4 In Bot. Gaz., XXHI, 1S97, S. 453, XXIV, 1897, S. 16, 225. 

Spermatogenese in B, D. B. G. 1897, S. 337* 


2) Drei Aufsatze iiber 



Blepkaroplastoid — Bliite, 


125 


Blepharoplastoid (Shaw) s. Blepharoplast. 

Bltite'): Unter Blute im weiteren Sinne versteht man einen Teil der 
SproOachse, dessen Blatter in besonderer Weise metamorphosiert sind, um dem 
Zweck der Fortpflanzung zu dienen. Solche Bluten finden wir bei ken sog. 
Blutenpflanzen (Phanerogamen oder Siphonogamen benannt). Bliitensprosse, 
die nur diese der Fortpflanzung dienenden B. tragen, werden nackte (achla- 
mydeische) B. genannt. — Wir unterscheiden an einer hochentwickelten 
Bliite in der Hauptsache zweierlei Gebilde, die Blutenachse oder das 
Receptaculum und die Blutenblatter. Diese wiederum gliedem sich an 
einer vollstandigen B. in: die Blutenhulle (Kelch und Krone bzw. 



Fig, 70. Beispiele von Diagramnien aktinomorplier und zygo~ 
morpher BUiten. — In der oberen Reike sind ^ (Dicmtra formosa) 
und C (Ifypecofi- 7 ?tprocumbefis} 'BQh^iQl&f^xzktmom.ox^h.&'BWL^n^ denu 
die Bliiten werden sowokl durck die auck die Mitte der Tragblatter 
sckneidende Me dianebene, wie durck die darauf senkreckt stekende 
Transversalebene in zwei gleicke Halften zerlegt. — Bagegen ist 
B (Corydalis caua) das Diagramm einer transversal-zygoniorpken 
Bliite. — In der unteren Reike sind A (Aesailus Hippocastamm) und 
B (Urvillca spec.) Biagramme von sckrag-zygomorpken Bluten. 

(Hack Eichler.) 

Perianthium) und die Gescblechtsorgane^ Androeceum (Staubblatter) 
und Gynoeceum (Fruchtblatter). Naheres dariiber siehe unter Perianthium, 
Androeceum und Gynoeceum. Die Stellungsverhaltnisse der Blatter in der 
B. kdnnen sehr verschieden sein (vgl. Fig. 70). 

Mediane ist bei den Seitenbliiten (solche sind meistens vorhanden) die 
Ebene, welche wir uns durch die Abstammungsacbse und die Blutenachse gelegt 
denken. Trans vers ale ist die darauf senkrecht stehende, durch die Bliiten- 
achse gelegte Ebene. Oben oder hinten heiBt, was der Abstammungsachse 
zugekehrt ist, unten oder vorn, was ihr abgekehrt ist (vgl. auch Blattstellung). 

Symmetrische B- heiBen diejenigen, welche sich durch mindestens eine 
Ebene in gleiche Halften zerlegen lassen; diesen stehen die selteneren asymme- 


fJber den BegrifF der Bliite vgl. auck Potonie, in Nat. Wock. VIII, iSpSj Nr. 47. 



126 


Blilte. 


trischen B. gegeniiber. Die symmetrisclien sind (vgl. Fig. 70, sowie auch die 
Fig. tinter Perianth): a) aktinomorph (strahlig), wenn sie durch mindestens 
zwei Ebenen in zwei gleiche Halften zerlegt werden; b) zygomorph(zweiseitig 
symmetrisch), wenn sie durch eine Ebene in zwei gleiche Halften zerlegt 
werden. Fallt diese Teilungsebene mit der Mediane zusammen, dann ist die B. 
median-zygomorph, der am hauhgsten vorkommende Fall. Wenn dagegen die 
Teilungsebene mit der Transversale zusammenfallt, so ist sie transversal- 
zy go morph (Fig. 70^ oben). Kommt endlich die Teilungsebene zwischen die 
beiden genannten Ebenen zu liegen, dann ist sie schrag - zygomorph 
(Fig. ^oA^£ unten). Eine vollstandige Umkehrung der B. aus ihrer urspriing- 
lichen Stellung in die entgegengesetzte, also eine Drehung urn zwei rechte Winkel, 
wie sie bei den meisten Orchideen und Lobelien vorkommt, wird als Re supi- 
nation bezeichnet. 

Alle solchen Stellungsverhaltnisse lassen sich am einfachsten durch Dia- 
gramme (wie in Fig. 70) klar machen, welche die einzelnen Teile der B. mit 
genauer Wiedergabe ihrer Stellung zueinander auf eine Ebene projizieren. 
Querschnitte durch junge Knospen am Ende der Bliitenachse ergeben oft 
ohne weiteres ein solches Diagramm. Wenn jedoch die Bliitenachse nicht 
gestaucht ist, die Insertion perigynisch oder epigynisch, dann sind auf einem 
Querschnitt nicht immer alle Teile einer Bliite sichtbar, und man muB in 
dem Diagramm gewissermaBen mehrere Querschnitte kombinieren. Ein 
Diagramm, welches die Stellungsverhaltnisse der Blattgebilde in der B. un- 
verandert wiedergibt, heiBt ein empirisches Diagramm; wenn man da- 
gegen in dem Diagramm gewisse, nicht unmittelbar hervortretende Ver- 
haltnisse, wie z. B. die Zusammensetzung einer sympetalen Blumenkrone 
aus 5 Blumenblattern klar zu machen sucht, dann ist dasselbe ein theo- 
retisches Diagramm. Zu einem vollstandigen Diagramm gehort auch 
immer die Angabe der Abstammungsachse, des Tragblattes der B. 
(Bractea) und ihrer Vorblatter (Prophylla), sofern solche vorhanden sind 
(vgl. Infloreszenz). 

In manchen Fallen verhalt sich der BiiitensproB wie ein LaubsproB mit 
spiraliger Blattstellung, d. h. samtliche Blattgebilde der B. folgen aufeinander 
in kontinuierlicher Spirale; so unter den Angiospermen bei den Caly- 
canthaceen. Solche Bliiten heiBen azyklisch (Fig. 71^). Haufiger finden 
wir einen Teil der Blattgebilde in spiraliger Anordnung, und entweder die 
unteren oder die oberen in Quirlen, deren Glieder in die Liicken eines Teils 
der spiralig angeordneten Blatter zu stehen kommen. Solche hemizykli- 
sche B. finden sich namentlich bei den Ranunculaceen, Magnoliaceen, Nym- 
phaeaceen (Fig. 7 1 B), Die meisten B. zeigen dagegen sowohl bei ihrer 
Entwicklung als im ausgebildeten Zustande Quirle, deren GHeder mitein- 
ander alternieren; nur der Kelch, namentlich der fiinfzahlige, kann haufig 
ebensogut als spiralig, wie als aus zwei Quirlen, einem zweigliedrigen und 
einem dreigliedrigen, gebildet angesehen werden. Diese am haufigsten vor- 
kommenden B. nennen wir insgesamt zyklische B, (vgl. Fig. 72), wobei es 
freisteht, die Quirle als zusammengezogene Spiralen aufzufassen oder nicht. 

Die Zahl der Quirle einer zyklischen B. schwankt zwischen i und 16. Am 
haufigsten ^ stimmen die Kelchblatter und Blumenblatter in der Zahl iiberein, 
wahrend die Staubblatter aus ein oder zwei gleichzahligen Quirlen bestehen, die 


Bliite. 


127 


Fruchtblatter aber in gleicher oder geringerer Zahl vorhanden sind. Solche vier- 
quirlige und fiinfquirlige (tetrazyklische und p entazyklische) B. sind sehr 
verbreitet. Es gibt aber auch B. mit Kelchen, welche aus vielen Quirlen (acht 
bei Nandina) bestehen, und andere^ bei denen die Staubblattformation viele Quirle 
zahlt [Lauraceae^ Rosaceae). Die Zahl der Glieder innerhalb eines einzelnen 
BlGtenquirls variiert von 2 — 30, abgesehen von den durch Spaltungen entstan- 
denen Vermehrungen; so gibt es 9 — 30zahlige Quirle bei Sempervivmi. Wir 
unterscheiden danach zweigliedrige oder dimere (bei Majanthentini]^ 3zahlige 



Pig. 71. Beispiele von azyklischen nnd hemizyklisclien Bliiten: A Calycanthus floridusy 
Bliite im Langssclinitt, daranter ein Diagramm, in dem a h die laubigen, opponierten Vorblatter, 
die ZifFern die Blutenteile nacb ihrer Entstebiingsfolge bezeichnen. £ Nuphar pumilunt XLQ.cy 
Entfemung der PeriantbblStter; darnnter Diagramm der Bliite von Nuphar hitetim, wo die 
Karpelle einen Zykins bilden. {A oben nacb Baillon, unten nacb Eichler, B oben nacb 

Caspary, unten nacb Eichler.) 


Oder trimere (bei Nandina)^ 4zahlige oder tetramere (bei einheimischen 
Rubiaceen), 5 zahlige oder pentamere [hei Fnmula)^ 6zahlige oder hexamere 
(bei Lythraceen). Hohere Gliederzahlen sind selten. Bei vielen Pflanzen unter- 
liegt die Gliederzahl eines Zyklus zahlreichen Schwankungen, (Nach Pax^ S. X71,) 
Zyklische B. mit gleichzahligen oder isomeren Quirlen heiBen euzyklisch, mit 
ungleichzahligen Quirlen heterozyklisch oder heteromer. (VgL die Beispiele 
in Fig. 72.) Diese Heteromerie kann entweder durch nachtragliche Verande-' 


Bltite. 


I 28 

rurtgen (Ver einigung, Verdoppelung oder Dedoublement, Verktimme- 
rung Oder, Abort) veranlafit oder urspriinglich typisch sein. Sehr viele groBe 
Pfianzenfamilien halten an ihren typischen Zahlen der Blutenteile fest, z, B. Cruci- 
feren, ^ Umbelliferen, Kompositen, wahrend andere darin sehr variieren. 

Die Glieder der aufeinanderfolgenden, gleichzahligen Quirle der B. wech- 
sehi in der Regel ab, in manoheni Fallen aber kommen die Glieder des einen 
Quirls vor diejenigen des vorangehenden zu stehen, siesind denselben super- 
poniert, wahrend sie mit denen der nachstfolgenden abweehseln. Mit 
Rucksicht auf diese Verhaltnisse bezeichnet man von den zyklischen B. als: 
haplostemon solche, bei denen typisch nur ein Kreis von Staubblattern 
vorhanden ist, welcher dem der inneren Bliitenhiille gleichzahlig ist (z. B. 



Fig. 72. Beispiele von euzyklisclieiL und heterozyklisclien Bliiten: A Nandina dome- 
sfica, heterozykliscF mit oligqmerem Gynoecetiin, sieben dreigliedrige Kelchblattqnirle, zwei 
Quirle von Petalen, zwei Quirle von Staubblattern. — B Agnilegia vulgaris, euzykliscb, ftinf- 
gliedrig, ein Quirl Sepalen, ein Quirl Petalen, zebn Quirle Staubblatter, zwei Quirle Staminodien, 
ein Quirl Frucbtblatter. — C AJdrovandia vesiculosa, euzykliscb, haplostemon, fiinfgliedrig. — 
Z? Carica euzykliscb, diplostemon, fiinfgliedrig. — E Birola rottmdifolia, euzykliscb, 

obdiplostenion, fiinfgliedrig. — E Saxifraga granulata, beterozykliscb, mit oligomerem Gynoe- 
ceum, obdiplostemon. (Nach Engler.) 

Lahiatae^ Compositae oder Fig. 72 C)‘ diplostemon solche^ welche soviel 
Staubblatter enthalten, .als beide Kreise der Bliitenhiille (Fig. 72 D) wobei 
jedoch die auOeren Staubblatter vor den Kelchblattern (episepal), die 
inneren Staubblatter vor den Bliitenblattern (epipetal) stehen (z. B. Liliaceen); 
obdiplostemon (Fig. 72 £■) solche, welche soviel Staubblatter enthalten, 
als beide Kreise der Bliitenhiille, wobei jedoch die auDeren Staubblatter 
epipetal stehen und die folgenden Quirle sich an diesen Quirl abwechselnd 
anschlieBen (z. B. bei Saxifragaceen, Caryophyllaceen) ; polystemon solche, 
wo mehr als zwei Quirle von Staubblattern entwickelt sind (z. B. Lauraceae). 
Die obdiplostemonen B. gliedern sich in zwei Gruppen: proterosepale, 
bei denen der episepale Staminalkreis der auBere, und proteropetale, bei 



Blilte — Bliitenfo rmeln. 


129 


denen der epipetale Staubblattkreis der auBere ist. SchlieBlich kann man 
die dutch Abort haplostemonen diplostemonen Androeceen noch den typisch 
haplostemonen. als monostemone gegeniiberstellen. (Nach Engler in E, 
P. II, I., S. lagff., mit Zusatzen nach Pax.) (G.) 

Bltite der Bryophyten s. Infloreszenz derselben. 

Bliitenachise == Receptaculum, s* Gynoeceum und Receptaculum. 

Bliitenanschlufi : Die Art und Weise wie sich die Blatter des Peri- 
anths zu den vorhandenen Oder zu erganzenden Vorblattern stellen. Fehlen 
letzte typisch, dann spricht man von Einsatz der Bliite. (W.] 

Bltitenbecher s. Receptaculum. 

bliitenbildende Stoffe. Sachs nahm an, »daB mit den Formver- 
schiedenheiten der Organe materielle Substanzverschiedenheiten derselben 
verbunden sind«. Sachs nannte die zur Entwicklung bestimmter Organe 
maOgebenden, spezifischen StofFe organbildende Stoffe und nahm dem- 
entsprechend auch bliite nbildende Stoffe an, welche »ahnlich wie Fer- 
mente auf groBere Massen plastischer Substanz einwirken, wahrend ihre 
eigene Quant itat verschwindend klein ist«. (Wiirzburger Arbeiten II, 1882 

u. in, 1887.) 

Lit. u. Kritik bei JoST (IL Aufl., 424). Palladin betrachtet die organb. 
St. als Produkte der inneren Sekretion, die als Hormone (s. d.) aufgefaBt 
warden konnen. (Pflaiizenphys. 1911, S. 300). (L.) 

Bliitenbiologic, Im weiteren Sinne die Gesamtwissenschaft von den Lebens- 
erscheinungen der BlUte. Am haufigsten jedoch im engeren Sinne von Bestaubungs- 
biologie gebraucht, d. h. als Bezeichnung derjenigen Disziplin, welche die in den 
Dienst der Bestaubung gestellten Erscheinungen der Blute studiert. (P.) 

Bliitenblattei- s. Perianth. 

Bliitenboden s. Gynoeceum und Receptaculum. 

Bliitendecke s. Involucrum der Hepaticae. 

Bliitendiagramme s. Blute. 

Bliitendiifte s. Blumendiifte. 

Bliiteneinsatz s. Einsatz der Bliite und BliitenanschluB. 

Bliitenfoi'meln: Die Zahlen- und Stellungsverhaltnisse der Bliitenteile 
lassen sich auJBer durch Diagramme (s. Bliite) auch durch For mein") ausdrucken, 
in denen ahnlich wie bei den Diagrammen der Ubersichtlichkeit halber die 
Eigentiimlichkeiten der Ausbildung grdfitenteils unberucksichtigt bleiben. Man 
bezeichnet jede Formation der Blute durch einen Buchstaben, und zwar meist 

_ g^elch, C. — Corolle, A =Perigon, J, == Androeceum, 6^, = Gynoeceum. 
Hinter diese Buchstaben werden die Zahlen der Glieder jeder Formation gesetzt,* 
wobei an Stelle der Ziffer bei starker Vermehrung der Glieder das Zeichen 00 
tritt was sehr viele oder unbestimmt viele bedeutet, oder man setzt auch statt 
der^Zahl wenn die Zahlen verhaltnisse der einzelnen Kreise variabel sind. 
Eine aktinomorphe Bliite erhalt vor ihrer Formel ein eine zygmorphe einen 4 
oder •(*. Superponierte Rreise werden durch einen dazwischengestellten | kennt- 
lich gemacht. Das Fehlen einzelner Kreise wird durch die Ziflfer 0 ausgedriickt, 
die Verwachsung durch Klatnmern, derart, daB die verwachsenen Organe inner- 
halb der Klammern stehen. Besitzt eine Formation ihre Glied^ m melneren 
Quirlen, so wird der Index der Formation in eine der Zahl der Qmrle und der 

4 Eingefiilirt von Grisebach, GrundrlB der syst. Bot., 1854. 

Schn eider, Bot. Worterbuch. s.Auflage. 9 



130 


BliiteCtliulle — Bliiteustaub. 


Zahl der Quirlglieder entsprechende Stimme zerlegt. Ober- und unterstandiges 
Gynoeceum wird 4 urch einen Strich imter oder tiber der betreifenden Zahl ge- 
kennzeichnetj Verdoppelung durch den Exppnenten 2. Als Beispiele dienen 
folgende Formeln: 

Viola: HyacintJms: 

Carupi: Pf'i'mulaT- ^ 

Tultpu: ^ G ^ Sczrpus : ^ P^^^A^^o ^£3) 

(im wesehtlicbeh nach Pax). 

Bliitenliulle s. Perianth. 

Bliitenknospe s. Knospe. 

Blutenkolben = Spadix, s. d. 

Bliitenkorb s. Kopfchen. 

Bltitenkrone s. Perianth, 

Bliitenokologie, allgemeine Bezeichnung fiir die Gesamtwissenschaft ■ vom 
Lebenshaushalt der Bliite. {P.} 

Bliit^nscheide = Spatha. 

Blutenstancb"). Von einem B. oder einer Infloreszenz sprechen wir, 
wenn das bliitentragende Verzweigungssystem von dem vegetativen Teil der 
Pflanze scharf abgegrenzt ist. Bisweilen besteht der B., wie bei den Kolben 
der Araceen und den Trauben der Cruciferen, nur aus Bltiten, in den meisten 
Fallen finden wir jedoch am Grunde der Bliitenstiele die Tragblatter und 
Deckblatter (Bracteae) und sehr haufig zwischen diesen und der Bliite 
Vorblatter (Prophylla). Wir bezeichnen den Teil der Achse, an welchem 
die Bliitenzweige stehen, als Rhachis, die mit Bliiten besetzten Nebenachsen 
als Bliitenzweige (Pedunculi). Das Blatt der Hauptachse, aus dessen 
Achsel ein Bliitenzweig oder eine Bliite hervorgeht, wird Tragblatt (Brae- 
tea) genannt; die Blatter, mit denen die Bliitenzweige oder die Bliiten- 
stiele (Pedicelli) beginnen und auf welche entweder die Bliiten unmittel- 
bar oder nach Vorangehen einiger Hochblatter folgen, heiBen Vorblatter 
(Prophylla, Bracteolae). VgL auch unter Vorblatt 

Die einfachen B. sind cymos, wenn eine Endbliite vorhanden ist 
(vgL Cyma), und botrytisch, 'wenn die Achse theoretisch unbegrenzt ist 
(vgl. botrytische Infioreszenzen). Zu den ersten gehoren Monochasien, Di- 
chasien und Pleiochasien, zu den ietzten Traube, Ahre, Dolde und Kopfchen 
(s. diese im einzelnen). Diese Formen konnen sich in iiberaus mannigfacher 
Weise kombinieren , wodurch dann die zusammengesetzten B. zustande 
kommen. Durch Reduktion konnen dann in der phylogenetischen Entwicklung 
schlieBlich Einzelbliiten tibrig bleiben. Die einzelnen Komponenten eines 
zusammengesetzten B. werden Partialinfloreszenzen erster, zweiter, dritter, 
n-ter Ordnung bezeichnet. Jeder B. kann durch Beisprosse kompHziert sein. 
Vgl. auch Infloreszenzformeln. (-.W.) 

Bliitenstandstiel = Pedunculus, s. Bliltenstand. 

Blutenstaub == Pollen, s. Pollensack. . 


Es sei aueb. auf L. J, Celakovskys Arbeit: Gedanlc^n liber einef zeitgemabe Reform der 
Bliitenstaude, in Engl. Jabrb. XVL, 1893, S- 33, hingewiesen, auf dessen Noinenklatur hier aber 
vorlaufig niebt eingegangen w^orden ist. 



Bliitenstiel — Blumenklassen. 


13 I 

Bliitenstiel = Pedicellus, aber haufig auch im Sinne von Pedunculus 
gebraucht, s. Bliitenstand. 

Bliitenwachs. Seltenes, bis jetzt bloJQ fiir die Orcliideengattung Orni- 
thidium sicher nachgewiesenes und den fehlenden Honig vertretendes In- 
sektenanlockungsmittel, welches aiif dem Labellum derart zur Ausscheidung 
gelangt, daJ 3 die dasselbe beziehenden Insekten dabei die Bestaubung ver- 
mitteln. (Vgl. PORSCH in O. B. Z. 1905, S. 253 fF; B. B. C., Bd. 25, 1909, 
Abt I, S. 301 ff; Fahringer, dass. 1908, S. i9ifF.) [P) 

Bliitenzeichnung: Die B. steht in erster Linie als Saftmal (s. d.) 
im Dienste der BVerndbestaubung, ist aber iiberdies namentlich in ihren feinen 
Details haufig ein klares Ausdrucksmittel der natiirlichen Verwandtschaft. 
(Vgl. PoRSCH, Abh. d. zool. bot. Ges., Wien 1903 und D. Ak. Wien 1905 und 
Z. B. G. Wien 1905.) { P ) 

Bliitenzweig = pedunculus, s. Bliitenstand. 

Blume: Der Ausdruck B. im Gegensatz zu Bliite bezeichnet mehr die 
einzelnej hochdifferenzierte Bliite, die sich durch lebhafte Farbung, Duft usw. 
auszeichnet. 

Blumenblatt = Petalum, s. Perianth. 

Blumendiifte, Die B. werden zumeist durch atherische Ole bedingt, die 
haufig von Driisenhaaren oder interzellularen Exkretbehaltern abgesondert werden. 
Die atherischen Blutenble stellen uberaus komplizierte Gemenge verschiedenartiger 
organischer Riechstotfe dar; eine Klassifizierung der Geriiche auf Grund der 
Hauptbestandteile ist schon deshalb wenig befriedigend, als oft gerade ein in 
Spuren vorhandener StofF das Aroma bestimmt. Ein 'Versdch einer Einteilung 
der Blumendiifte auf chemischer Grundlage findet sich z. B. bei Kerner (II, 1891, 
^95)^)? welcher folgeiide Kategorien unterschied: i. Indoloide B. : durch 
Indol, Skatol usw. bedingter Aasgeruch (Aroideen, Stapelien); 2. Aminoide B. : 
z. B. der Geruch nach Trimethylamin bei Crataegus^ Pirus usw, 3. Benzoloide 
B. : d. h. solche, welche von aroniatischen Kbrpern (Benzolderivaten) ausgehen 
wie der Eugenolgeruch von DiantJms caryophyllus^ der Kumaringeruch von Asperula 
usw. 4. Paraffinoide B.: durch Kohlenwasserstoffe der Paraflfinreihe bedingt. 
Kerner rechnete hierher den Rosenduft. 5. Terpenoide B., die durch Terpene 
bedingt werden sollen (z. B. Orangen, Lavendel). (Z.) 

Blnmengarten der Ameisen oder schwebende Garten nennt 
Ule die von ihm im Amazonasgebiete beobachteten, in den Baumkronen von 
verschiedenen Ameisen angelegten Nester, welche von einer Reihe charak- 
teristischer Epiphyten (Bromeliaceen, Araceen, Gesneraceen u. a.) bewohnt 
werden. Diese Ameisenepiphyten sind in ihrem Vorkommen zumeist auf 
diese Nester beschrankt; ihre Samen werden durch die Ameisen iibertragen. 
S. Ule, Karsten und Schenks Vegetationsbilder, III. Reihe, i. (A.) 

Blumengeriiche = Blumendiifte. 

Blumenklassen: H. Muller unterscheidet (Alpenblumen 1881, S. 477 
bis 51 1) bliitenbiologisch folgende 9 B. : 

I. Polienblumen (Po)®): sie bieten den Besucliern keinen Honig, nur Pollen 
[Papaver oder Genista tinctorla^ Fig. 73). 


Vgl. femer Knuth, I, S. 195. 

2) Diese Abkilrziingen kaben sick in der bliitenbiologiscken Literatur zum Tell eingebiirgert 
und sind daber auck Mer berticksicktigt worden. 

9 * 


132 


Blumenklassen. 


2. Blumen mit freiliegendem Honig (A): der frei abgesonderte , vdllig 
offen liegende Honig ist unmittelbar sichtbar und daher den mannigfaltigsten 
Insekten zuganglich (rneiste Umbelliferen, ferner z. B. Gentiana luted) (Fig. 74). 

3. Blumen mit halbverborgenem Honig (AB): der 


Honig ist nur unter giinstigen Umstanden bei hellem Sonnen- 
schein sichtbar (fast samtliche Cruciferen oder Berberis vul- 
garis^ Fig. 75 )- , 

4. Blumen mit geborgenem Honig (B): der Honig 
ist durch vorspringende Bliitenteilchen, Harchen, Spitzchen 
usw. verdeckt oder in Einsackungen verborgen, mithin den 
Blicken der Besucher vollig entzogen [Thymus serpylltim^ 
ferner Trollius europaeus und Ly copus europaeus) (Fig. 76). 

5. Blumengesellschaften (B'j: Honigbergung wie bei 
B, aber Bluten zu Kopfchen vereinigt (Kompositen [vgl. 
Fig- 1 l]i Dipsaceen, Armeria), 

6. Immenblumen (H.): sie konnen nur durch Haut- 
fitigler (Hymenopteren) ausgebeutet und befruchtet werden 
(Papilionaceen). Vgl. auch unter Insektenblutler, ebenso 
fiir 7 — 9. 

7. Fa Iter blumen (F): sie werden hauptsachlich von 
Schmetterlingen (Lepidopteren) besucht, deren langer, diinner 
Russel imstande ist, den in tiefen und engen Rdhren oder 
Spornen geborgenen Honig zu erreichen [Dianthus carthusiano- 
rum^ Lonicera pcriclymeinivi), 

8. Fliegen-(Dipteren-)Blumen (D.): sie werden vor- 
nehmlich von Dipteren besucht [Ruta graveolens^ Parnassia 
palustrls^ Aristolochia chinatidis^ Veronica chamaedrys), 

9. Kleinkerfblumen (KL): Sie werden von ganz kleinen 
Insekten der verschiedensten Ordnungen besucht [Herminium 
m on orchis), 

NachKNUTH (GrundriB der Bliitenbiologie 9. 1894) lassen 
sich auch Blumengesellschaften mit freiliegendem (A') 



Pig- 73- Pollen- 
bienenblume von 
Genista tinctoria (los- 
gescbnellt): a Staub- 
fadenrdbre mit den 
kilrzeren Staubf^den b 
und den langeren c/, 
sowie dem Griffel 
c die Fahne, h das 
ScbifFcben zwischen 
den Fliigeln. (Nach 
H. Muller.) 



Fig. 74 . Blume mit freiliegendem Honig von 
Gentiana hctea: s Sepal en, p Petalen, a An- 
theren, ov Ovarium, st Stigma, fi Filament, 
n Nectarium. {Nach H. Muller.} 



oC 


Pig* 75* Blume mit halbverborgenem 
lionig von Berberis vztlgaris: a liiiBere, 
^ innere Kelchblatter, b' Korollblatter 
mit den Nektarien, d Staubgefafie. 

(Nach Knuth.) 



Blumenkrone — Bluten. 


133 




Fi^. 76. Blumen mit geborgenem Honig: A Trollms euro- 
paeus. — B Lycopus ettropaeus im Aixfrifi: a — a' Androeceum, 
n Nectariuirij ov Ovaiium, st^ Narbe. (Nacb Knuth.) 


und solche mit halbverborgenem Honig (AB') unterscheiden. Erste bilden 
die zusammerigesetzten Dolden der Umbelliferen oder- die Trugdolden- von 
Vihttrmini Optdtis^ die zweiten sind vertreten durch Dolden tranben von Iberis^ 
Teesdalea nsw. 

Auf die von C. Verhoeff (in Nov. Act. Leop.-Carol. Acad. Bd. 61, Nr. 2, 1894, 
S. 1 74/175) vorgeschlagenen Abanderungen der MiJLLERschen Klassen kann hier 
nicht eingegangen wer- 
den, man vgl. dariiber P. 

Knuth, L 80. 

Blumenkrone = 

Korolle, s. Perianth. 

Blumenstetig- 
keit: Man spricht von 
einerB. oderBlumen- 
treue gewisser Insek- 
ten, wennsieausschlieB- 
lich oder doch mit sehr 
groBer Vorliebe ganz 
bestimmte Blumenarten 
anfsuchen; so findet 
sich z. B, Aiidrenajiorea 
ausschlieBlich auf Bryo- 
ma diotca^ Bombtis ger- 
staecke 7 d nur rnfAconi- 
tmn lycoctomiui usw. 

(nach Knuth). 

Blumentreue = 

Blumenstetigkeit. 

Blumentypen: 

Delpino hat versucht (in 
Atti d. Soc. Ital. d. Sc. 

Nat. Milano, Vol. VII) 
die gesamten Blumen- 
formen einer Anzahl von 
Typen unterzuordnen, 
deren er 47 unterschied, 
die er in 13 Klassen ein- 
teilte. Es wtirde zu weit fiihren, wollten wir diese hier anfUhren. Die Einteilung 
hat wenig Anklang gefunden und wird z. B. von Knuth, I. 78, ausfahrlich dargelegt, 

Blumenuhl": Da es Pflanzen gibt, deren Blumen sich bei normalen 
Witter ungsverhaltnissen wahrend bestimmter Tagesstunden periodisch 6£fnen und 
schlieBen, so wurde schon Linne angeregt, auf Grund mehrjahriger in Upsala 
angestellter Beobachtungen eine sogenannte B, zu entwerfen. Er gruppierte nto- 
lich die Pflanzen nach MaBgabe der Zeit, zu welcher sie ihre Bltiten dffnen und 
schlieBen, und ermittelte fiir jede Stunde des Tages die Arten, bei denen ent- 
weder das eine oder das andere stattfindet. Listen geeigneter Pflanzen bei 
Kerner II, 1891, S. 21 1 if. (Z.) 

Bluten: Unter B. oder Tranen wird das Hervorpressen von Wasser 
aus Wundstellen verstanden, mogen diese nun durch Abschneiden des 



Fig. 77. Blumengesellschaften : 

B Gnaphalhmi Leontopodium. 


Chrysafithevi uni alpimmi, 
(Nach Knuth.) 



Bliitungs druck — o denv ag . 


134 

Hauptstammes, der Aste, der Blatter, der Wurzelteile oder dutch Anbringen 
eines Bohrloches hergestellt werden (z. B. Viifis, Benda). Zu solchcm i . 
sind viele Pflanzen, auch krautige, befahigt, sofern in ihnen eine geiiugen c 
Sattigung mit Wasser erreicht ist. Die ausgeschiedene Flussigkeit, das 
Blutungswasser oder der Blutungssaft, enthalt bisweilen reichliche 
Mengen geloster organischer und anorganischer Substanzen. Die Dauei es 
Saftausflusses aus einer Wunde, die Blutungsperiode, betragt bald nur 
einige Tage, bald Jahre. Der in Atmospharen zu messende Blutungs- 
druck ka nn auf den Wurzeldruck (s. dort) zuruckzufiihren sein; vielfach 
handelt es sich jedoch um eineii lokalen Druck, d. h. einen osmotischen 
Druck iin Bereiche der Verletzung, der vom Wurzeldruck vollig unabhangig 
ist (lo kales Bluten, lokaler Blutungsdruck nach MoLlSCH, B. Z. Bd. 60, 
S. 45). Eine Wassersekretion aus ' den Organen intakter Pflanzen wird als 
Guttation bezeichnet (s. dort). Von neuerer Literatur s. insbesondere ScHA- 
POSCHMIKOW, B. B. C, 28, 1912. [L) 

Blutungsdruck, '-peiuode, ^wasser s, Bluten, 

Bodenabsorption, die Fahigkeit des Bodeiis, gewisse Stoffe (Farbstofle, 
manche Salze) aus wasserigen Losungen an sich zu reiBen. Die Absorption 
wird ermoglicht durch die Anwesenheit von Ton, Kalk oder Humus, wiibrend 
sie in reinem Quarzsand fehlt Die Absorptionskraft der Boden hangt auch 
wesentlich von der Grofie der Bodenteilchen, dem Gehalt an :^Feinerde« u. a. 
Faktoren ab. Durch die B. kommt in Verwitterungsboden eine allmahliche An- 
reicherung an wertvoilen Pflanzennahrsalzen (K, Mg, P) zustande, die in diesem 
Zustande der Auswaschung durch Regen mehr oder minder groBen Widerstand 
entgegensetzen. (Ad. Mayer, Agrik.-'Chem. II.) (Z.) 

bodenhold (Unger, Einflufl des Bodens 1836, S. 168) sind Pflanzen, die 
Vorliebe fur bestimmte Boden zeigen, ohne streng an sie gebunden zu sein, 
Sehr haufig ist solche Vorliebe nur relativ; sie besteht nicht iiberall gleichmaflig, 
sondern nur in gewissen Teilen des Areales und in verschiedenem Grade. [D) 
Bodenlaufer (Sernander, Den Skandinaviska Vegetationens Sprid- 
ningsbiologi 1901, S, 443): losgerissene, mit Friichten oder Samen besetzte 
Sprosse oder ^SproBsysteme, welche von Stiirmen umhergetrieben werden 
{Lepidium ruder ale ^ Eryngium^ Falcaria], 

Bodenmiidigkeit* Wenn ein Boden fiir die Kultur einer bestimmten 
Pflanzenart sich als ungeeignet erweist, spricht man von B. (Lupinen-, 
Erbsen- usw. Miidigkeit). Die Ursachen der Erscheinung kdnnen sehr ver- 
schiedene und in den chemischen und physikalischen Qualitaten des Bodens 
Oder dem Auftreten von Parasiten in ihm begriindet sein. B. zeigt sich 
oft nach mehrfach wiederholter Kultur der namlichen Pflanzenspezies auf 
demselben Felde, indem sein Erdreich an den von jener benotigten Bestand- 
teilen allmahlich verarmt; auch hat man neuerdings versucht, die B. als 
Folge speziflscher, von den Wurzeln der Pflanzen ausgeschiedener Giftstofie 
zu erklaren. (Whitney). [Kst.) 

bodenstet (Unger, EinfluB des Bodens 1836, S. 168) sind Pflanzen, 
die einer bestimmten Bodenart ausschlieBlich eigen sind. {D.) 

boden vag (Unger, EinfluB des Bodens 1836, S. 168) sind Pflanzen, diekeine 
ausgepragte Abhangigkeit von den Bodenverh^tnissen .erkennen lassen. [D,] 



Bodenwurzel — botrytisohe Infloreszenzen. 


135 


Bodenwurzel s. Wurzel. 

body^cell = Korperzelle, s. Pollenschlauch. 

Bogenblatter* (Keener 1 . 1887, S. 398): lange, schmale Blatter, die einen 
nach oben konvexen Bogen bilden als Scliutz gegen Regen und Wind und zur 
besseren Ausnutzuiig des Liclits (z. B. Graser wie Milmth Melica altissima). 

bogenlaufig, ^nervig (-aderig) s. Blattnervatur. 

Bohrketten s. Klettpflanzen, 

Bois centripete (Bernard) s. Transfusionsgewebe. 

Bois rouge = Rotholz, s. d. 

Bolismus s. Reaktion. 

boreales Florenreich s. Florenreiche. 

Borke s. Periderm. 

Bori'agoid: Diese Bezeichnung hat K. Schumann (B. D. B. G. 1889, S. 53), 
ftir den Blutenstand, welcher den Borraginaceen und einer gro8en Reihe anderer 
Familien zukommt, eingefiihrt. Indessen sagt er selbst aiif S. 78/79: Komme 
ich nun endlich zur Darstellung der von mir gewonnenen Resnltate, so ergibt 
sich zunachst, ■ daB das B. in alien von mir untersuchten Fallen als eine Wickel 
von der Art aufzufassen ist, welche Ruta^ Echeveria^ Calandrinia^ tiberhaupt 
Pflanzen mit spiralig gestellten Stengelblattern besitzen. Da man dieselben niclit 
von denen trennen kann, die bei den Rnbiaceen, Melastoraaceen usw., d. h. bei 
Pflanzen vorkommen, die mit dekussierten Blattern versehen sind, so ist ein 
Unterschifcd zwischen echten Wickeln und Borragoiden nicht statthaft, der letzte 
Ausdruck inuB also fallen gelassen werden^). [W.) 

Borsten; i. s. Haare; 2. — seta s. Sporogon der Musci. 

Bostryx = Schraubel. 

BotryO'-Cymen (Eichler, Biiitendiagramme I. 1874, S. 41): Inflores- 


zenzen von cymosem Typus im ersten, botrytischem im zweiten Grade; z. B. 
Kopfchendichasien und Kopfchenwickel (manche Kompositen, nament- 
lich Vernonien, Dipsaceae^ Amur ant aceae)\ Kopfchenschraubel 
rium)\ Traubenwickel [Phytolacca)] Doldenschraubeln [Caztcalis nodi- 
flora)] Doldenwickeln [Chelidonhiin)\ Kopfchensichel (manche Jtmca- 
ceae) usw. Dahin gehoren auch die bikapitulareii Monochasien Wagner’s 
(Z. B. G. 1903, S. 28), Bliitenstande, die sich aus einem terminalen und einem 
lateralen Capitulum zusammensetzen. In der zitierten Arbeit (S. 21 — 65) 
wird iibrigens eine ganze Anzahl verschiedener Botryo-Cymen besprochen 
und teilweise durch Diagramme erlautert. ( W,) 

botrytische Infloreszenzen: Bliitenstande, in welchen die Zahl der 
von einer relativen, theoretisch unbegrenzten, d. h. nicht durch Terminalbliite 
abgeschlossenen Achse produzierten Seitenbliiten unbestimmt ist, somit 
zwischen einer und (theoretisch) unendlich vielen variiert; dabei mtissen die 
Vorblatter steril sein (einfache botrytische oder racemose Systeme). Die 
Seitenachsen entwickeln sich meist in akropetaler Folge. 

Von botrytischen I. lassen sich 4 Typen unterscheiden : 


1. Traube (Racemus) (Fig. ySA): Bltiten 

gestielt 

2. Ahre (Spica) (Fig. 78E): Bltiten. sitzend 


Bliitentragender Teil der 
Hauptachse gestreckt. 


4 Man vgl. ferner die Arbeiten von 6elakovsky, in- 0 . B. Z. 1891, S. 198; Schumann, 
in B. D. B. G., 18923 S. -63 ; F. Muth, in Flora Bd. 91, 1902, S. 56 und Goebel, ebenda S. 255. 





136 


Bracheiden— Brand. 


4^ ^ 

Q 

\ p 

p 

n 

y Q 



^ / 

p 


h 


c 


I BlOteateg-der Tdl d» 

4. KSpfchen (C.pitutum) (Fig. jOD]: ( Hauptachse geslaucht. 

Bliitea sitzend 

Kombinationen aller 
dieser einfachen bo- 
trytischen Systeme un- 
teremauder warden als 
zusammengesetzteb. 

I. bezeichnet. Trauben 
mit Terminalbliite war- 
den hier anders aufge- 
faBt; vgl Primanpleio- 
chasien. (W.) 

Bi^acheiden siehe 
Sklerenchym. 

Brachyblast 
(Hartig, Vollst. Naturg. 
forstl Kulturpflz. 1852, 

S. 176) == Kurztrieb, s. 

Stauchsprosse. 

brachydodrom s. 

Blattnervatur, 

Bi’achymeiosis, 
brachymeiotische 
Teilungs. unterKaryo- 
kinese. 

Brachysklei^eiden (Tschirch) s. Sklerenchymzellen, 
brachystyl = kurzgriffelig s. Heterostylie. 

Brachytmema (Correns) s. Brutorgane der Musci. 

Bracteae s. Bliitenstand und Involucrum der Hepaticae. 
bracteoid = prophylloid^ s. Perianth. 

Bracteolae s. Bliitenstand und Involucrum der Hepaticae. 

Brand (Rindenbrand, Sphacelus) kommt zustande, wenn irgendwelche 
Stellen am Stamm oder an den Zweigen der Baume absterben, vertrocknen 
und einsinken. Schaden dieser Art werden vornehmlich durch Frost ver- 
ursacht (Fro stplatten). (XsL) 

Brand: Die durch Brandpilze [XJstilagineae) verursachten pathologischen 
Erscheinungen, die alle das Auffallende zeigen, daB die betrefifenden Pflanzen- 
teile zerstort werden und an ihrer Stelle eine schwarze, pulverige Masse er- 
scheint, die aus der ungeheueren Anzahl von Chlamydosporen besteht, welche 
der Pilz hier produziert hat. 

Die Brandpilze werden von Brefeld zu einer besonderen Klasse, den 
Hemibasidii (vgl. Basidie) vereinigt. Er setzt die »Brandsporen« nach ihrer 
Bildung den Chlamydosporen von Protomyces hornolog: er fand, daB sie bei 
der Keimung besonders in Nahrlosung einen basidienahnlichen Konidientrager 
ausbilden, der aber in seiner Ausgestaltung noch nicht die Bestimmtheit der 


d 


Fig. 78. Sckeniatische Darstellung botrytischer Infioreszenzen: 
^ Traube; ^Abre; G Dolde; D Kopfcben. (Original iiacb 
Wagner.) 



Brandbeulen — Bridgeing species. 


137 


echten Basidie erreicht hat. Nach der Art der Teilung 
der bei der Keimung gebildeten Hemibasidie warden 
die Brandpilze in zwei Familien geteilt, die Ustilagineen 
mit quergeteilten und die Tilletien mit ungeteilten 
mid scheitelstandig angeordneten Konidien. 

Nach ihrem biologischen Verhalten lassen sich 
die Brandpilze des Getreides in zwei Gruppen unter- 
scheiden. Bei der ersten, den Staub- oder Flug- 
brandarten, sitzen die Sporen in den brandigen 
Ahren so locker, daB sie dutch Luftzug und Wind aus 
dem Zusammenhange geldst und allraahlich verstaubt 
werden. Auf diese Weise gelangen die Brandsporen 
in die Getreidebliiten (Bliiteninfektion), keimen hier aus 
und dringen in das junge Gewebe des Fruchtknotens 
ein. Das Saatkorn, welches aus solchen Bliiten heran- 
reift, hat ein vdllig normal es Aussehen, tragt aber im 
Innern Brandkeime, die sich besonders im Embryo und 
dem angrenzenden Endosperm in vegetativenZustanden 
vorfinden. Diese tiberdauern mit dem Korn die 
Samenrnhe. Wird ein solches infiziertes Getreide- 
korn ausgesaet, so wachst eine normale Staude heran, 
die aber zur Bltitezeit die Brandahren hervorbringt. 
[O. Brefeld und R. Falck. Die Bliiteninfektion bei 
den Brandpilzen, Munster 1906.) 

Bei den meisten iibrigen Brandarten erfolgt die 
Infektion an den Keimlingen, so z. B. bei dem Stink- 
brande des Weizens; hier bleiben die Sporenlager in 
ihre Hlillen eingeschlossen. Sie gelangen erst beim 
Dreschen auBerlich an die gesunden Kdrner, bleiben 
an ihnen haften und befallen dann erst das jung 
austreibende Saatgut (Keiralingsinfektion). [K] 
Brandbeulen, die durch Usiilago Maydis an 
den Bliiten oder an den vegetativen Teilen von Zea 
Mays erzeugten, oft sehr umfanglichen Beulen. S. 
auch Mycocecidien. [Kst) 

Brandsporen s. Brand des Getreides. 
Braunketten (Ratzeburg, Die Waldver- 
derbnis II, 1868) = Markflecke. [Kst) 

Brennblatter (Hansgirg) : Mit Brennhaaren be- 
setzte Blatter zoophober Pflanzen (ex Kirchner, S.37), 
Brennhaare s. Haare. 

Bretterwurzeln nennt man seitlich zu- 
sammengedriickte, z. T. iiber dem Boden ver- 
laufende Wurzeln, wie sie an manchen tropischen 
Baumen [Fictis-hxtQXi^ Sterculia usw.) auftreten. 
Ihr eigentiimlicher Querschnitt ist auf eine enorme 
Epitrophie (s. d.) des Holzkorpers zuriickzufiihren. 
(Vgl. Fig. 79.) [L.] 

Bridgeing species (fiberbrUckende Arten): 
Als solche bezeichnet Salmon (vgl. Kryptfl. Brandenb,, 



Fig. 79. Querschnitt durch 
eine Bretterwurzel von Parhia 
africana, ca. 1/6 natUrl. Gr,, 
vgl. Text. 

(Nach Haberlandt.) 


I 


138 


Brown’sche Molekularbewegimg — Brutorgane. 


Bd. 7, S, 103) Erisypheen mit folgendem, schematisch ausgedriickten Verhalten: 
Die Art eines Mebltaiipilzes von der Wirtspflanze a vermag die Wirtspfianze h zu 
infizieren , nicht aber direkt die Wirtspflanze c, Dagegen infiziert der auf b ent- 
standene Pilz die Pflanze c. In diesem Falle ist der Pilz auf h die vermittelnde 
Art zwischen den .beiden Arlen auf a iind c* (K.) 

Brown’sche Molekularbewegung: Seit langem bekannte »Tanz- 
bewegungen« kleiner Kornchen (Mikrosomen) innerhalb des Zytoplasma. 
Sie deuten immer den Beginn irreparabler Veranderungen innerhalb der 
Plasma- Strukturen an. Eine ansprechende Erklarung gab Abric in C. R. 
Soc. bioL Paris t. 53, 1905. Danach handelt es sich um degenerative Ver- 
fiiissigung eines Teils des Plasmas, wodurch kleine »Losungsvakuolen« 
entstehen; die eingeschlossenen Kornchen, welche noch ungelost bleiben, 
beginnen zu »tanzen«, weil sie nun innerhalb der kleinen Vakuolen nicht 
mehr Avie vorher fixiert sind^). ( 71 ) 

Bruchblatter: i. der Musci s. Brutorgane; 2. bei Hepaticae s. veget. 
Vermehrung der H. 

Bruchfriichte: nach Engler mehrsamige Trockenfriichte (s. Friicht- 
formen), die entweder in einzelne, einsamige Glieder zerfallen oder durch un- 
regelmaBige Zertriimmerung des Perikarps die Samen heraustreten lassen. 
Friichte vieler Leguminosen, z. B. Gleditschia^ Eniada^ Ceratonia. 

Bruchknospen, -sprosse der Musci s. Brutorgane derselben. 

Brutastchen, '•bechen -kelche s. veget. Vermehrung der Flepaticae. 

Brutblattei% ^faden der Musci s. Brutorgane derselben. 

Brutkeulen : Bei gewissen Vaucheriaceen bilden die normalen Faden kurze, 
rhizoidenahnliche Fortsatze, die anschwellen und sich durch eine Grenzwand ab- 
gliedern. Dieses Gebilde, das stark an eine Zyste erinnert, keimt spater direkt 
aus (O.I, S.J19). [K) 

Brutknollchen von Anogramme s. unter Knollchen von Anogramme. 

Brutknolle (Bischoff): ein mit verdiclcter, speichernder Achse ver- 
sehener, durch Ablosung zur Vermehrung dienender SproB. 

Brutkiiospen(-k6rper)behalter s. Brutorgane, Bulbillen und veget. 
Vermehrung der Hepaticae. 

Bi-utkorner der Hepaticae s. veget. Vermehrung derselben. 

Brutkorper: i. s. veget. Vermehrung und Spore; 2. der Moose s. Brut- 
organe derselben und veget. Vermehrung der Hepaticae. 

Brutorgane der Musci: Eine asexuelle Propagation findet bei den Laub- 
moosen in einer so mannigfachen und ausgedehnten Weise statt, wie sonst, die 
Pilze vielleicht ausgenommen, nirgends im Pflanzenreiche, und zwar hat dieselbe 
meist mehr oder weniger als Ersatz fiir die Vermehrung durch Sporen einzutreten. 

Wie CoRRENs (Unters. Vermehr. Laubm. 1899) gezeigt hat, sind, falls nicht 
der Vegetationspunkt am abgegliederten Organ seine friihere Tatigkeit wieder 
aufnimmt, besonders differ enzierte Initialzellen der von den Brutorganen ausge— 
gliederten Protonemafaden ^^Nematogone^ erkennbar, welche sich durch den 
mehr oder weniger embryonalen Charakter ihres Plasmaleibes, eine Differenz 
in der chemischen Beschaffenheit, Farbe, Dicke usw. der Membran auszeichnen. 

Meist finden sich besondere Einrichtungen ftir eiiie leichte Ablosung der 
Organe, auf Grund deren man, je nachdem hierbei eine Spaltung in der Mittel- 

Uber das Wesen der Beweg. s. Ostwald, Grundr. d. allg. Chem, Lpz. 1909, S. 542. (X.) 


Brutschiippchen — Biindelrohr. 


139 


lamelle zwischen zwei Zellen oder Zellkomplexen oder ein Zerreifien einer voll- 
standigen Zelle mit desorganisiertem Inhalte stattfindet, xnit Correns schizo- 
lyte Oder rhexolyte Brutkdrper unterscheidet. Die erwahnte Trennungszelle 
(»Tmema«) stellt entweder ein ganzes (primares) Segment des Trager-Zellfadens 
des Brutkdrpers dar und ist dann (ob immer?) langgestreckt (Dolychotmema), 
oder sie entsteht nachtraglich durch Zellteilung aus dem untersten Segment des 
Brutkdrpers selbst und ist meist scheibenfdrmig (Brachytmeina). 

In anderen Fallen haben wir eine bestimmte, lokalisierte Trenniingszone, welche 
durch die Sprddigkeit ihrer Zellwande oder durch zartere Membranen, kleinere 
und kiirzere Zellen charakterisiert sein kann. Ist die Zone unterhalb der End- 
knospen entwickelt, so werden diese als »Bruchknosp en« bezeichnet {Hypnwn 
aduncum^ Campy lopus flexuosus^ Schimperi usw'.). Tritt sie dagegen an der Basis 
der Sprosse auf, so haben wir »Brutaste« vor uns [Mniohryum albicans]^ die 
dadurch, daB die Achse verktirzt wird und zum Zweck der Speicherung an Vo- 
lumen zunimmt und die Beblatterung reduziert wird, zu »Brutknospen<c herab- 
sinken; auch kann bei ihnen bereits (in den vorher erwalinten Fallen ist dies 
noch nicht der Fail) durch Verdden des Vegetationspunktes die Umbildung der 
Rhizoideninitialen zu Nematogonen (Rhizoidennematogone) erfoigen. Die 
reduzierte Form dieser Kdrper stellen die (metamorphosierten Knospen ent- 
sprechenden) sogenannten »Bulbillen« dar [Webera p 7 'oligera)\ Wurzelkndllchen, 
die abldsbar sind und der vegetativen Vermehrung dienen, heiBen Brutwurzel- 
k nollchen* 

Wahrend die bisher erwahnten Bildungen aus Achsenorganen hervorgegangen 
waren, kdnnen auch die Blatter in ausgiebiger Weise zur ungeschlechtlichen Ver- 
mehrung herangezogen werden. 

Die Blatter zerfalien, je nachdem sie »von der Spitze ab mehr oder weniger 
weit herab in Stiicke von beliebiger GrdBe zerbrechen« oder aber »sich mit 
einem Trenngewebe, als Ganzes oder unter Zurticklassung eines Stumpfes abldsen5« 
in »Bruchblatter« und »Brutblatter«. Erstere sind am Stammchen nie von 
etwa » nicht bruchigen« besonders differenziert 

Itn Gegensatz zu jenen sind die »Brutblatter« fast stets von den gewdhn- 
lichen Laubbiattern differenziert und hnden sich seltener mit letzteren an der- 
selben Achse (in periodischem Wechsel), so bei Dicranodo?itium Io 7 igirostre. 

Endlich und in besonders reichlichem MaBe, tragt auch das Protonema, 
und zwar sowohl das reproduktive wie das aus Teilen der beblatterten Pflanze 
hervorgegangene akzessorische Protonema durch Wachstum, normal mit ein- 
schneicliger Scheitelzelle, zur vegetativen Vermehrung durch Produktion der eigent- 
lichen »Brutkorper« bei. 

Die einzeln stehenden Brutkdrper kdnnen Brutfaden (so besonders bei 
epiphytischen Arten) oder echte Zellkdrper, sein. (Nach Ruhland in E. P. I. 3. i. 
S, 238 £f.) (X) 

Brutschiippchen, '^sprosse s. veget. Vermehrung der Hepaticae, 

Brutvorkeim der Musci s. Protonema. 

Bi’utwurzelknollchen der Musci s. Brutorgane. 

Bx'Utzellen s., vegetative Vermehrung, auch der Hepaticae. 
Brutzwiebel (Bischoff) : ein mit zahlreichen speichernden Nieder- 
blattern versehener, durch Abldsung zur Vermehrung dienender SproB. — 
VgL Bulbillen. 

Biichse s. Streufriichte. 

Biindelrohr s. GefaBbiindelverlauf. 


140 


Biirstenapparat — Bursicula. 


\ 

Burstenapparat der Schmetterlingsblumen s. Bienenblumen. 

Biiscliel (Fasciculus) pflegt man einen »scheindoldigen« Bliitenstand 
(doldenformige Cymen) zu nennen, ohne damit dessen wahren Aufbau zu 
bezeichnen. Sehr haufig handelt es sich aber bei B. nur urn an Kurztrieben 
gedrangt stehende Einzelbluten. 

Biischelhaare s. Haare. 

ButschlFsche rote KOrnchen, bestimmte extranukleare Zelleinschllisse 
in verschiedenen Spaltpflanzen und Algen, die unter sich ahnliche Farbungen 
zeigen, aber dadurch allein in ihrer Natur natiiriich nicht gekennzeichnet sind. 
Sie sind bei Cyanophyceen, wie bei Bacillariaceen, Fucaceen u. a. bescbrieben 
Worden. Vielleicht stehen sie dem » Metachromatin « (bzw. » Volutin «) nahe. 
Mereschkowsky (Flora, Bd. 92, 1903, S. 83) will sie mit den Elaioplasten 
(s. d.) zusammen bringen. {T,) 

Bulben = LuftknoUen der Orchideen, s. Luftknollen. 

Bulbillen, auch Knospenzwiebeln, Brutzwiebeln und Brutknospen 
genannt, sind an oberirdischen Organen hdherer Pflanzen entstehende, der vege~ 
tativen Vermehrung dienende Knospen, deren Blatter haufig zwiebelartig an- 
schwellen und die leicht abfallen und sich bewurzeln, Sie finden sich in den 
Achseln der Laubblatter von Lilitmi htlbiferum^ Dentaria hulbifera usw., gelegent- 
lich im Bliitenstande an Stelle der Bliiten, wie bei AUhmi sativum^ Polygonum 
viviparum^ Poa bulbosa und anderen Gramineen (Zusammenstellung bei J. Murr, 
Deutsche hot. Monatsschr. 1897, S. Saxifraga-hxtQnwx^v^. Solche Pflanzen 

bilden dafiir oft keine Samen und werden als lebendig gebarende (plantae 
viviparae) bezeichnet. (Nach Frank.) 

BulbUlen: i. der Musci s. Brutorgane ders.; 2. der Lycopodiaceen = 
Vermehrungsprotokorm, s. Protokorm. 

Bulbus: I. == Zwiebel s. d.; 2. der Sporogone der Musci s. d.; 3. der 
Brennhaare s. Haare. 

Bllltc heiBen die Miniaturhiigelchen auf Mooren. Es sind zu unterscheiden 
Gras-Bulte und Moos-Bulte. »Gras« ist dabei im weiteren Sinne gemeint, d. h. 
die »sauren« (Cyperaceen) und »suBen« Graser (Gramina) zusammengenommen. 
Auch andere polster- und rasenformig aufwachsende Pflanzen, die zerstreut auf 
einem Gelande wachsen, konnen schlieBlich zu wahren Hugelchen werden, wie 
es z, B. M. Rikli 1909 von Gronland unter dem Namen Hockerlandschaft be- 
schrieben hat Der Ausdruck Horst, der nicht selten ftir die Gras- oder Moos- 
B. Anwendung findet, sollte nur gebraucht werden, wo es sich um einen stehen- 
gebliebenen Rest eines irgendwie zerstbrten B. handelt. (Weitere Angaben und 
Termini: Potonie, Rezente Kaustobiolithe, Bd. II, 1911.) Nach PotoniI [Kb.) 

Buntblatterigkeit s. Panaschierung. 

Burdonen (von burdo spatlateinisch = »Maulesel«) von H. Winkler (1912) 
eingeftihrter Terminus, urn Pfropfbastarde zu charakterisieren, die durch Zellver- 
schmelzung (wie eventuell sein Solanum Parwinianupi) entstanden sind. Diese 
wiirden^ im Gegensatz zu den uhngen Chimaren (s. d.) stehen. Nur die 
Mixochimaren Burgeffs konnte man hier subsumieren (Buder, Biologen-Kalender, 
I, 1914). Vgl. auch unter Pfropfhybriden. (P) 

Bursicula s. Orchideenbliite. 



C. — carnivore Pflanzen. 


I4I 


C.^) 

C. = Corolla (i. e. Blumenkrone), in Bliitenformeln gebrauchliche Ab- 
kiirzung. 

Caeomosporen (Saccardo) s. Spermatien der Uredineen. 

Caespitulus = Pilzraschen namentlich bei den Hyphomyceten. 

Calathidium s. Kopfchen. 

calcivore Algen s. gefurchte Steine. 

Caloriti'opismus s. Thermotropismus 

Calycanthemie = Petaloidie des Kelches. [ICst,) 

calycinisch ist eine Bliitenhulle von kelchartiger Beschaffenheit, d. h. 
ohne auffallende Farbung und unansehnlich. 

Calyculus = AuBenkelch. s. d. 

Calyx: Vgl. auch Perianth. Die Kelchblatter (Sepalen) sind meist griin, 
zuweilen auch petaloid (z. B, viele Ranunculaceen) ; bisweilen sind sie nur 
wenig entwickelt (obsolet), namentlich sind sie haufig in epigynischen 
Bliiten nur wenig aus der Bliitenachse ausgegliedert (z. B. meiste Umbelli- 
feren^ Valerianaceen, Rubiaceen), Wenn die Sepalen mehr oder weniger 
vereinigt bleiben, so ist der C. vereintblattrig (gamosepal); es ist auch 
nicht immer leicht zu entscheiden, ob die Kelchabschnitte (Laciniae) 
am Rande einer ausgehohlten Achse stehende, freie Sepalen, oder die Enden 
mehrerer, miteinander verwachsener Kelchblatter sind. Beim gamosepalen 
C. neiinen wir den unterhalb der Kelchabschnitte befindlichen Teil die 
Kelchrohre (Tubus) und die Abschnitte Kelchsaum (Limbus). Nach- 
traglich entwickelt sich aus diesem (z. B. bei den Valerianaceen und Kom- 
positen) ein sogenannter Federkelch (Federkronchen, Pappus). Nach 
Engler. 

Calyx der Hepaticae s. Involucrum der H. und Perichaetium. 

Cantharophilae = Kaferblumen, s. d. 

Capensis s. Florenreiche. 

Capillitium: i. d. Gasteromyceten s, Fruchtkorper ders. ; 2. d. Myxo- 
myceten s. Plasmodium. 

Capitulum: i. s. Kopfchen; 2. d. Marchantiaceen s, Receptaculum 
der Bryophyten. 

Caprificus s. Kaprifikation. 

Capsula (Linne, Phil. bot. 1751, S. 53): i. s. Streufriichte; 2. =Moos- 
kapsel s. Sporogon der Musci. 

Capuchon (franzos. Kapuze) == Obturator. 

Carcei'ulus (Desvaux, Journ. Bot III. 1813, S. 161) s. Schizokarpium. 

Caixinoma = Krebs. 

Carina = Schiffchen, s. Alae. 

Carinae = Leisten, Riefen, s, Karinalhohle. 

carnivore Pflanzen (Peeffer) sind solche, die mit gewissen Or- 
ganen kleine Tiere, haufig Insekten (daher meist die Bezeichnung in- 
sektenfressende Oder -verdauende Pflanzen, Insektivoren), anlocken 


t) Man vgl. auch unter K. und Z. (Die deutsche Schreibweise wurde i. a. bevorzugt.) 


142 


cariioses Endosperm — Caulocalyx. 


iind festhalten, um sie nach ihrem Tode teilweise aufzulosen und die ge- 
losten Substanzen in sich aufzunehmen. Zum Einfangen dienen Kannen 
Oder andere als Fallgruben, wirkende Behalter [Nepenthes^ Sarracenia^ Cvpha- 
lotiis^ Utricularia)^ Klappfallen, Organe, welche Tiere durch aktive Be- 
wegungen einfangen [Dionaea, Aldrovmida) Oder Klebdriisen [Drosera^ 
Drosophyllmi^ Pingiiiculd), Bisweilen kommen kombinierte Einrichtungen 
vor. — Die Pflanze niitzt entweder nur die Zersetzungsprodukte der Tier- 
leichen als Stickstoffquelle aus oder es werden (bei den eigentlichen Insek- 
tivoren) proteolytische Fermente sezerniert, wodurch eine typische Eiweifl- 
verdauung eingeleitet wird. JoST (Physiol. IL Aufl., S. 214) halt die c. Pfl. 
fiir »Peptonpflanzen« (vgl. StickstofFassimilation). Neuestens wurde auch ein 
carnivorer Pilz [Zoophagus insidians) aufgefunden. (SOMMERSDORFF in 
O.B. Z., LXI, 1911.) (£.) 

carnoses Endosperm s. Samen. 

Caruncula s, Samen. 

Caspary^scher Strich oder Punkt s. Endodermis. 

Castration operative, Entfernung der Geschlechtsorgane. Vgl. auch 
den folgenden Artikel. [Kst) 

Castration parasitaire nach Giard (Bull, scient du Nord de la 
France, 2“® ser., 1887, T. X.) jede durch Parasiten hervorgerufene Beeinfliissung 
der Geschlechtsorgane eines Tieres oder einer Pflanze. Direkt heiBt die 
c. p. dann, wenn von den Parasiten die Geschlechtszellen raumlich ersetzt 
werden (Sporen der Ustilago antherarum in den Antheren von Melandrium\ 
indirekt, wenn eine solche raumliche Ersetzimg nicht erfolgt. Bei einer 
androgenen c. p. erfahrt das naannliche, bei thelygener das weibliche 
Geschlecht eine Forderung. Bei der amphigenen c. p. tritt eine Mischung 
der mannlichen und weiblichen Geschlechtscharaktere ein. [Kst] 

Candex s. Mittelblattstamm, 

Caudiculae s. Orchideenbllite und Translatoren. 

Caulidium: Vgl. auch SproB! Da die Bezeichnungen SproBachse 
Oder Stengel und Blatt (Kaulom und Phyliom) und Wurzel gewohnlich Kit 
die Organe der hoheren Pflanzen (von den Pteridophyten aufwarts) reserviert 
werden, so schlagt Bower (in Annals of Botany I. S. 146, 1887/88) vor, 
die ihnen analogen, aber nicht homologen Organe der niederen Pflanzen 
mit dem Namen Caulidium und Phyllidium sowie Rhizidium (=Rhi- 
zoid) zu belegen, wobei er gleichzeitig als Bezeichnung Rir Wurzel den 
Ausdruck Rhizom- (wie es auch Frank, s. SproB, tut) setzt (s. auch Rhizom). 
Die^ Bryophyten und die betreffenden tieferstehenden Pflanzen wiirden also 
an ihren Sprossen in Caulidien (bei den Phaeophyten und anderen hoheren 
Algen auch Kauloide genannt) und Phyllidien gegliedeft sein, wahrend 
die Pteridophyten und hoher organisierten Gewachse an Kaulomen Phyllome 
tragen. {IQ 

Caulis s. SproBformen. 

Caulocalyx: Nach -S. 0. LixNdberg Schutzhiillen des heranreifenden 
Sporogons bei den anakrogynen Jtmgermaniaceae (z. B. Fossombronia, Feta- 
lophyllum)^ welche auBerlich einem Perianthium (s. Involucrum der Hepaticae) 
tauschend ahnlich sind, aber nicht durch Verwachsung eines Blattzyklus 


Ceciclien — Cephalodien, 


143 


entstehen, sondern Exkreszenzen des Stengelgewebes sind. Von manchen 
Autoren wird C. auch fiir die Scheide der Anthocerotaceae angew'endet, 
welche aiis der Verwachsung der Archegonienwand mit dem Thallusgewebe 
entsteht, aus der die Kapsel hervorbricht. Fiir C. gebrauchen manche Bryo- 
logen auch den Ausdruck »Pseudoperianthium (vgl Fig. 2b S. 48), 
der aber ein viel weiterer Begriff ist iind alle perianthium-ahnlichen Schutz- 
hiillen des jungen Sporogons bezeichnet, so auch u. a. die als Exkreszenzen 
des ArchegonfuOes , nach Art eines Arillu? entstehenden, inneren oder be- 
sonderen Hiillen bei dnlgtn Marchantzaceae {Fimdnaria, Marchantia^ Chomio- 
carport usw.) (iT.) 

Cecidien (Thomas, Zeitschr. ges. Naturw., Bd. 42, 1873, S. 513) s, 
Gallen. [Kst) 

Cecidologie (richtiger als Cecidiologie) die Lehre von den Gallen und 
ihren Erzeugern (s. Galle; vgl. KtJSTER 1911). [Kst] 

Cecidophyten: gallenerzeugende Pflanzen (Bakterien, Algen, Pilze, auch 
einige Phanerogamen ; s. Gallen). [Kst) 

Cecidozoen: gallenerzeugende Tiere (Wiirmer, Milben, Insekten) s. 
Gallen. [Kst) 

Centgener'^Prufang (= Head-row -Prlifung) in der praktischen 
(landwirtschaftl.) Vererbungsforschung eingefuhrter Ausdruck dafiir, daI 3 je 
100 Nachkommen je einer Pflanze der Auslese in einer Reihe oder auf einer 
kleinen Flache zusammen erzogen werden und dann die Gesamtleistung 
festgestellt wird (»centgener power*). Fruwirth (Allgem. Ziichtungslehre d. 
landwirtsch. Kulturpfl. 4. Aufl., Bd. L, S. 234). (T.) 

Centrosom s. Zentrosom. 

Cephalodien: Bei einer Anzahl von Flechten treten auBer den normalen 
Thallusgonidien (vgl. unter Licheneii) noch Algen auf, welche einem 
anderen Typus angehoren. Letztere gelangen von auBen in den Flechten- 
korper und fuhren im Verein.e mit dem Flechtenpilze zu eigenartigen Bildungen 
in mannigfaltiger Form, welche AchariuS (1803) unter der Bezeichnung 
Cephalodien (Fig. 80) zusammengefaBt hat. Sie sind angeblich das 
Resultat eines zufalligen Zusamentreffens zweier verschiedener Organismen; 
dagegen spricht aber ihr regelmaBiges Vorkommen z. B. bei der Gattung 



Fig 80 SenkrecRter Durchschnitt durch ein epi genes Ceph alodium von Peltidea aph- 
thasa: g die’ normalen Gonidien der Flechte, a Algen des Cephalodiums, eine deutliclie Schicht 
bildend, r dessen Rinde, bei R in die normale Rinde des Flechtenthallus iibergehend (70/1). 

(Nach Forssell.) 


144 


Cephaloneon — Chalazogamie. 


Stereocaiilon. Die C. finden sich auf der oberen oder unterea Thallus- 
seite in Form von mehr oder weniger anders als die Umgebung gefarbten 
Erhabenheiten, keulenformigen , ja selbst strauchahnlichen Auswuchsen- 
In den meisten Fallen ist jedoch ihr Vorkommen auf das Innere des Thallus 
beschrankt und ihr Vorhandensein dann hochstens durch eine schwache Er- 
h 5 hung auf der oberen oder unteren Thallusseite angedeutet. In der Regel 
nehmen die C. bei derselben Art eine konstante Lage zum Thallus ein. Je 
nachdem sie sich von der oberen (um den Thallus) oder von der unteren 
Seite des Thallus aus entwickeln, werden sie von FORSSELL (in Bih, till k. 
Svensk. Vet-Ac. Handl, VIII, 1883, Nr. 3, vgl. auch Flora, 1884) als epi- 
gene (perigene) bzw. hypogene C. unterschieden. Als Pseudocepha- 
lodien bezeichnet dieser Autor die analogen Gebilde, welche schon bei der 
Keimung der Sporen im Prothallus auftreten, von einem eigenen Rindenlager 
umschlossen sind und mit den iibrigen Teilen des Flechtenthallus nur in 
loser Verbindung stehen. 

Schneider (Text-book of Lichenology, 1897, 56) bezeichnet, indem er 
nach dem Vorgange Nylanders nicht den Entstehungsort, sondern den 
Charakter der Lage zum Einteilungsprinzip macht, alle C. auf dem Thallus 
nis ektotroph, die innerhalb des Thallus befindlichen als endotroph. (Nach 
FDNFSTycic, in E. P. I*, S. 14). (Z)") 

Cephaloneon: Als C bezeichnete Bremi verschiedene kopfchenahnliche 
Beutelgallen (s, d.): »C. myriadeum« wird durch die Milbe Eriophyes macror- 
Jiynchus an Acer campesti^e u. a. erzeugt, »C. solitarmm« von Eriophyes 
macrochehis Vgl. auch CeratoneoUi [Kst) 

Cei'atoneon: Als C bezeichnete Bremi verschiedene hornahnlich ge~ 
staltete Beutelgallen (s. d.): das sog. C. attenuatum entsteht auf Prumis 
padus nach Infektion durch E?Hopkyes padi u. dgl. m. Vgl. auch Cepha- 
loneon. [Kst.] 

Chaetoplankton s. Plankton. 

Chalaza s. Samenanlage. 

Chalazahaustorium s. Haustorien des Embryosackes. 

Chalazogamie (Treub, Ann. Buitenzorg X. 1891, S. 219): Beim Normal- 
-typus der Angiospermen wachst der Pollenschlauch durch die Mykropyle der 
Samenanlage zur Eizelle, nachdem er eine vom Bau des Fruchtknotens ab- 
hangige, langere oder kiirzere Strecke durch die Luft wachsen muDte (ekto- 
troper Verlauf nach LONGO). Diese Gewachse werden von Treub als 
Porogamen und die Erscheinung wird als Porogamie, von LONGO als 
Akrogamie bezeichnet, und zwar als por ogame Akrogamie, um damit 
anzudeuten, daD der Pollenschlauch von der Spitze des Nuzellus durch die 
yorgebildete Mikropyle eindringt. Eine Anzahl von Dikotylen verhalten sich 
jedoch anders, sie werden von GoEBEL als aporogame bezeichnet. Bei 
einigen von diesen verwachst die Mikropyle sehr bald, es findet sich also 
kein offener Kanal mehr, und die Pollenschlauche dringen dann entweder 
von der Spitze der Samenanlage ein, wie bei Cynomorium (aporogame 

i) Die C. sind, da sie durch Algen hervorgerufene Wachstumsanomalien darstellen, die mit 
ihren Erzeugera unzweifelhaft in ernahrungsphysiologischen Beziehungen stehen, als Gallen 
i(Phycocecidieii, s. d.) zu bezeichnen. {JCsi,) 



Chamaephy ten — Charakterzellen. 


145 


Akrogamie, LONGO) oder sie dringen von der Chalazaregion zum Eiapparat 
vor [Alchemilla und Sibbaldia) und werden demgemaB als basigam (LONGO) 
Oder chalazogam (Treub), die Erscheinung als Basigamie bzw. Chalazo- 
gamie, bezeichnet Der Pollenschlaiich 
kann aber auch einen Mittelweg zwischen 
Chalaza nnd Eiapparat quer durch die 
Integumente einschlagen [Ulmiis^ Ac^'r 
negimdo]\ in diesem Falle spricht LONGO 
von Mesogamie. JUEL ersetzte die Aus- 
driicke Akro-, Meso-, Basigamie durch die 
Bezeichnungen Akro-^ Meso-, Basitropie. 

In alien drei Fallen wachst der Pollenschlauch 
entweder bloB eine Strecke weit oder auf 
deirf ganzen Wage im Gewebe der Samen- 
anlage, Diese Art des Pollenschlauchwachs- 
tums bezeichnet man als endotrop, die Er- 
scheinung selbst alsEndotropismus {A/c/ie- 
milla arvensis^ Cttcurbita pepo usw.). Auch 
bei endotropem Verlauf des Pollenschlauches 
durch die Chalaza sind wieder zwei Falle 
moglich. Entweder er dringt in der Chalaza 
von der Region der Antipoden her in den 
Erabryosack ein (echte Chalazogamie, 

Porsch) oder er wachst auBerhalb der Anti- 
poden der Seite des Embryosackes entlang 
bis zum Eiapparat, wo er in den Embryo- 
sack eintritt. Echte Ch. findet sich bei 
Casiiarina (hier zum erstenmal von Treub 
entdeckt, vgl. Fig. 81), Cory his ^ Juglandeen; 
der zweite Fall bei Alnus^ Rhus u. a. 

Zwischen den erwahnten Typen gibt es Ubergange. (Vgl Grimm in Flora 
igi2, S. 310 ff. Daselbst weitere Literatur.) (P.) 

Chamaephyten s. Wuchsformen. 

Chapeau de tissu conducteur s. Obturator. 

Charakterzellen (Lorentz, J.w. B. VI, 1867, S. 374 und Flora, 1867): 
Auf Blattquerschnitten mancher Musci fallen weitlumige, den Strang quer vom 
Ansatze der einen Spreitenhalfte zum Ansatze der anderen durchsetzende, ge- 
wohnlich eine fortlaiifende Reihe, seltener zwei Reihen ausmachende Zellen auf 
(Fig. 82^). Hire Wand ist nicht oder nur schwa cli verdickt, sie erscheinen 
»inhaltsleer« und sind am lebenden Pflanzchen mit Wasser gefullt. Lorentz 
bezeichnete sie als Charakterzellen und gab ihnen den wenig passenden Namen 
D enter (Duces). Sie sind wohl die erste Andeutung eines Hadroms. In vielen 
Fallen, besonders bei Mjimm-hxttn und Polytrichaceen, tritt noch eine zweite 
Art von C. auf. Lorentz nannte sie Begleiter (Comites). Sie bilden eine 
den Deutern sich nach auBen anschlieBende, gegen die Blattunterseite gerichtete 
Gruppe englumiger, meist auBerordentlich zartwandiger Zellen, in welchen C. Muller 
die erste Andeutung eines Leptoms erblickt Die weiteren, inhaltsarmeren dieser 
Elemente werden als »Zentralzellen« unterschieden. Die C, werden meist 

Schneider, Bot, Worterbucli, a. Auflage. 



Fig. 81. Chalazogamie bei Casttarina 
m^orea ; Schnitt durch den Fruchtknoten, 
a dessen Wandung, u Nuzellus, in der 
Mitte das mehi'ere Embryosacke ent- 
haltende Gewebe, an das der mit Unter- 
brechungen (als feine schwarze Linie) 
gezeichnete Pollenschlauch (von links 
oben kommeud) herantritt. (NachTREUB.) 


10 


■ chasmanther — Chemolumlneszenz. 


146 

beiderseits von einer oder mehreren Schicbten stereider Zellen nmfaSt und ge- 
stiitzt, die Lorentz »F{illzellen« nannte. Sind zwei Stereidenbander vor- 
handen, dann ist das obere in der Regel schwacher. Bei Folytrichum warden 



Fig, 82. Quersclinitt der Blattrippe von Folytrickum sfricHm aus dem oberen Abschnitt cles 
Scbeidenteils : d die »Deuter«, phloenmrtige Elemente (3^Begleiter«) (340/1). 

(Nacli C. Muller-Berol.) 


diese Bander von weitlumigen, diinnwandigen Zellen, den D urchlaBzeilen , 
unterbrochen. (Nacli C. Mtjller in E. P. 1 . 3, S. 189 und Limpricht.) [K.) 

chasmanther (Ascherson in B. D. B. G., 1884, S. 240) sinci solche 
kleistogame Bliiten, dereii Antheren sich offnen und den Pollen austreten 
lassen (z. B. Vida angustifolia)\ im Gegensatz stehen dazu die kleistan- 
theren Bltiten, bei denen die Pollenzellen durch die Wandimgen der ge- 
schlossenen Anthere hindurch ihre Schlauche nach der Narbe senden, 

Chasinantherie s. chasmanther. 

Cliasmogamie s. Bestaubung. 

Chasmopetalie (Loew, in Kirchner, S. 38): Das andauernde Geofifnet- 
sein der Bliitendecken im Gegensatz zur Kleistopetalie. 

Chasmophyteii s. Petrophyten. 

cheilodi'om s. Blattnervatur. 

Chemodolichosis s. DoHchosis. 

Chemokinese s. Kinesis. 

Chemolumineszenz. Die Lichtproduktion oder Liimineszenz tierischer imd 
pflanzlicher Organismen ist mit oxydativen Stoffwechselvorgangen verkntipft, steht 
aber in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Atmung (M(jlisch). Da das 
Auftreten strahlender Energie mit chemischen Umwandlungen verbunden ist, 
spricht man baiifig von Ch., die tibrigens auch bei der langsamen Oxydatlon 
zahlreicher chern. Substanzen, die man als Photogene zusammenfaBt, zu be- 
obachten ist. (Ub. derartige Stoffe s. Radziszewski, Liebigs Ann. d. Chem. 1880, 
Bd. 203 11. Trautz, Z, f. phys. Chem. Bd. 53, 1905.) 

Zu den leuchtenden Pflanzen gehdren insbesondere gewisse Bakterien (Leucht- 
bakterien), Peridineen und einige Myzelien von Hutpilzen (z. B. Armillaria 
mc/ka)j welche auch ftir das Leuchten des Holzes verantwortlich zu machen sind. 
Das Leuchten von Eiern, Fischen, Fleisch usw. ist hingegen auf eine Infektion 
mit Leuchtbakterien zuriickzufiihren, die aber die GenieBbarkeit der Nahrungs- 
mittel in keiner Weise beeintrachtigen ; mit Eintritt der Faulnis wird vielmehr 
die Entwicklung der Leuchtbakterien unterdriickt. Man hat wiederholt versucht, 



Chemometrie — Cheniotropismiis. 


147 


das »kalte Licht«, welches Massenkulturen von Leuchtbakterien liefern, praktisch 
verwertbar zu macben. (Bakterienlampen von Dubois u. Molisch.) 

Das L. des Leiichtmooses [Schistostega] und einiger anderer Pflanzen hat init 
jenem Phosphoreszieren nichts gemein, indem es lediglich auf dem Reflexschein 
des Tageslichtes in eigenartig geformten Zellen beruht. Das sog. L. einzelner 
Algen besteht wiederum iin »Fluoreszieren« und »Opalisieren« eiwei Bar tiger In- 
haltskorper oder Chroniatophoren oder im »Irisieren« von Kutikularschicliten. 
Vgl. insbes. H. Molisch, Leuchtende Pfi. Jena, IL Anfl., 1912. (Z.) 

Cliemometl'ie. Manche freibewegliche Organismen sammeln sich in einer 
bestimmten Konzentration eines chemotaktischen StofFes an, was dadurch erzielt 
wird, daB bestimrate Konzentrationen positiv chemot. wirken, wahrend von einem 
bestimmten Punkt an bei steigender Konzentration eine negative Chemotaxis ein- 
setzt. Verworn (Allg, Phys. V. Aufl., 1909, S. 529) nennt diese Erscheinung 
nach Analogic zur Photometric (s. doit) Chemometrie. (Z.) 

Cheinomorphosen nennt man Umbildungen oderNeubildungen, welche 
durch. chem. Reize ausgelost werden. S. unter Morphosen. (Z.) 

Cliemonastie s. Nastie. 

Chemotaxis s. Chemotropismus. 

Chemotropismus: Unter X. fassen wir (nach Ppeffer) alle Orien- 
tierungsbewegungen zusammen, die von einem StofFe vermoge seiner »che- 
mischen« Qualitat und der Konzentrationsdifferenz ausgelost werden. Analog 
wie bei dem vom »Licht« ausgelosten Photo tropism us wird dami in bezug 
auf den Ausgangspunkt der Diffusion (in bezug auf das Konzentrationsgefalle) 
und die Diffusionsrichtung positiver, negative!* und transvers aler C. 
unterschieden. 

Mit Zunahme der Konzentration wird aber zugleich die osmotische Wirkung 
gesteigert und, sofern durch diese eine tropistische Reizimg bewirkt wird, 
liegt eine o smotropische (tonotropische) Reaktion vor, die somit von 
der Stofifqualitat unabhangig ist, 

Ahnliche tJberlegungen gelten fur die analogen Orientierungsbewegungen 
frei beweglicher Organismen, w^obei in gleicher Weise zwischen Chemo- 
taxis und Osmotaxis (vgl, unter Taxis) zu unterscheiden ist. Von einem 
Stoff konnen somit unter Umstanden zwei dififerente tropistische Reizungen 
ausgehen, indem er gleichzeitig als Chemotaktikum und Osmotaktikiim in 
Betracht kommt, wobei sich beide Impulse gegenseitig in ihrer Wirkung 
fordern oder hemmen konnen. — Da bei der negativen Krtimmung der 
DifFusionsstrom einen zusammen gesetzten Reiz darstellt und es noch unauf- 
geklart ist, ob die ungleiche Verteilung der chemischen, osmotropischen oder 
elektrotropischenEnergie dieKriimmung veranlaflt, nennt PORODKO diese nega- 
tiven Krlimmungen diffusiotrop. (J. w. B., Bd. 49, 382 u. B. D. B. G, 1913) 

In vielen Fallen ist es noch unentschieden, ob es sich immer um eine 
echte topische (s. Phobismus) Reaktion handelt, d. h. »um eine derartige 
Einstellung gegen die DifFusionslinien , daP symmetrische Elemente unter 
gleichem Winkel von den DifFusionslinien getroflen werden «. (J. LoEB, 
Dyn. d. Lebensersch. 1906, S. 229). Die Reaktion konnte, wie JENNINGS 
auch fiir gewisse Falle nachwies (Das Verhalten der niederen Organismen 
1910), auf einer Wirkung der Unterschiedsempfindlichkeit (Phobismus s. d.) 
beruhen. 

10* 


I 


I 




148 


Chemop hob 0 ( -top 0 -)taxis — Chimaren. 


Verschiedene spezielle Falle des C. hat man noch mit besonderen Namen 
belegt, so bezeichnet MassaRT den durch Alkalien und Sauren bewirkten 
C. als Alkalio- oder Oxy tropismus und Herbst die durch Sauerstoft 
verursachte Reizung als Oxygenotropismus. 

Auch der Aerotropismus (s. d.) ist hierher zu rechnen. 

Chemophobo(-topo-)taxis s. unter Phobismus. 

Chersophyten heifien bei Warming (Oecology S. 289) die Pflanzen 
der Triften; s. d. {D.) 

Chiastobasidien s. Stichobasidien. 

Chimaren: Von Hans Winkler durch Pfropfung erzeugte Mischgebilde 
zwischen Solanum Ly coper sicuni und 5 . nigrum^ die je zur Halfte aus den Zellen 
der einen Art, zur Halfte aus denen der anderen bestanden (B. D. B. G. 1907); 
warden von ihm Ch. genannt (Fig. 83). Sie waren ermoglicht, weil sich Zellen der 
beiden Spezies zu einem einheitlicli wachsenden Vegetationspunkt vereinen 
lieBen. Eine Beeinflussung der artfremden Zellen trat dabei nicht ein. Die 
zuerst erzeugten Chimaren waren Pflanzen, deren beiderlei Zellarten durch 



Fig. 83. Chimare; unten der Tomatenmutter- 
sproG mit eiiigesetztem Nachtschattenkeil. (Nacht- 
schattengewebe punktiert). Nach Winkler, 



Fig. 84. Schematischer Durchschnitt 
durch den Vegetationspunkt einer Peri- 
klinal chimare aus einer schwarzen und 
einer weiGen Art. Nach Baur. 


eine Ebene rein getrennt werden konnten. Bei den spateren (B. D. B. G. 
1908; Z. f. B. 1909, 1910) war das nicht mehr der Fall. BauR klaite sie 
als »Periklinalchimaren« auf (B. D, B. G. 1909), d. h. als Chimaren, die 
einen einheitlich gearteten Vegetationspunkt mit i oder 2 auJGeren Periklinal- 
schichten der anderen Art besafien (Fig. 84). Derartige Perikl-Chim. hatte er in- 
zwischen auch bei Pelargonmm-'Qz.si'ax&^n erzielt (Z. f. ind. A. u. V. 1909). 
Damit war im Prinzip das Problem der Pfropfbastarde (s. d.) aufgeklart, 



Chimio(tropismus} — Cliloroplastetibe'wegiing, •’Umlagerang. 


149 


[Cytisits Acla-im^ Craiego-Mespilus]^ die bis jetzt zwar nicht experimentell 
neu hergestellt, aber anatomisch im BAURschen Shine erklart wurden (filr 
Cytisits ^ Adami s. vor allem: Buder, Z. ind. A. u. V. 1911). Jetzt existiert 
allein eine »Pfropfhybnde« von Winkler: 'SfSolanum Darwinianwn<i^^ bei dem 
dieser an eine Beeinflussung auf dem Wege dei* Zellvermischung (s. unter 
Burdonen) glaubt. — Den Periklinal-Ch. stellt man jetzt die Sektorial-Ch. 
gegeniiber, bei denen ein Sektor des Vegetationspimktes allein aus artfremdem 
Gewebe besteht, wie das auch bei dem zuerst von Winkler experimentell 
erzielten Beispiel der Fall war. Strasburger hatte bereits die Perikl,-Ch. 
als Hypercli. deuten wollen (B. D. B. G. 1909), ohne freilich schon die 
gesetzmaOige Lagerung der Zellen dabei zu ahnen, die Baur dann mit Hilfe 
seines einfachen Prinzipes klarlegte (s. Baur, Z. ind. A. u. V. 1911, S. 22S). 

Burgeff (B. D. B. G. 1913) hat neuerdings bei Pilzen Plasma imd Kerne 
von Individuen einer »Linie« in die Zellen einer anderen mechanisch iiber- 
fiihrt. Kernfusionen trateh nicht ein; es entstanden vielmehr Mixochimaren, 
die spater vegetativ, wie die aller Pfropfhybriden aufspalten konnten. (Vgl. 
auch unter Burdonen.) 

Der Versuch WiNKLERs, die Ch. unter den BegrifF der Bastarde zu 
pressen (Unters. ii. Pfropfbast. I. 1912), ist kaum sonstwo angenommen. [Ti] 

Chimio(tropismus) (Massart, Biol. C. 1902) identisch mit Chemo- 
tropismus. S. dort. 

Chimiosis s. Reaktion. 

cliionophob (Hansgirg) wird von Eigenschaften und Erscheinungen 
(z. B, Bewegungen) gebraucht, die als Schutzmittel gegen Schadigungen 
durch Schnee aufgefaPt werden. (Ex Kirchner, S. 38). 

Chiropterophilae — Fledermausblumen, s. d. 

Cliitiii , eine stickstoffhaltige Substanz, welche nach van WlSSELXNGl-i^ 
Scholl u. a. (Lit. bei 0 . Tunmann, Pflanzenmikrochemie, 1913, S. 606) 
die Membran zahlreicherj namentlich hoherer Pilze bildet, aber auch bei 
Myxomyceten, gewissen Bakterien undCyanophyceen (?) beobachtet wurde. (i.) 

Chlamydosporen s. Konidien und Sporen der Pilze. 

Cliloranthie s. Verlaubimg. 

Cliloi'enchym. Im weiteren Sinne gleichbedeutend mit griinem, assi- 
milierendem Gewebe, im engeren Sinne = Mesophyll. [P) 

Chloronema (Correns) s. Protonema. 

Chloi'ophyll s. Chloroplastenpigmente. 

ChlorophyllkOi'iiei’, ChlorophyllkSrper s. Plastiden. 

Chlorophyllolyse nennt EiwaLiebaldt (Z. f. B., V, 1913) die unter 
dem EinfliiB chemischer Agentien vor sich gehenden Entmischungsvorgange im 
Chlorophyllkorn , die allmahlich zu einer Trennung von FarbstofF und Stroma 
ftihren. [£.) 

Chloroplasten, Chloroplastiden s. Plastiden. 

Chloroplasteiibewegung, ^umlagerung. Die Stellungsverhatnisse 
der Chromatophoren in ihrer Abhangigkeit vom Lichte und anderen be- 
stimmenden Faktoren wurden in neuerer Zeit am eingehendsten von G. Senn 
(Die Gestalts- und Lageveranderungen der Pflanzen-Chromatophoreiij Leipzig, 
1908) studiert, welcher folgende Terminologie in Anwendung brtngt: 


Chloroplastenbeweguiig, -iimlagerung. 


150 


1, Fiir die Stellung der sich um ihre Achse drehenden Chlorophyllplatte 
von Mesocarpiis (Achsendrehung). 

Flachenstellung = senkrecht zum Lichteinfall 1 B Z Bd ^8 

Profilstellung = parallel zum Lichteinfall. J 

2. Fiir die Lagerung der im Plasma wandernden Chromatophoren. 

Epistrophe (FranKj J. w. B., Bd. 8) = Freiwandlage ; Chromatophoren 

auf den freien, an das auOere Medium grenzenden Wandpartien. 

Apostrophe (Frank) == Fugenwandlage; Chromatophoren auf den an 
lebende Nachbarzellen grenzenden Fugenwanden, unabhangig vom Licht. 

Systrophe (SCHIMPER, Bot. Ztg., Bd. 41, 1885) = Kernlage; Chroma- 
tophoren um den Kern gehauft. 

Peristrophe (SCHIMPER, Chun, Erg. d. D. Tiefsee-Exped, Bd. 2) — All- 
seitlage; Chromatophoren im Wandbeleg gleichmaBig verteilt 

Antistrophe (Senn) = Vorderlage; Chromatophoren ausschliejGlich oder 
vorwiegend auf der der Lichtquelle zugekehrten, vorderen Zellseite. 

Diastrophe (Senn) = Vor-Rlicklage ; Chromatophoren in zwei scharf 
getrennten Gruppen auf den der Lichtquelle zu- und von ihr abgekehrten 
Seiten. 

Parastrophe (Senn) = Flankenlage; Chromatophoren in den durch 
Reflexion und Refraktion beschatteten Flanken der Zelle. 

Escharostrophe (Senn) = Brennpunktlage; Chromatophoren auf der 
von der Lichtquelle abgekehrten Zellseite, auf welche die Lichtstrahlen in- 
folge der innerhalb der Zelle stattfindenden Brechung konzentriert werden. 

Einzelne Lagerungsverhaltnisse konnen sich kombinieren und Ubergange 
veranlassen. Manche von diesen Termini wurden bisher von anderen Autoren 
in anderem Shine gebraucht. SciiiMPER 1885 1 . c. faOte z. B. den von ihm 
geschaffenen Begriff Systrophe weiter als Senn , indem er damit j e d e 
Chromatophoren-Anhaufung bezeichnete. 

Wenig Eingang in die Literatiir haben die von Sp. le Moore (Journ. Linn. 
Soc., vol. 24, 1888) in Anwendung gebrachten Termini gefunden. Die Photo- 
lyse, wie er die Lageiinderung der Chloroplasten nennt, fUhrt nach ihm entweder 
zLir Epistrophe (= Stellung an den senkrecht zum einfallenden Licht orien- 
tierten Wanden) oder zur Apostrophe (= Anordnung an den in der Ebene 
des Lichteinfalls stehenden Wanden); letztere kann durch vdlligen Lichtmangel 
(negat. Ap.) oder durch Lichtiiberschufi (posit. Ap.) bedingt werden. Die gra- 
phische Darstellung der Einwirkung verschiedener Lichtintensitaten auf die Chl.- 
Lagerung wird als Photrum bezeichnet; das epistrophische Intervall oder 
Epistrophion umfafit alle Beleuchtungsgrade, welche eine epistrophierende Be- 
wegung veranlassen, die Endpunkte dieses Intervalls werden als »kritisclie Punkte« 
charakterisiert. In analoger Weise laBt sich ein Apostrophion (=== apostr. Inter- 
vall) bzw. ein Sy strop hion konstruieren. Je naher dem positiven Ende des 
Photrums, desto schneller erfolgt die Umlagerung (»Gesetz der positiven Pro- 
gression«). Die Plasmastrdmung (s. d.) von Elodea und anderen Pflanzen soil 
nach Sp. le Moore nur eine verstarkte Photolyse darstellen, fiir welches sich 
in analoger Weise ein zyklolytisches Intervall konstruieren lafit, dessen linkes 
Ende nahe dem positiven kritischen Punkt liegen soil. — Vdllige Dunkelheit 
und direktes Sonnenlicht sollen nur bis zu einer Zerkliiftung der Chloroplasten 
der Epidermiszellen von Selaginella Mariensii fiihren konnen (» — bzw. + Zer- 



Chloroplastenpigmente. 


151 


kluftang«). Das Intervall des Photrums, innerhalb dessen die Zerkliiftung iinter- 
bleibt, wird » orthotaktisches I. « genannt Andauernde Insolation kann eine 
Zusammenballung der Cbloroplasten, eine >> Koaleszenz « (cf. Stahls Systrophe) 
bedingen. Bei Lemna trisulca beobachtete M., daB bei Verdunklung sich mehr 
als die Halfte der Chloroplasten zu den Seitenwanden bewegt, wahrend sich 
der Rest aiif Ober- und Unterseite gleichmafiig verteilt, ein Zustand, der Meri- 
strophe genannt wird (Just, Bot. Jahresber., 1888, I, S. 643 — 645). Die Untei*'- 
suchungen Moores sind zum Teil bereits als iiberholt zu bezeichnen. — Die 
gelegentlich verwendeten Ausdrticke Kaltelage, Diinkellage und Lichtlage 
der Chloroplasten verstehen sich von selbst; letztere Bezeichnung verlangt stets 
eine nahere Prazisierung, da diffuses und direktes Licht eine verschiedenartige 
Chloroplastenverteilung bedingen. Auf geringfugigere Unterschiede in der Um- 
grenzung der genannten Termini bei verschiedenen Aiitoren und auf eine Kritik 
kann hier nicht eingegangen werden. Die Lit. findet eingehende Beriicksichtigung 
in Senns oben zitierter, monographischer Bearbeitung, Der Mechanismus der 
Verlagerung spez, die Frage, ob die Chloroplasten sich bei der Bewegung aktiv 
d. h. mit Hilfe spezifischer Lokomotionsorgane (photo-, chemotaktisch) (Aktivitat 
der Chloroplasten) oder passiv, d. h. durch Vermittlung des Plasmas oder differen- 
zierter Plasmateile, verhalten, kann noch immer nicht als endgiiltig entschieden 
betrachtet werden, doch sprechen viele Beobachtungen fiir ein »passives «Verhalten 
(vgl. z.B. Knoll, S. Ak., Wien 1908; Linsbauer und Abranowicz 1909 ebenda). 

Rein passive Verlagerungen infolge Schwerkraftwirkung, Zentrifugierens, bei 
Neubildungen im Plasma (Zellteilung) usw. werden mit Pfeffer als Argotaxis 
bezeichnet (Phys., IL Aiifi., Bd. 2, S. 756). (Z.) 

Chloroplastenpigmente, I. Chlorophyll (Pelletier und Caventou, 
Journ. Pharm,, t. 3, 1817) das native »Blattgrun«, d. h. der griine Farbstoft, 
weicher die Chloroplasten tingiert und in den alkoholischen Blattextrakt iibergeht. 
Genauer definiert bezeichnet der Terminus: i. samtliche Pigmente, welche im 
alkoholischen Blattauszug vorhanden sind (Rohchlorophyll im Sinne von Wiesner, 
Entsteliung des Chlorophylls, Wien 1877). 2. nur die griinen Pigmente, welche beim 
Schtitteln des Chlorophyllextraktes mitPethrolatber, Benzol usw. ins Ausschiittelungs- 
medium ubergehen (= Cyanophyll [G. Kraus, Unters. iiber Chlorophyllfarb- 
stoffe, 1872], annahernd entsprechend dem Rohchlorophyll WillstMters [s. Euler, 
Pflanzenchemie, Braunschweig 1908, I. Teil. S. 194])^ die gelben Pigmente werden 
als Xanthophyll (G. Kraus, 1. c., s. unten) bezeichnet. 3. Unter Bertick- 
sichtigung der Kmktionellen Rolle des Farbstoffes »alle griinen Farbstoffe, welche 
die CO 3 -Assimilation der autotrophen Pflanzen erm6glichen« (Euler, 1. c.). — 
Die Untersuchung des Blattgriins und seiner Derivate hat die Aufstellung zahl- 
reicher, zum groBen Teil bereits obsolet gewordener Termini veranlaBt, die hier 
nicht aufgefUhrt werden kdnnen (s. hieruber Czapeic, Bioch. 555). Nach den neuesten 
Ergebnissen (Willstatter und Stoll, Berlin 1913) enthalten die Chloroplasten 
in kolloidalem Zustande gemischt mit farblosen Substanzen zwei Chlorophyll- 
komponenten und zwar die blauschwarze, in Losung griinblaue Komponente; 
Chlorophyll a (= Chlorophyllin a Tswett) [CggH^gOgN^Mg] und eine grtin- 
schwarze, in Losung rein griine Komponente: Chlorophyll b (= Chlorophyllin /i 
Tswett) [CggHy^OgN^Mg]) ferner zwei gelbe Farbstoffe (Karotinoide): das 
orangerote Kristalle bildende Karotin (C^oH^e) und das gelbkristallisierende 
Xanthophyll (C^^PI^eOJ. 

Frische Blatter enthalten ca. 2 Chlorophyll a, Vs^/oo 

und Karotin. Das Chlorophyll liefert bei der Verseifung den stickstoff- 

freien Alkohol Phytol (C^^H^^O) und enthalt 2,7°/^ Magnesium (Stoklasas Unter- 


152 


Chloroplastiden — Chondriom. 


suchungen weicben in dieser Hinsicht wesentlich ab, indem er Phosphor als 
integrierenden Bestandteil des Chlorophylls betrachtet [B. B. C., 1913]). Die 
zahlreichen Abbauprodukte des Chlorophylls, welche fur die Chlorophyll-Chemie 
von maBgebender Bedeutung sind, konnen in diesem Rahmen nicht aufgeflihrt 
werden. 

II. Xanthophyll. i. die gelben Begieitfarbstoffe des Chlorophylls (G. Kraus, 
1 . c., 1872) annahernd gleich Erythrophyll (Bougarel, Ber. chein. Ges., 1877) 
== Chrysophyll (Hartsen, Arch. Pharm., 1875) == Xanthin (Dippel, Flora 1878) 
= a-Xanthophyll (Tschirch, Unters. iib. d. Chloroph. 1884). Die von einzelnen 
Autoren als Xanthophyll bezeichneten FarbstofFe sind sicher nicht immer identisch. 
Nach Tswett liegen wenigstens fiinf verschiedene gelbe FarbstofFe vor, von denen 
einer sicher identisch mit Karo tin (C^oHg^; == Xanthokarotin Tschirch) ist. 
Das von ihm verschiedene Xanthophyll s, str. stellt ein Oxydationsprodukt des 
ICarotins dar (C^oH^gOa). S. Wii.lstatter, Lieb. Ann., 1907. 

2. Die gelben FarbstofFe herbstlich verfarbter Blatter (= Aiitumnixanthin, 
Staats, Ber. chem. Ges., 1895, — p-Xanthophyll, Tschircpi, 1 . c. = Chryso- 
phyll + Xanthophyll, Sorby, 1 . c.) Audi an diesem Pigmentgemisch sind jeden- 
falls Karotine und Karotinderivate, insbesondere Xanthophyll s. str. beteiligt. 

III. Etiolin, das Pigmentgemisch etiolierter Pflanzen (Pringsheim, Monatsber, 
A. Berlin, 1874) =Leukophyll (Sachs, S. Ak.Wien, 1859) == Chlorogon (Boehm, 
S. Ak. Wien, 1859) = Xanthophyll (Kraus, 1 . c.). 

Nach Hansen und Kohl (Unters. iiber das Karotin, 1902) bildet Karotin 
einen wesentlichen Bestandteil des Pigmentgeniisches, daneben diirfte auch Xantho- 
pliyll vorhanden sein. Nach Willstatter ist Pringsheims Etiolin als Karotin 
zu betrachten. Man nimmt an, daB etiolierte Chlorophyllkdrner iiberdies eine PI- 
reichere Leukoverbindung des Chlorophylls enthalten, das Protochlorophyll 
(Monteverde, Bot. Zentralbl, 1894), auf welchem die Fahigkeit des Ergrtinens im 
Lichte beruht. 

IV. Karotin. Der gelbrote Farbstoff von Daucm carota. Chemisch nahe- 
stehende, mit demselben Sammelbegriff bezeichnete Pigraente iinden sich haufig 
in den Chromatophoren gelber und roter Friichte. Euler (Pflanzenchemie 1908) 
schlagt fiir die Stofife vom Typus des Mohrenkarotins die Bezeichnung Carotene 
vor. Karotin tritt auch als Begleitfarbstoff des Chlorophylls ferner in Algen (s. 
Algenfarbstoffe), Pilzen und Bakterien auf. Hier findet es sich oft in Felt bzw. 
Cholesterin gelost als Lipochrom (= Fettfarbstoff) s. auch Bakterienpigmente. 
Dem Lycopin, dem roten Farbstoff der Tomate, kommt nach Willstattkr 
dieselbe empirische Formel wie dem Daucus-Karotin zu. 

Vgl. auBer den unter Chlorophyll genannten Lit.-Ubersichten : Kohl, Unters, 
iiber das Karotin, 1902 und T. Tammes, Flora, 1900. (Z.) 

Chloroplastiden (Schimper, B. Z., 1883) = Chloroplasten, s. Plasticlen. 

Chlorose (Bleichsucht, Ikterus) die durch verschiedenartige Ernahrungs- 
storungen, vor allem durch Eisenmangel hervorgerufene, blaBgriine oder gelbe 
Farbung der Pflanzen; Zufiihrung von Fe zum Boden oder Bestreichen der 
chlorotischen Teile mit Eisensalzldsung flihrt zum Ergriinen der kranken 
Organe, vorausgesetzt, daB sie nicht zu alt sind. Vgl. auch Etiolement. [Kst) 
Chlorotranspiration, Chloi'ovaporisation s. Transpiration. 
Clilorozysten s. Leukozysten. 

Chomophyten s. Petrophyten. 

Chondriom = Gesamtheit der Chondriosomen (oder Plastosomen). 
Kornige oder fadige, durch bestimmte Tinktionsmittel im Plasma sichtbar 


choripetal — Chromatophilie. 


153 


werdende Strukturen, die zuerst von Benda (1897) in den Spermatozoen 
gewisser Tiere als »Mitochondria« beschrieben wurden. So verbreitet sie 
in tierischen Zellen zu sein scheinen, so skeptisch stellte man sich anfangs bis 
vor kurzem beziiglich ihres Vorkommens in der Pflanzenzelle. Meves be- 
schrieb zuerst (B. D. B. G., 1904) ahnliche fadige Gebilde in den Tapeten- 
zellen von Nymphaca imd bald folgten gerade fiir diese Zellart von anderer 
Seite analoge Angaben. Nur wurde teilweise versucht, die Strukturen anders 
zu deuten (s. unter » Chromidien«), In den letzten Jahren hat eine Reihe 
von Autoren imabhangig voneinander das ganz allgemeine Vorkommen eines 
C. in der Pflanzenzelle beschrieben. Speziell (s. vor allem Guilliermond 
Arch, d’anatomie microscop. 1912, zuletzt noch B. D. B. G., Bd. 32, 1914) 
bringt man die Chondriosomen in Zusammenhang mit der Bildung der 
Plastiden, doch fehlt es auch nicht an Stimmen (z. B. Rudolph, B. D. B. G., 
1912; SCHERRER, Flora 1914; Stauffacher, Zschr. wiss. zool. 59, 1914; 
E. W. SCPIMIDT, Z. f. B., 1914; SapEhin, B. D. B. G., 1913), die solche 
Beziehungen bekampfen. Die schon sehr umfangreiche Gesamt-Literatur, 
hauptsachlich von den zoologischen Daten ausgehend, findet sich besprochen 
bei Duesberg (Ergebn. Anatomic u. Entwicklungsgesch., 1912]; Von be- 
sonderem Interesse erscheinen danacli die Beziehungen des C. zu dem »Neben-' 
kern<c der Spermatozoiden (s. auch fiir die Fucaceen Retzius, Arkiv f. 
Bot., 1906). 

Im einzelnen ist bei den Chondriosomen noch unterschieden worden 
zwischen Mitochondrien = Koriiern^ Cliondriokonten = Stabchen und 
Chondriomiten — F'aden. Von Chromochond rien (Prenant, Bull. Soc. 
Biol, Paris 1913; Guilliermonij, B. D. B. G. 1014) ist endlicli gesprochen 
worden, wenn »eine kornige Mitochondrie oder ein Chondriokont in seinem 
Iiineren ein Pigment erzeugt, das ihn durchdringt, ohne dabei seine Form 
oder seine chemischen Eigenschaften zu andern.« (Vgl. auch Anthokyan- 
bildung durch Mitochondrien). Auch die Nematoblasten Zimmermanns 
(s. d.) und die Vibrioiden S. O. SWINGLES und LaGERHEIms gehoren’ 
wohl in diese Kategorie. S. auch unter Blepharoplast. [T,] 
choi'ipetal s. Perianth. 

Chorisc = Dedoublement. 
chol'isepal s. Perianth. 

Choi’ismiis s. Laubfall. 

Chi'esax'd s. Holard. 

Chromatin s Zellkern. 

Chromatinnukleoliis = Karyosom. 

Chromatinzentren == Prochromosomen. 
chroinatische Adaptation s. Adaptation. 

Chi’omatolyse s. Kerndegeneration. 

Chromatophilie, Nach Auerbach (S. Ak., Berlin, 1891) sollte der 
Sexualkern aus bestimmten Farbengemischen den blauen, der weibliche 
den roten Farbstoff aufspeichern. Der erstere wurde darum cyanophil, 
der zweite erythrophil genannt Man glaubte (so vor alien? ftir die pflanz- 
lichen Gameten: Schottlander, B. D. B. G., 1892, Rosen, Beitr. z. Biol., 
V., 1892) dadurch auf chemische Differenzen der beiden Geschlechtskeime 


154 


Chromatophoren — Chromosomen. 


schlieUen zu diirfen. Heute halten wir im allgemeinen die Farbungsunter- 
schiede nur fiir physikalisch bedingt. Vgl aber die Ausfuhrungen von 
Stauffacher (Zusammenfassung in Verhandi, Schweiz, Naturf. Gesellsch., 
94. Jahresversammlg., Solothurn 1911). ( 7 ’) 

Chromatophoi’en s, Plastiden. 

Cliromidialsubstanz, Chromidien. Bei Protozoen wurde von 
R. Hertwig 1899 und Goldschmidt u. a. festgestellt, daO die Kerne unter 
bestimmten Umstanden ihre gewohnte Abgrenzung aufgeben konnen und 
in Form von »diffusem« Chromatin in die Zelle iibertreten, Darauf ist hier 
nicht naher einzugehen. Von rein pflanzlichen Organismen sind die Plas- 
modiophoraceen und Chytridiaceen zu nennen, die wahrend gewisser Phasen 
gleiches zeigen. In Analogic dazu pfiegt man neuerdings den »Zentral- 
korper« (s. d.) der Schizophyten-Zelle so aufzufassen, daB hier das Chromatin 
in auOerst feiner Verteilung das Plasma durchsetzt und so eine Art von Vor- 
stufe zu einem echten Kerne (»Spiralkerne« , Swellengrebel) bildet (s. 
z. B. Guilliermond, Revue gener. Bot., 1907). Doch fehlt es auch nicht 
an lebhafter Bekanipfung dieser Ansicht (s. z. B. A. Meyer, Die Zelle der 
Bakterien, Jena 1912). ■ — Im AnschluO an Ausfuhrungen von GOLDSCHMIDT, 
(Biol. C. 5 1904) wurde von TiSCHLER (J. w. B. , 1906) der Versuch 
gemacht, gewisse als Chondriosomen (s. d.) aufgefafite Strukturen im 
Plasma so zu deuten, daB sie durch Chromatin-Emission aus dem Kern zu- 
stande kommen. Diese Ansicht erscheint indes kaum gerechtfertigt, wenngleich 
sie noch neuerdings von Arnoldi und BONICKE (Festschrift f. Warming 1911) 
vertreten wurde. Ich bin jetzt der Meinung, daB es sich hier um Degenerations- 
zustande von Zellen handelt, die eine Gleichsetzung mit den echten Chro- 
midien nicht gestatten. {T.) 

Chi^omochondrien s. Chondriom, 

Chromogen. Die FarbstofFnatur aromatischer Korper wird durch die 
gleichzeitige Anwesenheit zweier Gruppen im Molekiil bedingt: i. die Farb- 
stoffgebende oder chromoph ore Gruppe, durch die der StofFzum Chromo- 
gen wird (das selbst noch keinen Farbstoff darstellt) und 2. die salzbildende 
Oder auxo chrome Gruppe, durch deren Eintritt das Chromogen .zum 
Farbstoff wird. Durch Reduktion geht dieser wieder in eine farblose Stufe, 
eine »Leukoverbindung« , liber. (Naheres z. B. bei Grafe, Bioch. S. 112.) 
S. insbesondere Anthokyan. (Z.) 

chromogene Bakteiuen s. Bakterien. 

Chromomeren: Besondere Abschnitte * innerhalb der Chromosomen 
(s. d.), die von einigen Autoren (so besonders J. B. Farmer: Proc. R; Soc. 
London, Bd. 79, 1907) flir Gebilde mit eigener Individualitat gehalten werden. 
Es ist aber fraglich, ob es sich nicht nur um Zufalligkeiten handelt, die 
durch differente Tingierung physikalisch (nicht chemisch!) ungleicher Partien 
der Chromosomen hervorgerufen sind (s. auch Diminution). (Z.) 

Cliromophor s. Chromogen. 

cliromopliore, -pare Bakterien s. Bakterienpigmente. 
Chromoplasten (A. Meyer, 1883) 1 , , 

Chromoplastiden (Schimper, 1883) = Chromoplasten ] 

Chromosomen: Besondere Korper, in die der Kern wahrend der mito- 


Chromosomeii. 


155 


tischen Teilung zcrfallt Von Pi^-'iTZNER (1S80) als Kenifaden, von Flemming 
und anderen daiin als Kerns eg men te bezeichnet, erhielten sie von Waldeyer 
(Arch. mikr. Anat. 1S88) den Nameii Chromosomen (s. histor. Darst. Stras- 
BURGER: Progr. L S. 24), Namentlich Boveri verdanken wir den Nachweis, 
daB den Chromosomen eine besondere Individiialitat zukommt — (Zusammen- 
fassung bei BOVERI: »Ergebn. lib. d. Konstit. der chroni. Subst. des Zell- 
kernes«, Jena 1904. Haecker: »Allg. Vbg!.«, Braunschweig, 2, Aufl. 1912. 
Siehe aber die entgegcnstehende Auffassung bei Ficic: Arch. f. Anat. u. 
Physiol 1905. Ergeb. d. Anat. u. Entwicklg. 1906, 1907 u. Della Valle, 
Arch. Zoolog, Italian. 1909, 1911, 1912. Letzterer bemliht sich, die Chromo- 
somenbildung auf eine Art KristallisationsprozeO zuruckzufuhren) — und doch 
die Einzelchromosomen eines Kernes qualitativ ungleich sein konnen, Immer 
mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, dab auch konstante morphologische 
Unterschiede verbreiteter sind, als man frCiher dachte. Besondere Pie ter o- 
chromosomen (Idiochr.), die seit 1892 (Henking) bekannt sind, werden 
fiir gewisse Tiere mit aller Sicherheit in Zusammenhang mit der Bestimmung 
des Geschlechtes gebracht (Geschlechtschr.); bei Pflanzen sind sie indes 
noch nirgends sicher nachgewiesen (R. Goldschmidt: Vortr. Vers. Natnrf. 
u. Arzte, Munster 1912). Ganz allgemein wird man sich sodann Idarer, daB 
die Chr. die Tr%er der Mendel-Gene (s.‘ Mendein und Gen) sind, oder doch 
dab sie zumindest notwendig sind, urn die Gene aktiv werden zu lassen. Inso- 
fern darf man von der Lokalisation der Erbsiibstanzen in den Chromosomen 
sprcchen. — Auch bei dem Entstehcn neuer Arten in den Mutationen (s. d.) 
hat man bercits Vcrandcrungen in der Chr.-Zahl nachgewiesen [Oenothera^ 
PriDiula). Und DE Vries spricht (Gruppenweise Artbildg. 1913, S. 347) 
direkt von ^vegetativen Chromosomen^ in den Fallen, von denen er 
annimmt, dab hier »die Trager aller mutabeln Eigenschaften« der Pflanze in 
cine 111 Chromosom liegen. Auf Mutationen deuten auch vielleicht die Falle hin, 
in denen wir bei einer Spezies mehrere Rassen mit verschiedenen Chr.zahlen 
haben, zumal wenn die eine ein Multipliim der anderen ist (TlSCHLER fur Musa^ 
Arch. f. Zellf, 1910, ISHlKAWAflir/W^/M, Bot. Magaz. Tokio 1911). Manbezeich- 
net dann die Varietiiten als »Var. univalens, var, bivalens usw.« Sonst ist die 
Zahl der Chi*, in einer Spezies sehr konstant, vornehmlich in den Sexual- 
zellen, wiihrend in den somatisdhen Zellen die Grenzen durch gegenseitige 
Verklebung verwischt sein konnen, Auffallend und vielleicht phylogenetisch 
iiiteressant ist die Tatsache, dab in manchen Pflanzengruppen, wie den Gym- 
nospermen, nahezu alle Spezies die gleiche Zahl haben, wahrend in anderen, 
z. B. den Compositen, nahezu alle nur denkbaren Zahlen reprasentiert sind. — 
Im allgemeinen darf man sagen, dab gerade bei gewissen niederen Orga- 
nismen, ferner bei sehr vielen Farnen die Chromosomenzahlen sehr hoch 
sind, dagegen bei anderen: Algen, Pilzen, Moosen und Blutenpflanzen weit 
niedrigere Zahlen vorkommen (Stasburger: Flora 1910; vgL auchKuSTER 
in Handw. d. Naturwiss. X, 786, 1914). 

Wegen der Kernkopulation im Sexualakt ist bei alien geschlechtlichen 
Organismen einmal in der Ontogenese eine Chr.reduktion notwendig ge- 
worden, da sonst die Chromosomenzahlen sich in jeder neuen Generation 
verdoppeln wilrden (s. Karyokinese). Diese Chr.reduktion wird, so weit wir 


156 


Chrysochrom — Coenobien. 


wissen, normal in der »heterotypen Teilung« vorgenommen, die dadurch 
charakterisiert ist, daB die sonst bei jeder Mitose auftretende Chromosomen- 
langsspaltung ausfallt. Man nennt die Zellen, welche die reduzierte Cfar.-Zahl 
besitzen, die »haploide Phase«, die mit der unreduzierten Anzahl »diploide 
Phaser (s. iinter Haploidgeneration). Tritt die Kernkopulation hier nicht ein 
und bilden sich nur »konjugierte Kernpaare« wie bei den Ascomyceten und 
Uredineen, so spricht BoislNET (Arch. f. Protistenk. Bd. 27) von einer »dihaplo- 
iden« Phase. (Ein ■&Kernpaar« selbst nennt B. ein »Dikaryon«.) Kerne 
mit 3 fachem Chr.^Satz sind triploid (z. B. die normalen Endosperme), endlich 
polyploid die Kerne mit mehrfachem Chr.-Satz. Von syndiploiden 
Kernen spricht Strasburger (J. w. B., Bd, 44; 1907) in den Fallen, bei 
denen in vegetativen Zellen durch andere Agentien (z. B. infolge Chlorali- 
sierens) zwei diploide Kerne zur 
Fusion gebracht sind. tJber das 
Schicksal der Chromosomen wahrend 
der Kernteilung vgl. unter Karyo- 
kinese. ( 71 ) 

Chrysochroixi, -cliloro(-xan- 
thO'-)phyll s. Algenfarbstoffe. 

Chylokaulen. (Schimper) = 

Stammsukkulente s. Xerophyten. 

Chylopliyllen (Schimper) = 

Blattsukkulente s. Xerophyten. 

Cicatricula=Blattnarbe, Keim- 
mundnarbe. 

Cicinnus = WickeL 

Cimaruoli s. Kaprifikation. 

Cincinuus = WickeL 

circinale Vernation siehe 
Knospenlage. 

Circumnntation s. Nutation. 

Cirrhus s. Ranken und Sporen- 

ranken. Fig. 85. Stuck einer Pflanze von Cmilcrpa 

Climax -Formation S, Suk- p'oUfem in natilrl. Gr. als einzellige Plianzc 

{Co elo b last). Die Zclle stellt bei v den 
-ess O a Stengel, bei b grtine Blatter, bei farblose 

Cion S. Klon. Rhizoiden dar. (Nacb Sachs.) 

Clypeus s. Karposoma. 

Coeloblasten (Sacpis, Sitzber. d. phys. med. Ges. Wiirzb. 1878): Unter 
C. verstand Sachs nach Frank solche »einzellige« Pflanzen, wie etwa unter 
den Algen Cmdcrpa prolifer a (Fig, 85), unter den Pilzen Mucor mucedo^ die 
habituell den vielzelligen ahneln. Stellt doch z. B. die genannte Alge eine 
Pflanze von einem und mehreren FuB GroBe dar, die einen kriechenden 
Stamm bildet, von welcliem nach abwarts farblose, wurzelartige Aste, nach 
aufvvarts laubblattahnliche Zweige ausgehen, und doch ist das Gauze eine 
einzige, von einer Haut umgebene Zelle. [IC) 

Coelospermeen s. Umbelliferenfruchte. 

Coenobien: bei manchen Chlorophyceen (z, B. Hydrodictyaceen und 




Coenobiosporen — Conceptacula. 


157 


einigen Protococcaceen) komien sich kleinere einzellige Individuen in be- 
stimmter Form zu Kolonien zusammenlegeii, die zum Unterschiede von den 
durch Teilung entstandenen Kolonien als Coenobien (Fig. 86) bezeichnet 
werden. (Vgl. auch Zelle und Autosporen.) {Sv.) 

Coenobiosporen s. Autosporen. 

Coenogameten heiOen vielkernige 
Gametangien und Antheridien, die ihre 
Gameten nicht sondern und einzeln aus- 
schliipfen lassen, vielmehr direkt miteinander 
kopulieren (Strasburger 1 9 1 1 , S. 326). {F.) 

Coenomonoecie s. Polygamie. 

Coenozentrum (Wager, Ann, of Bot. 

1896, Stevens, Bot. Gaz. 1899): eine in den 
Oogonien der Peronosporeen sich durch eine 
besondere plasmatische Hautschicht abgren- 
zende Partie der Zelle, die die eigentliche Q 
Gamete darstellt, wahrend das peripher ge- 
legene Plasma degeneriert bzw. rein zu Er- 
nahrungszwecken aufgebraucht wird. Bei der 
Gattung Albugo haben wir alle Ubergange 
zwischen C.~Bildung mit vielen und solcher 
mit nur einem Q Kerne (s. Literaturzusammenfassung bei LOTSY, Bot. Stammes- 
geschichte I, Jena 1907). Vgl. auch Periplasma. ( 7 ".) 

Coenomonoecie (Kirchner, Flora von Stuttgart 40, 1888) s. Poly- 
ganiie. 

Coenospharen nach Dangeard in verschiedenen Pilzen auffindbare und 
den Zentrosomen (s. d.) eventuell vergleichbare Gebilde. Er brachte sie anfangs 
in Zusammenhang mit der Herstellung des Glykogens und sah in ihnen den 
Plastiden (s. d.) ahnliche Zellorgane. GuiLLIERMOND (Progr. IV, 1913? S. 414) 
halt sie fiir Mitochondrien (s. Chondriom). ( 71 ) 

Coleopterocecidien, die durch Coleopteren (Kafer) erzeugten Gallen; 
s. d. [Kst,] 

Colesula s. Involucrum der Hepaticae. 

colline Stufe (Zone, Region) heifit in Gebirgen die unterste Stufe, in 
den Alpen speziell die dem Weinbau zugangliche Stufe. [D,] 

Collum der Mooskapsel s. Sporogon der Musci. 

Columella: i. der Gasteromyceten s. Fruchtkorper ders.; 2. der Moose 
s. Sporogon der Hepaticae und Musci; 3, der Mucorineen s. Sporangien; 
4. der' Myxomyceten s. Plasmodium; 5. der Orchideenbliite s. d.; 6. der 
Sporokarpien s. d. 

Comites (Lorentz) s. Charakterzellen. 

Conceptacula (Konzeptakeln) oder Skaphidien werden die krug- 
formigen Vertiefungen genannt, in denen die Fortpfianzungsorgane der Fu- 
caceen (Oogonien und Antheridien) gebildet werden. Es sind (vgl. Fig. 87) 
kugelige oder ellipsoidische, unterhalb der SproBoberflache gelegene, hohle, 
nach auBen durch einen kurzen, engen Kanal miindende Gewebekorper, 
welche durch einen besonderen Bildungsakt entstehen und auf ihrer inneren 



Eig. 86. -^4 Coelastnim sphaericiim: eine 
i6zellige Kolonie (Coenobium) mit 
einer eben entstandenen, jungen Tocb- 
terkolonie, welcbe die Membran ibrer 
Mutterzelle bereits diircbbrochen bat 
(345/1). B — D Sorastnmi spmulosum: 
B eine idzellige Kolonie; C eine 
einzelne Zelle, von vorn geseben; 
D dgl. von der Seite {^300/1, CD 
600/1). A nacb Prtngsheim, B—D 
nacb Naegeli. 


158 


Conceptaculum — Conus. 


Seite die von Haaren (Paraphysen) begleiteten Befruchtungsorgane, Oogonien 
und AntheridieHj entwickelii und tragen. Die C. entstehen entweder mehr 
Oder weniger gleichmaBig fast iiber den ganzen SproB verteilt, oder sie sind 
auf bestimmte SproBabschnitte beschrankt, welche entweder nur unerheblich 
von den vegetativen Teilen abweichen, oder aber meist als besondere Or- 
gane (Rezeptakeln verschiedener Form hervortreten. Die C. erzeugen 
entweder Oogonien und Antheridien oder nur eine Art der Sexualorgane 
allein. 

Den C. gleichgestaltet und wahrscbeinlich auch homolog, aber ohne 
Oogonien und Antheridien sind die Haargruben oder Fasergriibchen 



Fig. S7. Films j^latycarpns : A Ende eines Zweiges in nat. Gr., / fertile Zweige (Rezeptakeln'j ; 
B Schnitt diirch das Conceptaculum in der Einsenkung des Thallus, d; c Oogonien, a — h Tri- 
ckome (Paraphysen), zwischen ihnen die Antheridien (Nach Thuret.) 

(Kryp tostomata) der Fucaceen. Sie stellen kleine, rundliche, unterflachliche, 
mit enger Miindung nach aufien sich offnende Hohlungen dar, deren Wandung 
ein Biischel einfacher Haare entsendet. Die farblosen, mit basalem Vege- 
tationspunkt versehenen Haare wachsen durch die enge Offnung hinaus und 
ragen in einem dichten Biischel liber die Oberflache empor. {Sv.) 

CoBceptaciihxm (Desvaux, in Journ. Bot III, 1813, 161) = Folliculus, 
bzw. Bifolliculiis, s. Streufruchte. 

Concliidien = Mantelblatter, s. Heterophyllie. 

Conus = Zapfen s. Ahre und Fruchtformen. 



Copiilae — Cyanophyceenzelle. 


159 


Copulae s. Bacillarien. 

Corolla s. Korolle, 

Goroiiula der Sporenknospen s. diese. 

Corpusciila: i, Altere Bezeichnung fiir die Archegonien der Gymno- 
spermen;^ 2. der Asclepiadaceen, s. Translatoren. 

Cortina (spatlat. Vorhang) der Hymenomyceten s. Velum. 

Coryinbits der Wasserfarne = EbenstrauB. 

Coiypliyllie, abnormes Auftreten eines »absolut terminalen« Blattes, 
d. h. eines solchenj das unmittelbar aus einem SproBvegetationspunkt sich ent- 
wickelt hat und das Wachstum der Achse abschlieBt. (Vgl. Penzig 1890.) {Kst) 

Costa = Rippe, s. Blattnervatur bzw. Unbelliferenfriichte. 

coupling, gametic (Bateson): nach Baur (19 n, S. i2off.) Koppelung 
von Erbeinheiten (s. d.), d. h. die Tatsache, daB gewisse selbstandige Gene 
immer nur zusammen aufzutreten pflegen. {T.) 

Craspedium s. Lomentum. 

craspedodi-om s. Blattnervatur. 

Creinokarpium ([le cremocarpe] Mirbel, Elem. Phys. veget. I. 1815, 
S. 337) s. Schizokarpium. 

Cribralparenchym (=Leptompar.), ^primanen, ^teil (Strasburger) 
s. Leitbundel. 

Cribrovasalbiindel, ^strang (= Mestom) s. Leitbundel. 

Crista der Palmenblatter s. d. 

Crown gall s. Krebs. 

Clllmus Oder Halm heiBt ein Stengel, der hohl und an den Internodien 
knotig gegliedert ist, wie z. B. bei den Gramineen. 

Cupula s. Receptaculum. 

Cuspides = Antheridienstifte, s. diese. 

Cyanophilie s. Chromatophilie. 

Cyanophyceenzelle (Schizophyceenzelle). Neben den eigentlichen vege- 
tativen Zellen lassen sich folgende charakteristische Elemente unterscheiden : 

Die Grenzzellen oder Heterozysten treten speziell bei den A^osto- 
caccciij Scytonemataceen^ Siigoncinataceen^ Rivulariaceen zwischen den ve- 
getativen Zellen der Faden auf; sie fiihren einen sparlichen, wasserhellen 
Inhalt, habfen eine verdickte, lebhaft gelb oder griinlich gefarbte Membran 
mit einer nach innen vorspringenden , warzenartigen Verdickung (KoHLsche 
VerschluBkorper, Zellulose-Kiiopfe) an derjenigen Querwand, mit 
welcher sie an eine vegetative Zelle 
angrenzen, und sind oft von ver- 
groBerter Gestalt. Vgl. Fig. 88. 

Die Nekriden gehen gleichfalls 
aus vegetativen Zellen hervor. Die 
betreffende Zelle wird von einer 
V crfliissigungskrankheit befallen ; 
der Inhalt wird gelblich, verschleimt 
und verschwindet schlieBlich ganz- 
lich; die N. bewirken nicht selten 
den Zerfall der F^aden in einzelne 



Fig. 88. Faden von Nostoc comnitine mit He 
terozysten g, (Nacli Frank.) 



i6o 


Cyanopliyciiikonier — Cyathium. 


Stiicke; hierher gehort ein Teil der Konkavzellen KOHLs. Die hydrop - 
schenZellen sind von Brand zuerst bei Oscillatoria limosa Ag, beobachtet 
worden; sie besitzen einen abnormeii Turgor und grofien Wassergehalt und 
sind daber an den Querwanden stark angescliwollenj weshalb sie die Nachbar- 
zellen tief eindriicken (ein Teil der Konkavzellen KOHLs). Die Zellen der 
Schizophyceen sind haufig von einer Gallerthiille umgeben; bei den haar- 
formigen Kolonien (Trichome), wie Lyngdja vlq'w.j nennt man die Gallert- 
hiilie Scheide. Nicht selten ist die Gallerthiille auJQen von einer besonderen 
Membran umgeben, die Lemmermann Grenzschicht nennt. 

Ub. d. Inhaltskorper der C. s. unter den entsprechenden Schlagworten. (A") 

Cyanophycinkorner = Zentralkorner s. d. 

Cyanopliyll s. Chloroplastenpigmente. 

Cyanoplast s. Plastiden. 

Cyathium: Der cymose Bliitenstand der Gattungen Etiphorbia^ Pedi- 
lanthns^ Anihostema^ Calycopephis^ Synadenmm und Monadeninm. Das C. 
wurde lange fiir eine hermaphrodite Einzelblute gehalten, aber »vergleichende 
Untersuchungen, entwicklungsgeschichtliche und teratologische Vorkommen 
erweisen ihre Blutenstandsnatur auf das Sicherste. Das Cyathium ist eine 
Cyma, deren Hauptachse von einer nackten weibiichen Bliite abgeschlossen 
wird; um diese herum bilden vier oder fiinf Blatter eine verwachsenblatterige, 
kelchartige Hillle. Zwischen den Abschnitten derselben kommen ovale, zwei- 
hornige, bisweilen zerschlitzte Driisen zur Ausbildung. In der Achsel der 
Blatter des Involucrums stehen .... Wickel monandrischer Bluten«. (Pax, 
in E. P. III. 5, S. 6.) »Nach der altesten LiNNilSschen Auffassung stellt es 
eine polyandrische Zwitterbliite dar, die peripherische Hiille deren Kelch, 
jedes mannliche Organ ein einfaches StaubgefaH; Rob. Browne dagegen 
erklarte es zuerst mit Bestimmtheit fiir eine androgyne Infloreszenz, in welcher 
der Fruchtknoten eine weibliche Gipfelbliite reprasentiere, wahrend die mann- 
lichen Bliiten auf die ,Staubgefafie' reduziert und in seitliche Partialinflores- 
zenzen kombiniert seien, entspringend aus den Winkein der peripherischen 
Blatter, die somit nicht Kelch-, sondern Deck- oder Hiillblatter vorstellten. 
Diese Ansicht wurde von der Mehrzahl der spateren Morphologen, Adr. 
Jussieu, ROper, Braun, Warming u. a. angenommen und welter ausge- 
baut, wobei bloB in Einzelheiten der Deutung Differenzen sich erhoben; nur 
wenige Autoren, unter denselben jedoch Payer und Baillon, hielten an der 
LlNNl^schen Auffassung fest, Baillon insofern von Linn:^ abweichend, als 
er die Staminalgruppen durch Dedoublement ebensovieler Staubblatter ent- 
standen und die Bliite daher als urspriinglich bloB fiinfmannig betrachtet. « 
(Eici-ILER, II. S. 386.) 

Als Argumente fiir die Anschauung, daS es sich um eine Infloreszenz handelt, 
ftihrt Eichler 1. c. an.- i. die Analogic der mit Euphorbia verwandten Gattungen, 
namentlich von Anthostema^ deren mannliche, auf ein StaubgefaS reduzierte 
Bliiten ein Perigon besitzen; 2. die Artikulation der »Staubgefafie«, die auf die 
vormalige Insertion eines Perigons zuriickziifuhren ist; 3. das bei manchen Eu- 
phorbien amGriinde deszentralenFruchtknotens auftretende Perigon ; 4. antholytische 
Vorkommnisse, bei denen die ausnahmsweise getrennten Blatter der Hiille die 
»StaubgefaBe« in ihren Achseln behielten; 5. die Entwicklungsgeschichte , die 


Cyina— Darwins Selektionslehre, Darwinismus. 


i6i 


wohl zii eincr Infloreszenz, nicht aber zu einer Einzelbliite stimmt; 6, steht der 
Auffassnng dcs Cyathiums als Zwitterbltite die Diklinie samtlicher iibrigen Eu- 
phorbiaceen ungiinstig gegentiber. Demnach mufi man wobl das Diagramm akzep- 
tiereiij wie es Eichler 1 . c. S, 389, vgl. imsere Fig. 89, mitteilt, [W,] 
Cyma: ein Bliiten- 
stand, in dem die sukzcs- 
siven Achsen durch Bluten 
abgcschlossen sind; im 
Gegensatz den cymosen 
stehen die botrytischen In- 
floreszcnzen; diese konnen 
sich mit der C. mannigfach 
kombinieren,vgLDi-,Mono- 
und Pleiochasium. {W,) 
cymiise Inflores- 
zenzcn vgl. Cyma und 
unter Blutenstand. 

Cyphellen s. Thallus 
der Flechten. 



Fig. 89. Grundrili eines Dichasialzweiges von Muphorhia 
peplus: a die Vorbliitter, i — 3' die Involiicral- 

bliitter in ihrer genetiscben Folge, d Driisen in den Bucli- 
ten der Invohicralblatter. {Nacb Eichler.) 


Cypli^lloblasten s. Konidien der Flechten. 

Cypsela (Mirbel, Elem. phys. v 6 g 6 t 1. 1815, S. 333) s. Polykarpium. 
Cyste s. Zyste, 

Cyto- s. Zyto-*. 


D. 

D. Als Zeichen der Dominanz in der Mendelforschung gebrauchlich 
(s. unter Mendeln). {T.) 

Darwinsche Krimimung (Wiesner, Bewegungsvermogen, Wien 1883 , 
S. 146) = Traiimatropismiis (der Wurzel) s. d. 

Darwins Selektionslelire, Darwinismus (Ch. Darwin, On the 
origin of species by means of natural selection, 1859): Diese Theorie laOt 
sich auf folgende Flauptpunkte zuriickfiihren. (Im wesentiichen nach 
Wiesner, Biologie.) 

1. Jeder Organismus erbt von jenem, von welchem er abstammt, eine 
Summc von Eigenschaften (Erblichkeit der Charaktere). 

2. Jeder Organismus weicht von jenem, von welchem er abstammt, in 
gewissen, zunachst meist wenig merklichen, zufallig entstandenen Eigen- 
schaften ab (individuelle Variation). 

3. Die neuerworbenen Eigenschaften konnen in spateren Generationen 
entweder verier en gehen oder durch Erblichkeit festgehalten werden und 
im letzteren Falle sich auch weiter ausbilden. Die neuerworbenen und fest- 
gehaltcnen Eigentiimlichkeiten sind fiir den Weiterbestand des betreffenden 
Organismus entweder niitzlich, schadlich oder gleichgiiltig, 

4. Alle Organismen sind dem Kampfe urns Dasein unterworfen; sie 
treten untereinander in Wettbewerb. Was den gegebenen Bedingungen am 

Sebn cider, Bot. Worterbuch, 2. Auflage. 


II 



i 62 


Dauergewebe — Deckelgallen. 


besten angepaOt ist, bleibt erhalten; alles andere geht friiher oder spater 
im Kampf urns Dasein zugrunde. 

5. Wie der Tier- und Pflanzenziichter fiir die Nachzucht dasjenige aus- 
wablt, was ihm am passendsten scheint und er so durch kiinstliche Zucht- 
wahl (kiinstliche Auslese^)) neue Spielarten erzielt, so erfolgt auch in der 
Natur eine Zuchtwahl (natlirliche Zuchtwahl, natiirliche Auslese, 
natural selection), welche durch den Kampf urns Dasein vollzogen wird, 
in dem nur dasjenige sich erhalt, was sich infolge erworbener Eigenschaften 
den natiirlichen Bedingungen am besten angepaOt hat. — Es entstehen also 
zunachst durch geringe Abanderungen Variationen, welche, wenn die neu- 
erworbenen Eigentiimlichkeiten passende sind, weiter abandern und zu Arten 
in unserem Sinne werden, Auf diese Weise sind auch im Laufe unermeBlicher 
Zeitraume aus den niedrigsten Lebensformen die heutigen Organlsmen hervor- 
gegangen. 

Der Darwinismus geniigt heute nicht mehr zur Erklarung von Phanomenen 
der Artenbildung. Einerseits dringt er nicht genugend ein in das Wesen 
der Variationen, deren verschiedene Arten er nicht unterscheidet, anderer- 
seits beriicksichtigt er zu wenig die Moglichkeit der Artbildung durch direkte 
Bewirkung. S. auch Artbildung. 

Dauergewebe (Naegeli, Beitr. wiss. Bot. 1 . 1858, S. 2). Im Gegensatz 
zu den Bildungsgeweben (s. d.) 'Gesamtbezeichnung fiir alle vollkommen ent- 
wickelten Gewebe ohne Riicksicht auf ihre Funktion. (A) 

Dauerhyphen s. Myzel 

Dauerkonidien s. Konidien. 

Dauermyzel s. Myzel. 

Dauerpflanzen s. Anabionten. 

Dauei‘SCllwM-rmer heiiSen bei den Chlorophyceen solche Zellen, die keine 
Oder nur eine sehr kurze Bewegung besitzen, im iibrigen aber den Schwarm- 
sporen (s. Sporen der Algen) sich gleich verhalten. {Sv.) 

Dauersporangien der Pilze s. Sporangien ders. 

Dauei-sporen s. Sporen der Pilze. 

Dauersprosse s. vegetative Vermehrung der Hepaticae. 

Dauerstauden (Krause): Gewachse mit perennierenden oberirdischen 
Organen, bei denen nur Kurztriebe perennieren, wahrend die Langtriebe 
fehlen oder kurzlebig und hapaxanth sind (z. B. Vwla silvatica), 

Dauerstoffe. Als D. bezeichnet Hertwig (Biologie, 3, Aufi. S. 26) solcbe, 
welche vom jeweiligen Ernahrungszustand des Kdrpers weniger abhangen und 
geringerem Wechsel unterworfen sind im Gegensatz zu Verbrauchsstoffen. 
Vgl. Protoplasma. (Z.) 

Dauerstrange der Fungi siehe Myzel. 

Dauerzellen: i. s. Konidangien und Zysten; 2. der Algen s. Akineten; 
3. der Characeen s. Hauptvorkeime ders, 

Dauerzysten s. Zysten. 

DeckblM-tter = Bracteae, s. Bliitenstand, 

Deckel der Mooskapsel s. Sporogon der Musci. 

Deckelgallen, die mit einem Deckel ausgestatteten, nach Art der 


3 ?late L., Selektionsprinzip und Problem der Artbildung, 4. Aufl. 1913. 



Deckelkapsel — Defarination. 163 

Pyxidien sich spontan offnenden Gallen (z. B* die Galle der Cecidoses eremita 
auf Duvaua). [Kst) 

Deckelkapsel = Pyxidium, s. Streufriichte. 

Deckelplatten, -schale s. Bacillarien. 

Deckelzellen; i. s, Antheridiea der Pteridophyten und Archegoniiim 
der Bryophyten; 2, s. Entleerungsapparate der Driisen. 

Deckhaare s. Haar. 

Deckrand s. Sporangien der Pteridophyten. 

Deckschuppe s. Fruchtschuppe. 

Deckspelze s. Ahrchen der Gramineen. 

Deckzellen. Als D. oder Stegmata bezeichnete Mettenius bei den 
Hymenophyllaceen, Orchideen, Scitamineen und Palmen in der Peripherie der 
GefaBbiindel auftretende Zellen, welche durch den regelmaBigen Besitz eines 
kegel- Oder hiitchenformigen Kie Seiko rpers ausgezeichnet sind. Sie liegen 
namentlich den Baststrangen der GefaBbiindel an und zeigen die der Bast- 
zelle anliegende Membran mehr oder weniger verdickt, die gegenub.erliegende, 
ausgebauchte Wandpartie in der Mitte zart, bloB gegen den Rand zu all- 
mahlich verdickt Der ohne jede organische Grundlage auftretende Kies el- 
korper tragt auf seiner Oberflache haufig knotchenartige Hervorragungen 
und fiillt meist den groBten Teil des Zellumens aus. Vgl. Kohl, Anatomisch- 
physiolog. Untersuch. der Kalksalze und Kieselsaure in d. Pflanze 1889. [P) 

Deckzellen der Orchideen-Luftwurzeln. Die unmittelbar uber 
den DarchlaBzellen der Exodermis liegenden Zellen der Wurzelhlille, welche 
Leitgeb als D. bezeichnete, sind in den Luftwurzeln verschiedener Orchideen 
durch den Besitz eigentumlicher Zellwandverdickungen ausgezeichnet, die Meinecke 
Stabkdrper oder Faserkorper nannte. Bei vollkommener Ausbildung 
entstehen dieselben zunachst als Membranleisten, auf denen sich diinne Stabchen 
erheben. Diese haufig faserfdrmigen Stabchen verfilzen sich bald zu einer filzigen 
Masse, dem Faserkorper, dessen Funktion man in der Absorption oder Kon- 
densation des Wassers erblickte. Vgl. Meinecke, Flora 1894, Nabokich, B. C. 
80. Bd., 1899, Haberlandt, S. 214. [P) 

Dedotlblement (Chorise). Die deutschen Autoren unterscheiden 
zwischen Spaltung (im engeren Sinne) und eigentlichem D. oder Chorise: 
wenn die aus einem gemeinsamen Primordium hervorgegangenen Teile als 
Halften eines Ganzen erscheinen, so spricht man von Spaltung, hat jedes 
derselben die Beschafifenheit eines ganzen Blattorganes, von D. oder Chorise 
(vgl z. B. Eichler I, S. 5). 

Die Spaltung einer Organanlage kann kollateral (Stamina der Cruciferen) 
oder serial erfolgen (koll und serial bei ' den Capparidaceen). — D. tritt 
nicht nur bei der normalen Organogenese ein, sondern liegt auch zahl- 
reichen teratologischen Befunden zugrunde. Moquin-Tandon nimmt den 
Begriff weiter und bezeichnet als D. auch diejenigen Falle, in denen man 
spater von verzweigten Staubfaden sprach (z. B. Hypericum). tJber veg*e- 
tatives D, s. Verschmelzung. [Kst.) 

Defarination (deVries, IL S. 368): Unterdruckte oder stark verminderte 
Starkebildung (wte wir sie bei Bastarden beobachten konnen). 

i) Vgl. auch. Celakovsky, Sitzb. d. Bdhm. Ges. Wiss. 1894. III. Rf. in Justs Jahresber. 
11894, II. S. 245 * 

II* 



i64 


Degeneration — Deperulation. 


. Degeneration: Je nachdem, ob bei degenerativen Vorgangen die 
schwindeiiden Zellenteile oder die neu entstehenden Zersetzungsprodukte 
ins Auge gefafit werden, lassen sich verschiedene Gruppen von degenerativen 
Erscheinungeii unterscheiden (KtJSTER 1903). 

Wichtig vor allem ist der degenerative Schwund des Protoplasmas, 
des Kerns und der Chromatophoren in hungernden Zellen (Inanitions- 
erscheinungen) oder in denjenigen Zellen, die durch irgendwelche Reize 
zLi abnormalem (kataplastischem) Wachstum angeregt werden (z. B. Kallus- 
hypertropliie, hyperhydrische Gewebe usw.). 

Alle Teile der Pflanzenzelle konnen sich degenerativ verandern; je nach 
dea Produkten konnen wir unterscheiden: 

schleimige und gummose D., der oft ganze Zellen einschliePlich 
ihrer Zellulosehiillen anheimfallen (GummifliiB usw.);- 

vakuolige D., bei der das Zytoplasma, der Zellkern oder die Chromato- 
phoren sich mit zahlreichen Vakuolen fiillen und grobschaumige Struktur 
annehmen; 

fettige D., gekennzeichnet durch das Auftr eten von Oltropfen; 
zellulosige D.: es entstehen intrazellulare Zelluioseniederschlage (Strange, 
Leisten usw.). 

Der Zellkern kann durch D. sein Chromatin vollig oder zum grolien Teil 
verlieren (z. B. in Pilzgallen); die Chromatophoren konnen bei schlechter 
Ernahrung schwinden, so dali schlieBlich nur einige Karotintropfchen von 
ihnen ubrigbleiben; degenerativen Zerfall erfahren bei unglinstigen Kultur- 
bedingungen die langen, bandformigen Chromatophoren mancher Algen. 
Verlust des Chlorophylls bei organischer Ernahrung ist bei Flageilaten und 
Chlorophyceen beobachtet worden u. dgl. m. (/&.) 
degressive Artbildung (de Vries) s. Artbildung. 

Deliiszenz. Unter D. versteht man das Aufspringenkapselartiger Organe. 
D. der Antheren. Das Offnen der Antheren beruht stets auf»Spannung 
verschieden konstmierter Gewebe. Die Mehrzahl der Antheren dffnet sich mit 
einem Langsspalt , weniger haufig mit einem Querspalt [Alclmnilla^ Chrysosplenium^ 
Glohularla u. a.), oder mit Hilfe von endstandigen , kleinen Lochern (z. B. 
Zantedeschia). 

Die D. der ebenfalls mit Poren sich offnenden Antheren von Ericaceen be- 
rnht jedoch auf Resorption bestimmter Zellwande. 

D. bei Frtichten. Uber die D. der in Betracht kommenden Kapselfrdchte 
s. unter Streufrii elite. (G.) 

Dehnsprosse (Koehne) : Sprosse mit verlangerten Gliedern, auseinander 
geriickten Blattern und unbegrenztem Wachstum; auch Langtriebe, Kraft- 
sprosse, Kraftzweige genannt. 

dekussierte Pleiochasien s. Primanpleiochasium. 
dekussierte Polaritat s. Polaritat des Zellkerns. 
dekussierte Stellung s. Blattstellung. 

Dendrophysen s. Hymenium, FuOnote, ... 

Denitrifikatiou s. 'Nitrifikation. 

Denudation (deVries', II. S.368): Latenz defBehaarung undBewafFnung. 
Depei'Ulation (Masters): Der Vorgang des Austreibens der Knospen, des 
Abwerfens der Knospenschuppen. Kalyptrale D. ist die Form des Austreibens 



Depigmentatibn — Deszendenzlelire. 


165 

bei! Koniferen, wo die Knospensdmppen mitraartig abgeworfen werden; tubulare 
D. die, wo die Schuppen am Grunde des Triebes als kiirze Rohre stehen bleiben 
(aufMlig besonders bei Dmtzid). 

Depigmentation (de Vries, IL S. 368): Latenz der Farbe ,der Bluten, 
Samen und Friicbte und des Laiibes. Es handelt sich ura die roten, blatien 
imd gelben Fafbstoffe, nicht aber nm das ChlorophylF und in Fallen zusammen- 
gesetzter Farben auch urn teilweises Fehlen dieser. So ist Amarantus caudatus 
viridis^ eine reingriine Varietat einer Art mit rotbraunem Laube, ein Beispiel 
vollstandiger, sich liber die ganze Pflanze erstreckender- D. des Zellsaftes. 

Deplacement des Wassers nennt man mit Meschayeff (s. Burgerstein, 
D, Transpir. d. Pfl., Jena 1904) Verschiebungeii des Wassers innerhalb des Pfianzen- 
korpers, welche durch Starke Transpiration einzelner Teile eingeleitet werden. 
In der Regel (insbesondere bei Sukkiilenten) dienen die alteren Blotter als 
Wasserreservoir fiir die jungeren. Als besondere Falle konnen die „korrelative 
Transpiration « und der >absteigende Wasserstrom« gelten. Vgl. E. Pringsheim, 
J. w, B. XLIII, 1906, S. 89. (Z.) 

Deplasmolyse s. Turgor. 

DepdtstoJffe s. Resorption. . 

Dermatogen (Hanstein, in Festschrift niederrhem. Ges. Naturk. 1868) 
s. Urmeristem.^ 

Dei'matokalyptrogen (J. Eriksson, J. w. B., Bd. 1 1, 1878): s. Wurzel- 
haube. 

Dermatoplast s. Gymnoplast. 

Dermatosomen: Die Hauptmasse einer herangewachsenen Zellwand 
besteht nach WiESNER (S. Ak. Wien, 1886, S. 78) aiis kleinen, organi- 
sierten Gebilden, Dermatosomen, welche aus Mikrosomen des Protoplasma 
(Plasmatosomen, Plasomen) hervorgehen, und die, solange die Zellwand 
wachst, durch zarte Protoplasmaziige verbunden sind. Diese plasmatosomen- 
flihrenden Strange bilden aus sich (durch Teilung?) neue Plasmatosomen 
und schlieBlich D., worauf das Wachstum der Wand beruht, das also, 
wenigstens im wesentlichen, ein interkalares ist. 

Die D. sind in der Regel direkt in der Zellwand nicht erkennbar, . werden 
aber gesehen, wenn man die sie zusammenhaltenden.Faden lost oder sprengt. 
Am vollkommensten gelingt die Isolierung der D. durch Chlorwasser, welches 
die Strange friiher angreift als die D. [T.) 

Desmogen (Russow) = Prokambium (nach Raciborski, Handw. d. 
Naturwiss. IV, S. 1158) s. primate Meristeme, (Z.) ^ 

destruktive Reize s. unter Reiz. 

destruktiver Stoflfwechsel s. StofFwechsel. 

Deszendenzlelire: Unter D. oder Abstammungslehre versteht man 
die Lehre von der Veranderlichkeit der Organismen und der Ableitung der 
hoher organisierten Formen von einfacheren. Uber die treibenden Krafte, 
welche die Veranderlichkeit bedingen sollen, vgl. unter Artbildung, Darwins 
Selektionstheorie, Lamarckismus, Mutationstheorie. Die Idee der Verander- 
lichkeitj der Arten und damit die D. ist nicht auf einen einzelnen Forscher 
zuriickzufiihren, sondern laBt sich in ihren Anfangen weit zuriick verfolgen; 
sie wurde schon um 1795 von Erasmus Darwin und E. Geoferoy Saint- 
Hilaire klar ausgesprochen, aber insbesondere von DamarCK (Philosophic 


Determinanten — Diaptysis. 


1 66 

zoologique 1809) mit Nachdruck vertreten. Heute kann die D. als eines 
der Fuiidamente der Biologic bezeichnet warden. (Uber die Geschichte der 
vgl. J, P. Lotsy, Vorles. iib. Deszendenztheorien mit bes. Beriicks. d. bot. 
Seite. 2 Bde. 1906 n. 1908.) {v. WUst.) 

Determinanten s. Keimplasmatheorie u. Ahnenplasma. 
Determination s. Induktion. 

D enter (Lorentz) s. Charakterzellen. 

Deutoplasma (v, Beneden) = Paraplasma, s. Protoplasma. 
Devarianten (Ploetz, Die Tuchtigkeit unserer Rasse und der Schutz 
der Schwachen L, 1895, 3 0 - s. Variabilitat. 

Devonflora s, fossile Floren. 
dexiostyle Bllite (Ludwig), s. Enantiostylie. 

Diaclienium s. Umbelliferenfruchte. 

Diachym = MesophylL 
diadelphisch s. Androeceum. 
diadl'om s. Blattnervatur, Anm. 

Diageotropismus (Darwin) s. Geotropismus. 
Diagonalkonsimilitat, ^-symmetrie s. Badllarien. 

Diagramm s. Bllite. 

Diaheliotropismus s. Phototropismus. 

Diakinese (Haecker 1897) s. unter Karyokinese. 

Dialydesniie s. Stele, 
dialypetal = choripetal, s. Perianth. 

Dialystelie s. Stele. 

Dianiesogamae (Delpino, in Attl soc. ital. Milano XIII, 1879): Delpino 
iinterscheidet in Hinsicht auf die Art nnd Weise des Befruchtungsvorganges: 
Zoogamae, d. h. Pflanzen mit selbstbeweglichen Befruchtungskorpern, wie 
die meisten »Kryptogamen«, deren Spermatozoiden sich aus eigener Kraft 
bevvegen — und Diamesogamae, d. h. Pflanzen, deren Befruchtungsk 5 rper zur 
Ubertragung einer auBeren Vermittlung bediirfen. Diese vermittelnden Trager 
konnen dreierlei Art sein, ntolich »Wasser«, »Luft« und »Tiere«. Die D. zer- 
fallen daher in die drei Abteilungen der Hydrophilae, Anemophilae und Zoidio- 
philae (s. d.]. 

Diaphragmen: Im allgemeinen bei hohlen Achsen mit interkalarem 
Wachstum an den Knoten die Achse durchsetzende Gewebsplatten, welche 
haufig als Aussteifungseinrichtungen fungieren. Besonders haufig sind die- 
selben bei Wasser- und Sumpfpflanzen, wo sie zum Teil demselben Zwecke 
dienen. Da sie, wie Goebel gezeigt hat, fiir Luft in hohem Grade wegsam 
sind, andererseits aber dem Durchtritt von Wasser einen bedeutenden Wider- 
stand entgegensetzen, verhindern sie bei Verletzungen der Pflanze das Ein- 
dringen von Wasser in die inneren Durchlliftungsraume. (P.) 

Diaphragmen: i. der Equisetaceen s. Karinalhohle; 2. der Isoetaceen- 
blatter s. d.; 3. der Mooskapsel s. Sporogon der Musci; 4, der Sporenknospen s. d. 

Diaphysis. Zentrale Durchwachsung von Bluten (Penzig 1890); nimmt 
die durchwachsende Achse LaubsproBnatur an, so ist die D. frondipar; 
endet sie mit einer Bllite, so ist sie floripar; verzweigt sie sich zu einem 
Bliitenstande, so ist sie racemipar. (/fe.) 



diarch — Dichasium. 


167 


diarcli: Seit Naegeli (Beitr. wiss. Bot. 1858, S. 10) bezeichnet man 
die radialen GefaBbiindel (s. Leitbiindel) nach der Zahl ihrer Xylemstrahlen, 
bzw. der Anfangspunkte dieser als monarch, diarch, triarch, tetrarch, 
pentarch, polyarch. Diarch sind z. B. die Wurzelleitbiindel hd Ltipimis, 
Cruciferen; triarch hd Pisum^ Ervum\ tetrarch h€\ Phase olus^ Ctictirbitaceae\ 
polyarch bei vielen Monokotylen (nach Frank). (P.) 

diarche Spindel s. Kernspindel. 

Diaspase (v. Wasielewski) s. Amitose. 

Diastei" s. Karyokinese. 

Diastole s. kontraktile Vakuolen. 

Diastrophe s. Chloroplastenbewegung. 

Diatmese (v. Wasielewski) s. Amitose. 

Diatomeen = Bacillarien, s. d. 

Diatomeenpelit s. Kaustobiolith. 

Diatomin s. Algenfarbstoffe. 

diati'ophe Pflanzen s. autotrophe Pflanzen. 

Diatropismus (Dx\rwin)’ s. Tropismus. 

Dibotiyeii (Eichler I, S. 41) sind botrytische Infloreszenzen, bei denen 
die Seitenachsen wiederum nach botrytischem Typus verzweigt sind. Man 
kann hierbei (nach Prantl-Pax) unterscheiden: a) gleichartig zusammen- 
gesetzte: die Verzweigung gehort in beiden (oder ailenfalls noch hoheren) 
Graden derselben Form, an; wir haben also i. zusammengesetzte Traube 
(Rispe, Panicula), an der Spindel einer Traube stehen wiederum Trauben; 
2. zusammengesetzte Ahre, an der Spindel einer Ahre stehen wiederum 
Ahren (z. B. Triticiim^ Secale)\ 3. zusammengesetzte Dolde (z, B. Urn- 
belliferen), viel haufiger als einfache Dolde und meist schlechthin Dolde ge- 
nannt; 4. zusammengesetztes Kopfchen (z. B. bei einigen Vernonieen). — 
b) ungleichartig zusammengesetzte: die Verzweigungen der verschie- 
denen Grade gehoren verschiedenen Formen an; hierher gehoren, um nur 
einige Beispiele zu nennen: Ahrentraube [Cai'ex-hxttn]^ Ahrenkopf- 
chen [Scirpus-hxi^n]^ Kopfchenahre [Liatris-Kxitxi]^ Kopfchentraube 
[Petasites] usw. {W.) 

Dichasium: Eine cymose Infloreszenz, in welcher aus den Achseln 
der beiden letzten, dem Kelche der Terminalblute vorangehenden Blatter 
zwei Seitensprosse sich entwickeln. Dieselben konnen auf Einzelbliiten be- 
schriinkt sein, wenn namlich deren Vorblatter steril sind oder dem Kelch 
angehoren — dreiblutiges D. — , oder die Seitenachsen verhalten sich genau 
ebenso: nach zwei Vorblattern schlieBen sie wieder mit einer Bliite ab, 
beide Vorblatter produzieren Achselprodukte gleicher Art. Gewohnlich tritt 
bei reichverzweigten Dichasien eine Reduktion eines der Achselprodukte ein, 
und zwar meist im Sinne einer Wickel- bzw. Doppelwickelbildung (Bliiten- 
stande vieler Labiaten) ; am haufigsten wiederum ist die For derung aus dem 
//-Vorblatt. 

Die Endbliite des D. bezeichnet man als Primanbliite; fiir die Vorblatter 
derselben hat R. Wagner den Ausdruck » Primanvorblatter « vorgeschlagen 
{in O. B. Z. 1902, S. 3, Sep.-Abdr.); die nachsten Achsen werden als Sekundan- 
bliiten, deren Vorblatter als Sekundanvorblatter bezeichnet usw. Am schonsten 



dichlamydeisch.— dichoblastisch. 


i6B 


trcten die I), hervor bei FamiUen mit dekussierter Blattstellung; haufig finden sie 
Ku:h als Reduktionsformen voia dekussierten Pleiochasien , in dem Sinne, daS 
diene I'artialinfloreszenzen erster, zweiter oder hoherer Ordnung sind. In letz- 


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Fig. 90, Diagramm eines Dicliasiums. Vgl. Text, (Original nacTi R. Wagner.)' 


terem Falle stellen dann wiede- 
rum die D. die tTbergaiige zu 
monochasialen Ausgangen dar. 

Der Aiisdruck D. stammt 
von Schimfer; synonym da- 
mit ist der wenig gebraucbte 
Ausdruck >falsclieDichotomie«. 

Das im Diagramm Fig. 90 
dargest elite D. ist bis zu den 
Quintanbliiten verzweigt. Ein 
Fall eines dutch einen serialen 
BeisproB bereicherten D. ist 
in Fig. 91 dargestellt; das D. 
zeigt schwache Wickeltendenz. 
(Vgl- R. Wagner in Ann. natur- 
liist. ITofmus. Wien ' Bd. 19, 
1904, S. 82.) (PK) 

dichlamydeisch = 

licterochlamydeisch, siehe 



© 



( o ) 



( O ) 



Fig. 91. Diagramm der Verzweiguug einer Seitenackse 
erster Ordnung eines Dichasiams von Aizoon zygophylloides. 
Vgl. Text. (Nach. R. Wagi^r.) 


Perianth. 

dichlaraydeische Samenanlage s. d. 
dichoblastische Sphacelariaceen s. Sphacelariaceen. 



Dichogamie— Dickenwachstum. 


l6g 

Dichogamie s. Bestaubung, ^ 

dichopodiale Sprofivei^kettung = Dichotomic. 

Dichotomie: Unter D. verstehen wir das Verzweigungssystem (s. d.), 
bei dcm dcr urspriingliche Vegetationspunkt sich in zwei neue Vegetations- 
punkte tcilt, die wenigstens anfangs unter sich gleich stark sind. "" Es hort 
somit das urspriingliche Glied, sowie die urspriingliche Langsachse auf. 
(Nach PRAN'rirPAX). Diese bei Algen, Moosen und Filicineen verbreitete 
Gabclung erfolgt^ wie Hegelmaier bei Lykopodien nachgewiesen, indessen 
haufig in cler Wcise, daO die Teilungsprodukte des Vegetationskegels nicht 
gleich krriftig sind; dadurch kommen Sympodien zustande und PoTONiE 
hat nachgcwiesen, daO mit groQer Wahrscheinlichkeit unsere Farnblatter in 
ihrer phylogenetischeii Entwicklung einem derartigen Vorgange ihre Form 
verclankcn. Vgl. auch akropetal ( JV.) 

dichotrophe Pflaiizen s. autotrophe Pflanzen. 

Dichotypie (Focke, in Abh. naturh. Ver. Bonn 1887): Das Auftreten von 
zwei Oder mehreren iingleichen Bildungstypen des namlichen Organs auf ein 
und demselben Stock. (Kirchner, S, 38.) 

Dickblatt (Kerner, •!, 1887, S. 301) — Sukkulentes Blatt. 

Dickenwachstum: Gesamtbezeichnung fur diejenige Art des Wachs- 
tums, welche den Querdurchinesser eines Organs vergroBert. Wir miissen 
hlerbei streng zwlschen primarem tind sekundarem D. unterscheiden. 

Jcdes jugcndliche Organ besitzt schon in jener Zone, die sich durch den 
Obcrgang der Bildungsgewebe in Dauergewebe kennzeichnet , einen weit 
pToQcren Ouerschnitt, als in unmittelbarer Nahe des Scheitels, wo sich die 
primiircn Bildungsgewebe aus deni Urmeristem herausdlfferenzieren. Diese 
Zuuahme dcr QuerschnittsgroBe ist eine Folge des primaren D., welches 
demgcmai.l keinen speziellen Wachstumsvorgang darstellt; wir konnen es 
dahcr auch als Erstarkung des jugendlichen Organs bezeichnen. Diese 
Frstarkung, welche im wesentlichen auf einer fortgesetzten Teilung der 
Zdten in der Richtung der Dicke des betreffenden Organes beruht, fiihrt 
schlieBlich zu einer bestimmten Dicke desselben. Ist diese annahernd er- 
rcicht, so wiichst das Organ nunmehr in die Lange, es streckt sich. Nach 
beendetem Langenwachstum und vollzogener Ausbildung der Dauergewebe 
findet bei der Mehrzahl der Monokotylen und Pteridophyten kein nennens- 
wertes D. melir statt. Nicht so bei den meisten Gymnospermen und Dikotylen, 
ferner bei verschiedenen Palmen, baumartigen Liliaceen und Pteridophyten. 
Bei den Palmen usw., die nachtraglich noch in die Dicke wachsen, ist 
jedoch dieser Vorgang nichts anderes als eine Erstarkung des Stammes im 
vorhin erorterten Sinne. 

Ein wescntlich anderer ProzeB ist dagegen ‘das sekundare D. Dieses 
beruht auf einer fortwahrenden »Neubildung< und »Erganzung« der den 
Stamm und den Wurzelkorper zusammensetzenden Gewebesysteme. Diese 
Funktion wird einem zwischen die Dauergewebe des Organs eingeschalteten 
>Blldungsgewebe* iibertragen, das in den gewobnlichen, typischen Fallen des 
sekundaren D. in Form eines peripheren , Hohlzylinders auftri^ im yuer- 
.schnitt demnach als geschlossener Ring erscheint (Fig. 92). r wir as 



170 


Dictydinkorner — Bicymen. 


Verdtckungs- oder Kambiumring bezeichnetj haung auch schlechtweg 
als Kambium (s. d.). 

Die vom Verdickungsringe der Gymnospermen und Dikotylen gebildeten 
Dauergewebe lassen sich folgendermafien gruppieren (Fig. 92): der auf der 
Innenseite des Verdickungsringes 


gelegeneDickenzuwachs, welcher 
hauptsachlich die mechanischen 
und wasserleitendenElementeund 
das Holzparenchym in sich ver- 
einigt, wird als Holz oderHolz- 
korper (Fig. 92 C, fh-^ifJi) 
bezeichnet; der auflerhalb des 
Verdickungsringes gelegene Zu- 
wachs dagegen, im wesentlichen 
aus Leptom, Leitparenchym und 
eventuell aus lokalmechanischen 
Strangen bestehend, reprasen- 
tiert die sekundare Rinde 
(Fig. 92 C, der groBte Teil von 
P + ^fP)' Sowohl in dieser wie 
auch im Holzkorper treten radiale 
Gewebestreifen auf, welche in 
ununterbrochenem Verlaufe Holz 
und Rinde durchsetzen, es sind 
dies die sekundaren Mark- 
strahlen. Der dem Holzkorper 
angehorige Teil des Markstrahls 
kann als Holzma rks tr ahl 
(oder kurzweg als Markstrahl im 
engeren Sinne) bezeichnet wer- 
den; seine aufierhalb des Ver- 
dickungsringes befindliche Fort- 



setzung ist dann der Rinden- 
markstrahl. (P.) 

Dictydinkorner (Jahk, B. 
D. B. G. 1901, S. 104), vielleicht 
als Nebenprodukte des Stoffwechsels 
entstanden, sind in den Plasmodien 
von Dictydium und Cribraria ge- 
funden worden. Jahn vergleicht 
sie mit den Zellulinkornern der 
Saprolegniaceen. (P.) 

Dicymen (Eichler, Bluten- 
diagr. I, 1875, S. 41): Cymose 


Fig. 92. Schema fiir das sekundare Dicken- 
wachstum der Dikotylen: A Querschnitfc durch 
einen jungen Stengel. Af Mark, R Rinde; / Phloem, 
X Xylem der Gefafibiindel. B desgleichen, aber die 
Gefabbiindel durch den geschlossenen Kambium- 
streifen verbunden [ic Interfaszikular-, fc Faszikular- 
kambium). C Querschnitt des in die Dicke gewach- 
senen Stengels, ^ Markkrone, ifh aus dem Inter- 
faszikularkambium entstan’denes, sekundiires Holz, 
ifp aus dem Interfaszikularkambium entstandenes, 
sekundares Phloem, fh aus dem Faszikularkambium 
entstandenes, sekundares Holz, p Phloem, vom Faszi- 
kularkambium gebildet, b Bastfasergruppen, R pri- 
mare Rinde. (Nach Frank.) 


Infloreszenzen, bei denen die Seitenachsen ersten (oder hoheren) Grades 
wiederum cymos verzweigt sind. Solche sind z. B. Wickelschraubeln, 
d. i. Wickeln in Schraubeln gestellt [Sckizanihus, Alckemilla), Schrauben- 



didymere Anthere — diplanetische Schwamsporen. 


I7I 

■ickeln [Erodium, Geraniiitn), zusammengesetzte Wickeln [Spar- 
lannici) lisw. { W.] 

didymere Anthere s. Androeceum. 

Dientomophilie s. Heteromesogamie. 

dilferentielle Teilung (= erbungleiche Tig.) s. Keimplasmatheorie. 
Diffcrenzierimg s. Entwicklungsmechanik. 
Diiferenzierimgstheorie s. Metamorphose, 
diffuse Reize s. formative Wirkungen. 

Diffusiotropismus s. Chemotropismus. 

digene Fortpflanzung (= geschlechtliche F.) s. Befruchtung. 
Digestionsdriisen s. Verdauungsdriisen. 
dihaploide Phase s. unter Chromosomen. 

Dihybriden (deVries, B. D. B. G. 1900), s. Bastarde. 
dikarpes Gynoeceum s. d. 

Dikaryon s. Chromosomen. 

Diklinie s. Bestaubung. 
diktyodesmisch s. ataktodesmisch. 
diktyodrom = netzlaufig, s. Blattnervatur, Anm. 
Dilatationsparenchym s. Zerkliiftung des Holzkorpers. 
Diluviumflora s. fossile Floren. 

Diinerie s. Polymeric. 

Diminution der Chromosomen, d. h. Zerfall gewisser Chromosomen 
n kleinere Stiicke, von hoher, theoretischerWichtigkeit bei gewissen tierischen 
Drganismen [Ascaris^ BOVERI) ; von Pfianzenzellen nicht bekannt Vielleicht 
lat M. Kornicice etwas ahnliches beschrieben, indem er sah, wie unter dem 
[linfluB von Rontgen- und Radiumstrahlen die Chromosomen in kleine Teil- 
Uiicke zerfallen konnen (B. D. B. G. 1905). Ob sie aber hier in vorgebildete 
Desondere »Einheiten« (s. auch Chromomeren) zerlegt werden, ist sehr zweifel- 
haft. Lundegardh (Beitr. z. Biol 1912) macht darauf aufmerksam, dafl ein 
s^Chromosomenzerfall« speziell in Meta- und Anaphasen auch spontan vor- 
kommen kann, doch stellt sich in der nachsten Prophase dann wieder die 
»typische«c Chromosomenzahl her. [T.) 

dimorphe Heterostylie s. Heterostylie. 

diinoi^phe Rassen s. umschlagende Varietaten und vikariierende Eigen- 
schaften. 

Dimorphismus, die Erscheinung, dafi ein Organ bei demselben Indi- 
viduum gemafi der verschiedenen Inanspruchnahme in zwei differenten For- 
men auftritt; in diesem Sinne spricht man z. B. von einem D. der Wurzeln 
(s, Heterorhizie), der StaubgefaBe usw. [L,] 

Dioczie, dioeziscli s. Bestaubung. 
dioezische Musci s. paroezisch. 
dioezische Pilze s. Befruchtungstypen ders. 

diplanetische Schwaiuxisporen (Atkinson, Ann. mycol. 5 ; iQOQ)* 
Bei den Saprolegniaceen beginnen die Schwarmsporen zu schwarmen, machen 
dann ein Ruhestadium durch und schwarmen darauf zum zweitenmal aufs 
neue. Diese eigentumliche Form der Beweglichkeit wird mit Diplanetismus 
bezeichnet. ( 71 ) 



172 


Diplantherie — direkte Reize. 


Diplailtherie: Altere Bezeichnung fiir die Erscheinung gleicbzeitigen Vor~ 
kommens von zwitterigen tind mannlichen Bliiten aiif derselben Pflanze, z. B. 
VaUlaiitia. Vg!. Alefeld, B. Z. 1863, S. 281ft. (F,) 
diplekolob s. Embryo, 
dipleuriscli s* Kambium. 

diplochlamydeisch == dichlamydeisch, s. Samenanlage. 
Diplogenese: Nach Delpino (Mem. Ac. Bologna ser. V, t. 10, 1903) konnte 
die Erzeugimg neuer Formen im Pflanzenreiche durch zweierlei Prozesse vor sich 
gehen: durch Haplogenese, d. i. durch den Evolutionsvorgang und Entwicklung 
neomorphiscber Charaktere, und durch Diplogenesej d. i. durch Bastard- 
bildung, selbst zwischen Gattungen von zwei verschiedenen Familien. ( 71 ) 
Diploidgeneration, im Gegensatz zu Haploidgeneration, s. d.; vgl. 
auch unter Chromosomen, Befrucbtung und Generationswechsel. [T.] 

Diplokaryon, bzw. Tetrakaryon ein Kern mit 2 x-, bzw. 4X-Chromo- 
somen (vgl. unter Chromosomen). [T.) 
diplokaulisch s. SproBfolge. 

Diplokokken s. Kokken. 

Diplokonidien (Lotsy, Stammesg. I, S. 628) = Uredosporen s. Sper- 
matien d. Urediiiales. (IC) 

DiplOBastie. Schimper (Ber. d. Naturforscherv. Gottingen 1854, S. 87) 
bezeichnete hiermit jene Falle ungleichen Dickenwachstums, bei welchen die For- 
dcrung exzentrisch auf Ober- und Unterseite vor sich geht, wahrend in der 
hlerzu senkrechten Richtung das Dickenwachstum ein Minimum aufweist {Fpsa 
caniim^ Corylus avellana), Nach Frank I, S. 398, (Z.) 

Diplospoi'angien s. Haplosporangien. ' 
diplostemon s. Bllite. 

Diplotegie (Desvaux, in Journ. bot III, 1813] s. Streufriichte. 
diplotenes Stadium s. Karyokinese. 

Diploxyl heifien die Holzkorper von Leitbiindeln, wenn der eine Teil 
in der Richtung nach der Rinde zu fzentrifugal) an Dicke zunimmt, dcr 
andere sich aber dem Zentrum der Gesamtachse entgegen (zentripetal) 
entwickelt. Diploxyle Biindel kommen bei Cycadaceen vor und haufig bei 
palaozoischen Pflanzen. [Ft.) 

Dipterenblumeii s. Fliegenblumen. 

Diptei'ocecidieu: Die durch Dipteren (Zweiflugler) erzeugten Gallen; 
s. d. [Kst] 

direkte Anpassung: Hierunter versteht der Lamarckismus (V. Wett- 
STEIN, Der Neo -Lamarckismus 1903, S, 11) die Fahigkeit der Individuen, 
unter den jeweilig herrschenden Verhaltnissen zweckmaBige Anderungen 
zu erfahren und die so erworbenen Eigentiimlichkeiten festzuhalten. Nahezu 
gleichbedeutend mit d. A. sind folgende Ausdriicke: direkte Ausgleichung, 
bzw. direkt Equilibration (Spencer), Selbstregulierung (Warming), 
Artbildung durch direkte Bewirkung (Naegeli), Artbildung durch 
Korrelation (Wettstein). Uber die Beziehung der d. A. zur Artbildung 
iiberhaupt und iiber die Moglichkeit, diese Fahigkeit zu erklaren, vgl den 
Artikel »Artbildung«. [v: Wttst^ 

direkte Bewirkung s. direkte Anpassung. 
direkte Reize s. formative Wirkungen. 



Disgressionsbewegiingeu — Dolde. 


173: 


Disgressionsbewegungen (Wiegand, Bot. Hefte 1885, I, S. 180) 
— Glitschbeweg’ungen (Nageli) s. Protoplasmabewegungen. 

disjimkte Symbiose (Pfeffer I, 1897, S. 351) s. Symbiose. 
disjunktes Areal s. Areal 

Diskoideafox’men nennt man bei Kompositen die Formen ohne 
Zungenbliiten, die bei sonst normal mit solchen versehenen Arten auftreten. 
Diskokarpien: i. = Apothecien; 2. s. Asd. 
diskontinuierliche A^ariatioiien s. Variabilitat. 

Diskoplankton s. Plankton, 
diskrete Variabilitat s. Variabilitat. 

Diskus: i. s. Receptaculum, vgl. auch Nektarien; 2. d. Fungi s. Hymenium 


und Asd. 

Diskusdriise, -lappen, -schuppe s. Receptaculum. 

Dispersoide, disperse Systeme, Dispersitatsgrad s. KoUoide. 

Dispirein s. Karyokinese. 

Dissepiinentuili: i. == Scheidewand s. Gynoeceum; 2. = Columella 
s. Sporogone der Hepaticae und Musci. 

Dissimilation s. Assimilation, und Stoffwechsel. 

dissimilatorische Reize s. assimilatorische Reize. 

Dissimilierungsprodukte s. lebendige Substanz. 

Dissoziation s. Assoziation und Kryptomerie. 

dithecische Aiitheren s. Androeceum. 

Ditopogamie (Ludwig, S. 425): Blutenstaub und Narben finden sich in 
dn und dersclben Bllite an verschiedenen Stellen, es warden aber (auf beson- 
deren Stdcken) auSerdem Blfiten gebildet, bei denen die Narben den Ort der 
Antheren jener BlUten einnehmen und umgekehrt, so dafi die Insekten den Bluten- 
staub alls einer Bliite nur in einer Blfite der anderen Form auf die Narbe ab- 
setzen kdnnen. Es geiioren liierlier die Fade der Heterodistylie, Heteiotnstylie 
und Enantiostylie, s. d. 

divergent (Eichler, Entwicklungsgesch. d. Elattes 1861) s. Blattanlage. 

Divergenz s. Blattstellung. 


Divisio s. unter Art. 

Divisurallinie s. Peristom der Musci. .tv ■ v 

dizyklisch ist, nach Warming, ein SproB, der im zweiten Lebensjahre 


bliihbar wircl. 

Ddldchen s. Dolde. 

Dolde (Umbella); Bliitenstand mit gestauchter Hauptachse, an weknem 
sich gestielte Seitenbliiten in meist akropetaler Folge entwickeln, ohne sich von 
ihreri Vorblattern aus welter zu verzweigen (emfache D., vgl Fig. 78 C und 
Aufrili bei >Monopodieii«). Bei den Umbelliferen kommen in wen^en Gat- 
tngen einfache D. vor (bekanntesteBeisp^iele: AstranUa, T’h 

Hydrocotyle, Sanicida), meist sind dieselben zusammenges^zt d. L 

di Einzelblliten treten bier wiederum emfache D In 
die Trap-blatter der Partialinfloreszenzen das Involucrum (Gesainthei 
TraSte to teea Achseln die Partlalinfloreszeneen atehea). <!«« 
litSuL rinvoluceUum (Gesa»«.ei. d„ 

Achseln die Einzelbluteii stehen); mdessen kann das. erne o 



Doldenrispe — dominierende Merkmale. 

auch beide fehlen. Die Partialinfloreszenzen werdeti als Doldchen be- 
zeichnet. 

tJbrigens wird die D. der Umbelliferen vvohl ebenso aus der Reihe der 
botrytischen Blutenstande gestrichen werden, wie dies mit der Feigenfrucht ge- 
scliehen ist; letztere wurde lange als konkaves Capitulum aufgefafit — ganz analog 
manchen etwas konkaven Kompositencapitulis — , bis dutch die GoEBELsche Schule 
der Nachweis erbracht wurde, daS es sich um eine sehr komplizierte, cyxndse 
Infloreszenz handelt. Manche Umbelliferen besitzen eine Terminalblute — daliin 
gehort wohl auch der »fios neuter « von Daucus carota — , und vergleichend- 
raorphologiscbe Grunde sprechen dafiir, daB es sich bei den Umbelliferen-D. um 
sehr abgeleitete Infioreszenzen, wohl um Primanpleiochasien handelt. Ubrigens 
sind noch dichasial verzweigte D. bei Umbelliferen nachzuweisen. Die dolden- 
formigen Blutenstande mancher Rutaceen [Erwsfemon- Arten) sind, soweit unter- 
sucht, Primanpleiochasien, Dolden, in welchen die Terminalblute bestimmt fehlt, 
die also sicher botrytisch sind, finden sich in der Orchideengattung Cirrhopetahm 
(R. Wagner, 0 . B. Z. 1901, S. 418); wie aus der obigen Definition hervorgebt, 
ist die D. nur graduell von der Traube verschieden, vgl. Microstylis hastilahia 
(Wagner 1 . c., S. 420), ebenso von Kbpfchen [Trifolium-- Axi^n mit »gestielten« 
Bliiten). Ganzlich verfehlt ist die Auffassung der Bltitenstande von Buto7nus 
sowie von Asclepiadeen als D. Vgl. botrytische Infioreszenzen. [W.) 

Doldenrispe: In verschiedenem Sinne angewandter Ausdruck, der ledig- 
lich die auBere Erscheinung einer Infloreszenz bezeichnet, nicht diese ihrem 
wahren Wesen nach charakterisiert, vgl. Schirmrispe. (IF.) 

Doldenschraubeln s. Botryocymen. 

Doldentraube: Bliitenstand aus traubig angeordneten Dolden. (W.) 

Doldenwickeln s. Botryocymen. 

Dolicliosis (CZAPEK, J. w. B. Bd. 32, 1898), eine Reaktionsform, welche 
sich in der Beschleunigung des Langenwachstums eines Organs auBert, ohne 
daB dessen Wachstumsrichtung verandert wird. Je nach dem auslosenden 
Faktor unterscheidet man Photo-, Chemo-, Hydro dolichosis. (L). 

dolichostyl = langgriffelig, s. Chasmogamie. 

Dolichotmema (Correns) s. Brutorgane der Musci. 

Domatien (Lundstrom, Pflanzenbiol. Stud. 11. 1887, S. 3): Bezeichnung 
flit alle besonderen Bildungen an einem Pflanzenteile oder Umwandlungen 
eines solchen, welche fiir andere Organismen bestimmt sind, die als mutua- 
listische Symbionten — d. i. solche Organismen, die zu den Wirten, welche 
sie bewohnen, in einem Verhaltnis gegenseitiger Forderung stehen — einen 
wesentlichen Teil ihrer Entwicklung daselbst durchmachen. 

Dominanten: Ausdruck von Reinke (in Biol. Centralbl. 1899, S. 81), 
um die >Krafte zweiter Hand« (Lotze) zu bezeichnen, die nach seiner Mei- 
nung in den Organismen tatigsein miissen, um das Geschehen in bestimmte 
Bahnen zu lenken. Die D. sind von der Energie zu unterscheiden, weil sie 
die Energie wohl richten, lenken und transformieren, sie konzentrieren, zer- 
teilen und regulieren, aber niemals sich selbst in Energie umwandelnkonnen. ( T) 

Dominanzregel s. dominierende Merkmale. 

dominierende Merkmale: Nach Mendel (vgl. unter Mendelsches 
Gesetz) sollte von den beiden Partnern eines »Merkmalspaares<, die in der 
hybriden F^-Generation zusammentreten, der eine Paarling nahezu in der 



Donnerbesen — doppelte Befruchtung. 


175 


gleichen Starke wie in dem einen Elter auftreten, d. h. do mini ere n {D\ 
wahrend der andere unterdriickt wird, rezessiv [R] ist 

Die Falle mit scheinbar volliger Dominanz gehen jedoch so allmahlich 
in diejenigen mit teilweisem oder bisweilen sogar geringem Vorherrschen 
liber, daO es hier eine Grenze nicht gibt. Und neuerdings ist es sogar 
fraglich geworden, ob eine wirklich absolute Dominanz liberhaupt moglich ist. 

Man darf also hochstens von der Pravalenz des einen Merkmals 
sprechen (CORRENS, Bot CentralbL 1900). CORRENS schuf (B. D. B. G. 1902) 
den passenden Ausdruck der he terodynamen Merkmalspaare fur solche 
mit einem stark pravalierenden Paarling, der homodynamen Merkmals- 
paare fur Falle, in denen die beiden Allelomorphs (s. diese) einander in 
nahezu gleicher Starke gegenuberstehen (vgl. auch unter Bastard, sowie 
epistatisch). ( 7 !) 

Donnei'besen, Donneibiische s. Hexenbesen. 

Doppelbalg s. Streufriichte. 

Doppelbeere s. Fruchtformen. 

Doppelbestaubung (Koelreuter) : Die gleichzeitige Belegung der 
Narbe mit zweierlei Pollensorten. 

Doppelblatter sind solche, die aus der Vereinigung zweier Blatter her- 
vorgehen. (Vgl. liber diese und ahnliche Bildungsabweichungen an Blattern 
J. Klein, J. w. B. XXIV, 1892, S. 425). 

Doppelgallen. Wenn zwei Gallen gleicher Art nahe genug beieinander 
sich entwickeln und sich gegenseitig in ihrem Wachstum irgendwie beein- 
flussen, derart, daD sie ihre Selbstandigkeit verlieren und mehr oder minder 
vollkommen miteinander verwachsen, spricht KtJSTER (1911, S. 316) von D. 
Vgl. auch Mischgallen. [Kst.) 

Doppelkern = Synkarion s. dort und unter Befruchtungstypen der 
Pilze. 

Doppelplatten s. Doppelstabchen. 

Doppelrassen (de Vries) == Mittelrassen, vgl. unter semilatente Eigen- 
schaften. ( 7 .) 

Doppelstabcheil (Doppelplatten) sind eigentlimliche, in ihrer Be- 
stimmung noch nicht sicher erkannte Gebilde, die im zentralen Plasma, besonders 
bei Bacillarien vorkommen und aus kurzen, zylindrischen, dunklen Stabchen be- 
st ehen, welche zu zweien in paralleler Lage in verschiedener Richtung gelagert 
auftreten (Schonfeldt, Diatom. Deutschl., S. 20). (X) 

doppelt I'eziproke Bastarde s. Bastard. 

doppelte Befruchtung. Man bezeichnet mit diesem Ausdruck heute 
allgemein die von Nawaschin und Guignard (C. r, 1899) festgestellte Er- 
scheinung, daO bei den Angiospermen nicht nur eine Befruchtung der Eizelle 
’ durch einen der beiden Spermakerne des Pollenschlauches erfolgt, sondern 
daO auDerdem der zweite Spermakern mit dem Verschmelzungsprodukte der 
beiden Polkerne sich verbindet (Fig. 93). Aus der Vereinigung von Eikern und 
Spermakern geht der Embryo, aus der des zweiten Spermakernes und der 
Polkerne das Endosperm hervor. Strasburger (B. Z. 1900) will den erst- 
erwahnten Befruchtungsakt als ^generative Befruchtung*, den zweiterwahnten 
als »vegetative Befruchtung* bezeichnen. (Vgl. L. Guignard 1 . c. und »Sur 



176 


Doppelwickeln — Druckfestigkeit. 


les autherozoids et la double copulation chez les veg. ang.« Rev. gen. d'e 
Bot. XI, 1899 S. Nawaschin, Resultate einer Revis. d. Befruchtungsvorg.’ 


bei Lilitim u. Fritillaria, Bull, de I’Acad. St. Petersb. IX. 1898.) 

Doppelwickeln s. Wickel. 

Dornen. Sie stellen metamorphosierte 
Sprosse, Blatter, Nebenblatter oder auch 
Wurzeln dar. Die SproBdornen findenwir 
bei vielen Rosaceen, so bei Pirus und 
Crafaegus-hritn^ bei manchen Rhamnaceen, 

Rubiaceen, usw. ,Blattdornenbei Berberis- 
Arten (Fig. 94), Nebenblatt- oder Sti- 
pulardorneii bei Robmia Pseudacacia ; 
ebenso gehoren zu den Blattdornen die 
groBen Zahne vieler Disteln [Car dun 
Cirsium u. a.). 

Wurzeldornen finden wir in den 
Palmengattungen AcaiitorrUza und Iriartea^ 
wo die Adventivwurzeln der unteren Stamm- 
region sich zu Dornen umbiiden. ( W.) 

Dornwald s. Wald, 

Dorsalseite = Ruckenseite. 

dorsifixe Anthere s. Androeceum. 

Dorsinastie = Epinastie. 

dorsiventral s. Symmetrieverhaltnisse. 

Drehnngen = Torsionen siehe Be- 
wegungen und Strophismus. 

Drehwuchs nennt man die bei Holz- 
gewachsen (Fichte, Aescukis) verbreitete Er- 
scheinung, daB die Holzfasern niclit parallel 
zur Achse, sondern in Form einer Schraube 
verlaufen, was vonHARTiG(Holzuntersuchungen 
1901) auf eine im Alter auftretende Schief- 
stellung der Kambialfaser zurtickgeflihrt wird. 

(Vgl. Neger, Biol., 1913, S. 369.) Unter 
Fahnenwuchs versteht man die einseitige 
Entwicklung der Krone bei Baumen, welche 
unter dauerndem EinfluB des Windes stehen; 
die Verzweigung erfolgt fast durchaus nach 
der Leeseite bin. (Z.) 

dreiachsig = triplokaulisch, s. SproB- 
folge. 

dreielterlicher Bastard s. d. 

dreistufig == triplokaulisch, s. SproB- 
folge. 

dreizeilig s. Blattstellung. 

Drepanium = Sichel. 

Druckfestigkeit s. mechanische Bau- 
prinzipien. 


[v. Wttst,] 



di. 




AK 






ch 




Fig. 93. Der Befruchfciuigsvorgang bui 
einer phanerogamen, angiospermen 
Pflanze, etwas schematlsiert, A Encle 
des Pollenschlaucbs, in ihin die gene- 
rativen ZqIIqtx welche je einen 
Spermakem enthalten, vk der vege- 
tative Zell kern, der schlieBUch anf- 
gelost wird. Eier in aufeiiianderfol- 
genden Stadien der Befruchtuug, JS — Z, 
bei B die ins Ei eindringende gene- 
rative Zelle, mit Spermakem sk] syn die 
in Riickbildimg begriffenen Synergiden ; 
m Embry osackwandung. In C Ver- 
einigung von Spermakem sk und Ei- 
kem th Z der K e i m k e r n (hk ) nacli 
vollzogener Vereinigung, ch die An- 
lagen der Cbromatopboren {550/1). 

(Nacb- Strasburger.) 


Druckspannung — Drlisen. 


177 


Druckspannung s. Gewebespannung. 

Di’iiscn (lib. Diskusdriisen vgl. unter Receptaculum) : Nach Haberlandt 
bezeichnen wir als D. (Sekretionsorgane) jene »lokalen« Sekretions- 
denen die als Hauptfunktion des betreffenden Apparates fuii- 
gierende Bildung, bzw. Ausscheidung des Sekretes 
eineFunktion der »lebendenProtoplasten« derSekret- 
zellen ist. Die D. scheideii das Sekret entweder 
direkt nach auDen ab, wie z. B. die Wassei'driisen 
iind die Nektarien, oder zunachst in einen Drlisen- 
raum von sehr verschiedener Entstehungsweise. 

Bei oberflachlich gelegenen D. kommt er durch 
Abhebung der Kutikula zustande, bei inneren D. 
stellt er einen durch das Auseinanderweichen oder 
durch frlihzeitige Auflosung der Sekretzellen ent- ■ 
standenen Interzellularraum dar. Nach dieser ver- 
schiedenen Entstehungsweise des Driisenraumes kann 
man schizogene und ly si gene D. unterscheiden, 
die iibrigens durch Ubergange miteinander verbun- 
den sind. 

Die wichtigsten Typen sind: 

AuBere Driisen (Hautdriisen): Gleich den 
Hydathoden und Nektarien konnen auch jene driisigen 
Sekretionsorgane, die 01, Harz, Scbleim, Gummi oder 
diesen Stoffen ahnliche Produkte ausscheiden, epidermale 
Gebilde sein. Im einfachsten Falle erscheint die 
Sekretionsfahigkeit als eine Funktion gewohnlicher 
Epiderniiszellen; namentlich gilt dies fur die Epidernais 
jener Knospenschuppen, die ohnehin schon mit driisigen 
Haargebilden versehen sind {Ru 7 nex^ Rheum ^ Coffea^ 

Alnm^ Betiila usw.). Auf diese Weise kommen .sog. 

Driis enflachen zustande. Noch auffallender und 

vollstandiger ist die Umwandlung von Epiderniiszellen in typische Sekretzellen 
bei den Driisenflecken vor sich gegangen, die als kleine, scharf umschriebene 
Sekretionsorgane besonders haufig auf den Zalinen der Lalibblatter zahlreicher 
Pflanzen vorkommen (z. B. Pritniis-^ Salix- hxttTi ^ Ricinus). Hier sind auch 
noch die sog. Zwischenwanddriisen (bei Psoralea^ Rhododendron) zu er- 
wahnen. Der epidermale, rundliche Drusenkorper besteht aus einer groBeren 
Anzahl schlauchfdrmiger Sekretzellen, die teils meridianartig gekrummt, teils un- 
regelmaBig geschlangelt sind. Die Ablagerung des Sekretes erfolgt hier in 
den die Sekretzellen trennenden Zwischenwanden. Vgl. Kratzmann in 0 . B; 
Z. 1910, S. 409 ff. 

Von besonderem Formenreichtum sind die driisigen Haargebilde. Die Driis en- 
haare gliedern sich, vom FuBstiick abgesehen, gewdhnlich in zwei Teile: in einen 
kiirzeren oder Hngeren Stiel, der ein- bis mehrzellig sein kann, und in die 
eigentliche D., die als rundliches Kdpfchen dem Stil aufsitzt. Dieses ist ent- 
weder einzellig {Pelargonium zonale [Fig. 95 .Zf], Primula sinensis) oder in Kugel- 
quadranten geteilt [Lamium^ PlectrantJms)^ oder es besteht aus einer groBeren 
Anzahl von Sekretzellen [Sanguisorha earned). — Die Driisenzotten (Leim- 
zotten, Kolleteren, Fig. g6) gliedern sich so wie die Driisenhaare gewohnlich in 

Schneider, Bot. Worfcerbuch. 2, Anfiage. ^ 13 



Fig. 94, Zweig von B&rhe- 
ris mtlgaris: die Blatter der 
Langtriebe sind in Dome um- 
gewandelt. (Nach Prantl.) 



Driisen. 


178 

den Stielj der hier aus einem gestreckten, inehrschichtigen Zellkorper besteht, iincl 
in ein ineist vielzelliges , sezernierendes Kopfchen [So/?c/ms flexitosus^ AcsciiliiSf 
Rosa), — Die Driisenschuppen endlich sind gleichfalls kurz- oder langgestielt 

und charakterisieren sich dadiirch, 



Fig. 95. Hautdriisen: J Driisenhaare des Blatt- 
stiels von Felargoniim zomle ; z Sekretzelle, s Se- 
kret (260/1). — B Driisenscliuppen des Laubblattes 
von Ribes nigrum ; a junges Stadium, die Kutikula 
wird durcb das Sekret bereits abgeboben; h aus- 
gebildetes Stadium; z Sekretzellen; v Driisenraum. 
Das Sekret ist bei a und h mittels Alkohol entfernt. 

(Nach Haberlandt.) 


dafi die Sekretzellen eine schu])pen~ 
artige, bisweilen ausfuhrlich vertiefte 
Zellfiache bilden- [TlnmuluSy Ribcs 
T/iymiis-^Me?ftba-^ 

Satureja’-hxX.^Xi). 

InnereDriisen (Sekretbehal- 
ter): In den Stengel- und IlUitt- 
organen zahlreicher Pfianzen kom- 
men entweder unmittelbar iinter 
der Epidermis oder in tieferen Ge- 
webeschicliten D. vor, die man 
haufig schon mit freiem Auge als 



Fig, 96. Driisenzotte an einer iJcck- 
scbuppe der Winterknospe von Acs- 

cttlus V T. 240. 

■■ ■ ■') 


belle, durcbscheinende Punkte wahrnehmen kann [Hypericum'- [Fig. 97.^], Rysl- 
machia-ktXm^ Citnts^ A??torp/ia). Der Bau dieser inneren D. ist weniger mannig- 
faltig als der der Hautdriisen (vgL auch Fig. 97^, jD ), Die vorkommenden 
Verscbiedenheiten beruhen in erster Linie auf der verschiedenen Entstehungsvveise 
des Driisenraumes, in zweiter Linie auf der verschiedenen Art des Zustancle- 
kommens einer die Driise umgebenden Hulle; drittens endlich daraiif, ob ein 
besonderer Entleerungsapparat ausgebildet wird oder nicht. Schon oben wurde 
erwahnt, da6 wir schizogene und lysigene D. unterscheiden, diese aber in man- 
chen Fallen ineinander ubergehen. So wird z. B. bei Rufa graveolens (Fig, 97 C) 
der Driisenraum schizogen angelegt, spater aber noch auf lysigene Art erweitert. 
Solche D. hat Tschirch als schizolysigene bezeichnet. 

Von den inneren Driisen unterscheiden sich die gangfdrraigen Sekretions- 
organe (01-, Harz-, Schleim-, .Gummigange) blofi durch ihre langgestreckte 
Gestalt. Zwischen beiden gibt es auch Ubergange (Harzgange im Blatt von 
Ginkgo), Die Sekretzellen sind meist in der Richtung des Ganges gestreckt 
(Fig. 98 B), Wie bei den inneren Driisen sind auch hier haufig Schutzscheiden 
um die Gange entwickelt (Fig. gSs), Die gangfdrmigen Sekretionsorgane treten 
als Harzgange, Harzkanaie (Gymnospermen, Anacardiaceen) auf, als Olgange 
(Umbelliferen), als Schleim- und Gummigange [Alismacecn^ Butomeeft^ Araceen), 
Beztiglich der Bildung des Sekretes (atherisches 01 , Harz) nehmen verschie- 




Driisen. 


179 


dene Forscher an, daB es im Innern der Drtisenzellen gebildet wird und dann 
die Zellwande passiert; nacli Tschirch aber entsteht das Sekret erst in der Zell- 
wand, und zwar in einer schleimigen Schicht derselben, die er als resinogene 
Schicht bezeichnet (S. anch Entleerimgsapparate.) {R) 



Fig. 97, Innere Driisen: A ans clem Lanbblattc von Hypericum pcrforaliwi] die Schutz- 
hiille der Driisc besteht aiis clunnwancligen, plattgeclriickten Zcllen {/;), die Sekretzellen j sind 
haufig papillds. B Driise aus dem Blatte von MyrUts ceylojtica] die sezernierenclen Zellen 
sind plattgedriickt mit aiifkmscitig verdickten Wandungen. — C jnnge Driise aus dem Blatte 
von Buta graveoUns\ h Schutzhiille, die Sekretzellen teilweise von der Driisenwancl losgelost, 
den Driisenraiim ausfiillend. — D Driise aus dem Blatte von Dictanmus albus. 

(Nacli Haderlandt.) 



Ing. 98. A Harzgang im Blatte von Fifms silvesiris (Querschnitt); B desgleichen (radialer 
Langssclinitt); s Sckutzscheide, z Sekretzellen. (Nack Haberlandt.) 

12* 


i8o 


Dmsendeckel — Diu'chluftungssystem. 


Driisendeckel s. Entleemngsapparate. 

Driisenflachen, ^flecke, ^haai^e, ^ramn, '•schuppen, -wand, 
-zotten s. Driisen. 

Drupa (lat. Olivenfrucht) (Linne, Phil. bot. 53, 1751) s. Fruchtformen 
11 nd Monokarpium. 

Dtialismus der Kernsubstanzen s. unter Zellkern. — Dualismus der 
Kernsubstanzen in sexuell erzeugten Organismen ist auch ein Ausdruck fiir die 
Tatsache, daO die Halfte der Chromosomen vom Vater, die Halfte von der 
Mutter stammt und daO im Moment der Befruchtung zwar eine Kern- 
verschmelzung, aber noch nicht eine vollige Chromosomenfusion einsetzt. 
Vgl. auch unter Gonomerie bzw. Idiomeren. ( 71 ) 

Duces = D enter (LoRENTZ) s. Charakterzellen. 

Dlingerzeiger (Stebler und Schroeter, Landw. Jahrb. Schweiz X. 
1892) im allgemeinen identisch mit Ruderalpflanzen, s. d. 

Duft als Anlockungsmittel s. Blumendiifte und unter Farbe. 

duktorische Prozesse s. Reizvorgang und -leitung. 

Dunkellieitsreize s. Reiz. 

Dunkellage s. Chloroplastenbewegung. 

Dimkelstarre (Sachs) s. Starrezustande. 

diiplikative Vernation s. Knospenlage. 

Duramen = Kernholz, s. d. 

Durchlassigkeit = Permeabilitat s. unter Osmose. 

Durchlafistreifen. Die die einzelnen GefaCbundel umgebenden mecha- 
nischen (Bast- oder Slderenchym-) Scheiden werden an den beiden Seiten der 
GefaDbiindel an der Grenze von Sieb- und GefaOteil durch parenchymatische 
Oder schwacher verdickte und weniger verholzte Zellelemente unterbrochen. 
Diese den StotTverkehr zwischen dem GefaObiindel und dem Grundgewebe 
erleichternden Zellpartien werden als D. bezeichnet. [P.) 

Durchlafizellen: i. s.Endodermis; 2. der Moosbiatter s. Charakterzellen. 

Durchliiftungsepithel s. Pneumathoden. 

Durchliiftungsgewebe, -raume s. Aerenchym und Durchluftungs- 
system. 

Durchliiftungssystem: Das D. besteht in der Regel bloB aus luft- 
erfiillten Interzellularraumen^ die ein zusammenhangendes System bilden und 
ihrer Funktion entsprechend alle iibrigen Gewebesysteme, die der Atmung 
Oder spezieller Aufgaben halber auf einen Gaswechsel Anspruch erhebenl 
durchziehen und durchdringen. Dazu kommen dann die maniiigfach ge- 
bauten Ausgangsolfnungen des Systems, die Pneumathoden (s. d.). — - 
In der Mehrzahl der Falle stellt sich also jedes Gewebe, wie z. B. das Assi- 
milationsgewebe, seine erforderlichen Durchliiftungsraume durch Auseinander- 
weichen der Zellen selbst her. In gewissen Fallen dagegen, namentlich 
dann, wenn es sich urn die Ausbildung groBerer Luftreservoire handelt, wird 
die Herstellung interzellularer Durchluftungsraume zur alleinigen Aufgabe, 
Oder wenigstens zur Hauptfunldion einer ganz bestimmten Gewebeart, die 
man als Durchliiftungsgewebe oder Aerenchym (s.d.) bezeichnen kann. 

Im allgemeinen konnen die Durchliiftungsraume in Form von Kanalen, 
Liicken und Spalten ausgebildet sein. Im, gewohnlichen Parenchym mit isodia- 



Durchwaclisinig — Ebenstrauli, 


l8l 

metrischen Zellen bilden die Interstitien enge »Kanale«. Wenn gestreckte Zellen 
reihenweise hintereinander liegen, dann kommen haufig sehr lange, langs der 
Zellkanten verlaufende Luftkanale zustande, z. B. im Laubblatt von Elodea 
canadensis^ Galanthus nivalis^ in der inneren primaren Rinde vieler Wurzeln. 
Sind diese, das betreffende Organ der Lange nach durchziehenden Kanale sehr 
breit, so bilden sie jene groBen Luftgange, die bei so vielen Suinpf- und Wasser- 
pflanzen samtliche Vegetationsorgane durchziehen. 

In Form von kommunizierenden »Lticken« treten Durchliiftungsraume haupt- 
sachlich im Schwammparenchym der Laubblatter auf. Die einzelnen Zellen sind 
meist von mehrarmiger Gestalt, und da sie bloB rnit den Enden ihrer armfdrmigen 
Aussackimgen in wechselseitiger Verbindung stehen, so kommt ein System von 
liickenformigen Hohlraumen zustande. Den Luftgangen analog sind die groBen 
polyedrischen Luftkammern, v/ie solche z. B. in den Blattern von Fistia^ Fon^- 
tederia und Levin a auftreten. 

Bilden die Durchluftungsraume :frSpalten«, so kdnnen diese, wie die Kanale 
und Liicken, entweder zwischen den einzelnen Zellen auftreten (z. B. Myrta- 
ceen) oder ganze Sekretlamellen voneinander trennen (viele Monokotylenblatter). 
(Nach Habeulandt.) Vgl. auch Pneumathoden. (F.) 

Durchwachsiing == Prolifikation, s. d. 

Dyaden s. unter Gonotokonten. 
dynamische Anisoti^opie s. diese. 
dynamische Scliiclit s. hygroskopische Bewegung. 
Dynamogenesis. Das »Gesetz derD.« gilt nach Jennings (D. Verhalten 
niederer Organism. 1910, S. 453) nicht nnr fiir die Bewegungen beim Menschen 
(Baldwin, J, Mark, Mental developement in the child and in the race. New 
York 1897, S. 167) sondern auch fiir niedere Organismen. Es besagt: Der je- 
weilige physiologische Zustand ist als ein dynamischer (nicht statischer) Veran- 
derungen unterworfen. Erstens besteht die Tendenz, Bewegungen herbeizufilhren, 
die oft wieder zu soldi en Bedingungsanderungen ftihren, welche den physiologischen 
Zustand stbren. Ist dies nicht der Fall so zeigt sich auch bei gleichbleibenden 
auBeren Bedingungen die zweite Tendenz einen gegebenen Zustand in einen 
anderen und von ihm verschiedenen aufzuldsen. Fiir diese zweite Tendenz gilt 
das Gesetz, daB sich der Ubergang eines Zustandes in einen anderen (unter der 
fortgesetzten Wirkung eines auBeren Agens oder in anderer Weise) allmahlich 
immer leichter, im Laufe der Zeit sogar spontan vollzieht (s. auch Mneme). Das 
Verhalten eines Organismus hiingt somit nicht aiisschlieBlich vom jeweiligen 
auBeren Reiz ab, sondern auch von friiheren Reizen und Reaktionen, von fort- 
schreitenden inneren Veranderungen infolge von Stoffwechseiprozessen und vom 
^Gesetze des Ubergangs der physiologischen Zustande ineinander<^ (L,) 
dysgeogen s. eugeogen. 
dysoxydabel s, Autoxydation. 
dysphotische Stufe s. aphotische Stufe. 
dy strop, Dystropie s. eutrop. 

|E. 

E. == ExzeB s. d. 

Ebenstraufi (Corymbus): Bezeichnung fiir eine zusammengesetzte In- 
floreszenz, derea letzte Zweige alle in einer Ebene endigen, z. B. bei Sam- 
biims, Vgl. auch Schirmrispe, ( W.) 


XB2 


Echard — einhemiische Eflanzen. 


Echard s. Holard. 

edit© Quiide nexint man bei Bluten Quirle, welche aus den direkten 
Achselprodukten quhiig gestellter Blatter gebildet sind, im Gegensatz zu 
Scbeinquirleir. ( W.) 

EckenkolXenchym s. Kollenchym. 

Ecksepten der Diatomeen s. Bacillarien. 

cdapliisch nennt man nach. Schimpers (Pflanzengeographie S. 175) 
Vorgang alles auf den Boden bezugliche^ besonders im Gegensatz zu kli- 
matiseben Momenten. (D.) 

edapMsche Foi^mationen der Pflanzengeographie: Nach SCHIMPER 
(Pflanzengeographie S. 175) muO man »zwei okologische Formationsgruppen 
unterscheiden : die’ klimatischen oder Gebietsformationeiij deren Vegeta- 
tionscharakter dutch die Hydrometeore beherrscht, und die edaphischen 
Oder Standortsformationen, wo er in erster Linie dutch die Bodenbeschaflen- 
heit bedingt isU. Klimatische Formationen sind die meisten natlirlichen 
Bestande, e. F, z. B. der Galeriewald oder die Formationen des Salzbodens. {D.) 

Edaphon, Lebensgemeinschaft der dauernd im Boden lebenden Orga- 
nismen (Geobionten). Nach France, Das Edaphon, Miinchen 1913. {L.) 
Edapliophyten (Schroeter). s. Euphyten. 

Edelreis s. Veredlung. 
effektorisehe Prozesse s. Reizvorgang. 

Ei = Eizelle, s, Befruchtung, Befruchtungstypen und Embryosack. 
Eiappai'at s* Embryosack. 

Eibefruchtung s. Befruchtung. 

Eicheii = ovulum, s. Samenaniage. 

Eigallen (Oocecidlen), die von dem Ei eines gallenerzeugenden tieri- 
schen Parasiten veranlaflten Gallen; vgl. aiich Larvengallen. {Kst) 
Eigengestaltiing = Automorphose, s. d. 

Eigenrichtuiig (Pfeffer, I. Aufl., II. Bd., S. 286) = Autotropismus, s, d 
Eigenwinkel s. Geotropismus. 

Eikern == Kern der Eizelle. 

Eiknospe == Sporenknospe, s. d. 
einaclisig == haplokaulisch, s. SproPfolge. 
ciiiartige Kreiizimg s. Bestaubung. 

EiiiTbiattrigkeit, abnorme Reduktion ziisamraengesetzler Blatter auf ein 
Teilbliittchen {'^Fragaria vesca inonophyUa<i), [Kst^ 

eiiifaclirige Anthere = monothecische Anthere, s. Androeceum. 
ciiifacliinge Sporangien der Phaeophyceen s. unilokulare Sporangien. 
Eingangszellen. Unter E. versteht Rudolph (S. Ak. Wien. CXX, 1911, 
S. 3) die fur den Spaltoffnungsapparat der Palmen charakteristischen , meist in 
Vierzahl auftretenden Hypodermzellen, welche den Eingang in die innere Atem- 
hcihle iimgrenzen. (S. auch Spaltoffnungstypen, pbyletische u. zwarPalmentypiis.) (A) 
eingeschlechtige Bliiten = dikline Bliiten, s. Bestaubung. 
einhaiisig s. Bestaubung. 
eiiihaiisige Musci s. paroezische Musci. 

cinheimisclie Pflanzea (indigene; engl. native; proanthrope 
Asciiekson in Wiss. Meeresunters. Helgoland N. F., IV, 1900, S. 92!.): 



einjalirige Pflanzen — Ektoplasma. 


I8: 


Sippen, die in einem gegebenen Gebiete vor dem Menschen existierten, 
Oder wenigstens ohne seine (direkte oder indirekte) Hilfe eingewandert sind. 
Man. kann sie bezeichnen (nach Thellumg, La flore adventive de Mont- 
pellier 1912, S. 631 f.) als »wild« (ira Gegensatz zu kultivierten Gewaclisen), 
Oder als »urwuchsig« (im Gegensatz zu zufallig eingeschleppten). (D.) 

einjalirige Pflanzen = annuelle Pflanzen. 

Einsatz der Bliite: Die Art und Weise, wie sick die Perianthblatter 
einer typisch vorblattlosen Bliite zum Tragblatt stellen. Vgl. Eichler I, 
S. 31. S, auch BlutenanschluD. (W.) 

Einschmelzung s. Katachonie. 

einseitige Bastarde bzw. einseitig spaltende B. s. Bastarde. 

einstufig = haplokaulisch, s. Sprofifolge. 

Eintagsbliiten (Keener) s. ephemere Bliiten. 

Einzelendoderinen s. Endodermis. 

Einzelschwelle s. unter Reizstarke. 

Einzelsporangien der Myxomyceten s. Plasmodium. 

Eisenbakterien (Winogradsicy, B. Z. 1888, S. 261), eine Gruppe von 
Bakterien, welche in eisenhaltigen Wassern auftreten und durch ihre Fahig- 
keit, Eisenoxydverbindungen in ihrer gallertigen Hiille abzulagern, aus- 
gezeichnet sind. {Chlamydothrix ochracea, Chl.frrrugmea, Cladotkrix dicho- 
toma u. a.) (H. MOLISCH, Die Eisenbakterien. Jena igio — R. Lieske, J. 
w. B. 1911, S. 91 u. igi2, S. 328). (i.) 

Eisodialoffnung s. Spaltoffnung. 

Eiweififaulnis s. Faulnis. 

Eiweifiorganismen s. Stickstoffassimilation. 

Eiweifischliluche: i. Die mit plasmatischeni Inhalt gefiillten Gefafl- 


hyphen in den Myzelstrangen von Mertdms domesticus und anderen Basidio- 
myceten. [F.) 2. s. Myrosinzellen. 

Eizelle s. Befruchtung, Befruchtungstypen und Embryosack. 

Ekblastesis (Engelmann), seitliche Durchwachsung einer Bliite (nach 
Bildung einer Knospe in der Achsel eines der Bliitenorgane) , iiber frondi-, 
flori- und racemipare E. vgl. Diaphysis (Penzig, 1910). {Kst.) 

Ekdysis nennt Kofoid die bei der Freiwerdung der Zysten der Peridineen 
erfolgende Sprengwng der alten tliille (Lemmermann, III, S. 5 ^ 4 )- (-^O 

Ekelblumen s. Fliegenblumen. 

ekphorische Erscheinungen (Reize) s. mnemische Erregung. 

Ektauxese (Weisse) s. Auxesis. 

ektogene Erregung (Semon, Das Problem derVererbung envorbener 
liigenschaften, Leipzig 1912) = Erregung durch auflere Rdze. 

ektogene Orthogenese, Ektogenese (Plate), s. Orthogenesis. 

Ektoparasiten s. Parasitismus. 

ektophloische Siphonostele s. Stele. w 

Ektoplasma nennt man bei Myxomyceten die konsistente Hullschi 
der Protoplasmamasse im Gegensatz zu dem flussigen ftotop as^ma im nnern 
(dem Endoplasma). - Bei Bakterien wird unter E f 

Zentralbl. f. Bakter., Abt. I., Bd. 53) eine auBere Zone bezeichnet, 
dann noch weiter in »Rindenschicht«. und Membran g le er , 



i84 


ektospore Myxomyoeten — Elateren. 


ektospore Myxomyceten s. Plasmodien. 
ektotrop (Pollenschlauchverlauf) s. Chalazogamie. 
ektotrophe Cephalodien s. d. 
ektotroplie Mykorhiza s. Mykorhiza. 

Elaioplasten oder Olbildner naiinte Wakker ia J. w. B. XIX, 1888, 
S- 475? plasmatische Inhaltskox'per des Protoplasten, die er bei Vanilla plani- 
foha^ uad zwar besonders ia der Epidermis junger Blatter, aufgefunden hat. 
Solche E. wurdea spater noch bei andern Orchideen uad Liliaceea usw., 
3 a auch bei Psilottim uad vereiazelten Dikotylen [Gaillardia) entdeckt, s. 
Beer (Ann. of. Botan. 1909). Sie besteheii dabei aus einem plasmatischen 
Stroma und zahlreichen, sehr kleinen Oltropfchen; nach Beer (1. c.) 
gehen sie direkt aus ZiisammenflieBen von Plastiden hervor. In alteren 
Organen enthalten die E. meist einen oder mehrere Hohlraume. Uber ihre 
Bedeutung ist man sich noch nicht recht klar. Eine ganz andere Natur 
besitzen die zuerst von Pfeffer (Flora 1874) geschilderten Olkdrper der 
Lebermoose, die nach Garjeanne (Flora 1903) nur eine eigene plasmatische 
Wan dung, die urspriingliche Vakuolenwand, aufweisen (s. auch K. Muller, 
Ztschr. f. phys. Chemie 1905). S. auch die Zusammenfassung bei Stras- 
IRFRGKR (Progr. I, 1907, S. 100); hier noch einige weitere Angaben liber E. 
erortert, die sich auf kugelige >>01- und Fettkorper« beziehen, die bei Com- 
bretaceen, Sapindaceen, Gramineen usw, beschrieben und von LiDFORSS 
(Fysiogr. Sallsk. i Lund Plandl, 1893) als Elaiospharen zusammengefaBt 
warden. MOLISCH beschreibt als E. (s. K 0 STER in Handw. d, Naturw. 1913, X, 
S. 764) noch gewisse in Milchsaft einiger Euphorbiaceen schwimmende und 
fettumschlieBende, plasmatische Kugeln. — In Flora Bd. 92, 1903, spricht 
ferner C. MereschkowSKY liber gefarbte E, bei den Bacillarien und teilt 
diese in folgender Weise ein: in Sparsioplasten: veranderlich in Zahl 
und Lage, und in Stabiloplasten: bestimmt in Zahl und Lage. Die letzteren 
zerfallen wieder in Plakoplasten: den Chromatophoren anliegend, und in 
Libroplasten: frei langs der Mittellinie der Zelle. E. resp. Lipoplasten 
beschrieb endlich auch ScHtlTT fiir die Peridineen (vgl. auch Kuster in 
I-Iandwdrterb. d. Naturw. 1. c.). (71) 

Elaiosom. Von Sernander eingefiihrte Bezeichnung fur die olhaltigen 
Anhangsel zahlreicher Samen, welche von den Ameisen gefressen warden, 
wodurch die Verbreitung der Samen erfolgt. {PI) 

Elaiospharen s. Elaioplasten. 

Elastikotropismus, Beeinfiussung der Wachstumsrichtung durch 
Spannungszustaiide im Substrat; darauf beruht nach JACOBSEN, Eisen- 
;iiERG u. a. das eigenartige, federformige Wachstum von -Bad. Zopfii 
Kurth, auf Serumnahrboden (Eisenberg, Zentralbl. f. Bakt., Bd. 48, 1908, 
S. 125). {L.) 

Elateren der Equisetaceen: Bei den Equisetaceen besteht die Sporen- 
hulle aus vier Plauten, namlich den E. als auBerste Haut, dann der Mitt el- 
ha 11 1 (Strasburger), darunter der Innenhaut und nach dieser der Intine 
(Li'B'i’GiiB). Ob letztere noch als Sporenhaut aufzufassen, ist nicht sicher. 
Die V. bestehen (Fig. 99) aus zwei — unter der Einwirkung von Feuchtig- 
kcit — spiralig urn die Spore umgerollten, bei Trockenheit abgerollten 



Elateren — elektive Kulturnietliode. 


schmalen Baudern, die an ihren.Enden spatelfdrmig verbreitert uiid auf der 


AuOenseite deutlich gestreift sind. 
Schichten dlfferenziert. (Nach Sa- 
DEBECK in E. P. I, 4, S. 534.) 

Nach Wettstein (I c. S. 313) 
sind die E. Einrichtungen zum 
Transport durch den Wind, die 
beim Anlangen an einem feiichten, 
der Keimung giinstigen Ort zu 
funktionieren aufhoren. {K.) 

Elateren: i. der Hepaticae 
s. Sporogon der liepaticae; 2. der 
Myxomyceten s. Plasmodium. 

Elaterentrager s. Sporogon 
der Hepaticae. 

Elaterium (Richard, Anal, 
d. fruit 1808) = Regma. 

Elateroplasten, Nach Frl. 
KrAnzlin (Archiv. f. Protistenk. 
Bd. 9, 1907) sind die Myxomy- 
ceten- Elateren von zentrosomen- 
ahnlichen Blepharoplasten abzu- 
leiten. Diese sollen bei einer 
:^heteropolen'i‘ Kernspindel zutage 
g'etreten sein. (S. auch KtiSTER 
in Handwort. d. Naturw., Bd. IX, 


Sie sind hygroskopisch und in zwei 









Fig. 99. Ausbildung der Sporen von Etjttisciiwi 
HeUocharh : A unreife Spore mit dreiHauten {/— j?) 
friscE im Wasser; B dieselbe nach. 2 — 3 Minuten 
im Wasser, die aubere Flautschicbt (j) hat sich 
abgehoben; man sieht neben dem Zellkern eine 
grobe Vakuole; C beginnende E 1 ate renbil dung 
an der anberen Haut e{e ^ i in A nnd B]. D und 
E alinliches Entwicldungsstadium im optischen 
Durchschnitt nach zwolfstlindigem Liegen in Gly- 
zerin; c die die Elateren bildende Haut, a und g 
die voneinander abgehobenen, inneren Haute; F 
die aubere Haut in schraubige Elateren zerspalten, 
diese durch Chlorzinkjod geftirbt (Soo/i). 

(Nach Sachs.) 


1914, S. 761.) (7'.) 

Elektion: Vergleiche aucli unter Darwins Selektionstheone! DE Vries 
sagt (II; S. 667): fiir DarwiN war es die Hauptsache, daB der Kampf 
urn’s Dasein, dieser seitdem so vielfach miOverstandene Wettkampf, 
aus einer »planlosen Variabilitat* auszuwahlen hatte. Die ^naturliche 
Auslese« ist ein Sieb, sie schafft irichts, wie es oft falschlich dar- 
gestellt wird, sondern sichtet nur. Wie das, was sie siebt,_^ entsteht, 
sollte eigentlicb auBerhalb der Selektionstheorie liegen. Die Selektion 
ist die Elimination der Minderwertigen, wahrend die Auswahl der Vorziig- 
lichsten Elektion ist und zur Elite fiihrt, wie z. B. bei der Zuchtwahl der 
Riiben und des Getreides, oder wie A. KUYPER sagt (Evolutie, 1899, S. ii): 
Selektion. zielt auf Erhaltung der Arten, Elektion ist die Auswahl von Per- 
sonen. — Nach DE Vries (Mutationstheorie II) im Gegensatz zu DarwinS 
Selektion gepriigt. (71) 

Elektion. von Nahrstoffen s. elektiver Stoffwechsel. 

elektive Kulturinethode (Nahrboden). Die Zusammensetzung der 
Nahrboden kann entweder so gewahlt warden, daB das Substrat fur moghchst 
viele Organismen (spz. Bakterien oder Pilze) geeignet ist (kollektiye Nahr- 
boden bzw. Kulturmethoden) oder man bevorzugt namenthch zur Isolieru^ng 
einzelner Arten die von WINOGRADSKY (1895) eingefiihrten elektiyen JNanr- 
bdden, deren Zusammensetzung den spezifischen Bedurfmssen der jeweihg 



elektive Ke7.eptoren — Elemente des Arteabestandes. 


186 

2u imtersuchenden Art angepaftt sind. Lit. u. a. in Lafar, Handb. d. techn. 
MykoL S. 305. Vgl. Reinkultur. [L,] 
elektiYe Rezeptoren s. Rezeptoren. 

elektiyer StoffwechseL Stehen der Pflanze gleichzeitig verschiedene 
Kohlenstoff- oder Stickstoffverbindimgen zur Verfligung und ist deren Zu- 
sammenwirken nicht erforderlich, dann gilt nach Pfeffer (J, w. B. 1895, Bd. 28) 
die speziell fur Pilze erwiesene Regel, daB der qualitativ bessere Nahrstoff 
intensivcr oder sogar aiisschlieBlich aufgenommen wird, daD mit anderen 
Worten der bessere Nahrstoff den schlechteren vor dem Verbrauche schiitzt. 
So nimmt Asj^crgilhis nigcr aus einer Nahrlosung, welche neben 1% Glyzerin 
6^/0 Dextrose enthalt nur diese auf, wahrend die reichlichste Darbietung von 
Glyzerin selbst Spuren von Dextrose nicht vor der Verarbeitung schiitzt. 
(Elektion orgaiiisclier Nahrstofife.) (L.) 

Elektrizitiltsprodllktion ist mehrfach an Pflanzen beobachtet worden 
imd hiiiigt innig mit den Lebensvorgangeii zusaminen, Elektrische Potential- 
(lifferenzen kdnnen Uberallin Eracbemung treten, wo chemische oder physikalische 
Differenzcn an benacbbarten Stellen anftreten, also aiich innerhalb einer Zelle, 
doch ist weder liber die Ursache der E. noch tiber ihre biologische Rolle im 
Pflanzen organismus Naheres bekannt. »In der Schaffung von freier Elektrizitat iind 
in der Aiisbiklung von elektrischen Potentialdifferenzen tritt uns ebenso wie in der 
Bildnng von Warnie iind von Temper aturdifferenzen nur die Resultante aus einer 
unbekannten Zahl von Prozessen entgegen. Es ergibt sich demgemaB Thermo- 
neutralitat bzw. Elektroneutralitat, wenn die Gesamtsiimme der positiven und 
negativen Werte = Null wird.« (Pfeffer, II, S. 861, Ausfiihrliches in Biedermann, 
Pllektrophysiol. Jena 1893.) (A.) 

Elektrizitatsi’eize s. Reiz. 

Elektroneutralitat s. Elektrizitatsproduktion. 

Elektrosis s. Reaktion. 

Elektrotaxis == Galvanotaxis s. d. 

Elektrotropismus s. Reiz und Galvanotropismus. 
elementare Arten s. Art. 

eleinentare Eigenscliaften oder innere und wesentliche Eigenschaften 
kann man die Einhciten nennen, aus denen die Lebewesen aufgebaut sind 
(DE Vries Mutationstheorie 11 ). Sie bilden fiir die Theorie die Einheiten, 
welche den sichtbaren Eigenschaften und Merkmalen zugrunde liegen. Niemals 
aber darf aus dem Verhalten der letzteren ohne weiteres auf die elementaren 
Eigenschaften geschlossen werden. Einen Weg exakt in die Konstitution 
dieser »Elemente der Art « einzudringen, haben wir in der Bastardanalyse 
(s. d.). — Das Wort »elementare Einheit« ist in der neueren Forschung 
ganz durch das »Gen« (Erbeinheit) s. d. verdrangt worden. ( 71 ) 
elcmentarenergetisclie Situation s. engergetische S. 
Elementarorgan, Elementarorganisnius s. Zelle. 

Elemente der Art s. elementare Eigenschaften. 

Elemente des Artenbestandes. Fiir pflanzengeographische Zwecke 
rnuB haufig der Artenbestand in gewisse Klassen eingeteilt werden, in so- 
genannte Elemente. Diese Klassenbildung kann von verschiedenen Gesichts- 
punkten aus geschehen, von rein raumlichen, von genetischen oder von 
hi.storischen. 



eleutheropetale Bliiten — Embryo. ig^ 

Danach lassen sich, wie M. Jerosch (Geschichte und Herkunft der schwei- 
zerischen Alpenflora, Leipzig 1903, S, 70 ff.) betonte, nnterscheiden : 

1) geographische Eleniente: die Arten mit ahnlicher Verbreitung. 

2) genetische Elemente: die Arten mit ahnlichen Entstehungs- und Aus- 
strahlungsgebieten . 

3) historische Elemente: die Arten mit ahnlicher Einwanderungszeit. 

4) migratorische Elemente: Die Arten mit ahnlichem Einwanderungsweg. 

Diese verschiedenen Elemente entsprechen »nach Zweck, Ausgangspunkt und 

Ausdehnung sich scharf unterscheidenden Fragestellungen«, miissen also deutlich 
auseinander gehalten werden, tlbrigens gilt die Elementzugehdrigkeit bald ab- 
solute bald nur relativ fur ein bestimmtes Gebiet, — Vgl. auch Rikli, Richtlinien 
der Pflanzengeographie in Abderhalden, Fortschr. naturwiss. Forsch. Ill, 1911, 
S. 304. (Z).) 

eleutheropetale Bliiten, solclie mit freien Kronblattern. 

eleutherosepale Bliiten, solche mit freien Kelchblattern. 
elentherotepale Bliiten, solche mit freien Tepalen. 

.Elimination: Nach Plater Ub. die Bed. d. Darwinschen Selekt,, 2. Aiifi.; 
1903, S, 88, kann man folgende Formen der nattirlichen E. (Auslese, Se- 
lektion) nnterscheiden^): 

1. katastrophale E. : Massenvernichtung ohne Riicksicht auf individuelle 
Organisationsunterschiede (ihdiskriminate Destruktion Morgan). Sie findet statt in 
zwei ziemlich verschiedenen Formen: a) als simultane Massenvernichtung 
zahlreicher Individuen durch groBe, physische Gewalten (Wolkenbriiche, Erd- 
beben usw.). — b) als Einzelvernichtung, wenn Eier, Jugendformen oder 
reife Geschopfe zufallig in so ungtinstige Bedingungen geraten, daB jede Mdg- 
lichkeit, das Leben zu erhalten, ausgeschlossen ist. 

2. Personal-E. : Vernichtung einzelner Individuen auf Grund unvollkomme- 
ner Anpassung. Ihr Resultat ist die »naturliche Zuchtwahl«, das Uberleben der 
iin Kampf ums Dasein bestausgertisteten Individuen. 

a) E. durch unbelebte Gewalten (klimatische Faktoren, Krankheiten mit Aus- 
schluB der infektidsen). Es siegt die starkere Konstitution = Kon stitution al- 
ii amp f. 

b) durch belebte Feinde, welche einer andern Art oder Varietat angehoren, 
einschlieBlich Parasiten, Bakterien = Int er spe zial- oder Intervarietal- 
kampf. 

c) E. durch die Artgenossen = Intraspezialkampf, Wettbewerb um Nahrung, 
Raum, Gelegenheit zur Fortpflanziing (sexuelle Selektion). 

Naheres bei Plate, 1 . c, der sich im wesentlichen an LloyD Morgan, Animal 
life and intelligence (1890/1) anschlieBt. 

Elko(ti’Opisnuis) s. unter Reiz. 

Ellipsenzellen s. Grasepidermis. 

Embryo. Die junge Anlage ziim neuen Pflanzenkorper heifit Embryo 
Oder Keim, ihre weitere Entfaltung die Keimung (s. d.) 

In der Zeit, wo der bei den Phanerogamen im Samen (s. d.) eingeschlossene 
Keim von seiner Mutterpflanze abgeworfen wird, weist er schon jene Glie- 
derung auf, wie sie dem kormophyten Pflanzenkorper zukommt. Er wird 
geschiitzt durch die Samenschale. Reichlich aufgespeicherte NahrstoIFe in ihm 

Man vgl. ferner: Askenasy, Beitr. zur Kritik d. Darwinscben Lehre, 1872,- S. 43 ff und 
Gulick, in Journ. Lin. Soc. (Zool.) V. 23, 1890, S. 329!!., auf deren Klassifikation bier nicht 
eingegangen werden kann, sowie Kassowitz, Allg. Biologic V. 2, 1899, S. 13 1. 



I8B 


Embryo. 


Bclbst Oder den ihn umgebendea Sameiiteilenj haben fiir seine Ernahrung* 
Wcihrend der Keimung zu sorgen. Man hat die einzelnen Glieder des phanero- 

gamen Keimes in besonderer Weise 
bezeichnet. Und zwar unterscheiden 
wir (vgl. Fig. too) seinen Stammteil 
als Hypokotyl (oder hypokotyles 
Stengelglied), seine ersten vom 
Hypokotyl getragenen Blatter als 
ICeimblatter oder Kotyledonen. 
und seine Wurzel als Wiirzelchen 
oder Radicula. Die Zahl der Koty- 
ledonen ist bei den Dikotylen meist 2 , 
bei den Monokotylen i, bei den Gym- 
nospernien dagegen treten oft zahl- 
reiche auf. Zwischen oder neben den 
Kotyledonen steht das Knospchen 
oder die Plumula, aus dem sich der 
erste SproB der Pflanze entwickelt, 
dessen erstes Stammglied Epikotyl 
genannt wird. 

In den endospermbaltigen Samen liegt 
der E. entvveder ganzlich im Endosperm 
(s. d.) eingebettet oder er liegt dem Nahr- 
gewebe seitlicli an [Gramineae]\ ist der 
E. selbst mehr oder weniger kreisformig 
gebogen, so kann es vorkommen, dal 
er das zentrale Endosperm nmschlieBt. 

Die Radicula des E. hat immer ihi*e 
Spitze der Mikropyle zugekehrt; daher 
ist die Richtiing des E. in einem Samen, 
welcher aus einer orthotropen Samen- 
anlage bervorgegangen ist, entgegengesetzt der Richtung der Samenanlage selbst; 
mit Rtlcksicht darauf bezeichnet man einen solchen E. als^antitrop. In einem 



A n C J) i: F G 

Fig. loi. Scbematisclie Darstelhmg der Embryonen von Cruciferen: A — D — 

Samen: A von Htitchmda alpina mit notorrhizem Embryo und incumbenti 
1 ) von Thiaspi amuse: pleurorrbizer Embryo, accumbente Kotyledonen; C von Sinapis alia: 
ortboploker Embryo, konduplikate Kotyledonen; D von Cahpina Corvini: eiii Zwischenstadinm 
zwischen gewolbten und gefalteten Kotyledonen zeigend; E Langsschnitt des Samens von 
LcphUzm perfoliahitn mit notorrhizem Embryo* t y, Samen von Heliophila 
aniAlcxicanlis mit diplekolobem Embryo; (7 . ' ■ ' V ■ ■ von Erticaria aleppica. 

(Nach PRANTL.) 

nils einer anatropen Samenanlage entstandenen Samen wird naturlich die Radicula 
mit ihrer Spitze dem Nabel zugekehrt, nicht abgekehrt sein, wie am antitropen 
ill.; ein solcher E. wird homotrop genannt. Ein gerader E. in einem Samen, 



P'ig. 100. Keimiing von Liunm- usitatissimwn : 
s Samen, r Wiirzelchen (Radicula), A Hypo- 
kotyl, ^ Kotyledonen, /Plumula, (Nach Frank.) 



Embry okiigelchen — Embryo sack. I 3 q 

welcher aus einer kampylotropen Samenanlage hervorgegangen ist, wird amphitrop 
genannt. 

Die geraden E. sind mit den kreisfdrmig gebogenen Formen der Centrospermae 
durch vielfache tibergange verbunden. Wie verschieden iibrigens innerhalb » einer « 
Familie die Form iind Lage des E. im Samen sein kann, lehren die Crudferen^j. 
Dort lassen sidi folgende Hauptformen imterscheiden (Fig. loi), die z. T. audi 
bei anderen Famiiien wiederkehren. Ist der E. so gekrtimrQt, daB die Radicula 
der Kante der beiden flach aufeinander liegenden Kotyledonen anliegt, so heiBt er 
pleiirorrhiz {B) oder seitenwurzelig, die Kotyledonen sind anliegend 
(accumbent); dieser Fall kann durch das Zeichen o = ausgedriickt werden 
(A/'aMSj Barharea^ Draha^ Acer peimsylvanicmn). Bei Sisymhrmm u. a. ist der E. 
auch einfach gekrtimmt imd die Kotyledonen sind fiach, aber die Radicula liegt 
dem einen der beiden Kotyledonen an; der E. heiBt hier notorrhiz {A) oder 
riickenwurzelig, die Kotyledonen sind aufliegend (incumbent) : o||. Denkt 
man sich beide Kotyledonen eines solchen E. in der Mitte zusammengelegt und 
die Radicula in die Rinne aufgenommenj so heiBt der E. orthoplok (C), die 
Kotyledonen sind konduplikat [Brassica^ Raphamts usw.}: o». Bunias besitzt 
einen spiroloben E. , d, h. einen E., dessen Kotyledonen spiralig aufgerollt 
sind, so daB auf deni Querschnitte jeder Kotyledon zweimal getroften wird: o|j||. 
Endlich begegnet man bei Senebiera^ St^hzdaria^ Acer peudoplatanus usw. einer 
Form, die man diplekolob [F) nennt; hier sind die Kotyledonen so hin und 
her gebogen, daB sie auf dem Querschnitte des Samens drei- bis viermal sicht- 
bar werden: olll|||; ihre Spitzen liegen in der Nahe der Radicula. (Nach Stras- 
BURGER und Pax.) (Vgl. Weiteres besonders unter Samen.) 
Embryokiigelchen s. Samen. 

Embry ologie: das Stadium der ontogenetischen Entwicklungsvorgange 
(vgl. Ontogenese unter Phylogenie). 

embryonale Generation = Sporophyt s. Generationswechsel. ^ 
embryonale Substanz: liber diesen Begriff sagt Noll (Biol. C., XXIII, 
1903) S. 286: Went! in den folgenden Ausflihrungen von »e. S.«, von >e. 
Plasma « die Rede ist, so sind wir also wohl berechtigt dabei von der Pra- 
existenz gesondert gedachter, praformistischer »Anlagen« abzusehen und 
den embryonalen Zellen in ihrer Totalitat die Macht zuzugestehen, die 
morf/hologischen, histologischen und physiologischen Differenzierungen aus 
sich selbst heraus, bzw. unter Mitwirkung bestimmter Bedingungskomplexe 
zu entwickeln und von Fall zu Fall rein »epigenetisch«, aus bestimmten 
Zustandsanderungen der gegebenen Materie »erst auszubilden « , wie 
auch das Wasser die Fahigkeit, die »Anlage« zu kristallisieren, erst unter 
bestimmten Zustandsanderungen und unter einem Bedingungskomplex ge- 
winnt und ausftihrt, in dem Temperaturen unter Null von wesentlicher Be- 
deutung sind. (Vgl. auch unter Somatophyten.) ( 71 ) 

Embryonalzelle der Archegonien s. d. 

Embryosack: Vgl. auch Gynoeceum und Samenanlage (s. Fig. 102 bis 
1 05). Bei den Gymnospermen und Angiospermen wird die in der Samenanlage, 
clern Makrosporangium, entstehende, der Makrospore der heterosporen Fame 
homologe Zelle als F. bezeichnet. Wie die Makrospore der GefaBkrypto- 


X) Nach Solms-Laubach, in B. Z., 1903, S. 7 L genannten Ausdrucke 

xneist von POMEI., Mat^riaux pour la fiore atlaiitiqiie, Oran (isoo). 



Kmbryosack. 


1 yo 


gamcn gcht auch dcr 
lune schon friihzcitig 
licfert bei clcu Gyinnospermea xiach 
eiuer in clcn einzelncn Gruppen wech- 
selndeii Auzahl von Teilungen g'egen die 
Mikropylc zii mehrere Schicht- oder 
Tapetcnzellcn (Fig. 102 ^2?), gegen 
das Inticre der Samenanlage zii in der 


E. aus dem Archespor (s. d.) hervor (Fig. 102 s/), 
durcli ihre GroBe auffallende Zelle des Archespors 



Kig'. IQ2. CaUitris quadrivahis : Langsschnitt 
(lurcK die Samenanlage; A sclnvach, JS stark 
vergri-l'i i ; ,/V;' Ti.-.e.:ument, NncellnSj ^^spo- 
rfi|rrner (Archespor), in J 3 stUrker 

vergruhert; cine dieser Zeikn wird spiiter 211111 
Knihryosack (Macrospore), die amleren sindstcril; 
t Tapctcnzellen. (Nacli Goeijel.) 



Kig. 103. Enibryosack eiiicr Gymiiosperme 
[Zamia Jloridand], Im vielzelligen Pro- 
thallium oben zwei Arcliegonieii am 
Griinde der Pollenkammer. 

(Nacli Webber.) 


Regel eine einzige (seltenermehrjEmbryosack- oderMakrosporenmiitter- 
zelle. Diese bildet nacli zweimaligcr Teilung 3 — 4 Tochtei'zellen, deren unterste 



lo.p Ihitwicklung des Archegons eincr Gymiiosperme [Diooii edttk). I in der Mittc die 
.NiuHerzellc des Archegons. 2 erste Teilung derselbcn in die Plals- nnd Zentralzelle. j zweite 
Teilung. JJildiiiig der Idalszellcn. 4 Kernspindel des Zentralkernes. Oben der spatere Bauch- 
kanalkern, unten der Eikern. (Nach Chamberlain.) 



Embryosack. 


igi 


die Schwesterzellen aii Wachstum bald iiberflugelt iind verdrangt. Die 
unterste dieser Viererzellgruppe, welche der Tetrade der Pollenkorner (Mikro- 
sporen) homolog ist, stellt den jungen E. dar. 1 st dieser herangewachsen, 
so erfiillt er sich von der Peripherie aus durch freie Zellbildung mit einem, 
dem Prothallium der heterosporen Fame homologen Gewebe, das demgemafi 
auch am besten als Prothallium zu bezeichnen (Fig. 103) ist. In alteren 



Incr IOC Entvvicklung des Embryosackes einer Anglosperme [Parnassia ^alusiris). /Embryosack’ 
muttmze le ' erste T J Tetradenbildung. 4 erste Teilung des jungen Embryosacke.. 

Teitog dritte^eflung. 7 fertiger Embryosack. Obeu Eiapparat, m der Mrtte 
(Jie beiden Polkerne, unten die Antipoden. (Nach PACE.) 


Schriftenwurde dasselbe vielfach Ea do sperm geaannt (wohl zu untersdieiden 
von dem seiner Entstehung nach ganzlich verschiedenen sekundaren h-ndo- 


sperm der Angiospermen). _ • t, „ 

Auf dem Scheitel des Prothalliums entstehen aus meist peripheren, der 

Wand des E. unmittelbar anliegenden Zellen die ^ ^ 

auch Corpuscula genannt. An der Spitze des Nuzellus, der ^eriuv , 
dagegen bildet sich durch Auflosung des nuzellaren Gewebes erne unreg 





Embryosackhaustormni — Empfangnisfleck. 


192 

maliig begrenzte Aushdhlung, die Pollenkammer (Fig. 103). Jede Mutter- 
zelle des Archegoniums zerfallt hierauf in eine groBe, untere Zelle, die 
Zentralzelle, nnd eine am Scheitel gelegene kleinere Zelle, die Hals- 
zelle. Die Halszelle liefert durch eine oder weitere Teilungen die spateren 
Halszellen des Archegoniums. Vom Plasma der Zentralzelle wird spater 
nach Teilung ihres Kernes durch eine bald verschwindende, zarte Membran 
die Bauchkanalzelle abgeschieden, wahrend der groBere iibrige Teil des 
Plasmas der Zentralzelle die Eizelle bildet, welche nach ihrer Befruchtung 
den Embryo liefert (Fig. 104). 

Bei den Angiospermen sind die Vorgange, welche im jungen Nuzellus 
zur Bildung des E. flihren, ziemlich analog. Das einzellige Archespor geht 
meist aus der hypodermalen Endzelle des axilen Zellstranges des Nuzellus 
hervor und liefert nach oben eine oder mehrere Schicht- oder Tapeten- 
zellen, nach unteii die Makrosporen- oder Embryosackmutterzelle 
(Fig. 105). Diese teilt sich nun durch Querwande in zwei, dann vier Zellen. 
Wie bei den Gymnospermen entwickelt sich auch hier die untere derselben auf 
Kosten der Schwesterzellen weiter und wird zum E. Der Kern des jungen E. 
(primarer Embryosackkern) teilt sich und einer der beiden Tochterkerne 
wandert in das obere, der Mikropyle zugekehrte, der andere in das untere 
Ende des E. Jeder der beiden Kerne teilt sich nochmals und diese Teilung 
wiederholt sich bei jedem Tochterkerne; es liegen also am oberen und am 
unteren Ende des E. je vier Zellkerne ; die oberen bilden den Eiapparat, die 
unteren die GegenfiiBlerinnen oder Antipoden. Von diesen acht Zelk 
kernen umgeben sich je drei mit Protoplasma und Hautschicht und werden 
so zu nackten Zellen, wahrend je ein Zellkern unverandert bleibt. Die drei 
oberen Zellen, friiher alle als »Keimblaschen« bezeichnet, stellen den 
Eiapparat dar; eine derselben liegt etwas tiefer als die beiden anderen, es 
ist die Eizelle oder das Ei, die beiden anderen werden Gehilfinnen oder 
Synergiden genannt. Die beiden in die Zellbildung nicht mit einbezogenen 
Zellkerne (Polkerne) aus der oberen und unteren Zellgruppe riicken gegen 
die Mitte des E. und vereinigen sich dort zum sekundaren Embryosack- 
kern. Eiapparat und Antipoden stellen mithin zwei entwicklungsgeschichtlich 
vollkommen gleichwertige Zellgruppen desE. dar, Vgl. »Archegontheorie«. [P] 

Embi'yosackhaustoriiim s. Haustorien. 

Embryotr^er s. Samen. 

embryotropische Krummimgen (PIansgirg, 0 . B. Z., 1902, S, 273), 
an Keimpflanzen auftretende Krummungserscheinungen. 

Emergenzen s. Haare. 

emers : Organe von Wasser- und Sumpfpflanzen, die liber dem Wasser- 
spiegel vegetieren. 

emerse Bestande s. Flachmoor. 

Emigrationshyphen s. Mykorhiza. 

Emissarien (Moll, in Medeelingen d. Konink. Ak. Wetensch. XV, 
18S0) = Hydathoden (ex Peeffer, I, 135). 

Empfangnisfaden == Trichogyn, s. Karpogon, 

Eiiipfangnisfleck nennt man an den Eiern die fiir die Aufnahme der 
Spermatozoiden bestimmte Stelle. Dort wo die Eier das Oogon nicht verlassen, 


Empfindliclikeit, Emp fin dung. 


193 


pflegen sie so orientiert zu sein, daB die Spermatozoen nur an dem Empfangnis- 
fleck mit dem Ei in Beriihrung kommen. Ein Empfangnisfleck kommt jedoch 
nicht bei alien Eiern vor; er fehlt z. B. den Eiern der Fucaceen sovvie den 
beweglichen Gameten. [&.) 

Empfindliclikeit, Empfindung. Wie schon Rothert bei seinen 
heliotropischen Untersuchungen (1894) betonte, ist scharf zu unterscheiden 
zwischen Empfindliclikeit (Sensibilitat) und Kriimmungs- (allgemein 
Reaktions-)fahigkeit. Unter dieser ist der »Komplex innerer Faktoren 
zu verstehenj welche die Krummung (Reaktion) beeinflussen« ; jene ist die 
Eigenschaft der lebenden Substanz einen Reiz wahrzunehmen, d, h. unter 
seinem EinfluB eine uns nicht naher bekannte Veranderung zu erfahren, deren 
Folgen schlieBlich zu einer Reaktion fiihren. Die Empfindlichkeit ist nur 
einer der Faktoren, welche die Reaktion bestimmen. 

Empfindlichkeit und Reizbarkeit (Irritabilitat oder Erregbarkeit) sind 
als verschiedene Eigenschaften zu betrachten, was schon daraus erhellt, daB sie 
lokal vollstandig getrennt sein konnen, wie es z. B. bei den Paniceenkeimlingen 
der Fall ist, deren Plypokotyl gegen einseitige Lichtreize selbst unempfindlich 
ist, wohl aber zu einer heliotropischen Krummung veranlaBt wird, wenn ein 
tropistischer Reiz vom sog. Kotyledo zugeleitet wird. Das Hypokotyl ist offen- 
sichtlich reizbar, da der zugeleitete Impuls Veranderungen im Hypokotyl 
hervorruft, welche zur Krummung fiihren, empfindlich ist jedoch nur der 
Kotyledo. Den genannten Eigenschaften des Plasmas entsprechen als zwei 
verschiedene Glieder des Reizvorganges (oder der Reizkette): Empfindung 
und Reizung oder besser Perzeption (Rezeption) undErregung. Die 
Vorgange bei der Reizung bestehen somit darin, daB zunachst durch den 
Reiz eine »primare Veranderung* im reizbaren Plasma- bewirkt wird; der 
Reiz wird — hinreichende Starke und Wirkungsdauer vorausgesetzt - — 
perzipiert oder empfunden (wahrgenommen). Die primare Veranderung be- 
dingt dann ihrerseits eine andere, sekundare Veranderung im Protoplasma, 
die Reizung (Erregung), die auf dr groBe Strecken fortgeleitet werden 
kann (Erregungsleitung, Reizleitung s. d.). (Im wesentlichen nach W. Rothert, 
Ub. Heliothropism. 1894, S. i64ff.) 

Die Eigenschaft des sensiblen Plasmas, einen einwirkenden Reiz wahrzu- 
nehmen, bezeichnet CzAPEK (J. w. B. 32, 1898) als Impressibilitat. Diese 
ist nur einer der Faktoren, welcher den Erregungsgrad oder die Exzitation 
(Czapek) bestimmt. 

Da wir auf die Erregung und siiezifische Sensibilitat ftir einen bestimmten 
Reiz nur aus dem Reizerfolg, d. h. der endgiiltigen Reaktion sclilieBen konnen, 
diese aber das Ergebnis sehr verschiedener Partialprozesse darstellt, in welche 
eine nahere Einsicht fehlt, mangelt es uns an einem bestimmten MaBstab fiir die 
GroBe der Erregung und den Grad der Empfindlichkeit. Ein RiickschluB aus der 
Reaktionszeit oder -groBe bzw. aus der Prasentationszeit ist daher in der Regel 
zu vermeiden. Froschel (S. Ak. Wien. 1908) gelangte hingegen durch Einfuhrung 
eines mathematisch definierten Begriffs der Empfindlichkeit zu einem zahlenmaBigen 
Ausdruck derselben. Die Empfindlichkeit eines Pfianzenorgans kann hiernach aus- 
gedruckt werden durch den reziproken Wert der Reizmenge, die in dem be- 
treffenden Organ eben noch eine Reaktion induziert, wobei unter Reizmenge das 
Produkt aus Reizintensitat und Reizdauer zu versteben ist. Im speziellen Falle 

Schneidei*, Bot. Worterbuck. 2. Aufiage. 


13 


194 


Kmpfinclimgsscliwelle — Endemlsimis. 


wurden wir daher die heliotropiscbe Empfindlichkeit i »jenem Pfianzenorgan zu- 
schreiben mtissenj in dem die Intensitat einer Normalkerze in einer Minute noch 
eben Heliotropismus induziert« . Bendtigt also die Intensitat i zur Hervorbringung 
einer eben noch merklichen Reaktion lo Minuten, so ware die Empfindlichkeit 
als 7x0 (Empfindlichkeitsexponent) zu bezeichnen^- 

S. aiicli unter Reizvorgang. (Z.) 

Empfindungsschwelle s. Reizstarke. 
empirisches Diagramm s. Bllite. 

emprosthodrom heiPt ein SeitensproB, wenn die Blattstellungsspirale 
auf dem Wege vom ersten zum zweiten Blatt die Vorderseite passiert. Das 
entgegengesetzte, weitaus haufigere Verhalten wird als Opistodromie be- 
zeichnet, ( W.) 

Emulsion, Emiilsionskolloide, Emulsoide s. Kolloid. 

Enaliden = Enhaliden, s. Hydatophyten. 

eiiantiostyl, Enantiostylie (Todd): Blliten, bei denen die Grififel 
bald rechts, bald links von der Bliitenachse bervorstehen, wahrend die Staub- 
blatter die entgegengesetzte Richtung besitzen. So ist z. B. bei Solamnn 
rostratimi die imterste Anthere stark verlangert und in eine am Ende auf- 
warts gekriimmte Spitze verschmMert; ebenso ist der Grififel aufwarts gebogen. 
Beide sind jedoch aus der Richtung der Bliitenachse nach entgegengesetzter 
Richtung gebogen, Es folgen nun in derselben Traube immer eine rechts- 
grifflige (dexiostyle) und eine linksgrifflige (aristerostyle) Bliite 
aufeinander, und die » gleichzeitig geoffneten« Bliiten desselben Zweiges sind 
entweder alle rechts- oder alle linksgrififlig (nach Kndth). 

Enationen sind saumartige Auswiichse auf Blattspreiten und Blumen- 
blattern. . Als normal auftretende E. sind vielleicht die Schuppen an Petalen 
von Caryophylleen, Sapindaceen, die Kronfilamente bei Passionsblumen, der 
Becher von Narcissus usw. anzusprechen. Teratologischerweise und nach 
Infektion durch Gallenerzeuger treten E. an den Organen verschiedener 
Pflanzen auf, welche normalerweise solche nicht entwickeln [Eriophyes fraxini 
auf den Blattern von Fraximcs u. a.), [Kst] 

Enchylein (Hanstein, Das Protoplasma 1880, 163, S. 39), die fliissigen 
Teile des Zytoplasma, korrekter: seine in wasseriger Losung befindlichen 
Teile (im Gegensatz zu den mit Wasser nicht mischbaren, fliissigen Bestand- 
teilen). Vgl. Zytoplasma und Protoplasma. ( 71 ) 

Endauxese s. Auxese. 

Eudemismus (de Candolle). Endemisch heiBt eine Sippe in bezug 
auf einen bestimmten Erdraum, wenn sie nur innerhalb dessen Umfang vor- 
kommt Genetisch ist der Endemismus sehr verschieden : er beruht teils auf 
Erhaltiuig alter Formen (konservativer, palaogener E., Palao-E.), teils 


‘) Es mufi hier nocli bemerkt werden, dafi manche der Her genaniiten Begriffe,, wie Enap- 
iinclmig, Walirnehmung usw. aus der psyckisclien SpEHe entnommeu sind und auf pliysiologische 
i’ro/x‘sse nur iin iibertragenen Shine, d. h. ohne psychische Nebenbedeutung, aiigewendet 
wcrdLMi. Die Begriffe werden iiberdies wie viele reizpliysiologisclie Termini von den einz einen 
Anioren in einigermafien verschiedenem Sinne gebraucht, worauf hier nicht ausfuhrlicher ehi- 
gegangcn werden kann. Das neueste Werk Verworns >Erregimg und Lahmung«, Jena I914 
koiintc hier keine Beriicksichtigung mehr linden. 



Enclemit — ^Endodermis. 


195 

auf Bildung neuer (progressiver, neogener E., Neo-E.). So ist Taxo- 
dittiii ein konservativer Endemit Nordamerikas, Hieracitim uigritum ein 
progressiver Endemit der Sudeten. Der E. ist sehr bedeutungsvoll fur ge- 
netische Fragen und fiir pflanzengeographische Gliederungen. [D.) ^ 

Endemit (Endeme): eine endemische Sippe, besonders Art; s. Ende- 
niismus. [D,] 

Endknospe s. SproB. 

Endknoten der Badllarien s. d. 

endobiotische Pilze s. Myzel. 

Endo chiton s. Epichiton. 

Endoclirom nennt Mkreschowsky (nach SchonfeldT;, Diatom. 
Deutschl. S. 24) die Chromatophoren einer Algen- (speziell Badllarien-) Zelle 
in ihrer Gesamtheit. [K,] 

Endoderm-Hypodermis = Interkutis, s. Hypoderm. 

Endodei^mis. Der Begriff E. wird von verschiedenen Antoren ver- 
schieden gebraiicht. Van Tieghem versteht darunter die entwicklungs- 
geschichtlich innerste Zellschicht der primaren Rinde, welche diese gegen 
den Zentralzylinder, die Stele (s. d,), abgrenzt. 

StrasburGER und die meisten deutschen Autoren bezeichnen als E. bloB 
die mit kutinisierten Radialbandern versehene, innerste Rindenschicht, wie sie in 
den Wurzeln, Rhizomen und Stengeln von Wasserpflanzen auftritt, und stellt 
ihr die homologe Zellschicht in den Stengeln der Landpflanzen als Phloio- 
terma gegenuber. KroEMER beschrankt den Ausdruck E. bloB auf die 
Leitblindelscheide der Wurzel. In der Wurzelanatomie wird die E. haufig 
als innere E, der auBeren E. (Exodermis) gegeniibergestellt (s. Hypo- 
derma). Im weiteren Sinne bezeichnet Haberlandt als E. ohne Riicksicht 
auf ihre entwicklungsgeschichtliche Herkunft jene scheidenfdrmige, die GefaB- 
biindel teils einzeln, teils in ihrer Gesamtheit von dem benachbarten Gewebe 
abgrenzende Zellschicht, deren Hauptaufgabe ist, die Stoffleitung in be- 
stimmte Bahnen einzuengen und den vorzeitigen Austritt der geleiteten StofFe 
aus den GefaBbiindeln zu verhindern. Als Nebenfunktion bietet sie den 
GefaBbiindeln auch mechanischen Schutz. 

CaspARY nannte die E. Schutzscheide, Leitgeb Kernscheide. Um- 
gibt die E. jedes GefaBbiindel fur sich, so spricht man von Einzelendo- 
dermen, umgibt sie den ganzen Zentralzylinder, von Gesamtendodermen. 
In Stengelorganen kann die E. auch als S tarkescheide oder in Form 
von Starkesicheln entwickelt sein und fuhrt dann leichtbewegliche Starke- 
korner (s. Statolithentheorie). 

Den obengenannten beiden Funktionen der E. entsprechen zwei Haupt- 
merkmale der E.: i. ihre relative Impermeabilitat, und 2. ihre mechanische 
Widerstandsfahigkeit. 

Die Zellen der E, stehen untereinander in liickenlosem Verbande. Ge- 
wohnlich sind sie von parenchymatischer Gestalt. Ihre Wandungen sind 
haufig ringsum verkorkt, Ein anderer Typ wird dutch diinnwandig bleibende 
Scheidenzellen gekennzeichnet, deren Tangentialwande nicht verkorkt sind, 
wahrend die Radialwande die Erscheinung des sogenannten CASPARYschen 
dunklen Striches, Streifens oder Punktes zeigen: ein schmaler Langs- 



19.6 


Endo dermis. 



streifcn der Radialwand, seltener ehi breiterer Streifen oder die ganze Radial- 
wand erscheint bei mikroskopischer Untersuchung gewellt, und auf dem 

Querschnitt bewirkt diese 
Wellung das Anftreten 
dunkler Schatten an den 
betreffenden Wandungs- 
stellen. 

Die Verkorkung der 
Wandungen bedingt die 
geringePermeabilitat der 
E. Die E. zahlreicher 
Liliaceen, Orchidaceen, 
Dikotylen usw. zeichnet 
sich aiich im vollkom- 
men ausgebildeten Zu~ 
stande, wo also bei Gra- 
mineen, Cyperaceea usw. 
die E. iiberall gleich- 
maOig impermeabel ist, 
durch streng lokalisierte 
Permeabilitat aiis, welche 
auch anatomisch nach- 
weisbar ist. Die Schei- 
denzellen sind bier (vgl. 
Fig. io6) von zweierlei Art; 
zwischen den typiscli aus- 
gebildeten Elementen [s] 
liegen solche mit perme- 
ablen, unverkorkten Tangen- 
tialwanden, und auBerdem 
zeigen die Wandungen dieser 
DurchlaBzellen [d) keiner- 
lei Verdickungen. Das (seiner 
Herkunft nach verschieden- 
wertige) Bildungsgewebe der 
Schutzscheide wird von Ha- 
BERLANDT als Koleogen be- 
zeichnet. Aus diesem konnen 
jedocb, teilweise wenigstens, 
auch andere Gewebearten her- 
vorgehen. 

Iq der EntwickUing der E. 
unterscheidet Kroemkr vier Sta- 
dien:- i. den Embryonal-, 
2. Primar-, 3. Sekundar-, 
4. Tertiarzustand der E.-zelle. Im Embryonalzustand besitzen die E.-zellen 
im Bail der Membran und der Protoplasten vollkommen den Charakter von 


Fig. 106. Radiales GefaEbiindel der Wurzel von Allitm asca- 
lonicum: g zentrales groBes Gefali, von -vyelcliem die fiinf 
Hadroniplattexi aixsstrahlen , p Perikainbium, j EndodermiSj 
d d die den Hadromteilen opponierten DiircblaBzellen. 
(Nacb Haberlandt.) 



Fig. 107. Drei Entwicklnngsstadieii von Endoderinzellen 
im Querschnitt: i Primarendodermzelle von Ananassa 
macrodonteSy 2 Sekiindarendodermzelle von Ricimis com- 
7 nmiisy j Tertiarendodermzelle von Ananassa niacrodontes. 
cp Casparyschcr Punkt, ts tertiiire Verdickungsschicbten, 
vm verkorkte mittlere Lamelle. (Nach Kroemer.) 



Endogamie — Endosapropbytoparasitismiis. 


197 


Meristemzellen. Der Primarzustan d wird hanptsachlich durch die' diinne, iin~ 
verkorkte Membran und den CAsrARYschen Streifen charakterisiert Der Sekundiir- 
zu stand zeichnet sich durch relativ dtinne, aber allseitig verkorkte imd mit 
dem CASPARYschen Streifen versehene Zellwiinde aiis. Im Tertiarzustand sind 
alle Oder eiuzelne Zellwande durch zahlreiche, mechanisch wiiksarae, neugebildete 
Lamellen (Tertiarschichten) stark verdickt. (VgL Fig. 107.) DemgemaB spricht 
Krokmer von Primar-, Sekundar- und Tertiarendodermzelien. 

Beziiglich weiterer Terminologie vgl. Kroemer in Bibl Bot. 1903, Heft 59; 
Mulle:r, B. Z. 1906, S. 53. . {R) 

Endogamie (Loew, in Kircliner, S. 39): Ein Befruchtungsakt, bei dem 
die kopulierenden Sexualkernc ihrem Ursprunge nach aus derselben Kern- 
paarung oder aus zwei nahezu gleichwertigen Kernpaarungen durch vege- 
tative Weiterbildung hervorgegaiigen sind. 

Unter dem Begriff der E. (Inzucht, autogcnetis chen Bestaubung 
[Kornicke 1890]) kann man, nach Kirci-iner I, S. 20, die Bestaiibungstypen 
der Kleistogamie, Autogamie, Geitonogamie und Xeno-(Adelpho-)gamie zu- 
sammenfassen, gegenliber den Formen der Gnesiogamie, Nothogamie und 
Hybridogamie, die wir als Exogamie, »Kreuzung mit einem frischen Stamm« 
(heterogenetische Bestaub ung), bezeichnen. Dieser Unterschied ist von 
groBer okologischer Bedeutung. Die Mehrzahl unserer einheimischen Bliiten- 
pflanzen wird je nach den Lebensumstanden auf endogamem oder exogamem 
Wege bestaubt uiid befruchtet, — ein Verhalten, das als Amphigamie den 
beiden andern Bestaubungsarten gegeniibersteht. (Vgl. Bestaubung.) 

endogene Glieder. Von exogene m Ursprung i*eden wir dann, wenn 
ein seitliches Glied des Pflanzenkorpers an der eigentlichen Oberflache des 
Plauptgliedes entsteht, d. h. wenn die die Oberflache bildende Zellwand bzw. 
die Epidermis oder auch mehrere aufiere Gcwebeschichten zusammen aus- 
wachsen und dadurch den Anfang des seitlichen Gliedes darstellen (z. B. 
Phyllome), von endogenem aber dann, wenn das Glied bei seiner ersten 
Anlage von einer an der Neubildung nicht beteiligten Gewebeschicht des 
erzeugenden Gliedes bedeck t ist und diese spater durchbricht (z. B. die 
vollkommcneren, zellular gebauten Wurzeln der Pteridophyten und Phanero- 
gam en). 

endogene Sporen s, Sporen der Pilzc. 

endogener Thallns s. Thallus der Flechtcn. 

endogener Verlauf des Pollenschlauches s. Chalazogamie. 

Endohyulozysten s. Leukozysten, FuBnote. 

Eiidokarp s. Perikarp. 

eiidolithische Flechten s. Thallus der Pdechten. 

Endoparasit s. Parasitismus. 

Endoperidium s. Fruchtkorper der Gasteromyzeten. 

endophytische Pilze s. Myzel. 

endophytischei' Pax^asit = Endoparasit, s. Parasitismus. 

Eiidoplasma s, Ektoplasma. 

Endosapi^ophytoparasitismus: Elenkin (nach Zahlbruckner in Justs 
Jahresb. I, 1902, S. 329, vgl. auch das Zitat unter: Wanderflechten) ersetzt in 
der Aiinahme, claB die Theorie des Mutualismus (Reinke, de Bary) im Sinne 
eines gegenseitigen Nutzens und Stoffwechsels zwischen den Komponenten der 



, Endosperm — Endosporen. 


198 

Lichenen wissenschaftlich nicht bewiesen, diese durch die Theorie des E. Sie 
berulit teils auf dem langst bekannten Eindringen von Haustorien in Gonidien, 
teils auf der erst neuerdings beobachteten Tatsache des Absterbens von Gonidien. 
Dieses letztere soli alien heteromeren Lichenen eigentiimlich sein, wobei tote Algen 
sowohl in der Gonidienscbicht als auch auBerhalb derselben (in der Korkschicht 
und im Mark) angetrofFen werdeii. Dabei ubertrifft das tote Material an Masse 
das lebende um das Mebrfache, besonders bei Lichenen mit dickeni Thalliis 
[Aspicilia calcarea^ Haematomma ventosum usw.). Abgestorbene Gonidien werden 
zweifellos verzebrt, was durch das allmahliche Verschwinden der leeren Hiillen 
bewiesen wird. Vgl. auch Zahlbruckners Ref. in Justs Jahresb. I, 19^^37 
S. 217. (Z) 

Endospei’in s. doppelte Befruchtung, Embryosack und Samen. 

Endospermhaustorien s. Kotyloide und Haustorien des Embryo- 
sackes. 

endospore Myxomyzeten s. Plasmodium derselben. 

Endosporen der Bakterien: Bei Eintritt ungiinstiger auBerer Verhaltnisse 
vermogen manche Arten in einer bisher nur bei den Bakterien beobachteten 
Weise Dauerzellen, E., zu bilden. Der gewohnliche Vorgang der Sporenbildiingj 
wie er bei Bacillus subtills beobachtet worden ist, ist folgender. Die beweglichen, 
einzelnen oder zu kurzen Faden verbundenen Zellen verlieren ihre Schwarm- 
bewegung und wacbsen zu langen, unbeweglichen, vielzelligen Faden aus, welche 
auf fiussigen Nahrboden an der Oberflache eine Haut bilden. Der vorher hyaline 
Zellinhalt beginnt sich zu triiben, und es werden bei starken VergrdBerungen 
kleine Kornchen sichtbar. Gewohnlich in der Mitte der Zelle, zuweilen einem 
Pole etwas genahert, tritt ein hellerer Fleck auf, welcher allmahlicli an GroBe 
zunimmt und gleichzeitig immer starker lichtbrechend erscbeint, bis er schlieBlich 
als hellglanzender, ovoider Korper mit scharfen Konturen von einer Lanerswand 



Protoplasma — Protoplasmabewegungen. 


555 

Metaphyten eingeteilt, je nachdem dieselben aktive Bewegung besitzen oder 
nicht. (A") 

Protoplasma (H. v. Mohl, in B. Z. 1846, S. 75; vgl auch das imter 
Zytoplasma und Zelle Gesagte): Im BegrifF des Protoplasmas oder kurz 
Plasmas faBt man (nach Strasburger) Zellkern, Zytoplasma und Plastiden 
zusammen. Somit schlieBt das P. alle lebenden Bestandteile des Zellkorpers 
oder Protoplasten, wie ihn Hanstein (D. Protoplasma usw. 1880) genannt, 
in sich. Vgl. auch Amphiplasma. 

Fast immer im P. vorkommende Einschliisse (Exkrete 
und plastische Stoffe) sind als Verbrauchsstoffe (Hert- 
WIG, Zelle, S, 24), Metaplasm a. (Hanstein, in B. Z. 1868, 

S» 710), Paraplasma (Kupffer) oder Deutoplasma 
(VAN Beneden) bezeichnet worden. ( 7 '.) 

Pr 0 toplasmab ewegixngen : Hierbei sind zwei Kate- 
gorien zu unterscheiden, je nachdem es sich um Bewe- 
gungen nackter Protoplasmakorper oder solcher handelt, 
die von einer festen Membran umschlossen sind. Die 
ersten stellen wirkliche aktive Ortsbewegungen oder 
lokomotorische Bewegungen (s. d.) dar, wahrend 
die letzten die Plasmabewegungen im engeren Sinne, 
die Plasmastromungen und -umlagerungen, um- 
fassen. 

Bei den Protoplasmastromungexi pflegt man, je 
nachdem die Stromung im Wandbelag den Zellsaft um- 
kreist oder auch in den den Zellsaft durchsetzenden 
Strangen und Bandern tatig ist (vgl. Fig. 267), Rotations- 
und Zirkulationsbewegung zu unterscheiden, welche 
beiden Typen indes durch Bindeglieder verkniipft sind. 

Diese Bewegungen, an denen sich nur die Hautschichte 
des Zytoplasmas nicht beteiligt, sind teils autonomer Natur, 
teils werden sie durch Wund-, Schwerkrafts- u. a. Reize 
ausgelost 

Besondere Formen der Plasmabewegung sind ferner: Fig. 267. Zelle eines 
Die Kornchenstromung in Plasmodien und Araoben, 
welche in einem rhythmischen Vor- und Zuriickstromen nka 0°o/i); in den 
der Kornchenmasse des Plasmas besteht und mit der Saftraum^ durch- 
amoboiden Bewegung verkniipft ist. (S. Rhythmusdauer.) pirstastrangrrfinLt 
— Die flutende Bewegung in gewissen Pilzmyzelien Zirlmlation statt (nach 
[Rhirsopus Ascophanus\ bestehend in einem regelmaBigen Kuhne). 

Plin- und Zuriickfliiten des gesamten Zytoplasmas mit 
Ausnahme der Plautschichte. (Siehe Ternetz, J. w. B., Bd. 35, 1900.) •— 
Eine ruckweise Bewegung des Plasmas und seiner Inhaltskorper ohne aus- 
gesprochene Bewegungsrichtung, wie sie in gewissen Fallen [Elodea] beim 
Einsetzen der Plasmastrdmung zu beobachten ist, wurde als Glitschbewe- 
gung (Nageli, Pflanzenphys. Unterr. 1855, I, S. 49, Velten, B. Z. 1872, 
S, 51) bezeichnet. — Die Anhaufung des Plasmas an bestimmten Stellen der 
Zelle unter dem EinfluB von Reizen, die Lageveranderungen des Zellkerns, 




200 


Entglftuag— Entleerungsapparate. 


F.ntffiftung durch Mineralsalze s. Nahrsalze. 
ISZgsapparate. Bei .to Reihe von 
taceen) wird das Sekret innerer Driisen nach auOen entleert, welche 

'‘"Tn' SidtTTonst nach verschiedenem Bauplan gebauten 'f 

Teil und ein passiver Teil zu unterscheiden Der aktave Ted be uu 

den blasenformigen, den Drtisenraum nach Auflosung 

kleidenden Wandzellen, welche durch ihren Druck auf das ei » • 





Fig. io8. Entleerungsapparat der inneren 
Driisea von Muta graveoUns: A Oberflaclien- 
ansicht des Deckels mit der 
^ Querschnittsansiclit. (Ni'.:?': 


Fig. 109, "" *■ EucaiyHur^ 

nach crfolg ' . ■ - »,)ticr-‘ 

schnitt, niiten Oberflachenansicbl;. d Deckel- 
zellen, w Wandzellen, c Epiclcrmiszcllrn, 
St Sttitzleiste, j Ansfiihrimgsspalte, TkH unler 
den Deckelzellen liegeiide Wandzd.'llc. 

(Nach Pokscii.) 



atherisclie 01 sowohi spontan als bei Biegimgen der J31atter die Sekret- 
entleerung bewirkec. Den passiven Teil stellt der Driisen deck el dai% Der- 
selbe bestebt bei den Rutaceen aiis einer verschiedenen Anzahl von Zellen, 
die histologisch und mikrochemisch praforniierte Spaltwiinde zwischeneinancler 
ausbilden, welche die Bildung einer Ausfiihrungsspalte begUnstigen, diirrh 
die das Sekret entleert wird. (VgL Fig. io8.) Bei Myrtaceen erfolgt die Sekret- 
entleerung durch Zerreil3en praformierter, verdiinnter Membranparticn , welche 
zwischen den dicken Seitenwanden der Deckelzellen und einer stark verdicklen, 
S-fbrmig gekriimmten Membran, der »StUtzleiste«, ansgespannt sind* (Vgl. 
Fig. 109.) AuBerdem muB noch eine der unter dem Deckel liegenden, ebenfallB 
sehr dtinnen Zellmembranen zerrissen werden. (Vgl. Haberlandt, in S. Ak., 
Wien 1898, PoRSCH, in O, B. Z. 1903 u. Z. B. G. 1906, Marloth, Das Kap- 
land, Jena 1908, S. 332.) Einrichtungen zur Sekretentleernng auBerer Driisen hat 


Entomo c e cicUe n — Enzy in o id c . 


201 


jungst Detto (Flora 1903, S. 186 ff.) im Dicta mnus nachgewiesen. Die Driisen sind 
hier vielzellig, birnformig und laufen in einen feinen, aus funf zylindrischen 
Zellen bestehenden Fortsatz aiis. Die Zellwande desselben sind sehr dunn und 
bestehen fast blofi aus Cuticula. Bei der geringsten iinsanften Beruhrung bricht 
der haarfdrmige Fortsatz ab, und das atherische 01 quillt hervor. Detto er~ 
blickt in dieser Einrichtung ein Schiitzmittel gegen TierfraB. \P.) 

Entomocecidien: Die von Insekten erzeugten Gallen, s. cl [Kst,] 
Entomogainae, Entomopliilae = Insektenbliitlerj s. d. 
Entquellung s. Gallerte. 

Entwicklungsgeschichte s. unter Phylogenie. 

Entwicklungsmechanik oder kausale Morphologic ist nach Roux, 
welcher diese Disziplin inaugurierte, »die Lehre von den Ursachen der organischen 
Gestaltungen, somit die Lehre von den Ursachen der Entstehung, Erhaltung und 
Riickbildung dieser Gestaltungen« (Arch. f. Eiitw. Mech. I. EinL). Ihre Aufgabe 
ist es, die Organgestaltungsvorgange auf die wenigsten und einfachsten Wirkungs- 
weisen (Krafte oder Enei'gien) zuruckzufiihren. (Roux, Ziele u. Wege der E. 
in Ergbn. d. Anat u. Entw. gesch. II, 1892.) 

Die Gestaltung und Differ enzierung ist von verschiedenen Komponenten (der 
jeweiligen Bedingungskonstellation) abhangig. — Selbstdiffer enzierung nennt 
Roux diejenige Veranderiing eines abgegrenzten oder abgegrenzt gedachten Ge- 
bildes Oder Teiles, deren spezifische Ursachen (s. u.) in dem gestaltenden Ge- 
bilde oder Teile selbst liegen. Bei der vollkommenen S. liegen alle Kom- 
ponenten in dem gestaltenden Teil selber, bei der tin vollkommenen S. ist 
Zufuhr von Energie von auBen her erforderlich, sofern sie nur die Vorbedingung 
der gestaltenden Wirkung darstellt. Abhangige Differ enzierung ist eine 
Veranderung, bei welcher eine oder mehrere, die spezifische Gestaltung bestim- 
mende Komponenten von auBen her auf den zu gestaltenden, umgrenzten oder 
umgrenzt gedachten Teil wirken. Eine passive Differenzierung findet nur 
dann statt, wenn alle Komponenten des betreffenden Gestaltungsvorganges von 
auBen her auf den untersuchten Teil einwirken. 

Die wirksamen Komponenten des Gestaltungsprozesses bezeichnet Roux als 
spezifische Komponenten oder spezifische Ursachen (Ursachen schlecht- 
hin), wenn sie die spezifische Natur des Vorganges bedingen, die iibrigen fiir 
das betreffende Geschehen notwendigen, aber den Charakter der Gestaltung nicht 
bestimmenden Komponenten (Warme, Sauerstoif usw.) werden als Vorbedin- 
gungen oder indifferente Ursachen (indifferente Komponenten) unter- 
schieden. (Roux in Arch. f. Entw.-Mech. I, 1895.) Beztiglich der weiteren 
'Eerminologie sei insbesondere verwiesen auf W. Roux, Terminologie d. Entw.- 
Mech. Lpz. 1912. (Z.) 

Entwicklungsperiode = Wachstumsperiode, s. Wachstum. 
Entwicklimgsphysiologie (Driesch) s. Formphysiologie. 
enzymatische Krankheiten: Ansteckende Pflanzenkrankheiten, die 
durch Impfung libertragen werden konnen, deren Ubertragung aber nichts 
mit der Vermittlung irgend welcher Parasiten zu tun hat, sondern durch die von 
dem kranken Teil in den gesunden gelangenden — wohl enzymartigen 
Stoffe zustande kommt. Zu den e. Kr. gehoren die Mosaikkrankheiten 
(Tabak, Tomate u. a.) und die infektiose Panachure, s, d. [Kst] 

Enzyme (KUhne, Unters. a. d. phys. Inst. Heidelberg, I, 18,78, S. 291) 
= Fermente, s. d. ’ 

Enzymoide Zytotoxine, s. d. - 


202 


eoklad — Epichiton. 


eoklad (Prantl, B. D. B. G. 1883, S. 284) s. Blattanlag-e. 

Epharmonie. Vesque sagt in Ann. sc. nat. ser. 6. XIII, 1882, S. 9, 
folgendes: Tons les organes de la plante peuvent s’adapter au milieu incerte 
oil anime qui les entoure, mais a des degres divers, et c’est precisement sur 
cette inegalite que repose la subordination des caracteres; mais au milieu 
de tous ces organes il y en a dont la nature depend «uniquement de radap- 
tation», savoir la structure anatomique des organes vegetatifs en tant qu’elle 
est en relation directe avec Pair, le sol et Peau; c’est ce que je propose 
d’appeler Pepharmonie. 

Neuerdings wird die gesamte Anpassung einer Pflanze, die Plarnionie 
zwischen ihrem Bau und den auBeren Bedingungen, als Epharmose be- 
zeichnet oder auch als Lebensform. 

Epharmose (Diels) s. Epharmonie. 

ephemera Bewegungen (Pfeffer): Je nachdem eine Bewegung in 
wiederholten Schwingungen um eine Gleichgewichtslage besteht oder (wic 
z. B. bei Entfaltung der Knospen) nur einmal eintritt, wodurch das Organ 
in eine neue Gleichgewichtslage gebracht wird, pflegt man periodische 
oder oszillierende und einmalige oder ephemere Bewegungen zu 
Linterscheiden, zwei Typen, die natiirlich durch Ubergange und Kombina- 
tionen verkniipft sind. (A.) 

ephemere Blumen nannte A. P. de Candolle (in Mem. sav. ctrang. 
Paris I, 1806, S. 338) die sich einmal offnenden Bliiten (2. B. Stellaria viedia^ 
Holostemn timbellatnin^ Veronica -Arten) im Gegensatz zu den sich wieder- 
holt offnenden und schlieBenden Aquinoktialblumen. Hansgirg (Sitzb. 
kgl. bdhm. Ges. Wissensch., 1889, S. 237) prazisiert den Begriff ephemer 
noch waiter, indem er als euephemer solche Bliiten bezeichnet, die ini 
Laufe von 24 Stunden sich offnen und schHeBen, und als pseudoephemer 
solche, welche nicht gleich am ersten Tage, an dem sie sich geoffnet haben, 
soiidern erst spater (aber auch nur einmal) sich schlieBen. Die wiederholt, 
und zwar t%lich einmal sich offnenden und schlieBenden Bliiten (z. B. Orni- 
ihogalum nutans) werden jetzt als periodische Bliiten bezeichnet. 

ephemere Pflanzen sind solche, die in ein und derselben Vegetations- 
periode mehrmals Fruchte hervorbringen (WiESNER, Biol 1 . Aufl., 1889, S. 22). 

Ephemerophyten s. naturalisierte Pflanzen. 

Ephydrogamicae, Ephydrogamie s. Wasserbliitler. 

epibiotische Pilze s. Myzel. 

Epiblast s. unter Scutellum. 

Epiblem s. Wurzelhaut. 

Epichilium s. Orchideenbliite. 

Epichiton, Mesochiton und Endochiton (Farmer J, B. and Willi- 
ams S. L. Phil. Trans. B. 1898, S. 190) werden drei verschiedene Schichten in der 
Membran^ der jungen Oogonien der Fucaceen genannt. Sie beriihren alle an 
ihrer Basis die Wandung der Stielzelle, ohne da6 in der Querwand selbst eine 
Differenzierung sichtbar ist. Die auBerste Schicht, der Exochiton, ist durch 
einen relativ breiten, mit Gallerte gefttllten Zwischenraum vom Mesochiton, der 
mittleren Schicht, getrennt, welch letzterer der innersten Schicht, dem Endo- 
chiton, zuniichst aufliegt. {Sv.) 



epidermale Schichten — Epidermis. 


203 


epidermale Schichten s. Hypoderm. 

Epidei-mis; Die E. stellt die erste Stufe in der Entwicklung der Haut- 
gewebe dar und besteht meist aus einer einzigen Zellage, welche die von 
ihr bedeckten Organe und Gewebe gegen die AuBenwelt abgrenzt und 
ihnen den unter Hautsystem angegebenen Schutz gewahrt. Im anato- 
misch-physiologischen Sinne gehoren nur jene oberflachlich gelegenen Zell- 




Fig. 1 10. A Epidermiszellen. des Blattes von AI0& acinacifolia] B desgleichen von Allmm cepa. 
c Kutikula, c$ Kutikularschichten, b Zelluloseschichten. (Nach I-Iaberlandt.) 



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schichten zur E., deren anatomische Merkmale erkennen lassen, daB sie 
ihrer Hauptfunktion nach als primares Hautgewebe fungieren. 

Die Epidermiszellen besitzen meist eine tafel- oder plattenformige 
Gestalt und stehen untereinander in liickenlosem Verbande. In typischer 
Ausbildung sind sie stets niedrig, nur bei 
reichlicher Wasserspeicherung erlangen sie 
oft eine betrachtliche Hohe. — Der phy- 
siologisch wichtigste Teil der Epidermis- 
zelle besteht in ihrer »AuBenwand«. Sie 
unterscheidet sich gewohnlich durch star- 
kere Verdickung sowie durch Unterschiede 
im chemisch-physikalischen Verhalten von 
den iibrigen Wandungen. Diese Unter- 
schiede werden durch Einlagerung von 
fettartigen Substanzen hervorgerufen, die 
man zusammenfassend als Kutin (s. d.) 
zu bezeichnen pfiegt. Die verdickte AuBen- 
wand differenziert sich dabei von innen 
nach auBen gewohnlich in dreierlei 
Schichten (Fig. no): i. die Zellulose schichten, die an das Zellinnere 
grenzen und aus Zellulose bestehen; 2. die Kutikularschichten oder 
kutinisierten Schichten, die mehr oder weniger kutinhaltig sind, und 
3. die Kutikula, welche, aus der auBersten, kutinreichsten Membranlamelle 
bestehend, als diinnes, ununterbrochenes Hautchen die ganze Aufienflache 
der E. xiberzieht und niemals fehlt. 

Eine haufige Unterstiitzung erfahrt die E. in ihrer Funktion durch die 
sogenannten Wachsuberzlige, welche an Trauben, Pflaumen und vielen 




"X 


Fig. III. Stabcheaformiger Wachsiiber- 
zug eines Knotens von Saccharttm 
officinartm (142/1). (Nach DE Bary.) 



204 


epidermoidale Transpiration— Epinastie. 


Blattern den bekannten, reifartigen Anflug (Reif) bilden^). In der Ausbildung 
der Wachsliberzuge konnen hach (DE Bary) mehrere Haiiptformen untei- 
schieden warden: a) der Korneriiberzug, aus kleinen, nebeneinander gc~ 
lagerten Wachskornclien von etwa OjOOi mm GroBe bestehend, z. B. auf 
den La ub blattern vieler Gramineea, Liliaceen, Iridaceen; b) der Stab chen- 
iiberzug (Fig. iii). Hier sitzt das Wachs der Kutikula hi Form von senk- 
rechten Stabchen auf, die oft ansehnlich hoher als die Epidermiszelleii imd 
am oberen Ende hakig oder gerollt sind, z. B. bei vielen Scitamineen, 
an den Knoten von Sacchmnim officinarMin\ c) der Krusteniiberzug. Er 
stellt eine sprode, durchsichtige Glasur vor, die meist zahlreiche Spriinge 
iind Risse aufweist mid gewohnlich eine Dicke von o,ooi mm nicht iiber- 
sclireitet, z. B. auf den Blattern von Thuja^ Sempervknm\ viel machtiger 
sind jedoch die Wachsuberziige bei den »Wachspalmen« [Ceroxylon- luid 
Klopstockia-Krt^rx)^ wo sie bis 5 mm dick werden. 

Die Steifheit der verdickten AuBenwande wird sehr haufig durch nach 
innen vorspringende Leistennetze erlioht. Die einzelnen Leisten bilden 
Vorspriinge der Kutikularschichten, die niehr oder weniger tief in die Seiten- 
wandungen der Epidermiszellen eindringen. [P.) 

epidermoidale Transpiration s. d. 

epigae oder epigaische Kotyledonen sind solche, die bei der Kcimung 
liber die Erde treten und zu Assimilationsorganen werden. Dies ist bei deii 
meisten Pflanzen der Fall. Ihnen stehen die hypogaischeii Kotyledonen 
gegeniiber, die nur als Reservestoffbehalter dienen, auch bei der Keimung 
mit dem Samen unter der Erde verbleiben und nach Abgabe ihrer Reserve- 
stoffe einschrumpfen und vertrocknen (z. B. bei Quercus^ Acsctthis^ Vicia^ 
Latliyrits^ Tropaeohim). 

epigam s. Geschlechtsbestimmung. 

epigen heiBt (nach Schiffner) bei den Hcpaticaa eine Infloreszenz (s. d.), 
wenn sie auf der Dorsalseite des Stammchens oder der Frons stelit; hypogen, 
wenn sie auf verktirzten, ventralen Sprossen steht. (AYJ 
epigene Ceplialodien s, d. 

Epigenesis-Theorie s. Evolutionstheorie. 

Epigon s. Sporogon der Musci, Anm. 

epigyne Bliiten s. Receptaculum. 

Epikarpium (L. C. Richard, Anal, du fruit 1808) s. Frucht uiid Perh 
karpium. 

epiklin nennt Kirchner, S. 40, solche Sprosse, die zur Erlangung und 
Beibehaltung einer fiir ihre Ernahrung glinstigen Lage einer Stiitzc oder 
eines ahiilichen, fremden Haltes bediirfen. 

Epikotyl, epikotyles Glied (Darwin 1881) s. Embryo. 

■ epilithische Flechten s. Tliallus der Flechten. 

Epinastie: Als E. bzw. Hyponastie wurde zuerst von SCHIMPER 
(in Ber. cl. Naturforschervers. Gottingen 1854, 87) das ^exzentrische Dicken- 
wachstum« an Asten bezeichnet, jedoch werden seit dem Vorgehen von 
DE Vries (in Arb. Wlirzb. Inst. I, 1872, S. 252) diese Bezeichnungen zii- 


i) Diese sogenannten Pflauzenwaclise bestehen bauptsachlich aus Triglyzericlcn von Fett- 
sauren. (ZJ 



epinykt — Epiphyten. 


205 


meist fiir das »ungleichseitig*e Langenwachstum « gebraucht, wahrend das 
erstere jetzt mit Wiesner Trophie (s. d.) genannt wird. Unter E. ist also 
ein gefordertes Langenwachstum der »Oberseitc« .eines Sprosses zu ver- 
stehen, wahrend gefordertes Langenwachstum der »Unterseite« als Hypo- 
nastie bezeichnet wird. 

Der Effekt der einseitigen Wachstumsforderung aui 3 ert sich in einer ein- 
fachen Kriimmungj wobei die geforderte Seite zur konvexen wird. 

Die E. stellt nacli Wiesner (S. Ak, Wien, CXI, 1902) in der Regel eine er- 
erbte Nutationsform dar; in diesem Falle ist stets die morphologische Ober- 
seite im Wachstum bevorzugt. An Sprossen von Hoizgewachsen kann aber mit- 
imter auch die jeweilig physikalische Oberseite im Wachstum gefordert werden; 
diese Erscheinungsform bezeichnet W. als in der Ontogenese erworbene E. — 
Der Eintritt einer epinastischen Krtimmung setzt voraus, da6 die morphologische 
Unterseite eines Organs der Zugspanniing ein groBeres Hindernis entgegensetzt 
als die antagonistische Oberseite. Die Bewegungswiderstande konnen aber nach 
Wiesner durch Beleuchtung so verstarkt werden, daB die E, im Lichte liber- 
haiipt nicht in Erscheinung tritt, vielmehr nur bei LichtaiisschluB beobachtet 
werden kann. Wiesner (B. Z. XLII, 1889) spricht in diesem Falle von 1 at enter E. 
— Die variable E. (Wiesner, B. D. B. G. XX, 1902) ist durch ihre Abhangig- 
keit von der Wachstumsintensitat der Organe cbarakterisiert; sie tragt wesentlich 
zum Ziistandekommen der Zweigrichtung bei, indem sie haufig bei kummerlichem 
wie bei besonders iippigem Wachstum ganz in den Hintergrund tritt, so daB der 
negative Geotropismus vorherrschend wird, wahrend sie innerhalb bestimmter 
Wachstumsgrenzen sich dadurch geltend macht, daB sie dem negativen Geotro- 
pismus entgegenwirkt. 

Epi- bzw. Hyponastie kann auch unter der Einwirkung von Licht-, Schwer- 
krafts-, chemischen Reizen usw. hervorgerufen werden, Dementsprechend iinter- 
scheidet man Photo-, Geo-, Chemo-, Epi- (Hypo -)nastien. S. hieriiber unter 
Nastie. (Z.) 

epinykt sind ephemera Bltiten, die sich am Abend mit begimiender 
Dammerung oder in der Nacht offnen (z. B. Mirabilis longifloi^ay Ccreiis 
grandiJlor2is), (Nach Kerner.) 

epipetal s. Bliite. 

epiphloeodische Flechten s. Thallus der Flechten. 

Epiphragma: i. der Mooskapsel s. Sporogon der Musci imd Peristom; 
2. der Nidularineen s. Fruchtkorpcr der Gasteromyzeten. 

epiphylle Infloreszenzen s. blattblirtig. 

Epiphyllen werden speziell solche Epiphyten genannt, welche sich an 
Blattern ansiedeln. In den Tropen sind namentlich epiphylle Moose und 
Flechten vertreten. (Siehe Fitting, Ann. Jard. bot. Buitenz. 1910,) (Z.) 

Epiphyten nennen wir solche Pflanzen, die auf anderen Pflanzen vege- 
tieren, ohne ihnen Nahrung zu entzieheii. — Nach ihrer Lebensweise konnen 
die E. — nach SCHIMPER, S, 340 (vgl. auch dessen Arbeiten in Ak. Berlin, 
1890, u. Bot. Mitt. a. d. Trop. H. 3, 1891) — in vier GrupjDen eingeteilt 
werden: i. Protoepiphyten; diese Gruppe ist sehr wenig homogen imd 
faPt alle Arten zusammen, die fiir ihre Ernahrung auf die Rinde und die 
direkte Zufuhr seitens der Atmospharilien angewiesen sind (z. B. viele Fame 
und Orchideen). — 2. Hemiepiphyten, E., die zwar auf den Baumen ihre 
Keimung und erste Entwicklung dui'chmachen, nachtraglich aber durch ihre 



206 


epiphytische Parasiten—Epiteosporen. 


Wurzeln mit dem Boden in Verbindung treten, so daB sie in bezug auf 
ihre Ernahrung den gleichen Bedingungen wie die Bodenpflanzen unter- 
stehen (z. B. Ficiis-^ Chisia-hxitVi^ groBe Araceen usw.). — 3. Nestepi- 
phyten, von solchen Arten gebildet, die durch geeignete Vorrichtungen 
groBe Mengen von Humus und Wasser sammeln (z. B. Platyceruim^ Gram- 
matophylhmi speciosim). — 4. Zisternepiphyten, bei denen das Wurzel- 
system nur als Haftapparat entwickelt oder ganz unterdriickt ist, so daB die 
ganze Ernahrung durch die Tatigkeit des Laubes stattfindet (gewohnliche 
Bromeliaceen.) — Uber Ameisenepiphyten s. unter Ameisengarten. (Vgl. 
auch Euphyten.) {L.) 

epipliytisclie Parasiten (de Bary) = Ektoparasiten, s. Parasitismus. 

epiphytische Pilze s. Myzel. 

epiphytoid nennt JOHOW solche phanerogame Schmarotzerpflanzen^ 
welche wahrscheinlich von autotrophen Epiphyten abstammen. 

Epiplasmaf Bei der Askosporenbildung unverbraucht am Rande der 
Asci (s. d.) liegenbleibendes Plasma. Der Name wurde von DE Bary ein- 
gefiihrt (Hannig in Flora Bd. 102, 1911, S. 354) und kann auch auf die 
Siphoneen und Phycomyzeten ausgedehnt werden, bei denen nicht alles 
Plasma bei der Sporenbildung verbraucht wird. (Vgl. auch unter Coeno- 
centrum sowie Sporen der Pteridophyten = Periplasma.) ( 71 ) 

Epipleura s. Bacillarien. 

episepal s. Blute. 

Episporium s. Spore der Pteridophyten. 

Epistase s. Helikomorphie. 

Epistatisch (Bateson, Science 1907): Die Erscheinung, daB bei zwe 
voneinander unabhangigen Mendelmerkmalen (s. d.), also nicht innerhalb 
zweier Allelomorphs (s. d.), eins das andere so beeinfluBt, daB es nicht 
seine AuBeneigenschaften entfalten kann. Natiirlich konnen sie nach der 
Merkmalsspaltupg bei der Gametenbildung dann vollig rein in Erscheinung 
treten. Das unterdriickte Merkmal wahrend des Zusammenlebens mit dem 
epistatischen nennt man das hypostatische. Von einem subepistatischen 
bzw. subhypostatischen Merkmal spricht CORRENS (Vortrag, Versamm- 
lung Naturforscher und Arzte, Munster 1912) bei der Unterdriickung des 
einen Geschlechtes durch das andere in fast rein diozischen Pflanzen. 
Strasburger hatte das erste Merkmal als das opprimierende, das zweite 
als das opprimierte bezeichnen wollen, glaubte aber hier an eine prin- 
zipielle Verschiedenheit von Mendelmerkmalen. (J. w. B. 1910, s. auch 
unter Latenz.) ( 71 ) 

Epistele s. Stele, Anm. 

Epistrophe, Epistrophion s. Chloroplastenbewegung. 

Epistropliie: Hierunter versteht (nach Masters, S. 261) Morren (in 
Bull. Acad. Belg. XVII, 17) die Ruckkehr monstroser Formen zum normalen 
Typ, z. B. den Riickschlag von farnblatteriger Buche auf die Stammform. 

epitakt s. pantotakt. 

Epiteosporen werden von M. Mllei und G. B. Tra verso (in Annal. 
myc. II, S. 143 — 155) die primaren Uredosporen (zunachst von Triphrag- 
miwn) genannt, welche durch Sporidieninfektion entstanden, wahrend die 


Epithalliis — Erbformel. 


207 


sekundaren Uredosporen aus den primaren Uredosporeii entstehen. (Vgl. 
F. Dietel, Hedwigia 1904, S. 240.) (K.) 

Epithallus s. Prothallus. 

Epitheca s. Bacilladen. 

Epithecium: i. der Ascomyzetens. Asci; 2.derFIechtens. Apothecien ders. 
Epithel der Blumenblatter s. unter Haare. 

Epithel des Embryosackes (Fig. 112). Bei vielen Angiospermen 
wird der Embryosack seitlich von einem als E. bezeichneten Gewebe um- 
geben, welches entweder von dem angrenzenden Nu- 
zellus Oder bei friihzeitiger Aufldsung desselben vom 
Integument geliefert wird, und dessen plasmareiche, 
meist senkrecht zur Langsrichtung des Embryosackes 
gestreckte Zellen im Dienste der Ernahrung des Em- 
bryos und Endosperms stehen. DasEmbryosackepithel 
wiirde vielfach auch als Tap ete, Tape turn bezeichnet. 

Diese Bezeichnung ist zwar physiologisch , aber mit 
Riicksicht auf die ganzlich verschiedene Entstehung 
der eigentlichen, besser als Schichtzellen zu be- 
zeichnenden Tapetenzellen nicht morphologisch zu- 
lassig. Vgl. Goebel II, S. 806; Schmid in B. B. C. 

Bd. XX, I. Abt. 1906 ; Wurdinger in D. Ak., Wien, 

Bd. 85, 1910. S. Embryosack und Tapetum. (P.) 

Epithem (de Bary) s. Hydathoden. 
epitrope Ovula s. Samenanlage. 
epitroph, Epitrophie s. Trophie. 

Epivalva s. Bacillarien bzw. Peridineen. 
epizoisch (Sernander, vgl. endozoisch): Zoo- 
chore Verbreitungseinheiten, die sich an voriiber- 
kommende Tiere anheften und von diesen unab~ 
sichtlich langere oder kiirzere Strecken transportiert 
werden (z. B. Kletten) (ex KiRCHNER, S. 40), 
epizootische Pilze s. Myzel. 

Epoikophyten s. naturalisierte Pflanzen. 

Equilibration (Spencer) s. direkte Anpassung. 
equitative Knospenlage s. d. 

Erbeinheit, Erbfaktor s. Gene und Allelo- 
morphs. 

Erbfoimiel. Auf Grund der Erfahrungen bei 
den Mendelkreuzungen (s. d.) und mit Hilfe der 
sogenannten »Presence-absence-Theorie« (s. d.) bringt 

man neuerdings die als Einheiten erkannten Gene (s. d.) in gewisse For- 
meln, die zunachst allerdings noch nicht den Anspruch machen, etwas liber 
die wirkliche Konstitution des »Idioplasma« (s. d.) auszusagen, wie man 
das von Analogic mit chemischen Formeln her erwarten diirfte.. 

Die einzelnen Paare von Genen werden mit je einem groBen und je 
einem kleinen Buchstaben bezeichnet, so daB A das Vorhandensein, a das 
Fehlen der Gene bedeutet. 




Eig. 1 1 2.Lang3schnitt dur ch 
die Makrospore (Embryo - 
sack) von Myoponwi ser- 
ratum\ sie ist von einem 
Epithel nmgeben , mit 
Ausnahme der oberen (An- 
tipoden-) und der iinteren^ 
(Eiapparat-) Region, wo 
spiiter Plaustorien gebildet 
werden. (Nach Billings.) 


208 


erbgleiche uiid erbungleiche Teilung — Ermudimg. 


Fiir einzelne Pflanzen wie vor allem fiir Aiitirrhimim (von Baur) siiid 
schon eine groOere Anzahl von Genen erkannt, so daO selbst komplizierterc 
Erbformelii aufgestellt worden sind. (Siehe Baur 1911.) Man schreibt die 
entsprechenden von der Mutter und dem Vater stammenden Gene neben- 
einander, also z. B. AABB CC oder aaBBcc oder aabb CC usw. fiir 
Homozygoten (s. d.), Aa Bb cC oder a A bB cC usw. fiir He tero zygote n. 
Natiirlich konnen homo- und lieterozygote Paare in einem Individuum neben- 
einatider stehen. — Alle homozygoten Paare bzw. Allelomorphs bleiben in 
den samtlichen folgenden Generationen unverandert, wahrend die hetero- 
zygoten nach der Mendelschen Spaltungsregel aufspalten. [T.) 

erbgleiche und ei^biingleiche Teilimg s. Keimplasmatheorie. 

erbliclie Bastarde s. unter Bastarde. 

Erblichkeit der Charaktere s. Darwins Selektionslehre. 

Erbzahl (de Vrces, Mut.-Theorie II) ist die prozentuale Zusammen- 
setzung einer reinen Samenprobe, die von einem bestimmten Individuum 
genominen wurde. ( 7 .) 

Erdhalbstraucher s. Holzpflanzen. 

Eremophyten heiBen bei Warming (Oecology S. 273) die (stark xero- 
philen) Pflanzen der Wiisten und Steppen (s. d.). [D) 

Ergasiophyten, Ergasiolipo-(phygo-)phyteii s. Anthropophyten. 

Ergastoplasma eine besondere Modifikation des Plasma, in mancher 
Beziehung dem SRASBURGERschen »Kinoplasma« vergleichbar, das bei der 
formativen Tatigkeit der Zellen eine Rolle spielen soli. (BouiN [Corps para- 
nucleairesl Arch, anat microsc. 1899, — SoUEGES, Bull. Soc. bot France 1910, 
S. 57. — Bonnet, Anat. Anzeiger 1911.) Die eigentlimlichen fadigen Bil- 
dungen, die bei Gegenwart von E. beschrieben sind, werden neuerdings 
auch in Beziehung zu den Mitochondrien oder »Chromidien« (s. unter Chon- 
driom) gebracht (vgl. auch unter »Fadenapparat«). ( 71 ) 

Ergesie nennt MASSiVRT (Biol. C. XXII, 1902, S. 74) die Fahigkeit des 
Organismus, eine Reaktion (s. d.) zu zeigeii. \L.) 

Erhaltungssprosse (A. Braun) s. SproBfoIge. 

Erliolung s. Ermiidung. 

Eriaeum, Erineiimgallen: Gallen, die von Milben hervorgeriifen 
werden und meist durch Auswachsen zahlreicher Epidermiszellen zu schlauch- 
artigen Haaren zustande kommen (Filzgallen). Bevor die E. in ihrer wahren 
Natur erkannt waren, hielt man die Haare fiir Pilze, die man als Erineum 
und Phyllerium bezeichnete. (S. auch Exantheme.) [Kst.) 

Erinose: Der durch Auftreten von Erineiimgallen (s. d.) gekennzeich- 
nete und* durch sie herbeigefiihrte Krankheitszustand der Pflanzen. [Kst,] 

Erismata = Fulcrum, s. Pykniden, Anm. 

Ermudung, Die Begriffe wie E. und Gewohnung, welche aus der Tier- 
physiologie auf auBerlicli mehr oder minder ahnliche Erscheinungen an der Pflanze 
tibertragen wurden, sind mangels sicherer Symptome so wenig prazise, dafl sie 
mitimter geradezu synonym gebraucbt werden, weshalb sich derzeit keine all- 
gemein anerkannte Definition geben llifit. — Wenn durch wiederholte Inan- 
spruchnahme eine Verzogerung und Schwachung der Reaktion eintritt, wie es 
z. B. CzAPEK an wiederholt geotropisch gereizten Gelenken von F/iaseohcs-Blm^m 



Ernahrungsohnmacht— Ernahrungstypen. 


209 


beobachtete, so spricht man von Ermiidimg. (J. w. B., Bd. 32, rSpS, S. 301.) Als 
Beispiel fiir Gewobnung sei das Verhalten der Blatter von Mimosa pudica bei langer 
andauernder Erschutterung gewahlt; die Blmter kehren aus der Reizlage in die 
Ausgangsstellung zuriick und sind nun zunacbst gegen mechanische (nicht aber 
gegen photische) Reize nnempfindlicbj bis nach einiger Zeit die Reizbarkeit zu- 
rlickkehrt (Erholung). (Gewobnung an Gifte, an Qualitat und Konzentration 
der NahrstofFe und ahnliche Regulationserscbeinungen beruhen wohl auf einem 
durchaus verschiedenen Mechanismus). Keinesfalls sollteii die genannten Be- 
griffe gleichbedeutend mit Anpassung an einen Reiz = Adaptation (s. unter 
Tonus) gebraucht werden. 

Verworn (Allg. Phys., S. 557) unterscbeidet zwischen zweierlei Erscheinungen, 
die als Lahmungserscheinungen zusammengefafit werden konnen. Eine Lahmung 
kann namlich zustande kommen durch » Mangel an Ersatzmaterial zur Unter- 
haltung der normalen Lebensvorgange« oder durch »Anhaufung von lahmend 
wirkenden Stoffwechselprodukten « (Ermtidungsstoffe); im ersten Falle ware von 
Erschopfung, im zweiten von Ermiidung s. str. zu sprechen. (Z.) 
Ernaiirungsohmiiacht s. Inanition. 

Ernahl'ungstypen. A. Fischer (Vorles. iib. Bakt. 2. Aufl. 1903) teiit die 
Organismen nach ihrer ernahrungsphysiologischen Anpassung in folgender tiber- 
sichtlichen Weise ein. i. polytropbe (=polyvore) Organismen, solche, welche 
infolge mangelnder Spezialisierung mit sehr verschiedenartigen Substraten vorlieb 
nehmen wie die gewohnlichen Schimmelpilze und Faulnisbakterien ; manche 
kdnnten geradezu als »omnivor« (Allesfresser) bezeichnet werden. 2. mono- 
tropheWesen; sie stellen das entgegengesetzte, durch viele tJbergangstypen mit 
ersteren verbundene Extrem dar, indem sie an eine ganz bestimmte Ernahrungs- 
weise gebunden sind wie Thiobakterien oder spezialisierte Parasiten ^). Diese 
verschiedenen Anspriiche der Organismen erklaren sich aus dem Bedlirfnisse, 
NahrstofFe in bestimmten Verbindungsformen aufzunehmen. Lafar unter- 
scheidet zwischen prototropher Aufnahme eines Elementes (Prototrophie), 
wenn dieses als solches, d. h. ungebunden in den StofFwechsel einbezogen wird 
(z, B. SauerstofF, oder — von seiten gewisser Bakterientypen — StickstofF und 
Schwefel) und Metatrophie, wenn die Elemente in chemischer Verbindung in 
den Stoffwechsel gerissen werden. (Lafar beschrankt diese Termini in zweck- 
maBiger Weise auf die Aufnahme einzelner NahrstofFe, wahrend sie ursprunglich 
von A. Fischer auf den Gesamtstoffwechsel bezogen warden. Dieser Autor be- 
zeichnete solche Pilze als prototroph, welche mit ausschlieBlich anorganischer 
Nahrung das Auslangen finden oder bei Gegenwart organischer C-Verbindungen 
Stickstoff zu assimilieren vermdgen.) Die iiberwiegende Mehrheit der Pfianzen 
ist nur in bezug auf Sauerstoff prototroph. Pfeffer teiit die Pfianzen weiter 
ein in Autotrophe und Heterotrophe; erstere bauen die organischen Korper- 
substanzen aus anorganischen Bausteinen auf, letztere sind in ihrer Ernahrung 
an vorgebildete organische Substanz angewiesen. Zwischen beiden Extremen gibt 
es zahlreiche Ubergange. Gewohnlich denkt man bei den Ausdriicken Auto- 
und Heterotrophie nur an die Form der KohlenstofFernahrung. Korrekter ware 
es jedoch, bei Gebrauch dieser Termini den betreffenden NahrstofF ausdriicklich 
zu nennen, da aiich Falle von Stickstofif-, Schwefel- und Phosphor-Heterotrophie 

Wakker (J. w. B., Bd. 24, 1892)5 gruppiert die parasitaren Pilze nach der Art, wie sie die 
Ernahrung der Wirtspflanze beeinflussen und unterscbeidet: i. Kteinophyten, welche un- 
mittelbar den Tod der Zellen herbeifilhren, 2. Ply pertr ophyten, 3. Isotrophyten und 
4. Atrophy ten je nachdem sie eine Plypertrophie des befallenen Pflanzenteils hervorrufen, nur 
geringfilgige Ernhhrungsveranderungen bewirken Oder eine Atrophie wichtiger Organe bedingen. 

Schneider, Bot. WSrterbuch, 2 , Auflage. ^4 



2 lO 


Ernahrungswurzeln — Erregun g. 


bekannt sind. (Die Legutninosen sind z. B. autotroph in bezug auf die C-Assi- 
milation, hingegen heterotroph mit Riicksicht auf den Stickstoffgewinn.) Die 
extremsten Autotrophen reprasentieren die durch Winogradsky entdeckten Stick- 
stoff bakterien , welche durch organische Substanzen sogar geschadigt werden; 
sie sind obligat autotroph, wahrend die Mehrzahl der Pflanzen unter Uni- 
standen organische Substanzen zu ihrer Ernahrung heranziehen, somit als fakul- 
tativ heterotroph bezeichnet werden konnen. Ebenso kann die Mehrzahl der hete- 
rotrophen Pilze einen Teil der Nahrung auch in anorganischer Form aufnehmen. 
Pfeffer bezeichnet sie daher als mixotroph. (Gate tJbersicht bei Lafak, 
Handb. d. techn. Mykologie. Jena 1904 — 1907.) Bezilglich weiterer Ernahrungs- 
typen s. unter autotrophe Pflanzen, ferner unter Parasiten, Saprophyten, carnivore 
Pflanzen und Symbiose. {£.) 

ErBahrungswiU’zeln s. Heterorhizie. 

Erneuerimgsspi’osse = Innovationssprosse, s. SproBfolge. 

Erregbarkeit s. Empfindimg. 

Eri-egung. Unter dem Einflusse von Reizen konnen die spontanea 
LebensauBerungen qualitative oder quantitative Veranderungen erfahren. Im 
letzteren Falle auBert sich die Veranderung in einer Steigerung oder in 
einer Herabsetzung aller oder einzelner Lebensvorgange; dementsprechend 
spricht Verworn (1. c., S. 419) von Erregung oder von Lahmung^). (Vgl. 
unter Ermlidung.) Da auch Stoffwechselvorgange, Assimilations- und Dissi- 
milationsprozesse, durch Reize erregt oder gelahmt werden konnen, unter- 
scheidet Verworn eine assimilatorische bzw. dissimilatorische Er- 
regung und Lahmung. Wirkt der Reiz in gleichem Sinne auf die beiden 
antagonistischen Stoflwechselprozesse ein, so entsteht eine totale Erregung 
bzw. Lahmung (Verworn, S. 592). 

Uber Erregung als Ausdruck der primaren Veranderung im sensibten 
Plasma unter dem EinfluB von Reizen vgl unter Empfindlichkeit 

Jordan unterscheidet zwischen den dauernd vorhandenen, statischen 
Erregungen (Tonus s. d.) und den voriibergehenden oder dynamischen E. 
(nach UXKULL, Umwelt und Innenwelt der Tiere. Berlin 1909, S* 57). — 
Wird ein Organ nach erfolgter wirksamer Reizung an der Ausfuhrung der 
Reaktion eine gewisse Zeit hindurch gehindert, so unterbleibt die Nach- 
wirkung auch nach Entfernung der Hemmung; es ist die Erregung aiis- 
geklungen* Dieses Abklingen der E. gehort in die Kategorie der Gegen- 
wirkungen (Exstinktionsvorgange nach Noll), welche bei voriiber- 
gehender Reizung eine Rtickkehr des Organs in den vor der Reizung 
vorhanden gewesenen Gleichgewichtszustand anstreben. (Riickregulation.) 
Manche Beobachtungen sprechen daftir, daB noch wahrend einer Reizwir- 
kung eine entgegen gerichtete Erregung (Gegenerregung) eingeleitet wird. 

Mit dem Aufhoren des Reizes erlischt die Erregung nicht plotzlich, sie zeigt 
nur einen rapiden Niveauabfall , um hierauf allmahlich abzuklingen. Semon 
(Mneme, IL Aufl. 1911, S. ii) unterscheidet demnach zwei Phasen der Erregung: 
die synchrone E. wahrend des Vorhandenseins des Reizes und die akoluthe 
Phase der E>., d. h. die abklingende Phase der Erregung, nach Verschwiiiden 
des Reizes. Der Reiz zeigt somit eine Nachwirkung oder akoluthe Wir- 


I) Sielie hieriiber namentlicli Verworn »Enmidung and LJihmimg«, Jena 1914, worauf 
hier keinc Riicksicht mehr genommen werden konnte. 



crrcguiigseiK-rgctische Situation— Krytlirophyll. 


21 1 


kung (iin Ciegensatz xtir synchronen lleizwirkung), Eine Nachwirkung kann sich' 
aber noch^ in ganx andercr Weise auJGern. Der Zustand der erregbaren Substanz 
niudi vulligeni Abklingen der akoluthen Wirkitng muB nicht mehr dem vor 
Auilreten des Reixes vorhandcnen Zustande gleichen; der Reiz kann ein En- 
grain in (h. unter Mneme) hinterlassen habeii. Es ist somit zwischen primarem 
und sekundarein In differenzzus tan d, d. h. dem Zustande vor Beginn und 
nach ka-iasclicn des Reizes, zu unterscheiden. Semon nennt diese Reizwii'kimg 
Hie Pflanzenphysiologen verstehen aber unter Nacliwirkung meist 
eine ganz andere Erscheinung, namlich das Eintreten einer Reaktion nach Auf- 
hdren des Reizes (heliotrope, geotrope Nacliwirkung); bier handelt es sich eigent- 
lieh gar nicht tun eine Nacliwirkung, sondern um eine mitunter zeitlich weit 
hinausgeschobenc AuBcrung der synchronen Erregung. Eine scharfere Formu- 
lierting des Begril'tes Nacliwirkung im Sinne Semons wtirde sich jedenfalls emp- 
fehlen. (A.) 

erregungsencrgctische Situation s. energetischc Situation. 

Brx'cguiigsleituiig s. Rcizldtung’. 

Erx’egimgszustand s. Tonus. 

Ei'satzfasei'zellen s. Ilokkorper. 

Jil’Satzhydathodeii. Als K. beschreibt Habkrland'i’ (Schweiidener Fest- 
schr. 1S99, S. 107) eigenartige Gebilde, welclie nach ktinstlicher Abtdtimg der 
normal vorhandenen Elydathoden bei Conocephalits ovatus sich bildetcn und seiner 
Auftassung zufolge wenigstens eine kurze Zeit lang imstaiide waren, die gctdteten 
KpitheniTIydathoden in Hirer Funktion vollkommen zu ersetzen. (Ziir Kritik 
vgl. Makx in O. Ik Z. 1911, S. 49 ff.) (P.) 

Ei^satzx’Caktion. VVircl cin Organ in seiner noriiialen Funktion ge- 
hcmnit, so kdnncn in gewissen Fallen andere Organe dessen Funktion iiber- 
nehmen. So ktinnen die ncuentstehcnclen Nebenwurzeln nach entsprechender 
Amputation der Spitze der Hauptwurzel ihren normalen geotropen Grenz- 
winkcl verkleinern und mehr minder wagerecht sich in die Riclitung der 
Hauptwurzel stellen. Derartige Reaktionen bezeichnet Pringshkim (Die 
Riebtungsbew. der Pflanze, Berlin 1912) als Ersatzreaktionen. [L.) 

Ei'satzsprosse — reparative Wurzelsprosse. 

Ex’schdpfung s. Krmuclung. 

ErHChiittex'UXigsbefruchtung. Als E. bezeichnet Kuntzk (Ober die 
Schutzmittel der Pilanzen gegen Tiere usw. , Leipzig 1877, S. 60) die Erschei- 
nimg, daB bei einer an Freni dbestaubuiig angepaBten Bliite beim Ausbleiben 
dieser der Pollen diircli WindstoBe, Obdach suchende, unberufene Giiste oder 
hcjiiigerbrechende In.sekten zufttllig auf die Narbe gelangt. ^ In der zitierten Schrift 
KuN'rzKs fmden sich auch die tibrigen, zahlreichen von cliesem Autor vorgeschla- 
genen Termini, wie Korollenbefruchtung, ^Ahrentaubefruchtung, Ko- 
rolientaubefruchtung, welche, da sie sich iiirgends eingebtirgert haben, hier 
tibergangen wmxbfii. [J\) 

Ersschtittci'uxigsreize s. StoBreizbarkeit. 

lirstaidxung s. Dickcmvachstum. 

Erstai'kimgsspi'osse (A. Braun) s. SproOfolge. 

Exxstlingsblatt -- ITimarblatt. 

Erythx’ojanthin s. Bakterienpigmente, 

Ei^ythrophilie s. Chromatophilie. 

Erythl'ophyll s. Chloroplastenpigmente. 

14* 


212 


Escliarostrophe — Eucecidien. 


Eschar 0 strophe s. Chloroplastenbewegung, 

Etagenholz s. stockwerkartiger Holzkorper. 

Etagenkamtaium (J. C. Schoute) s. Initialenkambium. 

Etagenwuchs kommt dadurch (z. B. bei dem Laubraoos Hylocomium 
splende?is) zustande, daB in jedem Jahre sich erst ein orthotroper, unverzweigt 
bleibender SproB entvvickelt, der aber bald plagiotrop wird und sich zweizeilig 
in einer zum Lichteinfall rechtwinklig stehenden Ebene verzweigt. Jedes dieser 
plagiotropen, mit kleinen Blattchen besetzten SproBsysteme ist nur eine Vege- 
tationsperiode tlitig. Im Beginn der nachsten entvvickelt sich nahe seiner Basis 
wieder ein zunachst orthotroper SproB. Und so kdnnen sich mehrere SproB- 
generationen etagenartig tibereinander aufbauen {nach Goebel). [ K .) 

Etagenwuchs der Holzgewachse = Schichtkronigkeit, s. d. 

Etesiae = Zeitstauden. 

Ethnobotanik. Die E. nntersucht die Abhangigkeit des Menschen von 
der wilden Bflanzenwelt , seiner Vegetations-Umgebting, und von den geogra- 
phischen Moglichkeiten der Pflanzenkultur. Als damit vervvandtes Thema er- 
gibt sich die Umgestaltung der nattirlichen Formationen durch menschliche 
Eingriffe. (Z>.) 

Etiolemeut: Die Krankheit, welche durch mangelhafte Beleuchtung 
Oder ganzliches Fehlen derselben hervorgerufen wird, heiOt das Ver- 
spillern, Vergeilen, Etiolement. Die einzelnen Stengelglieder der 
Mehrzahl der griinen Pflanzen werden ungemein lang und schwach. Die 
Spreiten werden, entweder ebenso wie die Internodien sehr lang, schmal und 
schlaff, Oder sie bilden sich liberhaupt nur sehr wenig aus und bleiben ihr 
ganzes Leben hindurch in einem ahnlichen Zustande, wie sie in der Knospe 
gewesen sind. Die Blattstiele erscheinen oft libermaOig verlangert. — Die Farbe 
der bei LichtabschluB erwachsenen Pflanzen und Pflanzenteile ist meist 
schwach gelblich (s. Etiolin). Hinsichtlich ihres Gewebebaues unterscheiden 
sich etiolierte Organe von normalen dadurch, daB ihre DifFerenzierung auf 
einer frtihen Stufe stehen bleibt (s. Hypoplasie). E. Noll (Sitzb. niederrhein. 
Ges. Nat. u. Heilk., 1901, S. 55) sucht den Begriff des E. zu erweitern. Dem 
eigentlichen Dunkel-E. stellt er die bekannte Verlangerungsfahigkeit der 
Stengel- und Blattstiele von Wasserpflanzen und verwandte Erscheinungen 
als Wasser-E. gegeniiber. Die durch das Fehlen von Stickstoff in Nahr- 
Idsungen bedingte Uberverlangerung der Wurzein bezeichnet er als Hun ger-E. 
Auch innere Reize vermogen ahnliche Erscheinungen zu veranlassen. Viele 
Pflanzen mit Blattrosetten und g*estauchten Internodien beginnen vor der 
Bildung der Fortpflanzungsorgane zu »schieBen«, d. h. die Bliiten auf ab~ 
norm verlangerten Internodien, an denen die Blattflachen reduziert bleiben, 
emporzuheben. Man konnte hier nach Noll von einem Zeugungs-E. 
reclen. (Kst) 

Etiolin. s. Chloroplastenpigmente. 

Euapogamie (Farmer und Digby, Annals, of Bot 1907) == somatische 
Apogamie, Apogamie bei der die junge Pflanze aus einer vegetativen Zelle des 
Sporophyten entspringt (s. Apogamie). Diese E. kann bei einigen Farnen 
mit Aposporie verknUpft sein. ( 71 ) 

Eiiasci s. Sporangien der Pilze. 

Eucecidien s. Gallen. 



eucpliomei-— eukleistokarpe Fnichtfeirper. 


213 


euepheiner s. ephemere Blute^ phytostatique 18495 

eugeogene Gesteine nannte ■>^«urmann p verwitternden. 

S. oc;) die, weiche leicht verwitteriij S viele Kalke. In diesem 

Eugeogen sind z. B. viele Silik^gesteme, f(ir die Eoristischen 

physikdischen Gegensate suchte Thukma 3 .n 

Unterscluede der beiden Gesteine ^ Senn, in E. P. I- la, 

Euglenakern. Bei den voneinandi abweichende Kerntypen 

S. 97) drei mebr oder wemger deutbch vonemanu 

unterscheiden: 



1'' Tti Kerne nnd Kernteilungen bei Codosiga. ' Botrytis. — 

. n» 

sr." .?r irefissi " 

T Der blaschenfdrmige Kern besteht ’ g^t ausgebildeter 

stark' ausgebildeter zentralen Binnenkdrper. Dieser Typus 

. -ui^r^rUn dicken Chromatinfaden, nur Dei & neueste Zu- 

“TrSTokarpe FruchtMrper s. Karposoma. 



214 


Eumeristelie— eutrop. 


Eixmeristelie s. Stele. 

eupliotometrisclie Blatter s, photometrische Blatter. 

Eliphyten (Johow). Nach dem Medium, in dem sie leben, gliedern sich 
die Pflanzen, nach Kirchner I, S. 9, in: 

1. Euphyten (Bodenp flanzen, Edaphophyten): Wurzeln im Boden, 
Assimilationsorgane an der Luft beiindlich. 

2. Aerophyten (Luftpflanzen, Epiphyten, Uberpflanzen): Die ganze 
Piianze uber dem Boden beiindlich, auf anderen Pflanzen haftend. Vgl unter 
Epiphyten. 

3. Ply drophyten (Was ser pflanzen): Assimilationsorgane entweder unter- 
getaucht mit Ernahrung diirch die Kohlensaure des Wassers (Taiichpflanzen, 
z. B. Ceratophyllmi ihmersim) oder auf dem Wasser schwimmend und mit 
Ernahrung durch die Kohlensaure der Luft (Schwimmpflanzen, z. B. iVyw- 
phaea), 

euphytoid. (Johow) sind solche phanerogame Schmarotzerpflanzen, die aus 
autotrophen Boden pflanzen sich entwickelt haben (z. B. Orohanche^ Rhinantha” 
ceae) ex Kirchner, S. 40. 

eury bathes Plankton s. d. 

euryhalin s. unter stenohalin. 

euryphotisch s. unter stenophotisch. 
eiiryplethares Plankton s. d. 

eurytop s. Areal. 

eustatische Boden und Pflanzen s. anastatische Pflanzen. 
Eustele s. Stele. 

eutopisch heiBt eine Kelchstellung, wenn die Kelchblatter eine Deckung 
aufweiseii, welche der Blattstellungsspirale entspricht. Gewohnlich wird der 
Ausdruck in Verbindung mit »quincuncial« als »eutopisch-qumcuncial« ge- 
braucht. Den Gegensatz zur e. Deckung bildet die metatopische. (PE) 

eutrop: Je nach ihrer Bedeutung fiir die Bestaubung unterscheidet Loew 
(BlUtenbiol. Floristik 1894, S. 386 if., daselbst frlihere Literatur) folgende Insekten- 
typen: 

1. alio trope: Blumenbesucher von geringem Werte fiir die Bestaubung, 
denen spezielle liber die Kdrperausriistungen ihrer Verwandtschaft hinausgehende 
Anpassungen an das Blumenleben fehlen. Sie suchen sich ihre Nahrung tiber- 
dies auch auSerhalb der Bliimen imd treten gelegentlich auch blumenverw listen d 
auf, Tabaniden, viele Kafer, Hemipteren, Neuropteren, kurzrusselige Grab- 
wespen, Vespa. 

2. hemitrope: halbeinseitig angepaflte Blumenbesucher von mittlerem Werte 
f(ir die Bestaubung. Anpassungen an das Blumenleben stets deutlich erkennbar. 
Bewegungen an den Blumen gewandt, aber nicht so regelmaBig wie bei 3 ; 
langriisselige Grabwespen, Odynerus, Conopiden, Bombyliden, Syrphiden, Mehr- 
zahl der Falter. 

3. eu trope: vollkommen einseitig angepafit, fhr die Bestaubung von aus- 
schlaggebender Bedeutung. Bewegungen an den Bltiten von grdfiter Stetigkeit 
und RegelmaBigkeit Langriisselige Bienen, Sphingiden. 

4. dy strop e: entweder wie manche Kafer durch Verzehren von Blliten- 
teilen bluinenverwtistend, oder wie Ameisen, Blattlause usw. unberufene Gaste. 
Dieser Einteilung der Bestauber entspricht auch nach Loew eine parallele Ein- 
teilung der Blumen. Er bezeichnet als allotrop die MtlLLERschen Blumenklassen 


(‘Uh'yphe PHau/.cn — Kxantheme. 


2X5 


\V, Puj A iukI AI»j ills hemitrop P, B' und als eutrop die Bienen-, Hiiminel- 
uud I'alterbluuien ;s. lUumenkkissen), 

I'erncr be/,eichnet Lokw als pseudody strop jene eutropen Besuchei*;, welche 
SL*knndiir ( Bnvohnheiteii angenoaunen und Einrichtungen erworben haben, welche 
sie uatc^r besliniuiten Unastiinden mv Blumenverwiistung anleiten. Kin bekanntes 
Bei^^pitd l>ieten tnnige heiinische liummelarten [Bombus terrestris^ B. inastrucatiis\ 
welcihc* Ian vielen Bluraenarten den Honig durch Einbruch in die BUite gewinnen, 
ohne die lillitc zit beHtaidjcn. Die ihres Trionigs beraubte Bltite verliert ftir 
aiulere eutrope Besucher ibre Anziehungskraft und gelangt daher nicht zur Fort- 
ptlanxung* SchlieBUch hat Roijkrtson jene Bienen als oligotrop bezeicbnet, 
deren Weibdien ausschliefilich den Pollen eincr einzigen Blumenart oder ver~ 
wandter Arten dersclben (lattung resp, Familie, nicht aber den Pollen ungleich 
geliauter Blumen vcrHchiedenet Pllanzenfumilien sammeln. Andrena jlorea an 
Hrymifi^ Atacnfph htbtnia an Lydmachia ukw. (,/^) 

eutrophc Pilaiizcn nennt man die auf mincralsalzrcichem Boden 
lebcnden: (lef:(ensatz oligotroph. [!),) 
euzyklLsch s. Bliitem 

Evcktioii: Bci der Verzweigung der Cladoplw^Hi-kxK.t'^ treten mancherlei 
sekuudare Lageveranderungen ein. Hdufig verschiebt sicb der SeitensproB unter 
partieller Verdrilngung des Muttersprosses derart, daB man glaubcn mdchte, es 
liege eine Galjelung vor, Es wird der Astansatz von der SeitenflUche auf 'die 
obere FUiche der Stammzelle hinausgeschoben, was Brand**) als Evektion be- 
zeichnet. Kine abweichende Art derselben ist die Transvektion, {IC) 

Ever spoiling varieties (dk Vrikh) s, imter Modifdcation und Zwischen- 
rassen. 

I^volutionshitensitiit d. Keimpflanze s. Kchmmg, 

Evolutioiistheorie: Als 1 C. bczcichnct man die Hypothese, dab im 
Keiinc Hchon allc Organe vollstandig vorhanden seien, eine Neubildung der 
lirtztcrcn also nicht stattfuidc, sondern nur Entfaltung imd Wachstum, wozu 
der Anstob durch die Befruchtung gegeben werde. Jedes Samenkorn ent- 
Inilt, vvie !k>XNKT (Bctrachtungen liber die Natur, iibersetzt von Trnus, 1772) 
sagtj eine Pflanze im kleinen, ‘'also auch die Anlage der Bluten, die an einer 
1 anne z. B. normal erst etwa im 50. Lebensjahre erscheinen. Da namlich 
di*r Keim altc Teilc des kunftigen Gcwachscs enthiilb so bekommt dasselbe 
keinc Organe, die cs zuvor nicht schon hattc, sondern die vorher imsicht- 
baren Organe fangen an sichtbar zu werden. 

An Stdle dieser Theorie trat mit Casp. Fr. Wolff, Thcoria gencrationis 
1774, die der iCpigenesis, eine Bezeichnung die ausdriickt, daO bei der 
ICntwicklung cine wirkliche ^Neubildung^ von Teilen stattfindet, eine Neu- 
anlage von* Organen an dem ursprungUch ungegliederten Keimc. Neuer- 
dings s[mcht man auch von Neoevolution und Neoepigenesis (Roux), 
Je nachdem die in den Gameten oder Ausgangszellen gegebenen »Mannig- 
faltigkeiien^ wahrend der Ontogenie sich glcich bleiben oder an Menge 
zunchmen. 

Evolutions wachstum s. Wachstum. 

Exantheme; Als li bezeichnete man frliher (z, B. Unger, Die Exan- 
theme der Fflanzen, 1833) die den Eindruck von Hautkrankheiten machenden, 

»; I?. C IW. 79, 1899, S. 177. S. auch 0 . 1 . S. 256—258. 



2 i 5 Excefi— exogene Sporen. 

an den Blattern hervortretenden Aecidien usw. der Uredinales, die Erincum- 
gallen u. dergl. m. (Kst.) 

Excels (E): Die Variantenverteilung; [s. d.) kann zuweilen darin sehr von 
der )>idealen« abweichen, daB die die Variation ausdriickende Kurve einen vicl 
zu hohen Gipfel hat. Der Grad der »Uberschreitung« von dem des :.nornmlen« 
Gipfels wird der ExceB genannt., Uber seinen zum Vergieich in Zahlcn 
ausdriickbaren Wert vgl. man JOHANNSEN, Eleinente 19^9? 

Excipulum: i. s. Asci; 2. derFlechten s. Apothecien ders. 

Excitation s. Empfindliclikeit. 

Exine (nach Jackson == Extine von extiums auBenseitig) s. Pollensack 
und Sporen der Bryophyten. 

Exklndismus, Exklusion s. vikariierende Formen. 

Exkretbelialtei’: Von den Sekretionsorganen (s. d.) iinterscheiden sich 
die E. vor allem dadurch, »daO die Zellen, aiis denen sie bestehen oder 
aus denen sie hervorgehen. End- und Nebenprodukte des Stoffwechsels, 
Exkrete im ernahrungsphysiologischen Sinne des Wortes, in ihrem Lumen 
aufspeichern«. Zuweilen kann man unsicher sein, ob man eine bestimmte 
Zelle als E. aufzufassen hat, oder ob sie zum Speichersystem (s. d.) zu 
rechnen ist. 1 st doch bisweilen auch derselbe Stoff einmal dauernd ehi 
Exkret, ein andermal eine plastische Substanz, wie z, B. Gerbsanren. 

Zu den E. gehoren Harz- und Olbehalter, Gerbstoffbehaltcr , 
Fermentbehalter, Kristallbehalter, Zystolithen, Kieselzellen und 
Kieselkorper^ die — soweit es notig schien — im einzelnen besprochen 
wurden (nach. Haberlandt). (P.) 

Exkrete, Exkretion. Die vom Organismus ausgeschiedenen gas- 
formigen, flussigen oder festen Stoffe pflegt man in Sekrete und Exkrete 
zu scheiden; erstere spielen im Leben des Organismus noch irgendeine 
ernahrungsphysiologische Rolle, letztere stellen fiir die Ernahrung wertlosc 
Neben- oder Endprodukte des Stoffwechsels dar, denen allerdings noch cine 
biologische Bedeutung zukommen kann (Schutzstoffe, Anlockungsstohe u. a.). 
Dementsprechend unterscheidet man auch zwischen Sekretion und Exkrction 
(Verwork, Alig. Phys,, S. 200). Eine scharfe Trennung ist im einzelnen 
nicht durchfiihrbar. Die Begriffe werden liberdies nicht immer im gleichen. 
Sinne angewendet. POTTER (Vergl. Phys,, Jena 1911, S. gi) bezcichnet als 
^Sekrete »solche Produkte der Baustoffwechseltatigkeit, die dauernd oder 
zeitweilig aus dem Umsatz der lebendigen Substanz ausgeschieden werden «; 
sie werden also unter Energieaufwand aus entsprechendem Stoffwechsel- 
raaterial gebildet. Der Begriff Exkrete hingegen wird fur Produkte des 
Betriebsstoffwechsels reserviert. — Die Sekrete miissen nicht immer nach 
aiiBen entleert werden; gerade den Produkten »innerer Sekretion« kommt 
anscheinend eine eminent wichtige Funktion zu. (S. auch liormone.) [L) 

Exo chiton s. unter Epichiton. 

Exodermis s. Hypoderm und Endodermis. 

Exo enzyme s. Fermente. 

Exogamie s. Endogamie, 

exogen s. endogene Glieder. 

exogene Sporen der Ftmgi s. Basidie und Sporen der Pilze, 


2i8 


extratr 0 pi s ches Floren re ich — Fiicli el . 


extoatropisches Florenreich s. Florenreiche. 
extrazellulares Plasma = extramembranoses Plasma, 
extroi’se Anthere s. Androeceum. 
extrorse Samenanlage s, d. 

ExuviatioB s. unter Peridineen. 


F. 


Fj-, Fg-, F3- usw. Generation: Kurze Bezeichnungsweise fiir erste, zweite, 
dritte Tochter-(FiliaI~j Generation. P.-Generation bedeutet dann die Eltern- 
generation. Eingefiihrt von Bateson imd SAUNDERS Rep. EvoL Comm. I, 
igo2. {S. aiich unter Bastarde.) (T,) 

fachspaltig = loculicid s. Streufriichte. 

Facies einer Assoziation, s. Assoziation. 

Fadenapparat (Schacht 1856). In den Synergiden (s. d.) des Em- 
bryosacks sind haufig besondere, fadige Differenzierungen beobachtet worden, 
bei denen eine Celluloseabscheidung vorgenommen wird (s. die neue Zu- 
sammenfassung bei Habermann, B. B. C. 1906). Der F. diirfte unter dem 
»Ergastoplasma« subsumiert werden. ( 7 ".) 

Fadenbildung bei Kartoffeln: eine nach trockenen Sommern ein- 
tretende Krankheit der Knollen, deren Augen zu fadendiinnen Sprossen 
aiistreiben. Vgl. auch Kindelbil- 
dung. {Kst) 

Fadenplasma s. Filarplasma 
s. unter Zytoplasma. 

Fadenranken, -ranker s. 

Rankenpflanzen. 

FM-chel = Rhipidium: Von 
Buchenau eingefiihrter Ausdruck 
fiir eine zymose, zu den Monocha- 
sien (s. d.) gehorige Infloreszenz, 
in welcher samtliche SproBgenera- 
tionen in » einer « Ebene liegen und 
sich aus den adossierten Vorblattern 
entwickeln (vgl. Fig. 1 14), Im Dia- 
gramm (Fig. 115) steht links die 
(relative) Endbliite, rechts das an 
ihrer Achse inserierte Blatt, aus 
dessen Achsel sich das Verzwei- 
gungssystem entwickelt. Einige der 
hoheren Achsen sind mit ihren Vor- 
blattern durch punktierte Linien a fn * -rt. u i 

verbunden. ( H/ J (Rhipidium). Vgl. Text. (Orig. nach R. Wagner.) 



exogener Thallus — extrastaminaler Discus. 


217 


exogenei' Thallus s. Thallus der Flechten. 

Exohyalozysten s. Leukozysten, FuI 3 note. 

Exokarp (Sachs, Lehrb. Bot^ 1868, S. 472) = Epikarp. 
Exoperidium s. Fruchtkorper der Gasteromyceten. 
exosporangisclie Pilze s. Sporangien der FtmgL 
Exospor(ium): i. s. Pollensack, Sporen der Bryophyten und Pterldo- 
phy ten; 2. der Uredinales s, Spermatien ders. 

Exostom: i. der Samenanlage s. d,; 2, der Musci s. Peristom. 
Exothecium s. Pollensack. 

Exotrophie s. Trophic. 

Exotropie, Exotropismus (Noll, Arbeit. Bot. Inst. Wurzbg. Ill, 1887, 
S. 367): Noll (vgl. aiich Flora, Bd. 76, 1892, S. 271) nahm an, daB bei der 
Orientierung der dorsiventralen Bltiten (bzw, bei den orientierenden Torsions- 
bewegungen) ein von der Tragachse atisgehender, richtender EinfluB in hervor- 
ragender Weise initwirke. Er bezeichnete diese Bewegung nach ihrem Ziele, 
der Auswartsstellung der Bliiten, als exotropisch und die Eigenschaft der 
Pflanzenteile, diese Orientierung zur Mutterachse aufzusuchen, als Exotropie. 
(Vgl. hierzu auch Pfeffer II, S; 691.) (Z.) 

Expansion, Expansionsphase s. Kontraktilitat. 

Explodiflox'ae s. Bestaubungsvermittler. 

exploratorische Bewegungen (Jennings) = Probierbewegungen. 
S. imter uberproduzierte Bewegungen. 

Explosions einrichtung der Schmetterlingsblume, s. Bienenblumen. 
Exstinktionsvoi'gange s. unter Erregimg. 

extraaxillar heiBt ein SproB, wenn er auBerhalb einer Bliitenachsel 
steht: bei genauerer Betrachtung zeigt es sich, daB entweder das Tragblatt 
abortiert ist, oder wohl haufiger, daB Konkauleszeiiz oder Rekauleszenz 
vorliegt. 

extraflorale Nektaiien s. d. 

extrafloi'ale Schauappai^ate s. Schauapparate. 

extramatrikal = epibiotisch, s. Myzel. 

exti’amembi'anSses Plasma: die Pflanzenzelle erhalt nach der bisher 
giiltigen Ansicht ihren AbschluB nach auBen durch die Membran; demnach 
ware nur von einem intrazellularen Plasma, das bauend wirken konnte, aber 
nicht von einem extrazellularen Plasma zu reden. Nach SCHUTT kann 
jedoch bei den Peridineen, Diatomeen und Desmidiaceen z. B. das zentri- 
fugale Dickenwachstum nur durch die Annahme der Tatigkeit von e. P. 
erklart werden. Dies AuBenplasma kann aber nicht vollstandig von dem 
inneren getrennt sein, wenn es lebensfahig bleiben soil. Das Wachstum 
kann demnach nur veranlaBt werden durch Plasma, welches dem Zellinnern 
entstammt, welches aber zum Zweck des Membranbaues nach auBen ab- 
kommandiert ist (nach SCHtiTT, J. w. B., Bd. 33, 1899, s. die Zusammen- 
fassung bei Strasburger, Progr. I, 1907, S. no). KuSTER (in Handwdrt 
d. Naturw. X, 1914, S. 755) laBt das »e, PL« nur bei den »beweglichen 
Diatomeen« und vielleicht auch den Peridineen gelten. ( 71 ) 

extranuptiale (= extraflorale) Nektarien s. d. . 

extrastaminalei' Discus s. Receptaculum. 


Facherblatter — fakultativ. 


219 



Fig. 1 1 5. Diagramm eines Fachels (Rhipklium). Vgl. Text. (Orig. nach R. Wagner.) 


Facherblattei% -palmen, -strahlen s. Palmenblatter. 
Fadchensubstanz s. Filartheorie. 

Faule des Holzes. Alle Zersetzungserscheinungen, bei denen das Holz eine 
rotliche, braunliche oder schwarzliche Farbe anniinmt, werden mit dem Namen 
Rotfaule oder nasse Faule belegt, Dieselbe Sache bezeichnen auch die Aus- 
driicke Wurzelfaule, Stockfaule, Astfaule, KernfMe oder Stammfaiile und Splint- 
faule, indem sie nur den Ort des Auftretens dieser Zersetzung andeuten. 

WeiBfaule, Trockenfaule oder Vermoderung nennt man den ProzeB, 
wenn das Holz dabei hell, namlich blaBbraiinlich oder weiB und vollig zerreib- 
lich wird (haiifig bei Linden, Weiden, Pappeln). 

Die Grtinfaule ist die am seitensten vorkommende Zersetzungsart, die sich 
bisweilen an Birken-, Buchen- und Eichenholz zeigt, welches lange Zeit am Boden 
gestanden hat, besonders an alten Stocken, und durch intensive spangrtine Farbe 
ausgezeichnet ist. Die Farbe wird durch einen Pilz, jPeziza aeruginosa^ hervor- 
gerufen. [Ksf.] 

Faulnis. Man pflegt darunter iin allgemeinen die Zersetzung tierischer 
oder auch pflanzlicher StofFe unter Bildung ubelriechender StofFe zu verstehen. 
Wissenschaftlich korrekter ist es, die Faulnis (EiweiBfaulnis) zu definieren »als 
den durch Spaltpilze (oder durch von ihnen produzierte Enzyme) ohne Mit- 
wirkung von atmospharischem Sauer stoff bewirkten Abbau der EiweiBmolekel 
unter Bildung cbarakteristischer SpaltuDgsprodukte«. (A, Ellinger in Erg. d. 
Physiol. VI, 1907, S. 28 fF.) Wahrend in diesem Falle durch die Tatigkeit der 
Anaeroben tibelriechende Faulnisprodukte entstehen, geht die Zersetzung bei 
Luftzutritt durch Aerobe ohne Bildung Ubelriechender StotFe vor sich; in diesem 
Falle pflegt man von Verwesung zu sprechen. (Z.) 

Faulnispflanzen = Saprophyten. 

Fahne der Papilionaceen s. Alae. 

Fahnenwiichs s. unter Drehwuchs. 

Faktoi- in der Erblichkeitslehre = Gen, s. d. 

Faktorenabstofiung == Allelomorphism, spurious. 

Faktorenkoppelung = coupling gametic. 

Faktorenpolaritat s. Polaritat. Anm. 

Faktorentheorie s. unter Gen, Erbformeln, Mendelismus. 

fakultative Aero-(Anaero-)biose, Parasiten, Saprophyten, Schmarotzer 
s. unter obligat, Ernahrungstypen und den entsprechenden Hauptwdrtern. 


220 


fakultative G alien — Falterbliimeii. 


fakultative Gallen heiBen die Produkte derjenigen Gallenerzeuger^ 
die nur unter bestimmten Umstanden an ihrem Wirte Gallenbildungen ent- 
stehen lassen, in anderen Fallen aber auch ohne diese an der Wirtspflanze 
ihr Fortkommen finden (vgl. Molliard in Rev. Gen. de Bot. 1904, XVI, 
S, 91, KtJSTER 1911, S. 252). [Kst.) 

fakultative Lichenen nennt Elenkin (Zitat bei Endosaprophyto- 
parasitimus) Pilze, welche in einer gewissen Periode ihres Lebens oder unter 
gewissen Umstanden mit Algen in ein symbiotisches Verhaltnis treten konnen. 
Hierher gehoren Falle der Parasymbiose, Halbflechten usw. Elenicin 
erwahnt als neues Beispiel von f. L. Tichotheciopsis minutula und als neue 
Falle von Parasymbiose Trematosphaeriopsis parmeliana^ Conidella arceolata 
und Nesolechia verruchicola. Er glaubt, daB der Paramutualismus von ZOPF 
(s. unter Halbflechten) auch als Parasaprophytismus erklart werden konne. 
VgL Endosaprophytoparasitismus. (Z) 

Fallfruclite (sensu Gunther R. v. Beck, in Z. B. Ges. Wien 1891, 
S. 310; vgl. Fruchtformen): Frucht geschlossen abfallig oder einzelne den 
Samen umschlieBende Teile abfallig. Hierher als Haupttypen: Monokar- 
pium, Lomentum, Schizokarpium und Polykarpium (s. d. im einzelnen). 
falsche Bastarde s. unter Bastarde. 

falsche Diapliragmen. Bei Nuphar finden sich nach Tr^cul locker 
gebaute D. , welche dadurch entstehen, daS die Wandzellen der Interzellnlaren 
zu gabelig verzweigten, Schleim absondernden, inneren Haaren auswaclisen, deren 
aneinanderstofiende Wande miteinander verkleben. Aiif solchem Wege entstan- 
dene D. werden als f. D. bezeichnet. Vgl. Solereder S, 57. (A.) 

falsche Dichotomie s. Dichasium. 

falsche Plasiiiodien = Aggregatplasmodien s. Plasmodien der Myxo- 
myceten. 

falsche Scheidewiinde s. Gynoeceum. 
falscher Kern des Hokes s. Kernholz. 

Falterblumen. Gesamtbezeichnung fiir alle jenePflanzen, deren Blumen 
vorwiegend oder einseitig an die Bestaubung durch Schmetterlinge angepaBt 
sind. Ihre gemeinsamen Merkmale sind reiche Honigabsonderung in langen 
und engen Rohren, Verengerung des Bliiteneinganges und lebhafter Duft. 

Je nach der Anpassiing an Tagfalter oder Nachtfalter iinterscheidet man 
Tagfalter- und Nachtfalterblumen. Erstere bliihen in den sonnigen Tages- 
stuiiden, besitzen um diese Zeit wUrzigen Duft und lebhafte, haufig rote, aber 
auch blaue und violette Farbe und sind auch durch Ausbildung einer Sitzfiache 
ffir den im Sitzen saugenden Schmetterling und haufig durch den Besitz von 
Saftmalen ausgezeichnet. Lilkm^ Hemerocallis^ Melandryum^ Dianthvs^ Viscaria- 
Arten, Centrantlius ruber, 

pie Nachtfalterblumen bluhen erst in den Abend- bzw. Nachtstiinden auf, 
entbieten^ erst um diese Zeit ihren starken, oft geradezu betaubenden Duft, zeigen 
belie, weifle, gelblichweiBe, hellgelbe, hellrdtliche Farbentdne und entbehren der 
Saftmale.^ Der Flonig ist, je nach dem als Hauptbestauber kurzrusselige Nacht- 
falter, wie Eulen (Noctuiden), Spinner oder bloB die langriisseligen Schwann er 
(Sphingidenj in Betracht kommen, in kurzeren bzw. sehr langen Kronenrohren 
oder Spornen geborgen. Man unterscheidet demgemaB auch zwischen Nacht- 
falter- und Schwarmerblumen. Zu ersteren gehoren viele Caryophyllaceen, 
wie Silene nutans,^ Melaiidryum alburn,^ zu Flatanthera bifolia^ Lonicera 



Faltung — Farbe. 


221 


caprifoUmn^ Cofivolvulus seplnm^ Datura- Ixora-KxVtn^ Macroplectron sesquipedale. 
Einige Ealterblumen vereinigen die tiefe Honigbergung der S ch warm erbium en 
mit den Farbeii der Tagfalterblumen und warden namentlich in den falterreichen 
Alpengegenden mit Vorliebe von Tagschwarmern (Taubenschwanz) besucht. Die- 
selben wiirden daher als Tagschwarmerblumen bezeichnet [Gentiana hava- 
rica und verna). Die Tagfalterblumen sind sowohl mit den Nachtfalterblnmen 
als mit langrohrigen Bienenblumen durcli tJbergange verbunden. [P.) 

Faltung der Blatter s. Knospenlage. 

Faltungstheorie in der Zytologie = Metasyndese (s. d.). 

Falzflachen der Bacillarien, s. d. 

Familie (das Folgende nach Engler, Syllabus 4. Aufi. 1904, S. VIII): 
Zu einer Familie werden einerseits diejenigen Formen vereinigt, welche in alien 
wesentlichen Merkmalen des anatomischen Baues, der Blattstellung, des Bliiten- 
baues, der Sporenbildung oder der Frucht- und Samenbildung eine augenfallige 
Ubereinstimmung zeigen, wie z. B. die Bacteriaceen, Gramineen, Orchidaceen, 
Cruciferen, Labiaten, Compositen, — andererseits diejenigen Formen, welche zwar 
untereinander im einzelnen der genannten Verlialtnisse Verschiedenheiten zeigen, 
aber doch durch ein ge’meinsames Merkmal, sex es der Zellbeschaffenheit, des anato- 
mischen Banes, der Bllite oder Frucht verbunden sind, Hierbei erscheint die Zusam- 
inengehorigkeit um so sicherer, je melir die Verschiedenheiten schrittweise auftreten. 

Die Aufstellung der F. erfolgt also zunachst durch Erfahrung. Da aber die 
Verschiedenheiten nicht immer schrittweise, sondern auch sprung weise auftreten, 
einzelne Formen oft isoliert stehen, oder haufiger nur wenige Formen eine engere 
Gemeinschaft bilden, so macht sich bei der Begrenzung der F, auch vielfach 
das subjektive Ermessen der einzelnen Forscher geltend. So kommt es, daB 
nicht bloB zu verschiedenen Zeiten, je nach dem Grade . der Erfahrung, sondern 
auch zu derselben Zeit die F. in verschiedener Weise begrenzt wui-den, je nach- 
dem die Wertschatzung dieses oder jenes Merkmals mebr in den Vordergrund 
trat und, je nachdem man der Ansicht huldigte, daB jede Pflanzenform im 
natiirlichen System unbedingt einer groBeren Pfianzengemeinschaft angeschlossen 
werden mtisse. Das letztere ist aber keineswegs notwendig, wenn man bedenkt, 
daB gleiche oder ahnliche Urformen an verschiedenen Stellen der Erde in ver- 
schiedener Weise morphologisch fortgeschritten sein konnen. Es werden daher 
oft gentig dieselben Formenkreise von dem einen nur als Unterfamilien oder 
Gruppen, von dem anderen als F. bezeichnet, 

Fanghaare s. Verdauungsdriisen. 

Fangscheiben = liaftscheiben (s. d.). 

Fai^be als Anlockungsmittel. Die Blumenfarben sind auf die verschie- 
denen Blumenklassen keineswegs vollstandig regellos verteilt, sondern zeigen 
vielfach deutliche Beziehungen zum Farbensinn oder zur Flugzeit ihrer Be- 
stauber. So herrschen unter den Bienenblumen die blauen, violetten, pur- 
purnen Tone, den Vogelblumen lebhaftes Rot, Papageifarben, Elektrischblau, 
vor. Die Schwarmer- und Nachtfalterblnmen zeigen meist rein weiBe, gelb- 
weiBe oder rotlichweiBe , kurz helle, im Dunkeln sichtbare Fai'ben usw. 
(siehe Falterblumen), 

Bei den Bienenblumen und Tagfalterblumen erfolgt die Anlockung auf 
die Feme durch die Farbe und erst in der Nahe wirkt der Duft, bei den 
Vogelblumen erfolgt die Anlockung fast nur durch die Farbe. Bei den 
Fliegenblumeii und Nachtfalterblnmen erfolgt umgekehrt die Anlockung auf 
die Feme durch den Geruch und in der Nahe tritt erst die Farbe in Aktion. 



222 


Farbliolzer — Fasciation. 


Im Einklang mit dem Gesagten stehen die neuen experimeiitellen Unter- 
suchungen, welche fiir Tagfalter und Honigbienen einen hochentwickelteii 
Farbensinn ergaben. Vgl. beziiglich aller Details Andreae, B. B. C. XV^ 
S. 427, 1903 und V. Frisch, Miinchener med. Wochenschr. 1913, Nr. i. {J\) 

FarbhSlzer. Beim Ubergange des Splintholzes in Kernholz entstehen 
in den Zellhauten auI 3 er anderen Stoffen bei manchen Baumen auch noch 
farbige Verbindungen. Diesen sogenannten F. sind bestimmte Farbstoffe 
eigentiimlich, z. B. das 5>Brasilin« im Rotholz [Caesalpiniu echhiata)^ das 
»Hamatoxylin« im Blau- oder Campecheholz [Haematoxylon campcchimnim]y 
das »Santalin« im roten Sandelholze usw. [P) 

fai'inoses Endosperm s. Samen. 

Farnblattaderung (das Folgende uach Sadebeck, in E, P. I. 4, S* 5Sff.): 
Die Anordnung und die Verzweigung der Blattadern ist bei den Farnen eine 
auBerordentlich inannigfache und daher fur die Systematik, namentlich der fos- 
silen Fame, nicht ohne Bedeutung, da sie bei den letzteren in Verbindung mit 
der Gestalt der letzten BlatteilstOcke meist die alieinigen Anhaltspunkte zur 
Unterscheidung und Umgrenzung der »Arten« und »Gattungen« liefert. Vor- 
herrschend ist allerdings die fiederartige Anordnung, bei welcher eine Mittelrippe 
deutlich ausgebildet ist, und nur in selteneren Fallen linden wesentliclie Ab- 
weichungen statt, wie z. B. bei der facherartigen Anordnung. Mettenius (Ober 
einige Farngaltungen IV, in Abh. Senckenbg. natf. Ges. II) fand zuerst, daB 
besonders bei den Hymenophyllaceen mit der liederartigen Auszweigung der 
sekundaren Adern und dem Auftreten tertiarer, sowie der Adern lioherer Ord- 
nungen die Folge der Adern einer jeden Ordnung eine gesetzmaBige ist. Es 
failt entweder die erste, dritte, flinfte Ader usw. auf die innere (obere, der Blatt- 
g)itze zugekehrte), die zweite, vierte, sechste usw. Ader auf die auBere (untere) 
Seite der sekundaren Adern (anadrome Anordnung), oder umgekehrt die erste, 
dritte, funfte usw. Ader gehort der auBeren, die zweite, vierte, sechste usw. Ader 
der inneren Seite an (katadrome Anordnung). 

Bei Aspidmm ist die katadrome Verzweigung keineswegs gleichmaBig aus- 
gepr^t Oder vorh errs ch end, es ist sogar bei den imteren Fiedern mehrerer Arlen 
dieser Gattung, z. B. A. Thelypteris und rigldimiy die Verzweigung eine anadrome 
bei den akropetal folgenden Fiedern eine homo drome, und endlich bei den 
mittleren und oberen eine katadrome. Man darf daher in dieser Anordnung der 
Adern und Verzweigungen kein durchgreifendes Unterscheidungsmerkmal fiir Gat- 
tungen erbhcken, und ebensowenig wird als solche die Erscheinung der Anasto- 
mose der Adern aufgefaBt werden konnen. 

Uber die einzelnen Modifikationen der Aderung, wie Venatio Caenopteridis, 
V. Cycioptendis usw. vgl. Sadebeck in E. P. I. 4, S. 55!?. (Zi) 

Farnprothallium s. Prothallium der Pteridophyten. 

Verbanderung versteht man die Erschei- 
nung, daO Achsen oder Wurzeln nicht in normaler Weise zylindrische Ge- 
stalten annehmen, sondern elliptische Querschnittsformen, ja sogar messer- 
schneiden- Oder bandahnliche Formen annehmen. Verbanderte Achsen 
Wachstum entweder in normaler Richtung fort oder nehmen an 
F K Kriimmungen an. Samenbestandig ist die 

r . / [Celosta crisiata). Fasciierte Verwachsune- 

hegt fnach SORAUER 1909) vor, wenn mehrere, in einer Ebene liegende 
Organe mehr oder minder vollkommen miteinander verwachsen. (/fl) 



Fasciculus — Feinerde. 


223 


Fasciculus s. Biischel. 

fasciierte Verwachsung s. Fasciation. 

Faserborke s. Periderm. 

Fasergrubchen s. Conceptacula. 

Faserhypheii s. Syrrotien. 

FaserkOrper s. Deckzellen der Orchideenluftvvurzeln. 

Faserschiclit s. Schleimgewebe. 

Faserti^acheiden oder Hydrostereiden s. Holzkorper. 

Faszikulai-kambium s. Kambium. 

Faulgallerte, Faulschlamm s. Kaustobiolith. 

Faux = Schlund s. d. 

faux hybi'ides (Millardet 1894) s. unter Bastard. 

Fechuersches Gesetz s. Webersches Gesetz. 

Federkelch, Federkronchen s. Calyx. 

Fegeapparat, Fegehaare. Die Griffelschenkel der fruchtbaren Bliiten 
der Kompositen sind auBen und zuweilen auch auf einem Teile der Innen- 
seite mit langeren oder kiirzeren, anfangs 
nach oben anliegenden, spiiter aufrecht 
abstehenden Haaren. besetzt, die von lilLDE- 
BRAND (Verb. K. Leop -Carol. Ak., Bd. 35, 

1869/70) wegen ihrer Aufgabe, den Bliiten- 
staub ans der Antherenrohre herauszu- 
drangen, Fegehaare genannt werden. 

Die einfachste Art des Fegeapparates 
ist die, wo der ganze obere Teil des Griffels 
auf seiner AuBenseite mehr oder weniger 
gleichmaBig mit Fegehaaren besetzt ist (z. B. 

Cichoriaceen , Vernonieen). Die tibrigen 
For men des F. sind dadurch charakterisiert, 
daB die Fegehaare nur an einer bestimmten 
Stelle am langsten sind und am dichtesten 
stehen (so z. B. bei den Cynareen am Grunde 
der Griffelschenkel), wahrend sie an den 
anderen teils sehr kurz, teils minder dicht 
gesat sind. Vgl. Fig. 116. (Nach Hilde- 
brand.) 

Fehlschlagen s. Abort. 

Feigenfrucht s. Fruchtformen. 

Feilliaare. Von Stahl eingeffihrte 
Bezeichnung fiir die bei den Borragineen, 
zahlreichen Criiciferen u. a. verbreiteten, 
durch mechanische Verletzung als Schutz- 
mittel gegen TierfraB wirkenden Borsten- 

haare, deren steife, verkalkte oder verkieselte Wande durch Knotchen, Warzchen, 
Widerhakchen usw. leicht in die Weichteile tierischer Feinde eindringen. (F,) 

Feinerde. In der Praxis pfiegt man die Bdden nach der GrdBe der Boden- 
teilchen zu klassifizieren, wobei die verschiedenen Teilchen durch SiebsStze (Siebe 
von bestimmter Lochweite) voneinander getrennt werden. Die Teile, welche ein 





Fig. 1 16. Beispiele fiir Fege- oder 
Biirstenapparate (in den Figuren mit 
i bezeichnet): A Cmcus hmedicUis: a ge~ 
sclilossene, h geoifnete Bliite. — B Arc- 
totis angustifoHa. (Nach Baillon.) 


224 


F eisp flanzen — F ermente. 


Sieb von 2,5 mm Weite passieren, warden als Feinerde bezeichnet. (Ad. Mayer, 
Agric. Chem. II. i; 5. Aufl., S. 57.) (Z.) 

Felspflanzen = Petrophyten. 

Fensterbiatter nennt Marloth die an einigen siidafrikanischen Wtisten- 
pflanzen (BtMme, Mesembrianthenmm u. a.) beobachteten BL, vvelche bis auf das 
stumpfe Oder flache, chlorophyllfreie Ende im Boden verborgen'sind. Das Licht kann 
somit nur durch dieses »Fenster« ins BL eindringen, so daS das an den Seiten- 
wanden befindliche Assimilationsgewebe von innen her diffus beleuchtet wird. (Z.) 

Fensteiblutsn nennt StAger (Nat. Woch. 1907) Bit. mit transparenten 
Stellen, die von auBen unsichtbar sind, hingegen vom Innern der Krone her 
deutlich hervortreten; da sie meist in der Nahe der Nektarien auftreten, kdiincn 
sie als eine besondere Form der Saftmale aufgefafit werden. (Z.) 

Fenstergallen. Die durch ein scheibenahniiches Gebilde verschlosscncii 
Gallen einer Cecidomyide auf Acer (vgl. Thomas, die F. des Bergahorns, 
Forstl-Naturw. Zeitschr. 1895, Bd. IV, S. 429). {Ksf.) 

Fermentation s. Garung. 

FermentbehS-lter s. Myrosinschlauche. 

Fermente oder Enzyme sind Katalysatoren kolloidaler Natur, die von 
der lebenden Zelle erzeugt werden. Sie werden nur aus ihrer Wirkung er- 
kannt, indem sie die Reaktionsgeschwindigkeit gewisser chemischer Um- 
setzungen beschleunigen (oder seltener verringern). Vgl. Katalyse. Die 
Wirkung der F. ist eine spezifische, d. h. sie wirken unter g'ewissen Bedin- 
gungen nur auf einzelne Reprasentanten einer groBeren Korperklasse (Zy- 
mase z. B. erstreckt seine Wirkung nur auf Zucker mit 6 und 9 C-Atomen 
mcht aber auf solche mit 5 C.) Diese Spezifitat, d. h. die bestimmtc 
Beziehung zvvischen Ferment und dem Substrat seiner Wirkung, ist durch die 
cnemische Natur beider Komponenten bedingt. 

_ Der Grad der spezifischen Wirksamkeit eines F. wird als Aktivitat be- 
.nch«M. is, d« Z.Ma.d .l.teMe, Aktivia,., 

1 u ^ (Totiing) des F. emtritt. Die Zygmogene oder Profermente 
vvelche man als Vorstufen der F. auffaBt, beskzen eine naturliche InaSS’ 
wnksame Feimente lassen sich andererseits durch geeignete Mittel (Erwiinnen 
usw.) kunsthch maktwieren. Substanzen, welche inaktive F. aktivieren bezeichnet 
man als_ Aktivatoren (oder auch Kinasen im weiteren SiunJ Sie sim 'nf 
weder mcht spezifischer Art (Samen, Alkalien, Salze usw.J, teils'wiLn sTe s»c 

Kofermente engeren Sinne sowie die sogenamiten 

slrrSpptk&dTtS' 

FermtSTe Fermentreaktion verzogern oder aufheben, werden 

iii*PP=iig 

tihpase usw., als »kunstliche« Antifermentp f rv ^ntilab, An- 

korper fflhren den Namen Pariilvoaf- / j ^P^zifischen Flemmungs- 

Die Befbrderer von - engeren Sinn^ 

bei CzAPEK, Bioch. II, S. 72.) ^ yiAoexzitatoren genannt. (Lit. 



fertil— Fettplatten. 


225 


Zur Gewinnung einer einheitlichen Nomenklatur hat v. Lippmann (Chem. Ber. 
Bd. 36, 1903) die Bildung von Doppelnamen vorgeschlagen, wobei das i, Haupt- 
wort das angegrifFene Substrat, das 2. das spezifische Spaltungsprodukt bezeichnen 
soli. (Z. B. »Ainylomaltase<K.) Der Name eines Enzyms mit der Endsilbe >ase« sollte 
vom spezifischen Substrat abgeleitet sein (z. B. Esterase], Derzeit ist die Nomenklatur 
nicht konsequent angevvendet, zumal sich viele altere Namen eingebtirgert Iiaben. 
In die nachstehende Ubersicht warden ntir einzelne der wichtigsten F. aufgenommen. 

I. Hydrolasen (Oppenheimer) = Schizasen (H. Fischer). 

A, Proteasen = proteolytische oder eiweiBabbaiiende F.: Tryptasen 
(Trypsin), Pepsinasen (Pepsin), Nukleasen, Peptasen und Ereptasen, 
Urease, Aminazidasen. 

B, Koagulasen, eiweiBkoagulierende oder Gerinnungsenzyme: Chymase 
(Labferment). 

Anhang: Bakterienhamolysine, Leukozidin, Pyozyanase. 

C. Esterasen, Ester, z. B. fettspaltende Enzyme (z, B. Lipase), chloro- 
phyllspaltende F. (Chlorophyllase). 

D. Karbohydrasen, kohlehydratspaltende F.: i. Araygdalase, 2. Poly- 
saccharasen (Amylase — Diastase, Zellulase, Gelase, Pektinase), 3. Tri- 
saccharase (Raffinase), 4. Disaccharase (Invertase, Laktase, Maltase, 
Trehalase, Melibiase). 

IL Oxydasen, oxydierende F. 

A. Alkoholasen (einschlieBlich Azidoxydase). 

B. Phenolasen. 

C. Tyrosinasen. 

Anhang: Katalase. 

III. Zymasen, Gariingsenzyme. 

IV. Reduktasen, reduzierende F. 

Antienzyme oder Antifermente sind Antikatalysatoren von Enzymcharakter, 
welche sich durch spezifische Wirkungen auf bestimmte Enzyme auszeichnen, 
deren Tatigkeit sie hemmen, z. B. Antiemulsin (Hildebrandt 1893), Anti- 
urase, Antitrypsin, Antioxydase, Antipepsin u. a. (Lit. bei Czapek, 
Bioch. I, Bd., S. 95). Sie kdnnen nach Art der Antikdrper z. B. im tierischen 
Organismus nach intravendser Injektion von Enzymen entstehen. 

Die Enzyme konnen entweder nach Art der Exkrete vom lebenden Organismus 
ausgeschieden warden (extrazellulare E. oder Exoenzyme), oder sie sind wah- 
rend des Lebens nur intrazellular wirksam (Endo enzyme), Uber letztere Ka- 
tegorie vgl. insbesondere H. M. Vernon (Erg. d. Ph. IX, 1910, S. 138)^). (Z.) 

fertil = fruchtbar im Gegensatz zu steril 

Festigungsgewebe == mechanisches Gewebe s. mechanisches System, 

FettbSume (RUSSOW) s. Starkebaume. 

Fettbildner = Pastiden, s. Fettplatten. 
fettige Degeneration s. d. 

Fettkorper s. Olkorper und Elaioplasten. 

FettpjBlanzen = Sukkulente, s. Xerophyten. 

Fettplatten warden von ScHtfTT, in S. Ak. Berlin 1892, S. 377, im 
Kornerplasma der Peridineen beobachtete Gebilde genannt, die sich von den 


Aufier der bereits zitierten Literatur vgl. Oppenheimer, Die Fermente u. ibre Wirkg., 
2. Auk, 1913; Green- WiNDiscH, Die Enzyme 1901, und insbesondere HdBER, Physik. Cbem. d. 
Zelle u. d. Gewebe, 2. Aufl., 1911, — Euler in Erg. d. Pbys. VI, 1907, u. IX, 1910. 

Schneider, Bot. Worterbuch. 2. Auflage. 1 5 


Feuchtigkeitsaquivalent— Filartheorie des Plasmas. 


Chromatophorea durch ihren Mangel an Chromophyll and durch ihre Farb- 
barkeit mit Osmiumsaure unterscheiden. Sie stellen bald kleine Plattchen 
von rundlichem Umrifl dar, bald grofiere, tafelformige Gebilde mit buchtig- 
lappiger Begrenzung. AuOerdem beschreibt SCHUTT noch kleine, farblose 
Plattchen, die, obwohl sie durch Osmiumsaure nicht geschwarzt werden, zur 
Bildung der F. in Beziehung gebracht und als Fettbildner oder Pastiden 
bezeichnet werden. (Nach ZtMMERMANN, in B, B. C. IV, 1894, S. 168.) 
(S, auch unter Elaiosomen.) ( 71 ) 

Pelichtigkeitsaquivalent s. Wasserhaltungsvermogen. 
Fibonacci-Reihe, eine bei statistischen Erblichkeitsuntersuchungen viel 
genannte Reihe, d, h. eiae Reihe, bei der, wenn die Zahlenreihe mit i, 2, 3 
anfangt, jede folgende Zahl die 
Summe der zwei vorausgehenden ^ 

ist: also 5, 8, 13, 21, 34. (Diese ^ 1 

Reihe hat auch als »Braun-Schim- \ 

persche Reihe« in der Morpho- .200. \ 

logic eine groBe Rolle gespielt.) j 1 | 

Fiir die Vererbungslehre wlrd die 1 / 

F.-R. da in Betracht kommen ^ \ \ 

kdnnen, wo die einzelnen Cha- ' W 1 

raktere, deren Variation graphisch \l 1 

dargestellt werden soil, sich nicht ^ 1 ,0 

kontinuierlich, sondern nur stoB- 100. 1 A 

weise yerandern. (Siehe JOHANN- ^ 1 / \ 

SEN, Elemente d. exakten Erblich- K ^ \ 

keitslehre. Jena, G. Fischer, 1909, /\ \ 

S. 220.) ( 71 ) 50 - M \ 

fibrSse Scliicht, Zellen 25 / \ 

der Antheren, s. Pollensack. / \j3 

FibrosinkSrper. Zopf be- ol^ — . — , — 1 — . — 

obachtete 111 den Konidien und 

Konidiophoren einiger Erysipheen Fig. 117. Varktionskurve der Blumenblatlerzahl 
im Innern der Zellvakuolen be- Primula ^fidnalis mit Kurvengipfeln auf den 

sondere Gebilde, die die Keak- Vernon.) 

tionen der Pilzzellulose ergaben 

' und schleifen-, hohlkegel- oder hohlzyllndrische Gestalt besaOen. Er nannte 
sie, Fibrosinkorper. Nach FOEX (C. R. Ac. Sc., Paris 1912) diirften sie da- 
gegen dem Metachromatin (s. d.) nahe stehen, (S. dariiber GuiLLERMOND, 
Progr. IV, 1913, S. 420.) ( 7 .) 

Fibrovasalbiindel, ^strange s. Leitbiindel 
Fichi s. Kaprifikation. 

Fiederblatter, ^palmen s. Palmen blatter, 
fiederfdrmige Blattei' s. Blattnervatur und Blattform. 

Filament s. Androeceum. 

Filarplasma = Alveolarplasma, s. unter Zytoplasma. 

Filartheorie des Plasmas (Flemming: Zellsubstanz, Kern- und 
Zellteilung 1882); Annahme, daO sich das Zytoplasma (s. ^d.) aiis feinen 



Filialgene ration — Flaclimoo r. 


227 


Fadchen zusammensetzen solle (Fadchensubstanz, Mitoixi); dazwischen sollte 
sich dann eine »Zwiscliensubstanz« befiad en(Paramitom}. ( 7 !) 

Filialgenei’ation s. F^- usw.-Generation. 

Filositas der Kartoffeln s. Fadenbildung-. 

Filtxderapparat der Hydathoden s. d. 

Filzgallen kommea durch lokale Bildung von Haaren oder liaarahii- 
lichen Emergenzen zustande. S. Gallen und Erineum. [Ks^.) 

Filzhaare s. Haare. 

Fimbria der Mooskapsel s. Sporogon der Musci. 

fingerformig s. Blattform bzw. Blattnervatur. 

Fioi'i, Fiorini di fico s. Kaprifikation. 

fixe Lichtlage (Wiesner, D. Ak. Wien. XLIII, 1880): Unter f. L. 
der Blatter ist nach WxESNER »jene Orieiitierung dieser Organe zu verstehen, 
welche sich wahrend des Wachstums unter dem Einfltisse des Lichtes voll- 
zieht«, WiESNER unterschied schon 1880 zwischen glinstiger und ungiin- 
stiger f. L. In jenem Falle stelleii sich die Blatter senkrecht auf die Rich- 
tung des starksten dilTusen Lichtes des ihnen zukommenden Lichtareals 
(dieser Fall wird gewohnlich unter f. L. schlechtweg verstanden). Der andere 
Fall ist dadurch charakterisiert, daO die fixe Lage der Blatter wohl auch 
eine bestimmte Orientierung zur Einfallsrichtung des Lichtes erkennen laDt, 
ohne dafi sich die Blattfiachen gerade senkrecht zu dieser einstellen. Stets 
wird aber die fixe Lage der Blatter wesentlich durch das Licht bedingt 
(photometrische Blatter, s, d.). Nehtnen Blatter eine bestimnite Lage an, 
die aber von der Richtkraft des Lichtes unabhangig ist, so kann man nach 
WiESNER hochstens von einer fixen Blattlage sprechen. 

Blatter, welche zu Variationsbewegimgen befahigt sind, konnen auch im 
ausgewachsenen Zustande ihre Lage zum Lichteinfall durch Stellungsande- 
rungen regeln; ihre Orientierung ist als variable Lichtlage zu bezel chnen. 
(WiESNER, B. D, B. G. XXIX, 1911,) Uber Beteiligung der Schwerkraft an 
der zur f. L. ftihrenden Bewegung s. Kniep (J. w. B., Bd. 48, S. 57]. VgL 
ferner WiESNER, S. Ak. Wien CXX, 19 ii und Lichtgen. d. Pfl., Leipzig 1907 
sowie unter photometrische Blatter. (L.) 

Fjaldmarker s. Trift. 

Flacllblatter nennt-KERNER (L 1887, S. 263) Blatter mit zarten, dunnen, 
horizontal ausgebreiteten, ebenfiachigen, nicht runzeligen, weder zuriickgerollten 
noch aufgebogenen Spreiten, wie sie besonders Pflanzen an schattigen, feuchten 
Standorten zeigen, z. B. Mercurialh j)ere 7 inis^ Paris quadrifoUa. 

Flachmoor, Niedermoor, Wiesenmoor, ist die eutrophe Formation 
nasser Torfboden. Der Kalkgehalt ihrer vollkommen getrockneten Torf- 
masse betragt (nach C. A. Weber) mehr als 2%, Das F. besteht besonders 
aus rasenbildenden Cyperaceen, daneben kommen Juncaceen und zahlreiche 
dikotyle Stauden vor, es konnen auch gewisse Graser [Mohnia)^ und von 
Moosen besonders Hypnaceae wichtig werden. Das F. ist ein wichtiges 
Glied des Verlandungsprozesses von Gewassern durch Einwirkung der Vege- 
tation. Es steht daher in euger genetischer Verbindung mit den Wasser- 
pflanzenbestanden und den an der Grenze von offenem Wasser und Moor 
entwickelten Verlandungsbestanden (emersen Bestanden), z. B. den 

15* 


228 


Flaclisprosse — Fliegenblumen. 


durch das Schilfrohr [Phragmites] und ahnliche Graser bezeichneten Asso** 
ziationen (Rohrsiimpfen). 

Das F. darf nicht mit dem Hochmoor verwechselt werden, von dem es 
floristisch und okologisch stark verschieden ist. Eng gebunden an tellu- 
risches Wasser, ist das F. ziemlich unabhangig vom lokakn Kllma tmd 
besitzt daher eine sehr ausgedehnte Veibreitung auf der Erde. 

Es kommen jedoch Ubergangsbildungen zum Hochmoor vor (Zwischen- 
moore, Ubergangsmoore). S. auch unter Moor. [D) 

Flachsprosse = Kladodien oder Phyllokladien. 

Flachsprofigewachse (Kerner, I 1887, S. 307): Xerophytische 
Pflanzen mit fiachenartig verbreiterten (blattahnlichen) und lotrecht gestellten 
Sprossen, wie Ruscms aculeaius^ Phyllanthus speciosus^ Acacia platypiera^ 
Plilhlenbeckta plaiyclada^ Platyacaniha Griescbachiatia^ Cocculus Balfourii^ 
Bossiaea-^ Jacksonia-hritrx u. a. (Vgl. unter Kladodien.) iW.) 

Flader == Maser, s. d. 

Fiachenstellung der Chlcroplasten (Stabl, in B. Z. 1880, S. 297!!.) 
s. Chloroplastenbewegung. 

Flagellen: i. s. Zilien, 2. F. der Hepaticae s. vegetative Vermehruiig 
derselben, 3, F. nennt man auch die peitschenformig verlangerten, mit Wider- 
haken (reduzierten Fiedern) besetzten Mittelrippen der Kletterpalmen [Cala- 
mus^ Desmoncus). 

Flechten = Lichenes, s. d. 

Flechtenmyzel s. Prothalius. 


Flechtenstroma s. Karposoma. 

Flechtensymbiose s. Symbiose und Lichenen. 

Fledermausblumen: Fur die Pandanaceengattung und einige 

wemge andere Tropenpflanzen wurde der Besuch und gelegentliche Pollenuber- 
tagung durch Fledermause (fliegender Hund, Glossonycteris) nachgewiesen und 
dieselben demgemafi als F. bezeichnet. Im ersteren Falle ist es den Fleder- 
mausen vor allem um die Gewinnung der nahrstoffreichen Bekostigungskoiper 
den^lXn in anderen F^len suchen sie meist wohl nur die an 

tm f A «°findenden Insekten. Ob es sich in den Eekostigungskdrpein 

I, ist derzeit noch fraglich. 

fleischfressende (-verdauende) Pflanzen = karnivore Pflanzen. 

fleischiges Endosperm s. Samen. 

Fliegenblumen: Gesamtbezeichnung fiir alle jene Pflanzen, deren 
Blumen vorzugsweise oder ausschlieBlich an die Bestaubung durch Fliegen 
ngepa smd, Neben den Bienen- und Vogelblumen zeigen die F. in vollena 
Emkiange nut der Verschledenheit in der Entwicklung der Sinnesorgane 
Korperausrustung und KorpergroBe ihrer Bestauber die groflte MannigSltig: 
keit im Wechsel der Bliitenanpassungen. Daher warden auch die F fe 
oachdem man me Bestauber oder den Bliitenbau als Einteilungsgrund ’bi 
nutzte, m erne groBere Zahl biologischer Typen zerlegt und lassen sich 
nur wemge allgemeine Merkmale angeben. Im allgemeifen erfoS^e Tn 
lockung auf die Entfernung durch den Geruch. Dieser kann nach LrteiW 

se^ sowohl aromatisch als ekelhaft oder aasahnlich 

sein. Unter den Farben herrschen trube, schmutziggelbliche, giiinSe, 



Fliegenbhimen. 


229 


oft gesprenkelte, brauntriib-ciunkelpurpurne, livide Tone vor. Bei den an 
Fliegen mit starker entwickeltem Farbensinn (Schwebfliegen) angepaflten F. 
finden sich auch lebhaftere Farben, wie blau, weiD, hellrot, gelb. Der Honig 
ist fast nie tief geborgen, vielmehr meist in dunner Schicht flach ausgebreitet 
Oder in Form winziger Tropfchen entwickelt. Es lassen sich folgende Haupt- 
typen unterscheiden : 

1. Fliegenblumen i. e. S. (Myiophilae, GroBfliegenblumen, Makro- 
myiophilae). Unter diesen herrschen triibe Farben vor, wie schmutziggelb, 
grtinlich, weinrot, braunpurpurne Tone. Als Bestauber fungieren mittelgroBe 
bis groBe Fiiegen verschiedenster Familien. Duft verschieden, kein ausgespro- 
chener Aasgeruch. Bliiten haufig in vielbliitige Bliitenstande gehauft. Evonymiis 
verrucosa^ die meisten Umbelliferen, 

2. Aasfliegenblumen (Sapromyiophilae, Ekelblumen). Locken meist 
durch ekeihaften Faulnis- oder Aasgeruch haiiptsachlich Aasfiiegen, aber auch 
Aaskafer an, Farbe meist schmutzig- 
rotlich, violettpurpurn, braunpurpurn, 
vielfach an Aas farben erinnernd. Hier- 
her gehdren viele Rafflesiaceen. 

Als spezielle Anpassnngstypen 
waren am besten hierzu anzureihen: 

a) Die Fliegenklemmfallen- 
b lumen (Fig. 118). Als solche 
werden vor allem zahlreiche Ascle- 
piadaceen bezeichnet, dereii Blunien 
ihre Pollinien durch eigene Klemm- 
kdrper (s. d.) an die Beine imd Mund- 
teile der Bestauber befestigen und so 
die Ubertragung derselben auf andere 
Bliiten sichern [Asclepias^ Vincetoxicum- 
Arten). Einen anderen Typus stellt 
Pinguicula alpina dar, deren gespornte 
Lippenblume im Schlunde durch einen 
Busch steifer, nach innen gerichteter 
Borstenhaare die Fiiegen nicht nur 
holier postiert, sondern ihnen auch 
manchmal den Ruckzug erschwert. 

Dadurch kommt der Rucken der Tiere ieichter mit den Staubgefafien in Be- 
rtihning, schwachere Tiere werden aber dadurch auch in der Bltite kUrzer oder 
1 anger festgehalten. 

b) Die Kesselfalienblunien (Mikromyiophilae, Kleinfiiegenbliimen). 
Den Typus stellen die Bliiten von Aristolochia Clematiiis (Fig. 119) so wie die 
Bliitenstande zahlreicher Araceen dar. Fiir letztere paBt trotz wesentlicher Uber- 
einstimmung im Bau der Blume (hier Infloreszenz) die Bezeichnung Kleinfliegen- 
biumen nicht immer, da bei vielen Arten die Bestaubung auch durch groBere 
Aasfliegen erfolgt. Als Anlockungsmittel auf die Entfernung dient aromatischer, 
Aas- Oder Faecesgeruch^ in der Nahe Farbe. Das Wesentliche der Blumenein- 
richtung ist die Bildung eines Kessels von verschiedener morphologischer Wertig- 
keit (bei Einzelbliite wie Aristolochia^ Ceropegia Perigon, bei den Araceen Hocli- 
blatt), in dem die Tiere durch Reusenhaare (s. d.) [Aristolochia) oder Hindernis- 
organe (s. d.), wie bei den Araceen, eine Zeitlang gefangengehalten werden, 
Hier empfangen sie den Bliitenstaub, werden in verschiedener Weise verkdstigt 



Fig. 1 18. Klemmfallenblume von AscUpias sy-^ 
riaca: Bltite nacli Entfernung der Kelch- und 
Kronbltitter von oben gesehen (7/2): a Ilonig- 
behalterj b kegelformiger Fortsatz desselben, c 
oberer, hautiger Teil derStaubblatter, rf AuBenseite 
des unteren, die Staubkdlbclien iiinschlieBenden 
Teils der Staubblatter, e ‘seitliche Ausbreitung 
des Staubblattes , welche mit der anstobenden 
seitliclieii Ausbreitung des Nachbarsfcaubblattes 
zusammen den Scklitz f bildet, in welckem sicli 
der Insektenfufii und spiiter ein Staubkblbchen 
fangt. (Nacli FTerm. Muller.) 


230 


Fliegenblumen. 


und gelangen durch Ruckbildung der Reusenhaare bzw* Hindernisorgane wieder 
ins Freie. Bei abermaligem Besuch vermitteln sie so die Bestaubung. 

3 . Schwebfliegenblumen, Im 
Einklange mit dem hbher entwickel- 
ten Farbensinn ihrer Bestauber, der 
Schwebdiegen, raeist von heller, weiBer, 
hellrdtlicher, gelber oder himmelblauer 
Farbe, haufig gesprenkelt oder mit 
Saftmal und mehr oder weniger strah- 
ligen oder zygomorphen Bliiten. Honig 
entweder flach oder in kurzer Rohre 
geborgen. Dem geringen Kdrper- 
gewichte der Tiere entsprechend Blu- 
menkrone haufig nur schwach befestigt. 
Veronica^ Circaea^ Viola hijlora. 









231 


Fliegenklenimfallen-(taiisch-)blumen~Flimmergeilieln. 


Oder in entsprechender Menge zu bieten, und dadurch wenig intelligente Fliegen 
yeranlassen, an den Bliiten Leckversuche anzusteilen, wobei sie den BlUtenstaub 
iibertragen: bei Parnassia pali^stris 
durcb die gelben, gestielten, glanzen- 
den und Honigtropfen vortauschende 
Kndpfchen bildenden Staminodien 
(vgl. Fig. 1 20), bei Paris qua dri folia 
durch den Glanz des vollstandig 
nektarlosen Fruchtknotens, bei Btclbo- 
phyllimi macranthwn durch den Glanz 
der seitlichen Sepalen. 

5. Klappfallenblumen. Als K. 
bezeichnet Seeger jenen Biumentypus, 
bei dem infolge der Beriihrung eines 
bestimmten reizbaren Bltitenorganes 
eine Bewegung eines bestimmten Or- 
ganes hervorgerufen wird, durch welche 
das besuchende Insekt eine Zeitlang 
im Innern der Bllite eingeschlossen 
wird, wobei es mit dem BlUtenstaub 
in Beriihrung komrat und so . in der 
nachsten Blute die Bestaubung ver- 
mittelt. Hierher gehdrt die australische 



Fig. 120. Fliegentaiischblume [Parnassia pain- 
st 7 ‘is ) : A Bliite nach Entfernimg von drei Kelch- 
imd vier Kronblattern von oben gesehen (5/1), 
D Staminodium, starker vergroliert, n Nektar. 
(Nach I-I. MtiLLER.) 


Orchideengattung Pterostylis^ bei der als das reizbare Organ ein vielfach geteiltes 
Anhangsel an der Basis des Labellums fungiert, bei dessen Beriihrung durch 
Fliegen oder andere kleine Insekten die Honiglippe gegen die mit zwei seitlichen 
Flugeln ausgestattete Saule schnellt und so das Tier an das Pollinium bzw. die Narbe 
driickt. Bei der von Seeger studierten Gentiana prostrata schlieBt sich die 
Blumenkrone bei Beruhrung der Ansatzstellen der Schlundfalten am Eingang der 
Krone, aber auch infolge von Temperaturdifferenzen. Im ersteren Falle wird 
dadurch das Insekt in die Bliite eingeschlossen und, mit BlUtenstaub beladen, 
nach einiger Zeit entlassen. Vgl. Seeger S. Ak. Wien, Bd. CXXI, 1912. (P.) 

Fliegenklemmfallen'-(tausch-)blumen s. Fliegenblumen. 

Flimmerbewegung im weitesten Sinne bezeichnet jede Bewegung 
relativ formbestandiger Fortsatze des Zellkorpers. (A. PtlTTER »Die F.« in 
Erg. d. Phys. II, 2, 1903.) Im besonderen kann man natiirlich entsprechend 
der Art des Bewegungsapparates zwischen Flimmer- und GeiBel- oder Zilien- 
bewegung unterscheiden. Charakteristisch fur diese F. im allgemeinen ist 
unter normalen Umstanden ihre Rhythmizitat, d. h. das Schlagen in gleichen 
Intervallen; von der jeweiligen Ruhelage ausgehend, laBt sich eine progres- 
sive und eine regressive Phase des Wimperschlages unterscheiden; im ersten 
Stadium verkiirzt sich die Seite der Wimper, nach welcher hin der Schlag 
ausgefuhrt wird (Kontraktionsphase), im zweiten erschlafft diese Seite, so 
daB die Wimper infolge der Elastizitat der gespannten Gegenseite wieder 
in die Ruhelage zurlickkehrt (Expansionsphase). Verworn rechnet sie 
daher zu den Kontraktionsbewegungen. [ 1 . c., S. 289, POTTER 1 . c. und 
Vrgl. Phys. Jena 1911, S. 462.) (Z.) 

Flimmergeifieln : Bei den Flagellaten stellt die GeiBel (s. Zilien) in der 
einfachsten Form einen zylindrischen, vorn kurz abgerundeten Faden dar, der 
aus einer dichten Plasmasubstanz besteht. Aus gebeizten und gefarbten Prapa- 


232 


Flocci — Floralpolster. 


raten*) geht hervor, daB sie bei verschiedenen Formen auBer aus dem zylin- 
drischen Schaft noch aus sehr zarten Flimmerhaaren besteht, die ein- (z. B. bei 
JSuglemj Fig. \2iB) oder zweizeilig (z. B. Monas [C]) an dem GeiBelschaft an- 
geheftet sind. Diese Art der GeiBeln wird von Fischer (J. w, B. Bd. 26, 1894? 
S. 190) als FlimmergeiBel bezeichnet. Diejenigen GeiBeln, welche Fischer, 
1 . c., PeitschengeiBeln (A) nennt, haben keine seitlicben Wimperhaare, sondern 
am Vorderende des Schaftes ein diinnes, fadenformiges Stiick, das 2 — 3mal so 
lang ist als der Schaft. (Nach Senn, in E. P. I. i a.) 



Fig. 121. GeiBeln von Flagellaten: s/)£c. mit Peits lieselbcn infolge 

ungiinstiger Einfliisse mit Kbrnchenstniktur (1500/1). — B . . .immergeiB el 

(l 500/1). — C Monas gnttula FlimmergeiBel mit zwei gegeniiDerliegenaen Flimmerreihen 

( 1 500/1). (Nacli Fischer.) 

Flocci (Flocken) = Hyphen, s. Myzel. 

Flora ist die Pflanzendecke eines Landes. Das Wort wird oft ganz 
allgemein genommen, ist im Gebrauch jedoch besser zu beschranken auf 
die Betrachtung der Pflanzendecke in systematischer Hinsicht; der Gegen- 
satz ist Vegetation. Die F. bildet den Gegenstand der floristischen Pflanzcn- 
geographic. [D) 

florale Schauapparate s. d. 

Flox’alpolster; AlsF. bezeichnet Solms-Laubach (in B. Z. 1874, S. 52 
ein Gewebepolster, welches im Innern der Blatter von Astragalus leiocladns 
durch die parasitisch darauf lebende Rafflesiacee Pilostyles Hausknechtii ge- 
bildet wird. Auf ihni entstehen die Bluten des Parasiten, und es steht" in 
enger und fester Verbindung mit dem Gewebe des Asiragalus-Bi^itts, In 
jedem Blatte finden wir zwei F., die in der Blattmediane nicht aneinander- 
stoBen, sondern bier durch das GefaBbiindel und durch einen dasselbe nach 


Loeffler, Bakt. Zenfa*albl. VI, 1889, S. 215 



Florenreiche — flottierend. 


233 


oben mit der Epidermis verbindenden Streifen Mesophylls voneinander ge- 
schieden siad. 

Floi’enreiche heiBen die primaren Abteilungen der Flora der Erde. 
Der erste ausgefiihrtere Versuch, solche abzugrenzen (SCHOUW, Grundz. 
einer allgem. Pflanzengeogr., 1823, S. 502 ff.), stellte den systematischen 
Charakter der Flora in den Vordergrund; SCHOUW spricht vom Reich der 
Umbellaten, Saxifragen, Labiaten, Magnolien, Cinchoneti u. dgl. Bedeu- 
tenden Anklang fand der sorgfaltig ausgearbeitete Versuch in GrisebacHs 
Vegetation der Erde 1872; er unterscheidet nicht F. im strengen Sinne, 
sondern berucksichtigt auch stark die Vegetation. Es werden 24 verschie- 
dene »naturliche Floren« angenommen. Doch ist die Unterscheidung zwischen 
Vegetation und Flora bei Grisebach, entsprechend seiner ge.samten An- 
schaunng, nicht so durchgefiihrt, wie heute iiblich. 

Eine Annaherimg an die Zoogeographie kam zustande, als auch in der 
Pfianzengeographie der genetische Gesichtspunkt betont wurde. Dies ge- 
schah durch A. Engler (Entwicklungsgeschichte der Pfianzenwelt 1 . 1879; 
II5 1882) und flihrte zur Sonderung folgender F. : 

1. das ndrdliche extratropische F. (Europa, Nordafrika, extratropisches 
Asien, Nordamerika). 

2. das palaeotropische F. (tropisclies Afrika und Asien nebst zugehorigen 
Inseln). 

3. das neotropische F. (Sudamerika groBtenteils). 

4. das altozeanische F. (siidliches Neuseeland, Australien groBtenteils, sud- 
westliches Kapland, antarktisches Sudamerika, einige Inselgebiete; vgL auch alt- 
ozeanisches Element). 

Drude (Die Florenreiche der Erde 1884) stellte ftir die Meeresfiora ein oze- 
aiiisches F. auf und unterschied im tibrigen ahnlich wie Engler boreales, 
australes und tropisches F. * — Diels (Pfianzengeographie 1908) erkennt die 
Einheitlichkeit der sudhemispharischen Gebiete nicht an und difFerenziert sie in 
Antarktis, Capensis und Australis; im tibrigen folgt er den Zoologen und 
Engler, erhalt demnach mit Holarktis, Palaeotropis und Neotropis im 
ganzen sechs Florenreiche. 

Man fafit also ' gegenwartig die F. auf als Erdi'aume, die sich voneinander 
durch tiefliegende — wohl genetisch bedingte — Unterschiede im syste- 
matischen Wesen ihrer phanerogamen Pflanzendecke trennen, wahrend inner- 
halb ihrer Grenzen jedesmal ein sozusagen einheitliches Material alien noch 
so vielseitigen Vegetationsbildungen zugrunde liegt. {/}.) 

Florescentia s. Infloreszenz der Bryophyten. 

Florideeni'ot s. Algenfarbstoffe. 

Florideenstarke: Den Starkekornern ahnliche Einschltisse der meisten 
Rhodophyceen , welche sich mit Jod weinrot bis rotbraun farben. Nach 
Kolkwitz steht F. der gewohnlichen Starke nahe und stellt wie diese ein 
Assimilationsprodukt dar. (Wiss. Meeresunters. N. F. Bd. IV, Abt. Helgoland, 
H. I, 1900.) Die Entstehung unter Beteiligiiiig von Chromatophoren ist 
fraglich. (A.) 

Floristik = floristische Pflaiizengeogi^aphie, s. d. 

Flos = Bliite. 

jBlottiereiid nennt Sernander (ex Kirchner, S. 41) solche hydrochore 


234 


FKigel — Flugo rgaii e . 


Verbreitungseinheiten, die auf im Wasser schwimmenden Gegenstanden liegend 
Oder an ihnen zeitweise befestigt umhertreiben. 

Fliigel: i. der Legumiaosenbliite und der frondosen Hepaticae = Alae ; 
2, der Saugschuppen s. d. 

Fliigelfrucht s. Monokarpium. 

Flugbrand s. Brand des Getreides. 

Fluggewebe. Als F. fafit Haberlandt jene passiven Bewegungs- 
gewebe (s. d.) zusammen, deren Hauptfunktion die Erleichterung der Ver- 
breitung durch den Wind darstellt. Sie sind im allgemeinen so gebaut, daB 
bei moglichst geringem Gewicht eine ausglebige Biegungs- und Schubfestig- 
keit erzielt wird. Ersteres wird durch lufterfiillte Interzellularraume, letztere 
durch entsprechende Dicke und Qualitat der Membran erzielt. {F.) 

Flughaare. Als F. bezeichnet man an Friichten oder Samen auf- 
tretende Haarbildungen , deren Bedeutung in der Erleichterung der Ver- 
breitung derselben ’durch den Wind liegt. Die Flughaare hiillen entweder 
den Samen ganz ein, wie bei der Baumwolle, oder sie bilden bloB einen 
Schopf oder Fallschirm [Salix^ Popuhis^ Kompositen). Die einzelnen Flug- 
haare sind meist einzellig und oft von bedeutender Lange (2 — 6 cm beim 
Baumwollsamen). An den Pappusborsten der Kompositen stehen die F. 
entweder fiederig ab, oder sie legen sich einreihig so dicht aneinanderj daB 
wenigstens im unteren Teil der Borste eine kontinuierliche Flache hergestellt 
wird. Durch die so erzielte OberflachenvergroBerung wird die Schwebe- 
fahigkeit vergrdBert. (A) 

Flugorgane (DingleRj Die Bewegung der pflanzl. Flugorgane 1889; das 
Folgende nach dem Referat von Zimmermann, in B. C., Bd. 40, 1889, S. 107 
und nach Kirchner, I.): Dingler unterscheidet zwolf Haupttypen von F., die 
natiirlich nicht mit aller Strenge voneinander unterschieden werden kdnnen und 
vielfach durch Zwischentypen verbunden sind: 

1. Staubflieger (Sporentypus): hierher werden alie Organe von sehr ge- 
ringer GrdBe gerechnetj namentlich die Sporen der meisten Kryptogamen und 
die Pollenkdrner, sovveit sie durch den Wind verbreitet werden. 

2. Kofnchenfli eger (Mohntypus): anemochore Samen oder Frtlchte von 
sehr geringer GrdBe von Phanerogamen, deren Fahigkeit, vom Winde getragen 
zu werden, nicht in der Ausbildung besonderer Apparate zur Ausnutzung des 
Luftwiderstandes, sondern nur in ihrem geringen Gewicht liegt (z. B. Samen von 
Papaver sonmiferum). 

3. Blasenflfeger (Cynaratypus): anemochore Samen oder Friichte von 
annahernd kugeliger Gestalt, welche wegen ihres Gehaltes an Inftgefullten Hohl- 
raumen ein geringes spezifisches Gewicht besitzen und bei ruhiger Luft gerad- 
linig senkrecht fallen (z. B, Cymra Scofymus), 

4. Haarflieger (Pitcairniatypus): anemochore Samen oder FrOchte, welche 
ein durch eine kdrnchenformige Last in der Mitte belastetes, einfaches Haar dar- 
stellen (viele Bromeliaceenarten). 

5. Scheibendrehflieger (Aspidospermatypus): anemochore Samen oder 
Friichte von flacher, kreisrunder Gestalt mit in der Mitte liegendem Schwerpunkt; 
sie fallen bei ruhiger Luft unter Drehungen in einer von der Senkrechten stark 
abweichenden Linie (z. B. Samen von Aspidospermd\> 

6 . Napfflieger (Eccremocarpustypus): bikonvexe oder konkavkonvexe 
Samen und Friichte, haufig haiitig gefiiigelt. Sie fallen mit abwarts gerichteter 



Fluktuation — foliose Hepaticae. 


235 

Konvexitat und beschreiben stets nur unbedeutende Drehungen um die Vertikal- 
achse (z. B. Samen von Eccre?nocarpus scaber^ Cochleosjbermum orenocense). 

7. Schirmflieger (Asterocephalustypus): der an diesen Organen befind- 
liche, fallschirmartige Apparat hat meist die Form eines .umgekehrten Kegelman- 
tels nnd besteht entweder aus einer feinen Haut oder aus dicht gestellten Haaren. 
Die Fallbewegung findet ohhe Drehung statt (z. B. die Achaenen von Astero- 
cephalus). 

8. Walzendrehflieger (Halesiatypus) : anemochore Samen oder Friichte 
mit drei bis mehreren FlQgeln, im Querschnitt von regelmaBiger, drei- bis mehr- 
strahliger, sternformiger Gestalt; die Fallbewegimg findet in ruhiger Luft in einer 
spiralig verlaufenden Raumkurve unter beschleunigter Rotation um eine horizon- 
tale Achse statt (z. B. Friichte von Halcsia tetraptcra^ Combrebum- Aiten). 

9. Plattendrehflieger (Ailanthustypus): anemochore Samen oder Friichte 
von der Gestalt diinner, ebener Flatten von langlichem UmriB mit medianem 
Schwerpunkt; die Fallbewegung in ruhiger Luft findet in Form einer aus kleinen, 
sekundaren Kurven zusammengesetzten spiraligen Raumkurve unter sehr beschleu- 
nigter, senkrechter Rotation um die horizontale Langsachse statt (z. B. Friichte 
von Azlant/ius, Samen von Bigno?ua unguis). 

10. Segelflieger(Zanoniatypus): anemochore Samen oder Friichte, welche 
sehr dllnne Flatten von langlichem UmriB mit langsmedianem, in der Richtung 
der Querachse stark verschobenem Schwerpunkt darstellen; beim Fallen in ruhiger 
Luft stellen sie sich mit der Langsachse horizontal, mit der Querachse in einem 
spitzen Winkel zum Horizont und beschreiben eine nach unten sich verengende, 
spiralige Raumkurve (z. B. Samen von Za 7 ionia.^ Calosanthes indicd). 

■ II. Schraubendrehflieger (Eschentypus): Samen oder Friichte von der 
Form dlinner, ebener Flatten von langlichem UmriB mit in der Richtung der 
Langsachse stark verschobenem Schwerpunkt; die Fallbewegung findet unter be- 
schleunigten Drehungen senkrecht um die Langsachse und horizontal um eine 
senkrechte Schwerpunktachse statt und ist bei ruhiger Luft eine geradlinige, 
senkrechte (z. B. Friichte von Liriodendrofi, Fraxinus). 

12. Schraubenflieger (Ahorntypus): ‘hier ist im Gegensatz zu ii. der 
Schwerpunkt sowohl in der Langs- als auch in der Querrichtung bedeutend ver- 
schoben; die Fallbewegung findet unter sehr beschleunigter, horizontaler Drehung 
in geradliniger, senkrechter oder in spiraliger Richtung statt (z. B. TeilfrUchte 
von Acer^ Samen fast aller Koniferen). 

Fluktuation, fluktuierende Variabilitat s. Variabilitat. 

Folgeblatt: Alle diejenigen Pflanzen, die sich durch zwei lange fort- 
bestehende Biattgenerationen auszeichnen und die man vielfach-als heterophyll 
bezeichnet, erzeugen als die erste Blattgeneration diejenige der Primarblatter 
und [als die zweite diejenige der Folgeblatter. Der BegrifF Folgeblatt setzt 
also stets bei einer Pflanze die Existenz gut entwickelter Primarblatter vor- 
.aus. Vgl. das fiber Primarblatt und Jugendform Gesagte. (G.) 

Folgefoi'in s. Jugendform. 

Folgeiiiei’istenie s. Bildungsgewebe. 

Foliatio = Aestivation, s. Knospendeckung. 

Foliola: Die vollstandig individualisierten Teile stark gegliederter Blatter; 
z. B. sind die Fiedern der Robinia psezidacacia-Wiiiitex F. [Pt] 

Foliola der Hepaticae s. foliose Hepaticae. 

foliose Hepaticae nennt man die Formen, bei welchen die proem- 
bryonale Generation kormophytisch entwickelt ist. Das Stammchen ist in 


236 


Folium — Food-bodies. 


diesem Falle fast immer deutlich bilateral gebaut und besitzt zwei seitliche 
Reihen von Laubblattern "") (Oberblattern) und eine ventrale Reihe von 
anders gestalteten, oft sehr reduzierten Unterblattern (Amphigastrien, 
Foliola, von manchen Autoren unpassend auch Stipulae genannt), welche 
letztere bei vielen Formen ganz obliteriert sind. Frondose Hepaticae 
nennt man die Formen, bei denen das bilaterale Stammchen thallusahnlich 
ausgebildet ist (Fro ns). Zu beiden Seiten der Mittellinie welche haufig als 
Mittelrippe verdickt ist, verflacht sich die Fro ns in die einschichtigen Seiten- 
teile (Alae d*der Fi'onsflugel). Bei der Verzweigung der frondosen H. 
teilt sich der Fronsscheitel, die beiden neiien Scheitel riicken auseinander, 
und zwischen sie schiebt sich ein Lappen (Mittellappen nach Leitgeb) 

ein, durch dessen Wachstum dieselben 
immer waiter auseinander riicken. Sie 
tragt entweder gar keine Blattorgane oder 
an derVentralseite kleine, schuppenformige 
Gebilde (Ventralschuppen^) ,'Schiip- 
penb latter, Blattschuppen, Paleae). 
Bei den Marchantiaceae sind sie am besten 
entwickelt. In der Frons derselben kommen 
auch allgemein Schleimorgane vor, das 
sind groBe mit Schleim erfiillte Zellen 
Oder Zellreihen (z. B. bei Cojiocephalus 
nach Goebel), deren Wande sich endlich 
ganz in Schleim aufiosen. 

Die Oberblatter sitzen nur in seltenen 
Fallen dem Stengel genau quer an {quer- 
inserierte BL); meistens sind dieselben 
schrag inseriert, wobei zwei Falle eintreten 
konnen: i. Der Vord errand des Blattes liegt 
dem Hinterrande des naclisthoheren (j tinge- 
ren) Blattes auf; solche Blatter nennt man 
oberschlachtig (folia succiiba). 2. Der 
Vorderrand des Blattes wird von dem Hinterrande des niichsthoheren Blattes 
gedeckt (unterschiachtige Blatter, folia incuba). 

Einzelne Blattzellen sind bei manchen Lebermoosblattern {jFrullani a- Axteiij 
Marpalejeunea^ Odontokjeimca usvv.) besonders groB und sehr durchsichtig, wo- 
dnrch sie sich sehr von den iibrigen Zellen abheben. Die hierdurch gebildeten 
Flecken der Blattspreite nennt man Zellen. {A\) 

Folium = Laubblatt, s. Blattform. 

FoUiculus (Gaertner, de fruct. I, p. XC. 1788) s. Streufriichte. 
Gaertner wendet den Ausdruck in engerem Sinne z. B. auf Asclepias^ 
Ncrium^ Cinchona^ Vmca an. 

Food-bodies (Fr. Darwin) == Futterkorper, s. Miillersche und Belt- 
sche Korper. 



Fig. 122. ChactocoUa palmata Spr. A Stiick 
des Stengels mit 3 Steiigelb. 11. 2 Amphig. 
von der Ventralseite ; C auiiere In- 
volucralb.; I) Perianthium im Langs- 
schnitte mit iiiibefruchteten Arch, im In- 
neren. (Alle Fig. vergr.) (Nach Spruce.) 


Dieselben besitzen maiichmal einen uiitern Blattlappen (Lob ulus), der haufig zu einern 
keulen- Oder helmartigen Gebilde umgewandelt ist und wohl als Wasserspeicher dient. Man 
spricht auch von einem Ober- und Unterlappen des Blattes. 

2) Von manchen Autoren unrich tigerweise Amphigastrien genannt. 


Form — Formation. 


237 


Foi"m, forma. Als systematischer Terminus wird das Wort F., f. in ver- 
schiedenem Sinne gebraucht. Manche Botaniker gebrauchen es in dem 
gleichen Sinne wie das Wort Variation (s. d.) zur Bezeichnung einer Ab- 
weichung vom Arttypus, iiber deren Verursachimg, Konstanz usw. nichts aus- 
gesagt werden soli (Wettstein). Andere Forscher bezeichnen damit Ab- 
weichungen nicht oder wenig anerbbarer Art, welche auf AuBenbedingungen 
zuriickfuhrbar sind (z. B. f. terrestris, f. alpina usw.; vgl. den Artikel Va- 
rietat). Wieder andere bezeichnen mit dem Ausdruck f. Entwicklungs- 
stadien. Nach Plate sollte der Terminus nur in dem leizterwahnten Sinne 
gebraucht werden. {v. WitsL) 

formale Bedingimgen s. formative Wirkungen. 

Formation ist nach Erklarung der pflanzengeographischen Sektion des 
Internationalen Kongresses zu Briissel 1910 die aus Assoziationen verschiedenen 
floristischen Wesens gebildete, hohere Einheit der Vegetation. Die von ihr 
angenommene, auf Waeming zuriickgehende Definition (Actes III, Congr. 
Bruxelles I, 1910, S. 123) lautet: »Eine Vegetations- F. ist der gegenwartige 
Ausdruck bestimmter Lebensbedingungen. Sie besteht aus Assoziationen, 
welche in ihrer floristischen Zusammensetzung verschieden sind, aber in 
erster Linie in den Standortsbedingungen, in zweiter Linie in ihren Lebens- 
formen ubereinstinamen.« F. ist also »einstweilen<, sagt Flahault 1. c. 
S. 126, >ein allgemeiner Begritf, bei dem die biologische Form die Haupt- 
rolle spielt: eine prazisere Definition ist nicht moglich.« 

Der Begriff F. ist geschaffen von Grisebach (Linnaea XII, 1838, S. 160; 
Gesamm. Abhandl. 1880, S. 2); seine Definition lautet: »Ich mdchte eine Gruppe 
von Pflanzen, die einen abgeschlossenen, physiognomischen Charakter tragt, wie 
eine Wiese, ein Wald usw., eine pflanzengeographische Formation nennen. 
Sie wird bald dutch eine einzige gesellige Art, bald durch einen Komplex der 
vorherrschenden Arten derselben Familie charakterisiert, bald zeigt sie ein Aggre- 
gat von Arten, die, mannigfach in ihrer Organisation, doch eine gemeinsame 
Eigenttimlichkeit haben, wie die Alpentriften fast nur aus perennierenden Krautern 
bestehen . . . Diese F. nun wiederholen sich uberail nach lokalen Einfltissen, 
aber sie finden mit der naturlichen Flora, die sie konstituieren, ihre absolute, ihre 
klimatische Grenze. So weit Walder von Finns sylvestris oder mit Calluna vulgaris 
bedeckte Heiden reichen, findet man sich im Gebiet der mitteleuropaischen 
Flora. < 

Die spateren Autoren (vgl. dariiber Actes HI, Congres Bruxelles 1910, I, 123) 
fassen den Begriff alle verschieden. Floristische Begriindung wie Grisebach 
verlangen z. B. Beck v. Managetta oder Gradmann. Andere legen den 
Hauptwert auf die Einheit der Lebensbedingungen; Drude z. B. sagt: >der F.- 
Begriff beruht auf einer Verbindung von Physiognomic der herischenden Lebens- 
formen mit den physiologisch bedingten Eigenschaften der Vegetation*; ahnlich 
ist die Auffassung bei Schimper, C. Schroter u. a. Das britische ZentraL 
komitee endlich geht so weit, die F. ganz allein vom Standort bestimmt werden 
zu lassen. 

Es herrscht also gegenwartig eine Starke Zersplitterung der Auffassungen. Da 
jedenfails die F. »ein dkologisch bedingter, organisierter Verband* (Diels, Pflanzen- 
geographie 1908, S. 70) ist, so ist auch kein Fortschritt zu erwarten von Haufung 
der Definitionen, sondern vom Studium seiner Bedingtheit und seiner Organisa- 
tion, d. h. der sozial wirksamen Faktoren. 



238 


Fonnationsgruppe — formative Wirkungen. 


Je nach der Beteiligung von einer oder mehreren Wuchsformen kann man 
einfache und zusaramengesetzte F. unterscheiden. Als sekundare F. be- 
zeichnet man die durch Eingriffe des Menschen geschaffene und an sein Wirken 

gebunden^r^ppjerung der Formationen sind verschiedene Prinzipien versuclit 
worden. Ein ausgearbeitetes System von okologisch-physiognomischen Gesichts- 
punkten aus haben Brockmann-Jerosch und RCbel (Emteilung der Pflanzengesell- 
schafren 1912) gegeben. {D*) 

Foi'Hiationsgriippe ist eine Zusammenfassung ahiilicher Formationen 
zu einer Einheit von hoherer okologischer Wertigkeit. Bei BrocKMANN- 
JEROSCH und RtiBEL (Einteilung der Pflanzengesellschaften 1912, b. pn.) 
bilden die Formationsgruppen Unterabteilungen der Formationsklassen (s. d.) 
und sind wie diese mit lateinischen Namen bezeichnet. {D-) 

Formationsklassen nennen Brockmann-JeroSCH und Rubel die 
Unterabteilungen ihrer vier Vegetationstypen (s. d.). Unter den Lzpic^sa 
(Geholzen) unterscheiden sie: Pluviilignosa (Regengeholze), Laurthgnosa 
(Lorbeergeholze), Durilignosa (Hartlaubgeholze), Ericilignosa (Heidengeholze), 
Decidnilignosa (Fallaubgeholze), Coniligiiosa (Nadelgeholze).^ Dit Frata 
(Wiesen) teilen sie in die F. der Terriprata (Bodenwiesen), Aquiprata (Sumpf- 
wiesen) und Sphagnioprata (Hochmoore). Die Deserta (Einoden) gliedern 
sie in: Siccideserta (Steppen), Siccissimideserta (Wiisten), Frigorideserta 
(Kalteeinoden), Litoridcsezda (Strandsteppen) und Mobilideserta (Wanderein- 
oden). Jede F. zerfallt dann wieder in Formationsgruppen, die gleichfalls 
lateinisch benannt sind (vgl. BrockmaNN-JerosCH und RUBEL 1 . c.). [D,] 

Formationsubiquisten s. Konstante eines Bestandes. 

formative Reize. Unter formativen oder morphogenen Reizen ver- 
steht C. Herbst, der den Terminus im AnschluD an ViRCHOW und BlLLROTH 
naher prazisierte, alle Auslosungsursachen, welche »in qualitativer Hinsicht 
bestimmt charakterisierte Gestaltungsprozesse« einleiten. (Formative Reize 
in d. tier. Ontogen. Lpz. 1901 u. friiher Biol. C 1895.) S. auch unter Morpho- 
genese. (Z.j 

formative Stoffe s. Baustoffe. 
formatives Wachstum s. Wachstum. 

formatives Zytoplasma (Strasburger , Neue Unters. iib, d. Be- 
fruchtungsvorg. b. d. Phanerog., 1884, S. 108) = Kinoplasma; s. unter Zyto- 
plasma. 

formative Wirkungen: Wahrend fUrVERWORN samtliche Bedingungen, 
an welche ein bestimmtes Geschehen geknUpft ist, durchaus untereinander gleich- 
wertig sind (»effektive Aquivalenz der Bedingungen «), sind sie nach Roux zwar 
alle gleich not wen dig (aqainecessitas factorum), aber durchaus nicht gleich- 
wertigj vielmehr gerade inaquivalent (Ub. kausale und konditionale Welt- 
anschauung usw. Lpz. 1913). Pfeffer (II, S. 85) gliedert die wirksamen Faktoren 
mit Rucksicht auf ihre Wertigkeit und die Art und Weise ihrer Wirkung in fol- 
gender Weise: 

I. Mit Rucksicht auf die Allgemeinbedeutung: A. Notwendige Be- 
dingungen (Hauptbedingungen); B. Nicht notwendige Bedingungen (akzesso- 
rische Bedingungen, Nebenbedingungen). — Zu den ersteren zahlen die forrnalen 
Bedingungen, die wieder zerfallen in: a) energetische Faktoren, die Be- 



formbildende Reaktionen — Formenbiidung durch Korrelation. 


239 


triebsenergie und Baumaterial liefern, und b) veranlassende Faktoren (Reize)^ 
die nur auslbsend wirken. Diese auslosende Wirkung kommt in den meisten 
Fallen den entbehrlichen Faktoren zu, die indes energetisch wirken konnen, 
wenn sie in den Stoffwecbsel gerissen werden oder mechanisch modellierend 
eingreifen. 

II. In bezug auf die notwendigen und entbehrlichen Reizwirktingen 
und die sichtbaren Erfolge lassen sich dann folgende Typen unterscheiden : 

A, Beschleunigungs- und Hemmungsreize (zeitliche Reizwirkungen), so~ 
fern nur die Schnelligkeit des Wachstums modifiziert wird. Hierher gehoren auch 
die Krtimmungen, die durch eine ungleiche Beeinfiussiing des Wachstums in den 
antagonistischen Flanken bewirkt werden. 

B. Formative oder morphogene Reize, sofern die Gestaltungstatigkeit in 
andere Babnen gelenkt wird, also allgemein oder lokalisiert eine veranderte Ge- 
staltung herauskommt: a) Anregungsreize. Es wird einfach die Wacbstums- 
tatigkeit des Ganzen oder einzelner bis dahin ruhender Anlagen veranlaUt oder 
gehemmt — b) Umgestaltende oder metam orpbosierende Reize, sofern 
allgemein oder an einzelnen Teilen ein umgestaltender Erfolg hervortritt, der bis 
zur Umwandlung in ein anderes Organ gehen kann. — c) Neubildungsr eize. 
Die Produktion (Neiibildungen usw.) wird an bestimmten Stellen (oder tlberhaupt 
erst) veranlaBt oder unterdrlickt Dabei baben wir Produktionen im Auge, die 
normalerweise entstehen oder entsteben konnen. Plandelt es sich aber um Pro- 
dukte, die im normalen Entwicklungsgang nicht gebildet werden, so reden wir 
von d) Fremdbildungsreizen. 

III. Nach Art und Weise des Ausldsungsprozesses und nach ander- 
weitigen Einwirkiingen lassen sich fiir alle genannten Falle unterscheiden: 
A. Direkte oder unmittelbare Reize, sofern das Agens direkt auslbsend 
wirkt. — B. Stimmungs- oder Umstimmungs reize: das Agens verschiebt 
die inneren Dispositionen und erzielt dadurch den Erfolg. — C. Korrelative 
Reize (Reizwirkungen). Der Erfolg kommt dadurch zuslande, daB gleichzeitig 
oder allein eine direkt nicht betroffeiie Funktion oder einige Funktionen modi- 
fiziert, aiisgeschaltet, eingeschaltet oder umgeschaltet werden. Infolge der wechsel- 
seitigen Verkettungen im Organismus werden iibrigens bei einem jeden Eingrijff 
korrelative Aktionen erweckt, die aber nicht in alien Fallen zu einer auffalligen 
Beeinflussung der Wachstumstatigkeit ftihren. 

Bei alien angefiihrten Typen kann es sich weiter handeln um : a) allseitige, 
homogene oder diffuse Reize, und b) um einseitige, richtende oder 
orientierende Reize; ferner urn a) transitorische Reize und b) um sta- 
tionare oder permanente Reize. Es ist einleuchtend, daB transitorische 
Reize, wie sie z. B. vorfibergehend durch den plbtzlichen Wechsel der AuBen- 
bedingungen erzielt werden, zumeist keinen bleibenden formativen Eifekt erzielen. 

Diese Einteilungen lassen sich direkt auf die Innenreize tibertragen, indem 
man die veranlassenden Innenvorgange an Stelle der leichter prazisierbaren auBeren 
Anstbfie setzt. — Selbstredend handelt es sich bei dieser Klassifikation um kbnst- 
liche Kategorien, was schon daraus hervorgeht, dafi eine und dieselbe Bedin- 
gung gleichzeitig sehr verschiedene » formative Wirkungen« zu veranlassen ver- 
mag. (Z.) 

formbildende Reaktionen s. d. 

Formbildung s. Morphogenese und Entwicklungsmechanik. 
Formenbiidung (Formenneubildung) durch Korrelation (Wett- 
STEIN, liber direkte Anpassung, 1902): Der Ausdruck wurde von Wettstein 
fiir jene Art der Artbildung bzw. Formenbiidung angewendet, welche auf 


240 


Formenkette — fossile Floren. 


Einwirkungen der Lebensbedingungen zuriickzufuhren ist, Der Ausdruck ist 
allgemeiner als der Ausdruck >direkte Anpassung<<, da nicht jede auf Ein- 
wirkung der Lebensbedingungen zuriickfiihrbare Anderung des Organism us 
eine »Anpassung« zu sein braucht. [v, Wttst.) 

Formenkette, Formenkreis s. unter Art. 

Formphysiologie: Die Physiologie der organischen Form hat nach 
Driesch die Aufgabe, »das Formbildungsgeschehen als solches und um seiner 
selbst \villen« zu untersuchen mit der Absicht, »allgemeine Gesetzlichkeiten fQr 
dasselbe zu ermitteln«. Sie studiert den Aufbau des Individuums aus dem Keim 
(Entwicklungsphysiologie; vgl. Entwicklungsmechanik Roux’), sowie die 
regulatorische Wiederherstellung der typischen Individualform nach erfolgter 
Stoning (Restitutionsphysiologie). Sie untersucht also ausschlieBlich die* 
»Form« und »Gestaltung«, ohne von vornherein darin den Ausdruck physikalisch- 
chemischen Geschehens anzimehmen. (Driesch in Erg. d. Phys. V, 1906, S. 13.) (Z). 
Formreize s. Reiz. 

Fortpflaiizung: Das Leben aller pflanzlichen Lebewesen ist zeitlich be- 
grenzt. Eine Urzeugung, welch e neue Einzelwesen aus der leblosen Materie 
schaffen konnte, findet, soweit unsere Erfahrung reicht, nicht statt. Alle uns 
umgebenden Pfianzen sind vielmehr Nachkommen ihrer Vorfahren und verdanken 
ihr Dasein der alien Organismen zukommenden Fahigkeit, Nachkommen zu er- 
zeugen. Die F. ist demnach eine LebensauBerung, welche alien bestehenden 
PBanzenarten zukommen muB. 

Die Bildung einer selbstandigen Nachkommenschaft hat aber auch die »LoS“ 
l6sung« derseiben von der Mutterpflanze zur Voraussetzung. Und schlieBlich 
stellen die Verhaltnisse der AuBenwelt noch eine weitere Forderung an die F., 
namlich die, daB sie in der Regel mit einer >Vermehrung« der Keime Hand 
in Hand geht. 

Verjungung, Loslosung und Vermehrung von Einzelwesen sind also die wesent- 
lichsten Punkte, auf welche es bei der F. ankommt. Diese Bedingungen erfdllen 
die Pfianzen in der verschiedensten Weise. Ungeachtet der Verschiedenheiten 
im einzelnen lassen sich im Anfang zwei Arten der F. unterscheiden. 

Die einfachere besteht in der Bildung von Zellen oder Zellkbrpern, welche 
nach ihrer Lostrennung von der Mutterpflanze ohne weiteres, entweder sofort 
oder nach einer Ruhezeit, keimen und zu neuen, selbstandigen Einzelwesen heran- 
wachsen. Diese F. hat man die vegetative, ungeschlechtliche oder mono- 
gene genannt (vgl. vegetative Fortpfianzung). Uber die zweite Art der F., die 
geschlechtliche (sexuelle oder digene) F. s. unter Befruchtung. 

fossile Floren (nach Potoni^, vgl. unter Palaeobotanik): Beider — hier 
nattirlich nur ganz knappen — Charakterisierung der fossil en Floren be- 
gin nen wir mit der altesten geologischen Formation, mit dem Kambrium. Zweifel- 
lose Pflanzenreste sind hier unbekannt, daB aber Pfianzen vorhanden waren, 
muB angenommen werden; das Vorkommen von Graphit — sogar schon im 
Archaicum — weist darauf hin. 

Erste Flora (Silur und Devon): 

Die erste, d. h. die altestbekannte Flora, reicht vom Silur bis zum Oberdevon. 
Im Silur finden sich Algen (Siphoneen, Nematophycus). — Im Devon kennen 
wir: Algen, Archaeopteriden [Archaeopteris^ Adiantites^ Sphenopteridium u, a.), 
Sphenopteriden [Sphenopteris ^ RJiodea^ Falmatopteris u. a.), Pecopteriden, Neuro- 
pteriden, Sphenophyllaceen, Protocalamariaceen [Aster ocalamites]^ Calamariaceen, 
Bothrodendraceen, Lepidophyten [Lepidodendron u. a.), yielleicht auch Gymno- 
spermen. i. 


fossile Floren. 


241 


Zweite Flora = I. Karbon-Flora (Unterkarbon, Kulm). 

Hier treten auf: Filices [Megaphyton^ DiplolaMs^ Hymmophyllites etc.), Ar- 
chaeopteriden [Adiantiies-^ Sphenopte^iditwi-^ *Ehacopte?dS’-hxtQri)^ Sphenopteriden 
[Rhodea-^ Sphenopteris-^ Falmatopteris-hritn etc.), Pecopteriden [Pecopierls]^ Neuro- 
pteriden [Neii7'Opteris antccedens)^ Sphenopbyllaceen [Sphenophylhm tenerrhmm)^ 
Protocalamariaceen [Asterocalamites scrohmilaius)^ Calamariaceen, Lepidoden- 
draceen [Lepidodend?'on-AxtQt\^ Lepldophloios^ Ulode^idrori^ Stigmaria]^ Bothroden- 
draceen, Gymnospermen [Cordaites^ Araticar/oxylon). 

Dritte Flora = II. Karbon-Flora (die zweite bis sechste Karbon-Flora 
gehdren zum Oberkarbon). 

Wir finden: Archaeopteriden [Adiantites-^ Archaeopteris--^ Cardiopteris-^ Rhaco-> 
//m.f“Arten), Sphenopteriden {Rhodea-’j Falmatopteris-^ Sphenopteris-^ AUoiopteris-^ 
Eremopteris'-^ Neuropteris-Kritn) ^ Sphenophyilaceen [Sphenophyllum tenerrinumi)^ 
Protocalamariaceen [Asterocalamztes scrohiculatus)^ Calamariaceen [Stylocalamites^ 
Eucalamites ^ Equisetites)^ Lepidodendraceen [Lepidodendron-^ Stigmaria’-kxltR)^ 
Sigillariaceen. 

Vierte Flora = IIL Karbon-Flora. 

Sie ist eine »Mischflora« zwischen der zweiten iind den tinmittelbar iiber der 
dritten folgenden Floren. Sie hat mehr den Charakter der Floren des mittleren 
produktiven Karbons (dritte bis fiinfte Flora), wie denn unter anderem die ftir 
diese Horizonte so charakteristische Mariopteris imiricata hier beginnt, besitzt 
aber noch eine Anzahl der ftir das iintere prodaktive Karbon (zweite Karbon- 
Flora) charakteristischen Arten, wie Sphenophylhm ienerrimum^ Asterocalmtiites 
scrobictdatus^ Lepidodcndrozt Vclthe'miii. Besoiiders ausgezeichnet (wenigstens in 
Deutschland) ist die vierte Flora durch Neziropteris Schlchani iind favularische 
Sigillarien, so daB die Schichten mit der vierten Flora geradezu als Fmmlaria- 
Zone bezeichnet werden kdnnen, wahrend rhytidolepe Sigillarien zurlicktreten. 

Fiinfte Flora == IV. Karbon-Flora. 

Sie ist die an Arten reichste aller bekannten fossilen Floren. Im Gegensatz 
zur vorigen Flora konnen die Schichten der vierten Karbon-Flora bei der groBen 
Haufigkeit der rhytidolepen Sigillarien im weiteren Sinne (also inkl. Folknana) 
als die Rhytidolepis-Zont bezeichnet werden. 

Es sei hingewiesen auf: Filices [Megaphyton^ Caulopteris^ Rhacopteris-^ Rhodea-^ 
Palmotopteris-^ Sphenopterh-^ Alloioptezis-^ Mariopteris-^ Ovopteris-^ Ereinopteris-^ 
Pecopteris-^ Alethopteris-^ Odontopteris-^ Lonchopteris-^ Neuropteris-^ Lmopteris- 
und Cy€lopteris-h.xtQn\ Sphenophyilaceen [Sphenophylhm cunetfolinm u. a.), Cala- 
inariaceen [Stylocalaznites-^ Eucalamites-^ Calamophyllites-^ Cingularia-^ Annularia-^ 
Asterophyllifes-^ Equisetites-AiiQn)^ Lepidophyten [Lepidodendron-^ Ulodendron-^ 
Lepidophloios-^ Bothrodendron-^ Rhytidolepis-^ Sigillaria-^ Favnlaria-Axten^ Stlg- 
niaria ficoides]^ Lycopodiales [Zyeopodites-Avitn), Gymnospermen [Cordaites], 

Sechste Flora = V. Karbon-Flora. 

Im ganzen hat diese Flora den Charakter der vorigen, doch ist eine Anzahl 
Arten der vorigen Flora in dieser weit haufiger, andere treten erst hier auf. 

Siebente Flora = VI. Karbon-Flora. 

Hier seien erwahnt: Filices [Caulopteris und Megaphyton^ Rhacopteris spe- 
ciosa^ Falmatopteris furcata^ EuspJmiopteris ^ Ovoptezis^ Alloiopteris Sternhergi^ 
Pecopteris-j Alethopteris-^ Callipteridium-^ Odontopteris-^ Linopteris- AxtGXij Noegge- 
rathia foliosa]^ Sphenophyilaceen {Spheziophyllum-Axttxx)^ Calamariaceen [Stylo- 
catamites-^ Eucalamifes-^ Calamophyllites-^ Anmdaria-^ Aster ophy Hites- Axten)^ Le- 
pidophyten (Lepidodendraceen und Rhytidolepen treten sehr zurtick^ PoUeriana^ 
Siihsigillaria^ Stigmaria)^ Gymnospermen [Dicranophylluin gallicuin^ Cordaites). 

Schneider , Bot. Worterbuch. 2 . Aufiage. 1 6 


fossile Floren. 


242 


Rotliegendes. VIL — IX. Post-Karbon-Floren : 

Floristisch ist zwischen Karbon und Perm genau ebensowenig ein groBerer 
Schnitt zu machen, wie zwischen den einzelnen Karbon-Floren, da die Flora des 
Rotliegenden sich durch viele Arten, die schon im oberen produktiven Karbon 
(siebente Flora) vorhanden sind, auszeichnet. Es bleibt daher nichts weiter tibrig, 
als floristisch das Rotliegende mit dem Auftreten einiger fiir die letztgenannte 
Formation besonders charakteristischer, neuer Gattungeiij resp. Arten beginnen 
zu lassen. Das sind insbesondere Callipteris^ Callipteridiuni gigas^ Sphe^iophyllum 
Thom) Stylo calaniites gigas^ Goniphostrohus^ Walchia^ ferner hier und da Ftero- 
phyllum^ eine Gattung, die bereits ins Mesozoicum weist, 

Achte Flora (= VIL Flora). 

Sie hat im ganzen durchaus den Charakter der siebenten Flora, doch treten 
unter der Pflanzengemeinschaft derselben einige vorher noch nicht dagewesene 
Arten auf, die (wie oben gesagt) fiir das typische Rotliegende charakterisch sind. 

Neunte Flora (= VIIL Flora). 

Zu erwahnen besonders: Filices [Zygopterisj Ovopteris^ Fecopteris-j AletJio- 
pieris-^ Callipteridiuni-^ Callipteris-^ O dontopterh-^ Zonchopteris-^ Linopterh-^ Tac- 
niopteris-^ Aphlebia-hittn)^ Sphenophyllaceen (besonders haiifig in mehr oder 
minder trizygischer Ausbildung), Calamariaceen [Stylo calaniites gigas u. a., Eucala- 
mites-j Calaniophyllites-j Annularia-^ Asterophyllites-hxi^xl)^ Lepidophyten (Lepido- 
dendron^ Lepidophloios^ Subsigillaria^ Stigmar/a^ Gomphostrobus\ Gymnospermen 
[Walchia^ Cordaites). 

Zehnte Flora (= IX. Flora). 

Sehr ahnlich den vorausgebenden rotliegenden Floren, aber mit Zechstein- 
und mesozoischen Typen, wie Baiera und Ullmannia. 

X. Flora (Zechstein). 

Callipteris Goepperti^ Taeniopteris Eckardil^ Baiera digitata^ Ullmannia pha- 
laroides u. a., Voltzia Liebeana imd hexagona. 

Glossopteris-Facies (Permo-Trias). 

In den Landern, welche den Stillen und Indischen Ozean begrenzen, ist eine 
Facies mit einer besonderen, vornehmlich durch das Vorkommen von Glossopteris 
ausgezeichneten Flora entwickelt, die auch sonst von den gleichalterigen bloren 
Europas imd iiberhaiipt der nordlichen Hemisphare abweicht. Die Glossopteris- 
Facies entspicht im wesentlichen unserem Perm und iinserer Trias, weshalb sie 
als permotriassisch bezeichnet werden kann. 

(tiber das Gondwana-System [untere G. = Perm, mittlere G. etwa = 
Trias exkl. Rhat, obere G. == Rhat-Jura] siehe PoTONiit, S. 380.) 

Triads: Hier sind nnter anderem groBe Fquisetuin-Kxttn bemerkenswert und 
die Equisetaceen-Gattung Schizonenra. Benettitaceen beginnen hier, sind aber 
noch selten. 

Jura: Marattia^ Matoniaceen, Gleicheniaceen, Fanaea-^y^wSi^ pecopteridischc 
Typen; ovopteridische Osmundaceen, Thinnfeldia^ Sagenopteris^ Fhyllotheca, Schi- 
zoneura (welche drei Gattungen an die obere Trias erinnern), Lycopodites^ Hdhe 
der Ginkgoaceen, Benettitaceen und viele andere Cycadaceen, von Coniferen 
Foltziopsis, Brachyphylhm^ Araucaria. 

Kieide. Lehnt sich floristisch noch durchaus an die vorausgehende Zeit. 
Wir nennen: Frotopteris Witteana, Matoniaceen u. a. Fame, wie solche des 
Spkenopteris-^ Falmatopteris-^ Ovopteris-, Mariopteris- und Fecopteris-Hq^m Sa- 
genopteris^ Eqmsctiin^ Gingkoaceen, Benettitaceen, Cycadites^ Fodozamites ^u. a. 
Cycadaceen, Voltziopsis^ Pinaceen etc. 

Tertiar: Die Flora weist auch in Zentraleuropa noch mehr oder minder 
tropische Formen auf. 


Fossil kiu 




Im Oligociin sind hier schon cine Reihe von iH^raicn vorhaudtii, cltTrai 
heutige Venvandte nicht in dun Tropen Ilati.se sind: jcdoch ihideu li 7 * R. 
Palmenreste nodi fiiidlich der Ostsoercgion. Die C digncan-Mora JCurt?i>as iTinitert 
ihrem Chanikier nndi, ];>. (lurch iibercinstiunnende Arten, an die heutigeu 
Idorcn Ostasien.s (Jrijian) iind jN'ordainerika.s. Rs seien genaimt: Idliccs (/fecr/' 
wardia minor ^ Snlviuia)^ Dyninospcrmcn (6V//g/v^, Sequoia^ iI\txihUnm ^ Abirs^ 
riaui, Ln?’ix^ 'J'huya etc,), MonokoUien (I'nliiien: Strbu/^ (di,tmaornf's\ 

rhoniix etc.; Aotn’opsi'i)^ DlkoU'len {A//i//sy AAn/ii, (.%nyhtn ^ Cifrpinns^ yw;, 7 /s 
(.’asta?h'o ^ (^//c/v7/v, (bmptonia^ Sa/ix^ PoptAus^ Picu^^ 

Lanrus^ .tcor^ Aoson/us' etc,). 

In der M iocan- Mora Zentraleiirf>])ris nind iinnicr ikicIi wcnigsienc :,uhtr(ipi*» 
schc Kleinente vcalianden. Die Ankniipfting an dan Oligneau mil; Laiirat ^(ui, 
A'lagnoliaceent Viiacecn, d'iliactecn usw, ist (lurch das Vnrkcnnncn ditssfr aiuli 
iin Alicjcan gegtfhen. Die inclir troiuschcn Artaai sind jedneh weiUtr na( h Sudfui 
gertickt als ini Diigocaic Audi irinerhalh dias jVIint’an!; s(;llsil, ist, der RiM:kp;ang 
troj)isdier honnen zu lanncrken. 

lui riiocaii kaiii in Zentraleuropa nehen (tinigeu au:;g(?.storlH,aH'n Aitcn he 
reits eine fjesonders groOe Auzahl rezenter Arieii, nnter diesen atich aulUu- 
europiiische vor, wie Adm/zf/ium remformr^ ('aUiiri<, Pttxoditim^ i'muH SiXvd^us^ 
cinerea^ (Arya-kxtftn. Dah his jetzt iilierliatipf; iMath keim^ FahnennssU* 
im Pliociin gefimden wtirden, weint darauf liin, dad das K litaa iuuner gentiilhgter 
wurde. 

Diluvium: Am; Ablugerungen , naiuentlitii 'rorfin(Jor<!U dci; Diluviums ven 
ZentraD imd Nordcuropa lasseu sich cine gnibenr Au/alil Restc sidua iK-siimuuau 
da dieselben rnit (duigtui Au.snahuuju uiic.li jetzi Idamdf.m Arten auiudauru, dir 
geniigendc ViTgietchsmateriali(*n hieteu; allcrnudst .siud argear die Alien init 
Holchen, die brute ucdi an f>il: nud Hielle wadisen, jffdeubills in der engrren 
Idnra (les Reviers vcrkariieu, idmitiHch. Dasscdlie ist in Nau'dainmika der Icill. 

Wir halien luer Agl, (k A* Wuma:, Nat. Wneb* iHrjy): I. Rriij4lacia I/.ei t 

Filanzeu zu i 6 bei llnoMi:, S. 3H7 ff*). Rrste (Ducialzeit: Re.soiiders 

charaktirristisch sind bier und in den .spaicren Cdmdulzeitim arktlsdie umi .sub- 
arktisdui (bfu’eal'-al|unt:} Arten, vnn denen die meislen in den (lebieten, in denen 
sie ztir idszeit vf^rkamen, jetzt nicht mebr varhanden sind, und von demm rdnige 
sich bei uns noDi an gOnstigen Ftmdpunktcn als Reliktc erhalten liaben. Isr.str 
Jntergdacialzeii. 4. Zvveitc ( DaciaJzei t. 5. Zweitit Inlerglacialzeit. 
6 . Dritti? Oiacial/adt: VVkuku iKdracliU't als fiolche* die gauze l‘'pnc}ie, dif- 
mit dem Isrscheinen der nubarklisdien Idora (tind Ibutna) in dm* Kl#enr IfCi'iiUif 
und mit deren Verschwindeu eiidet; cr faP>t also zusammen: b. di(! dritte filu' 
dalzeit, 7. <lie Absclnnelzpcriode der drilten CHacialzint, und R. di(! ifltcsie Rost" 
gladalzeii der (ieologen. f/’A) 

FoSHlIiciD Die in den tksstdnen de-r Isrdknisie (^rbaltcm grblicbemui 
Restc nud Spuren orgauLsrber Korper werdtm ah; l\ faler Reirr tak 1 (*n , 
Verstr inerungeii u*m wifitesten Sinue), bir/.cicfnntt, IiU: die luuwandelung, 
wdche mit dem Resteii im Daulb* der Zeitrn ver si(*Ii gegangrn ist, nicht. 
HO tiefgrcifciid , so daB !ac rezenteu t)bj(‘kten mail f,ehr ahulidt seltcn, wie 
Fruchie mnv, in den diluvialen und alluviabm 'rorlmoonug so .sprudit man aiuli 
von Subfossiliem Mdst jialoch ist mit den RllauzenteiUm und /war aids 
mit denjenigrii der altesten, alUrrifu und mittierrn l‘'ormal!fmcn due vtdistaii- 
dige V'enindening vor sich gegangen: .sie sind inkofdt IhUer Inkohhnig 
versteht man < 5 en Rro/eB des zu Kolile (nicht Kolilen.stoR) Werden.s, jene 
ben mdglichstcm Duttabsf.bhiB durdi das Torfstadiuin, sodann Braunkoblen- 
stadium und endlich da.s Stadiinn der Hteinkoliic iundtirchgehende Zersetzung', 


244 


Fossilien. 


deren Resultat eben »Kohle« ist. Steinkohle usw, ist kein Kohlenstoff, son- 


dern ein Gemeage wesentUch von fasten Kohlenwasserstoff-Verbindimgen. Ini 
Gegensatz zur Inkohlung steht die Verkohlung, d. h. das zu Kohlenstoff 
Werden, deren Ursachen in der freien Natur sind i. die Dehydratisierung, 
etwa durch Schwefelsaure, die in manchen naturlichen Gewassern vorhanden 
ist, 2. die Selbstentztindung und 3. das Anbrennen organischer Substanz, etwa 
veranlaBt durch Blitzschlag* — In sehr vieien Fallen haben nun aber die 
Organe, namentlich dickere Teile — wie Stengel, Friichte u. dgl. — eine noch 
weitergehende Umwandiung erlitten, als sie die Inkohlung ist. Bei diesen ist 
der urspriingliche, organische Stoff mehr oder minder weit verloren gegangen 
und durch eine kieselige oder andere mineralische Masse ersetzt worden, die 
besonders in die Pflanzenmeinbranen eingedrungen ist Wir erhalten daher Ein- 
krustungen, Intuskrustationen (sog. echte Versteinerungen, Petrifizie- 
rungen, V. im engeren Sinne), welche die organischen Formen meist getreu 
wiedergeben. Man hat sich vorzustellen , daB die Pflanzenmaterialien von 
Wasser durchtrankt waren, welches mineralische Bestandteile in Losung enthielt. 
Da nun verwesende Pflanzensubstanzen die Neigung haben, solche mineralische 
Bestandteile niederzuschlagen, so werden die Zellmembranen allinahlich dutch 
dieselben mehr oder minder weitgehend ersetzt. — Das versteinernde Mittel ist 
meist Kieselsaure (Fl4Si04), Kalk (CaCOa), Dolomit (CaCOa + MgCOg), Schwefel- 
kies [FeS2) oder Eisencarbonat (FeC03). — Es kdnnen natiirlich auch andere 
Verbindungen den ursprunglichen Pflanzenrest mehr oder minder weit ersetzen; 
so werden die SproBstiicke der Konifere l/lltficinnici des Zechsteins bei Franken- 


berg in Hessen durch Kupferglanz ersetzt; es sind das die sog. Frankenberger 
Kornahren (Erzbildung durch Reduktion mineralischer Lbsungen vermittels sich 
zersetzender Pflanzensubstanz), — Stets sind die fossilen Reste resp. die fossilen 
Pflanzenspuren eingebettet, sei das Einbettungsmittel nun ein kalkiges, toniges 
Oder sandiges Gestein oder Bernstein. Der Bernstein ist fossiles, erhartetes 
Harz, das in fiassigem Zustande, bei der klebrigen Beschaffenheit der Harze, leicht 
aufliegende oder im Wege liegende Objekte aufnehmen konnte. So minimal 
die Permeabilitat des Bernsteins auch ist, so haben doch die Objekte, die er 
als »Einschlusse« enthait, nur Spuren von Kohle hinterlassen, so daB die ver- 
meintlichen Bluten-, Blatt-, usw. »EinschlUsse« nur Hohlraume sind, Je nach 
der Durchlassigkeit der Gesteine verschwindet namlich die urspriingliche Pfianzen- 
substanz mehr oder minder: die Volumenreduktion bei der Umwandiung von 
Pflanzenmaterial in Rohle ist also mit anderen Worten abhangig von dem uni- 
gebenden Mittel, dem Bergmittel, in welchem die Verwesung vor sich ging. Es 
kann alle organische Substanz spiirlos verschwinden. So in Kalktuffen oder 
Tufen aus vulkanischer Asche, die wegen ihrer lockeren Beschaffenheit etwaige 
Einschliisse von den Einwirkungen der Atraospharilien nicht geniigend zu schiitzen 
vermbgen; die eingebettet gewesenen Reste hinterlassen dann Hohlraume in dem 
Gestein, welche die ursprungliche Form der Reste wie die Form eines GieBers 
ge^eu wiedergeben. Auch in sandsteinigen Materialien findet man gelegenllicl) 
z. B. Druck und Gegendruck von Farnwedelresten ohne jede Spur inkohlter 
Substanz, andererseits kann man Reduktionen des ursprtinglichen Volumens auf 
nur /3 feststellen und bei Tertitoesten ist eine Verminderung des Volumens — 
wie bei Holzern, Fruchten — oft gar nicht zu bemerken, wenn auch durch Aus- 
iaupng Oder Zersetzung oder Ersatz durch mineralische Substanz die organische 
bubstanz an Quantitat mehr oder minder abgenommen haben kann. — Die Ein- 
ettung der Reste hat meist durch Vermittelung des Wassers stattgefunden 
Verschwindet em eingebetteter Pflanzenteil durch Verwenclung von Substanz 
VO ikommen, so erhalten wir einen Hohlraum, dessen Flache also der Hohldruck 


Fovea — fraktionierte Endospermbildmig. 


2^5 


des eingehiillt gewesenen Pflanzenrestes ist, wie bei der ganz libcrwiegcnden 
Zahl der pflanzlichen und tierischen >Einschlusse« in Bernstein. Wird, wie das 
meistens der Fall ist, der Hohlraum nachtraglich von erharteiidein Schlamm, 
Sand usw. ausgefullt, so erhalten vvir eine Nachbildung des urspriinglich ein- 
gebettet gewesenen Pflanzenrestes, einen Ste inkern, dessen Aufienflache das 
positive Bild derjenigen des urspriinglichen Pflanzenrestes wiedergibt. Audi 
gelost gewesene Mineralien kdnnen durch Niederschlag der mineralischen Sub- 
stanzen in Hohlrauraen Steinkerne hervorbringen. Diesbezuglidi sind besonders 
zu erwahnen solche Ausfullungsmassen in Zellen. Namentlich prosenchymatisdie 
Zellen enthalten gelegentlich solche Steinkernchen, die auf ihrer AuBenflache 
genau die Negativskulpturen der Zell-Innenflache wiedergeben. Diese Stein- 
kernchen heifien Spicuiae. In manchen rezenten Kernhblzern kominen schon 
Spiculae aus CaCO^ vor. H. Molisch (1879) fUhrt ihre Entstehung auf die 
geringere Leitungsfahigkeit des Kernholzes zuriick, weshalb sich CaCO;j gerade 
in diesem ablagert. Steinkerne treten sonst begreiflicherweise vorwiegend als 
Erhaltungszustande dickerer Organteile auf. Flache Organe, wie Blatter, lassen 
allermeist einen ganz diinnen, inkohlten Rest zwischen den einbettenden Mittelii 
zuriick. Beim Aufspalten des solche Organe einbettenden Gesteins wird die eine 
Seite der Spaltflache den Abdruck, das Negativ, nehmen wir einnaal an, der 
Blattoberseite zeigen, wahrend die andere Seite der Spaltflache den inkohlten 
Rest des Blattes selbst tragt. Dieser zeigt natiirlicli das Positiv der Blattober- 
seite; urn auch die Oberflachenskulptur der Blattunterseite kennen zu lernen, ware 
demnach die Entfernung der inkohlten Bedeckung erforderlich, Man pflegt schlecht 
beide Teile der Spaltflache als Druck und Gegendruck zu unterscheiden; der 
eine derselben ist dann ein Hobldruck, ein Abdruck, der andere bictet eine 
Positiv-Oberflache des inkohlten Petrefakts selbst. — Auch eruptive Aschen (Tuffe) 
und sogar Laven, die z. B. durch das Umflieflen von Baiinistammen liohlraume 
enthalten kdnnen, ferner Diinensande kdnnen Pflanzen bedecken, zuweilen iinter 
derartigen Bedingungen, dafi die Reste bestimmbar bleiben. Waren die vul- 
kanischen Aschen noch heiB, scdaB sie verbrennend wirken konnten, so flndet 
sich gern Holzkohle in ihnen, deren Zugehdrigkeit noch gelegentlich speziflsch 
Oder generisch festgestellt werden kann. — Es brauchen also nicht iinnier an- 
geschwemmte Materialien zu sein, welche die Pflanzenreste umhlillen, sondern 
es kann, wie wir sahen, die Einbettung unter Umstanden auch auf trockenem 
Wege erfolgen. Aber auch wenn die vom Wasser mitgefljhrten Gesteinsmaterialien 
die Umhullung besorgen, handelt es sich keineswegs iinmer um angeschwemmte, 
also suspendiert gewesene Materialien. Zuweilen sind es namlich chemische 
Niederschlage (namentlich von Calciumcarbonat [CaC03]), welche das Kin- 
bettungsmittel liefern; es ist das die Inkrustation, Umkrustung, Uber- 
krustung. Kieselstoe abscheidende Quellen wie Geysire inkrustieren Pflanzen 
und Pflanzenreste, tiber die das Wasser flieBt. 

Ein Fossil kann gleichzeitig mehrere der ervvahnten Erhaltungsweisen zeigen, 
z. B. zum Teil inkohlt, zum Teil inkrustiert sein; so gibt es intuskrustierte 
Holzer, bei denen aber die sich chemischen Einwirkungen gegentiber anders wie 
das Holz verhaltende Rinde, namentlich das Hautgewebe derselben, inkohlt er- 
halten ist. (Nach Potoniii:, Lehrb. d. Pflanzenpalaeontol. 2. Aufl.). (PL) 

Fovea der Isoetaceenblatter siehe diese. 

Fragmentation s. Amitose. 

fraktioniei-te Endospei'mbildung. Wahrend bei den Gymno- 
spermen das falschlich als Endosperm bezeichnete Prothallium schon 
vor der Befruchtung und unabhangig von dieser entsteht, ist das sekun- 


246 


freie Zellbildung— -Frostleisten. 


dare Endosperm bei den Angiospermen ein Prodiikt der sogenannten 
»doppelten Befruchtung« (s. d.), also vom Befruchtungsvorgange abhangig 
gemacht. Vor der Befruchtung entstehen bei den Angiospermen im Embryo- 
sack blofi der Eiapparat, die Antipoden und die beiden Polkerne. Von der 
Annahme ausgehend, daO die Synergiden und Antipoden den letzten Rest 
des Prothalliums darstellen, spricht Strasburger in dem Sinne von einer 
Unterbrechung der Endospermbildung oder f. E,, als er annimmt, daO die 
Bildung der Synergiden und Antipoden die erste Etappe der E. darstellt, 
welche erst wieder durch die doppelte Befruchtung mit der Bildung des 
sekundaren Endosperms ihre Fortsetzung findet. Diese Auffassung vergisst 
jedoch, daB Synergiden und Antipoden dem Gametophyten (der x-Genera- 
tion), das sekundare Endosperm dagegen dem Sporophy ten (der 2 x- Genera- 
tion) angehoren, mithin zwei verschiedene Generationen darstellen. Ubcr- 
dies stehen der Auffassung der Synergiden und Antipoden als bloBe Pro- 
thalliumreste groBe Schwierigkeiten entgegen. Es empfiehlt sich daher, 
diesen nur irrefiihrenden Terminus ganzlich fallen zu lassen. Er hat iibrigens 
mit Recht in der emschlagigen Literatur keine Verbreitung gefunden. Vgl. 
Archegontheorie. [P.) 

freie Zellbildung s. Zellbildung. 

Freiwandlage s. Chloroplastenbewegung. 

Fremdbestaubung s. Bestaubung. 

Frenidbildungsreize s. formative Wirkungen. 

Friscligewicht oder Lebendgewicht ist das Gewicht der unversehrteu 
Pflaiize Oder Pflanzenteile. Werden die zu untersuchenden Teile bei ioo°C 
bis zur Gewichtskonstanz getrocknet, so wird das Wasser allmahlich ab- 
gegeben, es resultiert das Trockengewicht. Die Differenz zwischen dem 
Gewicht der Trockensubstanz und dem urspriinglichen Gewichte gibt den 
Wassergeh alt an. Der verbrennliche Teil der Trockensubstanz stellt die 
organische (kohlenstoffhaltige) Substanz dar, der unverbrennliche Toil 
bildet die Asche, Aschen- oder Mineralsubstanz. (A.) 

Frischkem s. unter Autogamie der Flagellaten, 

Frondescenz: Ausbildung eines Organs, das normalerweise als reduziertes 
Phyllom erscheint, zu einem Laubblatt mit Spreite (Penzig i8go). Vgl. auch 
Veiiaubung. (7vjrA) 

frondos, Frons s. foliose Hepaticae und Thallus. 

Fronsfliigel = Alae der Hepaticae. 

Frostbeiilen entstehen auf der Rinde des Ahorns u, a. als flache Er- 
hebungen, wenn nach Bildung innerer Frostspalten (s. d.), welche die Rinde 
nicht zersprengen, die innere Wunde durch lokale, reichliche Produktion 
abnormen, parenchymreichen Holzes sich geschlossen hat. (AkA) ‘ 

Frostblasen kommen dadurch zustande, dafl unter der Einwirkung- des 
Frostes die Epidermis der Blatter sich von den defer liegenden Gewebs- 
schichten blasenartig abhebt. (Kst.) 

Fi'ostkrebs s. Krebs. 



Frostsplatten — FrucHtformen. 


247 


Frostplatten s. Brand. 

Frosti’isse s. Frostspalten. 

Frostspalten entstehen bei plotzlich einsetzender, kalter Witterung an 
Baumen, deren Rinde longitudinal aufreiOt. S. auch Krebs. {Ks(,) 

Fruclit: AlsF. im engeren Sinne faI 3 t man, wie dies schon Gartnuk 
(De fruct. I, S. 89, 1788) tat, den metamorphosierten Fruchtknoten auf, 
der den Samen umschlieflt. Enthiilt nun eine Bliite mehrere Stemircl, 
so kann jeder zu einer Frucht werden; man bezeichnet dann allc aus der- 
selben Bliite hervorgegangencn Frtichte zusammon als Sammelfnicht 
(Synkarpium). Sodann sehen wir sehr haufig infolgc der Befruchtung 
nicht blofl das Gynoeceum, sondern auch andere bcnachbarte Tcilc der 
Bliite, manchmal sogar die die Bliiten tragcndcn Astchen und Stick: vcr- 
andert werden; nicht selten treten sogar in dicscn Teilcn .stiirkcrc Vcriindc- 
rungen ein, als in den Stempeln selbst. Allc dcrartigcn Gcbildo nennt 
man Scheinfruchte, im Gegcnsatzc zu cchten Friichtcn. (Nach KNCl.iat, 
in E. P. II. I, S. 175.) — Eine solche Unterschcidung wird hinfiillig, wenn 
man wie Beck (Z. B. G., Wien, 1891, S. 307) den Begriff Frucht in cr- 
weitertem Sinne faOt und definiert: als jcne besonders metamorphosierten 
Organe der Pflanze, welche die Samen bis zur Reifc um.schlicben, dann 
ausstreuen oder mit denselben von der Mutterpflanze abgctrcnnt werden. 

Bei der Umbildung eines synkarpen Fruchtknoten.s zu einein Synkarpium 
(s. Apokarpium) wird die Fruchtknotenwandnng zur Fruchtschale, ziitn Peri- 
karp, an clem man bisweilen mehrere Schichten unler.scheiden kann: eine iiuSere, 
das Epikarp, und eine innere, das lindokarj), beide in ihrem anatomischcu 
Bau haufig sehr abweicliend heschaffen. In einzelnen Fallen schaltet sich zwischen 
Epi- und Enclokarp noch eine mittlere Gewebeschicht, das Mesokarp, ein; wo 
cliese eine fleischige, saftige Ausbildung zeigt, fiihrt sie den Naraen Sarkokarp, 
(Z. B. Frucht von Pnams.) Das Endokarp ist eine steinharte Schicht, die den 
Stemkern (Putamen) der Pflaumcn, Kinschen usw. bildet und den Samen ein- 
schlieBt; das fleischige, safthaltige Sarkokari) bildet die I-Iauptma.s.se des Perikarji.s; 
das Epikarp ist ein dfinnes Hiintclien, welches die F. iiberzieht fvgl. auch Peri- 
karp). (Nach Pax.) 

Fruchtanfang, -ansatz derBryophyten (Bi.sciiofe) =Archegonium, s. d. 

Fi'uchtbecliei' = Cupula, s. Receptaculum. 

Fi'uchtbeutel s. Marsupium. 

Fruchtblatt, Fruclitblattforination s. Gynoeceum. 

Fruchttormen: Die Unterschcidung der F. ist jc nach der Definition, 
die die Autoren dem Begriff P'rucht geben, und je nachdem dieses oder 
jenes Merkmal in die erste Reihe gestellt wird, schwankend. Moist werden 
zwei Hauptformen unterschieden: echte und Scheinfruchte (s. Frucht). Die 
echten Friichtc tcilt Englkr (E. P. II. i, 176. 1889) in i. Trockenfruchte: 
Perikarp trocken, gleichartig, holzig, leder- oder hautartig, 2. Steinfriichtc 
(Drupac): Perikarp_ mit flcischigem Epi- und Mesokarp und steinhartem 
Oder holzigem Endokarp (Stcinkern, Putamen) und 3. Beerenfriichte 
(Baccae); Perikarp fieischig, nicht aufspringend. — Wesentlich anders fet 
die Klassifikation von Beck (vgl. Frucht), die hier bei der Besprechung 
im einzelnen zugrunde gelegt wird. Beck unterscheidet zunlichst: einfachc 


248 


Frudithaufen— Fruchtkorper. 


Friichte (fructus simplices): Frucht aus einer Bliite gebildet, und zusammen- 
gesetzte Friichte (f. polyanthocarpi) : Frucht aus zwei bis mehr Bliiteu 
gebildet. Die erste Abteilung gliedert er in zwei Hauptgruppen: Streu- 
friichte (s. d.) und Fallfriichte (s. d.). Von der zweiten Abteilung warden 
folgende Formen namhaft gemacht: a) Conus (Strobilus, Zapfen): Frucht- 
stand meist abfallig und die Samen ausstreuend (z. B. Pmus\ b) Sorosus 
(Fruch than fen); Fruchtbliiten verschieden verwachsen und meist zusammen 
abfallig, z. B. Morus^ Madura^ Aiianassa^ oder wenn nur Fruchtknoten ver- 
wachsen = Bib a cc a (Doppelbeere), z. B. Lonicera^ c) Fruchtstande 
(Fruchtkopfe): z. B. Xanthmm^ Lappa^ Castanea^ o.der spezielle Formen 
wie Beerenzapfen (Galbulus, Arcesthida), z. B. Jimipertts\ Syconus 
(Feigenfrucht), z. B. Ficus'. Hiille fleischig; hierher auch: mit fleischigcn 
Achsen, z. B. Hovenia'^ mit Flugausriistung (z. B. Tilia^ Rhus cotinus)'^ mit 
Klettervorrichtungen (z. B. Pupalia^ Lappa). 

Fruchthaufen: i. s. Fruchtformen , 2. = sorus d. Pteridophyteii 
s. Sporangien d. Pt. 

Fruchthaut: i. = Perikarp s.' d.; 2. = Hymenium s. d. 

Fruclithtille : i. s. Involucrum d. Plepaticae; 2. Fr. d. Pilze — velum 
s. d. 

Fruchtkelcli = Perianthium d. Hepaticae s. Involucrum ders. 

Fruchtknollchen von Anogramme s. unter Knollchen von A. 

Fruchtknoten, Fruchtknotenfach s. Gynoeceum. 

Fruchtkopfchen i. s. Fruchtformen; 2. = Receptaculum d. Bryo- 
phyten, s. d. 

Fruchtkorper der Fungi s. Karposoma. 

Fruchtkorper der Gastromyceten (das Folgende nach Fischer, in 
E. P. L I**, S. 277 fF., unter Beriicksichtigung der allgemeinen Angaben 
DE Barys S. 332): Die Fruchtkorper dieser Pilze [Hymenogastriiieae^ PhaL 
lineae.^ Lycoperdineae und Nidiilariineae) entspringen von fadigem oder 
strangfdrmigem Myzelium. Sie sind meist stattliche, oft sehr grof3e Kor- 
per und gewohnlich zur Zeit der Sporenbildung von einer dichten, ge- 
schlossenen Wand, der Peridie, umgeben und im Innern meist durch von 
dieser entspringende Gewebeplatten (Tramaplatten, vgl. Fig. 124) in 
Kammern geteilt, innerhalb welcher die Hymenium- und Sporenbildung 
ihren Sitz hat. 

Bei den Phallineae linden wir folgende Differenzierung der F. (vgl. dazu 
Fig. 123): Zu auBerst liegt die sog. Volva ((?], welche aus einer diinnen 
Rinde und einer Schicht von Gallerte besteht. Das von der Volva um- 
schlossene Innere besteht hauptsachlich aus dem hier Gleb a [a] genannten 
Hymenium und einem fiir die Phallineae charakteristischen Gebilde, dem 
sog. Receptaculum. Dies ist von sehr verschiedener Form und Lage* 
bei den Phallaceen liegt es in der Achse des F., bei den Clathraceen wenig- 
stens m semem^ oberen Teile an der Grenze zwischen Gleba und Volva. 
Es besteht aus isodiametrischen oder rohrig verlangerten, von gallertigem 
Geflecht ausgefiillten Kammern mit pseudoparenchymatischen Wandeir kurz 
vor der Reife des F. sind in den meisten Fallen diese Kammern zusammen- 
gedruckt, ihre Wande gefaltet. In der letzten Entwicklungsphase der F. 


Fruclitkorper. 


249 


strecken sich die Kammerwande oder Tramaplatteri; das Receptaculum 
zersprengt durch diese Dehnung die Volva und erhebt sich als stattlicher^ 




Fig. 124. Mac Oivanites agn-ricmm : Liingsclurch- 
schnitt durcF den Fnichtkdrper (i/i) die Tmma- 
platten zeigend. (Nach KALCiriiRENNEK.) 





Fig. 123. Phallus wipttdictts. A aus- 
gewaclisenes Exemplar. D jmiger 
Fruclitkorper im medianen Langs- 
sclinitt: a Gleba, G Galltertschichte 
der Volva, // Anlage des Hutes, 
5 axiler Strang, spateres Gefiiecht der 
Stielachse, Sw spateie Stielwand, 
(Aus E. P. I, I**, S. 293.) 





Fig. 125, A Ly coper don gemmation: Fruclitkorper 
im Langssclimit, schematisch (2/1) [G = Gleba, und 
zwar: f fertiler Teil, st steriler Teil, iP Endoperi- 
diunij « P Exoperidium) ; B Lyc. lUacinum: Capilli- 
tiumfasern (stark vergr.). (A nacb Rehsteiner, 
B nach Fischer.) 


250 


Fruchtkorper. 


meist rot oder weiB gefarbter Korper weit iiber letztere hinaus. Erst jetzt 
lafJt es seine eigentiimlichen Gestaltungsverhaltnisse recht erkennen. 

Von den Hymenogastrineae sei nur auf die Gruppe der Secoiiaceae bin- 
gewiesen, deren Gleba bis zum Scheitel von einer axilen, sterilen Columella 
durchsetzt ist, welche die direkte Fortsetzung des Stieles darstellt (Vgl. 
Fig. 124.) 

Bei den Lycoperdineae lafit die Peridie, die die Gleba umschlieDtj stets 
eine Differehzierung in verschieden ausgebildete Schichten erkeniien. In 

den einfachereii Fallen 
lassen sich deren zwei 
unterscheiden (vergl. 
Fig. 125): eine innerc, 
meist papierartig dlinne, 
seltener ( Myccnastrmn) 
dicke , korkartige , die 
aus derbwandigcn, meist 
ziemlich diinnen , ver- 
zweigten und dicht ver- 
flochtenen Plyphen be- 
steht und als Endo- 
p e r i d i u m bezeichnet 
wird {i P) , und eine 
auBere, fast in alien 
Fallen mehr oder weni- 
ger deutlich pseudo- 
parenchymatische, davS 
Ex ope rid turn [a P). 
Bei der Reife des F. 
trennt sich die letztc 
vom Endoperidium und 
lost sich entweder in 
einzelnen I" etzen ab [Ly- 
coper don ^ Bovista) oder 
offnet sich sternfdrmig 
[Gcaster], Die. innere 
Peridie erhalt dann ent- 
weder einen scheitel- 
standigen(seltenbasalen) 
Porus, der mitunter von 
einem unregelmaBigen,faserigen Saume umgeben ist, oder zerfallt unregelmahig 
und reiBt lappig auf. Neben den diinnen Hyphen, welche die auch hier aus- 
gebildeten Tramaplatten zusammensetzen, treten schon friihzcitig Hyphen 
mit eigentumlich verdickten, gebraunten Membranen auf, die entweder v5llig 
querwandlos oder doch nur sparlich mit Membranen versehen sind (sog. Capil- 
litium, vgl. Fig. 125^]. Sie iiberdauern die verganglichen Tramahyphen 
und bilden die Fiillmasse zwischen den Sporen. Durch das AufreiBen der 
Peridien werden die Sporenlager frei und durch Wind oder Tiere verbreitet. 



Fig. 126. Cyaihus striaitis: A Fruchtkorper von auBen, fast 
reif, Epiphragma ini Begriff zu verschwinden; B reifer, liings- 
durchschnittener Fruchtkorper mit Peridiolen; C Peridiole iin 
Langsschnitt und Darstellung des Baues des Funiculus, Strang 
aus dessen oberem Abschnitt mit einer Naclel herausgezogen. 
(A und B schwach, C starker vergrdfiert.) (Nach Tulasnk.) 


252 


Fruclitlager — Filllgewebe. 


keulenformigeii Asci und Paraphysen, im anderen Extrem (vgl. Fig. 128) aus einem 
regellosen Geflecht, dem ellipsoidische oder fast kugelige Asci regellos eingelagert 
sind. Die Asci sind jedoch funktionslos, die ganze Pilzgruppe daher den inaktiven 
Askomyceten zugeteilt (vgl. Ascus). Zwischen beiden Extremeii liegen P'ormen 
mit keulenformigen, bald mehr bald weniger regelmaBig angeordneten Asci, 
(Nach Fischer in E. P. L i, S. 279.) [F.) 

Fruchtlager: i. = Hymenium s. d.; 2. = Stroma s. Karposoma, 

Fruchtrand der Flechten s. Apothecien der Flechten. 

Fruchtsack s. Marsupium. 

Fruchtschale = Perikarp, s. unter Frucht. 

Fruchtscheibe, -schicht der F 7 mgz = Hymenium; s. auch unter Asci. 

Fi*uchtschuppe: Bei den Abietineen besteht jedes Fruchtblatt (Zapfen- 
schuppe) aus zwei hintereinander stehenden, fast bis zur Basis getrennten 
Teilen; der auBere, stets schmalere und meist auch kiirzere Teil wird als 
Deckschuppe, der innere, breitere, besonders zur Fruchtzeit sich stark 
vergroBernde Teil, welcher anscheinend in der Achsel der Deckschuppe 
stehh 2.1s Fruchtschuppe bezeichnet, (Nach Prantl-Pax.) 

Fruchtspi'oss von Anogramme s. Knollchen von Anogramine. 

Fruchtstand, Fruchtzapfen (= Conus) s. Fruchtformen. 

Fruchtstiel = Seta, s. Sporogon der Hepaticae und Musci. 

FruchttrSger: 1) = Karpophor, s. Umbelliferenfriichte ; 2) d. Pilze == 
Karposoma, s. d. 

FruchtungsvermSgen: Nach Kirchner (S. 41) im Sinne Gartner’s 
die Fahigkeit, Friichte und (embryolose) Samen ohne vorausgegangene Be- 
staubung zu bilden. (Vgl. Parthenokarpie.) (P.) 

• Fructiculi s. Apokarpium. 

Fructus = Frucht, s. d. 

Friichtchen s. Apokarpium. 


Friihliolz (Strasburger, Bau und Verricht. der Leituiigsbahnen, iSoi) 
= Friihlingsholz. 

Friihlingsliolz, Das in Gebieten mit Vegetationsruhe in der ersten 
Vegetationsperiode gebildete Holz, welches sich in der Regel durch weitlumigere 
GefaBe und ebensolche mehr radial gestreckte Holzparenchymzellen vom 
Herbstholz, Spatholz mit engerlumigen ■ GefaBen und mehr tangential 
abgeplatteten Holzparenchymzellen unterscheidet. (P.) 

Friihlingslaiibfall s. Laubfall. 

Frilhtreiben s. Ruheperioden. 

Frustel == Panzer, s. Bacillarien. 

Frustranie, Altere Bezeichnung fUr die Erscheinung gleichzeitigen Vor- 
komraens zwittnger und geschlechtsloser Bliiten auf derselben Pflanze z. B. Cen- 
Vgl. Alefeld, B. Z. 1863, S. 4i7ff. [P) 

-haare, «papilleii, -tilpfel s. Sinnesorgane. 

FuIIgewebe: i) d. Lentizellen, s. d.; 2) = Plerom, s. Urmeristem. 

fullgewebe der Monokotylenwurzeln. Als F. fafit Ross (B. D. B. G L 
b. 331; das gesamte, bei normalen und anormalen Monokotylenwurzeln das Zentruro 
des Zentralzylmders und die Zwischenraume zwischen den Hadrom- imd Leotom- 

Monokotvlen zupmmen. Dieses besteht bei alteren, anormalen 

Monokotylenwurzeln aus dickwandigen, tflpfelreichen, mechanischen Zellen und 


Fiillplasma — Fungi iniperfecti. 


253 


zeigt in manchen Fallen je nach der mechanischen Beanspruchung der Wurzel 
Auspragung in ein zentrales Mark- und peripheres, mechanisches F. (Vgl. PoKSCii, 
in D. Ak. Wien, Bd. 79, iQii, S. 429 u. 445.) (i^.) 

Fiillplasma s. unter Peridineen. 

Filllung: i. d. Bliiten, s. gefiillte Bliiten ; 2. d. Tragers, s. mechanische 
Bauprinzipien. 

Fiillzelleii der Moosblatter s. Charakterzellen. 

Fugenflache der Umbelliferenfrlichte, s. d. 

Fugenwandlage s. Chloroplastenbewegung. 

Fukosanblasen, an der Oberflache der Chromatophoren der Fucoidecn 
auftretende Inhaltskorper (Phaeophyceenstarke [Schmitz], Physoden [Ckato]), 
welche nach Kylin Saftraunae darstellen, die von einer Plasmahaut iimschlossen 
und mit einem den Gerbstoffen vervvandten Stoff erfUllt sind. (Arkiv f. Bot. 
utgifvet af k. Svenska Ventensk. akad. Stockholm 1912. Kritik bci Moliscu, 
S. 351*) Vgl. Physode. [L) 

FukoxaBthin s. Algenfarbstoffe. 

Fixndanientum s. Mittelblattstamm. 

Fungi impei'fecti. Unter dem Namen F. i. fafite Fuckkl alle diejenigen 
Formen zusammen, die seiner Ansicht nach keine vollendeten, d. h. hoheren 
Fruchtformen (Asci, Basidien) sind. DaB viele als Nebenfruchtformen zu Ascomy- 
ceten gehoren, war bereits vor ihm bekannt, Saccardo hat spiiter die F. i. als 
Deuteroinyceten bezeichnet. 

Daraus, daB viele Arten der F. i. als Nebenfruchtformen von Ascomyceten 
erkannt sind und noch erkannt werden, geht schon hervor, daB die Gruppe der 
F. i. keine geschlossene Einheit darstellt 

Zweifellos gibt es darunter eine Reihe selbstandiger Formen, die keine hdhere 
Fruchtform besitzen. Es sind dies sogar die wichtigsten, weitest verbreitetcn 
Arten (echte Schimmelpilze). 

Bei anderen nieist nahe vervvandten Arten ivSt die hdhere Fruchtform vor~ 
handen, sie tritt aber nur unter besonderen Bedingtmgen auf und ist daher in 
der Mehrzahl der Falle noch unbekannt. Die Ne ben fruchtform (iberwiegt tind 
existiert selbstandig in der Natur. [Penicillium glaucum Bref.) 

Bei vielen Askomyceten treten beide Fruchtformen nebeneinander oder nach- 
einander etwa gleichvvertig auf. [Tuherctdaria vu'garis zu Nectrla cmnaharina,) 

Endlich lunfaBt der Begriff der E. i. auch die Nebenfruchtformen hdherer 
Pilze, die nur in kiinstlicher Kultur auftreten, unter natiirlichen Verhaltnissen 
aber nicht beobachtet warden, oder hier nur eine ganz nebenlaufige Bedeutung 
besitzen, wahrend die hdhere Fruchtform ganz uberwiegt und ohne die Neben- 
fruchtform existieren kann. Aus der bei einer’ Reihe hdherer Pilze (Oklien 
vieler Basidiomyceten) gemachten Beobachtung, daB eine Nebenfruchtfonn unter 
besonderen Kulturbedingungen hervorgerufcn werden kann, die unter natiirlichen 
Verhaltnissen ebensowenig wie unter normalen Kulturbedingungen aiiftritt (Haus- 
schwammforschungen, 6. Heft, Jena 1912), eihellt, daB wohl alle hoheren Pilze 
zur Bildung von Nebenfruchtformen befahigt sind. Der Begriff der F. i. ware 
hiernach auf die beiden erstgenannten Formenreiheii zu beschriinken. Uoch ist 
zu berlicksichtigen, daB es in kiinstlicher Kultur bereits gelungen ist, die aus 
der Basidienspore gezogene Nebenfruchtfonn unbegrenzt fortziipfianzen unter Ver- 
lust ihrer Fahigkeit in die hdhere Fruchtform ziirlickzukehren. (Hausschw.-Forsch., 
H. 6, S. 12 $,) 

Es sei noch auf folgende Termini hingewiesen. Durch ZusammenschlieBen 
der Myzelfaden kdnnen Gebilde verschiedener Art entstehen. Das Subiculum 


Fruchtkorper. 


251 


Die F. der -Nidularineae (vgl. Fig. 126) besitzen eine einfache oder zwei- 
bis mehrschichtige Peridie, die sich bei der Reife becherartig offnet Bei 
Cyathits und Crticilmhim bleibt 

die Miindung noch eine Zeitlang ^ 

von einer diinnen Haut, dem 
Epiphragma (vgl. A ) , ver- 
schlossen. In dem von der Pe- 
ridie umschlossenen Geflechte 
entstehen in geringer Zahl die 
Glebakammern, die, von einer 
harteii Geflechtsschicht umhiillt, 
in der Reife sich voneinander 
isolieren und als rimdliche Kdr- 
perchen (Peridiolen) frei in 
dem becherartig geoffneten F. 
liegen (Fig. 126^5). Bei Cyathus 
stehen die Peridiolen mit der 
Peridienwand durch je ein stiel- 



artiges Verbindungsstttck, den 


Fig. 127. 7 nber rttfim: a Ideines Exemplar hal- 
biert (5/1) in reflekfciertem Liclite (/ = Veimc ex- 
temaCj v = Venae internae, h = Ilymcnium). 
(Nach Tulasnk.) 



Funiculus ((T), in Verbinduiig, 
welcher in der Mitte ihrer etwas 
vertieften Unterseite inseriert 
ist. [F) 

Fruchtkorper der Tube- 
rineen: Ihr Ban ist bei den ein- 
zelnen Gattungen ein sehr ver- 
schiedener, Bei den Eutuberaceen 
stellt in den einfachsten Fallen 
[Genea hispidula) der F, eine Hohl- 
kugel dar rait gewohnlich scheitel- 
staiidiger Offnung, ineistens aber 
ist er durchsetzt von einem ganzen 
System von Gangen, die entweder 
nach einem Punkte des Scheitels 
[Pachyphloens] oder der Basis [ 7 \iher 
7 ‘ufum^ Fig. 127) konvergieren und 
hier munden oder aber an zahl- 
reichen Punkten der Oberflache 
austreten [Hyduotrya^ Eutube7\ 

Diese Gauge sind entweder hold 
{Hydnot?ya) oder werden von 
Hyphengedecht aiisgefiillt [Stc- 
phejisia^ T2der\ in letzterem Falle 
nennt man sie Venae externae 
(FigM2 7/j. Die Trennungswande 
zwischen diesen bezeichnet man 
als Tramaadern oder Venae internae {v)] sie sind tiberkleidet von einer zu- 
sammenhangenden Fruchtschicht (Hymenium). Dies Hymenium besteht in einem 
Extrem [Geitea^ Hydnocystis] aus palisadenformig angeordneten, zylindrischen bis 


1 .• .. ' V . ■ .'-■'-■v .. I., I •, 

'A/ , . 

'yyV ■ ■■ ' 


d -cv 

■vVV'.- 


Fig. 128. 'Jnher riifitm: Stuck eines Durchschnitts 
durch den Fruclitkorper: a Peridie, h clcren Innen- 
schicht, die nach innen in Tramaadern sich fortsefcjjt, 
von welchen aus sowolil die die Asci tragenden als 
auch sterile Hyphen d in den Tnnenrauin der ICam- 
mern hincinwachsen. (Nach Tux^ASNli.) 


254 


Funiculus — Funktionen. 


besteht aus locker verflochtenen Faden, die zu scheibenfdrmigen, meist schwarzeiij 
xuBartigen, stern- oder strahlenfdrmigen , seltener weiBlichen Hyphengeweben 
locker zusammenschlieBen (Allescher). Das Stroma dagegen reprasentiert 
festere Gewebskorper, die den gleichbenannten, vegetativen Gebilden der stroma- 
tischen Ascomyceten entsprechen. In oder auf dem Stroma entstehen die 
Fruchtlager. 

Treten die Konidientrager zu Biindeln zusammen, so entstehen Koremien^); 
bilden dagegen die ersten ein festes, palisadenartiges Lager, so erhalten wir 
Sporen- oder Konidienlager (Acerviilus), Das Konidienhymenium kann in 
einem besonderen Gehause eingeschlossen werden. Wir nennen den wechseln- 
den Fruchtkorper dann Pyknide; dieselbe entsjoricht dem Perithecium der 
Pyrenomyceten. Man unterscheidet diejenigen Pykniden, welche selir kleine 
Sporen erzeugen, als Sperm ogonien, Diese Bezeichnimg halt Lindau flir 
iiberflussig, nach ihm wahlt man zweckmaBig in Fallen, wo Pykniden mit groBen 
und kleinen Sporen iinterschieden werden miissen, die AusdrLicke Makro- tmd 
Mikropyknide, resp. Makro- und Mikrospore. Unter Stylosporen ver- 
steht man die an »Stielen« entstehenden Sporen. Dieser Ausdruck ist ebenso, 
wie die Benennung Spermatium, ftir kleine Sporen ganz iiberflussig. Die Be- 
nennung Konidien reicht in alien Fallen aus. Es geniigen demnach ftir die 
F. i. die folgenden Ausdriicke: Konidientrager ist der sich irgendwie von den 
vegetativen Hyphen imterscheidende Apparat fiir die Konidienbildung. Sterigma 
ist die letzte Auszweigung eines Konidientragers, die gewohnlich mit einer feinen 
Spitze schlieBt, auf der die Spore entsteht®). Diese Definition ist also etwas 
weiter gefaBt als gewohnlich, da man haufig niir die feinen, hyalinen Spitzchen 
unter Sterigmen begreift. Die Konidien konnen sehr verschiedene Gestalt, wie 
die Askosporen, haben. • 

Die F. i. werden in drei groBe Gruppen zerlegt. i. Formen mit Konidien- 
lagern ohne Gehause (Hyphomycetaceae) , 2. Formen mit Konidienlagern in 
wenig ausgepragten Gehausen (Melanconiaceae) und 3. Formen mit Konidien- 
lagern in unverkennbaren , schwarzen, mitunter mehrkammerigen Gehausen 
(Sphaeropsideae). Diese Einteilung ist unzulanglich, da es vorkomint, daB eine 
Art ihre Konidienlager auf alle drei Weisen ausbildet. 

Genaueres Studium der einzelnen Arten, besonders Infektions- und Kultur- 
versuche sind erforderlich fur die Aufstellung einer besseren Klassifikation der 
F. i. Vgl. auch P. Vuillemin, Materiaux pour une classificat. ration, des F. i. 
(C. R., CL, 1910, S. 882.) {F.) 

Funiculus: i. d. Peridiolen s. Fruchtkorper d. Gasteromyceten ; 2. cl. 
Samenanlage, s. d. 

funktionelle Anpassung s. d. 

Funktionen der Gewebe: Die physiologische Anatomie unterscheidet bei 
jedem Gewebe zunachst eine Hauptfunktion und versteht darunter jene physio- 
logische Leistung desselben, die mit den wichtigsten und auffalligsten Charakteren 
dieses Gewebes im Zusammenhange steht. Zu diesen anatomischen Charakteren 
gehdrt ebensowohl der histologische Bau seiner Eiementarorgane, wie die topo- 
graphische Lagerung des ganzen Gewebes in den verschiedenen Organen der 


I) Der aus parallelen Hyphen zusammengesetzte Teil der Koremieii wire! (Rabenhorsts 
Rryptogamenflora, Bd. i, IX, Abt, 1910) Stiel mid die an der Spitze divergierenden Tratyer- 
hyphen K d p f c h e n genannt 

Ain Fcischiedene Autoren wahlen ftir Sterigma den Ausdruck Basidie, was zu Verwirrun^ 
Anlali gibtj die Benennung :!>Basidie« muB ftir die Sporentrager der Basidiomycetes reserviert 
bleiben. 


F unk ti 0 ns and erim g — k'usi o n I la rp c ri c n n c . 


555 


Pflanze. — Die Hauptfunktion eines Gewebes oder Gevvebesystenis setzl sich liaufig 
alls einzelnen Teilfunktionen (Nebenfunkfion en) zusammcn. So bcstcht 
z. B. die Hauptfunktion der E[)iclermis in clem Scliutze, den dieses Gewebe der 
Pflanze gegen verschiedene, nachteilige Einfltisse der AuBenwelt gewiilirt In deni 
Schutze gegen mechanische Beschadigungen, gegen zn Starke Insolation, 
nachtliche Warmestrahlung iisw. bestehcn claim die einzelnen Teilfunktionen, 
welche als solche auch im anatoniischen Ban der Epidermis zum Ausdruck ge- 
langen konnen. (Nach riAni-:Kr,ANJ)T.) {I\] 

Foiiktionsanderuiig s. funktioaslose Orgaiic unci Mctamorpliosc. 

fimktioiislose Orgaiic: lis gibt in den au.sgebildetcn Organismcn oft 
einzelne Zellen, Zcllkomplexe oder Organe, welche kcincrlei Aufgabc im 
Dienste der ganzen Pflanze zu crfiillcn haben, die somit als funktionslos 
zu bezeichnen sind. Dicse funktionslosen Fornibestandtcilc imd Mcrkmalc 
im inneren Bau der Pflanze siiid von vcrschicdencr Art. 

Die Ininktionslosigkcit kann zimachst aiif Fmiktionsvcrl ust licruhcn, 
der sowohl in der ^Ontogcniec als auch in der » Phylogenie cintreten 
kann^). 

Verhaltnismaflig seltener sind jene Ealle, in denen sich der F.verliist schon 
wahrend der ph5dogenetischcn Entwicklung einstellte und die Rlickbildnng des 
betreffenden Apparates oder Gewebes zur Folge hatte. Funktionslos gcwordeiu: 
Organe oder Gewebe unterlicgen niimlich einem allmahlichen RUckbildungsprozeh, 
der schlieBlich bis zu ihrer vollstandigen Ausmerzung flibren kann. 

Funktionslose Mcrkmalc konnen ferner durcli Vererbung bedingte Be- 
gleiterscheinimgen des F.wechsels sein. Ks kotnint im Eaufe der ontogenctischen, 
besonders aber der phylogenetischen JCntwicklung nicht selten vor, dab cin be- 
stimmtes Gewebe seine Hauptfunktion gegen eine andere urntaiischt. Diejenigen 
Mcrkmalc, die init der neuen Idmktion niebt im Widersfjrucli stelien, werden 
durcb Vererlmng festgebalten und erscheinen nunmehr im Ilinblick auf die ver- 
dnderte Fnnktion als jdiysiologisdi bedcutungslose Merkraale. Vgb nidimentUre 
Organe. (Z. T. nac’h IIaukrlandt.) 

FmiktiOiiSTerliist, ^weclisel s. funktionslose Organe imd Metamor- 
phose. 

Furchuiig. FIs Lst in der Botanik nicht liblich, die bei der Fmtwick- 
lung des jungen limbryo sich ahspielendcn Teiliuigsvorgange als F. zu be- 
zeichnen, wie das in der Zoologie gebniuchlich ist. 

Als F. bezcichnet dagegen H. WiMCr.FR (B. D. B. G. 1903) cine s*Zcl!eii- 
fachcrungff, cL h. die Zcrlcgimg eincr Zellc durch zahlrciche Zdiwande, bei 
denen cin Waclistiim der einzelnen Zellen zunachst ausgeschlosscn ist. S. 
auch die Zusammenf. bei KUsiTR, Prngr. 11 , igoH S. 482 ff. ( 7 '.) 

Fusion Hai’peidcnne^; (Vuirlkmin, Progr. II, 1907). Die von 
Harper angenommene, scitdem jedoch als irrig erkanntc sog, »crste« Ver- 
schmclzung cler 2 Scxualkernc im Askogon der Ascomyceten. F^s hanclelt 
sich hier aber nur uni cin vorlibergehcnclcs, nahes Ancinanderlegcn dcr bei- 
den Kerne, — Im Gegensatz dazii ist cine echtc Kernkopulatiou in cler Fusion 
Dangeardiciine vorhanden, die sich im jungen Asciis abspicit (VgL auch 
unter Gonomeric). ( 71 ) 


9 Unter Funklionsverlust voIIsUlndig ruckgebikJctc Organe oder Organteile konnen keinc 
ncue Fortentwicklung erfahren f»Trrever.dbiUCiitegesctz«). 


256 


F us lonsplasmo dien — F utterliaare . 


i Fusionsplasmodien s. Plasmodium. 

Fufi: I. d. Sporogons s. Sporogon d. Hepaticae u, Musci; 2. d. Tracheen 
s. d.; 3. d. Trichome s. Haare. 

fafiformig, '-nervig s. Blattnervatur bzw. Blattform. 

FuBstiick s. Haare bzw. Monopodium. 

Fufizelle der Atchegonien s. d. 

Futtergewebe. Im physiologisch-anatomischeii Sinne Gesamtbezeich- 
nung fiir alle jene an Nahrstoffen (EiweiB, Fett, Kohlehydrate, Zucker) reichen 
Speichergewebe im Bereiche der Bliite, Friichte und Samen^ seltener der 
Vegetationsorgane, welche rein okologischen Zwecken, vor allem der Siche- 
rung der Fremdbestaubung und Arterhaltung dienen. 

I In Beeren oder Scheinfriichten stellt das saftige, meist zucker-, seltener 

f Starke- oder fettreiche Frachtfleisch das eigentliche F. dar. An den Samen treten 

I die F. meist in Form verschieden groBer und gestalteter Anhangsel (Arillus, 

I Caruncula usw. s. Samen) auf, welche die Ameisen als Nahrimg aiifsuchen, viel- 

I fach auch in ihre Nester schleppen, wodurch die Verbreitung der Samen erfolgt. 

I Sernander hat diese olhaltigen Samenanhangsel als Elaiosome bezeichnet. An 

I vegetativeii Organen fiiiden sich die F. als Peridrusen, MijLLERSche oder 

? BELTSche Korperchen (s. d. u. Ameisenpflanzen). Im Bereiche der Blute treten 

I sie besonders haufig bei tropischen Orchideeii als den fehlenden Honig dkologisch 

; ^ stellvertretende Insektenlockspeise auf. Sie beschranken sich hier in der Regel 

auf die Honiglippe (Labellum), wo sie in Form verschieden gestalteter Schwielen, 

I so bei Maxillaria-^ Catasetum-kn^n^ Hdcker oder Warzen als Futterwarzen 

ij [Stanhopea^ Oncidnmi) oder zerschlitzter Schuppen als Futterschuppen [Va7iilla) 

I ausgebildet sind. Ihre Lagerung ist stets derart, daB die Insekten beim Ab- 

I fressen derselben entweder direkt oder indirekt die Bestaubnng vermitteln. Ihre 

■f charakteristischen Eigenschaften sind vor allem Reichtum an plastischen Nahr- 

stoffen vor allem EiweiB und Fett, aber auch Starke, Amylodextrin und Zucker 
und Dhnnwandigkeit bei parenchymatischem Bau, Die unverdaulichen, kiitini- 
sierten Teile der F.epidermen werden meist abgeworfen. Das Abwerfen der- 
selben wird bisweilen sogar durch histologische Einrichtungen erleichtert. (Vgl. 
Sernander, Entwurf einer Monographie der europaischen Myrmekochoren. 
Sv. Vet. H. 1906. Morton in Mitteil. naturw. Ver. Univ. Wien 1912, S. 77 ff. 
PoRSCH in Mitteil. naturw. Ver. Steiermark 1908 S. 355 ff. und in Eriautcr. zii 
Knys bot. Wandtaf., XIL Abteil, Taf. CXI— CXV, Beck in S. Ak. Wien, 121. Bd , 
1912.) (P.) 

Futterhaare. Von v. Wettstein bei Maxillaria mfescens (Orchidee) 
entdeckte, von PORSCFI auch fiir andere Arten dieser Gattung nachgewiesene 
und in ihrem feineren Bau naher studierte Haare, welche den bei vielen 
Orchideen nackten Kalius (s. Orchideenblute) des Labellums in groBer 
Menge dicht aneinandergedrangt besiedeln. Sie zeigen nicht nur in ihrem 
Zellinhalt, sondern auch in ihren histologischen Merkmalen die weitgehend- 
sten Anpassungen an die Funktion einer Insektenlockspeise. 

Bei M. 7 ‘itfesce 7 is sind sie einzellig, keulenfofmig, auBerst diinnwandig und 
vollgepfropft mit EiweiB und Fett. In der basalen Halfte ist die sonst auBerst 
dunne Membran zirkumskript sehr stark verdickt und kutinisiert, wodurch eine 
scharf abgegrenzte, histologisch praformierte AbreiBzone geschaffen wird, durch 
welche nicht nur das AbreiBen der Haare wesentlich erleichtert, sondern auch 
das darunter liegende Gewebe vor weiteren Beschadigungen seitens der Insekten 
geschiitzt wird. (Vgl. Fig. 129 und 130.) Bei M. villosa und J/. hidtfolta sind 



Fiitterhaare — Futterschuppeiij -warzen. 


257 


die Haare mehrzeliig tind fiihren in jeder Zelle einen groBen EiweiSkorper. Das 
AbreiBen wird hier durch den Gegensatz zwischen den dUnnen Haarzellmcnibranen 



Fig. 129. Futterhaare voa Maxillaria rufescms. / abgerisseac liaarc, die l')asaU:n Mciribraii- 
verdicknngen (^)zeigend. 5 Basalstiicke abgerissenci* Futtcrliaarc voa A/. ev/AJAVif Idg. 130). 

g intakte Fiitterhaare von M> rufcscens. h basale Membrauverdickungen. (Nacli Poksr^n.j 


und den dickvvandigen, subepidermalen Zellen erleichtert. Den H6he])Vinkt der 
Anpassung stellen die F. von M, ochroleuca dai'^ wo die nach unten zu in cincii 
diinnen Stiei verschmalerte 
Basalzelle des mehrzelligen 
Haares durch die benach- 
barten, in pralle Blasen um- 
gewandelten Blasenzellen 
in der ersten Entwicklnngs- 
zeit des Haares gestiitzt und 
spater emporgehoben wird. 

Das Insekt, dem tibrigens 
noch durch an der e Einrich- 
tungen das Anpacken der 
Haare erleichtert wird, hat 
also bloB das durch die 
Bias enzell en losgetrennte F 11 1- 
terhaar zwischen diesen her- 
auszuziehen. Bei M,porphy- 
rostele wird die Basalzelle der 
aufrechtstehenden F. ringsum 
vonsog. »Stutzzelien« um- 
geben, welche utn dieselbe 
zusammenneigen und sie mit 
der Spitze in radiarer Anord- 
nung berUhren. Auf diese 
Weise wird das Umfallen des 
Futterhaares verhindert. (Vgl. 

PoRSCH, O. B. Z. 1905 u. 

1906.) [p) 

Futtefkorperchen = 

Futterschuppen, -warzen 

Schneider, Bot. Worterbuch. 2. Auflage. 



Fig. 130. / Basalz^ello (e) ciucs Futterhaares von 3 /(fXi 7 - 

laria ochroleuca. hi die Blasenzellen, (lurch dcren Wnchs- 
tum die Basalzelle der Haare von den darunterlxegcnden 
Zellen^losgeldst wird. 2 intakte Futterhaare von M. villosa, 
Zellinhait niclit eingezcichnet. (Nach Forhcii.) 


BELTsche und MtJLLERsche Korperchen s. 
Futtergewebe. 


d. 


17 


258 


G — Garung. 


G. 


G in Bliitenformeln = Gynoeceum. 

Gabelbasidie s. Basidie. 

Gabelhyphen s. Mykorrhiza. 

Gabelhaare s. Haare. 

Gabelmykorrhiza s. Mykorrhiza. 

Gabeltheorie. Potonie sucht (Morphologic 1912 u. vorher) zu be- 
griinden, daO die Blatter der hdheren Pflanzen im Laufe der Generationen 
aus Thallusstiicken, Kolosomen, gegabelter Algen wie Fticus oder doch 
algenahnlicher Pflanzen hervorgegangen sind, dadurch daO Gabelaste uber- 
gipfelt und die nunnaehrigen Seitenzweige zu Blattern (im weiteren Sinne, 
zunachst zu Urblattern, Archaiophyllomen) wurden. Die iibergipfeln- 
den Stucke werden zu Achsen (Archaiokaulomen, Urkaulomen, Ur- 
stengeln, Zentralen). Wir flatten i. Pflanzen von dem Typus etwa wie 
Fmtis serratus, 2. solche yom Sargassum-Ty^-as, der Urblatter besitzt, und 
3. die hdheren Pflanzen. Uber diese s. unter Perikaulomtheorie. 


Die Gabeltheorie ergibt sich u. a. aus der im Laufe der geologischen Zeiten 
immer niehr zuriickweichenden Gabelverzweigungsart zur Erreichung der fiederigen 
(resp. rispigen). Das zeigt sich im Gesamtaufbau der Pflanzen und in ihren 
einzelnen Teilen. Noch die Baume des Palaophyticums sind gern gabelziveigig, 
insbesondere bis zum produktiven Carbon. In der Blattaderung sehen wir ein 
Fortschreiten von der Gabeladerung, die ursprtinglich allein herrschtCj zur Fieder- 
aderung (die durch Ubergipfelung yon Gabelzweigen erreicht wird), sodann zur 
einfacheren Maschenaderung (vom produktiven Carbon ab) bis schlieBlich zur 
Doppelmaschenaderung (vom mittleren Mesophyticum ab). [Ft) 

Gabelung s. Dichotomic. 

Gaiung. Der Begrifif G. oder Fermentation wurde und wird in so 
verschiedenem Sinne angewendet, daO er sich nicht in eine vollig befrie- 
digende Definition zwangen laOt. Benecke aufiert sich in Lafars Handb. 
d. techn. Mykologie (Jena 1904-1907, S. 329) fiber die Garungserscheinungen 
folgendermaflen: » Allen gemeinsam dfirfte bloB das eine Merkmal sein, daO 
Garungen sehr lebhaft verlaufende Stofifumwandlungen sind, so zwar daB die 
Menge der verarbeiteten Stoffe die Masse des Erregers selbst oft sehr betracht- 
hch ubertrifft. Auch werden als G. mit Vorliebe solche Prozesse bezeichnet, 
bei denen keine vollstandigen Oxydationen sich ergeben, vielmehr die Pro- 
dukte Oder doch emige von ihnen entweder von auffallender Beschafifenheit 
Oder wertvoll im Haushalte des Menschen sind. Doch gilt dies letztere schon 
mcht mehr allgemem. . . Viele Forscher bezeichnen, und dies ist wohl 
die wissenschafthchste Definition, als Garung energieliefernde Prozesse, wor- 
unter die einen auch Verbrennungen (Oxydationen) wie etwa die Essig- 
sauregarung mit einbeziehen, wahrend andere den Begriff nur auf Spaltungfn 

eoww""’ besonderer Wert auf deutlich sichtbare Gas- 

entwicklung urid Schaumen der Zucht gelegt. Aber auch der G. als eines 
nergie liefernd^en Prozesses ist entgegengehalten worden, dafl eine derartige 
Bedeutung n|cht erwiesen worden sei; auBerdem rechnen ' auch manche 
Forscher solche Prozesse, ' die, wie Nitratreduktion, unter Arbeitsaufwand ver- 



Galbnlus — Gallenholz, 


259 


laufen, zu den Garungen u. zw. darum, weil es heftige Stoffzertriimmerungen 
sind, die auch unter lebhafter Gasbildung verlaufen konnen. Angesichts 
solcher Sachlage empfiehlt es sich, auf eine strenge Definition iiberhaupt 
ZU verzichten.« 

Auch die von Euler (Pflanzenchemie , Braunschweig 1909) gegebeiie 
Definition ist sehr wait und daher wenig bestimmt. Er sagt (Bd. II, S. 68): 
.Unter G. versteht man solche chemische Vorgange, welche in einem ge- 
wissen Substrat durch niedere Organismen hervorgerufen werden u. zw. in 
einem Umfange, welcher im Vergleich zur Masse der beteiligten Organis- 
men bedeutend erscheint.« Soli der Begriff G. einen prazisen Inhalt be- 
kommen, so wiirde es sich mit Beriicksichtigung der in neuerer Zeit auf- 
gedeckten nahen Beziehung zur Atmung empfehlen, den Begriff G. niir auf 
Erscheinungen des Betriebsstoffwechsels einzuschranken, bei denen eine un- 
vollstandige Oxydation oder an deren Stelle eine Spaltung eintritt, wobei 
bei Entstehung der Endprodukte in gleicher Weise wie bei der Atmung 
Energie "frei wird. In diesem Sinne lassen sich Oxydationsgarungen 
(Essigsaure-, Oxalsaure-G. usw.) und Spaltungsgarungen (z. B. Alkoholg.) 
unterscheiden. Nach dieser Umgrenzung ist auch die infolge unvollstandiger 
Verbrennung auftretende Saurebildung bei Phanerogamen (Sukkulentej als 
G. zu bezeichnen. (Vgl. JOST, Physiol 2. Aufl. Jena 1908, S. 240}. Zur 
naheren Bezeichnung der G. wird bald das auffallendste der gebildeten Pro- 
dukte verwendet (z. B. Alkohob, Milchsaure-G. usw.) oder das Material, das 
vergoren wird (z. B. Zellulose-, Pektin-G.). S. auch unter Atmung. 

Lit. insbes. bei Lafar (L c.) u. Czapek, Bioch. (L.) 

Galbulus (lat. Frucht d. Cypresse) (Gaertoer, de fruct. I, 1788): s. 
Fruchtformen. 

Gallen oder Cecidien nennt KfeTER (iQii) alle diejenigen durch einen 
fremden (tierischen oder pflanzlichen) Organismus veranlaiBten Bildimgsab- 
weichungen einer Pflanze, welche eine Wachstumsreaktion der Pflanze auf 
die von dem fremden Organismus ausgehenden Reize darstellen, und zu 
welchem die fremden Organismen in irgendwelchen ernahrungsphysiologischen 
Beziehungen stehen. 

Die Symbiose zwischen dem Gallenerzeuger und dem gallentragenden 
pflanzlichen Organismus (Gallenwirt) hat zumeist ausgesprochen antagoni- 
stischen Charakter. Hat auch der Gallenwirt Vorteil von der Symbiose, so 
nennt man (mit Thomas) die Gallen Eucecidien (Bakterienkndllchen der 
Leguminosen u. dgl). 

Nach ihrer Gestalt teilt man die G. ein in organoide und histioide 
(s. d.); hinsichtlich ihrer Gewebsausbildung gehoren sie teils zu den kata- 
plasmatischen, teils zu den prosoplasmatischen Gebilden (s. d.). Vgl ferner 
Zoo- und Phytocecidien, fakultative G,, Pseudocecidien, Proceddien, Meta- 
cecidien, sowie die nachfolgenden Artikel 

Gallenbluten s. Kaprifikation. 

Gallenholz: Nach Infektion durch gallenerzeugende Pilze oder Tiere 
entstehen vielfach Plolzschichten, die sich von den normalen durch beson- 
deren Reichtum an parenchymatischen ■ Elementen unterscheiden, ja sogar 

17* 



26o 


GallenhypertropUen — Galtonsche Ogive. 


ausschlieBlich aus solcfien bestehen konnen (Blutlaus an Pirns mains, Gymno- 
sporangium-Arten an Jimiperus u. dgl. m.]. Nach KtrSTER 1903. [Kst.] 

Gallenhypei’trophien sind nachKtJsTER solche, die nacli Infektion durch 
einen gallenerzeugenden Organismus am Gallenwirt zustande kommen. {Kst.) 

Gallennabel, die durch Verwachsung der Rander einer Umwallungs- 
galle zustande kommende Narbe (nach Beyerinck, Akad. Wiss. Amsterdam 
1882). [Kst.) 

Gallenrinde, nach Beyerinck (Akad. Wiss. Amsterdam 1882) die- 
jenigen Gewebeschichten einer Galle, welche auQerhalb ihres mechanischen 
Gewebemantels liegen. Vgl. auch Innengallen. {Kst) 

Gallenstande, infloreszenzahnliche Vereinigung zahlreicher Gallen, dcrcn 
Anordnung fiir die Produkte eines Gallenerzeugers charakteristisch ist (Chi- 
laspis Loewi auf den o’ Bliiten von Querais cerris). Nach KuSTER i g 1 1 . 
{Kst.) 

Gallenwirt, jeder Organismus, welcher nach Infektion durch geeignete 
Parasiten Gallen (s. d.) erzeugt. {Kst.) 

Galleriewald s. Wald. 


Gallertbasale: Schroder bezeichnet bei den Bacillarien die Gallertbildung 
zwischen Zelle und Substrat als Gallertbasale und die polsterartigen Bil- 
dungen zwischen Zelle und Zelle als Gallertinterkalare. Bei ersteren sind 
Bolster- mid Stielbasale zu unterscheiden. Die allseitigen GallertumhUllungen 
teilt man nach Schroder in Gallertschlauche (schlauchartige Bildungen, in 
denen die Zellen hintereinander in einer Reihe liegen) und GaLlertthalloide 
(bei denen die ZeUen entweder regelmaBig oder regellos nebeneinander gelagert 
sind.) Siehe Heinzerd., Bau Diat. S. 33, I. (^.) 

Gallerte. Die G. sind nach W. Pauli (Ergebn. d. Phys. Ill, i, 1904, 

’ 55 ) *Kolloide von festem Aggregatzustand, ausgezeichnet durch eine all- 
gemeine Wasserverbindung, welche in mancher Richtung die Eigenschaften rein 
Kapillarer, in anderer Beziehung die einer festeren 
Aufnahme der Flflssigkeit in d. Kolloid aufweist*. 

Dadurch wird eine Reihe fiir die G. charakte- 
ristischer »physikalischer Zustandsanderungen* 
ermoglicht, die teils reversibel (umkehrbar), 

teils irreversibel verlaufen. (Vgl. unter ^ 

Schrumpfung im Gegensatz v. Schrumpfelunar 
und unter Kolloid.) (Z.) 

GallerthuUe (der Flagellaten) s. Peri- 
plast (der Flagellaten). (Vgl. Fig. 13 1.) 

Gallertinterkalare, -schlauche, 

•tnalloide s. Gallertbasale ®poreii in Gallcrthmiu ; 

GallprfnnrATi d-a • i- , . gesprengte Panzorstucke an tlur 

^^leitpoi en smd meist langhche, imt Oberflache der Hlille haftentl (300/1). 
einem Hof umgebene, spaltenformige Offnungen (Naob SchOtt.) 

m der Gallerte, welche, schrag zur Apikalachse 

Sr / aufzufinden sind, wo von der Zelle 

(besMdeis der Diatomeen) Gallerte ausgeschieden wird. (AT.) 

brvonf/^ r (Akad. Wiss. Amsterdam 1882) das em- 

bryonale Gewebe, das die Galle liefert. {Kst.) 

Gallwespenblumen s. Kaprifikation. 

Galtonsche Ogive s. Variabilitat. 





galvanische Reize — Gameten. 


261 


galvanische Reize, Galvanotaxis, Galvanotropismus. Kriim- 
mungen an Pflanzenteilen, welche vom elektrischen Strom durchflossen wur- 
den, beobachtete zuerst Elfving (B. Z. 1882). Er unterschied positive, 
negative und indifferente Wurzeln. Die positive Kriimmung durch starke 
Strome ist jedoch, wie Brunchorst und in neuerer Zeit Gassner (B. Z, 
LXIV, I gob) zeigteu; eine einfache Schadigungskriimmung, hingegen ist die 
negative Krummung eine typische Reizkriimmung, wobei die Perzeptions- 
zone auf die Wurzelspitze beschrankt ist Wahrend Gassner den G. als 
einen speziellen Fall des Traumatropismus auffaCt, sucht ihn Ewart (Proc. 

R. Soc. 1905) auf Chemotropismus zuriickzufiihren. Schellenberg (Flora, 
Bd. gb, igob) beobachtete eine »Umschaltung« in Abhangigkeit von der 
Konzentration der Salzlosung, in welcher die Wurzeln kultiviert warden. 

Die durch elektrische Strahlung bedingten Kriimmungsbewegungen war- 
den zum Unterschiede von den oben besprochenen elektrotropische 
genannt Hegler (Verh. d. Ges. d. Naturf. i8gi) will negativen Elektro- 
tropismus bei Phycomyces beobachtet haben. 

Die entsprechenden Orientierungsbewegungen an frei beweglichen Or- 
ganismen werden in analoger Weise als Galvano- bzw. Elektrotaxis 
bezeichnet. An Stelle der gebrauchlichen Unterscheidung in positive und 
negative G. wendet Verworn in sehr zweckmafiiger Weise die Bezeich- 
nung kathodische, anodische und transversale G. an, je nachdem die 
Organismen sich zur Kathode oder Anode begeben oder sich mit ihrer 
Langsachse senkrecht zur Stromrichtung einstellen. (Allg. Phys. V. Aufl. 

S. 538 ff. Daselbst Lit) (L.) 

Gaiiietangie s. Anishologamie. 

Gametaiigien s. Gameten. 

GametangiensoiT s. Soru.sgametangien. 

Gameten werden iiberhaupt alle geschlechtlich ungleichwertigen kopu- 
lierenden Zellen genannt Sie entstehen in Gametaiigien und das Pro- 
dukt ihrer Kopulation ist die Zygote. Diese Bezeichnungen wurden zuerst 
von StraSBURGER in B. Z. 1877, S. 75b fiir Acetabularia aufgestellt (vgl. 
unter Befruchtungstypen d. Algen). Die miteinander kopulierenden Gameten 
sind entweder beide unbeweglich (Aplanogameten) oder auch beide 
beweglich (Plano game ten), auBerhalb der Mutterpflanze kopulierend. Die 
Gameten weichen in Form und GroBe gewohnlich nicht wesentiich vonein- 
ander ab (Isogamie), auBer bei Cutleria und einigen anderen Algen z. B. 
bei einigen Ectocarptts [Giff’ordiayArten, wo der Unterschied zwischen den 
groBeren, beweglichen ^-Gameten und den kleineren, beweglichen (^-Game- 
ten sehr deutlich ist Diese Gattungen mit groBeren Q* Gameten stellen also 
eine Art Ubergang von Isogamie zu oogamer Befruchtung (Oogamie), d. h, 
von unbeweglichen groBen Eiern mit kleinen beweglichen Spermatozoiden 
dar. Wenn Oogamie vorliegt, spricht man auch nicht mehr von Gametangien, 
sondern betreffs der weiblichen Organe von Oogon, Karpogon usw. und 
betrefifs der mannlichen von Antheridien, Spermogon und Spermatangien usw, 
(Vgl. diese Worter.) S. auch Befruchtungstypen d. Algen u. Pilze. [Sv,] 

Nach dem Vorgang von Bateson undSAUNDERS (1902) bezeichnet man 
jetzt in der exakten Erblichkeitsforschung vielfach die zur Befruchtung be- 


262 


gametic coupling— gamotrope Bewegungen. 


reiten Geschlechtszellen allgemein (auch bei den hoheren Pflanzen) als 
Gameten und ihr Kopulationsprodukt ais Zygote. Von Homo- und 
Heterozygoten spricht man, je nachdem die Eltern, von denen die G. 
abstammen, in bezug auf ein bestimmtes Gen von gleicher oder von ver- 
schiedener Art oder Rasse sind. — Homozygoten haben demnach die Erb- 
formel XV, oder Heterozygoten dagegen Xx oder xX. . Vgl. auch unter 
Erbformel (Jl) 

gametic coupling und repulsion = Anlagenverkopplung bzw. An- 
lagenabstoBung vgl. unter Anlage, Allelomorphs usw. Fruhwirth (Hand- 
buch der landwirtsch. Pflanzenk. 4. Aufl., S. 164) unterscheidet sie auch als 
» positive und negative Korrelation« der Erbfaktoren. Hier auch die neuere 
Literatur und Versuche zum theoretischen Verstandnis. [T) 

Gametoecien (vgl. Lotsy II, S. 127) nennt man bei den Moosen den 
Tr%er der wie der Q Geschlechtsorgane, wahrend andere Autoren von 
Antheridien- und Archegonienstanden sprechen. [K,] 

Gametophor (Lotsy II, S. 18) nennt man bei den Archegoniaten den 
Trager der Geschlechtsorgane, also z. B. bei den Moosen die Moospflanzc, 
bei den Pteridophyten das Prothallium. [K,] 

Gametophyt (Mac Millan] s. Genetationswechsel. 

Gamodesmie s. Stele. 

Gamogonie, Gamont s. Agamogonie. 

Gamomiten, Gamosomen (Strasburger 1909) s. Karyokinese. 

Gamolyse de Vries (Gruppenw. Artbildung 1913, S. 6iff.) ist der 
Ansicht, dafi bei gewissen Pflanzen der Pollen und die Eizelle andere Erb- 
qualitaten auf das Kind zu iibertragen imstande sind (vgl. unter Hetero- 
gamie). Urn »heterogame« Arten liberhaupt ausfindig zu machen, wird 
die betreffende Spezies mit beliebigen anderen Arten gekreuzt, dabei das eine 
Mai als Mutter, das andere Mai als Vater benntzt. » Dieses Verfahren nenne 
ich die Gamolyse der betreffenden Art.« Die Artmerkmale einer hetero- 
gamen Art sind also nach dem hollandischen Forscher aus zwei verschie- 
denen Typen zusammengesetzt, die DE Vries die gamolytischen Typen 
nennt. Der eine Typus entspricht dem >Pollenbilde«, der andere dem 
:>Eizellbilde^. ( 71 ) 

Gamomorphoseu (Schroeter, in Kirchner I, S. 7): durch den Reiz 
des wachsenden Befruchtungsproduktes hervorgerufene gestaltliche Verande- 
rungen (Morphosen). 

gamopetal = sympetal s. Perianth. 

gamophylle Bliiteu sind solche, die ein vereintblattriges Perigon be- 
sitzen. 

Gamophyt == Gametophyt s. Generationswechsel. 

gamosepal s. Calyx. 

Gamostelie (van Tieghem) s. Stele, 

gamotrope Bewepngen (Gamotropismus) nennt Hansgirg (Sitz- 
ber. k. bohm. Ges. d. Wiss. i88g, S. 237) diejenigen Bewegungen der Bliiten- 
hiille, welche hauptsachlich zum Schutze der Geschlechtsorgane dienen und 
zumeist^ auch die Fremdbestaubung der Bliiten ermoglichen; er bezeichnet 
dabei die Bliiten, deren Bliitenhiille (Kelch und Krone oder wenigstens die 



G anzschmaro tzer — G efafibiindelendigungen. 


263 


Krone) sich nach dem Aufbltihen nicht mehr schlieBt, sondern bis zum Ver- 
bliihen ofFen bleibt, als ag-amotrope und die Bliiten, die sich niir iinvoll- 
standig offnen und schlieBen, als hemigamotrope. Royer hatte (Ann. 
sc. nat. ser. V. Bd. IX, 1868, 345) die ersten »fleurs non sommeiIIantes< 
(nichtschlafende) genannt (z. B. die Pomaceen) und die letzteren als »fleurs 
demi-sommeillantes^ (halbschlafende) bezeichnet (z. B. Papaver rkocaSj Oxa- 
Us acetosella). (A.) 

Ganzschmarotzer -■= Holoparasiten, s. Parasitismus. 

Gasti'onastie = Hyponastie s. Epinastie. 

Gasvakuolen der Bakterien und Cyanophyceen s. Airosomen. 

Gattung = Genus; Zu Gattungen faBt man in der Systematik die 
Arten oder Spezies zusammen, wobei fur die Umgrenzung ahnliche Gesichts- 
punkte maOgebend sind, wie dies unter »Familie« dargelegt wurde. 

Gattungsbastard : Kreuzung zwischen zwei, verschiedenen Gattungen 
angehorigen Individuen. 

Gattungstypen: Von GA.rtner (Bastarderzeugung im Pflanzenreich, 
1849) eingefiihrte Bezeichnung, um bestimmte Arten auszudriicken, die in 
Kreuzungen mit anderen dem Bastard sehr regelmaBig das Geprage aufzti- 
driicken pflegen, die also, wie wir neuerdings sagen konnten, ihre Merkmale 
dominieren lassen. (Vgl. unter Mendeln.) Einen solchen formbestimmen- 
den EinfluB bestimmter Arten hat GARTNER in verschiedenen Graden in 
den Gattungen Dianthus^ Digitalis^ Geum^ Lobelia^ Nicotiava und J-Wbas- 
cum beobachtet. So wird z. B. in Nicotia 7 ia paniculata X langsdorfii und in 
iV. paniculata X vincaejlora der EinfluB der Vater durch die pradominierende 
Wirkung der Mutter beinahe ganz vernichtet oder vollig luikenntlich ge- 
macht. — Vgl. auch »Faux hybrides« unter Bastard. [T) 

Gaumen s. LippenblUte. 

Gebietsformation s. unter edaphische Formation. 

Gefafibiindel s. Leitblindel. 

Gefafibundelendigmigen: die letzten zahlreichen Auszweigungen der 
GefaBbiindel im Assimilationssystem [der Blatter, welches einerseits [die 
groBten Anspriiche an die Wasserversorgung stellt, andererseits die von 
ihm’ erzeugten Baustoffe an das Leitungssystem abzuliefern hat. Der Bau 
derselben zeigt folgende Besonderheiten (vgl. Fig, 132). Der Leptomteil der 
G. begleitet das Hadrom nur selten bis zuletzt; gewohnlich endigt er bereits 
friiher. In den letzten Zellen des Leptoms unterbleiben meist die zur Bildung 
von Siebrohrengliedern und Geleitzellen fiihrenden Teilun gen; die betreflen- 
den Elemente besitzen gleich den Geleitzellen einen reichen Plasmainhalt mit 
relativ groBem Zellkern und werden von A. FiSCHER (in Ber. sachs, Ak. 
Wiss. 1885) samt den weitlumigen Geleitzellen des' Biindelendes als tJber- 
gangszellen bezeichnet (Fig. 1327/). Der Hadromteil wird dagegen von 
spiralig oder netzformig verdickten Tracheiden gebildet, die bei manchen 
Pflanzen stark erweitert sind und zahlreiche Wasserreservoire darstellen. 
(S. Begleitparenchym.) [P,) 

Den Assimilationsorganen der Koniferen und Cycadeen fehlen die feineren 
Verzweigungen der GefaBbiindel Die gleichmaBige Versorgung des Blattes 


264 


GefaD>bUndelsclieide — GefaCibundelverlauf. 


mit Wasser wird hier durch das sich dem Hadromteil der Blattbiindel bei- 
derseits anschlieBende Transfusionsgewebe (s. d.) bewirkt. (jP.) 

Gefafibttndelscheide: Im allgemeinen die die GefaBbiindel von dem 
benachbarten Gewebe trennende und das Biindel umgebende Zellschicht von 
verschiedenster phy- 


siol. - morpholog.-phy- 
logenetischer Bedeu- 
tung. [P.) 

Gefafibiindel- 
system = Leitungs- 
system. 

Gefafibiindel- 
veiiauf: Die G/) fol- 
gen in ihrem Verlauf im 
allgemeinen der Langs- 
achse des Stengels mid 
halten mit dieser ent- 
weder die parallele Rich- 
tung ein oder veriaufen 
in radial- oder tangential- 
schiefen Kurven. Gegen 
oben nnd unten zn 
konnen sich die G. ver- 
schieden verhalten. Sie 
konnen oben aus dem 
Stengel in ein Blatt aus- 
biegen und helBen dann 
gemeinsame G. (oder 
Strange), deren im 
Stamm veriaufen de 

Schenkel man alsBlatt- 
spurstrange bezeich- 
net. Die G. konnen 
aber auch stets im Stamm 
bleiben nnd in diesem 
fortwacbsen; dies sind 
die stammeigenen G., 
an die sich haufig Blatt- 
leitbiindel seitlich an- 
setzen im Gegensatz zu 
den nur dem Blatte an- 



Fig. 132. A Langsschnitt durch das GefaBbiindelende eincs 
Blattzahnes Fuchsia glohos a: n Ubergangszellen, s Siebrohrc,, 

c Kambiformzellen. B Querschnitt durch ein bikollaterales Biindel- 
ende in der Blattspreite von EchaIHum Elatemim : t Tracherden, 
I Leitparenchym, c Kambiformzellen, j Siebrdhre, g Gelcitzclle, 
u tibergangszelle (auffallend weite Geleitzelle). C Querschnitt 
durch ein Biindelende in der Blattspreite von Arabia SicboliUi: 
t Tracheiden, I Leitparenchym, j Siebrdhre, g tJbergangszelle, 
i interzellularer Sekretgang. (Nach Haberlandt.) 


gehdrigen blatteigenen G. oder Fibrovasalstrangen. Gegen unten zu kann 
das einzelne G. isoliert bleiben oder sich an ein anderes anlegen und mit diesem 
verschmelzen, wonach man getrennt- und vereintlaufige G. unterscheidet — 
Die aus den Blattern in den Stengel eintretenden G., die sog. Blattspuren, 
konnen aus einem G. oder aus mehreren G. bestelien. Man unterscheidet dem- 


gemaB ein- und niehrstrangige Blattspuren. 


*) Unter G. ist hier stets :^GefafibuiideI« zu verstehen! 





Gefafibiindelverlauf. 


265 


Die hauptsachlichsten Typen des Verlaiifs der G. sind folgende: 

1. Der einfachste und primarste Typus weist einen axilen Strang auf, von 
dem aus einzelne Bandel abzweigen und in die Blatter eintreten. Dieses axile G. 
ist entweder stammeigen oder es baut sich aus den axilen Schenkeln der auf- 
einanderfolgenden Blattspurstrange auf und bildet so ein Sympodium. — In den 
Stammchen der Polytrichaceen, der Keimpfianzen, in den Stengeln der Hymeno- 
phyllum^^ Gleichenta-- und Lygodmm-Axttxi^ ferner bei verschiedenen Selaginellen 
entspricht der axile Strang dem primaren Zentralzylinder. — Bei den 
Lycopodien und einer Anzahl von phanerogamen Wasserpflanzen [Fotamogetou^ 
Hippuris^ Elodea^ Najas u. a.) (Fig. 133) ist der axile Strang sehr wahrschein- 
lich aus der »Verschmelzung« von mehreren G. entstanden. — Ist nur ein axiler 
Strang vorlianden, so spricht man von Monostelie. (S. Stelartheorie.) 

2. Den Ubergang vom axilen Strang zu komplizierteren Typen des Verlaiifs 
der G. reprasentiert der bei zahlreichen Farnen vorkommende Typus des 

einfachen B li n d e 1 r o h r e s. 


Fig:- ^33- Querschnitt durch das GeMbiindel des 
Stengels von Najas majo7^; in der Mitte ehi Inter- 
zellulargang umgeben von einem Kranze von Leit- 
parenchymzellen , dann folgt der Leptomring und zu 
auDierst die Endodermis. (Nacli liAUERLANDT.) 



Der anfanglich axile Strang 
erweitert sich mit der Er- 
starkung des Stammes zii 
einer Rdhre (Plolilzy lin- 
der). Dieser trennt im er- 



Fig. 134 . Netzformigcs Biindcl- 
r o li r eines Stanimendes von 
Aspidium filix mas; rcchts cine 
Masclic dieses Netzcs vergrdftert, 
mit den Ansatzen der Blattbttndel, 
(Nach. Sachs.) 


wachsenen Stamm das Grundgewebe in einen inneren, zentralen Parenchymzylinder 
(Mark) und einen auBeren, peripherischen Parenchymmantel (Rindenparenchym). 
An jeder Blattinsertion ist eine Liicke, die Blattlticke, von deren Rand ein 
Oder mehrere Bundel ins Blatt abgehen. Im librigen ist der Hohlzylinder ge- 
schlossen oder netzartig durchbrochen (Fig. 134). Das Netzwerk des Btindel- 
rohres geht nicht aus der »Zerkl(aftnng« eines einzigen Zentralzylinders hervor, 
sondern die das Netz bildenden G. stellen »Verzweigungen« des Zentralzylinders, 
Teilzylinder oder Schizostelen, vor. Daher ist auch das ^Mark^^ dem 
Mark des Dikotylenstammes bloB analog, nicht homolog. — - Bei manchen Farnen 
kommen Abweich ungen von der geschilderten Anordnung der G. vor, die auf 



266 


Gefafibilndelverlauf. 


das Vorhandensein mehrerer, konzentrischer Biindelringe (/V(?m-Arten, Marattia- 
ceen usw.) oder auf das Vorkommen von kleinen mark- und rindenstandigen Bundeln 
neben dem einfachen Biindelrohre (bei den Cyatheaceen) zurtickzuftihren sind. 

3. Dikotylentypus (Haberlandt) (Fig. 135^). Ergilt fiir die groBe Mehr- 
zahl der Dikotylen, fiir die Koniferen, Gnetaceen und einzelne Monokotylen 

(Dioscoreen) und Pteridophyten (Equi~ 
seten, Osmundaceen) und cbarakte- 
risiert sich durch drei Hauptmerkmale : 
i . sind alle primaren G. :»gemeinsame« 
Strange, die bogig in den Stamm 
eintreten und in diesem durch ein 
Oder mehrere Internodien abwiirts 
laufen; 2. ihre Entfernung von der 
Achse des Stammes bleibt annahernd 
dieselbe: 3. legen sich die Blatt- 
spuren entweder ungeteilt oder nach 
vorausgegangener Spaltung an die 
tiefer austretenden Strange seitlich 
an und verschmelzen mit ihnen, so 
daS eine einseitig-sympodiale oder 
eine netzformige Verbindung derBlatt- 
spuren zustande kommt. — Infolge 
dieses Btindelverlaufes ordnen sich 
die einzelnen G. auf dem Stamm- 
querschnitt zu einem Ring an, der 
vom Mark ausgeftillt und von der 
AuBenrinde umschlossenwird. Mark 
und Rinde werden durch die radial 
verlaufenden, die einzelnen G. von- 
einander trennenden primaren 
Marks trahlen in Verbindung ge- 
setzt. - — ■ Neben dem normaien Diko- 
tylentypus treten zahlreiche Abwei- 
chungen auf. So sind sehr haiifig 
markstandige G., welche entweder 
tief in den Stamm eindringende Blatt- 
spuren (z. B. Piperaceen) oder stamm- 
eigene G. sein konnen (z. B. bei 
Melastomaceen). Seltener ist das 
Vorkommen von rindenstandigen 
G. auBerhalb des typischen BOndel- 
kreises.^ Sie sind entweder bloB 
Auszweigungen von Biattspurstrangen 
(z. B, Casuarinen) oder selbstandige 
Blattspurstrange, die ein eigenes 
A ^ \ -r» . . Eindenbtindelsystem bilden (z B 

Ceniaunc^Axten sollen die rindenstandigen G 
auch stammeigene Strange sein. . ° 

hiin^i.1 ^ Mehrzahl der Monokotylen charakteristische Typus des GefaB- 
bundelverlaufes wird seit Mohl als Palmentypus (Fig. 135^) bezeichnet Fr 
kennzezchnet s.ch durch folgende Merkmale: Samiliche Btodel sind KattsptS 



Fig. 135. Sckematisclie Darstellung des GefaU- 
biindelverlaufes in Stammen: ^ (Palmentypus) 
axialer Langsschnitt mit halbem Querschnitt eines 
Palmenstammes, die zweizeilig gedachten (tiber der 
Basis abgeschnittenen) Blatter sind umfassend, 
daber gegentiber ibrer Mediane m nocb einmal 
getroffen. — B (Dikotylentypus) AuBenansicbt 
(mit durcbsicbtig gedacbter Rinde) und Quer- 
scbnitt eines Stengels von Cerastmn: die dekus- 
siert gestellten Blatter sind abgescbnitten. Der 
aus jedem Blatte kommende Strang gabelt sicb 
liber dem^ gerade darunter stebenden Blatte, die 
Gabeizweige aller Strange vereinigen sicb zu den 
vier scbwacberen Strangen, die auf dem Quer- 
scbnitt mit den vier starkeren alternieren. Auf 
dem Querscbnitt bedeutet m Mark, r Rinde, 
V Markstrabl; der Holzteil der Strange ist bier 
dunkel gezeichnet. (Nacb Prantl.) 


GefaCe, 


267 


Strange, die aus den stengelumfassenden Blattbasen meist in groBer Anzabl in den 
Stamm eintreten. 2. Die G. dringen ungleich tief in diesen ein; der Medianstrang 
der Bundelreihe am tiefsten, die seitlichen G. weniger tief. 3. Alle gegen die 
Stammachse vordringenden G. wenden sich bogig nach auBen und nahern sich, 
radialschief abwarts laufend, der Peripherie des Stammes; bloB die seitlichen G. 
steigen annahernd senkrecht liinab. 4. Samtliche G. steigen getrenntlaufig durch 
viele Internodien abwarts bis sie sich schlieBlich in der Peripherie des Stammes 
an defer nnten austretende G. anlegen. — Infolge dieses Blindelverlatifes sind 
die einzelnen G. auf dem Stammquerschnitt »regellos« angeordnet, nnd zwar um 
so dichter gedrangt, je naher der Peripherie sie gelegen sind (nach PIaberland'J’, 
mit kleinen Zusatzen nach Strasburger und Sadebe:ck). (P.) 

Gefafie* AIs Elementarorgane der Wasserleitung dienen die GefaOe 
Oder Tracheen und die Tracheiden, welche in ihrer Gesamtheit ein die 
ganze Pflanze durchziehendes System von Wasserleitungsrohren bilden. Die 
Bezeichnung Tracheen und Tracheiden beruht auf der Annahme alterer 
Autoren, daB die G. ein tracheidales Durchluftungsgewebe darstellen. PoTONili: 
hat daher, um der gegenwartig vollkommen sichergestellten Auffassung der 
G. als Wasserleitungsrohren auch terminologisch Rechnung zu tragen, vor- 
geschlagen, das typische Wasserleitungssystem als Hydrom, die Elemcnte 
desselben als Hydroide, die sowohl der Wasserleitung als der Festigung 
dienenden Elemente als Hydrostereiden, das beziigliche Gewebesystcm 
als Hydro stereo m zu bezeichnen. Im allgemeinen sind T. und Trache- 
iden iibereinstimmend gebaut. Der Plauptunterschied besteht darin, daO die 
Tracheiden entwicklungsgeschichtlich eine Zelle darstellen, demgemaO ringsiim 
geschlossene Membranen besitzen, wahrend die G. aus reihenwcise niit- 
einander verschmolzenen Zellen entstanden sind, also Zellfusioncn vorstellen. 
Auch im ausgebildeten Zustande der G. sind die Zellen, aus welchen sie 
hervorgingen, als Glieder noch deutlich unterscheidbar. Die durchlochcrten 
Querwande des GefaBes sind entweder senkrecht zur Langsachse gestellt, 
in welchem Falle meist ein groBes rundes Loch vorhanden ist, das vom 
erhalten gebliebenen Rande der Querwand ringformig umsaumt wird (ein- 
fache GefaBperforation); oder die Querwande sind mehr oder minder 
stark geneigt, wobei die Perforationen meist partielle Querspalten bilden 
(leiterformige GefaBperforation, leiterformig d u r c h b r o c h e n e 
Zwischenwande). Das Vorhandensein oder Fehlen der leiterformigen Per- 
foration ist haufig ein wertvolles diagnostisches Merkmal zur Charakteristik 
groBerer Verwandtschaftsreihen. 

Die Tracheiden sind in der Regel von langgestreckter, prosenchymatischer 
Gestalt und viel kurzer (i mm bis 2 cm) als die oft betrachtlich (bei Lianen 
3 — 5 m) langen GefaBe. Die Wandungen beider sind stets teilweise verdickt. 
Nach der Form der Verdickungsmassen unterscheidet man Ring-, Spiral- 
(besser Schrauben-), Netz- und LeitergefaBe, einfach oder behoft 
getiipfelte G. (TiipfelgefaBe) bzw. Tracheiden. (Vgl. Fig. 136 und 137.) 

Die faserigen Verdickungen sind nach Rotpiert (Bull. Acad. Cracovie 
1899) an ihrer Ansatzstelle unmittelbar liber den unverdickten Membran- 
partien mehr oder minder verschmalert Der verschmalerte Teil (FuB) der 
Leiste ist scharf gegen den breiteren Teil (Kopf) derselben abgesetzt, so 
daB ihr Querschnitt — |formig aussieht. In anderen Fallen geht der FiiB 
ohne scharfe Grenze in den Kopf liber. (P) 


268 


Gefallhyplien— gefttllte Bliiten. 


i 

5 


I 


Gefafihyphen s. Syrrotien. 

Gefafipei'foi'atioix s. Gefafie. 

Gefafiteil = Hadrom, s. Leitbiindel. 

Gefafiti-acheiden s. Holzkorper. 

Gefiedert nennt man ein Organ dann, wenn es differenziert ist in einc 
zentrale Achse (= Spindel), welche regelmafiig angeordnete Seitensegmentc 
tragt, z. B. die Blatter von Myriophylluni^ Hottonia und Juglans\ die ge- 
fiederten Adventiv-Wurzeln von Trapa natans\ fiederig angeordnete Aste 
linden sich bei vielen Laubmoosen; viel seltener jedoch bei Phanerogainen 

wie Phyllanihus laihyro 'nit s^ 



Fig, 136. Radialer Langs sclanitt durcli den Hadromteil 
(Holzteil) eines Gefafibiindels von Oenothera odorata: 
p Leitparenchym; r altestes Riiiggefafi; s SpiralgefHb init* 
auseinander gezogenem Schraubenbande; jiingercs 
Spiralgefab niit zwei Sebraubenbandern, welcbe stellen- 
weise miteinander verbunden bzw. gespalten sind ; h Holz- 
parencbymzellreihe ; n netzfaserformig verdicktes Gcfab 
(Netzgefaii); ^ jiingstes, eben in Entstebung begriffenes 
Gefab; die Querwande sind nocb iiicht aufgelust; 
c ICambmm. (Nacb Haberi.andt.) 


PhylL miniusoideSy Plii^i^gca 
microcarpa. In clicHCm Falle 
stimmen seiche g^eriedertc 
Sprosse mit Fieclerblattern 
auch nech darin iiberein, 



13 7 ‘ Lungs, iclinitt dunrh /av<*j 
S piral g e f u 0 e vt in ( ^tu'urhitt 
(Naoh linTHKRT^i 


daB sie gleich diesen begrenztes Wachstum besitzen. (Vgl. K. Goi:i:i.i,, 
Organographie 11. Aufl., S. 226). S. auch Blattformen. (g.) 

geflammter Holzkdrper: Wo die GefaBe des ricjJzkdriier.s (,s. d.j an! 
dem Querschnitt in Reihen oder Gruppen geordnet sind, hehun .sich dicse oft 
mit hellerer Farbung von ihrer Umgebnng ab imd keinnen dann charakteri.sti.sche 
Zeichnungen des Holzkorpers veranlassen. Zeigt dieser z. B. auf <lem (duerschnitte 
radial verlaufende, mehr oder weniger geschlangelte Streifehan, so nennt in.in ihn 
geflamnit Auffallend besonders bei Rhaimms cathartica. (Mach Wiuu.lm in 
WiESNER, Rohstolfe II, 1903, S. 31.) (F.) 

gefiillte Bliiten: Hildebrand (in J. w. B., XVII, 1886, 622) .schliigt 
yor, diejenigen Pflanzen gefiilltblutig zu nennen, bei denen der Schauappanit 
in irgend welcher Weise vermehrt worden ist. 

Dies kann auf sehr verscliiedene Art geschehen. Ein .seltener Fall ist der, 
daB die Vorblatter, welche bei dem normalen Zustande der betreffenden BlUten 




gefurchte Steine — GeiBeln. 


269 


griin sind, eine vom Griin sich abhebende, der Blumejokrone, auch dem Kelch 
gleiche Farbe annehmen (z. B. bei Ane7no7ie co7‘onarid], VerhaltnismaBig selten 
ist auch die Umwandlung eines erst grtinen Kelches in ein blumenkronartiges 
Gebilde (Petaloidie des Kelches, z. B. bei Ca77ifa7iula 77iediim), — GroB ist die 
Zahl der Falle, wo auf einen (meist) normalen Kelch eine gesteigerte Zahl von 
Bliitenblattern folgt. Die hauptsachlichsten Arten dieser Fiillung sind folgende: 

1. Durch Spaltung der normalen Blumenblatter in mehrere (z. B. Fuchsia), 

2 . Durch einfache Umwandlung der StaubgefaBe (Petaloidie der Stamina in 
je ein Bliitenblatt (viele Kanunculaceen). 

3 . Durch Spaltung der aus einfachen StaubgefaBen umgewandelten Bltiten- 
blatter in mehrere (bei Caryopbylleen). 

4 . Durch Hervorsprossen von Blumenblattern aus der Basis der in Bliiten*- 
blatter umgewandelten StaubgefaBe (z. B. Clarkid). 

5 . Durch direktes Hervorsprossen von liberzahligen Bliitenblattern zwischen 
den urspriinglichen Blutenblattern und den StaubgefaBen (bei Ca7npamila), 

In den Fallen, in welchen innerhalb eines Bliitenstandes der Schaiiapparat 
nicht an jede einzelne Bliite, sondern nur an bestimrate Bliiten oder an andere 
Teile des Bliitenstandes gebunden ist, wird dessen Ansehnlichkeit dadurch erhoht, 
daB die sonst unscheinbaren Bliiten den Schauapparat auch ihrerseits an sich 
ausbilden. Wir finden dies bei vielen Kompositen (z. B. den Dahlien und Chry- 
santhemen), bei ViburTttm op7ihis,, Hydi'angea liorte77sis u. a. (man vergleiche ferner 
unter Petalodie, Phyllodie). [Kst] 

gefurchte Steine: Gelegentlich treten in den SiiBwasserseen Steine auf, 
die mit tiefen, maandrischen Furchen verseben sind. Man findet auf denselben 
miirbe Uberztige von Cyanophyceen. Nach Kirchner scheiden die betreffenden 
Algen Kalk ab und schiitzen so die Steine gegen die aufldsende Wirkung des 
Wassers, wabrend die Furchen dort entstehen, wo Insektenlarven den Uberzug 
zerstoren. Chodat dagegen recbnet die betreffenden Cyanophyceen zu den 
kalklosenden (calcivoren) Algen, welche den Stein ungleich zerstoren (Schimper, 
Pflanzengeogr., S. 851 ). (Zi) 

Gegenerregung, Gegenwirkung s. Erregung. 

Gegenfufilerinnen = Antipoden, s. Embryosack. 

gegenlaufig = anatrop, s. Samenanlage. 

Gehause s. unter Asci und Karposoma. 

gehemmte Myzelien zeigen verminderte Wachstumsgeschwindigkeit, 
reduziertes Volum, verkiirzte Internodien und Schnallenhaufung (bei Basi- 
diomyceten). [F) 

Gehilfinnen s. Embryosack. 

GehSlz: entweder eine Holzpflanze (Baum, Strauch oderLiane) oder eine 
aus Holzpflanzen bestehende Formation (Wald, Macchie usw.). [Di] 

Geholzklima nannte Schimper (Pflanzengeogr., S. 188) ein dem Vor- 
kommen von Gehblzformationen gUnstiges Klima, im Gegensatz zum »Gras- 
flurklima«. Seine wesentlichen Eigenschaften waren: »warme Vegetations- 
zeit, bestandig feuchter Untergrnnd, feuchte und ruhige Luft namentlich im 
Winters. Ob jener Gegensatz so, wie ihn ScHiMPER auffaflte, wirklich be- 
steht, bedarf weiterer Untersuchungen. [D,] 

Geilstellen nennt man, nach BE Vrtes, zu stark gediingte Stellen in 
Saatfeldern, auf denen die Pflanzen abnorm iippig wachsen. 

Geifieln s. Zilien und Flimmergeifiel, 


270 


Geiiielzopfe— Gemini. 


Geifielzopfe s. BakteriengeiBeL 

Geitonogamie, Geitonokarpie s. Bestaubung. 

Geizen — Kurztriebe des WeinstockeSj im Gegensatz zu den Lang- 
trieben oder Lotten. 

gekoppelte Merkmale (Correns) s. unter Allelomorphic und coup- 
ling gametic. 

gekreuzt =5 dekussiert, s. Blattstellung. 

Gel s. Kolloid. 

Gelbsprenkelung (aurigo) Verfarbung der Blattspreiten, die Sorauer 
auf dieselben Faktoren zuruckfiihrt wie die Intumeszenzen (s. d.); sie ist nach 
Sorauer als Anfangsstadium der letztgenannten aufzufassen. (Ai*/.) 

Gelegenheitsepiphyten. Gewisse Pjflanzen entwickeln sich, wenn ihre 
Samen zufallig durch Wind oder Tiere ('namentlich Ameisen) in Astgabeln oder 
Rindenrisse gelangen, normal, wenn sie hier geniigend Humus und Feuchtigkeit 
vorfinden (z. B. Geranium^ Samhucus 11. v. a. auf alten Kopfweiden). Sie leben 
somit als »Uberpflanzen«, iinterscheiden sich aber durch den Mangel spezifischer 
Anpassungen an diese Lebensweise von den echten Epiphyten, welche z. T. 
zweifellos aus solchen »zufalligen« Epiphyten sich entwickelt haben. (Z.) 

Geleitzelleja s. Siebrohren. 


Gelenke, Gelenkknoten, -polstei’, Blattg-elenkeoderBlattpolster 
(Fig. 138) nennt man wulst- oder polsterformige Verdickungen gewisser 
Stengel- oder Blattstielzonen , denen die Ausfuhrung von Krummungs- 
bewegungen iibertragen ist. Gewohnlich sind es die basalen Zonen der 
Stengelinternodien wie bei den Commelinaceen, Polygonaceen, Sileneen u. a., 
Oder der primaren Blattstiele, wie bei den Leguminosen u. a., die zu G. 
warden; seltener sind es die oberen, der Blattspreite benachbarten Zonen 
der Blattstiele (Marantaceen, viele Aroideen). Bei einfach- und doppelt- 
gefiederten Blattern konnen auch die Basen der sekundaren Blattstiele sowie 
Fiederblattchen als G. fungieren (Leguminosen). Bei den Gramineen 
dienen die wulstformig verdickten Basen der Blattscheiden als Bewegungs- 
organe. Bei den Menispermaceen unterscheidet SPEELICH ein basales 
Wachstumsgelenk, Basalpolster und ein apikales W., Apikalpolster. 
Ersteres vermittelt die grobe, letzteres die feinere Einstellung des Blattes in 
die gunstige Lichtlage. Vgl. Sperlich, Untersuchungen an Blattgelenken, 
L, Jena 1910, S. 25. Siehe Gelenkstreifen. (P.) 

Gelenkstreifen, -zellen: Unter G.-streifen verstehen Duval- Touvk und 
IscHiRCH aus modifizierten Epidermiszellen, den sogenannten Gelenkzellen 
gebiWete Langsstreifen an Grasblattern trockener Standorte (Steppengraser), denerl 
die Funktion zukommt, bei der Einrollung des Blattes eine scharnierartige Be- 

Z^Uen derselben zeichnen sich dnrdr farb- 
losen Inhalt, betrachtliche GroSe und Hdhe, sehr biegsame AuBenwande und zarte 
Seitenwande aus, die sich bei der Eimollung des Blattes leicht in Falten legen, 
die farten Assimilationsgewebes vermieden warden. Sind 

£w 2 e vtbuTde'n T h tief in das Blattinnere hineinreichenden 

?sThirch YTTT als Gelenkpolster. Vgl. 

ISCHIRCH, J.W^ XIII, 1882. — Steinbrinck B.D.B.G., Bd. 26a, S. 400. (Z.) 

feS a^^statische Pflanzen. 

Gemini (Moore-Embleton) s. unter Karyokinese. 



gemischte Sympo dien— Generati onswe chsel. 


271 


gemischte Sympodien: Solehe S., die in regelniMiger Folge die 
Charaktere von Wickel- und Schraubelsympodien aufweisen; sie kommen 
namentlich in den Nebensympodien vor. (R. WAGNER in S. Ak. Wien, Bd, 1 10, 

S. 46.) 

Gemmen: r. s. Konidien und Myzel der Pilze; 2. der Hepaticae s. 
vegetative Vermehrung derselben. 

Geinmules (Darwin) s. Pangene. 

Gen (JOHANNSEN, Elemente der exakten Erbllchkeitslehre 1909) = 
Erbeinheit, wohl auch als Erbfaktor oder kurz »Faktor« (daher »Faktoren- 


Ji 



Rig. 138. A Langssclmitt durch den Gelenkpolster eines EicderblEttchens von Biophytum 
sensitivum^ halbscliematisch: o Ober-, u Untcrseite des Geleiikes, r Rliacliis (lialber Qiier- 
schnitt), g GefaEbilndel des Mittelnervs des Fiederblattcbens. B Teil eines Tyiingsscbnitte.s 
durch den Gelenkpolster. (Nach IIaijeklandt.) 


Theorie«) bezeichnet, Einzelelemcnt des Idioplasmas (s. d.), aus dem Dar- 
WiNschen Worte Pangen geblldet, um nicht die Vorstellungen der Pan- 
genesistheorle (s. d.) damit zu verbinden. Das Wort Gen wird jetzt fur cinen 
als Erb-Einheit (s. d.) experimentell erkannten Komplex gebraucht VgL 
auch unter Allelomorphs, gametic-coupling, Erbformel. [T,] 

Genei’ationsfolge = SproBfoIge, s. d. 

Generationsindex s. Infloreszenzformeln. 

Generatio spontanaea (aequivoca) == Urzeugung s. Zellbildung. 

Generationswechsel: L Allgemeines. Der Befruchtungsvorgang, 
welcher auf elner Verschmelzung des mannlichen und weibHchen Geschlechts- 
kernes beruht, bedingt notwendig eine Vereinigung der Chromosomen im 


272 


Generationswechsel. 


Verschmelzungskern (Kopulationskern), also eine Verdoppelung der Chromo- 
sometizahl. BesaBen der mannliche und weibliche Kern je x Chromosomen, 


so mufi das Verschmelzungsprodukt beider 2 x Chromosomen besitzen. Um 
die Vermehrung der Chromosomenzahl ins Unendliche zu verhindern, findet 
meist sofort nach der auf ungeschlechtlichem Wege erfolgenden Bildung 
der die Geschlechtszellen liefernden Mutterzellen (Gonotokonten, 
s. d.j in der sog. Reduktionsteilung (s. d.) eine gesetzmaJQige Flalbierung der 
gesamten Erbmasse statt, deren Ergebnis wieder in der x-Zahl der Chromo- 
somen der Geschlechtszellen ihren Ausdruck findet. Diese gesetzmafiige Auf- 
einanderfolge einer Geschlechtsgeneration mit x-Chromosomen (Game- 
tophyt, x-Generation, Haploidgeneration) und einer ungesclilecht- 
lichen Generation mit 2 x-Chromosomen (Sporophyt, 2 x-Generation, 
Diploidgeneration) bildet in der Regel die Veranlassung zum G. In 
diesem Sinne ist der G. den neueren entwicklungsgeschichtlichen Unter- 
suchungen zufolge von den Thallophyten aufwarts durch das gauze Pflanzen- 
reich verbreitet Dem wechselnden Lebensmilieu entsprechend erscheinen 
begreiflicherweise die beiden Generationen in verschiedenen Verwandtschafts- 


reihen ihrer GroBenentwicklung, vegetativen Ausgliederung und physio- 
logischen Selbstandigkeit nach sehr verschieden ausgebildet. (Vgl. LOTSY, 
Vortrage iiber botan. Stammesgeschichte, Jena 1907 — ii, sowie bzw. der 
Spezialfalle die Einzeldarstellungen.) (P.) 

II. Zytologisches: (Vgl. insbes. Strasburger, Progr. I, 1905.) Bei 
den Griinalgen und vielen Pilzen, ebenso bei den Phaeosporeen, haben alle 
Kerne die gleiche — haploide — Chromosomenzahl (Plaploidgenerationj. 
Erfolgt eine Befruchtung, so wird diese durch die Kernfusion zwar »diploid«, 
aber die Diploidgeneration ist auf die Zygote beschrankt. Bei deren 
Auskeimen erfolgt die Reduktionsteilung (s. d.) und damit sofort Riick- 
kehr zur normalen Haploidie. Nun konnen aber bei den Myxomyceten, 
Diatomeen, Cutleriaceen, Dictyotaceen, Florideen, Asco^ und Basidiomyceten 
sowie yon den Moosen an aufwarts bei alien iibrigen Pflanzenklassen in 
wechselndem Mafie die diploiden Kerne und Zellen erhalten bleiben und 
bilden eine ganze Generation welche dann regelmaBig mit der haploiden 
alterniert. Die diploide Generation ist bei den hochst stehenden Gewachsen 

shiTd^Lrr haploide geworden. Im allgemeinen 

Generationen auch morphologisch verschieden, nur bei 
den Dictyotaceen, gewissen Cutleriaceen und Florideen gleichen sie sich 
auBerlich vo Ikommen. Auch sonst darf man die Beziehung zwischen Cbro- 
mosomenzahl und >Generation« nicht so verstehen, dafi fetztere in ihreni 

S Aposporie, bei denen beide > Generationen. 

die ^leiche haploide [Nephrodium molle) oder diploide Chromosomenzahl 



Generationswechsel. 


^13 

pflanzungskorper anderer Art, die dieselbe Chromosomenzahl wie ihre zu- 
gehorigen Mutterpflanzen haben und die auch nicht zum Urspruiig neuer 
Generationen werden. Durch diese Fortpflanzungskorper werdeii immer 
Generationen derselben Art (homologe Generationen) regeneriert, also ent- 
weder immer Sporophyten oder immer Gamophyten. Um diese ungeschlecht- 
lichen, nicht in den regelmaOigen Generationswechsel eingehenden Fort- 
pflanzungskorper von den auf den Sporophyten regelmaDig auftretenden, 
unter Reduktionsteilung sich bildenden Sporen zu unterscheiden, konnen 
sie zweckmaOigerweise Gonidien genannt werden. Gonidien geben also 
den Ursprung nur zu homologen Generationen (homologer G. nach Cela- 
KOWSKY Oder homogener G. nach Strasburger) im Gegensatz zu den 
Sporen und den geschlechtlichen Fortpflanzungskorpern, die immer zum 
Ursprung von Generationen anderer Art (antithetischer G. nach Cela- 
KOWSKY Oder heterogener G. nach Strasburger) werden. Hierzu kommt 
noch, daO dieselbe Generation in verschiedenen Zeitpunkten ihrer Entwick- 
lungsgeschichte unter verschiedenen Formen aiiftreten kann, was man als 
Polymorphismus bezeichnet. (Vgl. R. Cmodat, Etude critique et ex- 
perimentale sur le Polymorphisme des Algues. Memoir publid a Poccasion 
du jubile de PUniversite de Geneve etc, igog.) Dieser ist manchmal mit der 
sog. heteroblastischen Entwicklung anderer Pflanzen (z, B. Protonema und 
definitiver SproB bei Moosen) vergleichbar. 

Betreffs des G. und besonders des Zeitpunkts der Reduktionsteilung verhal- 
ten sich nun die Algen sehr verschieden. Folgende Typen konnen unter den 
bisher bekannten und des naheren untersuchten Fallen unterschieden werden: 

1. Die Reduktionsteilung folgt unmittelbar auf die Bildting des Zygoteiikerns, 
Die Pflanze (der Gatnophyt) hat die haploide Chromosomenzahl (n) in ihren 
somatischen Zellen. Die Gameten besitzen gleichfalls j^^-Chromosomen. Die 
Zygote bekommt folglich 2 j^-Chromosomeii in dem Fusionskern. Schon die 
erste Teikmg des Zygotenkerns, wodurch die [Zooj-Sporen gebildet werden, ist 
aber eine Reduktionsteilung, wodurch also die haploide Generation sofort wieder 
hergestellt wird. Zu diesem Typus gehoren z. B. die Konjugaten [Spirogyra^ 
CosmariuTn) und wahrscheinlich auch sSmtHche Chlorophyceen — einschliefilich 
Coleochaete^ bei welcher jedoch das erste Stadium des Gamophyten eine andere 
Form als die geschlechtsreife Pflanze hat. Es ist ein scheibenformiger Zell- 
korper, von dem eine Anzahl Schwarmer gebildet werden, die zu Geschlechts- 
pflanzen werden. [Coleochaete stellt also in dieser Beziehung ein Beispiel fOr 
homologen G. oder Polymorphismus dar.) — Unter der Annahme, da6 die doppelte 
Chromosomenzahl das Charakteristische ftir den Sporophyten ist, gibt es also bei 
diesen Algen liberhaupt keine Sporophytengeneration auSer dem Zygotenstadium. 
Die Grunalgen wiirden also eines G. im eigentlichen Sinne dieses Wortes ent- 
behren. Andererseits ist bei diesem Typus eine parthenogenetische Ent- 
wicklung der Gameten, d. i. Entwicklung ohne vorhergehende Kopulation nicht 
selten und auch deshalb sehr naheliegend, weil die Gameten ja schon vom An- 
fang an (iber die Chromosomenzahl der definitiven Pflanze verftigen. 

2. Die Reduktionsteilung geht der Gametenbildung unmittelbar vor. Die 
Pflanze hat , die diploide Chromosomenzahl (2 ii) in ihren somatischen Zellen. 
Die Gametenbildung ist mit der Reduktionsteilung verknflpft,,! die Gameten be- 
kommen also ^-Chromosomen, Bei der Bildung des Zygotenkerns wird die 
definitive Chromosomenzahl der Pflanze wieder hergestellt (z, B, Fitcvs und die 

Schn eider, Bot. Wi’jrterbucl), 2. Aufl.a^e, 


274 


Generationswechsel — generative Befruchtung. 


Diatomaceea). Da es eine besondere haploide Generation, auBer den Gameten 
selbst, nicht gibt, wtirde also auch dieser Typus eines eigentlichen G. entbehren. 
Diese Algen verhalten sich betreffs ihrer Reduktionsteilung und ihres G. wie die 
Tiere. Parthenogenetische Entwicklung der Gameten nicht bekannt. 

3. Die Reduktionsteilung folgt nicht unmittelbar auf die Bildung des Zygoten- 
kerns, sondern eine diploide somatische Phase wird zwischen der Vereinigung 
der Sexualzellen und der Reduktionsteilung eingeschoben. Hier sind also wirk- 
lich zwei verschiedene, wechselnde Generationen als besondere Bionten entwickelt 
Von dlesem Typus gibt es einige Varianten: a) Die haploide Gamophytengenera- 
tion ist betreffs Organisation und Banes der diploiden Sporophytengeneration 
ganz ahnlich. AuBer in der Chromosomenzahl unterscheiden sie sich nur da- 
durch, daB der Gamophyt Gametangien (Oogon und Antheridien), der Sporo- 
phyt dagegen Sporangien entwickelt. Bei der Bildung der [Tetra-]Sporen tritt 
die Reduktionsteilung ein (z. B. Dictyota). 

b) Die haploide Gamophytengeneration ist beztiglich ihrer Organisation von 
der Sporophytengeneration wesentlich verschieden [Cutleria mit ihrer diploiden 
Sporophytengeneration, die friiher unter dem Namen Aglaozonia als besondere 
Gattung beschrieben wurde). Die Cutlerien sind selbst die haploiden Gamophyten 
mit ihren Gameten; bei der [Zoo-]Sporenbildung bei Aglaozonia tritt die Re- 
duktionsteilung ein. 

c) Die haploide Gamophytengeneration ist betrefFs Organisation und Baues 
nur einer spateren Phase der diploiden Sporophytengeneration ahnlich. Die 
befruchtete Eizelle bleibt namlich in Verbindung mit dem Gamophyten im 
Zystokarp (s. Karpogon) und entwickelt da ein fadiges Biischel von fertilen 
Faden (sog. Gonimoblasten s. Karpogon), in welchen die sog. Karpogoniden 
Oder Karposporen entwickelt werden. Diese Gonimoblasten sind die erste Phase 
des Sporophyten. Die Karpogoniden bilden bei der Keimung den Anfang der 
zweiten Phase der diploiden Generation, der tetrasporenbildenden Pdanze. 
Die Reduktionsteilung geht bei der Bildung der Tetrasporen vor sich iPolysi- 

phonun^ Griffitlma^ Delesseria und wahrscheinlich alle tetrasporenbildenden 
Florideen). 


T?f 'j Tetrasporen ja vom Standpunkte des G. die wirklichen Sporen der 
Florideen sind, bei deren Bildung die Reduktionsteilung stattfindet, muS die 
Bezeichnung Spore fur eben diese reserviert werden. Die vorher als Karpo- 
sporen « bezeichneten Fortpfianzungskorper werden daher von Svedelius mit dem 
fgTi B bezeichnet (vgl. N. Svedelius, Svensk. Bot Tidskrift 

Florideen, die liberhaupt nicht Tetrasporen erzeugen imma- 
hon, Bairachospermim), Wie sie sich betrefFs des G. verhalten, ist noch nicht 
Die Reduktionsteilung geht wahrscheinlich irgendwo bei 
Froridil ^ ^o^^^^oblast vor sicK Falls dies richtig ist, bieten also diese 
rlorideen einen ganz anderen Generations wechseltypus dar, [Sv ) 

IV. Generationswechsel der Myxomyceten s. Plasmodium. 

V. Generationswechsel der Pilze s. Befruchtungstypen ders. 

^onhim Kormophyten s. Antheridium, Arche- 


™ allgemeinen solche Bildungen oder Vorgange, 

generative Befruchtung s. doppelte Befruchtung. 



generative Parthenogenese — Geocliatropisnius. 


275 


genei^ative Parthenogenese s. somatische P. 

generative Zellen s. Pollenschlauch. 

generischer Koeffizient: »In jederPflanzengesellschaft miissen wir^^ sagt 
P. Jaccard, in Flora, Bd. 90, 1902, S. 370, »unterscheiden zwischen Artenreich- 
tum (rein numerisch) und Artenliste (systematisch). GroBe Dichte eines Be- 
standes hat zwar haufig eine Verarmuiig der Flora im Gefolge; nichtsdestoweniger 
konnen aber bisweilen groBer Artenreichtum und groBe Dichte verbimden sein. 
Artenreichtum, Artenliste und Dichte variieren also innerhalb eines Bestandes bis 
zu einem gewissen Grade unabhangig voneinander. Immerhin ist es mdglich, 
eine Beziehung aufzustellen zwischen Artenreichtum und Artenliste, die gegeben 
ist durch das Verhaltnis der Zahl der vertretenen Genera ziir Zahl der vor- 
kommenden Arten; ich habe dieses Verhaltnis als g. K. bezeichnet<. Die Be- 
ziehung zwischen Zahl der Genera und Zahl der Arten wird am besten aiis- 
gedriickt durch die Zahl der Genera, die auf 100 Arten entfallen. Es ergdbe 
sich also z. B. : 106 Arten auf 90 Genera = 100 Arten auf 85 Genera; g. K. = 
85°/^; 85 Genera sind reprasentiert durch 100 Arten. Je reicher an Arten eine 
Flora ist im Verhaltnis zu den vertretenen Genera, um so kleiner ist also der 
g. K. i-D.) 

genetische Nahrung s. zymotische N. 

genetische PjflanzengeograpMe s. Pflanzengeographie. 

genetische Spii^ale s. Blattstellung. 

Genossenschaften bezeichnet in der Pflanzengeographic Gruppen von 
Gewachsen, die in irgend einer Hinsicht Zusaminengehdrigkeit beweisen. In der 
naheren Umgrenzung des Begriffes besteht keine Ubereinstimmung. 

In der Regel versteht man imter G. floristische Gruppen. So gebrauclit z. B, 
Drude das Wort, ungefahr synonym mit seinen Assoziationen. — Schimi^er [Pflanzen- 
geographie, S. 208) nennt G. die akzessorischen Bestandteile der verschiedensten 
Bestande, die fiir sich allein niemals Assoziationen bilden kdnnen, da sie in 
ihrer Existenz von anderen Pflanzen unmittelbar abhangen, die sich aber trotz- 
dem in sehr wesentlichen Eigenschaften tibereinstimmend verhalten. Beispiele 
sind Lianen, Epiphyten, Saprophyten, Parasiten, Ubergange zwischen 
Formationsbildern und G. bilden z. B. die Lithophyten: sie leben teils ftir 
sich formationsbildend, teils in Abhangigkeit von anderen Gewachsen als Neben- 
bestandteile. In diesem Sinne ist der Ausdruck » Genossenschaften « zweifellos 
nicht glticklich; er gibt leicht zu MiBverstandnissen AnlaB, und es ist besser, 
auf ihn zu verzichten. {D,) 

Genotypus. Jeder Genotypus' ist durch Zusammensetzung der »Erb- 
substanz« aus den einzelnen Genen gekennzeichnet, wahrend die Phaeno« 
typen nicht erblich gefestigt, sondern rein von den AuBenumstiinden be~ 
dingt sind. (S. auch unter Modifikationen.) — Biotypus (JOHANNSEN, 
Arvelighedlaer Elementer 1905, Elemente der exakten Erblichkeitslehre ipog) 
= Gesamtheit der Phaenotypen, die zu einem bestimmten Genotypus Jge- 
horen (vgl. auch Numerotypus). [T,] 

Geoaesthesie (Czapek) — Fahigkeit, den Schwerereiz wahrzu- 
nehmen. (A.) 

GeoWast (Kirchner, S. 41); Unterirdisch lebender SproB == geo- 
philer SproB. 

Geodiatropismus s. Geotropismus. 

18* 


276 


Geodistoinyceteii — Geotropismus. 


Geodistomyceten = biologische Standortsgruppe holzbewohnender 
Pilze auf erdfernem Substrat mit entsprechenden Anpassungsmerkmalen im 
Gegensatz zu den Geoproximyceten (Falck). (i^.) 

geogene Induktion, die dutch die Gravitationswirkung erfolgende 
Induktion. (z. B. der Dorsiventralitat). 

Geokarpie (Treviranus) s. Aerokarpie. 

Geonastie vgl Geotropismus und Nastie. 

geonyktinastisch, geonyktiti-opisch s. autonyktinastisch. 

Geopei’zeption s. Statolithentheorie und Geotropismus. 

Geophile Pflanzen (Areschoug, Acta reg. Soc. Phys., Lund, VI, 
1896) = skotophile Pfl. (GoEBEL, Org. II, S. 645) sind solche, welche ihre 
Erneuerungssprosse unter der Erdoberflache anlegen im Gegensatz zu den 
aerophilen (Areschoug) = photophilen (Goebel) Pfl. (Z.) 

Geophyten (Kirchner, S. 41) = geophile Pflanzen. 

Geoplagiotropismus s. Geotropismus. 

Geoproximyceten s. Geodistomyceten. 

Geosti’opMsmus s. Strophismus und Geotropismus. 

Geotaxis (Schwarz, in B. D. B. G., 1884, S. 71) vgl. Geotropismus und 
Taxis. 


Geotonus s. Tonus. 

Geotoi'tismus s. Geotropismus und Strophismus. 

Geotrophie s. Trophie. 

GeotropMsmus nennt BDcher (J. w. B., Bd. 43, 1906) im AnschlufJ 
an WiESNER (s. unter Trophie) »den Reaktionserfolg, der in wachstums- 
fahigen, orthotropen Krautsprossen auftritt, wenn dieselben horizontal gelegt 
werden, und der sich im Vergleich zum gleichaltrigen NormalsproB in einer 
Forderung der Wanddicke der Kollenchym-, Bast- und Hoizzellen der Ober- 
seite bei relativ kleinerer Zellweite und in einer verminderten Ausbildung 
der Membranverdickungen dieser Gewebe auf der Unterseite bei relativ 
groflerer Zellweite auCert«. Ein analoger Reaktionserfolg, der durch Be- 
hchtung erzielt wird, ware demnach als Photo-(HeIio-)trophismus zu bezeichnen 
(Vgl. Neubert Beitr. z. Phys., X, 1911, S. 299.) (Z.) 

Geotropismus (Frank 1870). Unter G. im weiteren Sinne versteht man 
aile durch den einseitig wirkenden Schwerkraftsreiz (oder durch einseitiee 
Wirkung der Fhehkraft) ausgelosten Tropismen (s. d.). Die Orientieruncr 
frei beweghcher Organismen nach der Schwerkraft pflegt man als geotaktische 
(Geotaxis) zu bezeichnen. - 

Die stabile geotropische Gleichgewichtslage orthotroper Organe Ortho- 
geotropismus [Pfeffer] ist entweder vertikal aufrecht oder vertikal ab- 

Angriffsrichtnng der Schwere zusammen 
(para lelogeotrop [Pfeffer]). Dementsprechend unterscheiden Hofmeistkk 
(1863) und Frawc (Beitr. z. Pflanzenphys., 1868) zwischen negativcm und 
(The power of movement 1880, deutsch von V. Carus 
als AnoS^^f “ ®‘'^l^''’"tweg und bezeichnete den -g! 

RommfrnhJuT^^'-^ Katageotropismus [Massart, Biol. C. 1902]) 

^ ■^e2«‘^™ungProsgeotropismus(=Anageotropismus[MASSART])' 


vor. 


geozentrische Kriimmung — Gerbstoflfvakuolen. 


Der G. plagiotroper Org-ane [Plagiogfeotropismus [PfeI'TKrJJ ftihrt zn 
einer anderen Gleichgewichtslage; diese orientieren sich im allgemeinen imter 
einem Winkel zur Kraftrichtung (daher Klinogeotropismus n. CzAPKK). Die 
Fahigkeit unter dem Schwereeinflul 3 eine plagiotrope Lage einzundimcn 
wurde von FRANK (Die natiirliche wagrechte Richtung der Pflanzenorganc, 1870) 
als Trans versalg. von Darwin ( 1 . c.) als DiageotroiDismus oder Geo- 
diatropismus bezeichnet. 

Plagiogeotrope Organe sind in der Regel dorsiventral gebaut, doch kdnncn 
auch radiare Organe wie die Nebenwurzeln einc plagiotrope Gleichgewichts- 
lage annehmen. Die Winkel, welche solche Organe mit der Vcrtikalen 
bilden, bezeichnet man mit Sachs als geotropische Grenzwinkel im 
Gegensatz zum Eigenwinkel, der bei AusschluH der einseitigen Schwere- 
wirkung angenommen wird. — Die Perzeption des Schwerereizes, Gcoper- 
zeption, soil nach Haberlandt und Nemkc durch Statolitheiistarke ver- 
mittelt werden (s. Statolithentheorie). 

Unter verschiedenen Bedingungen kann sich einc geotropische Urn- 
schaltung (Umstimmung) vollziehea, unter deren liinfluB negativ gcolr. 
Organe positiv geotrop (oder umgekehrt) werden oder sogar Ortho- und 
Plagiog. an demselben Organ wechseln konnen. 

Die durch Gravitationswirkung ausgelosten Torsionsbewegungen werden 
als Geotortismus (SCHWENDKNER, Ges. Mitt, II, S. 302) oder Geostro- 
phismus (CZAPEK, J. w. B., Bd. 32, i<SqS, S. 273) bezeichnet Unter Geo- 
nastie versteht man solche von der Schvvere bedingten Bewegungen, deren 
Richtung von der Angriffsrichtung der Gravitation unabhiingig ist; die je- 
weilige Richtung ist in cliesem Falle durch die phyvsiologischo Dorsivcntralitat 
des betreffenden Organs gegeben. (L,) 

geozentrische ICruiiiniimg, iilterer Ausdruck fdr geotropische Richtmigs- 
bewegungen. (Hofmeister.) In neuerer Zeit von Wiesnkr fdr I.astkrdnimungeii 
(s. d.) verwendet. 

geradlaiifig = orthotrop, s. Samenanlage. 

GerbstojBfbehaitei^-schliiuche, -zelleii : Die Gerbstoffe®), Gerbsauren, 
deren Bedeutung vielfach iioch fraglich ist, die aber in vielcn F'iillen wohl 
Endprodukte des Stoffwechsels (vgl Exkrete) darstellen, werden gewdhnlich 
in lang gestreckten Zellen oder langen Schlauchreihcn abgclagert, die liaufig 
die GefaDbiindel begleiten. Solche Gerbstoffschlauche finden sich, bei 
vielen Farnen, Aroideen, Musaceen usw. Die merkwiirdigsteu G. hat >Sam^ 
hucus^ deren Zweige im Parenchym der Rinde unci des Markes aulicrordent- 
lich langgestreckte und auch weitc Schlauchc besitzen, die nach T)K Barv 
moglicherweise die Lange eines ganzen Stengelinternodiums, also 20 cm 
Oder mehr, erreichen konnen. Vgl. PORSCH, S. Ak. Wien, Bd. 70, inir, 
S. 399- [P^] / b J I 

Gerbstoffbiaschen s. Gerbstoffvakuolen. 

Gerbstoffvakuolen bilden einen haufigen Iixhaltsbestandteil der Pllanzcii- 
zelle, sie sind durch eine »Plasmahaut« gegen das Zytoplasma abgegrenzt 

r? gebrauchte diesen Begriff im Shme von Ilomontalgtrp. (s. d.). (Ober dh 

-Begiitle Horizontal-, Lateral-, Kanten-Geotropismus siehe die genannten Sohlagworte,) 

=) Dekker, J. Die Gerbstoffe. Berlin 1913. 



278 


Germinalselektion— Geschlechtsbestimmimg. 


und fiihren einen stark lichtbrechenden, vorwiegend aus Gerbstoffen be- 
stehenden Inhalt. (Klercker, Diss. Tubingen 1888). — In den Zellen 
zahlreicher Zygnemaceen treten an ihrer Stelle zahlreiche, winzige, kugelige 
Bildungen auf, welche von Pringsheim (J. w. B., Bd. XII, 1879 — 81) als 
Gerbstoffblaschen bezeichnet warden. {L.) 

Germinalselektion (Weismann), Annahme, daO durch einen Kampf 
der einzelnen Keimeinheiten untereinander nur einzelne iibrigbleiben und auf 
die Nachkommen vererbt werden. Darwins »Kampf urns Dasein* wird so 
von den ganzen Individuen auf die Einzelbestandteile der »Erbsubstanzen * 
(s. d.) iibertragen. (7'.) 

GerSllpflanzen s. Schuttpflanzen. Vgl. E. Hess in B. B. C, XXXVII, 2, 


1909. [D.) 

Gei'iisttheorie. Nach Frommann (Jen. Zeitschr. Med. u. Naturw., 1875) 
soli das Zytoplasma aus einem sehr feinen Netz von Faserchen bestehen, 
in dessen Liicken eine Fliissigkeit enthalten ist, die im Kornerplasma sich 
staut. sMikrosomen* sollen nur Knotenpunkte des Netzes darstellen. (/’.) 

Geschlechterspaltung (LOEW, in Kirchner, S. 42): Bei Zwitterbluten 
das Auftreten von Sexualformen, die ohne Verkiimmerung des einen oder 
anderen Geschlechts trotzdem die Bluten physiologisch in verschiedenem 
Grade eingeschlechtig machen, wie Dichogamie, Herkogamie, lieterostylie u. a. 

Geschlechtei'umschlag (Ludwig): Der Wechsel des Geschlechtes 
bei eingeschlechtigen Pfianzen oder Blutenstanden. (Nach KiRCHNER, S. 42.) 

geschlechtsbegrenzte Vererbung: die Tatsache, dafi gewisse aufierc 
Charaktere nur auftreten konnen, wenn ihre sie bedingenden >Gene« von 
einem bestimmten Geschlecht mitgefiihrt werden. Fiir das Tierreich waren 
solche Falle seit langem bekannt. Fiir das Pflanzenreich hat jungst Baur 
bei Melandryum album das erste Beispiel gegeben (Z. indukt. A. u.V. 1912). 
Eine zytolog. Erklarung gibt GOLDSCHMIDT (Vortrag. Naturf. Vers. Mun.ster 
1912). [T.) 


Geschlechtsbestimniimg. Bei den hoheren Pfianzen scheinen, soweit 
wir nach den wenigen exakten Untersuchungen urteilen dtirfen, die cJ* Ga- 
meten als Geschl.bestimmer zu wirken. Wenigstens wissen wir, daO bei den 
didcischen Bryonia dioica (CoRRENs) und Cannabis sativa (Noll) die Ei- 
zellen samtlich gleiche $ Tendenz haben, wahrend von den Pollenkornern 
50 /o C?, 50°/o 9 besitzen (vgl. unter homogametisch). 

Die PoUenkomer sind also progam verschieden, die Eizellen gleich 
genchtet. Denkbar ware — nach analogen zoologischen Erfahrungen auch 
~ Augenblicke der Befruchtung erfolgende Ge- 

schlechtsfestlegung, dagegen mufi eine epigame Geschl.best. ausgesch lessen 

SfeST”' Epigamie wird da eintreten, wo durch auDerc 

Mittel das schembar verschwundene Geschlecht doch aktiviert werden kann. 
enn es >st daran festzuhalten, dafi jedes Geschlecht immer die Mdglichkcit 
Merkmale des entgegengesetzten hervorzubringen (CORRENS) Dies 

in La- 1900) (Geschlechterumschlag). Wir vermoeen 

in kejnem Faye experimentell ahniiches hervorzurufen. Strasburger Safu 
*0 d»„„ das b.s dahin .latant. mitgtfuhrte opprimiarle GtSch, (f w B 



Geschleclits-Chromosomen — Gewebe. 


279 


1910) zLim opprimierenden wird. Er hat nicht einfach voii Hypostasic 
resp. hypostatischen Merkmalen (s. d.) gesprocheii, weil er der Ansicht 
ist, dafl wir es bei Geschlechtsvererbung' nicht mit mendelnder Vererbuiig’ 
zu tun haben. Diese Ansicht laBt sich aber nicht mehr aufrecht erhaltcn : 
Im Gegenteil scheint alles dafiir zu sprechen, daB die Geschlechtsvercrbungf 
an mendelnde Merkmale gebunden ist (s. Zusammenfassung bei CORRIiNS- 
Goldschmidt. Vortrage Naturf.-Vers. Munster 1912). (?'.) 

GeschlechtS'Chromosomen s. unter Chromosomen. 

Geschlechtsgeneration s. Generationswechsel. 

Geschleclitstrennung. Exakt nachgewiesen ist biahcr nur von Stkas- 
BURGER fiir die Lebermoose Sphaerocarpns tcrrcstris und cnlifarnicus (Hist. 
Beitr. 1909), daB mit der Reduktionstcilung (s. d.j cine Gc.schl.tr. zusamnicn- 
hangt. Von den vier Abkommlingen aus eincr Sporcntctrade gingcn niimlich 
2 cf und 2 Q Individuen hervor. Der Sporophyt vcreinigt dann imnicr die 
beiden Geschlechter wieder. El. u. Em. Makciiai, haben gczeigt, daB durch 
Aposporie eine in Diocismus ausgedriickte Geschl.trcnnung wieder auf- 
gehoben werden kann. So besaBen die aposporen — bivalcntcn (s. unti:r 
Valenz) Rassen von sonst diocischen Moosen beidc Geschlechter, doch waren 
sie vdllig steril. ( 71 ) 

Geschwisterki'euzuiig s. Bestaubung. 

gesellige Pflanzen = soziale Arten. 

Gesetz des Mxnimums; es besagt nach LrKisiG (1S62), daB sich die Zu- 
nahme der Trockensubstanz eincr Pflanze nach dem im Minimum vf)rhan- 
denen Nahrstoffe richtet. Das Gesetz gilt nach JoST in sinngcniiiBer Er- 
weiterung auch fur die Bedingungen der CO, -Assimilation und im allgenieiiien 
iiberhaupt fiir alle notwendigen Vegetationsbedingungen. (VgL A. Maver, 
Die Ernahrung der grunen Gewachse 1895, S. 306,) Beim Mineralstoff- 
wechsel spielen jedoch nicht allein die absoluten Mengcn der Niihrsalze cine 
Rolle, es kommt ebensosehr auch das relative Mengenverhiiltnis der in der 
Nahrlosung befindlichen Jonen in Betracht. Wird cine bestimmte Jonen- 
konzentration (z. B. das Verhaltnis von Kalcium zu Magne.sium) gcsldrt, 
so wirkt der im UberschuB vorhandene Bestandteil nunmehr giftig, f»h\vohl 
er an sich zu den notwendigen Aschenbestandtcilcn gchdrt. Die Hahrsal/.c 
miissen daher in bestimmten relativen Mengcnverh:iltni.s.scn, in eincr »physio- 
logisch aequilibrierten* Menge geboten werden. (Ober die Wirkung von 
Elektrolitkombinationen vgl. insbesondere die Arbeiten von J. I.okj!. Lit. 
bei Hober, S. 425). (Z.) 

Gestaltung s. Morphogenesc und Entwicklungsmcchanik. 

Gesteinsflui- etwa = Trift, s. d. 

Gestemspflanzeii = Feisenpflanzen, s. Petrophyten. 
Getremitgeschlechtigkeit s. Bestaubung. 

geti'enntliluiige Getafibiindel s. GefaObundelverlauf. 

Gewetae (Zellgewebe, Unger, Anat. d. Pfl., 1885, S. 141) nennt 
man erne Vereinigung gleichartiger Elcmentarteile (Zellen) zu groBeren oder 
kleineren Massen (Verbanden), die ihren Zusammenhang fiir die ganze Zeit 


2S0 


G e w eb e sp aimuiig — G ew eb esy s tern . 


ihres Lebens behalten. Die Einheit eines solchen Zellverbandes beruht, 
nach Haberlandt, ebensowohl auf drier gewissen Gleichartigkeit des Baues 
seiner Elemente, wie auf der damit im Zusammenhang stehenden Geinein- 
samkeit der physiologischen Funktion des Zellverbandes. 

Nach der raumlichen Anordnung der mit einander verbundenen Zellen 
unterscheidet man (nach Prantl-Pax): Zellreihen, wenn die Zellen nur 
mit zwei gegenuberliegenden Endflachen aneinanderstofiend zu einem Faden 
verbunden sind [Spirogyrd)\ Zellflachenj wenn die Zellen eine einfache 
Schicht bilden, also nach zwei Richtungen des Raiimes aneinanderstof 3 cn 
(manche Algen, Blatter vieler Moose), und Zellkorper, wenn die Zellen 
nach alien Richtungen des Raumes angeordnet sind. Man pflegt diejenigen 
G., welche ausschlieBlich der typischen Zellteilung ihre Entstehung ver- 
danken, als echte G. den durch Verschmelzung und Verwachsung von 
ihrer Entstehung nach getrennten Zellen, Zellfaden oder Zellkorpern ent- 
standenen unechten G. gegeniiber zu stellen und im letzten Falle von einem 
Scheingewebe, Pseudoparenchym usw. zu sprechen. Vom entwicklungs*- 
geschichtlichen Standpunkt ist diese Unterscheidung durchaus berechtigt, 
fiir die anatomisch-physiologische Auffassung verliert sie aus dcm Grundc 
ihre Bedeutung, weil die Entstehungsweise eines G. mit seiner Inmktion 
nichts zu tun hat (Nach Haberlandt.) 

Als G. i. w. S. bezeichnet A. DE Bary (Vgl. Anat d. Vegetationsorg., 
1877, S. 3) einen »gemeinsam wachsenden Zellverband«. Durch bestimmtc 
Eigenschaften charakterisierte G. nennt er Gewebeform oder Gewebe- 
art Die einzelnen, einem G. angehorigen Zellen oder von einem solchen 
abstammenden Formelelemente stellen die Gewebselemente dar. Er 
unterschied folgende Hauptarten . vegetativer Gewebe bzw. G.-bestandteile : 
I. Zellengewebe, d. h. die aus bleibenden, typischen Zellen bestehenden G.; 
mit den Hauptunterarten : Epidermis, Kork, Parenchym. 2. Sklcren- 
chym. 3. Sekretbehalter. 4. Tracheen. 5. Siebrohren. 6. Milch- 
rohren (MilchgefaDe). 7. Inderzellularraume (s, d. im einzelnen). — 
Andererseits kann man (nach Strasburger) die fertigen Gewebe der Haupt- 
sache nach in zwei Gruppen scheiden, zwischen welchen aber eine scharfe 
Grenze nicht zu ziehen ist, in Parenchym und Prosenchym (s. d.). tJber 
die anatomisch-physiologische Einteilung der G. siehe unter Gewebesystem. (/'.) 

Gewebespannung, Spannungszustande in wachsenden Organen, welche 
auf dem verschiedenen Ausdehnungsbestreben der einzelnen im Verbandc 
stehenden Zellelemente beruhen. Der verschiedenen raumlichen Orienticrung 
entsprechend unterscheidet man Langs-, Quer- und Transversalspannung, 
Die Gewebe, welche sich bei der Isolierung aus dem Verbande kontrahieren, 
waren im unversehrteii Organ offenbar im Zug gespannt (Zugspannung 
Oder negative Spannung); jene, welche bei der Isolierung ihrem Spannungs- 
ziistande entsprechend sich verlangern, befanden sich in positiver oder 
Druckspanniing. j [(Z.)] 

Gewebesystem* Unter G. im weiteren Sinne versteht man die Vereinlgiinp: 
verschiedener, entwicklungsgeschichtlich oder physiologisch gleichwertiger Gewebe- 
formen zu emer Einheit hdherer Ordnung. Je nachdem man dabei den ent- 
wicklungsgeschichthchen oder physiologischen Standpunkt als Grundlage wahlt, 


Gewohnuiig — Gittertiipfel. 


281 


wird die Einteilung der vielgestaltigen Pflanzengewebe sehr verschieden ausfallen. 
Die bekannte von Sachs begriindete Dreiteilung der Gewebe in Haut-, Grund- 
und Stranggewebe ging zwar von physiologischen Erwagungen aus, stellt aber 
doch bloJB einen inkonsequenten KompromiB zwischen beiden Standpunkten dar. 
Denn wie schon de Bary dieser Einteilung gegeniiber betont, entspricht dieselbe, 
so sehr sie auch geeignet sein mag, den Anfanger zu orientieren, doch nicht 
ihrem Zwecke, einer gleichmaBigen Darstellung der verschiedenen Differenzierungen 
der Pflanzengewebe zu dienen. Denn die Namen Haut- und Stranggewebe be- 
zeichnen bei den GefaBpflanzen Gewebesysleme, welche durch bestimmte Ge- 
webearten positiv charakterisiert sind; der Name Grundgevvebe aber nur den 
Rest, dieser aber kann aus verschiedenen positiv charakterisierten Ge webearten 
und G. bestehen, welche dem Haut- und Strangsystem Equivalent sind. Denn 
tatsachlich umfaBt das SACHSsche Grundgewebe nicht weniger als assimilierendes 
Parenchym, farbloses Wassergewebe, reservestofftihrendes Speichergewebe, me- 
chanische Strange, Schutzscheiden, Friicht- und Samenschalengewebe. 

Den konsequentesten Standpunkt nimmt die moderne physiologische Anatomic 
ein. Sie , nimmt bei der Abgrenzung und Einteilung der Gewebearten auf ihre 
entwicklungsgeschichtliche und phylogenetische I-Ierkunft keine Riicksicht. Die 
v> Homologies der Gewebe ist fur sie gleichgultig, sie ktimmert sich bloB um die 
»Analogien«. Ein und dasselbe anatomisch-physiologiscbe G. kann ontogenetisch 
wie phylogenetisch sehr verschiedener Plerkunft sein, wie 2. B. das mechanische 
System; es bildet aber trotzdem vom anatomisch-physiologischen Gesichtspunkte 
aus eine geschlossene Einheit, die in der Identiat der Funktion begrlindet ist. 
Andererseits kann ontogenetisch und phylogenetisch Zusammengehoriges durch die 
anatomisch-physiologische Betrachtungsweise sehr verschiedenen G. zugeteilt werden. 

ScHWENDENER und liARicRLANDT, die Begrtincler dieser Auffassung, verstehen 
somit unter einem »anatomisch-physiologischen System « die Gesamtheit der einer 
bestimmten physiologischen Aufgabe dienenden Gewebe und lokalen Apparate 
des Pflanzenkdrpers. In der Mehrzahl der Falle sind die einzelnen anatomisch- 
physiologischen Systeme zugleich G., d. h. an ihrer Zusammensetzung beteiligen 
sich in erster Liiiie verschiedene Gewebe. DaB aber ein anatomisch-physiologisches 
System nicht immer auch ein G. sein muB, lehrt uns z. B. das DurchKiftungs- 
system, welches vielfach der Hauptsache nach bloB aus lafterftilltcn Interzellular- 
raumen besteht. 

Habkrlandt unterscheidet: Bildttngsgewebe, Hautsystem, mecha- 
nisches System, Absorptionssystem , Assimilationssystem, Leitungs- 
system, Speichersystem , Durchiiiftungssystem, Sekrelionsorgane und 
Exkretbehalter, Bewegungsgewebe, Sinnesorgane xmd reizleitende 
Strukturen und Gewebe. (Siehe diese im einzelnen.) Diese Einteilung wurde 
auch der Darstellung in vorliegendem Buche ztigrnnde gelegt. (P.) 
GewOhiiiing s. Ermtldung. 

Gewohnheitsi^assen der Uredinales (Magnus in Pledwigia, Bd. 33, 
1894, S. 362) s, biologische Arten. 

gezwimgenc Unwirksamkcit s. Ruheperioden. 

Giftwert der Antiseptica, s. d. 

Gigantismus s. Nanismus. 

Gittex'tiipfel : In Parenchymzellen konnen die cinfachen Ttipfel so dicht 
redrangt stehen und bloB durch dickere Leisten voneinander getrennt sein, 
iaB hieraus ein mehr odcr weniger polygonaler Umriss der Tiipfel resultiert 
iei derartiger Anordnung der Tiipfel spricht man von G. (P.) 


Gonen — Grasepidermis. 


283 


Gonen: Lotsy (Flora, Bd. 93, 1904) verwendet den Ausdruck Gonen 
als Kollektivbegriff fiir die aus den diploiden Gonotokonten (s. d.) hervor- 
gehenden haploiden Zellen. [T.) 

goneokline Bastarde s. Bastarde. 

Gonidien der Algen warden im Gegensatz zu den Sporen (s. d») die 
ungeschlechtlichen, nicht in den regelmaliigen Generationswechsel eingehen- 
den Fortpflanzungskorper genannt In den meisten Fallen werden sie auf 
der haploiden Gamophytengeneration (s* Generationswechsel der Algen), in 
einigen Fallen aber auch auf der diploiden Sporophytengeneration (z. B. bei 
vielen Florideen) erzeugt. Bewegliche mit Zilien versehene Gonidien werden 
Zoogonidien genannt. Die Gonidien werden entweder in besonderen 
Gonidangien endogen in Einzahl ( VattcJieria^ Ocdogonmni) oder in Mehrzahl 
( Ulothrix^ Ectocarpiis] ausgebildet oder auch exogen in Reihen abgeschniirt 
(z. B. die sog. Karpogonidien bei den Florideen, vgl. auch Karpogon). Vgl. 
auch Sporen, sowie Generationswechsel der Algen. [Sv,) 

Gonidien: i. der Fungi s. Sporen der Pilze; 2. bei Flechten s. 
Lichenes; 3. bei Lebermoosen s. vegetative Vermehrung der Plepaticae. 

Gonidienschicht s. Thallus der Flechten. 

Goniinoblast, Gonimolob s. unter Karpogon der Florideen. 

Gonomeren s. Idiomeren. 

Gonoplasma nennt man bei manchen Pilzen denjenigen Teil dcs 
Antheridiuminhaltes, welcher bei der Befruchtung durch den Befruchtungs- 
schlauch in die Oosphare des Oogoniums entleert wird (vgl. Periplasma). ( 7 ’.) 

Gonotokont (TJr-Mutterzellen der Gonen nach Lotsy, in Flora, Bd. 93, 
1904). Ein gemeinsamer Name wurde fiir sie eingefiihrt, weil sie sich durch 
zwei aufeinanderfolgende Teilungen in sehr charakteristischer und spezifischer 
Weise teilen. Gregoire (Cellule 1905) schlagt vor, die G. Fleterocyten 
zu nennen, die aus ihnen nach der i. Teilung hervorgegangenen beiden Zellen 
Homoeocyten. Letztere werden vielfach auch als Dyaden bezeichnet. 
(Vgl. unter Reduktionsteilung.) [T.) 

gi'aduelle Variabilitat s. Variabilitat. 

Grana (A. Meyer, Das Chorophyllkorn, 1883) s. unter Plastiden. 

Granne, Nach H. Gluck (Stipulargebilde der Monokotyledonen, Vcrh. 
Nat-med. Verein, Heidelberg, Bd. VII, S. 27 — 29) ist die Granne morpho- 
logisch aufzufassen als eine metamorphosierte Spreite, wahrend die Deck- 
spelze morphologisch zwei miteinander versclimolzenen Stipeln entspricht, 
die aber oft noch als Stipeln endigen. {G.) 

Granula, Gi'anulatheorie (Altmann, Die Elementarorganismen u. 
ihre Bezieh. zu den Zellen, 1890). Danach soli das Plasma aus kleinen Ele- 
mentarorganismen, den Bioblasten, bestehen, die in gewisser Beziehung 
den Mikroorganismen gleichwertig zu betrachten seien. Das Plasma wird daber 
als eine Kolonie von Bioblasten definiert, deren Einzel-Elemente gruppiert 
und durch indifferente Substanz verbunden sind. ( 7 ’) 

Gi'anulation s. Aggregation. 

Granules (Janse) s. Mykorrhiza. 

Grasepidermis. GROB-hat in Bibl hot., Fleft 36, 1896, far beschreibend- 
anatomisclie Zwecke eine umfassendeTerminologie der Grasblattepidermis geschaffen, 


282 


Glandula — Gnesiogamie. 


Glandula; i. d. Orchideenbliite, s. d.; 2. = Driisenhaar s. Drlise. 
Gians s. Polykarpium. 

Glanzkorper: Kleine Korper unbekannter Natur in den Rhizoiden 
der Characeen, vielleicht als Statolith en« dienend (s. Zacharias, B. Z., 
1888, J. w. B., XX, Giesenhagen, B. D. B, G., igoi). [T.) 

Glashaare, die haarartigen Blattspitzen gewisser xerophytischer Moose 
(z. B. Racomiiriimi ^ Barbula-Ktt^n u. a.), welche aus toten Zellen bestehen 
und wegen ihres Luftgehaltes silberweiJQ erscheinen. (Z,) 

Gleba s. Fruchtkorper der Gasteromyceten. 

Gleichgriffligkeit = Homostylie s. Heterostylie. 

Gleitbewegungen. Als G. oderKriechbewegungen faht man (im Gegen* 
satz zu den Schwimmbewegungen) die Bewegungen aiif einem Substrat 
zusammen, welche ohne Hilfe von eigenen Bewegungsorganen vcrmittelt 
werdem Hierher gehoren: i. Die Bewegungen der Bazillarien, bei welchcn 
die zur Bewegung erforderliche Reibung durch das aus den Raphen aus- 
tretende Plasma erzielt wird (vgL Bazillarien) ; 2. Die Bewegungen der Des- 
midiaceen durch Vermittlung ausgeschiedener Gallerte; 3. Die Bewegungen 
der Cyanophyceen und Beggiatoen, deren Mechanik noch der Aufklarung 
bedarf; 4. Die amoboide Bewegung, s. d. [L,) 

gleitendes Wachstum: Unter diesem Terminus faOte KRABliE alle 
dutch das Wachstum bedingten Verschiebungsprozesse von Gewebselementcn 
zusammen, bei denen ausgedehnte Wandpartien im Flachen wachstum be- 
griffen sind, was eine Verschiebung der Wande benachbarter Zellcn zur 
Folge hat. (Vgl. Krabbe, Das gleitende Wachstum usw., Berlin 1886.) (/..) 

Gleitmeclianismus : Als G. fungieren nach Hunger (Ober d. Funkt 
d. oberflachl, Schleimbild. im Pflanzenreiche, Dissertation, 1899) die Schleim- 
uberzuge junger Pflanzenteile bei W^asser- sowohl wie bei Landpflanzen, 
mdem sie es den Pflanzenteilen ermdglichen, von den an sie anstoflenden 
Gegenstanden ohne Nachteil zu erleiden, »abzugleiten«. [L) 

Gliederhaare s. Haare. 

GHederschote s. Schizokarpium. 

Glitschbewegungen s. Protoplasmabewegung. 

Globoide s. Aleuronkorner. 


Angelborsten (s. Kerner, I, 1887, S. 409) 
bezeiclinet man bei den Opuntien eine besondere Form der Trichome die 
f'^’ in ihrem oberen Teile mit nach riickwarts’ ge- 

^orper ein, abei die Fortsatze verhmdern, dai3 sie wieder herausp-leiten 

Glochiden der Salviniaceen s. unter Massulae. 

G lockenzelle der Antheridien der Pteridophyten, s. d. 

Gloeozystiden s. Hymenium, FuBnote. 

Glomerulus s. Knauel. 

Glossopodium s. Isoetaceenblatter 
Glumae s. Ahrchen der Gramineen. 

Gnesiogamie s. Bestaubung. 



284 


Grasepideniiis — Grasflurklima. 


aus der im folgenden die wichtigsten Termini herausgegriffen sind. Er unter- 
scheidet : 

1. Langzellen: langgestreckte, mit welligen Seitenwanden versehene, die 
Hauptmasse der Epidermis bildende Oberhautzellen. 

2. Querzellen: auf die Blattunterseite bescbraiikte, deutlich quer zur Langs- 
achse des Blattes gestreckte, je eine Papille tragende Zellen. 

3. bastfdrmige Epidermiszellen: langgestreckte, prosenchymatisch zu- 
gespitzte epiderraale Bastzellen, meist iiber den Bast-, aber auch iiber den Paren- 
chymstreifen des Blattes verlaufend. 

4. Blasenzellen: gleichbedeutend xnit den Gelenkzellen (siehe Gelenk- 
streifen). 

5. Kurzzellen: Gesamtbezeichnung fiir alle durch die auffallende Ktirze 
ihres Langendurchmessers ausgezeichnete Oberhautzellen. Zu diesen gehdren : 

a) die Kieselkurzzellen, Kieseizellen, Kurzzellen schlechtweg, Zwerg- 
zellen; homogene, mit einer sehr dunnen verkieselten Membran versebene Kiesel- 
korper, welche vorwiegend iiber Bast auftreten. Sie sind die einzigen Epiderniis- 
elemente,^ welche regelmaBig solid verkieseln. Nach der Form des Kieselkorpers 
unterscheidet Grob Kreuz-, Han tel- und Knotenzellen, je nachdem derselbe 
in Form von Kreuzen, Bisquits oder Hanteln, oder von drei- bis mehrknotigen 
Smbchen auftritt. In der Regel etwas quergestreckte Kieseizellen, deren Kiesel- 
kdrper sowohl von der Flache als von der Seite gesehen pferdesattelformig er- 
scheint, bezeichnet er als Sattelzelleni nur bei den Oryzeen vorkommende in 
Gestalt querliegender Hantelzellen auftietende Kieseizellen, deren MittelstUck von 
wechselnder Breite, aber stets kurz und deren Enderweiterungen an den Langs- 
seiten stets ausgerandet sind, nennt er Reiszellen, Kurzzellen mit quer- oder 
langselliptischer oder kreisrunder AuBenseite bei zylindrischerGesamtform Ellipse n- 
bzw. Kreiszellen, in Form paraUelopipedischer Stabchen oder Plattchen von 
wechselnder Gestalt auftretende Kurzzellen Stabchen- bzw. Plattchenzellen. 

b} die Korkkurzzellen: diinnwandige, in ihren auBeren Partien stark ku- 
tikularisierte, im Lumen nicht verkiesellte Kurzzellen. 

6. Zwischenzellen: Zwischen die Reiszellen einiger Oryzeen (Reis, Leersiu] 
eingeschaltete, nicht besonders verkorkte, nicht inhaltsverkieselte Kurzzellen; in 
der Regel kiirzer und diinnwandiger als die angrenzenden Langzellen. 

7* Stach elhaar e. mit elliptischer oder kreisrunder Basis aufsitzende gerade 
Oder schwachgekriimmte in eine schrag aufwarts gerichtete oder kurze, horizontale 
Spitze auslaufende Haare. 

8. Hackenhaare: kurz kegelformige, mit hackenformig umgebogener Spitze 

versehene Haare. o o 1 

9. Bors tenhaare: mit verbreitertem, polsterfreiem oder nicht verbreitertem 

sich durch eine Einschniirung vom Haarkorper absetzendem FuB und in eine lange' 
starre, gerade Borste endigend. ^ ^ 

10. Weichhaare: HaarM nicht verbreitert, vom Haarzylinder durch eine 
tinschnurung getrennt und mit meist schlangelig gewundenem Haarzylinder. 

11. Winkelhaare: kleine, zweizellige Haare mit rechtwinklig gebogener Basal- 
zelle von wechselnder Gestalt. 


Vgl. flberdies: Lohauss in Bibl. Bot. (1905). Heft 63, [F.]. 

Grasflurklima nannte Schimper (Pflanzengeogr., S. i8q) ein die Gras- 
fluren begunstigendes Klima, im Gegensatz zum Geholzklima.^ Seine wesent- 
ichen Ei^nschaften waren: haufige, wenn auch nur schwache, die Feuchtig-- 
keit des Obergrundes erhaltende Niederschlage in der Vegetationszeit und 
gleichzeitige, maCige Warme. Beinahe irrelevant seien fiir die G. die Feuchtig- 


Grasfruclit — Grundgewebshaare. 


285 


keit des Untergrundes (auBer bei grower Kapillaritat des Obergrundes), 
Trockenheit der Luft, namentlich in den Ruheperioden (Trockenheit, Winter) 
und Winde. Grasflurfeindlich sei in hdheren Breiten Trockenheit in der 
Hauptvegetationszeit der Graser (Fruhjahr, Friihsommer). — Diese angeblichen 
Beziehungen bediirfen der Bestatigung. Vgl. Geholzklima. {D.) 

Grasfrucht s. Polykarpium. 

Gi'eflfe = Pfropfung. 

Greifbewegtmgen s. Winden. 

GrenzscMcht d. Flagellaten s. Periplast. 

Gretizschicht der Samenanlagen. Die Samenanlagen der sympetalen 
Dikotyledonen besitzen meist bloB ein Integument und einen nur schwach 
entwickelten Nuzellus, sind dagegen haufig durch den Besitz einer sog. G. 
ausgezeichnet, die innerste dem Nuzellus direkt anliegende, durch ge- 
streckte, plasmareiche Zellen charakterisierte Zellschicht des Integumentes. 
Der Begriff G. ist demgemaB gleichbedeutend mit Epithel des Embryo- 
sackes (s. d,). {F.) 

Gx-enzwinkel s. Geotropismus. 

Grenzzellen s. Cyanophyceenzelle. 

Griff; i. = Spatola, s. Translatoren; 2. d. Antheridien d. Characeen s. d. 

Griffel = Stylus^ s. Gynoeceum. 

Griffelbiirste s. Bienenblumen. 

Griffelkanal s. Gynoeceum. 

Griffelpolster (Stylopodien) nennt man bei Umbelliferen die verdickten, 
driisigen Basalteile der GrifFel. (Nach Pax, S. 325.) 

Gi'iffelsaule s. Orchideenbliite. 

grofie Kurve (Periode) d. Wachstums, s. d. 

Grofifliegenblumen s. Fliegenblumen. 

Grofikern bei Desmidiaceen und Bazillariaceen. Iiii AnschluB an die Er~ 
scheinungen bei den Infusorien hat man von GroB- und Kleinkern auch bei den 
genannten pfianzlichen Organismenklassen gesprochen. Doch ist nach unseren 
jetzigen Kenntnissen eine Homologisierung sicher irrig: denn bei den erwahnten 
Algen handelt es sich einfach um die Produkte der Reduktionsteilung, die zudem 
bei den Desmidiaceen nach der Kernkopulation, bei den Bazillariaceen vor der 
Kernkopulation im Sexualvorgang oder dem ihn ersetzenden KopulationsprozeB, 
vor sich geht. Die Tatsache, daB von den vier durch die Reduktionsteilung 
ihren Ursprung nehmenden Kernen nur ein und zwei in Funktion bleiben, drei 
Oder zwei degenerieren, hat zeitweilige GroBenunterschiede veranlaBt. Die am 
Leben bleibenden Kerne sind die GroBkerne, die degenerierenden die Klein- 
kerne. — Bei den Infusorien handelt es sich um etwas ganz anderes, nainlich 
um eine Sonderung in einen » trophischen « und einen »propagatorischen« bzw. 
»idioplasmatischen« Kernanteil. [T,) i 

Grube = Fovea der Isoetaceenblatter, s. d. ; 1 . 

Gi’unblxitigkeit s. Verlaubung. 

Gi'undungung s. Wurzelknollchen der Leguminosen. 

Grunfaule s. Faule. 

Grundgewebe (Sachs) s. Gewebesystem und primare Meristeme. 

Grundgewebshaare: Bei zahlreichen Nymphaeaceen kommen im Blatt- 
und Grundgewebe eigentumlichej werastelte Sklerenchymzellen vor. welche 


286 


Grundhaut — Gynodioecie. 


mit ihren Armen in die inneren Hohlraume der Pflanze hineinragen. AuDen 
sind sie mit kleinen Knotchen besetzt, welche auf Einlagerung sehr kleiner 
Kristalle aus Calciumoxalat in die Zellwand beruhen. Diese haarahnlichen 
Zellen werden vielfach als G. oder innere Haare bezeichnet Vgl. Sole- 
reder, S. 55. (P.) 

Grundhaut des Peristoms = Basilarmembran s. Peristom. 

Grundmeristem, -parenchym s. primare Meristeme. 

Gi'undquadrat s. Sporogon der MuscL 

Grundspirale s. Blattstellung. 

Giirtel im pflanzengeographischen Sinne wurde mitunter bei der verti- 
kalen Gliederung der Vegetation von Gebirgen angewandt, Ferner bezieht 
sich der Ausdruck auch auf die ringformige Anordnung der Bestande inner- 
halb einer Forrnation und in diesem Sinne soli er nach Empfehlung des 
Internationalen Kongresses 1910 kiinftig allein gebraucht werden. Diese 
»Gurtelung« nannte CLEMENTS fruher »zonation«^ Drude sprach von »Hori- 
zonten«. [D,] 

Giii'telband, -bandachse s. Bazillarien, 

Giirtelband, -panzer der Peridineen s. unter diesen. 

Gummidriisen, -'g^nge s. Drusen. 

Gummiflufi (Gummosis): Der G. ist eine bei den Pruneen und Citrus- 
arten auftretende Erscheinung, bei welcher ansehnliche Zellenkomplexe — 
vornehmlich im jungen Holz aber auch in andereri Gewebearten — sich 
verfliissigen und eine gummiartige Masse liefern. Das Gummi arabicum ent- 
'steht durch analoge Verfliissigung in der Rinde verschiedener . 4 ^-^^z^-Arten. 
Vgl. auch Manna- und HarzfluB. [Kst.) 

Gummiharze hinterlassen bei der Losung in Wasser oder in Alkohol 
einen Riickstand, wahrend Harze in Alkohol, Gummi hingegen in Wasser 
vollstandig loslich sind. [L,] 

gummOse Degeneration s, Gummiflufi. 

Gummosis = Gummiflufi, s. d. 

Gurtungen der Trager s. mechanische Bauprinzipien. 

Guttation s. Transpiration. 

gymnokarpe Flechten s. Apothecien der Flechten. 

gymnokarpe Fruchtkorper s. Karposoma. 

Gymnoplast: Eine nackte, nicht von einer Membran umgebene Zelle, 
im Gegensatz zum Dermatoplast, womit eine mit Zellhaut versehene Zelle 
bezeichnet wird. [P] 

Gynandrie: i. das Auftreten weiblicher Bliiten an sonst mannlichen 
Bliitenstanden; 2. das Hintereinanderauftreten erst von weiblichen, dann von 
mannlichen Bliiten; 3. die Verwachsung von weiblichen und mannlichen 
•Geschlechtsorganen. (Nach KiRCHNER, S. 42.) 

gynandiische Oedogoniaceen s. Zwergmannchen. 

Gynodimorphismus (Ludwig, Biologie, 1895, S. 424): Das Auftreten 
von Individuen mit kleineren weiblichen Bliiten bei gynodioecischen Pflanzen 
(z. B. Cerastium m'vense^ Stellaria graminea^ Echium). 

Gynodioecie s. Polygamic. 


gynodyname Bliiten — Gynoeceum. 


287 


gynodyname Bliiten sind solche Zwitterbluten, in denen die weib- 
lichen Organe starker entwickelt, bzw. die mannlichen mehr minder redu- 
ziert sind. 

Gynoeceum: Vgl. auch Bltite. Die Fruchtblatter (Karpelle, Kar- 
piden) und ihre Teile werden am leichtesten verstandlich , wenn wir von 
einem Fruchtblatt oder Stempel (Pistillum) irgend einer Papilionacee 
[Pisiiin^ Phaseolus) oder einer Ranunculacee ausgehen. Hierbei sieht man 
(vgl. Fig, 139) deutlich, daB die Fruchtblatter durch Verwachsung der beiden 
Rander eines Blattes zustande gekommen sind; die Verwachsungsstelle wird 
durch die der Bliitenachse zugekehrte Naht (Sutura), die Bauchnaht, be- 
zeichnet, wahrend der Mittelnerv des Fruchtblattes Riickennaht srenannt 
wird. Der oberste, die Spitze des Fruchtblattes einnehmende, mit kleinen 
papillenformigen Zellen besetzte, haufig eine siiOe oder klebrige Flussigkeit 



139* Beispiel eines aus einem Fmchtblatt gebildeten Pistillums von Phaseolus vulgaris: 
A Querscbnitt durcb die Bliitenknospe ; I Kelcbrohre, c Petalen, f Staubfaden der aufieren 
Staubbiatter, a Antberen der inneren StaubbUtter, k Karpell, — B Langsscbnitt des Karpells, 
fr Fruclitknoten mit den Samenanlagen sh^ n Narbe. — D, E Querschnitte durch Karpelle 
verschiedenen Alters; diese sind in der Jugend nicht immer geschlossen; g der Riickeu, 
gegenuber die Bauchnaht (Nach Sachs.} 


aussondernde Teil ist die Narbe (Stigma), der darunter befindliche 
(nicht immer vorhandene) fadenformige der Griffel (Stylus), seine Hohlung 
der Gr iffelkanal, der unter diesem befindliche, angeschwollene, bauchige 
Teil der Fruchtknoten®) oder das Ovarium. Der Griffel ist einfach oder 
verzweigt (z. B. Crocus)^ er steht an dem Pistill meist terminal, seltener seit- 
lich (z. B. Fzcus^ Alckemilla-Arten) oder grundstandig (z. B. Chrysobalanus). 
Haufig sind zweispaltige Griffel [Salix], Solche Griffelaste konnen dann im 
Laufe der phylogenetischenEntwicklungwieder verwachsen. Selbstverstandlich 
fallt dieses Verwachsungsprodukt fiber die verwachsenen Rander, die Korn- 
missuren, der in Betracht kommenden Fruchtblatter. Demnach unter- 
scheidet man der Lage nach zweierlei Griffel: karinale, welche fiber die 

1) Nicht immer sind die ganzen freien Griffelenden mit Narbenpapillen besetzt, sondern 

haufig ist nur ein kleiner Teil des oberen Griffelendes imstande, die physiologische Funktion 
der Narbe zu erftillen, weshalb auch bisweilen dieser Teil allein als Narbe oder als Narben- 
gewebe bezeichnet wird. ^ ’ 1. 

2) Die Bezeichnung Fruchtknoten wird hSufig auch im Sinne von Stempel gebraucht. 


288 


Gynoeceum. 


Medianen der Fruchtblatter fallen, ohne das urspriingliche Stellungsverhaltnis 
zutn Ausdruck zu bringen, und kommissurale, welche dutch die erwahnte 
Verwachsutig entstehen (z. B. manche Salix). In sehr vielen Fallen ent- 
halten die Bliiten mehr als ein Karp ell: man bezeichnet sowohl das einzig 
vorhandene wie auch die Gesamtheit der Karpelle einer Bllite als G. Wenn 
die Karpelle frei sind, so ist das G. apokarp; wenn sie dagegen teilweise 
Oder vollstandig untereinander vereinigt sind, dann ist es synkarp. In beiden 
Fallen kann es, je nach Gestaltiing der Blutenachse, oberstandig, mitteb 
standig oder unterstandig sein. Oberstandig ist das G. bei hypogynischer, 
mittelstandig bei perigynischer, unterstandig bei epigynischer Insertion 
der iibrigen Blattgebilde der Bliite (s. Receptaculum). Je nachdem das G. 
aus ein, zwei oder viel Karpellen besteht, heiBt es monokarpisch, di~ 
karpisch,polykarpisch. — Das Ovarium ist entweder monomer (Fig, 140^), 
wenn es nur von einem Karpell gebildet wird, und dann meist einfacherig, 
wenn nicht durch Wucherung oder tiefes Einspringen der Nahte falsche 
Scheidewande entstehen, oder es ist polymer, wenn es aus mehreren 
Fruchtblattern gebildet wird. Wenn deren Rander nicht oder nur wenig nach 
innen gebogen sind, wie die Blattrander einer klappigen oder eingefaltenen 
Knospe, so bleibt es auch einfacherig [B). Wenn aber die Rander weit 
nach innen vorspringen, wird der Fruchtknoten mehrkammerig (C), und 
wenn endlich die Vereinigung aller Fruchtblattrander in der Mitte erfolgt, 
mehrfacherig (D). Die Zahl der Facher richtet sich in der Regel nach 
der Zahl der Karpelle, wenn nicht einzelne abortieren oder dutch Wucherung 
von der Riickennaht her falsche Scheidewande entstehen, welche die Zahl 
der Facher verdoppeln (so z. B. bei Limm, bei den Asperifoliaceen und 
Labiaten), in welchem Falle man die Facher als Klausen bezeichnet. Ferner 
kann der Fruchtknoten unten polymer, oben monomer sein oder auch oben 
in monomere Fruchtknoten auseinandergehen, je nachdem die Fruchtblatt- 
rander nur unten zusammenstoBen oder oberwarts die Fruchtblatter sich 
auseinander biegen. 

Es sind immer bestimmte Stellen innerhalb des Fruchtknotens, welche 
mit den Samenanlagen bedeckt sind, und diese Stellen werden generell als 
Plazenten bezeichnet, wobei man folgende Typen der Plazentation unter- 
scheiden kann: 

I. Wandstandige oder parietale (Fig. 140^.^), wenn die Samenanlagen 
an den Innenwanden der Fruchtknotenhdhle (Violaceen, Resedaceen, Orchidaceen), 
oder an den Flachen der Scheidewande, wo solche vorhanden [Papaver)^ meist 
in grofier Anzahl sichbefinden; 2. zentralwinkelstandige (Fig. i^oD)^ wenn 
■die Samenanlagen in dem gegen die Bliitenachse gekehrten, inneren Winkel der 
Facher eines mehrfacherigen Fruchtknotens sitzen (Liliaceen, Aristolochiaceen, 
Pomaceen), und 3. grundstandige beziehentlich freie zentrale Plazentation 
[S in Fig. i4i^-~C), wenn im Grunde der Fruchthohle, also auf dem Scheitel 
der hier endigenden Bliitenachse, eine einzige Samenanlage steht (Polygonaceen, 
Piperaceen, Kompositen), oder wenn auf einer kopf- oder saulenformigen Ver- 
liingerung, welche die Bliitenachse in die Fruchtknotenhohle hineinsendet, eine 
groBe Anzahl von Samenanlagen inseriert sind (Caryophyllaceen, Primulaceen). 

Entwicklungsgeschichtlich ist es von Interesse, zu wissen, oh bei diesen ver- 
schiedenen Plazentationsverhaltnissen die Samenanlage, ein Erzeiignis der Karpelle 


Gynoecie — Gynostemiiim. 


289 


Oder der BlUtenachse ist. Man kann danach (nach Frank) unterscheiden : a) karp ell- 
biirtige Samenanlagen , welche aus den Fruchtblattern entspringen, und zwar 
unter diesen wieder: randstandige (mar gin ale Plazentation) , aus den ein- 
geschlagenen Randern der 

X 



■.? r.:' 

'■v"es 







Fig. 140. Scheniatische Querschnitte dnrch Fruclitknoten: 
A monomer einfacherig , r Riicken-, h Bauchnaht, p Pla- 
zenta; B polymer einfacherig; C polymer melirkammerig, 
D polymer mehrfacherlg. (Nach Prantl.) 


Karpelle, was sowohl bei 
inonomeren Fruchtknoten als 
auch bei polymeren der Fall 
sein kann, und zwar hier 
nicht blofi bei wandstandiger 
(Violaceen, Resedaceen) son- 
dern auch bei zentralwinkel- 
standiger Plazenta ; fiachen- 
standige (laininale Pla- 
zentation) aus der Innen- 
flache der Fruchtblatthiilften 
[Butoi}ms^Papave 7 -^ Nymphaeaceen) und achselstandige, aus der Basis derKarpell- 
oberseite oder aus der Achse des Karpells entspringend, was besonders bei manchen 
monomeren Fruchtknoten der Fall ist [Ramnculus^Sedtwi^ Zanic/ie/lia) — b) achsen- 
blirtige (axile Plazentation) Samenanlagen, welche anscheinend aus der BlUtenachse 
innerhalb des Fruchtknotens entspringen, wobei 
die Karpelle keine Samenanlagen tragen; und 
zwar sind diese entweder terminal, wenn die 
Scheitelregion der BlUtenachse selbst zumNuzel- 
lus wird [Najas^ Piperaceen,Polygonaceen), oder 
lateral, wenn sie neben oder unter demScheitel 
der BlUtenachse entstehen (Caryophyllaceen). 

Auch das Gewebe der Plazenta kann eine 
Weiterentwicklung zeigen,wodurch ein ursprUng- 
lich einfiicheriger Fruchtknoten mehrfacherig 
wird, z.B, bei denCruciferen» Das aus zwei Kar^ 
pellen gebildete Ovarium besitzt zwei parietale 
Plazenten, langs welcher die Samenanlagen in 
zweiReihen angeheftet sind, DasPlazentargewebe 
zwischen diesen entwickelt sich zii einer falschen 
Scheidewand, welche an der Frucht als sog. 

Replum stehen bleibt, wahrend die eigentlichen 
Fruchtblatter vor der Fruchtreife abfallen. (Vgl, 
ferner unter Samenanlage, sowie Infloreszenz 
und Rezeptaculum der Bryophyten.) 

Gynoecie: Von G. spricht v. UexkOll 
(P hy logenie d. Bliitenformen u. d. Geschlechtsr, 
b. d. Comp., 5. igoi) dann, wenn samtliche 
Bluten eines Individuums rein weiblich sind. 

Gynomonoecie s. Polygamic. 

Gynophor s. Androphor. 

Gynostegium nennt man bei Asclepia- 
daceen den Korper, der durch Vereinigung 
der 5 taubblatter und Stempel entsteht. 

Gynostemium = GrifreIsaule, s. Orchi- 
deenblute. 

Schneider, Bot. Worterbuch, 2. Auflage. 



Fig, 141. Anagallis arvensis: A junge 
Bliitenknospe im Langs schnitt; /Kelch, 
c Korolle, a Antheren, ATFruchtknoten; 
S Plazenta j B das welter entwickelte 
Gynoeceumnach Anlegung derNarben n 
nhd der Samenanlage an der zentralen. 
Plazenta S; C das zur Befruchtung feife 
Gynoeceum, / PollenkSmer auf der 
Narbe gr Griffel, S Plazenta mit den 
Samenanlagen A* ATj D unreife Fruebt. 

(Nacb Sachs.) 

19 


290 


Haare. 


H. 


Haare oder Trichome heiflen alle diejenigen Gebilde, welche aus einer, 
seltener aus mehr als einer Epidermiszelle hervorgegangen sind, und an 
deren Erzeugung die unter der Epidermis Hegenden Gewebe nicht beteiligt 
waren, gleichgiiltig, ob das fertige Gebilde einzellig oder infolge nachtraglicher 
Teilung mehrzellig ist Die kraftigeren Oberflachengebilde der Pflanzenteile, 
besonders die sog. Stacheln, an deren Bildung sich auBer der Epidermis 
auch subepidermale Gewebe beteiligen, werden im Gegensatze zu den H. 
als Emergenzen unterschieden. Nicht immer sind die Haarbildungen haar- 


formig, sie besitzen nicht selten die Ge- 
stalt von Schuppen, Warzen, Blasen etc. 
Ebenso vielseitig wie der Bau der Haare 
ist auch ihre Funktion. 

Die einfachste Form haarfbrmiger Bil- 



Fig. 142. Stuck der Oberhaut des Blumen- 
blattes von Viola tricolor^ jede Epidermiszelle 
in eine Papille ausgewacbsen (300/1). 

(Nacb WiESNER.) 



dungen sind die papillenartigen Ausstiilpungen der Epidermiszellen vieler Blnmen- 
blatter (vgl. Fig. 142), denen diese ihr samtartiges Aussehen verdanken. Auch auf 
den Narben der Griffel ist diese Haarform sehr haufig zu finden. Man hat fttr sie 
Bezeichnung Papillen eingefiihrt und eine aus derartigen Papillen bestehende 
Uberhaut als Epithel, Blumenbla^ttepithel, bezeichnet. Auch die anderen H. 
erschcmen bei ihrer ersten Entstehung als papillenartige Ausstulpungen, sie erreichen 
aber durch weiteres Wachstum schnell groBere Lange. Diese erfolgt bald als Spitzen- 
wachstum, bald basipetal, bald interkalar. Findet nur ein solches Langenwachstum 
statt, so entstehen die sog. Wollhaare oder Filzhaare, welche friihzeitig an den 
noch in den Knospen befindlichen Blattern und Internodien vieler Gefafipflanzen ent- 
stehen und, weil sie in grofier Zahl vorhanden und durcheinander gewirrt sind 
wie ein dichter grauer oder weiBer Filz (z. B. Gnafialium leonModium) iene 
Organe bekleiden (Fig. 143).^ Wenn sie der Blattoberfiache in einer Richtung 
gat anhe^n, so bilden sie oft einen seidenglanzenden Uberzug, Seiden- 
aare (z. B. Convolvulus cneonm), Bei solchen Haariiberztigen spricht man 



liaare. 


291 


auch allgemein von Deckhaaren. Sie wirken wie ein Schirm, der das Organ 
vor direkter Insolation und ihrer transpirationssteigernden Wirkung schiitzt. 

Sehr verbreitet sind die kegelfdrmigen H., welche kiirzer und mehr gerade 
als die Wollhaare und nach oben zugespitzt sind. Man nennt sie auch wohl H. 
im engeren Sinne (Pili), Borstenhaare oder auch Borsten (Setae), wenn ihre 
Wand starker verdickt und verkieselt oder verkalkt, also hart ist. Eine besondere 
Art dieser H. sind die Brennhaare, wie sie unsere heimischen Brennesseln 
( Arten) zeigen. Das Brennhaar besteht aus einer einzigen, groBen, plasma- 
reichen Zelle, welche mit ihrem unteren, blasig erweiterten Ende, dem Bulb us, 
in eine becherartige Emergenz eingesenkt ist (Fig. 144). Da die Haarspitze in ein 
Kndpfchen endet, welches infolge streng lokalisierter Membranverdiinnung bei 
leichterBertihrung abbricht,wird eine spitze, schiefeAbbruchflache erzielt(Fig.i44^). 



Fig. 144. Brennhaar von Urticaurens (links). 
A Urtica dioica, a — h Abbruchlinie des Kbpf- 
chens, B geofFnete Brennhaarspitze. 
(Nach Haberlandt.) 



Fig. 145. Kletterhaare: A von Humuhis 
hipulus^ B von Galium aparimj C von Loasa 
hispida. (Nach Haberlandt.) 


Aus dieser ergieBt sich der hautreizende Zellinhalt in die Wunde. Ganz anders 
sind die Klimmhaare oder Kletterhaare gebaut, welche windenden oder 
kletternden Pfianzen als Haftorgane dienen (vgl. Fig. i4S)» Solche befinden sich 
z. B. auf den vorspringenden Kanten des Hopfenstengels [Humulus lupdus\ wo 
sie mit einer groBen basalen Ausbuchtung einer vorspringenden Gewebemasse ein- 
gesenkt und selbst nach zwei entgegengesetzten Richtungen in etwas hakig ge- 
kriimmte Spitzen ausgewachsen sind. Bei Galium aparine besteht das ganze Kletter- 
haar bloB aus einer einzigen, hakig nach abwarts gekriimmten Zelle (Fig. 145 B),, 
Bei Loasa sind die ein- oder zweispitzigen Widerhaken quirlfdrmig am Haar- 
zylinder angeordnet (Fig. 145 C). Verzweigte Formen der faden- oder kegelfor- 
migen H. sind auch sonst sehr verbreitet. Je nachdem zwei oder mehr Punkte 
mit gesteigertem Flachen- oder Spitzenwachstum an der Haarzelle auftreten, sind 


2^2 


Haarflieger — Haargitter. 



Fig. 146. Spindelhaar von Cheiranthis cheiri, 
(Nacli DE Bary.) 


die verzweigten Formen als Gabel-, Stern- oder Spindelhaare zu bezeichnen, 
wie sie besonders bei den Cruciferen nnd Malpighiaceen vorkommen (Fig, 146). 
Aucb die Kopf- oder Kdpfchenhaare schlieBen sich bier an (vgl auch unter 
Drusenji 

Bisher batten wir- nur einzellige H., bei denen die Epidenniszelle und das 
daraus hervorgewacbsene H. , in alien Teilen, aucb bei verzweigten Formen, ein 
einbeitlicbes Lumen aufweisen, Anders bei den mebrzelligen oder zusammen- 
gesetzten H,, wo das H. durcb Scheidewandbildung in eine Mebrzabl von Zellen 
zerfallt. Hier bat der erste Teilungsvorgang gewdbnlicb eine Scbeidung eines 

in«der Epidermis steckenden FuB- 
stuckes, FuBes, HaarfuBes, vom 
eigentlicbenKorper des H, zur Folge, 
Die den FuB umgebenden Epidermis- 
zellen weicben oft sebr von den 
iibrigen durcb ibre Form, zuweilen 
aucb durcb die Bescbaffenbeit ihrer 
Wande ab und umgeben alsNeben- 
zellen kranz- oder rosettenarfig den 
FuB desH. — Fast alle imVorstehen- 
den betracbtetenHaarformen konnen 
aucb mebrzellig auftreten. Solche finden wir als Borsten bei Gloxinia^ Cucurbitaceen, 
Solanaceen usw. Handelt es sicb um wollbaarabnlicbe, so spricbt rnan aucb 
von Gliederbaaren. Die meisten Kopfcbenbaare sind mebrzellig, wobei ent- 
weder Stiel oder Kopf oder beide mebrere Zellen zeigen. Die Blasen vieler 
Cbenopodiaceen, welch e ein abwiscbbares Mebl auf den grtinen Teilen darstellen, 

steben auf kurzen, ein- oder mebrzelligen Tr%ern. 
Als zusammengesetzte H. sind aucb die Biiscbel- 
baare zu betrachten, bei denen die baarbildende Epi- 
dermiszelle durcb Teilungen senkrecht zur Oberfiache 
des Organes mebrere Zellen erzeugt, deren jede dann 
zu einem H. auswachst wie die Wollbaare mancber 
Malvaceen. 

Ferner sind nocb folgende Haarbildungen zu er- 
wabnen: a) Scbuppen oder Scbiilfern (Squamae, 
Lepides), flacbe, bautigeGebilde,die immerausvielen, 
meist in einer Scbicbt liegenden und radial geordneten 
Zellen besteben und eine mebr minder runde, scbirm- 
formige Scbeibe darstellen, die in der Mitte einem 
sebr kurzen Stiel aufsitzt, der den Cbarakter eines 
H. Oder einer Emergenz besitzt [z. B. Elaeagneen 
(Fig. 147), yiele Oleaceen]. b) Zotten: fadenformige, 

, , zwei bis vielen Zellscbicbten bestebende, ziemlicb 

derbe Korper; sie enden bald einfach konisch, bald kopfig, bald btischelartig 
(z. B. he\ Bteraautn., Leoniodon, Solanum-Artcn usw.). c) Stacheln: harte 
stechende GebiWe, die selten (z. B. bei Huius) eigentliche Trichome sind, sondern 
Emergenzen gehoren. Die in den Dienst anderer Funktionen ge- 
stellten partypen wie Futterhaare, Hydathoden usw. siehe unter den bez 4 l. 
Stichworten. Vgl. Grasepidermis (/>.) ^ 

Haarflieger (Dingler) s. Flugorgane. 

Haargeflecht = Capillitium. 

Haargitter: Im Innem der Bltite finden sich haufig haarfdrmige Gebilde, 



Fig. 147. Schuppenhaar 
der Blattoberseite von Ifip- 
pophai rJiamnoides, 
(Nach Haeereandt.) 



Haargruben — Haftwurzeln. 


293 


die zu gitterformigen , reusenformigen und ahnlichen Gruppen vereinigt, die 
doppelte Funktion haben, langriisseligen Bestaubungsvermittlern den richtigen 
Weg zu zeigen (Saftmale usw.), andererseits aber ungebetenen Gasten den Ein- 
gang zu verwehren. Solche H. oder Haarreusen finden sich z. B. in den 
Korollen von Phlomis, Lamiunt, Leonurus^ vielen Scrophulariaceen, Verbenaceen 
usw., in wechselnder Lage und Anordnung. (Nach Ludwig.) 

Haargruben = Fasergriibchen, Conceptacula. 

Haarreusen s. Haargitter. 

Haarsprosse, Haartriebe ^ltmanns) = Trichoblasten. 

habituell = inhaerent, erblich fixiert. 

habituelle Anisophyllie s. Anisophyllie. 

habituelle Blattasymmetrie s. unter Blattform. 

Habitus nennen wir die auCere Erscheinungsform der Pflanze, welche 
von Ursprung, Zahl, Dauer und Ausbildung 
der Verzweigungssysteme, Vorhandensein 
und Menge der unwesentlichen Sprosse be- 
dingt wird. 

Hackenhaare s. GrasOpidermis. 

Hackensporangium s. Stielsporan- 
gium. 

Hadrom, H,-parenchym, -pri- 
manen, hadrozentrisch s. Leitbiindel. 

Haiftespielraum s. unter Quartil- 
bestimmung. (Vgl. auch unter Abanderungs- 
spielraum.) 

Haemagglutinine s. unter Agglutinine. 

Haematochrom s. Algenfarbstoffe. 

, Haemolysine, -toxine s. Lysine. 

Haftballen == Haftscheiben. 

Haftbliite s. Wasserbliite. 

Haftfasern = Rhizinen s. Thallus der 
Flechten. 



Fig. 148. Ampdopsis qtiinqtiefolia^ 
SproJBteil mit Ranke die diirch 
Haftscheiben an einer Steinflache be- 
festigt ist und sicb. korkzieberartig ein- 
gerollt hat. (Nach Pfeffer.) 


Haftorgane, Haftscheiben :’EinigeVitaceen (z. B. Amfelopis\n Fig. 148) 
und Bignoniaceen, welche Stengelranken ausbilden, haben sich von dtinnen Stiitzen 
unabhangig gemacht, indetn sie am Ende ihrer Ranken Haftscheiben (Haft- 
ballen, Fangscheiben) ausbilden, durch die sie befahigt werden, an Mauern 
emporzuklettern. Diese H. bilden sich entweder erst infolge des Kontaktreizes 
Oder erfahren durch diesen erst ihre vfillige Entwicklung. Die oberflachlich ge- 
legenen Zellen der H. verkleben zunachst mit der Mauer und ihre Zellen ver- 
wachsen sodann gleich Wurzelhaaren so fest mit der Unterlage, daS leichter die 
Ranke zerreifit, als sich die H. loslosen Mt. (Nach Prantl-Pax.)- 
_ Haftscheiben der phanerogamen Parasiten s. [Haustorien derselben. 

Haftwui’zeln. Fine Reihe tropischer Epiphyten (Araceen, Carludovica^ 
Clusia) zeigen in ihrem Adventivwurzelsystem eine weitgehende Arbeits- 
teilung, indem sie zwei anatomisch und physiologisch sehr versohiedene 
Wurzeltypen, Haft- und Nahrwurzein, ausbilden. Wahrend die nicht oder 
nur wenig geotropisch empfindlichen Haftwurzeln in erster Linie der Be- 
festigung des Epiphyten auf seiner Unterlage dienen, wachsen die stark positiv 


294 


Hakenkletterer — Halm. 


geotropischen Nahrwurzeln von der Hohe des Standortes senkrecht in den 
Boden, wo sie sich dutch Ausbildung von Seitenwurzeln verankern. Sie be- 
sorgen die Zuleitung der Nahrsalze zum Epiphyten. Fiir den oberirdischen, 
der Luft ausgesetzten Teil der Nahrwurzeln haben LlERAU u. Englki^ in 
Englers Jahrb. IX, 1887, S. 15 die Bezeichnung Wurzeltrager verge- 
schlagen, zum Unterschiede von den eigentlichen Nahrwurzeln im engeren 
Sinne, worunter sie die im Boden aus dem Wurzeltrager seitlich entsprln gen- 
den unterirdischen Wurzeln verstehen. Die verschiedeneFunktion und mecha- 
nische Beanspruchung beider Wurzeltypen spricht sich sehr klar in den 
weitgehenden anatomischen Unterschieden derselben aus. Die hervorragend 
auf Zugfestigkeit beanspruchte Nahrwurzel zeigt haufig machtige Entwicklung 
und Starke Lappung des Zentralzylinders als ersten Schritt einer Zerkliiftung 
desselben im Sinne einer zugfesten Kabelkonstruktion. Das Mark fehlt vielfach. 
Ihren gesteigerten Leitungsanspriichen entsprechen viel weitlumigere (im 
Maximum bis dreimal so weite), haufig auch zahlreichere Gefafie, viel zahl- 
reichere, bis fast doppelt so viel isolierte Leptomstrange und viel weitere 
Siebrohren. In der Haftwurzel tritt der Zentralzylinder der Rinde gegentiber 
mehr zuriick. Haufig ist ein diinnwandiges Mark vorhanden, wodurch der 
Zentralzylinder als zug- und bewegungsfester Hohlzylinder fungiert. Die Ge- 
fafilumina sind viel kleiner, die GefaBe vielfach auch an Zahl geringer und 
ebenso die Siebrohrenlumina und isolierten Leptomstrange. Beziigl. weiterer 
Unterschiede vgl. PoRSCH in D. Ak. Wien, 79. Bd., 1911, S. 389 ff. [Daselbst 
ausfuhrliche Literatur. (P.) 

Hakenkletterer, -klimmer s. Rankenpflanzen. 

Halbfacher s. Palmenblatter. 

Halbflechten; Zukal sagt in Flora Bd. 74, 1891, S. 92: Die flechten- 
bildenden Pilze sind von den (ibrigen Pilzen nicht scharf abgegrenzt. So gibt 
es z. B. eine Anzahl von Formen, welch e wohl ftir gewohnlich als Flechten vor- 
komnien aber doch auch zuweilen (oder haufig) ohne Algen, also als Sapro- 
phyten gefunden werden (vgl. Frank, Beitr. z. Biol. Bd. II). Wieder andere 
Pilze treten in der Regel als Saprophyten oder Parasiten auf und bilden nur ge- 
legentlich oder ausnahmsweise mit den zufallig verbundenen Algen einen Flechten- 
thallus. Endlich gibt es auch Formen, welche wohl haufig auf bestimmten Algen 
vorkommen, aber in ihrem ganzen Verhalten einem Parasiten naher stehen als 
einem flechtenbildenden Pilze. Alle solche Ascomyceten bezeichnet Zuicae als 
Halbflechten. (Z.) 

halblegitime Befruchtung; Unter h. B. fafit Loew (Blatenbiologie 1895, 
S. 223, FuBn. **) folgende drei Befruchtungsmoglichkeiten zusammen: 

1. Die legitime Befruchtung illegitim entstandener Pflanzen. 

2. Die illegitime Befruchtung illegitim entstandener Pflanzen. 

3. Die illegitime Befruchtung illegitim entstandener Pflanzen mit den Pollen 
legitim entstandener Pflanzen. Vgl. Heterostylie. (F.) 

Halbrasse s. semilatente Eigenschaften. 

Halbsaprophyten = Hemisaprophyten, s. Saprophytismus. 
Halbschmarotzer = Hemiparasiten, s. Parasitismus. 

Halbstraucher s. Holzpflanzen. 

halicole Pflanzen s. anastatische Pflanzen. , 

Halm = Culmus, s. d. 


Halmknoten — Hapteren. 


295 


Halmknoten: Bei den Gramineen ist der Stengel (Halm) an den Knoten 
mit Anschwellungen versehen, welche stets dutch die Basis der Blattscheiden 
(Schei den knoten), zuweilen auBerdem vom Stengel selbst gebildet werden 
(Halmknoten). ' 

Halobenthos s. Benthos, 
haloide Boden s. anastatische Pflanzen, 

Halonereiden s. Hydatophyten. 

halophil s. aerophil. 

halophile Pflanzen == Halophythen. 

Halophyten sind die Bewohner salzreicher Standorte. Sie kommen 
daher vor allem an den Meei'eskiisten und in ariden, meist abfluOlosen Ge~ 
bieten der Erde vor. Fiir die Struktur sehr vieler Halophyten ist Sukkulenz 
bezeichnend, ihre Physiologic ist schlecht bekannt. Gewisse Pflanzengruppen 
zeigen ausgesprochene Neigung zum Halophytismus (Chenopodiaceae, Aizoa- 
ceae, Tamaricaceae, Frankeniaceae, Zygophyllaceae, Rhizophoraceae, Plum- 
baginaceae), in anderen tritt er vereinzelt auf (z. B. Cruciferen, Umbelliferen, 
Compositen), in manchen fehlt er ganz. [D,] 

Haloplankton s. Hydatophyten. 

Hals: I. d. Mooskapsel s. Sporogon d. Musd; 2. d. Sporenknospen s. d.; 
3. =Tubulus der Perithecien, s, Asci. 

Halskanal, Halskanalzelle, Halszelle s. Archegonien und Em- 
bryosack. 

Halski’anz s. Verdauungsdriisen. 
handfSrmige Blatter s. Blattnervatur. 

Handhabe == Manubrium, s. Antheridien der Characeen. 
Hantelzellen s. Grasepidermis. 

hapaxanth (A. Braun) Pflanzen die nach einmaliger Bliite absterben 
= monokarpisch. [D.) 

Haplobionten = haplobiotische Pflanzen, s. Anabionten. 
haplochlamydeisch sind Bliiten mit einfacher Bliitenhulle. 
Haplogenese s. Diplogenese. 
haploide Generation s. Generationswechsel. 
haplokaulisch s. SproBfolge. 

Haplomeristelie s. Stele. 

Haplosporangien nennt Lotsy (Stammesgesch. I. S. 935) die von der 
x-Generation, Diplosporangien die von der 2 x-Generation gebildeten Sporan- 
gien. [K.] 

haplostel, Haplostelie s. Stele, 
haplostemone Bliiten s. diese. 

Hapteren nennt Warming (Vidensk. Selskabs Skrift 6. Rak., 1881/82) 
eigentumliche, einfache oder verzweigte Haftorgane, welche neben echten Wurzel- 
haaren an den Wurzeln von Podostemonaceen auftreten, nnr aus Parenchym be- 
stehen und an der Wurzel unterhalb der Insertion der Wurzelsprosse exogen ent- 
springen. — Als H. bezeichnet man aber auch bei epiphytisch wachsenden und 
felsbewohnenden Moosen sowie bei Algen die als Haftorgane dienenden Rhizoiden 
sowie die Haftorgane oder, Appressorien gewisser epiphyller Pflanzen (z. B. 
Ephemeropsis tjihodensis). 


2g6 


Hapteren — Hartschiclit. 


Hapteren der Flechten nennt R. Sernander (Bot Notis. 1901, S. 21 ff. 
107 fif.) Organe, welche bei den Strauchflecliten als Haftapparate dienen. Sie 
zerfallen in mehrere Gruppen, auf die hier nicht eingegangen werden kann 
(vgL Ref. V. Zahlbruckner, in Justus Jahresb.,' 1901, I. S. 59). In biologischer 
Hinsicht stellen die H. der Strauchflechten in erster Linie Schutzmittel gegen das 
LosreiBen durch Wind dar; dies trifft insbesondere in den Tundra- und Heide- 
formationen der Hochgebirge zu, Ferner treten mit Hilfe der H. in den Calhina- 
Heiden Skandinaviens die erdbewohnenden . Strauchflechten als fakultative Epi- 
phyten auf. SchlieBlich spielen die H. auch als Verbreitungsmittel eine nicht 
unbedeutende Rolle. (Z.) 

haptische Reizbarkeit s. Haptotropismus und -morphose. 

Haptomorphosen, durch Beriihrungsreize bedingte Morphosen, vgl. 
Haptotropismus und Morphosen. (Z.) 

haptophore Gruppe s. Toxin. 

Haptotaxis s. Thigmotaxis. 

Haptotropismus (Errera, B. Z. 1884, S. 584 Anm.) == Thigmotro- 
pismus (Verworn, Psycho-Phys. Protistenst. 1889) = Piesotropismus 
(Sachs); man versteht darunter die durch Kontakt- (Beriihrungs-, Kitzel-) 
reize ausgeldsten tropistischen Bewegungen. Loeb (Heliotrop. d. Tiere 1889) 
nennt speziell die durch die »bestimmte Richtung zum Substrat« charakte- 
risierte Reaktion Stereotropismus. (Vgl. auch Thigmotaxis.) Steht die 
Richtung der durch Kontaktreiz ausgelosten Kriimmungsreaktion in keiner 
Beziehung zur Reizrichtung, so spricht man von Hapto- (Thigmo-) Nastie. 
Ein typischer H. ist insbesondere den Ranken und Luftwurzeln (Wurzel- 
ranken) eigen, findet sich aber auch gelegentlich an anderen Organen 
(z. B. Cnsc7^ta~StB.mmj Avena-K^imlinge usw.). 

Die urspriingliche Unterscheidung der Ranken in einseitig und allseitig einp- 
findliche entbehrt der Berechtigung, seit Fitting den Nachweis erbrachte, daB 
in alien Fallen samtliche Flanken in gleicher Weise haptisch (== thigmisch), 
d. h.^ gegen Kontakt empfindlich sind; wahrend aber die einen [Cohaea^ Cissus] 
aliseits gleich reagieren, indem die Kontaktstelle zur Konkavseite wird, reagieren 
andere [Passiflora^ Cucurhitaceae) nicht aliseits gleich, da die Krummung bei aus- 
schlieBlicher Reizung der Oberseite vollig Oder fast vollig ausbleibt. DaB aber 
auch dieser Seite die Sensibilitat gegen Beriihrungsreize nicht abgeht, folgt daraus, 
daB eine Reizung dieser Seite die Reizkriimmung der Gegenseite verhindert. 
Somit lost die Reizung der Unterseite allein eine haptotropische Kriiminiing 
aus, wahrend die haptische Empfindlichkeit der Oberseite zu einer Hemmungs- 
reaktion fuhrt. (S. Fitting, J. w. B. Bd. 38 u. 39.) liber den Unterschied 
zwischen Kontakt- und StoBreizbarkeit vgl. unter letzterer. (L.) 

Haimionikawande d. Saugschuppen s. diese. 

harmonisches Optimum s. oekologisches 0. 

Hartbast s. Bast. 

Hartlaubgewachse = Sklerophyllen, s. diese. 

Hartschale der Sporenknospen s. diese. 

Hartschicht der Samen: Als H. bezeichnet man besonders jene Telle 
der Samenschale oder Testa, welche die eigentliche Festigkeit derselben be- 
dmgen. Meist ist die Oberhaut (Epidermis) die H., wie bei vielen Papilio- 
naceen (z. B. Pismn); oft sind aber auch eine oder mehrere tiefer liegende 


Harzbeulen — Harzgallen. 


297 


Zellschichten der Testa als H. entwickelt, besonders da, wo die Samenepi- 
dermis eine besondere Struktur zu anderen Zwecken hat (z. B* bei Lmum 
usitatissimum^ wo sie Schleim liefert), vgL Fig. 149. — Die Farben der Sameii- 
schalen haben meist in einer besonderen, ziemlich kleinzelligen Schicht, der 
Pigmentschicht [pi]^ ihren Sitz. — Haufig findet sich in den inneren Partien 
der Testa eine ein- oder mehrschichtige Lage von diinnwandigen Zellen, 
welche wahrend der Reifung des Samens in ihrem dann ziemlich weiten 
Lumen Starkekorner und andere BaustofTe enthalten; diese Inhaltsbestand- 
teile liefern das Material flir die erst spat sich vollziehende Ausbildung der 
Testa; sie sind daher im reifen Zustande daraus verschwunden und die nun 
entleerten Zellen sind oft bis zur Unkenntlichkeit zusammengedriickt; man 
kann diese Zellschicht mit Frank als Nahrschicht bezeichnen (Fig. 149?/). 
-(Nach Frank I, S. 125.) (P.) 


A . 



Fig. 149. Testa von Limm usitatissimmi mit Schleimepicleirmis: die Testa reiclit Yori c 
bis pi; q ist die von der Kutikula c iiberzogene, grobzellige Epidermis, im gequollenen Zu- 
stande ganz mit bomogenem Scbleim erfiillt; .r die Hartschicbt, aiis Sklereiden bestelicncl; 
n die Nahrschicht; pi die Pigmentschicht; p Endosperm. (Nach Frank.) 


. Harzbeulen s. HarzfluB. 

Harzflufi: Was der GummifluB bei den Steinobstgeholzen, ist (vgl. 
SORAUER 1909) der H. (Resinosis) bei den Koniferen: Dieser tritt bald im 
Flolzkorper auf, bald ergreift er Parenchym und Bastfasern der Rinde. Die 
ersten Zustande der Krankheit zeigen sich im Kienigwerden des Holzes; der 
ausgebildete Zustand besteht in Bildung groBer Mengen gleichmaBiger Harz- 
massen in verschieden groBen Hohlraumen der Achse, die gewohnlich Harz- 
beulen genannt werden. Vgl. auch GurnmifluB. [Kst] . . 

Harzgange, -kanale s. Driisen. 

Harzgallen, die an Koniferen nach Besiedelung durch Parasi ten B. 
nach Infektion von Ptmis silvestris durch Evetria resinella] Oder unabhtogig 
von solchen entstandenen, knoten- oder gallenahnlichen Harzmas^gn.; , Vgl. 
Nottberg Dissertation, Bern 1897. ( E ' st .) " ; . , : 


Harzplatten — Haustorien. 


'■298 


Harzplatten, Harztracheiden. Im Hoke der Cordaiten und unter den 
rezenten Koniferen bloD bei Agathis und Araucaria vorkommende Tracheiden^ 
welche in ihrem Inneren Harz bilden. Die Harzmasse flieOt zu Querbalken, 
den sogen. Harzplatten, zusammen, welche bei oberflachlicher Beobachtung 
Querwande vortauschen. Vgl. LOTSY, Stammesgesch. Ill, S. 20. [P) 

Haube = Calyptra, s. Sporogon der Musci. 

Haupt-AchselproduktnenntR. Wagner (Z. B. G. Wien, 1909, S. 304) 
den ersten sich in der Medianebene entwickelnden Zweig im Gegensatz zu 
den Beisprossen. 

Hauptnerven s. Blattnervatur. 

Hauptrippen s. Umbelliferenfriichte. 

Hauptsympodium nennt R. Wagner (S. Ak. Wien, Bd. CX, S. 522) 
das aus der Achsel des geforderten Vorblattes sich entwickelnde Achsen- 
system. ( W.) 

Hauptvakuole s. kontraktile Vakuole. 

Hauptvorkeim der Characeen (nach Holtz in Kryptfl. v. Brandenb. IV) : 
Bei der Keimung der Characeen bilden sich zunachst zwei Zellen aus, die eine 
ist groBer und heiBt Basalzelle, die andere linsenformig, klein und wird erste 
Knotenzelle genannt Letztere zersprengt die Schale und teilt sich in zwei 
schlauchartige Zellen, von denen sich die eine nach ab warts biegt (Primar- 
Wurzel-Zelle) und den Ausgangspunkt fur die Wurzel darstellt, wahrend die 
andere zum sogenannten »Hauptvorkeim« auswachst. Derselbe beginnt mit 
einem farblosen Glied (Dauerzelle), dann folgt ein blattloser Knoten (Wurzel- 
knoten des Vorkeims), liber diesem die erste griine, verlangerte Zelle (Inter- 
nodialzelle des Vorkeims), an welche sich eine scheibenformige Zelle (blatt- 
bildender Knoten des Vorkeims) anschlieBt. Oberhalb des Knotens be- 
findet sich die Vorkeimspitze. Die peripheren Zellen des blattbildenden Knotens 
des Vorkeims wachsen zu Blattern aus bis auf die erste, aus welcher der eigent- 
liche SproB der Characenpfianze hervorgeht, Durch Teilung dieser ersten Zellen 
wird der noch pnz im Vorkeim eingeschlossene Basilarknoten des Stengels, 
sowie der Scheitelknoten des Stengels (Vegetationszelle) mit unbegrenztem 
Teilungsvermdgen gebildet. Aus letzterer entsteht eine untere, langere Zelle 
(Internodialzelle) und eine kurzere, obere (primare Knotenzelle). In ahn- 
licher Weise erfolgt auch die Bildung der Blatter. Zu erwahnen waren die 
»akzessorischen Blatters, welche in den Quirlen von iV//<?//^-Arten auftreten. 
Sie sind den Blattern ahnliche, doch einfachere Gebilde, die wohl eine Art Neben- 
blatter darstellen. AuBerdern treten noch Neb enblatter (St ip ularb latter) auf; es 
sind einzellige, pfriemenfdrmige Gebilde, die inKreuzform gruppiert sind (Stipular- 
kreuz). (AT.) 

Hauptwurzel s. Wurzel. 

Haustorialhyphen s. Haustorien der Pike. 

Haustorien des Embryosackes. Die AufschlieBung und Leitung 
der plastischen Nahrstoffe aus dem Nuzellus und den Integumenten der Samen- 
anlage zum wachsenden Embryo und Endosperm wird bei zahlreichen Angio- 
spermen (Chori- und Sympetalen) durch eigene Saugorgane, H. vermittelh 
ftrer Entstehung nach sind dieselben sehr verschiedenartig. Im einfachsten 
Falle kann das Haustorium aus einer blasigen Auftreibung eines Embryosack- 
endes hervorgehen (Embryosackhaustorium 1. e. S. vgl. Fig. 112) oder 
es entwickelt sich aus dem Suspensor, den Antipoden oder Synergiden. Am 


Haustorien. 


299 


haufigsten entstehen jedoch die Haustorien aus dem Endosperm und die 
so entstandenen Endospermhaustorien zeigen besonders machtige Ent- 
wicklung. Bei Avicennia officinalis^ wo die Bildung der Endospermhaustorien 
zum erstenmal beschrieben wurde, wachst eine sich bald enorm vergroBernde, 
reich verzweigte, plasmareiche und vielkernige Zelle des Endospermes, die 
Kotyloide (Treub, 1883) oder cellule cotyloide, zum Haustorium aus. 
Sie durchwuchert Nuzellus und selbst Plazenta nach alien Richtungen und 
saugt die NahrstofFe fiir Embryo und Endosperm auf, dem sie dieselben zu- 
fiihrt. In der Regel bildet sich nach einer wechselnden Zahl von Zellteilungen 
des jungen Endosperms eine der Mikropylarregion oder Antipodialregion 
des Endospermes zugehorige Zelle zu je 
einem machtigen Haustorium aus. Im 
ersteren Fall entsteht ein Mikropylar- 
haustorium, im letzter en Fall e ein C h a 1 a z a- 
haustorium. Zwischen beiden liegt der 
iibrige Teil des Endosperms (Fig. 150). Das 
Mikropylarhaustorium bildet selbst wieder in 
manchen Fallen gegen die Raphe zu einen 
machtigen Seitenast, von SCHMiD als Late- 
ralhaustoriumbezeichnet. Vgl. ScHMiD in 
B. Z. Bd. XX. i.Abt. 1906, WURDINGER in 
D. Ak. Wien, 85. Bd. 1910. (P.) 

Haustorien der Phanerogamen. 

An dem H. unterscheidet man einen auBer- 
halb des Wirtsorganes liegenden (extra- 
matrikalen) Teil, Haustorialknopf oder 
-anschwellung, und einen in die Wirtspfianze 
eindringenden (intramatrikalen) Teil, den 
Haustorial- oder Saugfortsatz. 1st der Durch- 
messer des befallenen Organs relativ gering, 
so umfaBt es der Haustorialknopf mit zwei 
lappenformigen »Zangenfortsatzen« 

(»replis prehenseurs«. nach Chatin), die 
aber bei . machtigeren Wirtswurzeln nicht ausgebildet werden. An der 
Ansatzfiache des H. bilden dessen Epidermiszellen eine palisadenformige 
Schicht (Haustorial- oder Ansatzpapillen), welche sich mit der Wurzel- 
rinde verkitten. Die Mitte des H. nimmt ein Komplex von netzfdrmig 
verdickten, tracheidalen Elementen ein, der einen nagelformigen UmriB 
aufweist; der verbreiterte Kopf (Tracheidenkopf) geht in einen ver- 
schmalerten Stift (Tracheidenplatte, -fortsatz) liber, welche von hya- 
inem Parenchym umgeben ist. Tracheidenplatte und der keilformige Saug- 
ortsatz sind stets parallel zur Achse der Wirtswurzel orientiert. Die hier 
verwendete Terminologie wurde von Heinricher, Beitr. z. Biol. VII, 1895, 
S. 323 speziell fiir die Rhinanthaceen-H. geschaffen. SOLMS (J. w. B. VI, 
1863) unterschied am H.: Rinde, Apikal- und Basilarregion der H. und H.- 
ortsatz. tiber die Differenzen s. Heinricher 1 . c. 

In manchen Fallen, namentlich bei den Loranthaceen bildet sich das PL 



Fig. 150. Embryosack von Euphrasia 
Rostkoviana mit einkernigem MikrO" 
pilarhaustorium (oben) , welches als 
Seitenast das 4kemige Lateralhausto- 
rium gebildet hat iind 2 kemigem Cha- 
lazahaustorium (unten), 

(Nach WURDINGER.) 


Haustorien — Hautwarzen. 


300 


Oder der Senker von einer scheibenformigen Verbreiterung des Stammchens 
(Haftscheibe) aus, welche sich der Wirtspflanze anlegt und sich in deren 
Rinde mit Hilfe verlangerter Epidermiszellen verankert. Bei Viscum spezieli 
entwickeln sich von der Basis dieses primaren Senkers ausgehend chlorophyll- 
haltige Rindenwurzeln (Rindensaugstr ange) , welche im Rindenparen- 
chym des Wirtes mehr oder minder in longitudinaler Richtung verlaufen. 
Wahrend an ihrer Unterseite stets neue sekundare Senker gebildet werden, 
entstehen auf ihrer Oberseite Adventivknospen. Die meisten Loranthaceen 
veranlassen eine gallenformige Anschwellung der infizierten Stammstelle. (VgL 
Holzrosen.) 

Bei manchen phanerogamen Parasiten lost sich das Haustorium im Wirts- 
gewebe zu pinselformigen Saugfaden auf. Im extremsten Falle (Rafflesia- 
ceen) ist der gesamte Vegetationskorper des Parasiten auf intramatrikal ver- 
laufende, myzelartige Thallusfaden reduziert S. ferner unter Praehaustorien 
und Parasitismus. (Z.) 

Haustorien der Pilze, Bei parasitischen Pilzen mit intrazellularem 
Myzel konnen samtliche Hyphen unmittelbar die Nahrung aus der Umgebung 
aufnehmen; interzellulare Myzelien bilden hingegen eigene Absorptionsorgane 
in Form blindsackartiger Ausstiilpungen, Haustorien oder Saugfortsatze, oder 
diinnwandiger Hyphenaste (Haustorialhyphen), welche in die Zellen ein- 
dringen. VgL Myzel. (Z.) 

Hautbildungsgewebe = Dermatogen, s. Umeristem. 

Hautdriisen s. Driisen. 


Hautfliiglerblumen: Gesamtbezeichnung fiir alle jene Pflanzen, deren 
Blumen an die Bestaiibung durch Hautflligler angepaflt sind. Sie zerfallen 
in Bienen- oder Immenblumen (s. Bienenblumen) , Hummelblu men 
(s. diese), Wespenblumen (s. diese) und Schlupfwespenblumen (s. diese), 
je nachdem sie vorwiegend oder ausschlieBlich von Bienen im engeren Sinne 
resp. Hummeln, Wespen oder Schlupfwespen bestaubt werden. Hierher ge- 
horen auch jene Pflanzenj deren Bliiten durch Gallwespen bestaubt werden. (All 

Hautgelenk der Spaltofifnung s. diese. 

Hautgewebe s. Gewebesystem und Hautsystem. 

HauthuUe, -schicht der Flagellaten s. Periplast. 

Hautschicht (Pringsheim, Unters. iib. Bau d, Pflz.-Zelle 8. 1854) s. 
Plasmahaut, Zytoplasmg, und Protoplasma. 

Hautsystem. Im physiologisch-anatomischen Sinne Gesamtbezeichnung 
fiir alle jene peripher gelegenen Gewebekomplexe verschiedener entwicklungs- 
geschichtlicher Herkunft, deren Haupt- oder ausschlieBliche Funktion die des 
Schutzes ist Das H. umfaBt in diesem Sinne Epidermis mit ihren verschie- 
denen Anhangsgebilden, soweit denselben eine schiitzende Funktion zukommt 
Hypoderma und Periderm (Kork, Borke). VgL Gewebesystem und die ein' 
zelnen Stichworte. [P,] 


hezeichnet Pfister (Beitr. z. vgl. Anat d, Sabaleen- 

an^'den an de Bary eigentfimliche 

f Palmen auftretende Schiilferhaare, deren bedeutend 

reduzierte Schildfiache einem emgesenkten, aus zwei bis vier Reihen abgeplatteter 
Zellen bestehenden FuBstuck aufsitzt Koop deutete sie als Hydathoden, Rudolph 



Hebelmeciianismus— Helikomorphie. 


301 


halt sie fiir einen reduzierten Rest eines ehetnaligen geschlossenen Haarfilzes. 

Vgl. Rudolph in S. Ak. Wien. 120 Bd. ipiij S. 1073). ( P .) 

Hebelmechanismus der Bliiten, s. Schlagbaummechanismus. 

Hefesprossung s. Keimung der Pilze. 

Heide: Die Heide setzt sich zusammen aus Strauchern mit dauernder 
Belaubung, die zu gesellschaftlichem, oft dicht gedrangtem Wuchse neigen. 
Die bleibenden Blatter sind von barter Textur und haufig geringem Um- 
fang, aber dann sehr zahlreich. Die Bliitenerzeugung ist meist betrachtlich. 
Die Heide ist bezeichnend fiir Winterregengebiete und gewisse tfopischc 
Hohenlagen; sie lebt oft auf nahrstoffarmen Bbden. 

Im extramediterranen Europa bezeichnet man mit PI. gewohniich die 
Assoziation der Calluna vulgaris. Sie bildet einen artenarmen Bestand im 
Bereich des ozeanischen Klimas auf nahrstoffarmer Unterlage. 

In den Mittelmeerlandern ist die Pleide eine weit verbreitetc Formation 
(»Macchie«) und zeigt bedeutende Mannigfaltigkeit je nachHdhe der Strauchcr, 
der Beimischung laubwerfender Elemente und dem Charakter der Neben- 
bestandteile; bezeichnend als solche sind Annuelle, Zwiebel- und Knollen- 
pflanzen. [D) 

Hddemoor s. Hochmoor. 

Hekistothermen s. Plydromegathermen. 

Helicismus s. Reaktion. 

Helikomoi-phie (Diels). Nach der morphologischen Verschicdenheit 
der in der Entwicklung stufenweise aufeinanderfolgenden vegetativen Organe 
lassen sich verschiedene Entwicklungsphasen unterscheiden. Sind die Diffe- 
renzen unbedeutend, so spricht GOEBEL (Organographie, S. 123) vonhomo- 
blastischer Entwicklung, sind sie auffalliger, von heteroblastischer 
Entwicklung. In diesem weitverbreiteten Falle kann man eine Jugendform 
von der Folgeform unterscheiden. DiELS ordnet beide dem alJgemeineren 
Begriffe Helikomorphie unter, worunter eine Form zu verstehen ist, die sich 
in einer bestimmten Phase der vegetativen Entwicklung — d. h. bei einem 
bestimmten (relativen) Alter — einstellt. Dann, in Obertragung, bedeutet 
der Terminus auch generell die von den Phasen — dem Alter — abhangige 
vegetative Gestaltung. Nach dem organographischen Wesen der PI. unter- 
scheidet DiELS (Jugendformen und Blutenreife, Berlin 1906), folgende lietero- 
blastien: i. H. mit getrennten Primarblattern; 2. H. mit getrennten P'olge- 
blattern; 3. H. mit Helikomorphien unbestimmten Charakters. — Zahl und 
Wesen der Helikomorphie ist bestimmt durch die Blutenreife. 

Analoge Erscheinungen im Tierreiche wurden von Boas (Festschr. f. Gkgen- 
® >^896) als Neotenien bezeichnet; sie sind dadurch charakterisiert, 

»dafi das Tier auf einer Entwicklungsstufe geschlechtsreif wird, auf welcher seine 
u rigen rgane nicht die voile Ausbildung erreicht haben und dann tiberhaupt 
erreichen*. Giard und Bonnier (Trav.delTnst.Zool. 
Lille V, 1887, S._i9s) unterschieden Neotenie (s. str. nach Kollmann) von Pro- 
genese. Jene ist die Erhaltung »infantiler« Charaktere beim Erwachsensein, 
Qiese bedeutet den Eintritt der generativen Reife vor dem Erwachsensein. FOr 
beide schwer zu trennende Erscheinungen, welche Boas unter den erweiterten 
Begriff der Neotenie subsumierte,. schlug Jaekel (Uber versch. Wege phylog. 


302 


Helio — HemmimgsstofFe. 


Entwicklung, Jena 1902) den Term. Epistase vor; er bedeutet die »Unter“ 
brechung des normalen Entwicklungsganges, das Anhalten, den Stillstand auf 
einem sonst bei normaler Entwicklung tiberschrittenen Punkte«. (Naheres bei 
Diels, 1 . c.) [L.) 

HeliO" s. Photo-. 

heliophil (Warming, 1895, S. 16): Ein Organ, das einem starken Be- 
lichtungsgrad angepaBt ist (heliophiles Blatt = Sonnenblatt). 

heliophob (Warming, 1 . c.): Ein Organ, das einem geringen Belichtungs- 
grad angepaBt ist (heliophobes Blatt = Schattenblatt). 

Heliophyten: Pflanzen sonniger Standorte. Gegensatz Skiophyten. {D.) 
Helm der Orchideenbliite s. d. 

Helminthocecidien. Die durch Wiirmer (Alchen) erzeugten Gallen 
(s. d.). [KsL] 

Helophyten, helophile Pflanzen (Sumpfpflanzen) des siiOen 
Wassers): Als H. bezeichnet Warming (Oecology 185) alle Pflanzen, die unter 
Wasser festgewurzelt oder an wasserreichen Boden gebunden sind, deren 
Laubsprosse sich aber jedenfalls wesentlich iiber die Wasserflache empor- 
heben (z. B. Phragmites^ Typka, Butomus^ Hydrocotyle vulgaris^ EriopJionmi 
vaginatum, Taxodium distichwni). Sie setzen die Rohrsiimpfe und die Wald- 
sumpfe zusammen. Fiir viele ist eine starke Plastizitat der Vegetations- 
organe je nach dem Wasserstande bezeichnend. [D) 

Helotismus (Warming) s. Symbiose. 
hemianatrope Samenanlage s. d. 
hemiangiokarpe Fungi s. Karposoma. 
hemiblastische Sphacelariaceen s. Sphacelariaceen. 
Hemiepiphyten s. Epiphyten. 
hemigamotrop s. gamotrop. 

hemigymno«(kleisto)-karpe Fungi s. Karposoma. 
Hemikryptophyten s. Wuchsformen. 
hemiorthomorph s. Anisomorphie. 
heniiorthotrop s. Anisotropic. 

Hemiparasit (Warming) s. Parasitismus und pathogen, 
hemiparasitische Pilze s. Myzel. 

Hemipterocecidien, die durch Hemipteren (Halbfliigler) erzeugten 
Gallen (s. d.) [Kst) 

Hemisaprophyten (Warming) s. Saprophytismus. 
hemisyn- (-M-, -tetra-penta-)kotyl s. Kotylvarianten. 
hemiti'ope Bliiten oder Insekten (LOEW) s. eutrope Blumen. 
hemitrope Samenanlagen s. d. 
hemizyklische Bliiten s. unter Bliite. 

Hemmungsbildung s. Hypoplasie. 

Henimungsfaktoren = Gene (s. d.), welche das »Aktivwerdeii« anderer 
Gene in irgendeiner Weise verhindern. Sie werden also eine »Latenz* 
(s. d.) dieser letzteren bedingen. Namentlich Nilson-Ehle hat bei seinen 
Untersuchungen an Avena zuerst die Aufmerksamkeit auf die Existenz von 
H. gerichtet. [T.) 

Hemmungskorper (-stoffe) s. Fermente und Katalyse. 


Hemmungswert— Heterantherie. 


303 


Hemmungswert der Antiseptica s. d. 

Hemmungsreize nennt man solche, deren Erfolg in einer Hemmung 
eines physiologischen Geschehens besteht (A.) 

Herbstholz (Strasburger, Leitungsbahnen, 1891) s. Friihlmgsholz. 

Herbstlaubfall s. LaubfalL 

Hereditat = Vererbung. 

Herkogamie: Axell (Om anordningarna for de fanerogama vaxternas 
befruktning, 1869) versteht unter H. eine Bliiteneinrichtung, bei der durch den 
Bau der Geschlechtsorgane und der ganzen Bliite homokiine Bestaubung 
(d. h. Bestaubung mit eigenem Pollen) verhindert wird. 

Nach Delpino (Ulter. osserv. in Atti del Soc. Ital. del Sci. Nat, Milano XVI. 

332) kann man vier Grade der H. unterscheiden: 

1. absolute H.: die Ubertragung des Pollens auf die Narbe kann nur 
durch Tiere bewirkt werden; Selbstbestaubung ist ausgeschlossen. 

2. zufallige H.: Insektenbesuch zur Befruchtmig der Narbe notwendig, doch 
zufallige Selbstbestaubung nicht ausgeschlossen. 

3. halbe H.: Bliiten im ersten Zustande absolut herkogam. Findet in diesem 
kein Insektenbesuch statt, so erfolgt im zvveiten Bltitenzustande durch Wachsen 
Oder Lageanderung der Bliitenteile Selbstbestaubung. 

4. verborgene H.: die H. ist wenig hervortretend. Bei Insektenbesuch 
kann sowohl Selbst- als Fremdbestaubung erfolgen. Bleibt solche aus, so tritt die 
erste spontan ein (nach Knuth), 

Hermaphroditen (Linn6): Pflanzen, in deren samtlichen Bliiten mann- 
liche und weibliche Geschlechtsorgane vorhanden sind (Zwitterbliiten), 
s. auch unter paroezische Musci. 

Hei’nie des Kohls s. Kohlhernie. 

Herpismus s. Reaktion. 

Hertzotropismus s. Reiz. 

Herzwurzel = Hauptwurzel s. WurzeL 

Hesperidium (Desvaux, Journ. bot. Ill, 1813, S. 16 1) s. Polykarpium. 

Heterantagonismus nennt Ejkman die schadigende Wirkung, die 
Vertreter verschiedener Arten (zunachst Mikroorganismen) durch ausgeschie- 
dene Stoffwechselprodukte aufeinander ausliben (vgl. Isantagonismus.) {KsL) 

Heterantherie. Einige Pollenblumen zeigen innerhalb ihrer Staub- 
blattregion eine Arbeitsteilung in dem Sinne, dafi sie mehrere Arten von 
StaubgefaBen mit verschiedener Funktion und demgemaB verschiedenem Bau 
und GroBe ausbilden. Im einfachstenFalle entwickeln sie bloB Bekostigungs- 
und Befruchtungsantheren [Commelina coelesiis^ Cassia-hxitn). Erstere, 
bisweilen durch lebhaftere Kontrastfarbe ausgezeichnet, bieten den Be- 
staubern den Nahrungspollen entweder frei ( Commelina) oder in ihrem Innern 
{Cassm-Arten] dar und sind so orientiert, daB das Insekt bei normalem 
Bliitenbesuch mit der Bauchseite die Befruchtungsantheren, mit der Mund- 
seite die Bekostigungsantheren beriihrt Da die Narbe zwischen den Be- 
fruchtungsantheren liegt, erfolgt beimBesuche der zweiten Bliite die Bestaubung. 
Andere Cassm-Arten bilden auBer den beiden genannten Antherentypen noch 
einen dritten Typus, die Anklammerungsantheren, aus, kurze, riickge- 
bildete, haufig gekriimmte und steife, unfruchtbare Staubblatten Ja, fur einige 


304 


Heterauxese — Heterogamie, 


Arten [C. obovata^ siamea) wird noch ein vierter Antherentypus angegeben, 
namlich ein stets in Einzahl vorhandenes, moglicherweise der Selbstbefruchtung 
dienendes Staubblatt (Vgi. Knuth, Handbuch III, i, S. 361 — 381.) (A) 

. Heterauxese = Heterotrophie s. Ttophie. ; 
heteraxon s. Synstigmen. . ' ’ . . 

Heteroagglutinine s. Agglutinine. 

Heteroassimilation = Fremdassimilation s. Assimilation. 

, hetei”obarisch s. homobarisch. 

heteroblastische Entwicklung s. homoblastische Entwicklung. 
heteroblastische Luftknolleu, s. Luftknollen. 
hetei*ochlamydeische Bliiten s. Perianth. 

Heterochi’omosomen s, Chromospmen. 

Heterocyteu (Gr^goire,. 1905) s. unter Gonotokonten. 
Heterodichogauiie (Errera et GEVAERT/in Bull Soc. Bot, Belg. XVI, 
1878, S. 152): Vorkommen metandrischer und metagynischer Individuen bei 
derselben Pflanzenart (z. B. Jziglans regia^ Veronica spicata), 
Heterodiodie s. unter Spore. 

Heterodistylie s. Heterostylie. 

- heterodyname Merkmalspaare (Correns) s. dominierende Merkmale. 

, Heterodynamie; Der Heterostylie verwandt, sagt Wiesner (Biologic, 
2. Aufl., 1902, S. 154) ist jene Ausbildungsweise hermaphroditischer Bltiten, in 
welcher deren mannlicher bzw, weiblicher Charakter schon auBerlich durch relativ 
Starke Entwicklung des Androceums bzw. Gynoeceums zum Ausdrucke kommt. 
Die Reduktion des naannlichen oder weiblicben Organs solcher ZwitterbKiten 
kann bis zur Funktionslosigkeit der schwacher ausgebildeten Gescblechtsorgane 
fiihren, in manchen Fallen aber dock die Fruchtbildung ermoglichen. Diese lange 
bekannte Ausbildungsweise der Bltiten soli als H. oder heterodynamischer 
Hermaphroditismus bezeichnet werden (z. B; Vith viniferd). 
heteroezische Musci s. paroezisch. 
heteroezische Uredineen s. autoezische Uredineen. 
Heterogameteu s, Befruchtungstypen der Algen. 
beterogametisch ist dasjenige Geschlecht bei diozischen Organismen, 
dessen Keimzellen zur Halfte die eigene Sexualtendenz, zur Halfte die ent- 
gegengesetzte besitzen, Mit h omogametisch wird demgegenuber das 
Geschlecht bezeichnet, dessen Keimzellen alle die gleiche Sexualtendenz 
des eigenen Geschlechts aufweisen. (R, Hertwig, Biol. C, 1912, CoRRENS, 
Vortrag Naturforscher-Vers. Munster, 1912, JOHANNSENS, Elemente II. Aufl. 
S. 601 fF. usw, S. auch unter Geschlechtsbestimmung.) (Ti) 

Heterogamie = Oogamie s. Befruchtungstypen der Algen.. 
Heterogamie: Dieser Ausdruck, sagt Masters, S. 219, soli alle jene 
Falle bezeichnen, in denen die Anordnung der Sexualorgane verschieden von 
der norrnalen ist, Es ist klar, daB in vielen Fallen keine MiBbildung, keine 
Monstrositat, sondern mehr eine Wiederherstellung von Organen, die ge- 
wohniich unterdriickt sind, vorliegt, eher eine Neigung, den Bau zu ver- 
vollstandigen als zu andern, Hierher sind also vor allem jene Falle zu rechnen, 
wo es sich urn eine Anderung des monoezischen Zustandes in den dioezischen 
Oder umgekehrt, sowie urn Anderung hermaphroditer Bluten in unisexuelle 


heterogene Induktion — Heterogenesis. 


305 


Oder umgekehrt handelt. In anderem Sinne braucht DE VriES das Wort 
(Biol. C, 1911 u. »Gruppenweise Artbildung usw.«, Berlin 1913). Dieser 
Forscher deckte namlich auf, daB unter gewissen Umstanden bei Oeno- 
theren die Eizelle andere spezifische Merknaale zu vererben scheint als die 
Pollenkorner des gleichen Individuums. Der Gegensatz zu Heterogamie ist 
Homogamie oder Isogamie. Hierbei vererben die beiderlei Geschlechts* 
zellen die gleichen Charaktere (s. auch unter Bastarde, Gomolyse, Muta- 
tion). (J.) 

heterogene Induktion (Noll, Uber heterogene Induktion, 1896, vgl 
auch in J. w. B., XXXIV, 1900, S. 496). Noll unterscheidet zwischen iso- 
gener und heterogener L >Wo eine einzelne bekannte Reizursache zur 
Einleitung (Induktion) der gan^en vollen Reizwirkung geniigt, wie es bei 
den autonyktitropischen (s. d.) Pflanzenorganen der Fall ist«, spricht Noll 
von isogener L Unter heterogener I. faOt er die Reizvorgange zusammen, 
»bei welchen zwei verschieden geartete Reizursachen an der schlieBlichen 
Reaktion sich beteiligen. So geschieht es u. a. bei den geonyktitropischen 
Pflanzen, wo das Licht als erste Reizursache den Vorgang einleitet und es 
veranlaOt, daB eine neue fremdartige Reizursache, die Gravitation, ihrerseits 
die sichtbare Reizwirkung zur Ausfiihrung bringt« ( 1 . c. S. 14). Peeffer (I, 18) 
faBt den Ausdruck h. I. allgemeiner, indem er sagt: »Eine korrekte Methodik 
wird natlirlich bei Konstanz der anderen Faktoren die Wirkung eines einzelnen 
Oder einiger Reize studieren, und in diesem Sinne darf man von einfacher 
und kombinierter Reizung (Induktion) oder von isogener und h. L 
reden. Tatsachlich ist freilich die Reizstimmung und damit der Reizerfolg 
stets von den vorausgegangenen Reizungen und Induktionen abhangig und 
so gut wie in der Lebenstatigkeit selbst, sind also in jeder Reizwirkung ver- 
schiedene Reizursachen kombimert« (Vgl. ferner Pfeffer, I. c. II, S. 618 
Anm., sowie Herbst, Biol C XIV, 1894, S. 733, und Driesch, Die organ, 
Regulat, 1901, S, 19 Anm.) (Z.) 

heterogener Kelch: Ein Kelch, der aus einem oder beiden urspriing- 
lichen Vorblattern und eigentlichen Kelchblattern zusammengesetzt ist. Im 
ersten Falle nimmt Sepalum i meist die Stelle des p-Vorblattes ein, bei 
sonst eutopisch quincuncialer Kelchdeckung fallt somit Sepalum 3 median 
nach hinten; im zweiten Falle nimmt Sepalum i die Stelle des a-Vorblattes 
ein, somit fallt Sepalum 4 median nach hinten (Primulaceenstellung). (Vgl 
R. Wagner, S. Ak. Wien Bd. CX, 1903, S, 579 ') (^) 

Heterogenesis : Unter H. (spontane Variation, heterogene 
Zeugung KCllikers, 1864, Heterogenismus HartmanNs) versteht 
Korschinsky (s. vor allem Flora, Bd. 89, 1901, S. 240—363, Naturw. Wochen- 
schr. XIV, 1899) unerwartete Auftreten einzelner Individuen unter einer 
gleichartigen Nachkommenschaft normaler Eltern, die sich von den librigen 
scharf unterscheiden. Dabei bewahten die erwachsenen Individuen alle ihre 
Eigentiimlichkeiten, die sie auch vererben, so daB sie auf diese Weise eine 
neue Rasse begriinden. Der BegrifF deckt sich mit CHARLES Darwins single 
variation und dem von deVries’ Mutation (s. unter diesen und unter 
Artbildung). (7.) 

S chne icier, Bot. Worterbuch. 3. Auflage. 


3o6 


lieterogenetisclie Bestaubung— Heteromorpliose. 


hieterogenetische Bestaubung s. Endogamie. 

heterogenetische Variationen = Mutationen s. Mutationstheorie. 
heterogene Zeugung (KOlliker), Heterogenismus (Hartmann) 
= Heterogenesis. 

Heterokarpie (Lubbock, bei LundstrOm, B. C. XXV, 1886, S. 319): 
Das Auftreten verschieden gestalteter Friichte bei derselben Spezies. Paglia 
(Aan. Bot. VII, 1910) unterscheidet folgende Falle: i. Pseudohetero- 
karpie = Ausbildung verschiedener oberirdischer Friichte auf verschiedenen 
Individuen derselben Art; 2. Echte H, = Auftreten von verschieden ge~ 
stalteten oberirdischen Friichten an demselben Individuum (man kann ins- 
besondere bei gewissen Chenopodiaceen, Compositen u. a. zweL (di-), drei- 
(tri-), selbstmehrgestaltige (polymorphe) Friichte unterscheiden); 3. Hetero- 
merikarpie (Delpino) = Auftreten verschiedener Teilfriichte in einem Meri- 
karpium; 4. Heterospermie , Ausbildung verschiedenartiger Samen in einer 
Oder in verschiedenen Friichten derselben Art; 5. Hypogeokarpie == 
Amphikarpie, d. h. Entwicklung von ober« imd unterirdischen Friichten, 
welche von verschiedenen Bliiten abstammen. (Vgl. Becker, B. B. C. XIX, 
1912, S. 21; Baar, S. Ak. Wien, Bd. CXXII, 1913; COHN, Flora VI, 1913, 
S. 51.) (i.) 

Hetero-(Homo*)karyose: Bezeichnungen fur die hetero- bzw. homo- 
typen Teilungsschritte bei der Reduktionsteilung. S. unter Karyokinese. ( 71 ) 

heterokline Bestaubung s. Bestaubung. 

heteromere Quirle s. Bliite. 

Heteromerikarpie s. Heterokarpie. 

heteromei-ischer Flechtenthallus s. Thallus der Flechten. 

Heteromesogamie (Errera et Gevaert, in Bull. Soc. Bot. Belg. XVII, 
1878, S. 147, 163): Die Individuen unterscheiden sich durch die Bestaubungs- 
einrichtungen ihrer Bluten: 

a) Auto-Allogamie: Manche Individuen einer Spezies sind fur Autogamie, 
andere fur Allogamie eingerichtet (z. B. Viola tricolor^ Erodlum ciciitarium^ Con- 
vallaria majalis), 

b) . Ho mo -Dichog ami e ^): Manche Individuen sind homogam, andere dicho- 
gam [Ajuga reptans\ 

c) Anemo-Entomophilie: Manche Individuen sind fur Insektenbestaubung, 
andere mehr fur Windbestaubung eingerichtet [Plantago media). 

d) Di-Entomophilie: Eine Gruppe von Individuen ist einer bestimmten 
Insektenklasse, eine zweite einer anderen Insektenabteilung angepaBt [Iris pseuda- 
corns mit Fiiegen- und Hummelform der Bltiten nach Muller; Prmiula fari- 
nosa mit Bienen- und Falterform). (Nach Loew.) 

Heteromorphie s. Heteromorphose und Heterostylie. 

Heteromorphose: Der Ausdruck wird in verschiedenem Sinn meist 
zur Bezeichnung von Regenerations vorgangen angewendet, durch welche 
Gebilde anderer Art zustande kommen, als entfernt worden waren (J. Loeb), 
iLTis schlagt vor, als H. diejenigen abhormen Organe an Pflanzen zu be- 
zeichnen, die von den normalen zwar durch Form, GroBe oder Stellung 


Dieser Ausdruck wurde von Delpino nicbt in diesem Sinne, sondern = Anto-Allop-amie 
gebraucht. (Err. et Gev., 1. c., S. 147.) ^ 



heteromorphotische Reize — Heterorhizie, 


307 


sich unterscheiden, aber »doch nach einer gewissen Regel angeordnet sind« 
(vgl Monstrositaten). — Pfeffer verwendet den Terminus H. gleichbedeutend 
mit Aitiomorphose (s. diese). (Ksi.) 

heteromorphotische Reize s. Reiz. 

Heterophyllie (Goebel in Schenk, Handb. d. Bot. III. i, S. 262, 1884): 
Manche Pflanzen sind dadurch ausgezeichnet, daf 3 sie (ihre Dauerformen) 
verschieden gestaltete Laubblatter ausbilden. Ein solches Verhalten wird 
als H. bezeichnet. Die voneinander abweichenden Laubblatter folgen in 
verschiedenem Alter der Pflanze aufeinander bei Eucalyptus globulus^ der 
in der Jugend ovale sitzende, spater sichelformige gestielte Blatter tragt. 
Bekannt ist die H. bei Hedera helix^ der an Bliitentrieben ganz andere Blatter 
tragt als an den kletternden Laubsprossen. In anderen 
Fallen konnen die Blattformen eine Anpassung an 
das umgebende Medium darstellen, so bei Ranun- 
ctdus aquatilis (Fig. 151), dessen schwimmende 
Blatter gelappt, dessen untergetauchte fein geschlitzt 
sind ; und dem ganz analog verhalten sich viele 
andere Wasser- und Sumpfgewachse (bes. Alisma- 
ceen und Umbelliferen; vgl. besondersH.GLtJciCs Biol, 
u. morphol. Unters. iib. Wasser- und Sumpfgew.). — 

Ferner bilden z. B. manche epiphytische Fame [Poly-' 
podizmi- und Platycerium-hxttn) abwechselnd gefie- 
derte, gestielte Blatter, welche als Assimilationsorgane 
fungieren, und ungestielte, breite, meist herzformige 
Nischenblatter (Fig. 1527V), in denen sich Humus 
sammelt oder welche, wenn sie als Mantelblatter [A] 

(auch Basalblatter oder von Arcangeli^) Conchi- 
dien genannt) dem Substrat angeschmiegt sind, selbst, 
rasch absterbend, zu Humus werden. Der so angesammelte und erzeugte 
Humus wird von den Farnwurzeln durchsetzt. Naheres besonders bei Goebel, 
1901, S. 5 3 8 ff. (Nach StrasBURGER.) ( G .) 

Heteroplasie (K 0 ster 1903) s. Hyperplasie. 

heteroplastische Transplantation s. diese. 

Heteropolie s. Synstigmen. 

Heteroprothallie s. unter Spore. 

Heterorhizie. Der Begriff H,, »Verschiedenwurzligkeit«, wurde von Neuber 
und Tschirch (vgl. Tschirch in Flora, 1905, S. 69) im Sinne einer Zweiteilung 
des Wurzelsystemes eines und desselben Pfianzenindividuums in Ernahrungs- 
und Befestigungswurzeln als eine bei Dikotylen verbreitete Erscheinung auf- 
gestellt. Die Befestigungswurzeln sollen sich von den Ernahrungswurzeln durch 
zugfesten Bau bei gleichzeitiger Reduktion des Leitungssystemes unterscheiden. 
Der zugfeste Bau kann dabei durch einen zentralen Holzkorper ohne Libriform, 
einen zentralen Libriformzylinder mit eingestreuten GefaBen oder einen zentralen 
Floizkdrper mit Libriformstreifen dargestellt sein. Mark fehlt in der Regel. Die 
Ernahrungswurzeln zeigen dagegen Forderung ihres Leitungssystemes, ein deutlich 
entwickeltes Mark ohne mechanische Elemente und bei gleichem Gesamtdurch- 



Fig. 151. Heterophyllie 
der Blatter bei Ranuncuhis 
aquatilis: iinten die fein 
zerschlitzten untergetauch- 
ten, oben die gelappten 
Schwimmblatter. [Nach 
Franke.) 


20* 


Nuov. Giorn. Bot. Ital. Bd. XXI, 1889, S. 272. 



3o8 


Heterorhizie. 


messer geringeren Durchmesser des Zentralzylinders. v. Alten wies jedoch neuer- 
dings nach, dafi die von Tschirch angegebenen Unterschiede bloB Altersunter- 
schiede desselben Wurzeltypus seien, und schlagt ftir dieselben daher nach deni 
Vorschlage von Freidenfelt den Ansdruck Dimorphism us vor. Echte H. 
findet sich nach ihm bei Dikotylen tatsachlich vor, aber im Sinne einer Arbeits- 
teilung in Bereicherungs- und Ernahrungswurzeln, welche Tschirch 

nicht beschrieben hat. Unter Bereiche- 
Tungswurzeln versteht v. Alten dicke, 
mit ausgedehntem Langenwachstum aus- 
gestattete Wurzeln mit Hdchstzahl der 
Xyiemanfange , welche der Pflanze ge- 
wissermaSen neues Erdreich erobern. Die 



\Wk. 

Wvi. 




152* A Habitusbild von JPlaty cerium alcicorne^ unten die Basal~(Maiitel-)Blat(:er die nor- 
nialen Wedel zum Teil abgescbnitten; B Stuck einer an einem Stamm emporkriecbenden 
Piianze von Folypodium rigidulum mit Niscbenblatt ]Sf. (A nacb Diels, B nach Goeijel.) 


Ernahrungswurzeln sind dagegen dflnn, mit zahlreichen Wurzelhaaren aus- 
gestattet und niedrigsten Zahlen der Xyiemanfange. Sie haben mit den. Er- 
nalnungswurzeln Tschirchs nichts gemeinsam, sondern sind hochstens mit dessen 
Befestigungswurzeln vergleichbar. Die Angaben v. Alten wurden neuerdings 
von Flaskamper und Noelle bestatigt. Vor Tschirch hat namentlich Rimeach 
bei .zahlreichen heimischen Pflanzen H. als Arbeitsteilung in Haftwurzeln 
und Zugwurzeln nachgewiesen und eingehend studiert (s. Zugwurzeln). Vgl. 


310 


heterotaktiscli— heterotype Kemteilung, 


Die verschiedenen Formen unterscheiden sich auch in der GroBe der Pollen- 
korner, den Narbenpapillen, dem Entwicklungsgrad des Leitungsgewebes, ja selbst 
in der Anordnung der Chromosomen in den Pollenmutterzellen. Nur die Be- 
fruchtung der Narbe mit dem Bliitenstaub der gleich langen bzw. gleich hoch 
inserierten Staubblatter, die sogenannte legitime Befruchtung, liefert nor- 
malen, reichlichen Samenansatz. Die Befruchtung der Narbe mit dem Bltiten- 
staub der nngleich hoch inserierten Staubblatter, die illegitime Befruchtung, 
liefert dagegen keine oder mebr oder weniger schwachliche Samen. Bei legitimer 
Bestaubung ist auch eine viel kiirzere Zeit bis zum Wachstum des Pollenschlauches 
und der Verschmelzung von Eikern und Spermakern notig als bei der illegitimen 
Bestaubung, z. B. beim Buchweizen (i8: 72 Stunden). Vgl. Stevens in Bot Gaz. 
S3- ?<i., 1912, S. 277 fif. (/’.) 

heterotaktisch (Pax, S. 148) s. Inflorescenz. 

Heterotaxie: Nach Masters (S. 182) ein Ausdruck dafiir, daO Organe 



Fig. 154. Heterotristylie (Trimorphismus) bei Lythrztm Salicaria: i langgrifFelige Bliite, 
2 mittelgrifFelige Bliite, ^ kurzgriffelige Bliite im Langsscbnitt: a Staubblatter und Griffel 
groBter Lange, b dgl. mittlerer, c dgl. geringster Lange; 4 mittelgriffelige Bliite schrag von 
vorn geseben. {Nach H. Muller.) 


an Stellen entstanden sind, sie unter normalen Verhaltnissen nicht auf- 
treten wiirden. 

heterothallisch s. Befruchtungstypen der Pilze. 

heterothermischer Boden: Nach Kra^an, in Z. B. G. Wien, XXXIII, 
1883, S. 640, kann man porose Boden, die die Sonnenwarme rasch absor- 
bieren und auf der Oberflache stark erwarmt werden, deren’ Warme aber 
durch Ausstrahlung ebenso leicht verloren geht, als h. B. bezeichnen. 

In festen Boden, Felsenboden, ist die Warmeleitungsfahigkeit groBer und 
gleichmailiger, ICra§an nennt sie (S. 623) homothermische. In ihnen 
geht die Sonnenwarme defer hinab und im Winter weniger schnell ver- 
loren. [D) 

Heterotristylie s. Heterostylie. 

heteroti’ophe Ernahrung (Heterotrophie) s. Ernahrungstypen und 
autotrophe Pflanzen. 

Heterotrophie: i. (Wiesner) s. Trophic; 2. d. Flechten s. Syntrophie. 

heterotype Kemteilung (Flemming, Arch. mikr. Anat. 1887) s. 
Karyokinese. 


Heterosis — Pleterostylie. 


3og 


V. Alten B. Z. 1909, S. 1910, 2. Abt, S. 297, Noelle daselbst 1910, 

I. Abt, S. 169 ff,, Flaskamper Flora 1910, S, iSiff, Vgl. Haftwurzeln . der 
Epiphyten. (F.) 

Heterosis (Shull in Zeitschn ind. A. u. V. Bd. 12, 1914? S. 127) = 
» Stimulus of heterozygosis«, »heterozygotic stimulation « usw. Bei Ver- 
schiedenheit der im Befruchtimgsakt verschmelzenden Gameten ist haufig 
ein Anreiz zu erhohter Stoffwechseltatigkeit fiir die Zygote gegeben. Diesen 
durch die Bastardierung gegebenen Reiz nennt Shull H. Das seit langem 
bekannte Luxuriieren (s. d.) der Bastarde ist auf solchen 3>heterotischen« 
Reiz zuriickzufiihren. Sind die Differenzen zwischen den beiden Gameten 
zu groB, erfolgt demgegeniiber gar keine innige Vereinigung der Zellinhalte 
Oder aber nur eine solche, die bald zu Storungen in der Ontogenese des 
Embryo fiihrt. Besonders interessant ist die Tatsache, daB haufig durch 
Heterosis die vegetativen Organe gegeniiber den Eltern im Wachstum ge- 
fordert sind, die Anlage der Geschlechts- 
organe bzw. ihrer Sexualzellen nicht mehr 
gelingt und so eine Sterilitat des Bastards 
resultiert. ( 7 !) 

Heterospei'mie s. Heterokarpie. 

HeteroscMzis s. unter Kernspros- 
sung. 

heterospor s. Makrosporem 

Heterostylie: Je nach den gegen- 
seitigen Langenverhaltnissen der Griffel 
und der Staubfaden bzw. der Insertions- 
hohe der StaubgefaBe unterscheidet man 
zwischen 

1. Homomorphic oder Homo- 
sty lie, wenn alle Bliiten in bezug auf 
Griffel- und Staubfadenlange bzw. Inser- 
tionshohe der Staubblatter sich gleich 
verhalten. 

2. Heteromorphieoder Heterostylie, wenn auf verschiedenen Pflanzen- 
stocken und fiir diese jeweils charakteristische Bliiten vorkommen, welche 
sich durch verschiedene Lange der Staubfaden und Griffel unterscheiden. 
Hierbei sind zwei Falle zu unterscheiden: 

a) Heterodistylie, dimorphe Heterostylie, Dimorphismus: Es 
kommen nur zwei Bliitenformen vor, solche mit langen Griffeln und kurzen 
bzw. tief inserierten Staubfaden (die langgr’iffelige Form) und solche mit 
kurzen Griffeln und langen bzw. hoch inserierten Staubfaden (die kurz- 
griffelige Form). Primula (Fig. 153), Hottonia^ Pulmonaria^ Fagopyrum 
esculenium, 

b) Heterotristylie, trimorphe Heterostylie, Trimorphismusr Es 
kommen drei verschiedene Bliitenformen vor, solche mit langem Griffel, 
kurzen und mittellangen StaubgefaBen, solche mit mittellangem Griffel, kurzen 
und langen StaubgefaBen und schlieBlich solche mit kurzem Griffel und 
mittellangen und langen StaubgefaBen. Lythrum salicaria (Fig. 154). 



Fig. i 53 ,Iieterodistylie (DimorpHsmus) 
bei Prhnula officinalis: Bliiten im Liings- 
schnitt: a lang-, <5 kurzgriiTelige Form. 
(Nach Frank:.) 


Heterozygote — Histogene. 


311 


Heterozygote s. Gameten. 

heterozyklische Bliiten s. Bltiten. 

Heterozysten = Grenzzellen s. Cyanophyceenzelle. 

Hexakotylen s. Kotylvarianten, 

hexamer s. Bliite. 

Hexenbesen (Donnerbesen, Donnerbiische) sind organoide Gallen 
(s. d.), die durch abnorme Verzweigung zustande kommen und als dichte 
besenartige oder kugelig geballte Sprofianhaufungen von den normalen Teilen 
der Wirtspflanze oft Wunderlich abstechen. Durch einen von den Gallener- 
zeugern (Milben, Exoascaceen, Uredineen) ausgehenden Reiz werden Knospen, 
die normalerweise erst im nachstfolgenden Jahre batten treiben sollen, zu 
vorzeitiger Entwicklung angeregt; ja es konnen sogar die Zweiggenerationen 
von fiinf und sechs Jahren in einer Vegeta tionsperiode vorweggenommen 
werden. Besonders weitverbreitet oder oft beschrieben sind die H. des Exoasms 
cerasi auf dem Kirschbaum und [der Melanifsorella caryophyllaceariim auf 
Abies pectinata. , [Ksti] 

Hexenringe: Das’ Myzel der im Boden vegetierenden Basidiomyceten 
wachst von der Spore aus zentrifugal weiter und -bildet, indem es* nach innen 
zu ahstirbt, eine von Jahr zu Jahr groBer werdende kreisformige Zone. Daher 
erscheinen die alljahrlich hervorwachsenden Fruchtkorper inancher Pilze in Ringen 
(vom Volk H. genannt) angeordnet (Kryptfl. Brandenb. VI, S. 35). (E) 

Hibei^nacula (LINNI^} s. Turionen. 

Hiluni = Nabel s. Samen. 

Hindernisorgane nennt Knoll (Naturforscherversammlung Wien, 1913) 
jene Bltiten von Arum^ die den im Kessel (s. unter Fliegenblumeii) der Spatba 
gefangenen Insekten am Tage des Q Zustandes des Bltitenstandes das Verlassen 
des Gefangnisses auf dem Wege zur Spadix unmoglich machen. Diese Organe 
wurden frtiher zu den Reusenapparaten gerechnet, doch konnen sie nicht als 
solche bezeichnet werden, da sie (wenigstens bei Artmt ingmm) nicht wie bei 
Aristolochia als Schranken wirken, sondern durch die fugenlose, trdpfchenbe- 
deckte Epidermis ein Anklammern der Insektenbeine verhindern imd dadurch 
zu untibersteigbaren Hindernissen werden. Erst im Zustande des Bltiten- 
standes werden diese Organe dadurch ubersteigbar, daB sich ihre Epidermis 
runzelt und dadurch ein Anklammern der Insekten mit Hilfe der Krallen ge- 
stattet. Das Verlassen des Kessels auf dem Wege tiber die Spathaoberseite 
(Innenflache der Kesselwand) wird den Insekten durch die ab warts gerichteten 
tropfchenbedeckten Papillen der Epidermis dauernd unmoglich gemacht, 

Hinterhof . der Spaltoffnung s. Spaltofifnung. 

histioide Gallen sind diejenigen, bei welchen abnorme Gewebe pro- 
duziert werden 'und die Organbildung im wesentlichen nicht alteriert wird 
(vgl. KtiSTER igi i). Hierher sind Beutel-, Umwallungs- und Markgallen (s. d.) 
zu rechnen, die Filzgallen (s. d.), Blattrandanomalien, die Pocken (s. d.) u. 
dgl. m. [Kst] 

Histogene: Gesamtbezeichnung fiir diejenigen Bildungszentren des Ur- 
meristems (s. d.), welche bestimmte Dauergewebepartien der verschiedenen 
Pflanzenorgane liefern. So ist bei Hipptiris das Protoderm das Histogen 
fiir die Epidermis, das Periblem jenes fur die primare Rinde, das Plerom 
fur den Zentralzylinder. [P,] : 


312 


Histologic — Holzelemente. 


Histologie s. Anatomie. 

histolytische Prozesse s. Nekrobiose. 

Hitzelaubfall (Wiesneh) s. Laubfall. 

Hochblatter = Brakteen, s. Bliitenstand. 

Hochblattregion s. Blattfolge. 

Hochblattstamm s. Mittelblattstamm. 

Hochmoor (Moosmoor, Sphagnummoor, Heidemoor) ist die oligo- 
trophe Formation nasser Torfbdden. Sie besteht aus gesellig wachsendem 
mm mit verhaltnismaBig wenigen, aber sehr bezeichnenden Nebenelementen, 
z. B. einigen Cyperaceen, Droseraceen, kleinen Ericaceenstrauchern. Die Forma- 
tion hangt stark vom atmospharischen Wasser ab und ist an die niederschlagreichen; 
luftfeuchten upd gleichzeitig kiihlen Gebiete der Erde gebunden. Edaphisch 
kennzeiclinet sie sich durch die Nahrsalzarmut ihrer Unterlage; gegen jede Nahr- 
salzzufuhr ist sie sehr emphndlich. Die groBte Verbreitung findet das H. auf 
der nordlichen Halbkugel, doch habeii auch das siidlichste Siidamerika, Neusee- 
land und Tasmanien Hochmoore, — Vermittelnde Stadien zwischen Hochmoor 
und Wiesenmoor (s. d.) heiBen Zwischenmoore. — Vgl. FrOh und Schroter, 
Die Moore der Schweiz^ 1904. C. A. Weber in Englers Bot Jahrb. XL, 1907, 
Beiblatt 90. [D,) 

Ho.chzuchten nennt man in der Landwirtschaft die durch scharfe Se- 
lektion sehr bedeutend verbesserten Zuchtrassen. In diesem Sinne hat DE Vries 
den Ausdruck auf Pfianzenzucht angewandt. H. als solche sind nicht kon- 
stant, sondern bleiben stets von der Zuchtwahl abhangig. Vgl. auch 
Fruwirth (Handb. d. landw. Pflanzenziichtung L, 1914, S. 15 ii. 18); libcr 
Hochzuchtregister vgl. ibidem, S. 407. (T,) 

Hof = Area s. Isoetaceenblatter. 

Hoftiipfel s. Tiipfel. 

Hoftiipfelprosenchym (Solereder) == Fasertracheiden s. Holzkorper 
und Holzprosenchym. 

Hohlscliuppen = Schlundschuppen s. d. 

Holard nennt Clements (Research Methods Oecology 1905, 32) die 
Gesamtmenge des Wassers im Boden. H. zerfallt in Chresard, die fiir die 
Pflanze aufnehmbare Menge, also den »physiologischen Wassergehalt*, und 
Echardj die von den Bodenpartikeln festgehaltene Menge. Die Ausdriicke, 
fiir die ein Bediirfnis vorhanden ist, beginnen sich in der englisch geschriebenen 
Literatur einzubiirgern. (D.) 

Holarktis s. Florenreiche. 

holoblastische Sphacelariaceen s. Sphacelariaceen. 

Holoepiphyten = Nestepiphyten (Neger, Biol., S. 443) s. Epiphyten. 

hologymnokarpe FruchtkSrper s. Karposoma. 

Holoparasit (Warming) s. Parasitismus und pathogen, 
holophytische Ernahrung = autotroph. 

Holoplanktonten s. unter Plankton. 

Holosaprophyt (Warming) s. Saprophytismus. 
holozyklische Stengelglieder s. Kaulom. 

Holzelemente: Abgesehen von den Markstrahlen unterscheidet Sanio 
im sekundaren Holzkorper folgende Systeme von Elementarorganen : I. Paren- 
chymatisches System: i. Holzparenchym, 2. Ersatzfasern; 11. Bastfaser- 


Holzfasem — Holzkorper. 


313 


ahnliches System: i. einfache; ungeteilteHoIzzellen oder Holzfasern: »Libri- 
form«, 2. gefachertes Libriform; IIL Tracheales System: i. Tracheidexiy 
2. Gefafie. Strasburger teilt (Leitungsbahnen i8gi, S. 469) die Elemente 
des Holzkorpers in ein tracheales und ein parenchymatisches System. 
Zu ersterem rechuet er die Gefaf 3 e, gefaOahnlichen Tracheiden, Tracheiden 
imd Fasertracheiden, zu letzterem das Holzparenchym, die Ersatzfasernj ge~ 
facherten Holzfasem, ungefacherten lebenden und toten Holzfasem, Sekret- 
zellen und Kristallkammerfasern. Die unter Holzkorper gegebene Dar- 
stellung stiitzt sich auf die Einteilung SaniOs, welche dem physiologischen 
Standpunkt konsequenter Rechnung tr%t, unter Beriicksichtigung der spe- 
ziellen Terminologie Strasburgers. { P .) 

Holzfasem = Libriformfasern s. Flolzkorper. 

Holzgewachse s. Flolzpflanzen. 

Holzkorpei': Die vom Verdickungsringe nach innen zu abgeschiedenen 
sekundaren Gewebe, die zusammen den H. bilden, bestehen aus mechanischen 
und stoffleitenden Elementarorganen. 

Als typische Elementarorgane des H. sind aufzufassen (vgL auch unter Holz- 
elemente): i. Die echten Libriformfasern, als spezifisch mechaniche Elemente; 
2. die mehr oder minder dlinnwandigen GefaBe und Tracheiden, als wasser- 
leitende Rdhren; 3. die Holzparenchymzellen, welche zur' Leitung und in 
noch hoherem MaBe zur Aufspeicherung von stickstofflosen Assimilaten dienen. 
Hierzu kommen noch 4. die Elemente der Holzmarkstrahlen. 

Die Libriformfasern oder Holzfasem (Libriformzellen) konnen in 
ihrer typischen Ausbildung geradezu als Bastzellen des H. bezeichnet werden. 
Sie sind (vgl. Fig. 155 und 156) stets von prosenchymatischer Gestalt, besitzen 
verdickte Wandungen mit spaitenfdrmigen, linksschiefen Tiipfeln, und ihr Inhalt 
besteht aus Luft, bisweilen auch aus geschrumpften Plasmaresten. Die W^nde 
sind in der Regel starker verholzt als die Bastzellwande. Die Holzfaser kann 
aber auch ihren lebenden Inhalt bebalten und unter Umstanden noch spSt in 
Zellteilungen eingehen, die dann zur Bildung einer gefacherten Holzfaser, 
gefacherten Libriformfaser fuhren. 

Die GefaBe und Tracheiden des H. sind in typischer Ausbildung, d. h. 
sofern sie nicht zu mechanisclien Leistungen herangezogen werden, kaum dick- 
wandiger als die gleichnamigen Elemente der primaren GefaBbtindel (s. Tracheen). 
Bei den Abietineen und auderen Koniferen, doch auch bei Hippophafi^ Salix 
fragilis und anderen Dikotylen werden die Tracheiden haufig von radialen Zellu- 
losebalken durchsetzt, die sich durch mehrere Jahresringe erstrecken konnen 
und deren Entwicklungsgeschichte noch nicht vollkommen klargestellt ist. 

Die Holzparenchymzellen entstehen durch wiederbolte Querteilungen der 
kambialen Mutterzellen. Die einzelnen Elemente sind stets langgestreckt-pris- 
matisch, in der unmittelbaren Nahe groBer GefaBe oftmals plattgedrtickt. Die 
Zellwande zeigen in den typischen Fallen eine schwache Verdickung und sind 
verholzt. Die hauptsachlich an den Radial- und Querwanden auftretenden Ttipfel 
sind immer rundlich oder elliptisch. Der Zellinhalt besteht aus einem lebenden 
Plasmaleib und zur Zeit der Winterruhe aus reichlich aufgespeicherter Starke 
oder fettem Ole. — Wenn die kambialen Mutterzellen des Holzparenchyms 
uugeteilt bieiben, was ziemlich haufig der Fall ist, dann werden Zellen gebildet, 
welche in der Beschaffenheit ihrer Wande und ihres Inhaltes, sowie auch hetreffs 
ihrer Funktion den typischen Holzparenchymzellen zwar vbilig gleichen, sich 
aber von ihnen durch ihre spindelfdrmige Gestalt unterscheiden. Sanio (in B. Z, 



314 


Holzkorper. 


.1863, S. 96) hat diese Zellen, die da; 
Oder auch vollstandig ersetzen (z. B. 
Holzparenchymersatzfasern oder 
Fig. 1.56.^). 

Im vorstehenden wurden die ly- 
pischen Elementarorgane des H. be*- 
sprochen. Nun bleiben noch die oben 
erwahnten »Ubergangsformen« zwi- 



Fig. 155. Teil eines Querschnittes durch 
Holz und Rinde eines izjahrigen Astes von 
Cytisus Laburnum (Ende Oktober). p Leit- 
parencbym, h Bastplatte, I Leptom (die 
groBeren Elemente Siebrobren), c Ver- 
dickungsring und Jungzuwachs, If Libriform, 
ni Mestom (Ersatzfasern, Holzparencbynij 
Track eiden und enge GefaBe), fh Friiblings- 
bolz (Mestom mit groBen GeMen), g Grenze 
zwischen Friiblings- und letztjahrigem Herbst- 
bolz, m Markstrahl. (Nach Haberlandt.) 


typische Holzparenchym haufig begleiten 
bei Viscuni^ Caragana arbor esc ens)<^ als 
kurz als Ersatzfasern bezeichnet (vgl. 



Fig. 156. Elemente des Holzes von Cytisus La- 
burmim (tangentialer Langsschnitt). A stttrke- 
fuhrende Ersatzfaser, B Enden zweier benacb- 
barter Holzparencbymzellen, C intermediarc 
Zellform, in ibrer oberen Halfte Ersatzfaser, 
in ibrer unteren Libriformfaser, D wasserlei- 
tende Elemente, links eineTracbeide, recbts ein 
enges GefsBglied, bei & die L ocher in den 
Wandungen der GHedeiiden; Wandiingssfcuck 
zwischen 2 Tracbeiden mit HoftUpfeln und 
Spiralfasem. (Nacb Haberlandt,) 


HolzmarkstraW — Holzpflanzen. 


315 


schen den spezifisch mechanischen tind den stofFleitenden und speichernden Ge- 
webselementen zu behandeln. Wenn sich das Libriform an der Wasserleitung be- 
teiligt Oder Tracheen sich in den Dienst der Festigung stellen, kommen schlieBlich 
Zellformen zustande, die in gleichem MaBe als wasserleitende wie als mechailische 
Eiemente fangieren. Die Zellen sind langgestreckt, prosenchymatisch zugespitzt und 
besitzen verdickte Wandungen mit groBen Hoftiipfeln. Man kann diese Eiemente 
mit PoTONii^: als Hydrostereiden bezeichnen, doch ist auch der allgemein tib- 
liche Ausdruck Fasertracheiden hinlanglich cbarakteristisch. Auch GefaBe und 
Tracheiden sind haufig durch Ubergange verbunden. Sind die Tracheiden ge- 
faBartig ausgebildet und ahnlich verdickt, so bezeichnet sie Strasburger als GefaB- 
tracheiden oder Tracheotracheiden; sind die GefaBe englumig und den 
Tracheiden ahnlich gestaltet, so nennt ersieTracheidengefaBe oder Tracheido- 
tracheen. SchlieBlich gibt es Ersatzfasern, deren eine Halfte eine typische Er- 
satzfaser, deren andere Halfte dagegen eine ebenso typische, dickwandige, prosen- 
chymatisch zugespitzte Libriformfaser darstellt (Fig. 156 (7j. 

Das Gewebe der Holzmarkstrahlen charakterisiert sich bei weitaus den 
meisten Holzarten als »Leitparenchym«; die einzelnen Zellen sind im allgemeinen 
in radialer Richtung gestreckt, entsprechend der speziellen Aufgabe der Mark- 
strahlen, den Stoffverkehr in radialer Richtung zu vermitteln. Die Zellwande 
sind gleich denen des Holzparenchyms mehr oder minder verdickt und verholzt, 
die Querwande reichlich getiipfelt. — Bei den Dikotylen sind die mittleren 
Zellreihen des Markstrahles typisch entwickelt, d. h. radial gestreckt, und dienen 
in erster Linie der Leitung und Aufspeicherung von stickstofflosen Assimilaten; 
dies sind die sog. liegenden Markstrahlzellen, von Kny Markstrahlmeren- 
chym- oder kurzweg Merenchymzellen genannt. Die den oberen oder unteren 
Rand des Markstrahles einnehmenden Zellen dagegen sind haufig durch groBere 
Hohe und geringere Lange ausgezeichnet und heifien aufrechte oder stehende 
Markstrahlzellen. Caspary nannte sie, insofern sie bei Markstrahlen von 
ungleichartigem Ban gewdhnlich den Rand derselben einnehmen, Kantenzellen, 
auch HUllzellen; Kny, welcher weniger Wert auf ihre Form als auf ihren Iticken- 
losen ZusammenschluB legt, nennt sie Markstrahlpalisaden oder kurz Pali- 
sad en. (Vgl. Kny in B. D. B. G. VIII, S, 177,) 

Wenn wir den Zusammenhang des Holzparenchyms und der Markstrahlen 
mit den GefaBen ins Auge fassen, so lassen sich beztiglich des Holzparenchyms 
zwei Typen unterscheiden. Tritt es in Form von tangentialen Binden auf, so 
lehnen sich die GefaBe an diese Binden an, oder sie erscheinen wie eingebettet. 
Sanio spricht in diesem Fall von metatrachealem Parenchym (Fig. 157^) 
(z. B. bei Ficus elastica^ Juglans regia). Dem zweiten Haupttypus gehdren jene 
Falle an, in denen das Holzparenchym, ohne tangentiale Schichten zu bilden, 
die GefaBe ganz oder teilweise umgibt: Sanios paratracheales Parenchym 
(Fig. 157^) (z. B. Gz/^^w-Arten). Da sich diese beiden Typen in der ver- 
schiedenartigsten Weise kombinieren, so kommt eine groBe Mannigfaltigkeit der 
Querschnittsbilder zustande, welche Krah (t)ber die Verteilung der parenchym. 
Eiemente in Xylem und Phloem d. dikotyl. Laubbaume, Inauguraldiss., 1883) 
durch Aufstellung zahlreicher Untertypen, auf die hier nicht eingegangen werden 
kann, systematisch zu ordnen sucht (vgl. auch Dickenwachstum). [F,] 

Holzmarksti'ahl s. Dickenwachstum und Flolzkorper. 

Holzparasiten s. Holzpflanzen. 

Holzparenchym, Holzparenchymersatzfaser s. Holzkorper. 
Holzpflanzen sind die Gewachse, die in oberirdisch perennierenden 


3i6 


Holzprosenchym. 


Stammorganen relativ umfangreiche Holzgewebe erzeugen. Man kann folgende 
Hauptformen davon unterscheiden : 

1. Wipfelbaume mit mehr oder minder hohem, unterwarts astlos werdendein 
Stamme von oft bedeutendem Dickenwachstum. Oberwarts tragt der Stamm 
eine Krone von wiederum verzweigten Asten mit dr zahlreiclien Knospen nnd 
sehr mannigfal tiger Belaubung. Diese Form ist typisch fiir die Koniferen und 
die meisten Dikotylen. 

2. Schopfbaume: Der holzige Stamm zeigt hdcbstens geringes Dicken- 
wachstum; er schlieBt mit einer standig weiter wachsenden Gipfelknospe ab, von 
deren Erzeugnissen einige (gewohnlich groBe) Blatter die jeweilige Krone bilden. 

Hierher gehoren die Baumfarne, die meisten monokotylen Baume und wenige, 
besonders den tropischen Regenwaldern eigene Dikotylen. 

3. Straucher: mit meist mehreren, von Grand an verzweigten, meist diinn 
bleibenden Holzsttomen. Die Aste mit rb zahlreicben Knospen und mannig- 
faltiger Belaubung. Eigentiimlicbe Abarten sind die apbyllen Straucher (Ruten- 
straucher) und die Bambuseenform. 

4. ‘ Halb straucher: meist niedrig, mit mehreren von Grund an verzweigten, 

verholzten Stengeln, die 
aber teilweise jahrlich oder 
nach einmaligem Bllihen 
absterben. Warming (Oeco- 
logy, S. ii) unterscheidet 
daranter den Acantha- 
ceentypus, tropischeWald- 
pflanzen mit schwacherVer- 
holzung (z. B. Acanthac., 
Rubiac., Verben.), den 
Labiate ntyp us mit nach 
deni Bltihen absterbenden 
Asten, besonders in ariden 
und halbariden Gebieten, 
die Erd halb straucher 

mit niedergeslreckten, am Boden ansgebreiteten Haiiptachsen (wie unserVacci- 
nium) und Drudes SchoBlingsstraucher mit monokarpischen Sprossen (z. B. 
Rubus). 

5. Stamm-Sukkulenten: Dickfleischige, z. T. verholzte Stammorgane be- 
sorgen die Assimilation statt der durftigen oder geschwundenen Blatter (Cacteen, 
Euphorbia, Stapelieae). 

6. Holzparasiten: (Drude in A. Schenk, Handb. III. 2, [1887] S. 488) 
parasitare Straucher wie Viscum und Loranthus. 

Fiir die verschiederien Klassen der Holzgewachse (und Stauden, vgl. auch 
hapaxanth) sind^ yerschiedene Signaturen gebrauchlich, deren Anwendung aber 
noch nicht einheitlich ist. Baume werden meist mit ^ , Straucher mit b bezeichnet. 

Man cbarakterisiert mit “t* auch allgemein die Holzgewachse, und Buchenau 
empfiehlt fiir deren Gruppen die bereits von Loudon friiher angewandten Zeichen 
Y (Baume) und y (Straucher), sowie fUr Zwergstraucher V; doch haben diese 
letzten Zeichen sich nicht eingebiirgert. (Z?,) 

Holzproseuchym: Gesamtbezeichnung fUr die faserformigen Elemente 
des Holzkorpers (s. d.), also Libriformfasern, Faserfxacheiden und Ersatzfasern, 
deren Tupfelung hohe systematische Bedeutung zukomrat. Solereder unter- 



A B 


Big"- 157 - -‘'■i irietatracheales Parenchym von Ftcrocarpus 

santalinns (Quersclinitt): mm Markstrablen, gg GefaBe, 
hh Holzparenchym; B paratracheales Parenchym von Copai- 
fera bracteata: die GefaBe gg nach der Rindenseite liiii von 
Holzparenchym mngeben (Lupenansicht). (Nach Wiesner.) 


Holzrosen — homodroni. 


317 


scheidet f(ir systematisch-anatomische Zwecke Hoftiipfelprosenchym (= Faser- 
tracheiden) und einfach getiipfeltes Prosenchym (= Holzfasern). (P.) 

Holzrosen nennt man die Gallen, welche von Loranthaceen aiif ihren 
Wirtspflanzen verursacht werden. Der infizierte Zweig des Wirtes nmwallt die 
Haftscheibe des Parasiten (Fhoradendron u. a.) und liefert dabei, entsprechend 
der Form des letzteren, strahlige, napfahnlicbe Wucherungen. Vgl. Fig. 158, 

(Ku STER I 9 1 1 . ) {Fst ) 

homalotrop (Homalotropismus): Noll bezeichnet damit Organe, 
welche miter dem EinfluB der Schwere horizontal wachsen, wie gewisse radiar 
gebaute piagiotrope Organe. (Heterog. Indukt., Leipzig 1892, S. 28, Anm.) Der 
Terminus vermochte sich nicht einzubtirgern. (Z.) 

homobarisch nennt F. W. Neger Blatter, >deren Innenraum in alien 
Teilen iiberall gleichen Luftdruck zeigt«. Ihnen stehen die heterobarischen 
Blatter gegeniiber ; infolge ge- 
ringer Wegsamkeit der Inter- 
zellularen erfolgt hier bei 
lokaler Evakuation nicht so- 
fort ein Ausgleich des Druckes 
(B. D. B. G. XXX, 1912, 

S. 190). (Z.) 

Homobium s.Symbiose. 

homoblastische Ent- 
wicklung : {Goebel , Vgl. 

Entwicklungsgesch. in Schenk, 

Handb. Bot. III., 1884, S. 157.) 

Homoblastisch ist eineEnt- 
wicklung, bei der Jugend- und 
Folgeform identisch sind oder 
unmerklich ineinander iiber- 
gehen, wahrend bei der hete- 
roblastischen beide von- 
einander abweichen. 

Im allgem einendarf man alle 
heterophyllen Gewachse auch als 
heteroblastisch bezeichnen, wahrend die iibrigen, und es ist das die weit iiberwiegende 
Mehrzahl, als homoblastisch zu bezeichnen sind. Der ganze Unterschied zwischen 
heteroblastisch und heterophyll besteht nur darin, daB der erstere Begriff sich 
auf die Entwicklung bezieht, wahrend der letztere sich lediglich auf den mor- 
phologischen Habitus bezieht. Und wenn man den dem entwicklungsgeschicht- 
lichen Terminus homoblastisch korrespondierenden morphologischen Terminus 
vermiBt, so wiirde ich vorschlagen, denselben mit homoeophyll zu bezeichnen. 

Schone Beispiele fiir heteroblastische Pfianzen bieten viele Wasser- und 
Sumpfgewachse. Vgl. unter Primarblatter, Heterophyllie und Helikomorphie. (( 9 .) 

homoblastische Knollen s. Luftknollen. 

homochlamydeische Bliiten s. Perianth. 

Homodichogamie s. Heteromesogamie. 

homodrom s. Knospenlage. 



Fig. 158. Holzrose einer Legmninose nach Entferiiimg 
des auf ihr schmarotzenden Phoradcndrofi (V3). 
(Nach Engler.) 


3i 8 homodyname Merkmalspaare — Homologie. 

homodyname Merkmalspaare (Correns) s, unter dominierende 
Merkmalspaare. 

Homoeocyteu (Gregoire Cellule 1905) s. unter Gonotokonten. 
homoeogone Merkmalspaare s. schizogone M. 
homoeomerisclier Thallus s. Thallus der Flechten. 
Homoeoplasie s. Hyperplasie. 
homoeotype Kernteilung s. Karyokinese. 

homogametisch s. unter heterogametisch und unter Geschlechtsbe- 
stimmung. 

Homogamie: i. s, Bestaubung; 2 . H. (de Vries) s. unter Heterogamie. 
homogener Generationswechsel s. Generationswechsel der Algen. 
homogene Reize s. formative Wirkungen. 

homogen er Kelch: Der Kelch einer Bltite, die Vorblatter hat oder 
be! welcher solche zu erganzen sind. (Vgi. R. Wagner, S. Ak. Wien 
Bd. CX, 1903, S. 579.) 

Homoheterostylie (Warming): das Vorkommen gleichgrifflicher und iin- 
gleichgrifflicher Bliiten bei derselben Pfianzenart. Von Warming in Gronland 
bei Menyantlies trifoliata^ einer sonst stets heterostyl dimorphen Pflanze, be- 
obachtet. [P.) 

Homoiogamie s. unter Amphimixis. 

Homokaryose s. Heterokaryose. 

homokline Bestaubung = Autogamie s. Bestaubung, 

homologe Organe sind (vgl. auch Homologie): 

A, an Gestalt und Funktion ahnliche Organe verschiedener Pflanzen- 
gruppen, die 

1. monophyletisch voneinander und derselben Grundform abstammen, 
z. B. Mikrosporangium und Pollensack (phylogenetische Homologie), oder 

2. polyphyletische Parallelbildungen in divergierenden Entwicklungsreihen, 
die vor der Entstehung des betreffenden Organs abgezweigt sind (Organi- 
sationshomo logic), z. B. die Blatter der akrogynen und anakrogynen 
Lebermoose; 

B. an Gestalt und Funktion verschiedene Organe derselben Pflanze, 
die durch Entstehung und Stellung als zur gleichen Organkategorie gehorig 
bezeichnet werden, z. B. Laubblatt und Staubblatt (nach GOEBEL aus KlRCH- 
NER, S, 44). 

homologer Generationswechsel s. Generationswechsel. 
Homologie (vgl. auch homologe Organe): Um die Bezeichnung H. nicht 
auf Gebilde gleichen phylogenetischen Ursprungs beschranken zu miissen, macht 
^RASBURGER (J. w. B. XXXVII, 1902, S. 522) den Vorschlag, den Begriff der 
H. zu ervveitern. Gebilde, die demselben Architypus angehoren, wie Kladodien, 
gevvisse Ranken usw., sollen architypische H., solche die nicht auf Blutsver- 
wandtschaft, sondern auf gemeinsamen Entwicklungsgesetzen beruhen, wie die 
^elzelligen Vegetationspunkte aller pflanzlichen Architypen, sollen phytotypische 
H. (die entsprechenden im Tierreich, wie die Gastrulen in den verschiedenen 
rchitypen der Tiere, »zootypische H.«) genannt werden. Neben diesen ware 
noch eine pantypische H. zu unterscheiden, namlich dann, wenn ein Gestaltungs- 
yorgange im ganzen organischen Reich beherrschendes Entwicklungsgesetz vor- 
legt, wie u. a. die Ubereinstimmungen in den Kernteilungsvorgangen, Ebenso 


Homomerie — Honigtau. 


319 


treten tibrigens auch Analog! en sowohl in demselben als auch in verschiedenen 
Architypen auf usw., und es konnte in einer der Terminologie bei der H. ent- 
sprechenden Weise von phytotypischer Analogic gesprochen warden, z, B. 
bei der laubartigen Ausbreitung, die fast alien im Lichte assimilierenden Pflanzen 
gemeinsam ist 

Homomerie (Plate, Vererbung-slehre 1913, S. 155). Ausdruck fiir 
die Tatsache, daD mehrere voneinandei* unabhangige Gene (s. d.) eine als 
>Einheit« zutage tretende »Eigenschaft« eines Individuums beeinflussen 
konnen (vgl. auch uiiter Polymerie). Die Gene werden dann als homo-* 
mer, d. h. als »gleichstark« (JOHANNSEN 1913) bezeichnet. ( 7 ’.) 

Homomoi^phie s. Heterostylie. 

HomophOBie. Semon (Mneme, 3. Aufl. 209) versteht darunter das Zu- 
sanimenklingen einer mnemischen und einer neuen Originalerregung oder das 
Zusammenklingen zweier mnemischer Erregungen oder zweier Originalerregungen. 
Vgl. Mneme und mnemische Erregungen. (L.) 

homoplastische TransplantatioB s. diese. 

homospore Pteridophyten s. Makrosporen. 

Homostylie s. Heterostylie. 

homotaktisch werden Bliitenstande genannt, welche nur nach einem 
Typus (racemos oder botrytisch) gebaut sind im Gegensatz zu den hetero- 
taktischen, welche beide Verzweigungsmodalitaten aufweisen. (Pax, S. 148.). 

homothallische Pilze s. Befruchtungstypen derselben. 

homothermischer Boden s. heterothermischer Boden. 

homotroper Embryo s. Embryo. 

Homozygote s. Gameten. 

Honig. Die verbreitetste Lockspeise der an die Bestaubung durch Tiere- 
angepaDten Blumen. Bei Insektenblumen meist dickfliissig, tritt er bei Vogel- 
blumen (s. diese) haufiger in dunnfliissiger Form, oft direkt einem Zucker- 
wasser vergleichbar auf. Beziiglich der verschiedenen Art der Bergung des- 
selben vgl. Nektarien und die Stichworte der bezuglichen Blumenklassen. [P.) 

Honigblatter, zu Nektarien umgebildete Bliitenblatter. 

' Honigblumen (Verhoefe, in Nov. Act. Leop.-Carol. Acad. Bd. 61, 1894,. 
Nr. 2, S. 174) nektarhaltige Bliiten ohne farbige Perigon- oder Kronblatter 
und mit klebrigen Pollen (z. B. Salix), 

Honigkriige: Bei gewissen an die Bestaubung durch Kolibris angepaJQten 
Marc^^ravia -‘Axtca linden sich unterhalb der langgestielten, doldenfbrmig ge- 
stellten BlQten kriig- oder richtiger suppenschopferformige Honigbehalter, die 
sogenannten H. welche umgewandelte Brakteen darstellen (Fig. 159). Sie sind 
so orientiert, daB die Kolibris beim Austrinken des Nektars bzw. Verzehren der- 
durch den Nektar angelockten kleinen Insekten mit der Stirne die StaubgefaBe 
oder Narben der dariiber hangenden Bliiten beriihren mlissen und so die Be- 
staubung vermitteln. (7.) * 

Honiglippe s. Orchideenbliite. 

Honigtau (nach Busgen, Biol. C. XI, 1891, S. 193): Unter H. ver- 
steht man erstens die siiOen Ausscheiduiigen, welche das Sphacelia-Stadium- 
des Mutterkornpilzes [Claviceps purpurea) auf den von ihm befallenen Gras- 
ahren veranlaBt; zweitens aber heiOen H. die durch Blattlause* hervor- 
gerufenen tJberziige einer klebrigen, ebenfalls siiBen Substanz, welche mam 



320 


Horizont—Huminelbliimen. 


im Sommer auf der Oberflache der Blatter sehr verschiedeiier Pflanzen auf- 
treten sieht. (z;) 

Horizont (Drude) s. GurteL 

Horizontalgeotropismus. Baranetzky (M^m. de Tacad, imp. Peters- 
boiarg. 1883) nahm zur Erklarung der rotierenden Nutation windender Pfl. an, 
daB eine horizontale Seitenkante unter dem EinfluB der Schwerkraft im Wachs- 
tum gefordert wird und bezeichnete diese Form des Geotropismus als Trans- 
versalgeotropismus. Da diese Bezeichnung von Frank schon in anderem 
Sinne verwendet worden war, schlug Noll (Heterogene Indukt. Lpz. 1892) daflir 
den Terminus Horizontalgeotropismus vor. (Z.) 

Hormogonien s. Konidangien. 

Hormone. Im tierischen Korper werdeh spezifisch wirkende, hypothetische 
Produkte der inneren Sekretion angenommen, 
welche die Tatigkeit einzelner Fermente ein- 
leiten oder die Funktionen aller Organe 
regulieren bzw. deren Entwicklung veranlassen 
konnen. Diese typischen »cliemische Boten« 
warden von Starling (Ergebn. d. Phys. V, 

1906, S, 664) als H. bezeichnet. Es ist zu 
erwarten, daB sie auch im Pflanzen organismus 
eine Rolle spielen. (Z.) 

Hornendosperm s. Samen. 

Horstgrenze s. Baumgrenze. 

HiillblM-tter nennt man bei den Musci 
die Blatter, welche die Sexualorgane ein- 
schlieBen. Im ubrigen wird die Bezeich- 
nung H. meist mit Deckblatter identisch 
gebraucht (ZT.) 

Hullchen = Involucella, s. Dolde. 

Hiille I. = Integument, s. Samenan- 
lage; 2. — Involucrum, s. Dolde; 3. der 
Hepaticae, s, Involucrum derselben und Marcgrama 

\ 1 -n • 1. hangender Blutenstand mit den Hoiug- 

Laulocalyx; 4. =: Pendium, s. Karposoma kriigen A. (Nach Wittmack.) 
u. Fruchtkorper d. Gasteromyceten. 

Hflllkelch: i — Involucrum s. Dolde; 2 = AuOenkelch, s. d. 

Hullplasma s. unter Peridineen. 

Hiillschlauche der Sporenknospen s. d. 

Hiillspelze s. Ahrchen der Gramineen. 

Hiillzellen (Caspary) s, Holzkorper. 

Hills e = Legumen, s. Streufrlichte. 

Hummelblumen. Als H. werden diejenigen Bienenblumen (s, d.) be- 
zeichnet, welche auf Grand ihres Bliitenbaues vorzugsweise oder ausschlieOlich 
von Hummein bestaubt werden, ffir deren Arterhaltung mithin die Hummeln 
ausschlaggebend sind. Ihre geographische Verbreitung fallt daher auch stets 
innerhalb des Areales der Hummelverbreitung. Hierher gehoren vor allem 
die Acom/z^m- Arteti mit ihren langgestielten sich dem Hummelkopf wie eine 
Gesichtsmaske anschmiegenden Nektarien (s. dort), die Acanthus- Kxitn sowie 
zahlreiche tropische Orchideen wie Stanhopea-^ Catasetum-^ Coryanthes-^ 



Humus — Hybride. 


321 


Gongora-Axitn^ welche in ihrer Bestaubung direkt von der amerikanischen 
Hummelgattung Euglossa abhangig sind. (Vgl. Bienenblumen und Futter- 
gewebe.) [P) 

Humus s. Kaustobiolith. 

Humusanzeiger (Schroeter, aus Kirchner S. 44) : Pflanzen, die nicht 
auf rein mineralischem Boden vorkommen, sondern Humus verlangen. 

Humusboden, Organo- (meist phyto-)gene Produkte der unvollstandigen 
Zersetzung heiflen Humus; sie stehen in inniger chemischer und physi- 
kalischer Wechselwirkung mit den anorganischen Bodenteilen. Am starksten 
bilden sie sich in den kiihl-feuchten Gebieten und erlangen dort groBe 
edaphische und pflanzenokologische Bedeutung. 

Je nach dem Wesen der beteiligten Organismen und der Stufe der Zer- 
setzung entstehen verschiedene Humuskorper; danach lassen sich etwa folgende 
humose Bodentypen trennen: 

1. Torf entsteht, wo durch Wasseranreicherung Sauerstoffmangel herrscht 
und die Zersetzung hindert. Viele Pflanzenreste gemengt mit sauren Humus- 
korpern bilden den Torf, einen meist dunkelfarbigen, klihlen Boden von groBer 
Wasserkapazitat aber verschiedener Leitfahigkeit fur Wasser. Torf ist die 
Unterlage der Moore. 

2. Trockentorf (Rohhrumusboden) entsteht, wo durch Verfilzung 
pflanzlicher Organe, besonders Wurzeln, Sauerstoffmangel herrscht und die 
Zersetzung hindert. Auch hier sind Pflanzenreste gemengt mit saurem Humus. 
Die tiefer iiegenden Schichten sollen durch Trockentorf stark beeinfluBt werden. 
(Bleisand-, Ortstein-Bildung.) 

3. Mullerde (gewohnlicher Humusboden) entsteht in besser durch- 
liiftetem Boden mit reicherem Bakterien- und Tierleben. Anorganische 
Bodenteile sind hier mit neutralem oder alkalischem Humus (Mull) innigst 
vermengt. Mullerde ist fiir Pflanzenwuchs (indirekt) sehr nahrhaft und physi- 
kalisch giinstig beschaffen; manche Pflanzen (Humuspflanzen) sind ganz 
auf Mullerde angewiesen. 

Der Chemismus der H. ist noch sehr ungeniigend bekannt. (Vgl 
H, POTONII^, Die rezenten Kaustobiolithe, Band II, in Abh. Kgl. PreuB. Geolog. 
Landesanst. N. F. XV, 2, 1911. Vgl Kaustobiolith.) [D.) 

Humuspflanzen s. Saprophyten. 

Humustheoide, die veraltete, von Hassenfratz begriindete Vorstellung, 
dafl die Pflanzen ihren Kohlenstoffbedarf unmitteibar aus dem Humus oder DQnger 
gewinnen. Sie wurde bereits von Ingenhousz widerlegt (vgl. Wiesner, Jan Ingen- 
Housz, Wien 1905), tauclite aber spater wieder auf, um durch die Untersuclnmgen 
von WiEGMANN u. PoLSTORFF (i 842) ibre endgflltige Widerlegung zu finden. (Czapek, 
Bloch. II, S. 835.) Die ernabrungsphysiologische Bedeutung des Plumus fOr hohere 
Pfl. ist, wie man in neuerer Zeit erkannte, eine indirekte, vermittelt durch die 
Tatigkeit der Mikroorganismen des Bodens. (Z.) 

Humuszehrex" = Humusbewohner, s. Saprophyten. 

Hungeretiolement s. Etiolement. 

Hyaloplasma s. Zytoplasma. 

Hyalozysten s. Leukozysten, FuBnote. 

Hybride s. Bastard. 

Schneider, Bot. Worterbuch, a. Auflage, 


21 


322 


Hybridisiernng — Hydathoden. 


Hybridisiernng, Hybridogamie s. Bestaubung. 

Hydathoden: Unter H, versteht man vorzugsweise an Laubblattem auf- 
tretende Sekretionsorgane, die zur Ausscheidung fiiissigen Wassers dienen, also 
als aktive, den SchweiOdriisen des tierischen Organismus vergleichbare 
Wasserdriisen fungieren. Man nnterscbeidet nach Haberlandt (1904), 
dessen Angaben wir folgen, zwei Hauptgruppen der H. 

Zunachst die »epidermalen H. ohne direkten AnschluB an das Wasserleitungs- 
system«, die entweder umgewandelte Epidermiszellen oder mehrzellige Haargebilde 
vorstellen. Als Beispiel mogen die einzelligen H. der Icacinee Gofiocaryum pyri- 
forme (Fig. 160 A — B) dienen. Jede solche Zelle gliedert sich in drei Teile. Uber 
die dicke AuBenwand ragt ein kleines Zapfchen schrag empor, dessen Spitze 
verschleimt ist. Vom Zelllumen aus durchzieht ein enger Kanal das Zapfchen 
und miindet in die Schleimpapille, bzw. direkt nach aiiBen. Dies ist der offene 
Ansfiihrungsgang der H. Der mittlere Teil besitzt die Gestalt eines vier- bis 
sechsseitigen Trichters. Der dritte untere Teil endlich stellt eine zartwandige 
Blase dar, die sich vom Trichter scharf abgrenzt. Sie diirfte bei den in der 
H. herrschenden Druck- 
schwankungen alsDruck- 
tind Volumregulator wir- 
ken. — Bei den ein- 


Eig. 160. Einzellige Hydathoden. J Langsschnittansicht, B Flachenansicht einer H. von 
Gonocarytwi pyriforme^ C eine solche von Anamirta cocculus init Filtrierapparat. 

(Nach Haberlandt.) 

zelligen H. der Menispermacee Anariirta cocculus ist in der Mitte der ver- 
dickten AuBenwand ein eigentiimlicher Filtrierapparat eingesetzt (Fig. 160 C). 
Dieser springt nach auBen als kurze MembranpapillCj nach innen als langer am 
Ende knorrig verzweigter Meinbranzapfen vor, dessen Inneres von einem engen 
Kanal durchzogen wird, in den zahlreiche Quertupfel eininiinden. — In Form 
mehrzelliger Haare treten die sogenannten Trichomhydathoden bei Phascohts 
muUiflotnts und anderen Pfianzen auf, auf deren Biattunterseiten wir gekriimmten 
plasmareichen Keulenhaaren begegnen, die als H. fungieren. 

Die zweite Gruppe bilden jene H., die sich durch ihren » direkten AnschluB 
an das Wasserleitungssystem« charakterisieren. Solche finden wir z. B. in den 
i>l‘^tteTn Yielei FmiQ [Polyp odhm-^ - Aspzdzum-j Nephrolepis-'hxttn usw.), wo sie aus 
einer in ein seichtes Griibchen eingesenkten Gruppe von epidermalen, plasma- 
reichen, zartwandigen Driisenzellen bestehen, die einem verbreiterten tracheiden- 
reichen Leitbiindelende unmittelbar aufsitzen. — Viel allgemeiner verbreitet sind 
jedoch die mit sog. Wasserspalten versehenen H., die sich bei zahlreichen 
i flanzen an den peripheren GefaBbiindelenden der Blattspitzen, Biattzahne und 
Hlattrander vorfinden. Die Tracheiden dieser meist keulig angeschwollenen Biindel- 
enden divergieren an der Endigungsstelle gewohnlich pinselartig und schieben 





Hydatopliytcn. 


323 


sich zwischen die oft gleichsinnig gestreckten Elenienie eines zartwandigen Parea*- 
chymgewebcs ein, das bis zur Epidermis reicht iind von de Bary alsKpithcm 
bezeicbnet wurde. Vor dem angrenzenden Chloropliyllparenchym zi^icbnet; sich 
das Epithem durch Kleinzelligkeit, Plasmareichtnm, relativ groBe Zellkerne imd 
mangelnden oder spiirlichen Chlorophyllgehalt atis. Es wird von einein mehr 
Oder minder reich aiisgebildeten System von 'Intcrzellnlaren durchzogen. Dicse 
sind in der Regel mit Wasscr gefiillt und m linden miter der l^pideniiis in einen 
Oder mehrere liohlniume. Darliber liegen die offenen Wasscrsp alien. Dicse 
unterscheiden sich von den typischen SpaltolTniingcn, aus denen sic phylogcne- 
tisch hervorgegangen sind, 
zunachst durch eine geringe 

Bewegiichkeit ibrer baufig \ 

auch viel groBeren SchlieB- f, 

zelien, die nicht selten iibcr- • " 

haiipt fehlt. Ks feblen ihncii 

auch die cbarakteristischen ^ 

Verdickimgsleisten der typi- // Av 

schen SchlieBzellen oder if^K 

sind wenigstens schwacher J 

ausgebiklet Vgl. Fig. 161 . ^ ^ 

Die mit ICpithemgewebe 

und Wasserspalten ver- VT ^ \ I 

sehenenHydathoclenwerden . 

als Epithembydathoden if f : kd \ 

bemdmet. _ ^ A 

Einen eigentihnlicben ^ / 

'Fypus der I L repnisentieren ~ te‘4'V-b'U F Di 

endlich die Jg. Apikal- ','WM W \ 

dffnungen derBlattspitzcn 11 

verschiedener monokotyler xV— r fLX 

Wasseriiilanzen. Ks sind ^ 11 ^ j ! 

dies auf der Blaltunterseite ^ ® ® ® 1 

liber dem Knde des Mittel- ” ® ^ u 

nervs aiiftretende, nur von J 

der Ktiiikula (iberspannte 

(Jrabchen, in welchc meist h\r, J^r. i^adialcr TJinprHsclniiU. durch dir? ICpIlIicinhydn- 
zahlreiche I’rachcidenenden thode cIuch lilaUzahucs vrm rrimnia lilnmsis; ff ohiiV(\ 
pinselartig liineinragen. liin " lilattilitciie, /. l-iilisiufcn/.di.., / Pn.lirudi-Won, mi 

J, ^ . , / yf . die IiU'erzellmarrauinc / dcs h.pithomii a grciiztiud, bamud''- 

rypitnem lenlt. [/.J WanKcrspaUc. (Mach llAijKur.ANirr.) 

Ilydatophyteii (oft 

auch Jlydrophytcnc , doch unbequem wegen der Icichtexi Verweehsitmg 
mit Hygrophyten), Wasserpflanzcn. Gcwiichsc, welchc mindcBten.s mit 
ihren vegetativen Organen im Wasser leben. CJcwdhnlich, nicht imnier, 
wird bei ih nen die ganze Korpcrobcrflaclic ziim Absorptionsorgane und 
zeigt clabei oft starkc Ausdclmung nach dein Prinzip der Obcrflachenvcr- 
gruBerung. Man trennt schwimmende H. (Plankton) und festsitzende PL 
(Benthos), 

L Schwimmende TL 

X. Mikroplankton: meist mikroskopisch Mein, ein- oder wenig-zellig, einzeln 
Oder in Kolonien frei schwimmencl, entweder im Saizwasser (Haloplankton, 




/pi ] / 

' " 1 f I 

/ 

Kig. i6r. i'tadialcr T Jinpf;Hsclnii.U; durch die? ICpIlIicinhydn- 
thode ciiicH lilaUzahucs vrm rrimnia liinmsis; a ohert*, 
n iintcrc PdattHaclic, /> ralisaditnzcllc, i IviuUnieluddcn, an 
die bilerzelliilarrauinc r dc^; ICpithomi-; a grenztiud, bchlhd''- 
zcdlc cincr WaHKcrspaltc. (Mach ilAijKKr,ANi>T.) 


324 


HydrocliariterL — Hydromegatbermen. 


pelagisches P.), im SiiBwasser (Limnoplankton, limnetisches P.) oder in 
organogen verunreinigtem Wasser (Saproplankton). Besteht aus Schizophyceen, 
Schizomyceten, Diatomeen, Peridineen und Chlorophyceen, 

2. Kryoplankton: ahnlich vorigem, auf Schneefeldern und Gletschern lebend, 
roten, braunen, grtinen oder gelben Schnee erzeugend. 

3. Makroplankton: vielzelligCj groBere Algen, meist in groBen Kolonien 
schwimmend. 

4. Hydrochariden: Vielzellige Moose oder GefaBpflanzen, entweder 

untergetaucht (z. B. Ceratophyllwn) oder einen Teil des Kdrpers an die Luft 
bringend (z. B. Hydrocliaris), 


IL Festsitzende H. 

5. Nereiden. Meist groBere, gewolinlich vielzellige Algen, die an Felsen oder 
Steinen festsitzen. Im Meere (Halonereiden) oder im SuB wasser (Limno- 
nereiden). 

6. Podostemeen, Sehr eigentiimliche Blutenpflaiizen in Butendem SiiBwasser 
auf Felsen und Steinen [Podostemon^ Hydrostachydaceae\ fast ganz tropiscb. 

7. Mikro benthos. Dahin zahlen Algen heiBer Quelien, Sandalgen an Kiisten, 
die Schizomyceten und Schizophyceen der an organogenen Stoffen reichen Ge- 
wasser. 

8. Enhaliden (Seegraser) wachsen auf lockerem Boden in Salzwasser. Algen 
finden sich bier wenige [Caulerpa-ktXjtn ^ Characeen). Die Bliitenpflanzen (Po- 
tamogetonaceen und Hydrocharitaceen) liberwiegen; sie zeigen geselligen Wuchs und 
bilden dichte grasgriine »unterseeische Wiesen«. Vgl. weiteres bei Warming, 
1. c. und bei Ascherson, in Neumeyer, Anl. wiss. Beob. auf Reisen (1875) und 
(1888). 

g. Limnaeen wachsen auf Kies, Sand, Ton oder Schlamm vollig untergetaucht, 
schwimmend oder fiutend; Characeen, gewisse Moose, einige Wasserfarne und 
Isoetes^ Bliitenpflanzen wie Potmnogeton^ Hydro charidac.^ Sparganmm^ Hydatella^ 
Nymphaeacee 7 i^ Mynop/iylkm, CallitrlcJie^ Subularia^ Elaiine^ Montia^ Lito- 
rella etc. [D.) 

Hydro chariten s. Hydatophyten. 

hydrochor (Ludwig, Lehrb. d. Biol. d. Pflanz., 1895, S. 288) sind solche 
Verbreitung-seinheiten, deren Transport durch die Stromung des Wassers 
erfolgt. 

Hydrofoliola s. Aphlebien. 

Hydrogamae s. Bestaubungsvermittler u. Wasserbliitler. 

Hydi-ogel s. Kolloid. 

Hydroidenparenchym (Potoni^, Pflanzenmorphologie, 1912, S. 192). 
Ein Parenchymgewebe, welches aus isodiametrischen Zellen besteht, von denen 
jedoch ein Teil bereits des Plasmainhaltes entbehrt und zum Schutz gegen 
ein Eingedriicktwerden nach Hydroiden-Art versteift ist, wodurch sie sich als 
Wasserspeicherzellen qualifizieren. Nach POTONII^. (P.) 

Hydrokarpie (Hansgirg, Physiol, u. phykophytol. Unters., 1893, S. 1 1): 
Ausreifen der Friichte im Wasser. 

Hydrokleistogamie (Hansgirg) s. Kleistogamie. 

Hydroklinie s. Psychroklinie. 

Hydrom (Potonie) s. GefaBe. 

Hydi oniegatliei'ineiii Warme und Feuchtigkeit sind die beiden wich- 



326 


Hygroehasie — Hymenialgonidien. 


Sporatigientrager von Phycomyces imd anderen Mucorineen (vgl. WORTMANN, 
B. Z., i88i, S. 368), sowie nach Molisch (S. Ak. Wien, Bd. 88, 1883, S. 897) 
die Hutstiele von Coprims velaris negativ hydrotropisch. (Nach Pfeffer.) 

Hygroehasie (Ascherson). Die H. besteht hauptsachlich darin, daB 
bei einigen Pflanzen aus Gebieten, in denen Trockenzeit mit Niederschlags- 
perioden abwechselt, die Fruchtstande infolge von Durchfeuchtung Be- 
wegungen ausfuhren, die die Ausstreuung der Samen oder Sporen erleichtern, 
beim Austrocknen sich aber wieder schlieBen (z. B. A 7 iastatica hicrochmtica 
[die sog. »Jerichorose«], Odontospermiim-Kxitn u. a.) Es ist dies dem Ver- 
halten der Mehrzahl der Gewachse entgegengesetzt, welche entsprechende, die 
Aussaung befordernde Bewegungen infolge des Austrocknens ihrer Gewebe 
ausfuhren — ein Verhalten, welches als Xerochasie bezeichnet wird. 

Eine sekundare H. hat zuerst Steinbrinck bei einigen Veronica-kxten imd 
bei Caltha pahstris nachgewiesen. Das Atifspringen der Kapseln, bzw. der Teil- 
frtichte, erfolgt hier zwar xerochastisch, die Ofifnimg aber erweitert sich hygro- 
chastisch, so daS nur durch Wasser (Regen, Uberschwemmungswasser) die Samen 
verbreitet werden kdnnen. (Nach Ludwig.) ^ 

Hygromorphosen (Herbst, vgl formative Reize): Morphosen (s. d.) 
infolge Wirkung feuchter Umgebung (verminderter Transpiration). [L) 
hygropliile Pflanzen = Hygrophyten. 

Hygropliyten. Landpflanzen, die an »physiologisch« feuchten Stand- 
orteii leben und sich durch hohe Wasserokonomie kennzeichnen, werden PL 
genannt. Schwache Wurzeln, langgestreckte Achsen, groI3e diinne Laiib- 
fiachen, Armut an stereomatischen Elementen sind fiir sie bezeichnend. Auch 
den Besitz von Traufelspitzen, Hydathoden,Sammtblattern hat man mit Hygro- 
phytismus in Verbindung gebracht. Vgl. SCHIMPER, Pflanzengeographie 
S, 20 fr. [D,] 

Hygroskopiekoeffizient s. Wasserhaltungsvermogen. 
hygroskopische Bewegungen sind solche, welche auf Quellung 
oder Entquellung der Zellmembranen beruhen. Je nach dem verschiedenen 
Quellungsgrad oder haufiger je nach der verschiedenen Orientienmg des 
Quellungs(Schrumpfungs*-)ellipsoids auf den antagonistischen Flanken eines 
Organs wechselt die Form und Richtung der Bewegung. Die beim Aus- 
trocknen am starksten schrumpfende Schichte wird als dynamischc oder 
Kontraktionsschichte bezeichnet, wahrend die sich am wenigsten ver- 
kiirzende Schichte das »Widerlager« darstellt. (Vgl. unter Schrumpfung 
und Kohasionsbewegung und die dort zitierte Literatur.) [L.) 

Hyloganiie s. unter Amphimixis, 

Hymenial s. Hymenophoren. 

Hymenialbulbillen s. Hymenium, FuBnote. 

Hymenialdriisen s. Hymenium. 

Hymenialgonidien: Im Innern der Sporenfrtichte verschiedener pyreno- 
karper Flechten kommen Gonidien vor, die von denen des Thallus durch 
geringere GroBe und manchmal durch abweichende Gestalt verschieden sind. 
Nylander, welcher diese Gebilde entdeckte, bezeichnete sie (Syn. meth. 
Lichen., ^ S. 47) mit dem Namen Hymenialgonidien. Diese finden sich 
z. B. bei Endocarpon piisilltmi (Fig. 162), Staiiroihele ventosa^ Stigmatomma 



Hymenluin. 


327 





cataleptum usw. und sind Abkommlinge der Thallusgonidien, welche regel- 
maBig bei der Perithezienbildung in die junge Anlage mit eingeflochten 
werden. Bei jeder Sporenejakulation werden zugleich eine Anzahl I'L aus- 
geworfen. (Nach Stahl, Beitr. z. Entwicklungsgesch. d. Flecht IL 1877, 
vgl. Ref. in JUSTs Bot. Jahresb. 

1877, S. 46, und Funfstuck, 

E. P. 1. S. 17.) (^.) 

Hyineniuin: Bei einem gro- 
Ben Teile der Fungi stehen die 
fruchtbildenden Organe (Konidien- 
trager, Basidien, Asci) in festerer 
Verbindung zu einer besonderen 
Schicht, dem H. oder der Frucht- 
haut. DiesebekleidetdieHymeno- 
phore. Im Hymenium herrscht 
eine bestimmte raumliche Ord- 
nung und Reiffolge der Basidien 
bzw. Asken, die aber bei den 
einzelnen Arten eine verschiedene 
sein kami. Bei den meisten Arten 
finden sich daher Basidien und 
Asken in alien Reifestadien, auch 
werden sie in bestimmter Folge 
kontinuierlich nachgebildet. In dem H. linden sich haufig zwischcn den 
sporenbildenden Zellen noch andere unfruchtbare , abcr fiir Spezics, oft 
auch Familie u. a, charakteristische Elemente, welche als Paraphysen 
(Zwischenze lien) und 
Hymenialdriisen a 

(Zystiden) unterschie- 
den werden konnen’'). 

Die Paraphysen, welche 
beiden Ascomyceten(s. 
unter Asci) ihre hochste 
Ausbildung erlangen, 
sind typische Gebilde, 
welche vor den Asci 
usw. ausgebildet und 
spater von den sporen- 
erzeugeiiden Zellen 
durchwachsen werden; 

sie finden sich auch Hymenium von Coprbms micamis: a Liingsschnitt, 

an dem IT. mancher h Oberflachenansiclit, i> Zysticle po/j) (Nach I)I5 Bauy,)' 


Fig. 162. E 7 idocarpon pusilhim: A Fragment au.s 
clem ITymeniiim mit zahlreichcn Hy me ni al- 
go nidi en zwischen den SchlSnchen; S zwei aus- 
geworfene Sporen, deren Keimschlauche Hymcnial- 
gonidien umsponnen liaben; letztere haben infolgc- 
dessen bereits betnichtlicli an Grolie zugenommen 
( 320 /^). (Nacli Stahl.) 



4 Hohnel und Litbciiauer {S. Ak. Wien, Bd. 115, 116) imterscliciden von clen typischen 
Zystiden (/V;w^///£7r^-Zystiden) noch Pseudo- und Deiidrophysen, sowie Glo eozystiden. 
Bei Peniophom Aegerita kommt es hiuifig vor, dab das H. in der Fr^vrekir.ng -tccken bleibt und 
Br.-'dien imd Sporen eigentiimliche bulbillenformlge (Hymenxal- 

id. [Ki] 



Ilydromorplioseii — Hydrotropismus 


325 


tigsten Faktoren ftir die Entwicklung der Vegetation. Nach den verschiedenen 
Mengeverhaltnissen, worin sie den Pflanzen dargeboten werden tind je nachdein 
diese ihnen angepaBt sind, hat A. de Candolle (Arch. Sc. Bibl. universelle Geneve, 
1874) die Pflanzen in folgende sechs Gruppen geteilt: 

1. Hydromegatherm en, d. h. Pflanzen, die an Wasser nnd an Warme die 
grdflten Anforderungen stellen; ihre Heimat sind gegenwartig besonders die tro- 
}flschen Gegenden, soweit dort die Mittelteinperatur des kaltesten Monats 16*^ 
tibersteigt. 

2. Xerophilen, die Trockenheitspflanzen, die viel Warme verlangen, aber 
an Wasser die bescheidensten Ansprtiche stellen. Hierher gehdren die Wtisten-, 
Steppen- und manche Savannenpflanzen. 

3. Mes o therm en, die eine mittlere Wtone und jedenfalls zu gewissen Zeiten 
eine reichliche Feuchtigkeit verlangen. (Die Mittelteinperatur des kaltesten Monats 
muB unter 16^^ aber iiber 0° liegen.) 

4. Mikrothermen, die im Winter langere Frostzeiten vertragen, in der 
Vegetationszeit aber gleichmaflig verteilte Niederschlage beanspruchen. 

5. Hekistothermen, die jenseits der Grenzen des Baumwuchses vorkommen, 
w(\ die Temperatur des wtonsten Monats unter 10° sinkt; sie ertragen lange 
Lichtmangel. 

6. In den friiheren Erdperioden gab es vielleicht Megistotherm en, die hohe 
gleichmaflige Temperaturen (flber 30°) verlangten. {D,} 

Hydromol'pliosen (Herbst, vgl. formative Reize): Morphosen (s. d.) 
iiifolge von Wirkungen des Aufenthalts im Wasser. (L.) 

Hydl'onastie (Pfeffer, IL 497 ff.), die Gesamtheit der aitionastischen 
Vorgange, die durch die hydrischen Verhaltnisse (Wassergehalt, -versorgung) 
verursacht werden. Da diese Bewegungen nicht allein durch Turgorverande- 
rungen ausgelost werden, so diirfte sich, nach PFEFFER, als Kollektivbegriff 
H. (ebenso Hydrotropismus) mehr empfehlen als Turgonastie, eine 
Bezeichnimg, die Hansgirg (Physiol u. phykophytol Unters,, 1893, S. ii) 
benutzt. (Z.) 

hydrophil s. aerophil. 

Hydrophilae (Delpino) s. Wasserbliitler. 

Hydrophyten s. Flydatophyten. 

Hydropinnae s. Aphlebien. 

hydi'opische Zellen s. Cyanophyceenzelle. 

Hydropleon s. Pleone. 

Hydi^osol s. Kolloid. 

Hydi’Ostei'eiden s. Holzkorper u. Transfiisionsgewebe. 
Hydrostereom, hydi’ostei'eome transversal (Bernard) s. Trans- 
fusionsgewebe. 

Hydrotropliie s. Trophic. 

Hydrotropismus: Bei manchen Pflanzen wird durch eine Feuchtigkeits- 
differenz in der Luft oder im Wasser usw. eine tropistische Kriimmungs- 
bewegung hervorgerufen, die entweder dem feuchten Medium zugewandt 
(positiver H.) oder von ihm abgewandt ist (negativer H.j. Eine positive 
hydrotropische Fahigkeit besitzen die Haupt- und Nebenwurzeln, die durch 
diesel Reaktionsvermogen veranlaflt werden, sich nach der feuchteren Luft 
Oder dem feuchteren Boden hin zu kriimmen. Dagegen verhalten sich die 


328 


Hymenium — Hypercliromasie. 


Basidiomyceten, z. B. bei Coprinus (Fig. :63). Die Zystiden, welche in dem H. 
derBasidiomyceten besonders reich entwickelt sind, stellen liaarige Gebilde dar, 
welche, wie sich besonders klar aus der Entwicklungsgeschichte der Gattung 
Hypochnus ergibt, Endzweige eines Hyphenbundels sind, deren Seitenzweige 
die sporenbildenden Zellen (Basidien) bilden. (Nach J. SchrOTER, in E. P. I. i, 
S. 54 .) [F.) 

Hymenium der Flechten s. Apothecien der Flechten. 

Hymenophoren (Fruchtschichttrager) sind die Trager des Hy- 
meniums und haben die Aufgabe, moglichst groBe Hymenialflachen auf 
kleinstem Raum so zu lagern, daB der freie Fall aller abgeworfenen Basidien- 
sporen gewahrleistet ist. 'Dementsprechend sind die Hymenophoren meist 
als Waben, Falten, Stacheln, Blatter oder Rohren gestaltet, die sich nach 
unten bin verjiingen und ein bestimmtes Orientierungsvermogen fpositiver 
Geotropismus) besitzen. Der letztgenannte bedingt das lotrechte Wachstura 
nach unten. An solchen nach unten hin verjiingten genau senkrecht ge- 
stellten Tragern kann jede in der Fallrichtung sich bewegende Spore den 
darunter befindlichen Luftraum erreichen. Bei den Hutpilzen sind die Hy- 
menophoren an besonderen Organen — den Fruchtkorperplatten — inseriert. 
Diese besitzen ebenfalls ein besonderes raumliches Orientierungsvermdgen 
und zwar wachsen sie itn Gegensatz zu den Hymenophoren in wagerechten 
Richtungen (diageotropische Einstellung), so daB viele Hymenophore dicht 
nebeneinander in bestimmter Anordnung an den Flatten gebildet werdcn 
konnen. Das gesamte System der Hymenophore an der Fruchtkorperplatte 
wird als Hy menial bezeichnet. Das Hymenium kann bei den einfachstcn 
Formen, die groBe Substratflachen fur seine Bildung zur Verfiigung haben 
die Fruchtkorperplatten direkt (Stereum) bekleiden, ohne daB ein Hymenial 
zur Bildung kommt. 


SchlieBlich kommt noch als ein weiteres hier ftir die Energieausriistuno- 
der Basidie (s. d.) sorgendes Organ, der Fruchtkorperstiel, in Betracht, der 
die Fruchtkorperplatten samt Hymenial — den Hut — so weit in die Hohc 
hebt, dafl die fallende Basidienspore einen Luftraum von geniigender Hcihc 
vorfindet, auch vermag er den Hut durch seine meist negativ geotropische 
Eiristellung zu onentieren. Die verschiedenartige Ausgestaltung des Hyme- 
nials in Stacheln, Warzen, Poren, Blattern, bildet das Haupteinteilungsprinzip 
der Famihen in der Systematik der Basidiomyceten. [F.) 

Hymenopterenblumen = Hautfliiglerblumen s. d. 

Hynmnopterocecidien, die durch Hymenopteren (Haulfliigler) er- 
TkfL CySpfc’- S'"'”'" /O' “'I'"" tapIMcrtcn IVo- 

Hypanthium s. Receptaculum. 

Hyperbelgesetz s. Reizmenge. 

Hyperchimaren (Strasburger, B. D. B. G. 1909) s. Chimaren 

Hyperchromasie der Zellkerne. Von einer solchen spricht man dann 
wenn sich m den Kernen eine betrachtlich groBere Zahl von Chromosomen' 
zeigt als zu erwarten ist. So berichtete Guignard (1892), daB im unteren 
Embryosackkern von Lthwn »uberzahlige« Chromosomen auftreten. Ahn- 



hyperhydrische Gewebe — Hyphenvolum. 


329 


liches schilderte Frisendahl (1912) fiir Myricaria. StraSBURGER zeigte 
1908 (J. W. B. Bd. 45), daf 3 in ersterem Fall nachtragliche Langsspaltimgen 
einsetzen, Frisendahl laBt auch wohl Querteilungen mitspielen. — Starke 
Stoffwechselvorgange sind eventuell dafiir verantwortlich zu machen. Dies gilt 
ganz besonders fiir die hyperchromatischen Kerne, die nach Wurzeldekapi- 
tationen aiiftreten (Nemec 1910). Ansatze zu Hyperchromasie beobachtete 
auch Rosenberg im Suspensorkern gewisser Kruziferen. [T) 

‘hypei'hydi'ische Gewebe: Als h. bezeichnet KOster (1903) alle die- 
jenigen abnormen Gewebe, deren Bildung ersichtlich auf einen UberschuO 
an Wasser innerhalb der Pflanze ziiruckzufiihren ist Sie kommen alle 
durch abnorme VergroBerung der Zellen (Hypertrophie) zustande; man sieht 
in den meisten Fallen bei Entstehung der abnorm groOen Zellen ihren 
plasmatischen Inhalt abnehmen und ihre geformten Bestandteile wie die 
Chlorophyllkorner allmahlich degenerieren. (Siehe auch unter Lentizellen- und 
Rindenwiicherungen und Intumescenzen.) [Kst.) 
hyperisotonisch = hypertonisch s. Osmose. 

Hyp erplasie (Virchow, Zellularpathologie, 1858, S. 58): Als H. be- 
zeichnet ViRCHOW alle abnormen Massenzunahmen der Gewebe und Organe, 
die durch Zellenteilung zustande kommen. Als Homooplasie wird von 
KtiSTER (1903) diejenige Gewebeneiibildung bezeichnet, die hinsichtlich 
ihrer Gewebedifferenzierung mit dem normalen Mutterboden iibereinstimmt; 
als Heteroplasie dagegen wird jede Massenzunahme eines Organs bezeich- 
net, bei der durch abnorme Zellteilungen Gewebe gebildet werden, deren 
Bail nicht dem normalen gleicht. [Kst,] 

Hypertrophie: Unter H. versteht Kuster (1903) jeden abnormen 
Wachstumsvorgang, der bei AusschluB von Zellteilungen zur Bildung ab- 
norm groBer Zellen fiihrt. H. tritt eiii nach Verwundung (Kallushypertrophie), 
nach Infektion durch gallenerzeugende Parasiten (z. B. Erineumgallen), bei 
Entstehung der hyperhydrischen Gewebe (s. d.) usw. 

Wahrend oder nach der Volumzunahme erfahren zumeist auch der Inhalt 
der Zellen und ihre Membranen verschiedene Veranderungen: entweder es 
erfolgen regressive Veranderungen; das Plasma wird verbraucht, die Inhalts- 
korper degenerieren oder werden geldst (kataplastische H.), oder es treten 
progressive Veranderungen ein, die den Zellen neue anatomische Kenn- 
zelchen und Funktionen geben: die Zellen speichern EiweiB oder Starke, oder 
sie entwickeln Chlorophyll und roten Vakuolenfarbstoff, oder ihre Membranen 
bekommen charakteristische Verdickungen (prosoplastischc PL). [Kst,] 
Hyphen der Algen (nach Reinke, vgl. 0 . 1. S. 448), Dieselben treten im 
Mark gewisser Phaeophyceen auf. Wenn die Markzellen durch Schleim getrennt 
werden, wolben sich beliebige Stellen ihrer Waiidung vor und wachsen zu langen 
FMen aus, die den Hyphen der Pilze ahneln. Plierher gehoren auch die Trump et- 
Hyphae der Amerikaner. [K] 

Hyphen der Pilze s. Myzel. 

Hyphengewebe vgl. Myzel und Plektenchyra. 

Hyphenvolum: Durchmesscr des Hyphenzylinders dicht hinter dem 
Zuwachskegel gemessen als GroBenausmaB. Dieses ist fiir die Arten ein 
fixiertes wie bei den Sporendurchmessern, (A) 


330 


Hyphoiden — Hypoderm. 


Hyphoiden (Vuillemin, Bull. Soc. Sc. Vianoy, 1909) == hyphenahnliche 
Scheiden, die aber von der Wirtspflanze produziert werden, in denen ein- 
gedrungene Bakterien liegen, so bei Rhizobium in Leguminosenwurzeln. [T.) 

Hyphopodien s. Myzel. 

Hyphydi-ogamicae (Knuth) s. Bestaubungsvermittler u. Wasserbliitler. 

hypisotonisch = hypotonisch s. Osmose. 

Hypnoakineten = Ruheakinet s. Akineten. 

Hypnosporen (Rostafinski, in Denkschr. d. Krakauer Akad., Abt.'III, 
Bd. II) Oder Hypnozysten nennt man bei Chlorophyceen solche mit Reserve-* 
stoffen erfullte Dauerzellen oder Ruheakineten, welche vor dem Keimen 
fur eine langere Zeit ruhen. Vgl. auch Akineten. Uber H. und Hypno- 
zysten vgi. auch ChodaTj Algues vertes de la Suisse 
(1902). (Sz/.) 

Hypnothalli: Chodat gibt fur Monostroma (Fam. 
der Ulvaceen) an, daB iinter VergroBerung und Einlage- 
rung von Reservesubstanz Thalluszellen sich in ruhende 
Akineten umwandeln. Durch einige Teilungen konnen 
diese Dauerzellen Haufiein bilden, sogen. »Hypnothaili« 

( 0 . I S. 208). (AT.) 

Hypnozysten s. Hypnosporen. 

HypocMlium der Orchideenbliite s. diese. 

Hypoderm. Der BegrifF H. , Unterhaut- 
gewebe, epidermale Schichten, mehrschich- 
tige Epidermis wurde von verschiedenen Autoren 
je nach rein entwicklungsgeschichtlichen oder physio- 
logischen Gesichtspunkten zwar verschieden definiert, 
aber alle die verschiedenen Definitionen vereinigen 
sich darin, als H. nur diejenigen unter der Epidermis 
liegenden Zellschichten zu verstehen, welche die Epi- -pig. 164. Zwei Kur^zelleii 
dermis in ihrer Funktion unterstiitzen. Im Bereiche zwischen Langzellen der 
der Blattanatomie fallen demnach unter diesen Bepriff Fxodcrmxs in der Assimila- 

die ^subepidermalen Wassergewebeschichten bei Be- pyiocentron chiororMzum. 
gmia, Ficus, die dickwandigen, vielfach sklerenchyma- (Nach Porscii.) 
tischen oder bastformigea subepidermalen Zellschichten 

in den Blattern zahlreicher Gymnospermen, Bromeliaceen, Gramineen usw. In 
den Stengeln ist das H. haufig in Form von subepidermalen Kollenchym- oder 
Sklerenchymstrangen entwickelt In der Wurzelanatomie hat sich der Begriff 
H. wenig eingeburgert. Es wird hier vielmehr von den subepidermalen 
Schichten eine in der Regel aus Endodermzellen gebildete Zellschicht der 
primaren Rinde als auBere Endodermis oder Exodermis der eigent- 
lichen (inneren) Endodermis gegenubergestellt. Dieses als Exodermis 
bezeichnete Wurzelhypoderm hebt sich bei mit Wurzelhiille versehenen Luft- 
wurzeln besonders deutlich ab und lehnt sich nach innen unmittelbar an die 
Wurzelhiille an, die ja entwicklungsgeschichtlich aus der Epidermis hervor- 
gegangen ist. Die Exodermis besteht aus langgestreckten, im alteren Stadium 
meist dickwandigen Endodermzellen (Langzellen) und den sogen. Kurz- 
zellen, Durchlaflzelleii, Durchgangszellen, meist viel kiirzeren, diinn- 




hypogae Kotylecloneii — Hypoplasie. 


331 


wandigeiij plasmareichen Zellen ; .diese stellen die Durchgangsstellen fur das 
von der Wurzelhiille gesammelte Wasser dar. (Vgl. Fig. 164.) 

A. Meyer debate den Ausdruck H. auch auf die Wurzel aus und bildete 
den Begriff der Wurzelhypodermis. Er versteht darunter alle jene Scliich- 
ten der Wurzel, welche durch Lage, Bau ihrer Elemente und llickenlosen 
ZusammenschluB erkennen lassen, daB sie die Wurzelhaut (s. d.) in ihren 
Funktionen imterstiitzen. Im AnschluB an diese weitere Fassung des Be- 
griffes der Wurzelhypodermis hat Kroemer auf Grund eingehender D